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[ROMAN] Die Anderen – Das Erbe erwacht von Chris P. Rolls

Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch:  392 Seiten
ISBN: 978-3959491143
Preis: 7,99 EUR (eBook) / 14,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Finns Herz ist gebrochen. Seine große Liebe Dave hat ihn verlassen und zu allem Überfluss hat auch der Dämon bekommen was er wollte – eine leidenschaftliche Nacht mit dem jungen Studenten. Nur mühsam kämpft sich Finn zurück ins Leben, und bekommt gar nicht mit, dass ein uraltes Erbe in ihm erwacht ist, das Dämonen zutiefst fürchten: Das Erbe eines Mirjahn, eines wahren Dämonenjägers. Währenddessen ist Dave hin- und hergerissen: einerseits liebt er Finn, andererseits fordert sein Dämon den Tod des Mannes, der sein Erzfeind werden könnte. Zu allem Überfluss wird auch der schwarze Jäger Thomas auf Finn aufmerksam und setzt alles daran herauszufinden, welches Geheimnis den Studenten umgibt und was es mit dem Dämonenmal auf sich hat, das er am Hals trägt.

Die Ereignisse überschlagen sich als Daves Freund und Halbdämon Russell einen weiteren Dämon auf Finn aufmerksam macht, in der Hoffnung Dave aus dem Dunstkreis des Mirjahn zu bekommen. Damit löst er eine Katastrophe aus, die sowohl Dave, als auch Finn und seinen Freunden das Leben kosten könnte …

Eigene Meinung:
Mit „Das Erbe erwacht“ führt Chris P. Rolls die Geschichte um Dave, Finn und seinen bunten Freunden weiter und macht neugierig auf den dritten und abschließenden Teil der Trilogie „Die Anderen“. Der Band knüpft direkt an die Ereignisse von „Das Dämonenmal“, daher sollte man unbedingt den ersten Teil lesen, bevor man sich an „Das Erbe erwacht“ heranwagt. Laut Autorin soll es weitere Geschichten der Anderen geben – man darf gespannt sein, wie es nach dem dritten Roman „Der Weg aus der Dunkelheit“ weitergehen wird und welche neuen Abenteuer geplant sind – bisher ist nichts näheres dazu bekannt.

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[ROMAN] Eis bricht langsam von Dima von Seelenburg

Autor: Dima von Seelenburg
Taschenbuch: 452 Seiten
ISBN: 978-3959491228
Preis: 6,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Beim Ausräumen seines Kellers stolpert Aljoscha über eine alte Kiste, die mit einem E markiert ist. Darin sind Erinnerungsstücke enthalten, die sich um seine erste große Liebe Tobias drehen und den jungen Journalisten gedanklich in die beginnenden 90er Jahre und seine Jugend zurückführen. Er beginnt seine Schulzeit zu rekapitulieren, die Probleme, die seine Homosexualität mit sich brachte und das Glück, das er mit Tobias erlebt hat.

Eigene Meinung:
„Eis bricht langsam“ ist Dimas von Seelenburgs Debüt und erschein im Jugendbuchlabel des Main Verlags. Auf beeindruckende, fesselnde Weise entführt der Autor den Leser in die 90er Jahre zurück und lässt die Zeit der Kassettenrekorder, Bravomagazine und Röhrenfernseher lebendig werden. Gerade wenn man selbst in den 90er Jahren aufgewachsen ist, wird man an seine eigene Jugend erinnert – seien es die Songs, die für Aljoscha eine Rolle spielen oder die Beschreibungen der Umgebung und Jugendlichen.

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[BLOGTOUR] MAIN Verlag – Polygon Noir Edition

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Hallo ihr Lieben,

wie angekündigt macht die Blogtour heute bei mir Station und ich darf über euch das Jugendbuchlabel des Verlags vorstellen. Wie ihr wisst habe ich ein großes Herz für Kinder- und Jugendbücher, weswegen ich selten im einen entsprechenden Titel im queeren Genre herumkomme. Umso mehr freue ich mich, dass die Jugendbücher beim Verlag ein festes Label haben und in den kommenden Monaten eine Menge geplant ist ❤

Zunächst aber eine kurze Zusammenfassung, was die Polgyon Noir Edition eigentlich ist:

Die Polygon Noir Edition startete 2014 im MAIN Verlag und bietet ein kleines, aber erlesenes Programm, das von Casandra Krammer betreut wird. Sie richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene (new adult) und ist auf Veröffentlichungen im Gay-Genre mit Schwerpunkt auf Romanzen spezialisiert. Unser Ziel ist es mit den Büchern zu unterhalten und im Herzen zu berühren. Außerdem wollen wir neuen und vor alledem jungen Autoren eine Plattform bieten, ihre Geschichten ein buntes Publikum zu präsentieren.

Bisher sind zwei Bücher erschienen, die ich natürlich gelesen und auf Like a Dream vorgestellt habe, zudem habe ich vor kurzem ein Interview mit Casandra Krammer geführt, wo sie auch ein wenig über Polygon Noir Edition erzählt. Damit ihr einen besseren Einblick in die bisherigen Veröffentlichungen bekommt, habe ich mir aus den beiden Büchern meine Lieblingszitate gepickt – passend zum Geburtstag des Verlags zu jedem Buch 3×3 Zitate 🙂

eisprinz-und-herzbube
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meine Rezension

»Ach ja, Juli … Ach so, verzeih, dein Vater kommt erst morgen Abend nach Hause. Irgendeiner der Mitarbeiter hat gepfuscht und jetzt stehen sie alle da vor einem Berg an Arbeit. Dann kann ich dir morgen gerne wieder was kochen, wenn du magst!«
Was zum … »Nein!«, keuche ich angsterfüllt auf. Wenn ich es auch nur in Erwägung ziehen sollte, diesen Fraß zu essen, werde ich tot umfallen, daran besteht kein Zweifel!
Phil verschränkt die tätowierten Arme vor seiner Brust und zieht einen Flunsch, der so lächerlich an ihm aussieht, wie ein rosa Tutu wohl an mir.
»Du bricht mir das Herz, Emilio«, motzt er kindlich. Im selben Moment sehe ich den Schelm in seinen Augen blitzen und bin mir tausendprozentig sicher, dass er das nur macht, um mich mal wieder zu ärgern.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 32 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Ich atme ein paarmal tief ein und will mich gerade Sophie zuwenden, da sehe ich Nicholas unweit neben uns – und mit ihm Chris, den er gegen eine der Steinsäulen, die das Vordach des Kinos stützen, presst und … leidenschaftlich küsst. Mit einem Mal bleibt mir irgendwas im Halse stecken.
Sind es Worte oder mein Atem oder vielleicht angesammelter Sabber vom Schlafen, keine Ahnung. Vor lauter Schreck über
die beiden verschlucke ich mich und breche in heilloses Gehuste aus. Sophie, die mit dem Rücken zu mir steht, wirbelt nun hastig herum, starrt mich wie einen seltenen Käfer einen Augenblick lang an, während ich wild nach Luft ringe, röchele
und huste. Zaghaft klopft sie mir auf den Rücken. »Milo, alles okay?«, fragt sie etwas besorgt.
»Sicher«, krächze ich, huste noch einige Male und werfe einen raschen Blick Richtung Nicholas, der – oh Schande – aufgehört hat, Chris auszusaugen und mich nun mit düsterem Blick mustert. Zugleich will ich im Boden versinken, es fühlt sich fast so an, als hätte ich ihn gerade mit jemandem im Bett erwischt.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 74-75 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Oh mein … Was … Oh mein Gott! Was zum Henker war das? Was war das?!
Mit meinen ganzen Sachen in den Armen stolpere ich auf die Tribüne, verziehe mich in einen der hintersten Schlupfwinkel und ziehe mir hastig etwas an. Mein Atem geht flach, das Herz bollert wie verrückt, die Hände zittern und meine Lippen brennen wie Feuer. Oh mein Gott … Ein Kerl hat mich geküsst. Nein. Der Kerl hat mich geküsst! Warum?! Was sollte das? Wollte er sich damit beweisen, dass seine belämmerte Theorie stimmt? Der hat sie doch nicht mehr alle! Küsst mich einfach so und rammt seine Zunge in meinen Mund! Ich komme nicht klar damit, am liebsten würde ich laut losheulen. Was sollte das, was war das?!
Der Typ ist doch irre. Erst schnauzt er mich grundlos an, unterstellt mir vollkommen haltlosen Unsinn und dann macht er so was?!
Während seines Dauermonologes ist irgendwann der ziemlich offensichtliche Groschen bei mir gefallen: Er weiß es gar nicht.
Und ich dachte immer, die ganze Schule wüsste von meinen schwulen Vätern … Aber er weiß es gar nicht!

