Blog-Archive

[ROMAN] Niemand wird sie finden von Caleb Roehrig

Autor: Caleb Roehrig
Taschenbuch:  416 Seiten
ISBN: 978-3570173343
Preis: 11,99 EUR (eBook) / 14,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Als Flynns Freundin January verschwindet, gerät der Jugendliche als erster in den Fokus der Polizei, schließlich war er in der Nacht vor ihrem Verschwinden mit ihr zusammen. Glücklicherweise hat Flynn ein Alibi, macht sich jedoch selbst auf die Suche nach Antworten, denn January hat sich seit ihrem Wechsel auf die neue Highschool seltsam benommen: immer wieder sagte sie Treffen ab und hat kaum noch Zeit für ihre alten Freunde gefunden. Nach und nach stößt er auf Ungereimtheiten, denn January hat viele Dinge verfremdet dargestellt oder Lügen erzählt, unter anderem über ihn, weswegen Flynn zunächst auf eisigen Widerstand stößt. Glücklicherweise bekommt er Unterstützung von Kaz, einem jungen Studenten, der Flynns Gefühlswelt gehörig durcheinanderbringt und droht sein dunkelstes Geheimnis auffliegen zu lassen.

Die Ereignisse überschlagen sich, als Januarys blutige Kleidung gefunden wird und Flynn herausfindet, wie korrupt, kaltherzig und erfolgsversessen Januarys Schwiegervater ist, der kurz vor der Wahl zum Senator steht und sich keinen Skandal leisten kann. Hat er January getötet, um etwas Schreckliches zu vertuschen oder ist der Mörder an ganz anderer Stelle zu suchen?

Eigene Meinung:
Der Jugendthriller „Niemand wird sie finden“ ist das Debüt des TV-Producers Caleb Roehrig. Das Buch erschien im Frühjahr 2017 beim cbj Verlag. Im kommenden Jahr erscheint sein Jugendroman „White Rabbit“ in den USA (erneut mit queerem Nebenplot), ob der Roman nach Deutschland kommt, ist derzeit noch offen.

Lies den Rest dieses Beitrags

[ROMAN] Zero at the Bone von Jane Seville

Autor: Jane Seville
Taschenbuch:  406 Seiten
ISBN: 978-1634772037
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 20,33 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem Jack Francisco den Mord an einer jungen Frau beobachtet hat, ist in seinem Leben nichts mehr wie es war. Um als Zeuge gegen die beiden Mörder aussagen zu können, wird er unter Schutz gestellt und aus Baltimore gebracht, jeglicher Kontakt zu Freunden und Familie ist untersagt. Doch bereits nach kurzer Zeit hat ihn ein Profikiller namens D gefunden, der den Auftrag hat, Jack zu beseitigen – allerdings bringt es D nicht über sich Jack zu erschießen. Stattdessen nimmt er Jack mit sich und macht es sich zur Aufgabe ihn zu beschützen, damit er vor Gericht aussagen kann. Eine ereignisreiche Flucht quer durch Amerika beginnt, bei der Jack erkennen muss, dass D nicht ansatzweise so gefühlskalt ist, wie er dachte und D sich allmählich öffnet und erstmals jemandem Einblicke in seine Vergangenheit gewährt …

Eigene Meinung:
Der Thriller „Zero at the Bone – Eiskalt bis ins Mark“ stammt von Jane Seville und erschien in englischer Sprache bei Dreamspinner Press, die auch für die deutsche Ausgabe verantwortlich sind. Das Buch kam bereits 2014 auf den deutschen Markt, 2016 wurde die deutsche Fassung überarbeitet und stellenweise neu übersetzt, da die erste Übersetzung auf Kritik stieß. Neben der Haupthandlung gibt es auf dem Blog der Autorin drei weitere Kurzgeschichten, in denen es um D und Jack geht.

Lies den Rest dieses Beitrags

[ROMAN] Schattengesicht von Antje Wagner

Autor: Antje Wagner
Taschenbuch: 206 Seiten
ISBN: 978-3833350894
Preis: 7,95 EUR (Taschenbuch) | 9,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Die 26-jährige Milana und ihre beste Freundin Polly sind auf der Flucht, denn Polly hat einen Mord begangen. Daher leben sie im Verborgenen, versuchen sich unauffällig zu bleiben und gehen anderen Menschen aus dem Weg – zum einen um nicht aufzufliegen, zum anderen weil Polly negativ auffällt, wenn sie spricht. Die junge Frau umgibt eine Aura, die die meisten Menschen verstörend finden, weswegen Milana die Aushilfsjobs annimmt und sich darum kümmert ihre Barschaft ein wenig aufzubessern. Letztendlich bleibt den beiden grundverschiedenen Frauen jedoch nur der Weg zu einem abgelegenen Haus in Schweden, von dem nur die beiden wissen und in dem vor vielen Jahren etwas Furchtbares geschehen ist …

Eigene Meinung:
Der knapp 200 Seiten dicke Roman „Schattengesicht“ stammt von Antje Wagner und erschien 2010 im Querverlag. Aufgrund des Erfolges ihres ersten Jugendbuches „Unland“ brachte Bloomsbury den Thriller zwei Jahre später in einer Neuauflage mit neuem Cover heraus. Inzwischen liegen bei beiden Verlagen mehrere Romane vor – beim Querverlag lesbische Krimis und Thriller, bei Bloomsbury genregleiche Jugendbücher.

Antje Wagner hat eine ungewöhnliche Art gewählt die Geschichte von Milana und Polly zu erzählen – sie läuft rückwärts und springt zeitlich immer wieder um mehrere Jahre zurück, bis man in der Kindheit der beiden Mädchen angelangt ist, wo endlich geklärt wird, was die beiden miteinander verbindet. Das mag zu Beginn ein wenig verwirrend sein, entwickelt aber im Laufe der Zeit eine ungeahnte Sogwirkung, so dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Die Spannungskurve ist durchweg sehr hoch, da man erst nach und nach die Geheimnisse der beiden jungen Frauen aufdeckt und Antje Wagner die brennendsten Fragen erst am Schluss beantwortet. Auch sorgt die geringe Seitenzahl für eine unglaublich dichte Atmosphäre, da man das Gefühl hat die reine Essenz der Geschichte zu lesen – umständliche Beschreibungen oder ausufernde Erklärungen sucht man in „Schattengesicht“ vergeblich. Alles, was die Geschichte hemmt oder nicht voranbringt wurde weggelassen, was sich positiv auf das Vorankommen der komplexen Handlung auswirkt.

