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[KINDERBUCH] Kicker im Kleid von David Walliams

Autor: David Walliams
Illustrator: Quentin Blake
Taschenbuch: 240 Seiten
ISBN: 978-3499217845
Preis: 14,99 EUR (Hardcover) / 12,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Dennis unterscheidet sich kaum von normalen Jungen in seinem Alter – er geht zur Schule, hat viele Freunde und liebt Fußball. Er spielt sogar aktiv und ist einer der Besten der Schulmannschaft. Einzig sein anderes Hobby ist ein Geheimnis, denn weder sein Vater, noch seine Freunde haben dafür Verständnis: Dennis liebt Mode und Kleider. Jeden Monat kauft er sich die neue Vogue und ist von Kleidern, Stoffen und Schnitten fasziniert. In der älteren Lisa findet er unerwartet eine Vertraute, zumal diese selbst schneidert und Dennis irgendwann überredet, probeweise ein Kleid anzuziehen. Aus dem Versuch wird bald mehr, denn Dennis liebt es sich hübsch zu machen und Mädchenkleidung anzuziehen. Als die beiden auf die Idee kommen, Dennis im Kleid der Schule zu präsentieren, hat dies ungeahnte Folgen …

Eigene Meinung:
„Kicker im Kleid“ stammt von David Walliams, der in England kein Unbekannter ist und oft als Nachfolger von Roald Dahl gehandelt wird. Mehrere Kinderbücher stammen aus seiner Feder, u.a. „Gangsta Oma“, „Terror Tantchen“ und „Ratten Burger“. Die Illustrationen stammen von Quentin Blake, der die meisten Romane von Roald Dahl illustriert hat und dadurch bekannt geworden ist. Das vorliegende Kinderbuch erschien 2010 bereits beim Aufbau Verlag, Rowohlt hat „Kicker im Kleid“ 2017 neu aufgelegt.

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[KINDERBUCH] Teddy Tilly von Jessica Walter und Dougal MacPherson


Autor: Jessica Walter
Illustrator: Dougal MacPherson
Übersetzer: Anu Stohner
Hardcover: 32 Seiten
ISBN: 978-3737354301
Preis: 14,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Story:
Teddy Thomas ist unglücklich, denn er fühlt sich schon seit langer Zeit nicht als Teddybär, sondern als Teddybärin. Nach einigem Zögern offenbart er seinem besten Freund Finn sein Geheimnis und ist ehrleichtert, dass Finn sich an seinem Wunsch nicht stört, sondern ihm versichert, dass er ihn immer liebhaben wird. So wird aus Thomas Tilly und die Freundschaft der beiden wird immer tiefgründiger und stärker …

Eigene Meinung:
Das Bilderbuch „Teddy Tilly“ entstand im Rahmen einer Crowdfunding Kampagne der australischen Mutter Jessica Walter, die ihren Kindern gerne eine kindgerechte Geschichte über Transgender vorlesen wollte. Unterstützt von Dougal MacPherson, der die Geschichte illustriert hat, wurde die Kampagne ein Erfolg und das knapp 40-seitige Buch erschien. Im August 2016 veröffentlichte der Sauerländer Verlag „Teddy Tilly“ und präsentiert damit ein weiteres Transgender-Werk.

Die Geschichte ist kindgerecht aufgearbeitet und komplett illustriert. Jessica Walter behandelt Themen wie Akzeptanz, Toleranz und Vertrauen. Sie zeigt, dass sich zwischen Finn und Tilly nichts ändert, nachdem sich Thomas entschieden hat eine Teddybärin zu sein. Beide spielen nach wie vor zusammen, klettern auf ihr Baumhaus und trinken Kakao wenn es draußen regnet. Ihr gelingt eine zauberhafte Bilderbuchgeschichte, die vollkommen unkompliziert das Thema Transgender aufgreift und sehr einfühlsam jungen Lesern näherbringt. Das macht das Bilderbuch zu einem der wenigen existierenden Transgender Kinderbüchern, die aktuell auf dem Markt zu finden sind.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die Illustrationen von Dougal MacPherson, der mit seinem „15 Minute Drawings“ bekannt geworden ist. Sie wirken ein recht kantig, unsauber und kindlich, doch das passt recht gut zum Stil des Buches, da sich ein Kind in den recht einfachen, groben Zeichnungen rasch wiedererkennen dürfte. Teddy Tilly ist sehr liebevoll in Szene gesetzt, ebenso ihr bester Freund Finn.

Gelungen ist auch die Aufmachung der deutschen Ausgabe – ein stabiles Hardcover, vollfarbig und in einem sehr angenehmen Format.

Fazit:
„Teddy Tilly“ ist ein gelungenes Kinderbuch, das ein wichtiges Thema anschneidet und für Akzeptanz und Toleranz wirbt. Wer Kinder im passenden Alter hat und über das Thema Transgender aufklären will, sollte sich das Werk von Jessica Walter und Dougal MacPherson nicht entgehen lassen. Zu empfehlen.

