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[ROMAN] Vancouver Love von Corinna Bach

Autorin: Corinna Bach
eBook: 303 Seiten
ASIN: B06XSL6GG7
Preis: 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Eigentlich könnte zwischen Polizist Peter und dem First Native Jeremia alles in bester Ordnung sein, wäre da nicht Peters Unfähigkeit und Widerwillen eine wirkliche Beziehung einzugehen. Für Jeremia reicht die unverbindliche Freundschaft Plus jedoch nicht, will er sich mit Peter doch etwas Gemeinsames aufbauen. Just in dem Moment, als Jeremia sich von dem Polizisten trennt, stolpert dieser in das größte Problem seiner Karriere – die junge Native Mary, die er beim Taschendiebstahl erwischt hat, zeigt ihn wegen Vergewaltigung an. Für Peter bedeutet das Suspension und eine Menge Probleme. Da der Vergewaltiger ein Polizist war und Beweismittel verschwinden, ist Peter gezwungen auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei bekommt er Unterstützung von Jeremia, der sich nicht nur Mary helfen will, sondern Peter nicht vergessen kann …

Eigene Meinung:
Mit „Vancouver Love“ erscheint ein weiterer Teil der „Vancouver“-Reihe von Corinna Bach hinter der sich Brunhilde Witthaut verbirgt, die bereits mehrere Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Der erste Roman der Reihe („Vancouver Dreams“) erschien noch im Sieben Verlag, Teil 2 („Vancouver Hope“) und 3 kamen bei Ullstein Forever als eBook heraus. Leser der ersten beiden Bände werden sowohl Liam und Zac, als auch Oliver und Ethan treffen, denn die Figuren tauchen am Rande von „Vancouver Love“ ebenfalls auf.

Die Geschichte dreht sich zum einen um die Beziehung zwischen Peter und Jeremia, die einander zwar lieben, jedoch eine unterschiedliche Auffassung von Beziehung haben und natürlich um Marys Anzeige und die Vergewaltigung. Hinzu kommen noch einige Nebenplots wie Peters streitsüchtiger Vater, der seinem Sohn das Leben zur Hölle macht und der Rassismus gegen Natives, der sich vor allem in Kleinigkeiten zeigt. Die Autorin verknüpft all diese Punkte zu einer gut durchdachten und ausgewogenen Handlung, die den Leser von der ersten Seite an fesselt. Gerade die Probleme der Natives sind sehr gut umgesetzt und weisen auf ein Thema hin, das leider noch immer aktuell ist (man muss sich nur mal die Hintergründe zum Highway of Tears ansehen …). Gut eingebaut wurden auch Peters traumatische Erlebnisse in seiner Kindheit in Bezug auf seine Unfähigkeit sich auf eine Beziehung mit Jeremia einzulassen. Nichtsdestotrotz muss man auf romantische und erotische Szenen nicht verzichten, denn Corinna Bach nimmt sich genügend Zeit, die beiden gänzlich unterschiedlichen Charaktere Stück um Stück wieder zusammenzuführen.

Ein großer Pluspunkt sind die lebendigen Charaktere – gerade Peter ist sehr gut ausarbeitet und gerade durch seine Fehler und Schwächen sehr sympathisch. Man kann sich sehr gut in ihn hineinversetzen und versteht, warum er Angst vor eine festen Bindung hat. Auch Jeremia steht ihm in nichts nach, wenngleich er ab und zu fast zu perfekt wirkt. Doch das passt, da er im Gegensatz zu Peter seine Mitte gefunden hat und nicht so leicht aus dem Konzept gebracht werden kann. Sein Kontakt zur Geisterwelt hilft ihm zudem dabei eine Entscheidung zu treffen, ebenso ist er, wie die meisten Natives, sehr naturverbunden. Mary tangiert irgendwo dazwischen – sie wirkt ziemlich haltlos und versucht als Native in der „Welt der Weißen“ zu überleben und sich selbst zu helfen (weswegen sie Peter letztendlich anzeigt). Sie ist haltlos, einsam, mitunter etwas biestig, aber sie hat dafür auch alle Gründe. Schön ist es bekannten Gesichtern zu begegnen, wobei nur Liam aus „Vancouver Dreams“ einen größeren Part einnimmt, da er Mary in seinem Jugendwohnheim aufnimmt.

Stilistisch gibt es nichts zu beanstanden – Corinna Bach hat einen sehr routinierten, flüssigen Stil. Man merkt, dass sie im Buchgeschäft ein alter Hase ist und schon etliche Veröffentlichungen vorzuweisen hat. So sind die Beschreibungen von Vancouver sehr lebendig und mitreißend (man hat durchaus das Gefühl durch die einzelnen Viertel zu wandern), ebenso die Darstellung und Dialoge der Charaktere. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Peter und Jeremia, so dass man beide Hauptfiguren kennenlernen und sich mit ihnen identifizieren kann. Es macht Spaß Peter und Jeremia zu begleiten und gemeinsam mit ihnen auf Verbrecherjagd zu gehen.

Fazit:
„Vancouver Love“ ist ein schöner Gay Romance mit einer ordentlichen Portion Krimi (wenngleich der Fokus nicht so stark auf dem Fall liegt, wie man es bei ihren Gay Krimis („Claude Bocquillon“) gewöhnt ist. Nichtsdestotrotz macht die Geschichte von Peter und Jeremia Spaß und Lust auf mehr. Corinna Bach sind starke Persönlichkeiten gelungen, die den Leser schnell gefangen nehmen. In Kombination mit dem schönen Schreibstil erwartet den Leser eine ausgewogene Mischung aus Romantik und Krimi gewürzt mit einem guten Einblick in die Problematik First Nation. Wer Corinna Bachs Romane mag, sollte sich dieses Wer nicht entgehen lassen – sehr zu empfehlen.

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[ROMAN] Der ehrenwerte Dieb von James Buchanan

Autoren: James Buchanan
Taschenbuch: 360 Seiten
ISBN: 978-3960890683
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem der Einbrecher und Dieb Caesar Serrano mitbekommt, dass er eine leidenschaftliche Nacht mit dem LAPD Officer Nathan Reilly verbracht hat, nimmt er sich vor, den gutaussehenden Mann nicht mehr wiederzusehen. Als er jedoch bei einem Beutezug in einer Villa auf kinderpornografische Fotos stößt, wendet er sich an Nathan der ihm seine Unterstützung verspricht. Gemeinsam gehen sie zur Polizei, wo Caesar für seine Aussage einen Deal mit der Staatsanwaltschaft heraushandeln kann. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, denn die Villa gehört nicht nur einem hohen Tier der Polizei, jemand versucht auch Caesar auszuschalten, um dessen Aussage vor Gericht zu verhindern. Gemeinsam mit Nathan, der von seinem Vorgesetzten zu Caesars Leibwächter berufen wird, flieht der junge Dieb aus der Stadt …

Eigene Meinung:
James Buchanan ist einer der bekanntesten englischsprachigen Autoren im Gay-Genre und hat sich mit Dutzenden Reihen und Einzelbüchern einen Namen gemacht. Mit „Der ehrenwerte Dieb“ legt deadsoft erstmals eines seiner Werke in deutscher Sprache vor.