Die Charaktere sind unterschiedlich wie Tag und Nacht – Milana ist eher introvertiert, zurückhaltend und fast ausschließlich auf Polly fixiert, diese wiederum ist offensiver, lauter und ausdrucksstärker, wenngleich dies ihre Mitmenschen abstößt. Zusammen ergeben sie ein eigenartiges Gespann, das fast schon obsessiv aneinander festhält. Ob zwischen den beiden Frauen mehr herrscht als Freundschaft, muss jeder selbst für sich entscheiden. Auf jeden Fall zeichnet Antje Wagner ihre Figuren sehr authentisch und gut nachvollziehbar. Man kann sich gut in Milana hineinversetzen, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird.

Stilistisch bewegt sich Antje Wagner auf hohem Niveau – sie hat eine fast schon poetische Sprache, die die Geschichte fesselnd, spannend und berührend wiedergibt und von dem Leben zweier junger Frauen erzählt, die mehr miteinander teilen, als Freundschaft und Sympathie. Dank der kurzen, prägnanten Sätze und des klaren Stils wird es nie langweilig. Der Leser bleibt kontinuierlich am Ball und wird von der Geschichte mitgerissen. Nichtsdestotrotz muss man den ungewöhnlichen, präzisen Stil der Autorin mögen – er ist durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn man Bücher mit ausufernden Beschreibungen und sehr langen Dialogen mag.

Fazit:
„Schattengesicht“ ist ein ungewöhnlicher Thriller, der durch eine extrem spannende Geschichte, interessante Charaktere und einen sehr eindringlichen Schreibstil besticht. Wer auf der Suche nach ungewöhnlichen Büchern und überraschenden Wendung ist, ist mit Antje Wagners Roman an der richtigen Adresse – ihr gelingt auf knapp 200 Seiten, was mancher Autor mit einer Trilogie nicht schafft: Spannung, Atmosphäre und eine Enthüllung, die einen auch auf den letzten Seiten zu überraschen weiß. Zu empfehlen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ROMAN] Das Kreuz des Kriegers von Madeleine Urban und Abigail Roux


Autoren: Madeleine Urban und Abigail Roux
Taschenbuch: 338 Seiten
ASIN: B017Y97ESU
Preis: 5,14 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Jeden Dienstag kommt der schweigsame Julian Cross in das Restaurant Tuesday. Unter den Kellnern ist er berühmt berüchtigt, ganz besonders Oberkellner Cameron fiebert dem Besuch des mysteriösen Mannes entgegen. Wochen vergehen bis die beiden ins Gespräch kommen und sich mehr zwischen den ungleichen Männern entwickelt. Doch Julian hat mehr Geheimnisse, als Cameron lieb ist. So taucht er immer wieder mit Verletzungen auf, darunter sogar Schusswunden, die dem Kellner beweisen, dass Julian einem gefährlichen Job nachgeht. Als die Sorge und Angst um Julian immer größer wird, stellt Cameron seinen Liebhaber zur Rede, doch dieser lässt nur wenig von seiner Arbeit nach draußen dringen. Als Cameron die Ungewissheit nicht mehr erträgt, zieht er schweren Herzens einen Schlussstrich – zu spät, wie sich herausstellt. Denn mit Lancaster ist jemand nach Chicago gekommen, der alles daran setzt Julian zu töten und längst mitbekommen hat, was die beiden Männer verbindet …

Eigene Meinung:
Der Einzelband „Das Kreuz des Kriegers“ stammt vom erfolgreichen Autorenduo Madeleine Urban und Abigail Roux, die mit ihrer Gay Thriller Reihe „Cut & Run“ populär geworden sind. Der Roman erschien 2009 bei Dreamspinner Press, 2016 kam die deutsche Fassung des romantischen Thrillers auf den Markt.

Die Geschichte spielt in Chicago und beginnt recht ruhig, da sie (zumindest zu Beginn aus Camerons Sicht erzählt wird und dessen Alltag als Kellner recht gleichförmig, fast schon langweilig ist. Julian bringt mit seiner düsteren, mysteriösen und undurchschaubaren Natur etwas mehr Action ins Spiel, gerade weil man ihn nur schwer einschätzen kann. Nach einer heißen Nacht, bei der sich beide der Anziehungskraft des jeweils anderen nicht entziehen können, werden die beiden ein Paar. Die damit einhergehenden Probleme kommen zumeist von Julians Seite, da er über seinen Job Stillschweigen bewahrt und nur an bestimmten Tagen mit Cameron trifft. So macht sich der Leser mit dem jungen Kellner seine Gedanken, welchem Job Julian nachgeht und kommt schnell dahinter, dass er als Spion und Attentäter arbeitet. Was genau er macht, lässt das Autorenduo jedoch nicht an die Oberfläche dringen. Man kann es sich zwar zusammenreimen, aber welche Aufträge er genau übernimmt und wie weit er bei seiner Arbeit geht, bleibt diffus. Auch Julians Beziehung zu Blake, Camerons Chef und seine Vergangenheit bleiben im Dunkeln – man hat das Gefühl, die Autorinnen wussten selbst nicht so genau, welche Profession Julian genau hat. Dennoch macht gerade das seinen Reiz aus, denn dieses unterschwellig Böse und Geheimnisvolle macht einen großen Reiz aus.
Leider dauert es auch, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Der Thriller-Anteil ist verhältnismäßig gering, da es mehr um die Beziehung zwischen Cameron und Julian geht. Aus diesem Grund wird es erst im letzten Drittel spannend, als Lancaster auftaucht und Julians Leben bedroht. Bis dahin kämpfen die Figuren mit (eher) hausgemachten Problemen, die dadurch entstehen, dass sie nicht offen miteinander sprechen.

Die Charaktere sind interessant und können durchaus faszinieren, wobei am meisten die Nebenfiguren Blake und Preston in Erinnerung bleiben. Gerade letzterer ist dank seiner zynischen, direkten und offenen Art ungemein sympathisch. Julian wirkt an einigen Stellen nicht ganz rund (passend zu seiner diffusen Jobbeschreibung), da er mal der harte Killer ist, dann wieder kindisch-weinerlich oder sanft-liebevoll. Letzteres ist vollkommen in Ordnung, mit seiner unreifen Art kann man sich allerdings nur schwer anfreunden. Cameron bildet den angenehm normalen Gegenpol zu Julian – er ist einfach nur der typische Durchschnittstyp, der wenig mit Mord, Gewalt und Waffen am Hut hat. Man schließt ihn durchaus ins Herz, dennoch wirkt er auf den Leser ein wenig distanziert, da man ihn nur schwer zu fassen bekommt.