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[KINDERBUCH] Ein Känguru wie du von Ulrich Hub und Jörg Mühle


Autor: Ulrich Hub
Illustrator:
Jörg Mühle
Hardcover: 96 Seiten
ISBN: 978-3-551-55664-6
Preis: 8,99 EUR (eBook) | 12,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der Tiger Pascha und der Panther Lucky arbeiten mit ihrem Zirkusdirektor auf ihren ersten großen Auftritt hin. Kurz vorher keimt in den beiden Tieren ein schrecklicher Verdacht –ihr Tiertrainer ist schwul, immerhin hat er keine Frau, ist unsportlich und kommt sehr gepflegt daher. Ohne zu Zögern laufen sie weg, da sie nicht von einer „Schwuchtel“ trainiert werden wollen. Auf der Flucht stoßen sie in einem Boxclub auf einen echten Kerl – das boxende Känguru Django, das noch keinen Kampf verloren hat. Die drei werden Freunde und als Django schließlich offenbart, dass er schwul ist, beginnen die kleinen Raubkatzen umzudenken und müssen sich eingestehen, dass es doch nicht so furchtbar ist, wie sie gedacht haben …

Eigene Meinung:
Das illustrierte Kinderbuch „Ein Känguru wie du“ stammt von Ulrich Hub und wurde von Jörg Mühle illustriert. Es erschien im Dezember 2015 beim Carlsen Verlag und basiert auf dem gleichnamigen Kinder-Theaterstück von Ulrich Hub, der das Thema „Anders sein“, Akzeptanz und Toleranz bereits in seinen früheren Stücken und Büchern behandelt hat. Das Theaterstück „Ein Känguru wie du“ läuft seit 2014 auf verschiedenen Bühnen in ganz Deutschland und wurde u.a. von der Jugend-Jury des Mülheimer KinderStückePreises ausgezeichnet.

Kindgerecht und mit schönen Illustrationen versehen, lernt der junge Leser die beiden Raubkatzen Pascha und Lucky kennen, die zusammen mit ihrem Tiertrainer für ihren ersten Auftritt proben. Dabei ist Lucky der geschicktere und talentiertere, da Pascha immer wieder die einzelnen Schritte vergisst und mitunter Fehler einbaut. Sie fühlen sich wohl, da sich ihr Trainer fair verhält und sich um sie kümmert. Das ändert sich erst, als sie von einer Gruppe Robben darauf aufmerksam gemacht werden, dass ihr Herrchen schwul ist und diese nach Abwägen von Pro und Contra zustimmen müssen. Während Pascha wesentlich toleranter ist, will Lucky unter keinen Umständen für eine „Schwuchtel“ arbeiten und plant davon zu laufen – am besten Richtung Meer, denn beide Raubkatzen haben noch nie einen Strand gesehen. Ihre Flucht führt sie schließlich zu Django, der offen schwul lebt, jedoch ein Außenseiter ist. Die Drei freunden sich an und es entwickelt sich eine spannende Geschichte, die mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten kann.

Inhaltlich gelingt Ulrich Hub das Thema altersgerecht zu verpacken. Natürlich gibt es etliche Klischees, die bemüht werden, aber das schwule Leben ist teilweise nun einmal klischeeverpackt und viele angesprochene Probleme gibt es auch in der Wirklichkeit. Dank der kleinen Raubkatzen können sich Kinder gut in die Figuren hineinversetzen und sich mit dem Thema Homosexualität und Toleranz auseinandersetzen. Zudem bemüht sich der Autor darum, auch andere Aspekte einzuweben, die zur Thematik passen, z.B. sich eine eigene Meinung zu bilden und auch mal aus dem Rahmen zu fallen, wenn man Dinge mag, die eigentlich für einen Jungen oder ein Mädchen unüblich sind, weil andere darauf beharren. Dabei bemüht sich der Autor darum, die Moral der Geschichte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu präsentieren, sondern treibt die Geschichte mit Bedacht voran.

Die Charaktere sind sympathisch und liebevoll ausgearbeitet – Pascha, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, ist recht naiv und orientiert sich zu Beginn zumeist an der Meinung seines Freundes Lucky. Erst nach und nach entwickelt er sich weiter und erkennt, dass er sich selbst ein Urteil bilden kann. Auch Lucky macht durch die Ereignisse eine Entwicklung durch, denn er revidiert seine Vorurteile schnell und wird dadurch sympathischer. Im Gegenzug zu den beiden Raubkatzen, die wie Kinder handeln und denken, wirkt Django erwachsener und gefestigter. Er weiß, wo er im Lebe steht und was er erreichen möchte. Zudem ist er offen und versteckt nicht, wer er ist und wen er liebt.

Neben dem kindgerechten und passenden Schreibstil des Autors können auch die Zeichnungen überzeugen – sie sind recht einfach gehalten, passen aber zu der Geschichte der beiden Raubkatzen. Hin und wieder muten die Illustrationen zwar ein wenig eckig an, doch alles in allem gibt Jörg Mühle der Geschichte einen würdigen Rahmen.

Ein wenig irritierend ist jedoch die Vermarktungspolitik von Carlsen – so schön das Buch (Hardcover, vollfarbig) daherkommt, es stimmt nachdenklich, dass man im Klappentext auf dem Buch auf die Bezeichnung „schwules Känguru Django“ verzichtet, sprich das Wörtchen schwul lieber nicht aufgeführt hat, während es im Klappentext auf der Verlagsseite durchaus zu finden ist. Das ist sehr schade, da es den Eindruck vermittelt, der Verlag akzeptiere die Besonderheit Djangos nicht und fürchte im direkten Verkauf schlechtere Absatzzahlen – was auf den Leser in gewisser Weise intolerant und konservativ wirkt.

Fazit:
„Ein Känguru wie du“ ist ein gelungenes Kinderbuch über Toleranz, Akzeptanz und Freundschaft, das der Zielgruppe (Kinder ab 8) uneingeschränkt empfohlen werden kann. Ulrich Hub behandelt ein sensibles Thema ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit Witz, Charme und Fantasie. Jörg Mühles Zeichnungen passen zur Geschichte der beiden Raubkatzen Pascha und Lucky. Wer Kinder im passenden Alter hat oder allgemein mit ihnen arbeitet, sollte dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Zu empfehlen.

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