„Eisprinz und Herzbube“, S. 92-93 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Mein Herz klopft wild und ich spüre, wie meine Hände anfangen zu zittern. Kann ich es wagen, die Kiste mit hinunterzunehmen? Würde es einer der beiden merken und dann wütend werden? Ich sollte nicht herumschnüffeln, schon gar nicht in etwas so Privatem, aber ich kann einfach nicht anders. Meine Väter haben nie von früher geredet und ich weiß so wenig von meiner leiblichen Mutter … Ich muss diese Kiste mitnehmen, auch wenn ich mich dabei mies fühle!
Hektisch greife ich mir die Briefe und werfe sie ebenfalls in den Karton, bevor ich den Schrank wieder verschließe und den Schlüssel einstecke.
Plötzlich ist die Angst, erwischt zu werden, noch viel größer als zuvor. Schließlich ist auch mein Fund und ebenso der Verrat größer. Also mache ich mich hektisch daran, wieder in meinem Zimmer zu verschwinden und falle dabei beinahe die Holzleiter hinunter.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 158 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Für einen kurzen Augenblick starren wir uns an, durcheinander und verzweifelt, fragend, ehe ich mich zusammen mit ihm ins Zimmer dränge, die Tür zuschlage und ihn in einer Art Kurzschlussreaktion fest in die Arme nehme.
Er sagt nichts, legt die Hände nur zögernd auf meinen Rücken und drückt das warme Gesicht ein wenig fester an meine Schulter. Er zittert, während ich nach Worten ringe.
»Es tut mir so leid«, bringe ich schließlich rau hervor. »Ich wusste nicht … Es tut mir so leid, dass ich so schrecklich zu dir war!«
Natürlich ist er empfindlich, wenn es um Schwule geht! Seine Eltern sind beide Männer … Er ist damit aufgewachsen, ihm wurde weiß Gott was an den Kopf geworfen … Natürlich gibt es dann Zündstoff, wenn er mit mir gesehen wird! Hätte ich das gewusst …
Ob er weiß was ich meine oder nicht, er schüttelt an meiner Schulter den Kopf, drückt sich von mir weg.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 168 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

»Lass uns auf dein Zimmer gehen«, meint er und in seinem Blick liegt mehr als nur Lust, ein vages Versprechen, sinnliche Verheißung. Mir wird heiß, ich keuche leise auf, presse mich an ihn und küsse ihn wieder wild, ziehe ihn aber gleichzeitig ein paar holprige Schritte mit mir Richtung Treppe.
»Emilio«, murmelt er leise gegen meine Lippen. »Ich …«
Er kommt nicht dazu, zu Ende zu sprechen. Unweit hinter mir ertönt ein Geräusch, ein Prusten, dann ein heftiges Husten. Wie von der Tarantel gestochen fahren wir auseinander und da steht Phil in der Wohnzimmertür, eine Tasse Kaffee in der Hand, die er über seinen Hustenanfall beinahe fallen lässt, und hastet zurück ins Wohnzimmer.
Geschockt starre ich ihm nach, mein Herz hämmert mir bis zum Hals. Was macht der denn hier? Warum ist er nicht auf der Arbeit?! Oh Gott, irgendjemand muss mich erschießen, sofort!

„Eisprinz und Herzbube“, S. 243-244 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

»Milo«, fragt Phil leise, nachdenklich. »Willst du sie kennenlernen? Deine Mutter?«
Er schaut mich jetzt langsam an, Unsicherheit im Blick. Hat er da eben falsch gehandelt oder nicht? Ich kann förmlich sehen, wie plötzlich die Zweifel an ihm nagen.
»Nein«, sage ich fest und begebe mich langsam ebenfalls zur Couch, um mich mit einigem Abstand neben ihn zu setzen.
»Mir wäre es am liebsten, sie bleibt da, wo sie ist und ich muss nie wieder auch nur ein Lebenszeichen von ihr wahrnehmen«, gebe ich zu.
Phil lacht wieder dieses freudlose kleine Lachen. »Mir3 auch«, stimmt er zu und schüttelt den Kopf. »Ich verstehe Juli einfach nicht … Dass er sie hier noch mit offenen Armen empfangen will!«

„Eisprinz und Herzbube“, S. 306-307 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Ich höre den Jungen wimmern, während seine Mutter sich zu ihm hinunterbeugt und ihm die Jacke hastig auszieht. Mein Vater jedoch hebt fragend die Augenbrauen: »Ich wusste nicht, dass es dich so aufregen würde, wenn dein Halbbruder …«
»Ich habe keinen Bruder!«, bricht es plötzlich aus mir heraus. Als diese Frau die Jacke locker in der Hand hält, trete ich auf sie zu und entreiße sie ihr mit einer mörderischen Wut im Bauch. »Und ich habe auch keine Mutter!«, fauche ich sie an und sehe den Schmerz in ihren Augen, aber es interessiert mich nicht im Geringsten.
»Aber dich hat ja nie interessiert, was deine eigene Familie will!«, schreie ich meinen Vater an und mache dabei ein paar Schritte zurück Richtung Tür. »Weder haben dich Phils Gefühle interessiert, noch meine! Ich will sie hier nicht, ich brauche sie nicht! Ich will nur Phil zurück! Ihr könnt mir alle gestohlen bleiben!«

„Eisprinz und Herzbube“, S. 365 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

»Phil? Äh …«
»Ja?«
»…« Tief durchatmen. Ganz tief. Mein Herz bollert wie verrückt, aber es gibt jetzt kein Zurück mehr, also los. Hab Mut!
»Wie funktioniert Sex zwischen Männern?«, stoße ich hastig hervor und sehe Phil zum ersten Mal in meinem Leben sprachlos. Ihm fällt für einen kurzen Moment alles aus dem Gesicht, er öffnet den Mund, schließt ihn wieder und starrt mich an, als wären mir plötzlich Hörner gewachsen.
Keine Ahnung, wie lange wir uns so anschweigen. Die Stille ist zäh wie ein alter Kaugummi. Endlich räuspert sich Phil.
»Äh … Warum redest du mit mir darüber? Ich meine, dein Vater … Moment mal, du willst mit diesem Kerl …?« Jetzt kommt wieder Leben in ihn, er richtet sich auf und starrt mich an. »Hey, warte, du bist fünfzehn! Du hast überhaupt mit gar niemandem Sex haben zu wollen!«

„Eisprinz und Herzbube“, S. 404-405 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag


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meine Rezension

»Mach dich bereit, wir sind gleich da«, teilt Frau Hinze mir knapp und teilnahmslos mit.
»Okay«, antworte ich ihr nickend.
Frau Hinze ist die zuständige Sachbearbeiterin vom Jugendamt. Sie hat ihren Elan und ihr Engagement schon vor langer Zeit verloren, zumindest kommt es mir jedes Mal so vor, wenn ich sie treffe. Das wird nach dem heutigen Tag hoffentlich nicht mehr allzu oft passieren. Wir sind auf dem Weg zu meiner neuen Familie.
Meine Eltern haben den Autounfall nicht überlebt. Ich habe es knapp geschafft, lag viele Wochen lang im Koma, und als ich endlich wieder aufwachte, war ich blind. Ein Schädel-Hirn-Trauma hat meinem Sehzentrum im Gehirn das Licht ausgeknipst. Ob ich jemals wieder etwas sehen kann, weiß ich nicht. Das weiß niemand so genau, selbst die Spezialisten nicht.