Stilistisch bietet „Das Kreuz des Kriegers“ gut geschrieben Kost. Madeleine Urban und Abigail Roux wissen, wie man spannende und actionreiche Szenen schreibt. Auch die Umgebungsbeschreibungen sorgen dafür, dass der Leser Bilder vor Augen hat. Allerdings sind die Dialoge nicht immer in sich schlüssig, da sie mitunter nicht aufeinander aufbauen – gerade bei wichtigen Gesprächen zwischen Cameron und Julian kommt es zu Sprüngen in den Dialogen, so dass man nicht mehr folgen kann. Das ist sehr schade, da man dadurch immer wieder aus der Handlung geworfen wird. Ob dies an der deutschen Übersetzung liegt, kann ich nicht beurteilen.

Fazit:
„Das Kreuz des Kriegers“ ist ein spannender, fesselnder Thriller mit einigen kleineren Schwächen über die man jedoch hinwegsehen kann. Die Charaktere sind interessant und machen Lust auf mehr und auch die Handlung kann bis auf einige Ungereimtheiten überzeugen. Auch stilistisch legen Madeleine Urban und Abigail Roux solide Kost vor. Wer Cameron und Julian mag sollte nach dem 5. Band der Reihe „Ty & Zane“ Ausschau halten, denn darin wird die Geschichte aus „Das Kreuz des Kriegers“ fortgeführt.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[MANGA] Caste Heaven von Chise Ogawa


Autor: Chise Ogawa
Taschenbuch:  220 Seiten
ISBN: 978-3-8420-2382-6
Preis: 6,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
An Azusas Schule herrscht ein bizarres Kastensystem. In unregelmäßigen Abständen müssen sie die Schüler auf die Suche nach Karten machen, die die neue Rangordnung innerhalb der Klasse festlegen. Der King bzw. die Queen kennzeichnen demnach die Schüler, die das Sagen haben, der Joker wird automatisch zum Target, der von den Angehörigen der unterschiedlichen Kasten offen gemobbt und erniedrigt werden darf. Für Azusa ändert sich sein Leben, als er sein Freund Karino ihn hintergeht und er seinen Platz als King einbüßt. Während Karino als neuer King offen Rache übt, gibt er Azusa doch eine Möglichkeit, sich vor den teils auch sexuellen Übergriffen seiner Mitschüler zu schützen – er soll ihm zu Willen sein, wann immer Karino will. Für Azusa, dem es schwerfällt sich unterzuordnen, ein schier unmögliches Angebot, dass er jedoch bald annehmen muss, um nicht vollkommen unterzugehen …

Eigene Meinung:
Mit dem Boys Love Manga „Caste Heaven“ präsentiert Tokyopop die japanische Mangaka Chise Ogawa erstmals in Deutschland. Mit ihren psychologischen und düsteren Geschichten hat sie sich in Japan sowohl im Shojo- als auch im Yaoi-Genre einen Namen gemacht und debütiert mit einem ihrer bekanntesten Werke in den hiesigen Gefilden.

Inhaltlich legt Chise Ogawa ein gewöhnungsbedürftiges Werk vor, denn das Kastensystem ist logisch nicht wirklich tragbar. Es fällt recht schnell auf, wie sehr es das Leben der Schüler beeinflusst und in welch negative Bahnen es Jungen wie Mädchen lenkt. Dass sich keiner dagegen auflehnt und auch die Lehrer nichts davon mitbekommen, erscheint mir gänzlich unvorstellbar. Niemand lässt sich in eine Rolle oder Position zwingen, nur weil eine Karte dies vorgibt (vor allem binnen eines Tages in seiner Einstellung komplett wechseln), und kein Lehrer würde diese Spielchen übersehen. Targets werden systematisch fertiggemacht – verbal und körperlich bis hin zu Vergewaltigungen. Dies würde keiner Lehrkraft verborgen bleiben, insbesondere wenn sie das Verhalten der Mitschüler untereinander von einem Tag auf den anderen grundlegend ändert.
Auch sonst bleiben die Regeln des Spiels recht dunstig – wer sie veranstaltet, weiß man nicht, ebenso wenig welchen Sinn die Initiatoren verfolgen. Dennoch folgen alle Schüler dem Spiel wie Lemminge, was durchaus einige psychologisch, interessante Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt. Dennoch bleibt das Grundkonstrukt nicht in sich schlüssig, was das Lesevergnügen merklich schmälert, vor allem da es im ersten Band fast nur um die sexuelle Nötigung und Unterwerfung Azusas geht.

Die Charaktere sind unterschiedlich wie Tag und Nacht – Azusa stammt aus einer sozial schwachen Familie, ohne Rückhalt und Unterstützung, Karino ist Sohn eines Politikers und hat ebenfalls mit den strengen Regeln seiner Herkunft zu kämpfen. Die übrigen Figuren – gerade die Mädchen, die wie Staffage wirken – bleiben sehr blass. Meistens sind es Mitläufer, die ohne zu zögern tun, was der King verlangt und Recht und Unrecht nicht einmal in Frage stellen. Einzig die Beziehung der Figuren Kuze und Atsumu, der früher einmal die Rolle des Targets innehatte, werden zum Ende hin wichtiger und etwas eingehender behandelt.

Stilistisch legt Chise Ogawa einen schönen Manga vor, der die Emotionen der Charaktere gut widerspiegelt, da sich alle Facetten der menschlichen Gefühlswelt in den Gesichtern der Figuren widerspiegeln: Dominanz, Angst, Unsicherheit und Lust. Darüber hinaus sind ihre Zeichnungen recht Boys Love-typisch, sprich hübsch anzusehen. Die Konzentration liegt stark auf den männlichen Charakteren und der expliziten Erotik, die es in „Caste Heaven“ in nahezu jedem Kapitel gibt.