Die Geschichte verspricht einen spannenden Krimi, der mit der Liebesgeschichte zweier ungleicher Männer gewürzt ist. Leider hält das Buch überhaupt nicht, was man sich vom Klappentext verspricht – statt Spannung, Action und eines ausgeklügelten Krimis bekommt man vorwiegend Sex! Denn viel mehr machen Nathan und Caesar nicht, wenn sie allein in einem Raum sind – selbst in den unmöglichsten Situationen haben sie nichts Besseres zu tun, als es miteinander zu treiben. Da wundert es nicht, dass Nathan während der Flucht zu keiner Sekunde auf die zündende Idee kommt, wie ihre Häscher sie jedes Mal so schnell finden können (etwas, was dem Leser schon nach wenigen Seiten klar ist). Auch sonst dreht es sich bei „Der ehrenwerte Dieb“ eher um Erotik und platten Sex, als um die Rahmenhandlung. So interessant die Grundidee ist und so viel man aus der eigentlichen Krimihandlung hätte machen können – der Autor setzt nichts davon um. Stattdessen konzentriert er sich auf die ausufernden Sexszenen, die man nach dem vierten Mal (im ersten Drittel) gelangweilt überblättert. Auch ist es nicht verwunderlich, dass die Lösung des Krimis und die ganze spannende Handlung lediglich am Rande abläuft und die Figuren keinerlei erwähnenswerten Einfluss mehr darauf haben – vieles wird am Ende in wenigen Sätzen zusammengefasst, um wenigstens das wichtigste der Grundidee zu klären.
Das macht James Buchanans Roman ungemein langweilig und unspektakulär, wenngleich die Nicht-Sex-Szenen gut beschrieben und in sich logisch sind. Das betrifft sowohl Caesars Einbruch, als auch die Befragung der Polizei und die Mühlen der Justiz. Hier hat man das Gefühl, dass sich der Autor durchaus mit den Grundlagen beschäftigt oder entsprechend tiefgehend recherchiert hat.

Die Charaktere sind durchaus sympathisch und können beide überzeugen – wenn man von dem übermäßigen Sextrieb einmal absieht. Caesar ist ein starker Charakter, der aufgrund seiner Herkunft und seines bisherigen Lebens eine spannende Grundlage bietet und sich im Laufe der Geschichte durchaus weiterentwickelt. Auch Nathan als offen schwuler Polizist ist gut in Szene gesetzt und überzeugt mit seiner loyalen und sympathischen Art.

Stilistisch ist der Roman gut und solide – James Buchanan weiß wie man schreibt und hat ein Händchen für Beschreibungen von Stadt und Land. Gerade L.A. ist sehr stimmungsvoll und atmosphärisch beschrieben – man kann sich die Stadt sehr gut vorstellen. Auch die Dialoge sind gut umgesetzt, ebenso die Erotikszenen, wenngleich sich diese mit der Zeit auch sprachlich wiederholen. Ein großes Manko ist jedoch die deutsche Übersetzung – das Buch wimmelt vor Rechtschreibfehlern, mangelhafter Zeichensetzung und fehlenden Worten. Hin und wieder werden auch Verben in Sätze eingebaut, die überhaupt nicht zum Kontext passen, so dass einige Abschnitte keinen Sinn mehr ergeben. Hier fehlt definitiv ein Korrektor, der zumindest die gröbsten Schnitzer entfernt und den Sätzen einen Sinn gibt. Wer sich bei Fehlern schnell aus dem Konzept bringen lässt, sollte sich vorab überlegen, ob er „Der ehrenhafte Dieb“ unbedingt im Regal braucht – das Buch bietet leider nicht die gewohnte deadsoft-Qualität und vergällt den Spaß am Lesen.

Fazit:
„Der ehrenwerte Dieb“ verspricht inhaltlich viel, kann jedoch nur wenig halten – die Geschichte ist zu sexlastig, was auf Kosten der Logik und der Spannung geht. Der Krimiplot bleibt zu 90% auf der Strecke und wird nur am Rande behandelt, stattdessen bekommt man alle 10 Seiten eine ausufernde Sexszene präsentiert. Da können auch die sympathischen Figuren nicht mehr viel retten, was sehr schade ist. In Kombination mit den vielen Fehlern innerhalb der deutschen Übersetzung, kann ich dieses Buch nur Lesern empfehlen, die auf viel Erotik und Sex aus sind. Wer einen spannenden Krimi sucht, ist bei diesem Buch falsch – leider nicht zu empfehlen.

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[ZITATE-FREITAG] Tödliche Schatten

Hallo ihr Lieben,

es wird mal wieder Zeit für einen neuen Zitate-Freitag – dieses Mal habe ich mich für den Krimi „Tödliche Schatten“ von Josh Lanyon entschieden. Der Roman ist der Auftakt der Adrien English-Reihe, von der bisher 2 Bände im Bruno Gmünder Verlag erschienen sind (ich hoffe sehr, dass die Reihe fortgesetzt wird, denn man schließt Adrien ungemein ins Herz). Wer Krimis mag, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren – die Geschichte macht Spaß und die Charaktere sind sehr liebenswert.

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meine Rezension

„Haben Sie miteinander geschlafen?“

Ich öffnete den Mund, brachte aber keinen Laut hervor.

Waren Sie ein Paar?“, fragte Chan und sah dabei zu Riordan hinüber.

„Nein.“

„Aber Sie sind homosexuell?“ Das war wieder Riordan, der jetzt aufrecht wie ein Stock vor mir stand, seinen prüfenden Blick kühl auf mich gerichtet. Das Ergebnis schien ihn nicht besonders zu beeindrucken.

„Ich bin schwul. Na und?“

„Hersey war auch homosexuell?“

„Und wenn man zwei und zwei zusammenzählt, ergibt das eine Mordanklage, oder wie?“

„Tödliche Schatten“, Seite 9 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

„Was haben Sie denn hier verloren?“ Das mochte etwas grob geklungen haben, aber ich fürchtete, ich wusste nur zu gut, was sie wollten.

Chan blieb ganz ruhig. „Wir möchte Mr. Hersey einfach nur die letzte Ehre erweisen, Mr. English, wie alle anderen hier auch.“

„Das könnte man aber auch als Belästigung auffassen“, sagte Bruce Green.

Sie starrten mich an. Starrten Green an.

Riordan fragte: „Und Sie sind –?“

„Bruce Green. Boytimes.“

Ihre Gesichter sprachen Bände.

Green wandte sich mir zu: „Sie wissen schon, dass Sie sich mit denen nicht zu unterhalten brauchen, oder?“

Chan schaute gequält drein. Riordan allerdings … Riordan sah aus, als würde er den Einsatz von Atomwaffen ab jetzt für gerechtfertigt halten.

„Tödliche Schatten“, Seite 42 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Ich holte zwei Flaschen Harp-Bier aus dem Kühlschrank und wurde dafür mit einem anerkennenden Nicken belohnt – von einem Mann, der mit Zeichen der Anerkennung mir gegenüber bisher eher sparsam verfahren war. Als ich ihm die kalte Flasche reichte, berührten sich unsere Finger. Die elektrische Spannung entlud sich mit einem Knall. Erstaunlich, dass ich nicht sofort in Flammen aufging.

„Darf ich mich setzen?“ Riordan deutete auf den Tisch.

„Klar. Wie unhöflich von mir. Ich wollte dir nur die Gelegenheit geben, mich zu verhaften.“

Er grinste hämisch, setzte sich und ließ den Stuhl nach hinten kippen.

„So. Also. Was hast du für mich?“

„Tödliche Schatten“, Seite 68 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Vous m’avez entendu, bébé. Typen in schwarzen Lederklamotten, Handschellen und Ketten.“

Das, womit Robert sowieso gelegentlich herumspielte.

„Er hat dort bestimmt verdeckt ermittelt oder so was!“

„Nein! Du hörst mir gar nicht zu! Ich habe ihn dort schon früher gesehen. Er ist dort Mitglied. Er ist Meister.“

„Er ist –“ Ich wollte weder den Gedanken noch den Satz fortsetzen. Riordan in schwarzem Lederdress? Mir wurde ganz schwummrig. Riordan mit Bikermütze. Riordan in einer schwarzen Lederhose. Trug da in diesem Moment einer ein Halsband, und Riordan zog an der Leine? Hatte ein anderer Striemen am Arsch, und Riordan stand daneben, die Knute in der Hand? Das war doch völlig lächerlich, absurd.