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 5-6 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Am Anfang hatte ich mich geweigert, die Brailleschrift zu lernen. Ich wollte absolut gar nichts damit zu tun haben. Es kam für mich überhaupt nicht infrage, mich mit meiner Blindheit abzufinden und das Beste daraus zu machen, wie alle so schön von mir verlangten. Mittlerweile weiß ich, dass es nicht anders geht. Ich muss weitermachen. Also fing ich vor knapp acht Monaten damit an, die Brailleschrift zu lernen, und ich verzweifle immer noch oft daran. Diese ganzen Punkte auseinanderzuhalten ist harte Arbeit. Das ABC kann ich jetzt fast auswendig und einfache Worte bringen mich auch nicht mehr sofort aus dem Konzept, zumindest beim Schreiben. Geschriebene Worte gleich richtig zu ertasten, schaffe ich fast nie und das frustriert mich jedes Mal total. Große Lust habe ich deshalb auch nicht dazu, aber anders geht es nicht mehr und ich muss das jetzt lernen.
»Na.« Maggie öffnet meine Zimmertür. »Was machst du denn?«
»Ich übe schreiben«, antworte ich ihr.
»Oh!« Sie betritt mein Zimmer und bleibt hinter mir stehen. »Das find’ ich toll.«
»Ist nicht so einfach.«
»Glaub’ ich dir sofort.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 25 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Och, musst du wieder auf der Bank sitzen?«, ärgert Leon mich.
Darauf entgegne ich nichts, schließlich sitze ich am kürzeren Hebel. War ja klar, dass ich mir einen blöden Spruch anhören muss.
»Gott sei Dank sitzt er da, so laufen wir nicht Gefahr, dass er uns eiskalt überrennt!«, meint Patrick und lacht dabei. »Komm, lassen wir den Krüppel  einfach mal Krüppel sein.«
An Leon und Patrick, das wird mir jetzt klar, würde ich bald meine Freude verlieren.
»Hör mal mit den dummen Sprüchen auf, das nervt echt!«, beschwert sich Toby bei Patrick, womit ich nicht gerechnet habe.
Tobys Stimme kenne ich mittlerweile gut. Er hat echt was auf dem Kasten und ist mündlich im Unterricht sehr stark. Er sitzt  weiter hinten, aber ich weiß gar nicht, wer neben ihm sitzt. Ich weiß nur, dass Toby einer der Klassensprecher ist.

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 42-43 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Sag mal …« Ich überlege, wie ich die Frage am besten stellen sollte. »Was hat Patrick damals vor der Schule gemeint, als er nicht nur mich, sondern auch dich als behindert beschimpft hat?«
Nick räuspert sich kurz. »Mir geht’s gut, keine Sorge.«
»Okay. Das ist ja schon mal gut zu wissen, aber was hat er dann gemeint?«
Nick schnalzt ein paar Mal mit der Zunge, gibt mir aber keine Antwort und ich hake nicht weiter nach. Irgendwas ist da, und wenn er jetzt nicht darüber reden will, dann hoffentlich ein anderes Mal. Drängen will ich ihn auf keinen Fall, denn ich weiß ja selbst, wie schwierig es ist, etwas auszusprechen.
»Na ja«, sagt Nick dann doch. »Er meint damit, dass ich schwul bin.«
»Oh …« Jetzt bin ich überrascht, denn damit habe ich nicht gerechnet. »Oh!«
»Ja, genau.« Sein Ton wird abfällig. »Oh.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 107-108 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Je näher ich Caro in den nächsten Tagen komme, desto mehr verliere ich den Kontakt zu Nick und dadurch auch zum Rest der Clique. Das ist für mich ziemlich schwer zu ertragen. Nick fährt morgens und nachmittags wieder grußlos mit dem Rad an mir vorbei, was mir jedes Mal einen fiesen Stich versetzt und was ich furchtbar unfair finde. Noch deutlicher hätte er mir seine Ablehnung nicht zeigen können. Ich stehe wieder völlig allein da und nach der Sache mit Kevin und Leon in der Toilette mache ich mir schon ziemlich Sorgen, wieder in der Schusslinie zu stehen. Dazu kommt, dass ich im Unterricht immer noch neben Nick am Tisch sitze und er mich einfach ignoriert. Das ist ein richtig beschissenes Gefühl und das alles nur wegen Caro. Dabei trifft sie ja eigentlich überhaupt keine Schuld.

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 139 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Was willst du denn hier?!« Er klingt total entsetzt.
»Gucken, wie’s dir geht«, antworte ich ruhig und bemerke sofort den
Geruch von kaltem Zigarettenrauch im Zimmer.
»Ich lass euch zwei dann mal in Ruhe quatschen«, meint die Oma freundlich und schließt die Zimmertür hinter sich.
»Hau bloß ab!«, fährt Patrick mich an.
Ich an seiner Stelle hätte auch keinen Bock darauf, wenn er einfach zu mir nach Hause gekommen wäre, aber ich will mich nicht vertreiben lassen. Nicht nach dem netten Empfang durch seine Oma.
»Wie geht’s dir?«, frage ich einfach.
»Mann, verpiss dich!«
»Nein!«, widerspreche ich energisch.
Für einen kurzen Moment ist Patrick wohl sprachlos, aber er fängt sich schnell wieder. »Ey, Jason, ehrlich. Sieh zu, dass du wegkommst.«
Darauf will ich gar nicht erst eingehen, aber ich wage es auch nicht, mich vom Fleck zu bewegen. Ich darf mich aber nicht einschüchtern lassen. Deswegen bin ich nicht hergekommen.
»Ich habe dich schlimm verletzt, oder?«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 163 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Darf ich dich küssen?«, fragt Nick etwas schüchtern und meine Antwort ist ein wortloses Nicken. Keinen Augenblick später spüre ich Nicks Lippen auf meinen und ich lege meine Arme um ihn. Dieses Kribbeln in meinem Bauch ist einfach  atemberaubend schön. Die ganze letzte Woche sind wir unzertrennlich gewesen, aber trotzdem hat Nick ein klein wenig Distanz gewahrt. Von unseren Freunden weiß niemand davon und auch Maggie und Andreas habe ich noch nichts erzählt. Keine Ahnung, wann ich das mache, aber momentan ist es gut so, wie es ist.
»Deine Haare sind klitschnass«, sagt Nick leise und streicht mir ein paar Strähnen von der Stirn.
»Ich weiß«, antworte ich und fasse in seine Haare. »Deine aber auch.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 182 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Na alles! Jason, wie kommst du nur auf die ekelhafte Idee, Typen zu vögeln?« Er stößt mir von vorn die Hand gegen die Schulter. Ich habe keine Ahnung, was ich dazu sagen soll.
»Du bist wohl total irre geworden, seit deine Eltern tot sind!« Er tippt mir gegen die Stirn. Dieser Satz hat mich tief getroffen.
»Lass mich raten, es ist dieser Blonde, stimmt’s?«, fragt Max provozierend nach.
»Er heißt Nick!«, antworte ich protestierend.
»Das war ja so klar!«
Im Wohnzimmer ist es fast ganz still. Keiner sagt etwas, nur die Musik dudelt weiter leise vor sich hin. Ich fühle mich ätzend, so auf dem Präsentierteller. Warum musste das ausgerechnet heute und so passieren?
»Mein bester Freund ist schwul!« Max klatscht in die Hände. »Ich glaub es nicht.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 197 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Ich schlucke. »Die späte Störung tut mir leid, aber ich muss unbedingt mit Nick sprechen.«
»Komm erst mal rein, du frierst ja. Ist was passiert?«
»Ja«, ich nicke und plötzlich bricht riesige Freude über mich herein.
»Darf ich hochgehen?«
»Bitte, geh ruhig.«
Ich steige sofort die Treppen nach oben und öffne ohne zu klopfen Nicks Zimmertür. Da ist das Licht wieder!
»Jason?«, fragt Nick verwundert. »Was …«
»Ich sehe Licht!« Meine Freude überwältigt mich jetzt so sehr, dass ich in Tränen ausbreche.
Nick antwortet nicht sofort. »Was?«, hakt er dann nach.
»Ich sehe Licht.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 217 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Ich hoffe, die Auswahl gefällt euch und ihr habt Lust bekommen, die Bücher zu lesen. Wenn nicht, sind vielleicht die kommenden Titel etwas für euch, denn Casandra Krammer hat sich bereiterklärt einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben, damit ihr wisst, welche tollen Bücher auf euch zukommen:

