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[ANTHOLOGIE] Die andere Seite des Regenbogens von Svea Lundberg (Hrsg)

Autor*innen: Josephine Awgustow, Clover Beck, Nora Bendzko, Lena M. Brand, Elea Brand, J. L. Carlton, Màili Cavanagh, Ray Celar, Carmilla DeWinter, Charlotte Florack, Anna-Katharina Höpflinger, Annette Juretzki, Svea Lundberg, Elian Mayes, Suka Noitchi, Leann Porter, Elisa Schwarz, Fini Vav, Dima von Seelenburg, Ellis Weiss
eBook:  206 Seiten
ASIN: B076Z33JGW
Preis: 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Inhalt:
Ob ein Topf voll Gold, die Liebe des Lebens, die Brücke ins nächste Leben oder das queere Symbol schlechthin – jeder sieht in einem Regenbogen etwas anderes. Zwanzig Autor*innen haben sich im Rahmen einer Ausschreibung an unterschiedliche Interpretationen gewagt und eine bunte Anthologie hervorgebracht, die das Thema von allen möglichen Facetten beleuchtet. Dabei kommen schwule, lesbische und transgender Charaktere zu ihrem Recht, ebenso findet man Fantasy und Sci-Fi Geschichten neben alltäglichen Dramen und lockerleichten Liebesgeschichten.

Folgende Geschichten sind dabei:
Coming Home von Leann Porter
Arcobaleno von Elea Brandt
Ein Bruchstück Himmel von Annette Juretzki
I’ll be in Scotland afore Ye von Elian Mayes
Inbetween – Und zwischen uns der Regenbogen von Svea Lundberg
Lichtweber von Ellis Weiss
Zehn Jahre siebzehnter September von Dima von Seelenburg
Meaningless von Fini Vav
Leprechaun von J. L. Carlton
Farbtupfer von Ray Celar
Abendlicht von Josephine Awgustow
Freunde fürs Leben von Elisa Schwarz
Flo, seine Männergeschichten, Hugo und ich von Carmilla DeWinter
Nächtliche Begierde von Màili Cavanagh
Mensch in der Maschine von Nora Benzko
Der nördlichste aller Regenbögen von Suka Noitchi
In den Fängen eines Konzertflügels von Anna-Katharina Höpflinger
Farbperspektiven von Charlotte Florack
Vom Suchen und Finden von Clover Beck
Alle Farben des Regenbogens von Lena M. Brand
Vergiss mein nicht von Carmilla DeWinter

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[ROMAN] Sternenbrand von Annette Juretzki

 

Autor: Annette Juretzki
Taschenbuch:  Band 1: 494 Seiten, Band 2: 392 Seiten
ISBN: 978-3947031061
Preis: je 4,99 EUR (eBook) | ja 13,95 EUR
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Story:
Seitdem die Phantome vor 150 Jahren eine Spur der Vernichtung durch die Galaxis gezogen haben und danach verschwunden sind, bereiten sich die verschiedenen Rassen und Lebensformen auf eine erneute Invasion vor. Dazu gehört auch rare Informationen über den Feind zu sammeln, denn es ist nur wenig über die Phantome und ihre Technologie bekannt. Als Söldner unter der Führung von Jonas Brand den rückständigen Planeten Vissa aufspüren, finden sie nicht nur alte Technologie der Phantome, sondern auch Menschen, die diese als Götter anbeten. Der junge Vissaner Xenen versucht die nahende Katastrophe zwischen den Söldnern und seiner Familie abzuwenden und findet sich nach einigen Zwischenfällen und Missverständnissen schwerverletzt an Bord von Jonas‘ Raumschiff wieder. Dort lernt er nicht nur die unterschiedlichsten Rassen des Universums kennen (denn die Mannschaft ist ein wild zusammengewürfelter Haufen), sondern auch den Ghitaner Zeyn, der sich Xenen gegenüber vollkommen anders verhält, als die übrigen Mannschaftsmitglieder. Schon bald steht er zwischen den beiden ungleichen Männern, denn er entwickelt zu beiden Gefühle. Und als wäre das nicht genug gibt es an Bord einen Verräter, der es auf Xenens Leben abgesehen hat und alles daran setzt die Geheimnisse der Phantome zu schützen. Die ungleiche Gruppe stolpert von einem Desaster ins nächste, entdeckte dabei aber auch die unglaublichen Wahrheiten und Hintergründe der Phantome, der Kriege und der Rassen selbst …