„Tödliche Schatten“, Seite 82 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

„Na ja, auf alle Fälle brauchst du dir keine Sorgen zu machen“, sagte sie aufmunternd. „Ich hab sie daran erinnert, dass du absolut keinen Grund gehabt hättest, Robert Hersey umzubringen.“

„Hast du ihnen gesagt, wann ich den Rest der Erbschaft bekommen soll?“

„An deinem vierzigsten Geburtstag? Aber da geht sie doch gar nichts an!“

Ich seufzte. „Na ja, wenigstens ist die medizinische Versorgung im Gefängnis vorbildlich.“

„Das ist nicht witzig“, sagte Lisa schneidend. „Ich finde das extrem geschmacklos.“

„Ja, schon klar. Tut mir leid.“

Sie legte auf – was ihre einnehmende Methode war, das letzte Wort zu behalten.

„Tödliche Schatten“, Seite 122-123 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

In diesem Moment schaltete sich mein Kopf ab. Ich konnte alles sehen, alles erkennen, ständig drehte ich am Zündschlüssel, aber der Motor wollte einfach nicht anspringen. Ich fiel auf die Knie. Ich berührte Claudes Gesicht und stellte nebenher fest, dass meine Handknöchel aufgeschürft waren.

Claudes Augen starrten ins Nichts, dann blinzelten sie.

Er öffnete den Mund und ein Strom von Blut schwappte heraus.

Ich legte ihm die Hand auf den Mund, als könnte ich so das Blut am Herausfließen hindern. Ich hörte mich selbst flüstern: „O Gott, O Gott, O Gott …“

„Tödliche Schatten“, Seite 134-135 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Als das Telefon klingelte, riss ich den Hörer herunter.

Detective Riordan war dran. Er klang grimmig. „Zwei Sachen: Wir haben gerade den Polizeibericht aus Baffalo bekommen. Richard Corday ist gestorben, weil er zwölf Etagen tief in einen betonierten Hof fiel.“

Ich schluckte. „War es Selbstmord?“

„Ganz sicher war man sich da nicht. Corday hatte allein eingecheckt; was man im Zimmer fand, gehörte ihm. Aber eines der Zimmermädchen hat angegeben, sie hätte ein paar Stunden vor seinem Tod versehentlich das Zimmer betreten und hätte dort Corday mit einem Gast gesehen.“

„Mit einem Mann?“

„Mit einer Frau, wenn man glauben darf. Über das Zimmer verstreut lagen Frauenkleider.“

„Das kann nicht sein.“

„Ich erzähl dir nur, was ich weiß.“

„Warte mal.“ Ich dachte laut nach. „Und wenn die Frauenkleider Rusty gehören? Er ist in Frauenklamotten gestorben.“

„Tödliche Schatten“, Seite 163 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

„Er ist zu mir gefahren.“

„Hä?“

„Ich hatte ihn angerufen und gebeten vorbeizukommen, damit ich –“

„Damit du was? Scheiße nochmal! Kapierst du’s denn nicht? Der Typ bringt Menschen um!“

„Ja, schon kapiert! Du hast gesagt, du brauchst Beweise. Und ich brauchte auch Beweise, ich wollte ihn doch – der Polizei übergeben.“

Von seinem Griff an meinem Arm bekam ich langsam blaue Flecken. „Ich habe dich doch gebeten, dich das rauszuhalten. Ich habe dir das unmissverständlich gesagt. Was soll ich denn noch machen? Dich verhaften?“

„Nur, damit du mir endlich Handschellen anlegen kannst?“

„Tödliche Schatten“, Seite 191 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen neugierig auf diesen tolle Krimi machen – er lohnt sich auf jeden Fall (ebenso die Fortsetzung ;)). Mal schauen, wann es den nächsten Zitate-Freitag gibt – ich halte mir das ein wenig offen. Ihr dürft also gespannt sein.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Vancouver Hope von Corinna Bach

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Autor: Corinna Bach
eBook: 300 Seiten
ASIN: B01KZOP37U
Preis: 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Nach dem gewaltsamen Tod seines Freundes verlässt Oliver Vancouver und versucht in einer kleinen Stadt an der Küste sein Leben wieder unter Kontrolle zu bringen. Unerwartet lernt er dort den jungen Ethan während einer Walewatching-Bootstour kennen, der zufälligerweise auch sein neuer Nachbar ist. Nach einigem Hin und Her kommen sich die beiden näher und werden ein Paar. Olivers Leben könnte nicht glücklicher sein, bis ihn seine Vergangenheit einholt und ihm sein Unterbewusstsein Erinnerungen zurückgibt, die mit dem Tod seines ehemaligen Partners zu tun haben, der während eines Banküberfalls erschossen wurde. Ausgerechnet Ethan trägt an seiner Hand ein Tattoo, das Oliver während des Überfalls ebenfalls gesehen hat – beim Mörder seines Freundes. Plötzlich ist nichts mehr wie es war und Oliver schwört sich, Ethan zur Strecke zu bringen, um den Mord an seinem Partner zu rächen, während Ethan ebenfalls alles daransetzt, den wahren Täter zur Strecke zu bringen …

Eigene Meinung:
Mit „Vancouver Hope“ veröffentlicht Corinna Bach ihren ersten Gay Romance bei Ullstein Forever. Weitere Romane von ihr liegen beim Sieben Verlag vor, u.a. „Vancouver Dreams“, der ebenfalls in der kanadischen Stadt spielt, jedoch nichts mit dem vorliegenden Buch zu tun hat. Ansonsten gibt es Dutzende Romane der Autorin, die unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hat. Zu ihren bekanntesten Reihen gehören die Romane um den französischen Privatdetektiv „Claude Bocquillon“, die im Gmünder Verlag erschienen sind.

Die Geschichte beginnt zunächst ein wenig schleppend, da sich die Autorin darauf konzentriert Oliver und Ethan zusammen zu bringen, um die Basis für die kommenden Ereignisse zu schaffen. Erst danach entwickelt sich aus der recht seichten Gay Romance ein spannungsgeladener Krimi, was in gewisser Weise eine Spezialität der Autorin ist. Es geht auf und ab, da nicht nur Oliver nach und nach die Hintergründe zu dem Raubüberfall und dem Tod seines Partners herausfindet, sondern auch Ethan bei seinen Brüdern nach der Wahrheit suchen muss. Den Leser erwartet daher ein beständiges Auf und Ab – sowohl gefühlstechnisch, denn natürlich können Oliver und Ethan nicht voneinander lassen, als auch hinsichtlich des Überfalls, der zum Tod von Olivers Partner führte. Leider kommt es zum Ende hin zu einigen Logiklücken, ganz besonders da der ermittelnde Polizist die Tatverdächtigen ziehen lässt, obwohl er sie eigentlich dingfest machen müsste. Auch sonst scheint die Polizei ein paar Mal nicht wirklich realistisch zu agieren, was wohl daran liegt, dass die Handlung ansonsten nicht mehr aufgegangen wäre.

Sieht man von den Logiklücken ab, bietet Corinna Bach eine spannende, actiongeladene Lektüre, die den Leser schnell in den Bann zieht. Man ist immer hautnah bei den Charakteren, da sowohl aus Olivers, als auch aus Ethans Sicht erzählt wird. Im Vergleich zu den bisherigen Werken der Autorin ist „Vancouver Hope“ erotischer und expliziter geraten, was an einigen Stellen fast ein wenig störend auffällt. So sinnlich die Szenen sind, an einigen Stellen stören sie die Handlung ein wenig, da gerade Ethan den Eindruck vermittelt nur an Sex interessiert zu sein.