2017 wird bei uns ein spannendes Jahr. Als erstes starten wir mit „Eis bricht langsam“ von Dima von Seelenburg durch, das Buch richtet sich vor allem an jüngere Teenager, die noch nicht ganz ihren Platz in der Welt gefunden haben. Danach sind mehrere Veröffentlichungen geplant, die noch keine feste Reihenfolge haben. Zum einen erwartet euch der Debütroman von Gordon Ambos mit dem Jugendbuch-Titel „Das Meer dazwischen“, indem es um große zwischenmenschliche Gefühle geht, bei denen Leser, die es etwas tiefgreifender mögen, auf ihre Kosten kommen. Auch alle Fans von „Eisprinz und Herzbube“ werden nicht enttäuscht. Elena Losian hat nämlich eine Prequel zu unserem Bestseller geschrieben und überrascht unsere Leser mit viel Herz und Humor. Es geht dabei um die Liebesgeschichte der Väter unseres Eisprinz-Protagonisten. Wir haben unglaublich viel tolles Feedback zu den beiden bekommen und waren gleich gegeistert von der Prequel-Idee. Für dieses Buch suchen wir gerade fieberhaft nach einem Titel.
Zu guter Letzt haben wir noch zwei weitere Projekte, die mit viel Glück noch 2017 erscheinen werden – versprechen kann ich aber nichts 😉
Da haben wir zum einen meinen eigenen (Anm. Casandra Krammers) Roman „Tage im Ascheregen“, indem es vor alledem um dunkle Geheimnisse geht. Das Buch pendelt an der Schwelle zwischen Jugendbuch und New Adult und wird ein gefundenes Fressen für alle, die ein Herz für Außenseiter haben.
Zum Schluss haben wir ein Roman, der bereits seit 2014 darauf wartet, veröffentlicht zu werden. Es dreht sich dabei um „Von den Zehenspitzen bis ins Herz“ von Diare Cornley, ebenfalls ein Jugendbuch mit Hang zum New Adult das sich an alle richtet, die gerne Geschichten zum Thema Friendzone lesen. Das Projekt ist noch aus meiner damaligen Zeit als leidenschaftliche Fanfiktion-Leserin und ich hoffe unsere Leser dafür begeistert zu können.

Damit verabschiede ich mich von euch. Ich hoffe sehr, der Blogtour-Beitrag hat euch gefallen und ihr habt einen guten Einblick in das Label „Polygon Noir Editon“ erhalten. Am Sonntag geht es mit Antheum in Love bei Bookwormdreamers weiter – schaut auf jeden Fall vorbei.

Liebe Grüße,
Juliane

[ANKÜNDIGUNG] Blogtour MAIN Verlag

Hallo ihr Lieben,

der MAIN-Verlag, von denen ich auf „Like a Dream“ schon einige Romane rezensiert habe, wird am 15.12.2016 drei Jahre alt. Aus diesem Grund findet in der Zeit bis Weihnachten einen Blogtour statt, um den Verlag näher vorzustellen. Hier gelangt ihr zur Website des Verlages.

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Folgende Blogtour ist Teil der Verlags-Blogtour. Schaut in den kommenden Tagen bei den jeweiligen Bloggern vorbei, um den Verlag und deren Programm besser kennenzulernen.

Hier der Tourplan:

Mittwoch, 14. Dezember 2016
Der MAIN Verlag – Bücherjunky
Die ersten Schritte es Verlages zu Lesbian und Trans – Tausend Leben

Freitag, 16. Dezember 2016
Polygon Noir Editon – bei mir auf Like A Dream

Sonntag, 18. Dezember 2016
Antheum in LoveBookwormdreamers

Dienstag, 20. Dezember 2016
Gay Romance – chrissi die büchereule

Donnerstag, 22. Dezember 2016
Die Welt der Schatten – Buchmelodie
GayCrime/Thriller – Miss Rose’s Bücherwelt

Wir freuen uns auf regen Besuch und sind gespannt, wie ihr die einzelnen Beizträge findet. Seid gespannt.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Heldinnen küssen besser von Serena C. Evans

Autor: Serena C. Evans
Taschenbuch: 136 Seiten
ISBN: 978-3959490788
Preis: 8,90 EUR (Taschenbuch) | 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Tamaras einfaches, überschaubares Leben als Kellnerin, die aus der Ferne einen weiblichen Gast anhimmelt, ändert sich, als bei ihr die Fähigkeiten eines Feuertalentes zutage treten. Sie wird von einer Organisation angesprochen, bei der Superhelden im Geheimen die Polizei unterstützen und gewöhnliche Menschen beschützen. Vor der Wahl selbst Superheldin zu werden, oder ihre Kräfte für immer versiegeln zu lassen, entscheidet sich Tamara dafür, die Menschen zu schützen. Sie erhält den Decknamen Amber Lily und wird fortan von der Einzelgängerin Purple Rose ausgebildet. Schnell kommen sich die beiden Frauen näher und Tamara hat mehr und mehr Schwierigkeiten, sich zwischen der unbekannten Frau und Rose zu entscheiden. Als sich herausstellt, dass beide Frauen ein und dieselbe Person sind, ist Tamara überglücklich. Doch ihr Glück währt nicht lang, denn jemand hat es auf Purple Rose abgesehen und diese Person schreckt vor nichts zurück …

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Heldinnen küssen besser“ legt die Autorin Serena C. Evans ihren ersten Lesbian Romance vor, gleichzeitig beschreitet auch der Main Verlag mit der Veröffentlichung einer lesbischen Romanze neue Wege. Die knapp 200 Seiten starke Geschichte erzählt die Geschichte von Abby (Purple Rose) und Tamara (Amber Lily), die sich nicht nur finden, sondern auch gemeinsam den Job einer Superheldin erfüllen.

Die Geschichte ist im Lesbian Romance Genre definitiv etwas Neues, da es nicht nur um eine typische Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen inklusive aller dramatischen Hochs und Tiefs handelt, sondern dem Leser mit der Superheldenkomponente eine besondere Dynamik und Spannung bietet. Leider schwächelt die Handlung beim Spannungsbogen, denn es ist ziemlich schnell klar, wer Intrigen spinnt und als Gegner für Tamara und Abby in Frage kommt. Auch sonst mangelt es zwischenzeitlich an Ausschmückungen und Details – es geht alles recht schnell, mitunter zu schnell. Bis auf die Liebe, die sich zwischen den beiden Frauen entwickelt, bleibt inhaltlich vieles recht vage und wird nur grob abgehandelt. Sei es Tamaras Training, ihre Einsätze und die Fälle, die zu klären sind: die Autorin lässt vieles unter den Tisch fallen oder bringt es nur in einem Nebensatz zur Sprache (ganz besonders fällt es am Ende auf, als die Beweggründe des Gegners offenbart werden und die Ursachen für dessen Rachefeldzug zu einer Zeit stattfanden, als Tamara bereits in der Ausbildung steckte). So schön die beiden Frauen harmonieren, man hätte ihrer Arbeit ruhig ein wenig mehr Platz einräumen können. So verschenkt Serena C. Evans leider einiges an Potenzial, denn man hätte durchaus mehr aus der Grundidee machen können – gerade in Hinblick auf die Grundidee mit den Talenten, die die Kräfte eines Superhelden bestimmen.