Eigene Meinung:
Die beiden Bücher „Blind“ und Blau“ stammen aus der Feder Annette Juretzkis und erschienen 2017 im Traumtänzer Verlag. Im Grunde handelt es sich bei den Romanen um ein knapp 900 Seiten starkes Buch, das den Titel „Sternenbrand“ trägt und aufgrund des Umfangs gesplittet wurde. Da die Handlung kontinuierlich fortgesetzt wird, müssen die beiden Bücher auf jeden Fall der Reihe nach, am besten am Stück gelesen werden.

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[ZITATE-FREITAG] Die stille Seite der Musik

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meine Rezension
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Auch in dieser Nacht, auf dem Beifahrersitz von Eddis BMW M4, vergesse ich alles um mich herum, während ich Einaudis Meisterstück lausche. Ich sitze reglos, nur meine Finger berühren sacht die unsichtbaren Tasten des imaginativen Klaviers vor meinen geschlossenen Augen. Gleich erreicht das Stück seinen dramatischen Höhepunkt, gleich wird es …

Wie aus dem Nichts wird mein Körper zur Seite gerissen. Mein Kopf prallt gegen das Seitenfenster. Ich reiße die Augen auf. Meine Finger verlassen die Tasten, suchen Halt. Doch vergeblich. Schon dreht sich mein Magen um. Oder nein? Das Auto dreht sich? Schleudert zur Seite. Ein Stöpsel gleitet aus meinem Ohr. Ich höre die Mädchen kreischen. Schreie ich auch? Die »Oltremare« verklingt auf ihrem Höhepunkt. Schmerz schießt durch meinen Arm und Rücken. Dann wird alles schwarz.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 8 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

»Tino!«

Ich drehe mich um. Wenigstens ich reagiere, wenn man mich anspricht. Petra steht in der Stalltür und winkt mir.

»Dein Bungalow ist bezugsfertig. Der Schlüssel liegt unter der Fußmatte, da ich gleich nochmal weg muss.« Ihr Blick schweift zu dem Kerl, der noch immer das Pferd striegelt, ohne uns zu beachten.

»Wie ich sehe, hast du Flo schon kennen gelernt.«

Ich hebe die Schultern. »Kann man so nicht sagen. Ich hab Hallo gesagt, aber der redet nicht mit mir. Ist der taub oder was?«

Mit einem Mal tritt ein Ausdruck auf Petras Gesicht, der eine merkwürdige Mischung aus Betroffenheit und einem leichten Tadel sein könnte. Ich blick’s nicht …

»Ja.«

»Was ja?«

»Florian ist gehörlos.«

Upps! Voll ins Fettnäpfchen!

„Die stille Seite der Musik“, Seite 23-24 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Ein Schatten huscht über Flos Gesicht, während er liest, jedoch ganz kurz nur. Etwas wie Mitleid sehe ich nicht in seinem Blick. Na ja, wahrscheinlich denkt er sich, dass ich mich nicht so anstellen soll. Immerhin kann ich ja hören.

Das tut mir leid. Gibt es keine Aussicht auf Heilung? Durch Physio oder eine Operation? Willst du das überhaupt?

Sekundenlang starre ich auf den Zettel. Macht der Witze? Ob ich geheilt werden will? Ich würde verdammt nochmal beide Beine dafür eintauschen, um meine Finger wieder richtig bewegen, wieder Klavier spielen zu können.

Genauso schreibe ich das auf und kann mir nicht verkneifen hinzuzufügen: Würdest du nicht auch alles tun, um hören zu können?

Flo liest. Er runzelt die Stirn. Schüttelt den Kopf. Und dann lacht er. Lautlos zwar, aber es ist eindeutig ein Lachen. Was ist denn jetzt kaputt?

Nach einem einzigen Satz streckt er mir den Block entgegen.

Ich habe viel dafür getan, nichts mehr hören zu müssen.

Mein Kopf ruckt nach oben. Ich starre Flo an, dann wieder den Zettel und wieder Flo. Verarscht der mich?