Fazit:
„Caste Heaven“ bietet eine durchaus interessante, psychologisch düstere Geschichte, die jedoch auf sehr fragwürdigen Hintergründen basiert. Es fällt schwer, das Kastensystem als gegeben anzunehmen, da sich kaum einer auflehnt oder die Sache hinterfragt. Stattdessen stehen Gewalt, Unterdrückung und sexuelle Nötigung an der Tagesordnung, was auch die Figuren ein wenig unglaubwürdig erscheinen lässt. Trotzdem lohnt es sich, die Geschichte weiterzuverfolgen, allein um herauszufinden, welche Ziele Chise Ogawa verfolgt. Im Zweifelsfall sollte man einen Blick in die Leseprobe werfen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar_grey

[ROMAN] Blinder Zorn von T. C. Jayden

Autor: T. C. Jayden
Taschenbuch:  250 Seiten
ISBN: 978-3-944504322
Preis: 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem Riley und Kjell zueinander gefunden und sich mit ihrer BDSM-Beziehung arrangiert haben, könnte alles so einfach sein – lediglich Aleksey lauert wie ein bedrohlicher Schatten im Hintergrund. Dass der psychopathische Mann tatsächlich Rache für die erlittene Schmach und den Ehrverlust nehmen will, wird Riley klar, als er ihn und seinen Freund Liam nach einer Einkaufstour gefangen nimmt. Er verschleppt die beiden jungen Männer in eine Hütte im Wald, in der er seinen persönlichen Folterkeller eingerichtet hat. Für Riley und Liam bricht eine schwere Zeit an, die aus Schmerz und Qual besteht, bis Riley schließlich fliehen kann. Im Krankenhaus wird er von Kjell aufgebaut, erinnert sich jedoch kaum an die Dinge, die geschehen sind. Dies macht es für den Polizisten Charlie nicht leicht Liam zu finden und zu befreien.

Als er schließlich Erfolg hat und die Hütte über Umwege ausfindig macht, ist Liam mehr tot als lebendig. Zudem hat er an mehr zu knabbern, als an den Folterungen und dem psychischen Druck seitens Alekseys, denn seine Freundschaft zu Riley steht auf wackeligen Beinen …

Eigene Meinung:
T. C. Jaydens „Blinder Zorn“ ist die Fortsetzung des Gay-BDSM Romans „Kalte Ketten“, in dem die Beziehung zwischen Riley und Kjell beleuchtet wurden und man erstmals auf Aleksey trifft, der in der Fortsetzung eine wesentliche größere Rolle zugedacht bekommt. Beide Romane erschienen im Weltenschmiede Verlag – da „Blinder Zorn“ offen endet, kann man davon ausgehen, dass die Autorin der Geschichten um Kjell, Riley und Liam noch fortführt.

Im Gegensatz zu „Kalte Ketten“ bekommt man bei der Fortsetzung keine Gay-BDSM Romance serviert sondern einen waschechten Thriller. Es geht um eine Entführung, die Jagd nach einem Psychopathen, Gewalt und Traumaverarbeitung. Dementsprechend kommen BDSM-Fans nur am Anfang auf ihre Kosten, danach steht das Buch ganz im Zeichen von Alekseys Rache an Riley und Kjell. Das ist zu Beginn durchaus spannend, was daran liegt, dass die Figuren gut in Szene gesetzt sind und Alekseys Wahnsinn gut ausgearbeitet ist. Auch ist die Jagd durch die Mall und die anschließende Entführung sehr spannend, da man als Leser direkt beim Charakter ist. Allerdings verliert die Geschichte spätestens in der Hütte spürbar an Schwung. Sicherlich mag nicht jeder explizite Folterszenen lesen, doch ab diesem Zeitpunkt ergeht sich die Autorin zu sehr in Andeutungen. Viele Passagen werden nicht direkt ausgeschrieben, sondern (wenn überhaupt) in Rückblenden erwähnt oder fallen komplett durch das Raster. Schlagartig ist man nicht mehr beim Charakter, sondern erlebt die Ereignisse in einem seltsamen Chaos, das man nur schwer ordnen kann. Sicherlich entspricht dass Rileys Zustand, doch es ist schade, dass hier Potenzial verschenkt wird und Schlüsselszenen nur im Nachgang zusammengefasst werden.

Auch häufen sich spätestens ab der zweiten Hälfte die unlogischen Stellen, die das Lesen erschweren. Riley und sein bester Freund kommen zu schnell über das Trauma hinweg – gerade Liam, der wesentlich mehr zu verarbeiten hat, scheint binnen weniger Tage bereits wieder der Alte zu sein. Liams Eltern sind zwar da, aber sie scheinen sich nicht um ihren Sohn zu sorgen oder die Wahrheit wissen zu wollen, sondern machen Dinge, die einfach nicht nachvollziehbar sind (dessen Wohnung putzen, anstatt mit ihrem Sohn zu sprechen). Die Tatsache, dass der vermeintlich heterosexuelle Sonnenschein urplötzlich seinen Hang zu Männern entdeckt, wirkt zudem aufgesetzt, fast als müsse in einem Gay Roman jeder schwul sein. Mag sein, dass es Andeutungen gab, doch das geht dann doch ein wenig zu schnell – insbesondere wenn man bedenkt, was ihm Aleksey angetan hat. Es fehlt die wirkliche Traumaverarbeitung. Lediglich bei Riley nimmt sich die Autorin ein wenig Zeit, um ihn das Erlebte verarbeiten zu lassen und sich damit auseinanderzusetzen. Liam benötigt nur ein paar Gespräche mit Charlie und eine kurze Nacht zum Nachdenken, um diese schrecklichen Geschehnisse hinter sich zu lassen; etwas, das faktisch unmöglich ist.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, allen voran Aleksey, der mit seiner Rolle als Psychopath alle anderen Figuren in den Schatten stellt. Er mag der Antagonist sein, dennoch ist er wirklich gut in Szene gesetzt und jagt dem Leser eine Gänsehaut über den Rücken. Leider wirken die übrigen Figuren, mit Ausnahme Liams, sehr blass: Kjell verhält sich vollkommen anders als in Band 1, Riley möchte man die meiste Zeit einfach nur Vernunft und Verstand einprügeln und über Charlie erfährt der Leser zu wenig, um ihn einschätzen zu können. Liam fällt als Einziger positiv ins Auge – leider gestattet ihm T. C. Jayden nur wenige Szenen, in denen seine Stärke und seine Natur zum Tragen kommen. Im Grunde ist er wesentlich sympathischer und aktiver als Riley, weswegen es schön gewesen wäre, mehr Passagen aus seiner Sicht zu lesen.