Die Charaktere sind durchaus liebenswert, haben jedoch ihre Ecken und Kanten. So fällt es schwer, sich auf Oliver einzulassen, da er am Anfang sehr abweisend und arrogant daherkommt, gerade wenn es um Ethan geht. Das gibt sich zwar mit der Zeit, doch seine Reaktionen stoßen mitunter sauer auf. Auch Ethan verhält sich manchmal wie ein Trampel, ist insgesamt jedoch ein lieber Kerl, der alles unternimmt, um seine Unschuld zu beweisen und gleichzeitig seine Brüder zu schützen.
Ganz besonders positiv fallen die Nebenfiguren auf, über die man gerne mehr erfahren hätte: Peter, der die Ermittlungen bei der Polizei leitet, Jeremiah, ein Indianer, der sowohl Ethan, als auch Oliver als Freund unterstützt, und Ethans Brüder, die man rasch ins Herz schließt. Sie wirken alle authentisch und realistisch, ihre Motive sind stets gut nachvollziehbar.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Corinna Bach legt einen spannenden, gut geschriebenen Thriller vor, der durch tolle Beschreibungen (man hat das Gefühl auf Vancouver Island zu sein), gut aufgebaute Dialoge und schöne, spannungsgeladene Actionszenen besticht. Man merkt, dass die Autorin ein „alter Hase“ ist, die ihr Handwerk versteht und weiß, wie sie eine Handlung aufzubauen hat. Es macht Spaß Ethan und Oliver zu begleiten und Stück für Stück die Wahrheit zu entdecken.

Fazit:
„Vancouver Hope“ ist ein spannender, gut geschriebener Krimi, der trotz einiger Unstimmigkeiten und Logiklücken überzeugen kann. Corinna Bach entführt den Leser nach Vancouver Island und baut eine Geschichte voller Doppelbödigkeiten, Wendungen und Spannung auf, die man nur schwer aus der Hand legen kann. Der Roman mag zwar nicht an die Krimireihe um „Claude Bocqiullon“ heranreichen, doch er unterhält und macht Lust auf mehr. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Das Kreuz des Kriegers von Madeleine Urban und Abigail Roux


Autoren: Madeleine Urban und Abigail Roux
Taschenbuch: 338 Seiten
ASIN: B017Y97ESU
Preis: 5,14 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Jeden Dienstag kommt der schweigsame Julian Cross in das Restaurant Tuesday. Unter den Kellnern ist er berühmt berüchtigt, ganz besonders Oberkellner Cameron fiebert dem Besuch des mysteriösen Mannes entgegen. Wochen vergehen bis die beiden ins Gespräch kommen und sich mehr zwischen den ungleichen Männern entwickelt. Doch Julian hat mehr Geheimnisse, als Cameron lieb ist. So taucht er immer wieder mit Verletzungen auf, darunter sogar Schusswunden, die dem Kellner beweisen, dass Julian einem gefährlichen Job nachgeht. Als die Sorge und Angst um Julian immer größer wird, stellt Cameron seinen Liebhaber zur Rede, doch dieser lässt nur wenig von seiner Arbeit nach draußen dringen. Als Cameron die Ungewissheit nicht mehr erträgt, zieht er schweren Herzens einen Schlussstrich – zu spät, wie sich herausstellt. Denn mit Lancaster ist jemand nach Chicago gekommen, der alles daran setzt Julian zu töten und längst mitbekommen hat, was die beiden Männer verbindet …

Eigene Meinung:
Der Einzelband „Das Kreuz des Kriegers“ stammt vom erfolgreichen Autorenduo Madeleine Urban und Abigail Roux, die mit ihrer Gay Thriller Reihe „Cut & Run“ populär geworden sind. Der Roman erschien 2009 bei Dreamspinner Press, 2016 kam die deutsche Fassung des romantischen Thrillers auf den Markt.

Die Geschichte spielt in Chicago und beginnt recht ruhig, da sie (zumindest zu Beginn aus Camerons Sicht erzählt wird und dessen Alltag als Kellner recht gleichförmig, fast schon langweilig ist. Julian bringt mit seiner düsteren, mysteriösen und undurchschaubaren Natur etwas mehr Action ins Spiel, gerade weil man ihn nur schwer einschätzen kann. Nach einer heißen Nacht, bei der sich beide der Anziehungskraft des jeweils anderen nicht entziehen können, werden die beiden ein Paar. Die damit einhergehenden Probleme kommen zumeist von Julians Seite, da er über seinen Job Stillschweigen bewahrt und nur an bestimmten Tagen mit Cameron trifft. So macht sich der Leser mit dem jungen Kellner seine Gedanken, welchem Job Julian nachgeht und kommt schnell dahinter, dass er als Spion und Attentäter arbeitet. Was genau er macht, lässt das Autorenduo jedoch nicht an die Oberfläche dringen. Man kann es sich zwar zusammenreimen, aber welche Aufträge er genau übernimmt und wie weit er bei seiner Arbeit geht, bleibt diffus. Auch Julians Beziehung zu Blake, Camerons Chef und seine Vergangenheit bleiben im Dunkeln – man hat das Gefühl, die Autorinnen wussten selbst nicht so genau, welche Profession Julian genau hat. Dennoch macht gerade das seinen Reiz aus, denn dieses unterschwellig Böse und Geheimnisvolle macht einen großen Reiz aus.
Leider dauert es auch, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Der Thriller-Anteil ist verhältnismäßig gering, da es mehr um die Beziehung zwischen Cameron und Julian geht. Aus diesem Grund wird es erst im letzten Drittel spannend, als Lancaster auftaucht und Julians Leben bedroht. Bis dahin kämpfen die Figuren mit (eher) hausgemachten Problemen, die dadurch entstehen, dass sie nicht offen miteinander sprechen.

Die Charaktere sind interessant und können durchaus faszinieren, wobei am meisten die Nebenfiguren Blake und Preston in Erinnerung bleiben. Gerade letzterer ist dank seiner zynischen, direkten und offenen Art ungemein sympathisch. Julian wirkt an einigen Stellen nicht ganz rund (passend zu seiner diffusen Jobbeschreibung), da er mal der harte Killer ist, dann wieder kindisch-weinerlich oder sanft-liebevoll. Letzteres ist vollkommen in Ordnung, mit seiner unreifen Art kann man sich allerdings nur schwer anfreunden. Cameron bildet den angenehm normalen Gegenpol zu Julian – er ist einfach nur der typische Durchschnittstyp, der wenig mit Mord, Gewalt und Waffen am Hut hat. Man schließt ihn durchaus ins Herz, dennoch wirkt er auf den Leser ein wenig distanziert, da man ihn nur schwer zu fassen bekommt.

Stilistisch bietet „Das Kreuz des Kriegers“ gut geschrieben Kost. Madeleine Urban und Abigail Roux wissen, wie man spannende und actionreiche Szenen schreibt. Auch die Umgebungsbeschreibungen sorgen dafür, dass der Leser Bilder vor Augen hat. Allerdings sind die Dialoge nicht immer in sich schlüssig, da sie mitunter nicht aufeinander aufbauen – gerade bei wichtigen Gesprächen zwischen Cameron und Julian kommt es zu Sprüngen in den Dialogen, so dass man nicht mehr folgen kann. Das ist sehr schade, da man dadurch immer wieder aus der Handlung geworfen wird. Ob dies an der deutschen Übersetzung liegt, kann ich nicht beurteilen.