„Die stille Seite der Musik“, Seite 50-51 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Wieder schließe ich die Augen und … hebe nur einen Moment später die Hände, um mir die Finger fest in die Ohren zu stecken. Denn plötzlich ist da der Drang, den Moment genauso zu erleben, wie Flo es tut. Tatsächlich gelingt es mir, Möwenschreie und Wellenrauschen aus meiner Wahrnehmung auszuschließen. Ich sehe und höre nichts mehr. Hole tief Luft und atme ganz langsam aus. Konzentriere mich auf die Empfindungen, die mir geblieben sind. Und vielleicht ist es nur Einbildung, reines Wunschdenken, doch mit einem Mal kann ich das Meer riechen.

Konnte ich zuvor schon. Doch nun ist alles viel intensiver. Es ist eine Mischung aus Salz, Seetang und … Ich kann’s nicht so genau einordnen und öffne die Lippen leicht, um den Geruch auch in meinen Mund zu lassen. Ihn auf meiner Zunge in Geschmack umzuwandeln. Und es scheint sogar zu gelingen.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 108 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Scheiße, hämmert es in meinem Kopf. Und nochmal: Scheiße, Scheiße, Fuuuck!

Die Bewegungen meiner Hand sind binnen eines Herzschlags erstarrt, stattdessen umklammere ich meinen Penis, als müsse ich mich daran festhalten. Irgendwo in einer hinteren Gehirnwindung wundere ich mich darüber, dass mein Ständer sich aufgrund des Schocks nicht verflüchtigt. Doch noch viel dringender als die Antwort auf dieses Warum, möchte ich wissen, was Flo jetzt denkt. Oder vielleicht will ich es auch nicht wissen?

Tatsache ist, er starrt mich an und sieht dabei mindestens mittelmäßig schockiert aus. Es ist offensichtlich, dass er sehr genau mitbekommen hat, was ich gerade getan habe und dass er nicht die geringste Ahnung hat, was er jetzt machen soll. Von Wegrennen bis mir eine scheuern scheint mir–- von seinem Standpunkt aus betrachtet – alles eine akzeptable Reaktion.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 131 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Mir fallen beinahe die Gläser aus der Hand. Ich bleibe wie angewurzelt stehen. In meinem Kopf pocht’s blöde, keine Ahnung, ob es die Beats oder mein Herzschlag sind . Ist mir auch vollkommen egal im Moment. Alles, was mich im Moment interessiert, ist die Tatsache, dass Flo und der fremde Kerl am Knutschen sind. Mitten auf der Tanzfläche. Vor meiner Nase. Ja, geht’s noch?

Mir wird ganz flau im Magen, als ich es begreife: Flo ist definitiv schwul. Und ich bin schlichtweg zu spät dran.

Ich hab‘ den Mund nicht aufbekommen und nun hat ein anderer sich meinen Sunnyboy geschnappt. Hängt an seinen Lippen, vergräbt die Finger in seinem Haar und streichelt seinen Nacken. All diese Dinge, die ich gerne mit Flo machen würde.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 141 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Als Pianist – okay, Ex-Pianist – und Musikliebhaber habe ich die Angewohnheit, mich in den unmöglichsten Momenten zu fragen, welches Klavierstück die Szenerie wohl am besten untermalen würde. Meistens habe ich direkt ein bestimmtes Lied im Ohr und mache dies zu meinem ganz persönlichen Soundtrack des Geschehens. Doch jetzt, in Flos Armen, eingehüllt in seinen Geruch, mit seinen Lippen auf meinen und seinen Händen auf meiner nackten Haut, könnte jedes Musikstück passend sein – oder aber keines.

Seine Berührungen erinnern an Yann Tiersens »Esther« – warm und fragend. Eine stumme Suche. Seine Küsse schmecken nach Ludovico Einaudis »Nuvole Bianche«, nach Zärtlichkeit und Hingabe. Sind eine Eroberung. Unser gegenseitiges Kennenlernen ist zart und gleichzeitig wild wie Einaudis »Fly«. Und wenn ich tief in mich hineinhöre, tut es sogar weh. Nur ein kleines bisschen. Es ist dieser bittersüße, sanft-reißende Schmerz, der auch Hans Zimmers »Time« innewohnt.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 164 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Flo schluchzt lautlos. Auch seine rechte Hand bebt, als er sie hebt und eine einzige Gebärde damit formt: Eine waagrechte Faust mit ausgestrecktem kleinem Finger und Zeigefinger. Ich bin mir nicht sicher, was sie bedeutet, dennoch nicke ich. Dann schlage ich die Beifahrertür zu.