Stilistisch legt T. C. Jayden einen gewohnt guten und soliden Roman vor. Als Leser ist man nah an den Charakteren, kann sich gut in sie hineinversetzen und erlebt die Ereignisse hautnah mit. Auch die Gefühle du Gedanken sind gut in Szene gesetzt, allerdings ist es schade, dass zu viel in Traumfetzen und Rückblenden erzählt wird, anstatt es direkt zu schildern. Aleksey ist ein psychopathisches Monster – das hätte man auch direkt zeigen können. Wer explizite (BDSM)- Erotik erwartet wird ebenfalls enttäuscht, denn auch davon gibt es in „Blinder Zorn“ nur wenig.

Fazit:
„Blinder Zorn“ hinterlässt ein gespaltenes Gefühl. Zum einen schließt er sehr gut an „Kalte Ketten“ an und besticht durch einen sehr guten Schreibstil und thrillerhafte Spannung, zum anderen erschweren Logiklöcher und blasse Charaktere das Lesen. Es ist schade, dass T. C. Jayden in der zweiten Hälfte so viel Potenzial verschenkt und viele Szenen nur in der Retrospektive erzählt. Dadurch verliert „Blinder Zorn“ einiges an Schwung und Dynamik. BDSM-Fans sollten zudem vorab wissen, dass der Roman kaum noch als Vertreter des Genres gewertet werden kann – „Blinder Zorn“ ist ein Thriller, der durchaus Potenzial für mehr gehabt hätte.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar_grey

[ROMAN] In deinen Armen – Verraten und Verkauft von Jana Martens


Autor:
Jana Martens
Taschenbuch:  260 Seiten
ISBN: 978-9963532520
Preis (vorr.): 4,99 EUR (eBook) | 12,99EUR (TB)
Bestellen: Amazon

Story:
Marcs Leben besteht in erster Linie aus seiner Arbeit als Anwalt für eine größere Kanzlei, ein Umstand den seine Verlobte weniger schätzt. Als ihm eines Tages der Fall des Jonathan Ainsworth übertragen wird, der bereits in erster Instanz in allen Punkten für schuldig befunden wurde, stürzt sich Marc in die Arbeit, um all sein Können unter Beweis zu stellen. Auf der Suche nach Ainsworth‘ Sohn Noah stolpert er über einen jungen Mann, der ihm bereits unter dem Namen Erik bekannt ist und der sein Geld als Stricher und mit kleineren Nebenjobs verdient. Schnell wird Marc klar, dass mit dem Fall etwas nicht stimmt und Ainsworth womöglich unschuldig im Gefängnis sitzt. Auf der Suche nach der Wahrheit schließt sich ihm auch Noah an, der von der riesigen Intrige weiß, die der Geschäftspartner seines Vaters in die Wege geleitet hat.

Als Marc immer tiefer gräbt, steht er plötzlich im Visier der wahren Verbrecher und wird zunehmend unter Druck gesetzt. Während seiner Flucht mit Noah, kommt er diesem unwillkürlich näher, was die ganze Angelegenheit zusätzlich verkompliziert …

Eigene Meinung:
Mit „In deinen Armen – Verraten und Verkauft“ erscheint der zweite Roman von Jana Martens im Bookshouse Verlag. Bei dem Buch handelt es sich um die Neuauflage des ursprünglich im Main Verlags erschienen Romans „Verraten und Verkauft“ von Madison Clark. Große Unterschiede zum Originalroman gibt es nicht, die beiden Bücher sind nahezu identisch.

Die Geschichte ist eher dem Genre Thriller zuzuordnen, als Gay Romance, wenngleich die Beziehung zwischen Marc und Noah natürlich einen großen Teil der Handlung einnimmt. Doch gerade dieser Aspekt ist einer der Pluspunkte des Romans, denn die langsame Entwicklung von Gefühlen seitens Marc (und auch Noah) ist sehr gut umgesetzt und nachvollziehbar. Die Gedanken und Emotionen der beiden unterschiedlichen Männer sind gut beschrieben, gerade Marcs Gefühle sind schlüssig und nachvollziehbar in Szene gesetzt. So dauert es eine Weile, bis sie aufeinander zugehen und einander näherkommen.

Wäre „In deinen Armen – Verraten und Verkauft“ ein normaler Gay Romance gewesen, bei dem es rein um die Beziehung zwischen zwei Männern gegangen wäre, wäre das Buch nicht schlecht gewesen, doch leider steht der thrillerhafte Fall im Zentrum. Im Grunde ist das nicht verkehrt, gäbe es nicht so viele Logiklücken und Löcher, die das Lesen im zweiten Teil arg erschweren. Viele Vorfälle sind einfach unlogisch, teilweise wirken sie sogar unmöglich, so dass die Handlung mitunter stark konstruiert wirkt. Hier fährt Marc mit einem Steckschuss im Oberschenkel stundenlang Auto, da mutiert Noah zum Arzt, der in einer heruntergekommenen Hütte Kugeln entfernt. Von der Tatsache, dass die ganze Umwelt blind und taub zu sein scheint, wenn ein Handlanger wie Dylan Häuser und Hotelsuites verwüstet oder es zu einer Schießerei in einer Tiefgarage kommt, einmal abgesehen. Mag sein, dass viele bestechlich sind, aber doch nicht halb London.
All das mündet in einem recht abstrusen Finale, die dem einige Geheimnisse gelüftet, aber leider nicht alle Fragen wirklich beantwortet werden. Zudem fällt negativ ins Auge, dass der „Endkampf“ quasi abgewürgt wird und die Ereignisse erst im Epilog ein Jahr später zusammengefasst werden. An diesem Punkt verschenkt Jana Martens einmal mehr Potenzial, denn es wäre für den Leser spannender gewesen, es mitzuerleben (show, don’t tell!).

Die Charaktere sind alles in allem ganz okay, wenngleich sie durchweg stereotyp daherkommen – sowohl Noah als auch Marc sind sympathisch, auch wenn beide in einigen Situationen recht kindisch reagieren. Gerade Marc, der als gestandener Anwalt Herr seiner Gefühle sein sollte, schmollt immer wieder oder gibt trotzige Antworten. Über solche Reaktionen sollte ein Mann Mitte dreißig hinaus sein, wenn er ernst genommen werden will. Bei Noah kann man sie eher hinnehmen: er ist jünger, stammt aus einem reichen Haushalt und ist selten regelkonform. Dass er ein ähnliches Schicksal wie Lukas aus „Verloren ohne dich“ zu erstragen hat, mag gefallen oder nicht – mir persönlich war die Gewalt, der er ausgesetzt ist, einfach zu viel.