Fazit:
„Das Kreuz des Kriegers“ ist ein spannender, fesselnder Thriller mit einigen kleineren Schwächen über die man jedoch hinwegsehen kann. Die Charaktere sind interessant und machen Lust auf mehr und auch die Handlung kann bis auf einige Ungereimtheiten überzeugen. Auch stilistisch legen Madeleine Urban und Abigail Roux solide Kost vor. Wer Cameron und Julian mag sollte nach dem 5. Band der Reihe „Ty & Zane“ Ausschau halten, denn darin wird die Geschichte aus „Das Kreuz des Kriegers“ fortgeführt.

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[NOVELLE] Nachbarschaftshilfe von Susanne Eisele

Nachbarschaftshilfe
Autor: Susanne Eisele
Taschenbuch: 142 Seiten
ISBN: 978-1495493584
Preis: 3,97 EUR (eBook) | 5,19 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Eine grausame Mordserie erschüttert die durch einen Fluss getrennten Werwolf- und Vampirclans. Während bei den Vampiren schnell ein Werwolf als Übeltäter ausgemacht wird, scheint bei für die Morde unter den Werwölfen ein Vampir verantwortlich zu sein. Um die Vorfälle endlich zu klären werden Charles, Prinz und Sheriff der Vampire und Alexa, Sheriff der Werwölfe, gemeinsam mit einigen ihrer Leute auf den Fall angesetzt. Zeitgleich beschließt Charles Vater einen Brücke zu den Werwölfen zu schlagen, um zukünftig in Freundschaft miteinander zu leben. Dazu hat er der Hochzeit zwischen dem Nachkommen der Werwölfe, Thomas, und seinem Sohn eingewilligt. Charles ist davon weniger begeistert, zumal er definitiv nur an Frauen interessiert ist – im Gegensatz zu seinem Zwilling Matthew, der jedoch seit seiner Geburt vor den Vampiren versteckt gehalten wird. Zu allem Überfluss findet Charles mit der Zeit mehr Gefallen an Alexa, die dem charismatischen Vampir ebenfalls zu schätzen lernt. Und auch zwischen Thomas und Matthew, der einmal Charles Platz einnimmt, funkt es gewaltig …

Eigene Meinung:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein Kurzroman von Susanne Eisele und erschien 2014 im Eigenverlag. Die Geschichte der Vampire und Werwölfe wurde 2015 mit „Kinderspiel“ fortgesetzt, der ebenfalls im Selbstverlag herausgekommen ist.

Inhaltlich entführt die Autorin die Leser in eine Welt, in der Vampire und Werwölfe in einer kleinen Stadt fernab der Menschen leben. Beide Clans verhalten sich friedlich – auch untereinander, da sie einst gemeinsam herrschten und erst im Laufe der Zeit eine Trennung der Werwölfe und Vampire zustande kam. Das friedliche Miteinander wird erst gebrochen, als es zu den Morden kommt, die auf beiden Seiten des Flusses gleichermaßen für Unruhen sorgen. Die gemeinsamen Ermittlungen sind in diesem Zusammenhang nur logisch, da sich die Vorfälle nicht nur auf Vampire oder Werwölfe beschränken. Susanne Eisele beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Ermittlungen der beiden Teams, sondern baut mit der geplanten Hochzeit zwischen dem Erben des Vampirclans und dem Nachkommen der Werwölfe einen weiteren Spannungspunkt mit ein, der noch für einigen Trubel sorgt. Ein wenig vorhersehbar ist in diesem Punkt die Handlung allerdings schon, denn dass Matthew und Thomas sich so gut verstehen, und Charles und Alexa ebenfalls nur schwer voneinander lassen können, wirkt ein wenig arg schablonenmäßig. In diesem Punkt kann die Autorin leider kaum überraschen, denn man weiß relativ schnell, welcher Charakter mit wem zusammenkommt.
Etwas aufwendiger und komplexer ist da schon der Kriminalfall, wenngleich auch hier die Figuren relativ wenig Eigeninitiative leisten – klar, sie ermitteln, aber letztendlich kommt ihnen doch der Zufall zu Hilfe, um die Hintergründe zu den Vorfällen aufzuklären.

Die Charaktere sind im Grunde sympathisch, aber auch recht stereotyp geraten. Hin und wieder fallen sie ein wenig aus dem Rahmen, aber alles in allem bleiben sie sich selbst treu, was sie leider ein wenig blass erscheinen lässt. Charles ist dabei manchmal ein wenig zu forsch und selbstverliebt, doch das gibt sich im Laufe der Zeit. Matthew ist der liebe, nette, junge Mann, bei dem man sich doch ein wenig wundert, warum er nicht revoltiert, immerhin muss er versteckt im Schloss leben, da Zwillinge unter den Vampiren als Unglücksboten gelten. Bei ihm hätte man es verstanden, wenn er sich gegen die Regeln auflehnt. Alexa und Thomas sind zwar durchaus sympathisch, doch auch sie bleiben dem Leser kaum in Erinnerung. Vielleicht liegt das aber auch am geringen Umfang des Buches – zwar reichen die knapp 150 Seiten um die Geschichte zu einem Ende zu bringen und die meisten Hintergründe zu klären, doch ein wenig mehr Charakterentwicklung wäre nicht schlecht gewesen.

Stilistisch bewegt sich „Nachbarschaftshilfe“ auf solidem Niveau. Susanne Eisele hat ein gutes Gefühl für Sprache und Dialoge, allerdings kommen recht viele Wortwiederholungen vor, was das Lesen ein wenig erschwert. Auch die Perspektivsprünge zwischen den Figuren sind nicht jedermanns Geschmack, da man sich auf diesem Weg nur schwer auf einen Charakter einschießen kann. Dennoch ist „Nachbarschaftshilfe“ lesenswert und bietet kurzweilige Unterhaltung, die Lust auf die bereits erschienene Fortsetzung macht.

Fazit:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein solider Kurzroman, der mit einem spannenden Konzept, interessanten Charakteren und einem gut durchdachten Kriminalfall aufwarten kann. Hin und wieder wirkt die Geschichte zwar zu stereotyp, sowohl was die Charaktere anbelangt, als auch, was die Auflösung des Falls betrifft. Dennoch lohnt sich Susanne Eiseles Debüt, wenn man Vampire und Werwölfe mag und ein Fall von (teils blutigen) Kriminalfällen ist. Im Zweifelsfall reinlesen.

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[ZITATE-FREITAG] Mord auf Französisch

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich einen Krimi im Gepäck, der mich unheimlich begeistert hat. Erstmal habe ich Claude Bocquillon beim ersten schwullesbischen Lesefestival „QUEER gelesen“ kennengelernt, als Brunhilde Witthaut alias Laurent Bach aus „Mord auf Französisch“ gelesen hat. Recht schnell hab ich den ersten Band der Krimi-Reihe verschlungen und mir natürlich auch die Folgebücher besorgt. Inzwischen bin ich ein ziemlicher Fan der Reihe und fiebere dem 4. Band entgegen, der hoffentlich nicht mehr allzulange auf sich warten lässt. Wer mehr über Brunhilde erfahren will, sollte sich mal bei den Special Weeks umsehen – die vierte Special Week fand mit ihr statt 🙂

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Bestellen: Amazon
meine Rezension

Verdattert sagte Claude: „Er hat geschrieben, er hätte sich und seiner Verlobten nie eingestanden, dass er schwul ist? Das ist absurd. Er war bisexuell.“

„Genau“, bestätigte Madame Melot. „Sicher, das mag er ihr verschwiegen haben, aber sie hätte ohnehin nie etwas bemerkt. Er hat beschlossen, nichts zu sagen, weil er es nicht für nötig hielt. Es war gut so, wie es war, glauben Sie mir.“

Claude senkte den Kopf. Madame Melot beugte sich vor uns sah ihm in die Augen.