Die Charaktere sind sympathisch und können durch ihre lockere Art überzeugen. Zwar sind sowohl Abby, als auch Tamara ein wenig klischeehaft – doch das fällt nur an einigen Stellen ins Gewicht. Sie passen gut zusammen, auch wenn man sich fragt, warum sie so schnell aneinander hängen bleiben. Denn sie kommen recht schnell zusammen, fast ein wenig zu schnell. Dabei fällt auf, dass viele Dinge nicht zur Sprache gebracht werden (z.B. warum Abby immer allein kämpfen will) oder nur ganz am Rande zur Tragen kommen (Tamaras Ex-Freundin). Irgendwie fehlen bei den Frauen Gespräche, die tiefer gehen.
Die übrigen Figuren fallen kaum ins Gewicht, da sie lediglich namentlich am Rande auftauchen – Blue Clover ist neben dem Gegner die Einzige, die mehr Beachtung bekommt, wenngleich viele ihrer Eigenschaften lediglich aufgezählt werden, anstatt dem Leser die Möglichkeit zu geben, sie direkt kennenzulernen (Show, don’t tell!)

Stilistisch legt Serena C. Evans einen schönen Kurzroman vor, der sich schnell liest und in den man leicht einsteigen kann. Hin und wieder holpern einige Sätze, gerade zum Ende hin scheinen sich die Fehler zu häufen (gerade bei den Zeitformen). Dennoch macht „Heldinnen küssen besser“ Spaß, denn man bekommt einen nette Geschichte, die wechselnd aus Abbys und Tamaras Sicht erzählt wird. Hin und wieder springt die Autorin zwar zeitlich und „unterschlägt“ dadurch spannende Handlungsbögen, doch daran gewöhnt man sich.

Fazit:
„Heldinnen küssen besser“ ist eine angenehme Lesbian Romance für Zwischendurch, die aufgrund des geringen Umfangs viel Potenzial verschenkt. Serena C. Evans hätte mehr aus ihren Heldinnen herausholen können, wenn sie einige Aspekte vertieft und auch die Gespräche der beiden Frauen ein wenig ausführlicher gestaltet hätte. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte unterhaltsam, da es eben nicht nur um die Liebe zwischen Abby und Tamara geht, sondern auch um ihre spannende Arbeit als Superheldinnen. Wer im Lesbian Romance Genre mal etwas fantastischeres für Zwischendurch sucht, ist mit Serena C. Evans‘ Kurzroman gut bedient.

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[ROMAN] Eisprinz und Herzbube von Elena Losian

Eisprinz
Autor: Elena Losian
Taschenbuch: 448 Seiten
ISBN: 978-3945118955
Preis: 6,99 EUR (eBook) | 16,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der 15-jährige Emilio hat seit jeher mit seinem explosiven Temperament zu kämpfen, was sein Leben in der Schule nicht sonderlich einfach macht. Da er zudem von zwei Männern großgezogen wird, hat er einen schweren Stand bei seinen Mitschülern – sie halten ihn für schwul, obwohl er eine Freundin hat und alles daran setzt, normal zu sein. Lediglich sein bester Freund Etienne hält in allen Punkten zu ihm, ebenso sein Ziehvater Phil, mit dem sich Emilio mit wachsender Begeisterung in den Haaren liegt. Richtig problematisch ist jedoch seine Hass-Beziehung zu dem 17-jährigen Nicholas, der offen schwul und trotzdem an der Schule sehr beliebt ist. Nick geht fest davon aus, dass Emilio homophob ist, was für eine Menge Zündstoff zwischen den beiden sorgt. Ihre Grabenkriege gipfeln irgendwann in einem zornigen Kuss in der Umkleidekabine, mit dem Nicholas unfreiwillig mehr in Gang setzt, als er gedacht hat. Plötzlich ist sich Emilio nämlich nicht mehr so sicher, dass er hetero ist und auch Nicholas‘ Gedanken drehen sich immer mehr um seinen ehemaligen Erzfeind …

Eigene Meinung:
„Eisprinz und Herzbube“ erschien bei der Polygon Noir Edition, dem Jugendbuch/All Age Label des Main Verlags und markiert sowohl die erste Veröffentlichung innerhalb des neuen Labels, als auch die der Autorin Elena Losian. Es handelt sich um eine typische Coming-of-Age Geschichte mit einer gelungenen Mischung aus Romantik, Familiendrama, Problembewältigung und jugendlichem Gefühlschaos.

Die Geschichte um Emilio und Nicholas braucht ein wenig um in Fahrt zu kommen, doch je weiter man liest, umso mehr fesseln den Leser die jugendlichen Probleme der beiden Protagonisten, das chaotische Auf und Ab in ihrem Leben und ihre wachsenden Gefühle füreinander. Dabei geht Elena Losian nicht nur auf die Beziehung von Emilio und Nick ein, sondern beleuchtet auch das familiäre Umfeld der beiden und die die vielen Probleme, die sich daraus ergeben. Während Emilio mit den Vorurteilen zu kämpfen hat, die ihm wegen seiner beiden schwulen Väter entgegen gebracht wird, muss sich Nicholas um seine verwirrte Mutter kümmern, die nach dem Tod ihrer Tochter mental abgerutscht ist und intensive Betreuung braucht. Auch die Probleme von Etienne finden Beachtung und werden mit angeschnitten, ebenso erhält man über Phils Tagebücher einen Einblick in die Vergangenheit von Emilios Väter. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Emilio, der sich im Laufe der Zeit auch mit seiner Mutter auseinandersetzen muss, die noch immer mit seinem Vater Julian in Kontakt steht. Die daraus resultierenden Probleme bringen sein gewohntes Umfeld ordentlich durcheinander und sorgen dafür, dass man liebend gern mehr über Phil und Julian erfahren möchte, da die beiden ungleichen Männer eine Menge Potenzial bieten.
Ob es sich bei „Eisprinz und Herzbube“ um ein klassisches Jugendbuch handelt, muss jeder selbst beurteilen – mir persönlich ist es an einigen Stellen doch zu explizit, was die erotischen Szenen anbelangt, da diese für eine jugendliche Zielgruppe doch recht detailliert geschrieben sind. Sicher gibt es auch Jugendbücher, in denen Sex vorkommt, doch da werden solche Szenen eher kurz abgehandelt und ab einem gewissen Punkt ausgeblendet.

Die Charaktere sind sehr sympathisch und wachsen dem Leser schnell ans Herz. Allerdings ist Emilios Wandlung gegenüber Nick (von Hass zu Freundschaft) fast ein wenig zu schnell, denn es kommt einem so vor, als begraben sie ihren Zwist binnen weniger Stunden, nachdem sie sich ewig nicht ausstehen konnten. Ansonsten sind die Figuren gut gezeichnet – man versteht sowohl Emilio, als auch Nicholas, ebenso die vielen Nebencharaktere, die mal mehr, mal weniger wichtig sind. Sie haben alle ihre Ecken und Kanten, was sie lebendig und authentisch macht. Während Emilio mit der Zeit erwachsen wird, müssen sich auch seine Väter ihren eigenen Dämonen stellen und mit ihrer Vergangenheit klarkommen. Nicholas‘ Probleme werden ebenfalls intensiv beleuchtet, was dem jungen Mann einen gewissen Tiefgang verleiht und dafür sorgt, dass der Leser automatisch mit ihm mitleidet.