Die übrigen Charaktere bleiben recht blass – sei es Dylan oder sein Auftraggeber Norman, Marcs Verlobte Nicole oder sein bester Freund Julian, sie alle bleiben nicht länger im Gedächtnis haften. Einzig Noahs Vater, den man leider nur kurz kennenlernt, sticht aus der breiten Masse heraus.

Stilistisch legt Jana Marten leicht lesbare, solide geschriebene Kost vor. Hin und wieder stolpert man über Wiederholungen (einige Redewendungen werden zu oft angewendet), auch die Dialoge sind nicht immer in sich schlüssig. Mitunter weiß man gar nicht, warum die Charaktere sich derart hochschaukeln und an warum ein Gespräch plötzlich umschwenkt. Während die emotionalen Szenen gut umgesetzt wurden, können die Action- und Kampfszenen leider weniger überzeugen. Alles geht ein wenig zu schnell vonstatten, so dass kaum Spannung aufgebaut wird.

Fazit:
„In deinen Armen – Verraten und Verkauft“ ist ein Gay Thriller, der mit einer spannenden Grundidee und soliden Charakteren aufwartet, jedoch im Handlungsverlauf nicht überzeugen kann. Das liegt vor allem an den vielen Logiklöchern und dem abrupten Cut im Finale. Somit ist Jana Martens Roman eher etwas für Fans von Gay Romance, die Wert auf die romantische Komponente legen (diese ist auch gelungen), als für Thriller-Liebhaber, die Spannung und logisch aufgebaute Geschichten mögen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar_grey

[ROMAN] Im Endkeis von Peter Nathschläger

Autor: Peter Nathschläger
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3-945569016
Preis: 11,95 EUR

Story:
Seltsame Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und kündigen eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes an: Mitte der 60er Jahre verschwinden über Nacht sämtliche Einwohner der kleinen, südfranzösischen Stadt Mont Ceret, 40 Jahre später stößt der französische Ermittler Rousseau auf eine Leiche in der Kirche der Ortschaft und auf verstörende Dokumente, die ihn nach Sibirien führen. Zeitgleich trifft der junge Musikstudent Leon auf den seltsamen, wilden Russen Ivo, der mehr zu sein scheint als ein Mensch. Nach einer kurzen, heftigen Affäre, zieht es Letzteren zurück nach Russland, denn dort wartet sein Schicksal auf ihn. Leon bleiben lediglich winzige Hinweise und Erinnerungen, zudem drei grausam ermordete Männer, die nachweislich mit Ivo unterwegs waren. Als er zufällig Rousseaus Bekanntschaft macht, beschließen beide Ivo zu folgen, denn sie erhoffen sich Antworten für all die seltsamen Vorfälle, die die Welt heimsuchen: eine neue Trenddroge, die die Ärzte vor ein Rätsel stellt, merkwürdig geschlechtslose Wesen, die Ivo jagen und eine Sekte, die im Hintergrund die Fäden zieht.

Auf ihrem Weg lernen sie die handfeste Olga kennen, die sie bereitwillig unterstützt und stoßen auf einen unvorstellbaren Komplott, der bereits 1908 in Tunguska, Sibirien seinen Anfang nahm und eine nahende Katastrophe, die nur einer abwenden kann: Ivo.

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Endkreis“ wagt sich er Incubus Verlag erstmals an einen mystischen Thriller. Verfasst wurde der Roman von Peter Nathschläger, der bereits etliche Bücher bei Himmelstürmer, Männerschwarm und AAVAA herausgegeben hat.

Inhaltlich präsentiert Peter Nathschläger einen seltsam konfusen Thriller, den man nur schwer greifen kann und der sich stark auf das Thema Engel und Apokalypse konzentriert. Damit handelt es sich bei „im Endkreis“ nur teilweise um einen Thriller, stattdessen überwiegt spätestens ab dem ersten Drittel die Mystery-Komponente, sprich man sollte den fantastischen Elemente gegenüber offen sein. Selbst dann ist die Geschichte sehr konfus und wirr aufgebaut, von Rückblenden und Perspektivwechseln durchzogen und eher dezentral zu Papier gebracht. Man braucht eine Weile, um einen Einstieg in die Handlung zu finden und sich mit den verschiedenen Figuren zu identifizieren. Auch die Tatsache, dass die Handlung wie eine Mischung aus „Akte X“, „Die purpurnen Flüsse“, „Gods Army“ und „Wolfen“ wirkt, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, da es an Innovation und Ideenreichtum mangelt.

So verknüpft der Autor so viele unterschiedliche Konzepte und Ideen, dass man den Überblick verliert und man das Gefühl hat, dass hier zu viel eingebaut wurde. Sinnvoller wäre es gewesen sich auf wenige Aspekte zu konzentrieren und diese überzeugend auszuarbeiten, anstatt die Handlung mit unendlich viele kleinen Seitensträngen zu füttern. Denn genau diese kleinen Handlungsbögen sind mitunter unlogisch und werfen Fragen auf, die nicht beantwortet werden: Seien es die österreichischen Ermittler, die zu auskunftsfreudig sind und der Presse Hinweise geben, die kein Polizist preisgeben würde; die Dogenopfer, deren Verbleib nie aufgeklärt wird oder die Tatsache, dass jeder mit dem Begriff Schamane etwas anfangen kann und in Ivo einen erkennt – Peter Nathschläger verzettelt sich, beschreibt einige Ereignisse extrem ausufernd (Bahnunfall), während er andere zu stark kürzt und zusammenfasst (das Finale!).

Leider können auch die Charaktere nur wenige Sympathiepunkte für sich gewinnen – gerade Ivo ist ein sehr inkonsistenter Held, über den man zu wenig erfährt. Der Leser lernt ihn nur oberflächlich kennen, da man nichts von seinen Gedanken und Gefühlen mitbekommt. Dieses Problem teilt er sich jedoch mit allen anderen Figuren: Leon ist noch blasser, zum Ende hin fällt es schwer, seine Rolle in der ganzen Sache zu akzeptieren; Rousseau ist ebenfalls schwer zu nehmen, wird jedoch von allen Charakteren am eingehendsten thematisiert. Die übrigen Figuren treiben vorwiegend die Handlung voran, allen voran Olga, die Ivo, Len und Rousseau den Weg nach Tanguska erleichtert oder Rosseaus Kollege Herve, der die Gruppe von Frankreich aus unterstützt.