„Sie haben ihn geliebt, nicht wahr?“

„Mord auf Französisch“, S. 26 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

Er ging auf den Badeplatz, stieg die Böschung hinab. Dornen zerkratzten seine nackten Waden, denn er hatte nur eine Radlerhose und ein T-Shirt an. Als er an Ort und Stelle angekommen war, stemmte sich eine Gestalt auf einer Felsbank aus dem Fluss. Wasser spritzte, Tröpfchen liefen an der Brust des etwas gleichaltrigen Mannes herab und blieben an den Brusthaaren hängen. Dezente Muskeln bedeckten seinen Körper, der trotzdem geschmeidig und beweglich wirkte. Sein fast schonunverschämt attraktives Aussehen bewirkte, dass Claudes Mund trocken wurde und er sich verlegen räusperte.

„Mord auf Französisch“, S. 45-46 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Das gibt es doch nicht!“

Als Claude diese Worte hörte, stellten sich seine Nackenhaare auf. Gendarm Bertin stellte vor: „Das ist Claude Bocquillon, unser hiesiger Möchtegern-Privatdetektiv.“

Da begann Lambert zu lachen. Er legte den Kopf zurück, sodass Claude all seine blendend weißen Zähne sehen konnte.

„Nein, das glaube ich nicht! Ein Privatdetektiv, unser hübscher, schwuler Claude!“

Bertins Mund sprang auf, er schaute Lambert ungläubig an, dann schwenkte sein Blick von Claudes Kopf bis hinunter zu dessen Füßen. Lambert prustete immer noch.

„Gib dir keine Mühe, du bist nicht mein Typ“, sagte Claude zu Bertin und stellte das Rad zur Seite.

„Mord auf Französisch“, S. 55 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

Bertins Augen glitzerten. „Ich habe dich bisher in Schutz genommen, aber treib es nicht zu weit.“

Mit zusammengepressten Lippen nickte Claude. „Zu Befehl, Monsiuer le Gendarm. Ich habe sowieso schon alles gehört, was ich hören wollte.“

Als Claude wieder in den Schankraum treten wollte, verstellte Bertin ihm den Weg. „Wieso glaubst du an einen Mord. Nur wegen des Abschiedsbriefes?“

„Und wieso glaubst du an einen Selbstmord. Nur wegen des Abschiedsbriefes?“, gab er zurück. „Du kanntest Pascal von klein auf. Hat er das verdient? Ich habe schon ein paar blaue Flecke für Pascal eingesteckt, und du? Du sitzt auf deinem Arsch.“

„Mord auf Französisch“, S. 86 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Hast du etwas erfahren?“

„Nein.“ Er schlug den Kaffee aus, den Amélie für ihn aufgebrüht hatte. Das fehlte noch, dass er mit seinem alten Kumpel einen auf gemütlich machte.

„Aber ich“, sagte Lambert. „Ich habe die Verbindungsnachweise erhalten. Ich hätte mir denken können, dass du diese Anrufer alle schon durch hast.“

„Und? Gibt es etwas Neues?“

„Nein, bei den Anrufern nicht. Aber sag mir mal, woher du diese zwei Seiten Gutachten hast, die du in den Briefkasten gesteckt hast?“

„Wenn ich das mal wüsste. Die Seiten steckten in meinem Briefkasten, heute Morgen. Ich habe keine Ahnung, warum der Unbekannte mir mehr Vertrauen schenkt als der Polizei.“

Amélie grinste. Lambert schnaubte abfällig.

„Mord auf Französisch“, S. 128 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Du kennst diesen Hund, diesen schwarz-weißen. Er war am Fluss beim Picknickplatz. Vor dort kennst du ihn, nicht wahr?“, rief Claude.

Julien wurde blass, der Motor starb, denn er vergaß die Kupplung zu treten.

„Claude, ich …“, stammelte er.

„Gib endlich zu, dass du mit Pascal dort warst!“, forderte Claude, immer noch empört. Da schwieg Julien und presste seine Hände um das Lenkrad, so fest, dass die Knöchel weiß wurden. „Ja, ich war da.“

Claudes Herz tat weh, unwillkürlich griff er sich an die Brust.

„Hast du ihn …?“ Er konnte nicht aussprechen, was er vermutete.

„Nein!“, entgegnete Julien erregt. „Das habe ich nicht. Das hätte ich niemals tun können. Ich wollte ihn nicht verlieren.“

„Mord auf Französisch“, S. 191 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Mon Dieu“, flüsterte Julien und streichelte Claude über das Haar. „Mensch, was machst du nur für Sachen“, gab er sich burschikos, obwohl sein Herz anscheinend ohne Takt in seiner Brust umher hüpfte.

„Hat er gerade was von Verhaften gesagt?“, nuschelte Claude.

Julien nickte und schluckte zittrig. Claude spürte seine weiche Haut und legte den Kopf fester gegen sein Herz, damit er es schlagen hören konnte. Die warme Welle nahm ihm die Sinne. Es wurde wieder einmal dunkel, er erkannte die Veränderung in ihm, doch dieses Mal wehrte er sich nicht. Alles war gut. Amélie lebte, Julien war bei ihm. Er fühlte nicht mehr, wie seine Freundin ihm Ohrfeigen versetzte und rief: „Claude, Claude! Verdammt, ruf einen Krankenwagen, er hat Verbrennungen dritten Grades auf dem Rücken. Und eine Schusswunde.“

„Mord auf Französisch“, S. 234 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

Ich hoffe, ich habe euch neugierig auf Claude Bocquillon gemacht. Wir sehen uns zitate-technisch nächste Woche wieder. Mal schauen, welches Buch ich dann in petto habe 😀

Liebe Grüße,
Juliane

[NOVELLE] Rauhnacht von Tanja Meurer


Autor: Tanja Meurer
Taschenbuch: 162 Seiten
ASIN: B01A167CLW
Preis: 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Eine eisige Kältewelle hat das viktorianische London fest im Griff: die Themse ist komplett begehbar und unzählige Menschen erfrieren in der winterlichen Kälte. Als im Hyde Park die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, fordert Scotland Yard die ungewöhnlichen Ermittlerinnen der englischen Krone Annabelle Talleyrand und Madame Zaida als Unterstützung an. Schon bald zeigt sich, dass die Hilfe der beiden Frauen dringend erforderlich ist, denn ein seltsames Geschöpf aus Schnee und Eis attackiert die beiden, kann jedoch von der Magierin Madame Zaida vertrieben werden.

Mit diesem Angriff endet die Serie an seltsamen Ereignissen nicht, denn die totgeglaubte Frau erwacht in der Leichenhalle und richtet unter den Ärzten ein Blutbad an. Sie stellt sich später als russische Gräfin Jewa Petrowna vor. Schnell wird klar, dass sie der Wirt des winterlichen Geschöpfes war, das nun körperlos durch London streift und für die eisigen Temperaturen verantwortlich ist. Für Annabelle und Zaida steht fest, dass sie die Kreatur schnellstmöglich aufhalten müssen, bevor diese einen neuen Körper findet …

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Rauhnacht“ begibt sich Tanja Meurer erstmals in lesbische Gefilde, denn Madame Zaida und Annabelle Talleyrand sind im Geheimen ein Liebespaar. Die Geschichte bildet den Auftakt einer längeren Reihe, in der die beiden Detektivinnen verschiedene, teils übernatürliche Phänomene für die englische Königin untersuchen. Die Bücher erscheinen im Weltenschmiede Verlag und liegen bisher nur als eBook vor.

Inhaltlich vermischt Tanja Meurer erneut mehrere Genre zu einem fast einzigartigen Genremix aus Steampunk, Mystery, Krimi und Horror. Was seltsam klingt funktioniert in seiner Gesamtheit sehr gut, denn die einzelnen Aspekte greifen logisch ineinander. Das wird besonders deutlich, wenn man ein wenig recherchiert und sich über das London im Jahr 1876 informiert, denn damals gab es wirklich eine extreme Kältewelle in London, die viele Menschen das Leben kostete. Auch sonst werden reale und historisch belegte Punkte eingewoben. Das können Kleinigkeiten sein, die in ihrer Gesamtheit dafür sorgen, dass „Rauhnacht“ trotz der fantastischen Elemente sehr realistisch und authentisch wirkt. Dafür sorgt auch der Kriminalfall, in dem Scotland Yard Inspector Arthur Hailey ermittelt. Der Leser lernt dabei nicht nur die damalige Polizei kennen, sondern erhält über die Beamten auch einen Einblick in die viktorianischen Ermittlungsmethoden. Es ist sehr spannend und faszinierend Annabelle und Zaida bei den Nachforschungen zu begleiten, insbesondere weil beide Damen stark aus dem Rahmen fallen. So leben sie unverheiratet zusammen – Zaida als schwarze Angolanerin und Annabelle als hosentragende Wissenschaftlerin. Dementsprechend stark bedient Tanja Meurer die zwischenmenschlichen Aspekte, denn die beiden Frauen dürfen sich neben ihrer detektivischen Arbeit auch mit alltäglichen Problemen herumschlagen. So hält die Autorin gekonnt die Waage zwischen der spannenden, actionreichen Krimihandlung und dem Einblick in die Beziehung der beiden Frauen, inklusive Eifersucht, Treue und Verlangen.

Die Charaktere sind trotz des geringen Umfangs sehr gut ausgearbeitet und fallen herrlich aus dem Rahmen: Annabelle wirkt wie ein unbezähmbarer Wildfang. Sie ordnet sich selten unter, hat ihren eigenen Kopf und vertraut vollkommen ihrer geheimnisvollen Partnerin. Da auch sie ein Geheimnis umgibt, das ihre Andersartigkeit erklärt, sind ihre Reaktionen in sich schlüssig. Madame Zaida ist das komplette Gegenteil ihrer Freundin: düster, mysteriös und sehr auf ein kultiviertes Auftreten bemüht. Lediglich ihre beiden Begleiter – zwei riesige Raben – zerstören das Bild etwas, denn die beiden Vögel können sprechen und sind nie um einen Kommentar verlegen.
Auch die Nebenfiguren können überzeugen – seien es der bärbeißige Hailey oder der schüchterne, sensible Constable Masters, der ebenfalls eng mit Zaida und Annabelle zusammen arbeitet. Jewa nimmt im Laufe der Handlung ebenfalls eine größere Rolle ein – in den Folgebänden wird sie wahrscheinlich häufiger auftauchen.

Stilistisch legt Tanja Meurer einen sehr spannenden und gut geschriebenen Kurzroman vor. Man taucht bereits nach wenigen Seiten in die winterliche Kälte Londons ein und erlebt das viktorianische Zeitalter hautnah. Sowohl die Figuren, als auch die historischen Begebenheiten und Hintergründe sind gut beschrieben, so dass kaum Langeweile aufkommt. Da die Geschichte komplett aus Annabelles Perspektive geschrieben ist, lernt man die junge Frau sehr gut kennen – ihre Gedanken und Gefühle begleiten den Leser durch „Rauhnacht“. Auch die lesbischen Aspekte werden gut eingewoben, denn durch Jewa kommt ein wenig Würze in die Beziehung von Annabelle und Zaida. Eifersucht, Treue und Verlangen spielen eine wichtige Rolle – man darf gespannt sein, wie sich die Dreierkonstellation in den kommenden Büchern weiterentwickelt. Auf jeden Fall präsentiert die Autorin eine lesbische Geschichte fernab der üblichen Romane, die sich vorwiegend ums Coming-Out, Beziehungen und alltägliche Probleme drehen.

Fazit:
„Rauhnacht“ ist ein wundervoller, lesbischer Kurzroman, der in vielen Punkten vom typischen Einheitsbrei abweicht und mit einer spannenden Geschichte und tollen, authentischen Charakteren punkten kann. Tanja Meurer versteht es unterschiedliche Genres zu vermischen und etwas vollkommen Eigenständiges zu kreieren. Wer lesbische Geschichten sucht, die aus dem Rahmen fallen, ist bei der „Annabelle Talleyrand“-Reihe ebenso gut aufgehoben wie Steampunk-Fans. Sehr zu empfehlen.

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[NOVELLE] 9 mm – Schweiß und Blut von Tanja Meurer


Autor: Tanja Meurer
Taschenbuch:  168 Seiten
ISBN: 978-3945934579
Preis: 3,99 EUR (eBook) | 10,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der junge Punk Jens ist wegen Mordverdacht auf der Flucht, als ihn der Fernfahrer Christoph bei einem Rasthof aufgabelt und mit nach Berlin nimmt. Schnell wird klar, in welche Schwierigkeiten sich Christoph gebracht hat, zumal er selbst Undercover bei der Zollpolizei arbeitet. Einzig die Tatsache, dass hinter dem Polizistenmord, in den Jens verwickelt ist, mehr steckt als es den Anschein hat, veranlasst Christoph während der Fahrt die Wahrheit zu ergründen. Nach und nach dringt er zu Jens vor, dessen Erinnerungen stark verwaschen sind. So entwickelt sich zwischen den beiden Männern mit der Zeit eine explosive Atmosphäre, die sich in mehrfacher Hinsicht entlädt …

Eigene Meinung:
„Schweiß und Blut“ ist der erste Kurzroman der Gay Crime- Reihe „9 mm“ und erschien Dezember 2015 im Deadsoft Verlag. Er wurde von Tanja Meurer verfasst, die auch den dritten Band der Reihe („Verborgener Feind“) schreiben wird. Der zweite Band „Rotten Games“ stammt von Juliane Seidel und behandelt eine gänzlich andere Geschichte – die des Aussteigers Jay, der in „Verborgener Feind“ neben Christoph die Rolle des Hauptcharakters übernehmen wird. Die beiden Kurzromane überschneiden sich am jeweiligen Ende der Bücher.

Inhaltlich geht Tanja Meurer einmal mehr in die Vollen – direkt zum Anfang wird es blutig und actionreich, denn die Autorin startet direkt mit dem Mord an einem jungen, schwulen Mann. Recht schnell schreitet die Geschichte voran und man lernt sowohl Christoph als auch Jens kennen – zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In einem perfekt inszenierten Kammerspiel erfährt der Leser die Hintergründe zu den Charakteren und den Ereignissen, kommt der Wahrheit auf die Spur und erlebt die Entwicklungen hautnah. Dabei spielt der Mord ab einem gewissen Zeitpunkt eher eine untergeordnete Rolle, denn die Spannung, die sich zwischen den Charakteren aufbaut und auf verschiedene, teils erotische Art entlädt ist wesentlich interessanter. Dabei entwickeln sich keinerlei romantischen Gefühle zwischen Chris und Jens – vielmehr geht es recht aggressiv und hart zur Sache. Daher sollte man sich vorab genau überlegen, ob man mit einer solch realistischen Geschichte ohne Happy End leben kann, denn sowohl die Geschichte, als auch der Sex zwischen den Charakteren ist sehr authentisch, fast schon dreckig. Das liegt zum einen an den Beschreibungen, zum anderen an der Tatsache, dass „Schweiß und Blut“ im Hochsommer spielt, sprich man kann die Hitze förmlich greifen.