»Fahren Sie bitte los.«

Der Motor brummt auf, das Taxi rollt los. Ich schaue in den Rückspiegel und wünsche mir, es nicht getan zu haben. Flo wendet sich ab, weint jetzt richtig und fällt schutzsuchend in Petras Arme.

Mensch, Flo, du kleiner Sonnenschein, wenn ich gewusst hätte, dass es dir so weh tut, wenn ich gehe, hätte ich nicht …

Ich beiße mir auf die Lippe, bis es schmerzt. Balle die Hände zu Fäusten. Doch, ich hätt’s trotzdem getan. War einfach zu schön.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 193 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

»Hey!« Céline strahlt mich an. »Deine Mum hat mich reingelassen. Störe ich?«

– Nein. –

Erst ihr irritierter Blick zeigt mir, dass ich meine Antwort tatsächlich gebärdet habe.

»Nein«, beeile ich mich schnell zu sagen und irgendwie … stört sie schon ein bisschen. Mein Kopf wirbelt zu Flo herum. Er schaut mich abwartend an.

»Das … ähm … Céline, das ist Flo.« Etwas hilflos deute ich auf den Bildschirm.

»Oh, der Flo?« Sie kommt näher und neigt sich über meine Schulter, um direkt in die Kamera schauen zu können. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sie Flo winkt. Er erwidert die Geste mit erzwungenem Lächeln.

– Das ist C-É-L-I-N-E -, erkläre ich Flo, halte inne.

– Eine Freundin? Aus der Schule? –

Ich halte den Atem an.

»Was meint er, Schatz?« Zu allem Überfluss schmiegt sie sich von hinten an meinen Rücken und schlingt die Arme um meinen Hals. Leugnen zwecklos.

– Sie ist meine feste Freundin. Wir sind zusammen. –

„Die stille Seite der Musik“, Seite 228-229 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

In diesen Gedanken versunken lasse ich den Jeep aus der breiten Hofeinfahrt rollen, biege rechts ab und steuere auf die steile Straße abwärts zu. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Yannik sich umdreht.

»Warte mal …«

Ich werfe einen Blick in den Rückspiegel und sehe eine Gestalt über den Hof rennen. Severin? Er gestikuliert wild, scheint irgendetwas zu schreien. Hat der sie noch alle? Obwohl ich keine Lust auf den Kerl habe, trete ich auf die Bremse. Aber … es passiert nichts. Wie jetzt? Ich trete stärker aufs Pedal. Nichts. Keine Reaktion. Der Wagen wird nicht langsamer, rollt unaufhörlich auf die steile Straße zu.

Autounfall, flackert ein einziges Wort grell wie in Neonlettern gezeichnet vor meinem inneren Auge. Es ist wie ein ganz, ganz schlechtes Déjà-vu!

„Die stille Seite der Musik“, Seite  270 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Ich hoffe, mit diesen Zitaten konnte ich euch einen kleinen Einblick in das Buch gewähren und ihr bekommt Lust auf „Die stille Seite der Musik.“  Holt es euch – es lohnt sich 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Die stille Seite der Musik von Svea Lundberg

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Autor: Svea Lundberg
Taschenbuch: 272 Seiten
ISBN: 978-3-947031-00-9
Preis: 12,95 EUR (Taschenbuch) / 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Ein schrecklicher Autounfall bereitet Valentins Träumen schlagartig ein Ende – mit den steifen Fingern seiner linken Hand ist es dem jungen Mann nicht mehr möglich Starpianist zu werden. Nach Wochen des Verkriechens beschließt er sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und seilt sich auf den Pferdehof seiner Tante ab. Dort trifft er auf den gehörlosen Florian, der eine Ausbildung zum Pferdewirt absolviert und ein besonderes Händchen für Pferde hat. Die beiden lernen sich trotz Sprachbarriere schnell näher kennen und Valentin beginnt sogar damit Gebärdensprache zu lernen. Als es zwischen den beiden richtig funkt, wird Zeit zu einem maßgeblichen Problem, denn Valentins Zeit auf dem Pferdehof neigt sich dem Ende entgegen …

Eigene Meinung:
Mit „Die stille Seite der Musik“ bietet Svea Lundberg dem Leser ein ungewöhnliches Setting und überraschend eigenwillige Charaktere, die nur bedingt dem gängigen Klischee entsprechen. Wer ihre bisherigen Werke („Kristallschnee“, „Inbetween“) kennt, bekommt mit dem im Traumtänzer Verlag erschienen Roman etwas vollkommen Anderes präsentiert, denn „Die stille Seite der Musik“ lässt sich nur schwer mit ihren bisherigen Veröffentlichungen vergleichen.

Der Leser begleitet den jungen Valentin, dessen linke Hand bei einem Autounfall so stark verletzt wird, dass eine dauerhafte Schädigung der Nerven jegliches Klavierspiel unmöglich macht. Seine Zukunft als Starpianist ist vorbei und es dauert, bis er sich aus dem dunklen Loch befreien kann, in das er stürzt. Am hilfreichsten ist für ihn das Aufeinandertreffen mit Florian, der sich freiwillig in eine stumme Welt begeben hat, denn im Grunde könnte er mit entsprechenden Hilfsmitteln hören. Für Valentin unverständlich, doch mit der Zeit lernt er den angehenden Pferdewirt besser kennen und lieben. Zwischen den beiden vollkommen unterschiedlichen jungen Männern entspinnt sich schnell mehr, was natürlich zu einigen Problemen führt. Zudem haben sowohl Florian, als auch Valentin an kleineren Baustellen zu kämpfen, was dem Buch ein wenig mehr Tiefe verleiht.
Svea Lundberg versteht es geschickt die beiden unterschiedlichen Männer zusammen zu bringen und ihre persönlichen Probleme zu erläutern, denn nicht nur Valentin hat mit einigen Dingen zu kämpfen, auch Florian hat es nicht immer leicht. Dabei gibt sie den Figuren genügend Raum sich zu entwickeln und näher zu kommen, ohne dass es in irgendeiner Form gehetzt wirkt. Die Tatsache, dass Florian weder spricht, noch hört, wurde sehr angenehm umgesetzt, das Thema mit der notwendigen Sorgfalt abgehandelt. Man kann sich sehr gut mit den beiden Männern identifizieren, versteht ihre Sorgen und Probleme und begleitet sie gerne auf ihrem Weg. Beide sind sehr gut beschrieben, wenngleich man Valentin besser kennenlernt, dass das Buch aus seiner Sicht geschrieben wurde. Sehr schön wurde auch das Thema Bisexualität aufgegriffen und eingearbeitet, denn Valentin ist an beiden Geschlechtern interessiert. Es ist toll, das Svea Lundberg sich nicht davor gescheut hat, diesen Punkt ebenso offen zu behandeln, wie Florians Gehörlosigkeit. Das macht Valentin nur noch greifbarer und besser verständlich.

Insgesamt sind die Figuren sehr authentisch und gut nachvollziehbar in Szene gesetzt. Sowohl Valentin, als auch Florian schließt man ins Herz, ebenso die vielen Nebenfiguren. Sei es Valentins Mutter oder seine Tante, Florians Freund Yannick oder seine Sportkollegen – sie sind allesamt realistisch und sehr gut nachvollziehbar. Man hat sogar Lust auf mehr, denn einige Punkte bleiben am Ende doch noch offen und bieten Raum für eine Fortsetzung.

Stilistisch legt Svea Lundberg mit „Die stille Seite der Musik“ einen sehr schönen Roman vor, den man nicht so schnell aus der Hand legen kann. Man merkt, dass sie sich über Florians Gehörlosigkeit ebenso informiert hat, wie über Pferde, Gebärdensprache und Klaviermusik. Alles wirkt sehr authentisch, ganz besonders die Dialoge zwischen Florian und Valentin. Die Beschreibungen sind in sich stimmig und passend. Auch die Liebesgeschichte ist sehr sinnlich erzählt, ohne zu viel Gewicht auf Erotik zu legen. So ist es wirklich angenehm, dass nicht alles ausführlich dargelegt wird, sondern an passender Stelle ausgeblendet wird.

Fazit:
„Die stille Seite der Musik“ ist ein wundervolles Buch mit ungewöhnlichen Protagonisten und einer ganz eigenen, stimmungsvollen Atmosphäre. Dank des schönen Schreibstils und der gut recherchierten Geschichte, legt man Svea Lundbergs Roman nicht so schnell aus der Hand. Wer stille Geschichten mit neuen Ideen mag, sollte zugreifen – es lohnt sich. Zu empfehlen.

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[VERLAG] Vorstellung: Traumtänzer Verlag

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Hallo ihr Lieben,

heute habe ich die Ehre einen ganz neuen Gay Verlag vorzustellen, der mit dem morgen erscheinenden Roman „Die stille Seite der Musik“ von Svea Lundberg seinen Einstand feiert – den „Traumtänzer Verlag“. Ich hab die Gelegenheit genutzt den Verlagsleiter zu interviewen um mehr über den Verlag, das Programm und womögliche neue Bücher zu erfahren. Die kommenden Woche steht gänzlich im Zeichen des neuen Gay Verlags, denn am Mittwoch erwartet euch eine Rezension zur ersten Buchveröffentlichung, am Freitag könnt ihr im Rahmen des Zitate-Freitags ein wenig in „Die stille Seite der Musik“ hineinschnuppern. Ich wünsche euch viel Spaß.

Der Traumtänzer ist ein frisch aus der Taufe gehobener Kleinverlag, der sich auf Genres mit „gay content“ spezialisiert. Aus mitreißenden Geschichten wollen wir traumhafte Bücher machen. Für das erste Projekt konnten wir die Autorin Svea Lundberg für uns gewinnen, die uns mit dem Titel „Die stille Seite der Musik“ verzaubert.

Homepagehttp://traumtaenzer-verlag.de/

Interview

Bitte stelle dem Leser deinen neuen Verlag kurz vor.
Der Traumtänzer-Verlag hat es sich zum Ziel gesetzt, schöne Bücher zu machen – in jeder Hinsicht. Geschichten, die zum Träumen und Mitfiebern einladen, verpackt in ein hübsches Cover und ansehnlich gestaltet. Wir geben unser Bestes, unsere Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Ich spreche immer von „wir“, denn obwohl der Verlag faktisch ein Ein-Mann-Unternehmen ist, habe ich im Hintergrund viele tatkräftige Unterstützer, ohne die dieses Projekt gar nicht erst möglich gewesen wäre.

Wie bist du auf die Idee gekommen einen neuen Verlag für schwule Literatur zu gründen?
Geträumt habe ich davon schon lange. Mein ganzes Leben lang liebte ich Bücher und wollte immer einen Beruf haben, der sich mit ihnen beschäftigt. Nachdem ich auch gerne selbstständig bin, wollte ich einen eigenen Verlag gründen, sobald ich die Möglichkeiten habe, diese Unternehmung durchzuführen. Spezialisiert auf „schwule Bücher“ deshalb, weil ich Geschichten dieses Bereichs selbst am liebsten lese und schreibe und ich eine klar definierte Zielgruppe ansprechen möchte: Frauen und Männer, die diese Vorliebe mit mir teilen.

Welche Schwerpunkte möchte der Traumtänzer Verlag bedienen?cover-ssdm
Ein Schwerpunkt soll auf der „klassischen“ Contemporary Gay Romance liegen, der andere auf ausgefallenen, gern tiefgreifenden Geschichten jedes Genres.

Sind nur schwule Geschichten geplant oder sollen irgendwann auch Bücher mit lesbischen oder transsexuellen Helden hinzukommen?
Erst einmal nur schwul – wobei Transsexuelle ja auch schwul sein können, von daher sind die bereits mitinbegriffen.

Das Logo ist ja sehr mangahaft – sind nur Romane geplant oder sollen auch Mangas hinzukommen?
Geplant sind nur Romane. Sollte mir jemand einen guten Boy’s Love-Manga anbieten, würde ich jedoch nicht nein sagen. Allerdings ist mir –
ob Roman oder Manga – wichtig, dass die Helden auch wirklich Kerle sind. Die meisten Manga dieses Genres, die ich in den Händen gehalten haben, erfüllen dieses Kriterium in meinen Augen nicht.

Was erwartet die Leser in den kommenden Monaten? Auf welche Romane können sie sich freuen?
Zunächst einmal wird sich natürlich alles um Svea Lundbergs neuen Roman drehen. Das Herbstprogramm 2017 befindet sich momentan noch in Planung – auf die Geschichten, die dafür im Gespräch sind, darf man sich aber freuen. Außerdem soll es eine Anthologie geben.

Können sich Autoren mit ihren Projekten beim Traumtänzer Verlag bewerben und wenn ja, worauf sollten sie achten?
Ein ganz klares Ja! Ich bin noch nicht lange genug im Geschäft, um in Manuskripten zu ertrinken, von daher freue ich mich über jede Einsendung. Wichtig dabei ist, dass das wichtigste Kriterium „schwul“ nicht vernachlässigt wird und es sich bei den Herren auch erkennbar um Herren handelt. Natürlich dürfen sie sehr gerne auch traditionell als „weiblich“ geltende Charakterzüge haben, aber sie sollen überzeugen und nicht wirken, als wäre da eine weibliche Figur durch Änderung von Namen und Pronomen künstlich vermännlicht worden.

Du bist selbst Autor – sind auch eigene Projekte geplant?
Geplant ist nichts. Ich kann bei meinen eigenen Geschichten nicht objektiv genug sein, um sagen zu können, dass sie die Kriterien für eine Verlagsveröffentlichung bei Traumtänzer erfüllen oder nicht.

Es gibt bereits etliche Gay Verlage in Deutschland – was unterscheidet den Traumtänzer Verlag von den anderen und was erhoffst du dir von der Neugründung?
Ich hatte es sehr schwer, meine Bücher in diesen Verlagen unterzubringen. Hauptursache war dafür, dass die Liebesgeschichte nicht ungedingt im Vordergrund stand oder dass es kein Happy End gab. Es kam auch vor, dass der Plot zu ausgefallen war. Auch in dieser Nische gibt es schon festgefahrene „Mainstream“-Schienen, dabei müssen Geschichten jenseits davon nicht zwingend schlechter sein, im Gegenteil! Für Traumtänzer wünsche ich mir ausgefallene Ideen, unberechenbare Plottwists und gelegentlich ein Unhappy End, wenn es für die Figuren einfach nicht gut ausgehen kann. Auf keinen Fall soll der Leser denken: „Ach, die Situation ist zwar festgefahren, aber die Bücher gehen doch sowieso immer gut aus“. Nein, so gnädig will ich nicht sein. Es soll gezittert werden bis zum Schluss. Nur bei den klassischen Romanzen ist Traumtänzer offen für Althergebrachtes, für locker-flockige Romane für zwischendurch. Die Mischung soll es machen.

Wo siehst du deinen Verlag in 5 Jahren?
In der Nische etabliert, von Autoren wie Lesern geschätzt und mit einer Kapazität von fünf, sechs Romanen im Jahr statt zweien wie jetzt noch. Ich arbeite daran, dass es so kommen wird.

Ich bedanke mich für das ausführliche Interview und wünsch dir viel Erfolg. Ich bin sehr gespannt, welche Bücher im Herbst auf dem Programm stehen.

autorenfoto-svea-lundbergWie bereits angekündigt erscheint morgen der erste Roman – „Die stille Seite der Musik“ von Svea Lundberg. Und damit ihr wisst, worum es in dem Buch geht, hier der Klappentext:

Bei einem Autounfall wird Valentins Hand zertrümmert und seine Karriere als aufgehender Stern am Pianistenhimmel abrupt beendet. Nach Wochen voller Operationen und Rehamaßnahmen verordnet seine Mutter ihm Erholungsurlaub an der Ostsee. Auf dem Reiterhof seiner Tante lernt er den gehörlosen Florian kennen. Zwischen Stallausmisten und Strandausritten kommen die beiden sich langsam näher, aber Missverständnisse sind vorprogrammiert. Denn während Valentin alles dafür tun würde, um wieder Klavier spielen zu können, scheint Florian sein vermeintliches Handicap einfach wegzulächeln.

Seid gespannt und schaut am Mittwoch wieder vorbei – dann gibt es die Rezension zu Sveas Buch, das ich bereits im Dezember testlesen durfte 🙂

Liebe Grüße,
Juliane