Insgesamt ist die dezentrale Erzählperspektive dafür verantwortlich, dass der Leser nur schwer in die Handlung eintauchen und sich nur teilweise mit den Figuren identifizieren kann. Peter Nathschlägers Wahl, die Handlung aus Sicht eines allwissenden Erzählers zu erzählen, ist nicht unbedingt die Beste gewesen. Anstatt dem Leser die Figuren, ihre Gefühle und Gedanken näher zu bringen, ergeht er sich in unendlichen Beschreibungen, die schnell langweilen und das Buch recht zäh und langatmig machen. Auch die Dialoge sind eher schleppend und lockern selten die Handlung auf. Ansonsten muss man den Stil des Autors mögen, denn er ist teilweise extrem überbordend und detailverliebt, teilweise zu kurz gefasst. Gerade Erklärungen rund um die Charaktere und deren Aktionen sind mitunter zu kurz gehalten, was dem Leser eine Identifikation erschwert.

Fazit:
Alles in allem konnte mich der Thriller „Im Endkreis“ nicht überzeugen. Die Handlung wirkt zu konstruiert, abstrakt und von einigen bekannten Filmen und Serien kopiert, die Charaktere sind dank des dezentralen Schreibstils Nathschlägers zu unnahbar und unsympathisch. Dabei ist die Grundidee nicht einmal schlecht, doch leider hapert es an der Ausführung – schade „Im Endkreis“ versprach Spannung und Action, sorgt jedoch eher für Langweile und offene Fragen. Wer interessiert ist, sollte vorab in die Leseprobe schauen – die Wirkung der Geschichte steht und fällt mit Peter Nathschlägers Schreibstil.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar_grey

[MANGA] NightS von Kou Yoneda

Autor: Kou Yoneda
Taschenbuch: 260 Seiten
ISBN: 978-3842010291
Preis: 6,95 EUR

Story:
Der Manga „NightS“ besteht aus drei Kurzgeschichten: „NightS“, „Gefühlsspektrum“ und „Reply“. Im titelgebenden Manga geht es um den Schmuggler Karashima, der für die Yakuza Drogen, Waffen und Gerüchten zufolge sogar Leichen schmuggelt. Als der junge Yakuza Hozomi an ihn herantritt und ihm einen Auftrag anbietet, ist Karashima skeptisch, wirkt der junge Mann aufgrund seines weichen Gesichtes überhaupt nicht wie ein Verbrecher. Dennoch gibt er Hozomi eine Chance und kommt ihm dabei rasch näher.

In „Gefühlsspektrum“ bemerkt Nakayas bester Freund Kugo die heimlichen Blicke, die der stille Mitschüler Usui seinem Kumpel zuwirft. Kurz entschlossen bietet er Usui seine Hilfe an, um Nakaya für sich zu gewinnen. Dabei lernt er den stillen Jungen besser kennen und empfindet bald mehr für ihn, als ihm lieb ist.

„Reply“ handelt von dem Automechaniker Seki, der sich in den Verkaufsberater und Top-Mitarbeiter des Vertriebs Takami verliebt, nachdem er diesen näher kennengelernt hat. Doch dieser weist ihn zurück, was der kurzen Freundschaft der beiden ein jähes Ende bereitet. Allerdings ist Takami überhaupt nicht davon angetan, seinen Gesprächspartner deswegen einzubüßen …

Eigene Meinung:
„NightS“ ist einen Kurzgeschichtensammlung der Mangaka Kou Yoneda, die in Deutschland vor allem durch ihren Oneshot „No touching at all“ bekannt geworden ist. Mit dem vorliegenden Einzelband veröffentlicht Tokyopop ein weiteres Werk der Künstlerin.

Die Geschichten wissen auf jeden Fall zu gefallen – selbst die Highschoolstory „Gefühlsspektrum“ hat ihren Reiz, da sie gängige Klischees nur bedingt bedient. Auch die anderen beiden Geschichten sind erfrischend anders und können durch interessante Charaktere und einen schönen, atmosphärischen Handlungsbogen punkten. Gerade „NightS“ ist toll, der Dreh am Ende passend und man würde zu gerne mehr über die beiden Männer erfahren. Leider nimmt „Reply“ den meisten Platz ein – 3 Kapitel sind allein Seki und Takami gewidmet, während „NightS“ lediglich am Ende des Bandes einen kurzen Bonus spendiert bekommt. Dennoch wirkt die Mischung ausgewogen und zeigt dem Leser, wie vielfältig Kou Yoneda arbeitet und zeichnet.

Die Charaktere sind, wie bereits erwähnt, ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt – seien es Hozomi und Karashima oder Kugo und Usui. Sie alle haben ihren Reiz und wissen zu gefallen. Keine von ihnen wirkt extrem stereotyp, sondern eher authentisch und realistisch, was dafür sorgt, dass man sich gut in sie hineinversetzen kann.

Kou Yoneda bietet auch optisch solide, sehr schöne Kost. Sie hat einen realistischen Stil, der sich angenehm aus der breiten Masse hervorhebt. Ihre Charaktere wirken stiller, entrückter, nicht so überdreht wie die Figuren einiger anderer Mangas. Auch sonst kann sie mit ihren Zeichnungen überzeugen – sowohl Hintergründe, als auch Action und Dynamik sind gut umgesetzt, Erotikszenen werden kurz und knackig abgehandelt, ohne dass es sich in die Länge zieht.