Ein großer Pluspunkt sind die authentischen, gut ausgearbeiteten Charaktere. Sowohl Chris, als auch Jens sind sehr gut ausgearbeitet und lebendig. Sie haben Ecken und Kanten, Geheimnisse und die ein oder andere Leiche im Keller. Sie sind nicht stereotyp, sondern durchweg anders: Jens ist der abgerissene, motzige Punk, der sein Leben nur schwer auf die Reihe bekommt, Christoph der nicht weniger ruppige Trucker, der in seiner Vergangenheit ebenfalls öfters einstecken musste. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich für kurze Zeit etwas, was man schwer in Worte fassen kann. Auf jeden Fall kann man sich gut in die beiden hineindenken und fiebert dem dritten Band entgegen, in dem Christophs Vergangenheit eine große Rolle spielen soll.

Neben der intensiven und fesselnden Handlung und den authentischen Charakteren, vermag Tanja Meurer auch stilistisch zu überzeugen. Sie hat eine sehr direkte, raue Sprache, die gut zu den Figuren und der schnellen, spannungsgeladenen Geschichte passt. Als Leser findet man leicht in die Geschichte, dank der detaillierten und greifbaren Beschreibungen hat man das Gefühl mitten in der sommerlichen Hitze zu sein und zwischen den Männern im Truck zu sitzen. Auch zeigt sich, dass die Autorin Ahnung hat, von dem was sie beschreibt: sowohl die Darstellungen des Trucks und der Straßenverhältnisse, als auch die Angaben zu den polizeilichen Ermittlungen wirken authentisch. Das macht „Schweiß und Blut“ sehr greifbar.

Fazit:
„Schweiß und Blut“ ist ein gelungener Kurzroman, der mit starken, authentischen Charaktere und einem soliden, fesselnden Schreibstil punkten kann. Wer keinen Wert auf Romantik legt und kein Problem mit einem „dreckigen“, rauen Krimi-Kammerspiel hat, sollte auf jeden Fall zugreifen. Tanja Meurers Buch bietet auf jeden Fall eine angenehme Abwechslung zu den üblichen Gay Romance Stoffen. Zugreifen!

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[ROMAN] Pilsken und Pailletten von Kai Brodersen

Pilsken und Pailletten
Autor: Kai Brodersen
Taschenbuch:  328 Seiten
ISBN: 978-3945934371
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nach einer bewegten Vergangenheit im Showbiz ist Jens Nobbe in Hagen sesshaft geworden. Von einem seiner „väterlichen Freunde“ hat er ein kleines Büdchen und eine sanierungsbedürftige Villa gerbt und pendelt zwischen seinem alten Leben als Travestiekünstler, Callboy und Star, und seiner neuen Identität als unbescholtener Kioskbesitzer. Seine Welt gerät aus den Fugen, als er eines Nachts den Leiter der Sparkasse, in Korsett und Strapsen hinter seinem Büdchen angekettet vorfindet. Trotz unguten Gefühls helfen Nobbe und dessen bester Freund Rudi Völzgen dem Mann und bringen ihn nach Hause. Am nächsten Tag wird der Sparkassendirektor tot  aufgefunden und die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen. Nobbe und Rudi gehen ebenfalls den Spuren nach, die es nach dem Mord an dem Filialleiter gibt und stoßen dabei nicht nur auf eine groß angelegte Erpressungsreihe, Nobbe gerät selbst ins Visier des Mörders.

Eigene Meinung:
Mit dem amüsanten Krimi „Pilsken und Pailletten“ legt Kai Brodersen sein Debüt beim Deadsoft Verlag vor. Die Geschichten um Jens Nobbe sind als Reihe konzipiert, sprich eine Fortsetzung dürfte noch dieses Jahr erscheinen.

Die Geschichte wartet mit ungewöhnlichen Hauptfiguren und einigen überraschenden Wendungen auf, die den Krimi sehr spannend und authentisch machen. So skurril und seltsam Nobbes Abenteuer zu Beginn wirken, sie sind in sich schlüssig und bauen logisch aufeinander auf. Sicher, der Leser muss sich zunächst Nobbe (Büdchenbesitzer und ehemaliger Travestiekünstler), Rudi (ein Einbrecher, der hin und wieder seine Fähigkeiten austestet) und Kevin (bekannter Pornostar im schwulen Milieu) gewöhnen, denn sie sind als Hobbydetektive ein wenig gewöhnungsbedürftig. Doch sobald man sich auf die drei einlässt und sich richtig in Hagen Vorhalle mit all den schrägen Bewohnern hineindenkt, fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen. Das liegt vor allem an dem tollen Lokalkolorit, denn Kai Brodersen weiß wovon er spricht – Hagen Vorhalle wirkt ungeheuer lebendig und real, so dass man sich das Büdchen und die übrigen Örtlichkeiten sehr gut vorstellen kann. Auch die übrigen Sachen wurden genau recherchiert, so dass „Pilsken und Pailletten“ in diesem Punkt überzeugen kann.
Der Kriminalfall wirkt ein wenig chaotisch. Man braucht eine Weile, um den Hinweisen zu folgen und den Schuldigen zu finden – da das Buch aus Nobbes Perspektive erzählt wird, passt das jedoch, da dieser nur bedingt das Zeug zum Amateurdetektiv hat. Die meiste Zeit stolpert er recht durch die Angelegenheit, des Öfteren helfen ihm seine Freunde oder der Zufall um auf die richtige Spur zu kommen. Dennoch gibt es einige Punkte, die man nur schwer nachvollziehen kann, ganz besonders die Sache mit dem Entschlüsseln des Geheimcodes wird dem Leser nicht ganz klar. Auch hemmt die eingebaute Liebesgeschichte zwischen Nobbe und Kevin das Voranschreiten der Handlung und sorgt dafür, dass ein Teil der Spannung verlorengeht.

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dennoch sehr sympathisch und authentisch. Jens Nobbe ist in einigen Punkten ganz die Diva, die er einst auf der Bühne war. Er ist von sich selbst überzeugt, legt viel Wert auf seine Erscheinung und hat Probleme damit, zu seinem Alter zu stehen. Hin und wieder ist er etwas barsch und ungerecht, doch alles in allem kann man sich gut mit ihm identifizieren. Auch Rudi und Kevin sind sehr sympathisch – Rudi dank seiner gutmütigen, loyalen Art, Kevin durch seinen klaren Verstand und seine teils bösen Kommentare. Zusammen mit dem Kriminalinspektor, der Rudi bereits kennt und Nobbe eher skeptisch gegenübersteht, und den vielen kleineren und größeren Persönlichkeiten, die in „Pilsken und Pailletten“ zum Tragen kommen, ist Kai Brodersen ein lebendiges Buch gelungen, das Lust auf mehr macht.

Kai Brodersen hat einen sehr schönen, flapsigen Stil, der gut zu Nobbe und seinem Naturell passt. Es macht Spaß die Geschichte um den Büdchenbesitzer zu lesen und dem Verbrecher auf die Spur zu kommen. Sehr schön sind mitunter die Beschreibungen der Umgebung, ebenso die Dialoge. Lediglich bei den Actionszenen kommt man nicht immer mit, aber da diese sich in Grenzen halten, fällt das nicht negativ ins Gewicht. Auch Erotik sucht man in „Pilsken und Pailletten“ vergeblich, denn der Autor blendet lieber aus, anstatt die entsprechenden Szenen auszuformulieren – was dem Buch zugutekommt. Ausufernde Sexszenen hätten einfach nicht gepasst.

Fazit:
„Pilsken und Pailletten“ ist ein gelungener Krimi-Auftakt, der Lust auf mehr macht. Kai Brodersen entwirft ungewöhnliche und authentische Charaktere, deren Lebensweg man gerne weiterverfolgt. Dank des flüssigen und angenehmen Schreibstils und des tollen Lokalkolorits lohnt sich „Pilsken und Pailletten“ für alle die ungewöhnliche Krimis schätzten. Wer unsicher ist, sollte einen Blick in die Leseprobe werfen. Zu empfehlen.

 

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