Stilistisch ist „Eisprinz und Herzbube“ gut geschrieben und kann durchaus unterhalten Elena Losian hat einen sehr angenehmen Stil, der ein wenig an Katja Kobers „Chaosprinz“ erinnert, wenngleich der vorliegende Roman nicht ganz so viel Situationskomik und Comedy zu bieten hat. Dennoch bietet das das Buch lockerleichte Unterhaltung, die man nicht so leicht aus der Hand legen kann. Die Autorin hat ein Händchen für ihre Figuren und deren Gefühle, ebenso für Dialoge und Beschreibungen.

Fazit:
„Eisprinz und Herzbube“ ist ein schöner Coming-of-Age Roman, der durch sympathische Charaktere, eine lockerleichte Geschichte und einen angenehmen Schreibstil besticht. Elena Losian legt ein lesenswertes Buch über jugendliche Probleme, Familiendramen und erste Liebe vor, das man gerne liest und das durchaus Lust auf mehr macht. Wer lockerleichte Sommerromane mag und Bücher wie „Chaosprinz“ liebt, dem wird auch „Eisprinz und Herzbube“ gefallen. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Und der Himmel ist doch bunt von Stephanie Mangliers

Und der Himmel ist doch bunt_klein

Autor: Stephanie Mangliers
Taschenbuch: 399 Seiten
ASIN: B01HP2WN32
Preis: 6,99 EUR (eBook) | 14,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Ein schrecklicher Autounfall ändert Jasons Leben für immer. Nicht nur sterben seine Eltern dabei, ein Schlag auf den Hinterkopf raubt ihm auch die Fähigkeit zu sehen. Fortan muss er mit seiner Blindheit zurechtkommen und kurz darauf auch bei einer neuen Familie einrichten, denn seine Paten nehmen Jason kurzerhand bei sich auf. Dort bekommt er nicht nur einen Blindenhund, er kann auch auf eine normale Schule gehen. Allerdings läuft es in seiner neuen Klasse zu Beginn weniger gut, was vor allem an Patrick und dessen Freunden liegt, die es sich zum Zielgemacht haben Jason zu mobben. Unterstützung erfährt er schließlich von Nick und dessen Clique. Jason findet Freunde und kommt immer besser in seiner neuen Umgebung klar, woran Nick nicht ganz unschuldig ist. Schon bald wird aus der Freundschaft der beiden Jungen mehr und Jason muss sich mit dem Gedanken anfreunden nicht nur blind, sondern auch schwul zu sein …

Eigene Meinung:
„Und der Himmel ist doch bunt“ ist das Debüt von Stephanie Mangliers und erschien 2016 bei der Polygon Noir Edition, dem Jugendbuch/All Age Label des Main Verlags. Das Buch ist nach „Eisprinz und Herzbube“ die zweite Veröffentlichung, die sich an jugendliche Leser richtet.

Inhaltlich wartet Stephanie Mangliers mit einer spannenden Grundidee auf – eine Geschichte aus Sicht eines Blinden zu erzählen, ist etwas erfrischend Neues und weckt auf andere Art Spannung und Neugierde. Man merkt, dass sich die Autorin mit dem Thema beschäftigt hat, denn Jasons Blindheit, sein alltägliches Leben und die Probleme, mit denen er zurechtkommen muss, sind nachvollziehbar gestaltet. Allerdings zieht sich die Geschichte am Anfang stark, da man das Gefühl hat, nahezu jeder Tag wird einzeln beleuchtet und ausführlich beschrieben. Das macht die erste Hälfte von „Und der Himmel ist doch bunt“ unheimlich langatmig und sorgt dafür, dass man das Buch am liebsten beiseitelegen will. So angenehm es ist, dass sich die Beziehung zwischen Jason und Nick nur langsam entwickelt, in einigen Punkten hätte man kürzen können – und die Seiten eher für die letzten zwei Kapitel aufgewendet. Dort scheint die Geschichte plötzlich zu rasen und man hat das Problem, dass man plötzlich nicht mehr hinterherkommt. Die Sache mit Patrick wird definitiv zu schnell abgehandelt und so ganz nachvollziehbar ist sein Stimmungsumschwung nicht, ebenso geht werden Jasons Probleme einfach zu schnell gelöst. Happy End schön und gut, aber auf diese Art kann Stephanie Mangliers leider nicht überzeugen.
Unschön fallen im Laufe der Zeit auch die Logiklücken auf, denn einige Dinge, die beschrieben wurden, sind einfach nicht möglich. Dazu gehört auch, ob ein ehemals Sehender sich wirklich so schnell an die Blindheit gewöhnen kann und einfach so auf eine normale Schule gehen kann – Schulbücher in Blindenschrift hin oder her.

Die Figuren sind recht stereotyp – den meisten fehlen die Ecken und Kanten, was dafür sorgt, dass sie nicht lebendig sind. Das fällt ganz besonders bei Jasons Zieheltern, die so fürsorglich und lieb sind, dass man sie nur schwer als Erwachsene sehen kann, den Lehrern an Jasons neuer Schule und Nicks Freunden auf, die alle recht blass bleiben und wie Statisten wirken. Es mangelt ihnen an Tiefgang, um sie greifbar zu machen. Lediglich Jason, aus dessen Sicht der Roman erzählt ist, ist etwas lebendiger, da man von ihm logischerweise mehr erfährt. Dadurch, dass er nicht sehen kann, nimmt man seine Umgebung auf eine andere Art und Weise war, was man allerdings abwechslungsreicher hätte gestalten können. IN einigen Szenen wirkt er sehr unreif, aber da er erst 16 ist, kann man darüber hinwegsehen. Nick ist der typische Goodguy, Patrick mit seiner aggressiven Art das genaue Gegenteil. Stephanie Mangliers bedient bei den Figuren die gängigen Klischees, was man gut oder schlecht finden kann.

Stilistisch ist „Und der Himmel ist doch bunt“ Geschmackssache und definitiv nicht mit den gängigen Jugendbüchern gleichzusetzen. Stephanie Mangliers hat einen sehr einfachen, teilweise monotonen Schreibstil. Das Hauptproblem sind die gleichförmigen Sätze und die beständigen Wiederholungen, da die Varianz und die Abwechslung fehlt. Dadurch ermüdet das Buch mit der Zeit, was gerade am Anfang wo auch inhaltlich wenig passiert, ein Problem ist. Die Autorin erinnert ein wenig an Fanfiktion-Schreiberlinge, ganz besonders bei den Dialogen, die man wesentlich spannender hätte aufbauen können. Auch fehlen des Öfteren Beschreibungen zu Jasons Gefühlswelt – gerade weil er nichts sieht, hätte man als Leser gerne mehr über seine inneren Kämpfe erfahren. Darüber hinaus kompensiert ein Mensch seine Blindheit nicht nur mit Hören – es gibt weitere Sinne, die man in die Beschreibungen hätte einfließen lassen können.

Fazit:
„Und der Himmel ist doch bunt“ bietet eine schöne Grundidee, die jedoch nur teilweise überzeugend dargestellt wurde. Während die Hintergründe hinsichtlich Jasons Blindheit gut ausgearbeitet wurden, dämpfen Logiklücken, stereotype Charaktere und ein sehr langatmiger Schreibstil das Lesevergnügen. Auch die Tatsache, dass es zu lange dauert, bis mehr passiert, als der übliche Alltag sorgt dafür, dass sich Stephanie Mangliers‘ in die Länge zieht. Schade – man hätte aus der Grundidee mehr machen können.

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[ROMAN] Die Anderen von Chris P. Rolls


Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 412 Seiten
ISBN: 978-3-959490146
Preis: 7,99 EUR (eBook) | 16,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Finn hat mit Vampiren, Dämonen und übersinnlichem Kram wenig am Hut. Das ändert sich als er eines Abends von einem Vampir angegriffen und fast getötet wird. Nur mit viel Glück kommt er mit dem Leben davon, hat allerdings fortan das Problem, dass das Wesen ihn verfolgt und vor seiner WG auflauert. Schließlich zieht Finn von Hamburg nach Lüneburg, in der Hoffnung, dort sein studentisches Leben in Frieden zu verbringen – er findet sogar in einer Gruppe Mittelalter-Freaks neue Freunde. Doch das Wesen, was sich schließlich als Dämon offenbart, folgt ihm, denn Finns Blut ist in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes. Das erkennt auch Finns dämonischer Verfolger Dave, der alles daran setzt den unschuldigen Studenten zu verführen. Dabei nimmt er in Kauf, etwas in Finn zu wecken, was für einen Dämon tödlich enden könnte.

Eigene Meinung:
„Die Anderen – Das Dämonenmal“ ist eine Gay-Mystery Trilogie von Chris P. Rolls und erscheint in Neuauflage beim Main Verlag. Ursprünglich brachte der inzwischen insolvente FWZ-Verlag die Geschichte um Finn und Dave in mehreren dünnen Heften heraus; für die Neuauflage wurden die Romane von der Autorin erneut überarbeitet. Mit etlichen Veröffentlichungen im Gay Romance Bereich gehört Chris P. Rolls zu den bekanntesten, deutschen Autoren im schwulen Litaeraturmarkt. Ihre Bücher erscheinen sowohl im Selfpublishing, als auch bei den gängigen Genre Verlagen.

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[ROMAN] Gefährlicher Geliebter – Göttliche Intrigen von Alexa Lor

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Autor: Alexa Lor
Taschenbuch: 324 Seiten
ISBN: 978-3959490085
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 14,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem Sean und Tarben sich erfolgreich gegen sämtliche Widerstände zur Wehr gesetzt haben, steht einem glücklichen Zusammenleben im Palast des Wempyrkönigs Furor nichts mehr im Wege. Einzig die Tatsache, dass Sean in der Lage ist die unsterblichen Dessla zu sehen, was darauf schließen lässt, dass in seinen Adern ebenfalls das Blut der Dessla fließt, legt den Grundstein für eine nahende Katastrophe. Mit Hilfe von Gor, einem Krieger der Dessla, lernen Tarben und Sean dessen Gott kennen, der Furor eine Bitte gewähren soll: Seans Erbe zu wecken, um ihm ein ähnlich langes Leben zu geben, wie Tarben. Allerdings ist die Göttin der Wempyre alles andere als begeistert von Furors Plan und da sie die homosexuelle Beziehung ihres Schützlings Tarben vollkommen ablehnt, löscht sie dessen Gedächtnis nahezu vollständig. Zudem zwingt sie Furor dazu etwas gegen Phober zu unternehmen und entführt aus diesem Grund eine der Töchter des Königs.

Für Sean bricht eine schwere Zeit an, denn Tarben weiß zum einen nicht wer er ist, zum anderen versucht er ein ehrenhafter Wempyr zu sein, dessen Aufgabe es ist eine Frau zu heiraten und Kinder in der Welt zu setzen. Richtig unerträglich wird die Situation erst, als die Nichte des Königs die Bühne betritt und auch Sean jemanden kennenlernt …

Eigene Meinung:
Mit „Göttliche Intrigen“ setzt Alexa Lor ihre „Gefährlicher Geliebter“-Reihe fort, die ursprünglich neben ihrer Reihe „Jäger der Dessla“ beim Sieben Verlag erschien. Inzwischen erscheinen beide Reihen beim Main Verlag und sind noch nicht beendet. So endet der vorliegende Band mit einem bösen Cliffhanger, der die Neugierde auf den dritten Teil schürt.

Inhaltlich setzt der Band da an, wo „Gefährlicher Geliebter“ endete – die Bedrohung durch Phober ist beseitigt, die Vampire haben ihre Jagd auf Sean eingestellt und dessen Familie hat in Furors Palast ein neues Zuhause gefunden. Natürlich wird dem glücklichen Paar keine Atempause gegönnt, denn sie schlittern recht schnell in die nächste Katastrophe, die ihre Liebe auf eine ganz neue Probe stellt – dieses Mal müssen sie sich der rachsüchtigen Göttin Sarpenzia, die ihre eigenen Pläne verfolgt und dabei über Leichen geht. Dieser Aspekt ist durchaus spannend, wenngleich der Aspekt mit dem Gedächtnisverlust ein wenig abgedroschen wirkt. Gerade in Mangas ist dies ein beliebtes Element, was genutzt wird um eine Liebesgeschichte gleich zwei Mal zu erzählen und um die unerschütterliche Liebe der Figuren zu beweisen. Hinzu kommt eine ordentliche Portion Drama, denn Alexa Lor spart nicht an entsprechenden Szenen und Passagen: Eifersucht, Abweisungen und das mutwillige Verletzen des anderen. Das Ganze wird natürlich auch mit Erotik und Romantik kombiniert, so dass Fans von heißeren Szenen nicht gänzlich darben müssen. Man kann sogar sagen, dass „Göttliche Intrigen“ wesentlich gemäßigter ist, als der erste Band, wo Sean und Tarben zu jeder passenden und unpassenden Situation übereinander hergefallen sind.

Dennoch konzentriert sich die Geschichte zu sehr auf Sean und Tarben – sicher, sie stehen im Zentrum, doch Alexa Lor vergisst dabei Teile ihres Plots: Was aus Furors entführter Tochter wird, weiß der Leser auch am Ende nicht: Das Ultimatum ist abgelaufen, aber Erwähnung findet sie nie wieder. Aber vielleicht hat auch Furor sie vergessen, immerhin tut er herzlich wenig, um sie zu finden oder die Bedingungen von Sarpenzia gänzlich zu erfüllen. Auch die Erklärungen, warum Tarben tut, was er tut, wirken mit der Zeit arg an den Haaren herbei gezogen. So komplex die Intrigen auf den ersten Blick anmuten – sie bilden kein logisches Ganzes, teilweise ist man vollkommen verwirrt. So kann die Geschichte trotz guter Ansätze nur teilweise überzeugen.

Die Charaktere sind, wie nicht anders gewohnt, gut ausgearbeitet und in Szene gesetzt. Sean und Tarben ergänzen sich gut, wenngleich Letzterer dem Leser im Laufe der Zeit immer mehr auf die Nerven geht. Er scheint wenig mit dem alten Tarben gemein zu haben, den man im ersten Band kennengelernt hat. Auch Sean springt immer wieder hin und her – gerade als Demnenos auftaucht. Es fehlt ein wenig an Kontinuität.
Dafür lernt man die anderen Charaktere besser kennen – Furor und seine Familie, Seans Frau und die übrigen Vampire. Zudem werden Fans der „Dessla“-Reihe ein kurzes Wiedersehen mit Gor haben, dessen Geschichte in „Liebe unaufhörlich“ erzählt wird.

Stilistisch sind Alexa Lors Romane Geschmackssache. Während im ersten Band immer wieder Worte fehlten, der Satzbau stellenweise holperte und man mitunter das Gefühl hatte, dass sich die Autorin selbst verhedderte, hat man dieses Mal mit einem Übermaß an Adjektiven und Schachtelsätzen zu kämpfen. Es passiert mir wahrlich nicht oft, dass mir Romane zu adjektivlastig sind, da ich blumige und ausführliche Beschreibung mag – bei „Göttliche Intrigen“ war es einfach zu viel des guten. Auch gibt es zu viele Wiederholungen, teils inhaltlich, teils stilistisch, die das Lesen erschweren und es nicht einfach machen in die Welt der Wempyre einzutauchen. Zudem schleichen sich mit der Zeit immer wieder Rechtschreibfehler ein, die negativ ins Auge fallen.

Fazit:
Mit „Göttliche Intrigen“ folgt Alexa Lor dem Aufruf ihrer Fans die Geschichte von Sean und Tarben fortzuführen. Teilweise gelingt ihr auch eine spannende, komplexe Fortführung der Ereignisse, die sie geschickt mit ihren anderen Romanen verwebt. Allerdings stören einige Logiklücken und „vergessene Figuren“ das Lesevergnügen, ebenso der gewöhnungsbedürftige Stil, der vor Adjektiven nur so strotzt. Wer sich daran nicht stört und wem Band 1 gefallen hat, sollte einen Blick riskieren, alle anderen sollten sich zunächst den ersten Band der „Gefährlicher Geliebter“ – Reihe zu Gemüte führen. Ohne diesen versteht man die Ereignisse von „Göttliche Intrigen“ nämlich nicht.

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[ROMAN] Katzenauge von Calli Hall

Autor: Calli Hall
Taschenbuch:  212 Seiten
ISBN: 978-3959490351
Preis: 5,99 EUR (ebook) | 12,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Ein kleiner Fehltritt – und schon landet der halbindianische Polizist Aiden Sunshine Youngblood in einem winzigen Kuhkaff in Sachsen-Anhalt, in dem die Uhren vollkommen anders laufen: seine neuen Schützlinge bestehen aus Fossilen der DDR, diebischen Putzfrauen und gartenzwergversessenen Dörflern, die gänzlich anders ticken, als der Rest der Menschheit. Die Geduld des „Wessis“ wird auf eine harte Probe gestellt, doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels: sollte es keinerlei Verbrechen in dem kleinen Dörfchen geben, wird das Polizeirevier endgültig geschlossen. Aidens Hoffnungen zerschlagen sich, als plötzlich die Leiche eines Drogendealers mitten im Hausflur des Bürgermeisters auftaucht, der sich nicht nur als Drogenhehler entpuppt, sondern auch mit seinem männlichen Harem das Weite gesucht hat. Zu allem Überfluss darf sich Aiden auch noch um Kater „Bobbelchen“ kümmern, dabei hasst er Katzen wie die Pest.

Dass all das Chaos nur die Spitze des Eisberges ist, zeigt sich, als er erfährt, dass „Bobbelchen“ ein Gestaltwandler und Dieb ist, der sich unglücklicherweise auf Aiden fixiert hat. Damit muss sich der heterosexuelle Aiden nicht nur mit dem Wahnsinn der Dörfler, verschwundenen Drogen und unangenehmen Kollegen herumschlagen, sondern auch seine jungfräuliche Kehrseite vor dem paarungswilligen Gestaltwandler schützen …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Katzenauge“ legt die junge Autorin Calli Hall ihr Debüt beim Main Verlag vor. In ihrem satirischen Erstlingswerk nimmt sie kein Blatt vor den Mund und präsentiert eine chaotische Geschichte, mit extremen Charakteren und einer recht gewöhnungsbedürftigen Umgangssprache.

Inhaltlich begibt sich die Autorin auf recht ungewöhnliche Wege: ein Polizist, verbannt in ein ur-sächsisches Dörfchen, in dem die Uhren wirklich anders Ticken. Das merkt man vor allem an den „Ureinwohnern“ der Gartenzwerg-Idylle, die natürlich allesamt in einem Dialekt reden, der einem die Zehnnägel nach oben rollt. Man fühlt mit Aiden, der seine Problemchen mit den Dörflern hat, die einen wirklich in den Wahnsinn treiben können. Mit der Zeit wirken die überspitzten Darstellungen allerdings ein wenig übertrieben, insbesondere wenn es um etwas ernstere Dinge geht. So witzig die Steinzeit-Ursel, Manni und Uschi zu Beginn sind, mit der Zeit wirken sie einfach zu extrem dargestellt: den russischen Verbrechern inkl. Maschinengewehren wird spontan ein Häuschen angeboten, die Leiche des Drogendealers ist nicht so wichtig wie das brennende Licht im Hausflur und polizeiliche Ermittlungen werden selbstverständlich torpediert. Sicherlich erwartet der Leser keinen realistischen Roman, doch ein wenig mehr Logik und Authentizität hätte Calli Hall schon walten lassen können. So bleibt der bittere Nachgeschmack, dass alle Ossis dumm, einfach gestrickt und absolut bescheuert sind.

Hauptproblem in der Handlung ist jedoch die fantastische Komponente, die ab der zweiten Hälfte vorkommt. Dass „Bobbelchen“ kein normaler Kater ist, war dem Leser schnell klar, doch dies mit der Gestaltwandler-Thematik zu erklären, kann leider nicht überzeugen. Die fantastischen Elemente wirken aufgesetzt, da sie nicht näher beleuchtet werden. Man erfährt zwar, dass es Gestaltwandler und Dämonen gibt, aber damit enden auch schon die Erklärungen seitens der Autorin. Warum sie diese überhaupt einbauen musste, erschließt sich dem Leser leider nicht. Hätte sich die Autorin nur auf Aiden, den Drogenfall und das Dörfchen konzentriert, wäre „Katzenauge“ wesentlich besser geworden.

Die Charaktere sind ebenso chaotisch und exzentrisch, wie die Geschichte: ein Halbindianer, der nicht ganz menschlich ist, ein Gestaltwandler, der nebenbei als Dieb arbeitet und ein Haufen „Ossis“, die gar nicht zu arbeiten scheinen. Calli Hall präsentiert eine schillernde Palette unterschiedlicher Charaktere, die durchaus unterhalten und auch teilweise sympathisch sind, doch wie schon bei der Geschichte ist irgendwann eine Sättigung an Skurrilität beim Leser erreicht. So nerven die Dörfler mit der Zeit extrem, ebenso Aidens extreme Ansichten und sein Hass gegenüber dem Kater und dessen Eigenheiten. Dass der Polizist zum Ende hin recht schnell umschwenkt und seine Heterosexualität in den Wind schießt, ist ebenfalls nicht ganz logisch und nachvollziehbar. Da fehlt ein bisschen der Übergang, das Knistern und die Annäherung.

Stilistisch ist „Katzenauge“ gewöhnungsbedürftig, was vor allem an dem sächsischen Dialekt der Dörfler liegt, den man fast schon laut aussprechen muss (oder zumindest im Ohr haben sollte), um den Inhalt gänzlich zu verstehen. Darüber hinaus besticht Calli Hall durch eine witzige, leichte Sprache, die aufgrund des Themas mitunter recht alltäglich daherkommt. Da dies zum Buch und den Figuren passt, fällt das nicht störend ins Gewicht – einige Logiklücken und Plotlöcher schon. Mal gibt es in dem Dörfchen keinen Handyempfang, dann wieder posten die Damen Fotos von Aiden auf FB und Twitter oder Aiden beantwortet munter E-Mails. Auch wissen seltsamerweise einige Charaktere von Ereignissen, die sie nicht erlebt und nicht erzählt bekommen haben. Das verwirrt ein wenig beim Lesen, ist aber kein so großes Manko.

Fazit:
„Katzenauge“ ist ein witziger, chaotischer und durchgedrehter Krimi-Gestaltwandler-Comedy-Roman, der nur zum Teil ganz überzeugen kann. Die Geschichte wurde zu voll gepackt, einige Elemente passen nicht in den Kontext und auch die Figuren sind ein wenig gewöhnungsbedürftig. Dennoch macht die Lektüre Spaß; gerade die ostdeutschen Dörfler wurden witzig und spitzzüngig in Szene gesetzt, wenngleich es Calli Hall mit dem schwarzen Humor an einigen Stellen übertreibt. Wer kein Problem damit hat und es mit der Logik nicht so genau nimmt, wird auf seine Kosten kommen – alle anderen sollten vorab einen Blick in die Leseprobe werfen.

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