Fazit:
„NightS“ ist ein gelungener Oneshot der Zeichnerin Kou Yoneda, der ein überraschend breites Spektrum unterschiedlicher Kurzmangas bietet, die sowohl inhaltlich, als auch stilistisch überzeugen können. Wer realistischere, ernstere und ruhigere Mangas bevorzugt, ist hier an der richtigen Adresse – Kou Yoneda bietet gelungene Unterhaltung, gepaart mit schönen Zeichnungen und sympathischen Charakteren. Zu empfehlen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ROMAN] Liebe ist käuflich – Rache auch! von Andri Cuort

Autor: Andri Cuort
Taschenbuch:  208 Seiten
ISBN: 978-3940611062
Preis: 14,95 EUR

Story:
Als der Anwalt Erik Hort von dem Multimillionär eines großen Pharmaunternehmens mit seinem persönlichen Nachlass betraut wird, schnuppert er das erste Mal in die Welt der Reichen und Mächtigen. Doch hinter dem Vorhang verstecken sich Korruption, erschreckende Abgründe und Verbrechen, die Kinderhandel, Mord und Prostitution umfassen. Schon bald muss Erik erstmals selbst unschöne Wege beschreiten, um einen Politiker zu erpressen und die Zukunft seiner Schwester und der Zwillingen Alexandra und Benjamin zu sichern. Mit der Zeit perfektioniert er dieses Spiel der Irrungen und Wirrungen, den Balanceakt zwischen Gewissen und Ehre, Lüge und Verblendung, denn nicht immer ist Gerechtigkeit auf legalem Wege zu erreichen.

Als er schließlich selbst ins Visier eines gnadenlosen Mannes gerät, der seine Familie und seine Freunde bedroht, muss Erik erstmals seine Fähigkeiten und Verbindungen nutzen, um sich gegen den unbekannten Gegner zur Wehr zu setzen …

Eigene Meinung:
Mit „Liebe ist käuflich – Rache auch!“ legt der Butze Verlag einen schwulen Roman von dem Schweizer Autoren Andri Cuort vor. Neben dem Taschenbuch existiert auch eine Hörbuchfassung, die von Peter Bieringer umgesetzt wurde.

Der Einstieg in den knapp 200 Seiten starken Roman ist nicht ganz so einfach, da man als Leser mitten in die Handlung geworfen wird. Gerade die ersten Seiten wirken etwas unzusammenhängend, allerdings erklärt der Autor in den letzten Sätzen des Buches, was es mit dem Einstieg auf sich hat. Erst dann machen die ersten Passagen von „Liebe ist käuflich – Rache auch!“ wirklich Sinn, so dass das Ende doch einiges aus dem Buch herausholen kann.
Die Geschichte ist prinzipiell spannend und die vielen Wirrungen und Verwicklungen fesseln mit der Zeit auch den Leser, allerdings ist das ganze Buch eher wie ein Film aufgebaut – Andri Cuort arbeitet mit vielen Rücklenden, in denen er Eriks Leben und seine vielen Aktionen offenbart und aufzeigt, wie der Charakter zu dem geworden ist, was er ist. Dadurch lernt man zwar die Figur kennen und verstehen und man erfährt eine Menge über die Hintergründe, doch man baut kaum eine Beziehung zu dem Geschehen auf. Der Mord an Salzmann, der das Bucheinläutet, rückt im Laufe der Geschichte vollkommen in den Hintergrund, was einen Großteil der Spannung herausnimmt. So faszinierend Eriks Entwicklung und die seiner Freunde ist, man vermisst ein wenig den Thriller und einen kontinuierlichen Spannungsaufbau. Es wirkt vielmehr wie eine nüchterne Nacherzählung der Ereignisse. Bei einem Film ist solch ein Aufbau spannend, da er den Charakter beleuchtet und mit einem Clou am Ende aufwartet – in einem Roman funktioniert dies nur bedingt. Sicherlich hat Andri Cour viele Ideen und einige Aspekte sind wirklich gut umgesetzt (die Darstellung der Alzheimer Krankheit, die Passagen in Indien und die vielen Verwicklungen der Figuren), doch ein wenig ausführlicher und aktiver hätte die Erzählstruktur schon sein dürfen.

Die Charaktere bleiben im Großen und Ganzen dem Leser fremd und wirken ein wenig unnahbar. So lebendig sie sind, so viel man über sie erfährt, man lernt sie selten direkt und hautnah kennen. Erik Hort ist durchaus sympathisch und mit seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn eine gute Identifikationsfigur, doch es ist schwer ihn wirklich zu greifen und zu erfassen. Man nimmt selten an seinen Gedanken und Gefühlen teil, tappt zumeist ebenso im Dunkeln, wie seine Gesprächspartner. Auch die anderen Figuren bewahren sich diese Art der Distanz, selbst wenn Andri Cuort einige Passagen aus ihrer Sicht erzählt. Dennoch wirken sie realistisch, egal ob es sich um Eriks Partner Michael, den Politiker Reitz oder den Geschäftsmann Salzmann handelt. Man lernt alle agierenden Personen auf dieselbe, schnörkellose Art kennen, so dass man sich selbst ein Bild von ihnen machen kann. Einerseits ist es gar nicht mal verkehrt, dass man die Charaktere selbst bewerten und einschätzen kann, andererseits fehlt einem der Zugang zu Eriks Gedanken und seiner Beurteilung.

Stilistisch ist „Liebe ist käuflich – Rache auch!“ sehr nüchtern und schnörkellos – Andri Cuort hat durchaus einen schönen Schreibstil und weiß mit Worten umzugehen, doch er lässt dem Leser keine Möglichkeit mit seinen Figuren und der Handlung auf Tuchfühlung zu gehen. Vielfach hat man das Gefühl einen wissenschaftlichen Bericht zu lesen, eine Zusammenfassung, die zwar spannend aufgebaut ist, doch selten berührt. Dazu wird zu viel zusammengefasst, in Rückblenden erzählt und nicht näher beleuchtet, so dass es schwer fällt richtig in die Handlung einzutauchen. Andri Cuort mag realistisch erzählen und logisch aufbauen, doch die Distanziertheit bleibt ein großes Manko und weder die spannende Hintergrundgeschichte, noch der Clou am Ende können diesen Punkt wirklich aufwiegen.

Fazit:
„Liebe ist käuflich – Rache auch!“ hinterlässt ein gespaltenes Gefühl, das es schwer macht das Buch wirklich zu bewerten. Als Film wäre der Stoff und der Aufbau klasse gewesen – als Buch funktioniert er einfach nicht. So interessant die Grundidee ist und so lebendig die Charaktere sind, es fällt einfach schwer sich mit ihnen zu identifizieren und die vielen Ereignisse zu erleben. Dazu ist der Stil zu distanziert gehalten und der Umfang wesentlich zu kurz. Es mangelt an aktiver Beschreibung, fesselnden Dialogen, Spannung und einem kontinuierlichen Handlungsbogen. Schade, hier hätte man mehr draus machen können.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar