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[ROMAN] Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow von Rainbow Rowell

Autor: Rainbow Rowell
Taschenbuch:  528 Seiten
ISBN: 978-3-423-64032-9
Preis: 16,99 EUR (eBook) / 19,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Simon Snows Leben ist von Anfang an vorherbestimmt – als mächtigster Zauberer aller Zeiten liegt es an ihm, den hinterhältigen Schatten zu besiegen, der die magische Gesellschaft bedroht, indem er große Löcher in die magische Atmosphäre reißt, die ganze Landstriche in nichtmagische Zonen verwandelt. Unglücklicherweise ist er absolut nicht in der Lage, die immensen Kräfte, die in ihm schlummern, zu beherrschen. Über viele Jahre hinweg hat er in Watford die Kunst der Zauberei gelernt, in Penelope und Agatha treue Freunde gefunden und mit seinem Zimmergenossen Baz leidenschaftlich in den Haaren gelegen. Auch die Angriffe und Attacken des bösen Schattens konnte er immer zurückschlagen. Das ändert sich, als zu Beginn des letzten Schuljahres der Geist von Baz‘ Mutter vor Simon auftaucht und diesem eine Botschaft für ihren Sohn hinterlässt – er solle ihren wahren Mörder finden, denn dieser weilt noch immer unter den Lebenden. Simon ist fest entschlossen, Baz bei der Suche zu helfen. Dabei kommen sie nicht nur der Wahrheit hinter der Prophezeiung und Simons Wesen auf die Spur, sie kommen sich auch näher, denn Baz ist schon eine Ewigkeit an Simon interessiert …

Eigene Meinung:
„Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ stammt aus der Feder von Rainbow Rowell und ist ein SpinOff des Jugendbuches „Fangirl“, in der Simon Snow, Baz, Penelope und all die anderen Charaktere bereits indirekt einen Auftritt hatten. Die Parallelen zu „Harry Potter“ sind logischerweise vorhanden, da die beliebte Buchreihe um Simon Snow in „Fangirl“ stark an das Phänomen um J. K. Rowlings Zauberlehrling angelehnt ist. Nichtsdestotrotz geht die Autorin eigene Wege, beschreibt die Magie vollkommen anders und löst die Geschichte anders auf. Man kann das Jugendbuch problemfrei ohne Vorkenntnisse lesen, jedoch ist es wahrscheinlich nicht verkehrt „Fangirl“ zu kennen.

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[ROMAN] Wie ein Himmel voller Seehunde von Sara Lövestam

Autor: Sara Lövestam
Taschenbuch:  256 Seiten
ISBN: 978-3499217685
Preis: 10,99 EUR (eBook) / 12,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Als Tochter aus gutem Hause hat die ruhige, introvertierte Lollo nichts mit der armen, spindeldürren Anna gemeinsam, die mit ihrem arbeitslosen Vater mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Dennoch freunden sich die beiden ungleichen Mädchen während der Sommerferien auf einer der Inseln des Schärengartens an und entdecken, dass sie mehr gemein haben, als gedacht – gemeinsam werfen sie Netze aus, erkunden mit einem Boot entlegene Inseln und erklimmen Berge. Doch während Lollo mit ihren Eltern in einem luxuriösen Strandhaus lebt, verbringt Anna die Zeit in einer besseren Bretterbude und hat gelernt sich selbst zu versorgen. Schon bald scheinen die gesellschaftlichen Unterschiede unüberwindbar – gerade für Lollo, die sich mit den Avancen des gleichaltrigen Eriks herumschlagen muss und Angst vor den Reaktionen ihrer Familie und Freunde hat, wenn sie sich ausgerechnet zu der ärmlichen, stillen Anna bekennt, die so gar nicht in Lollos schillerndes Leben passt …

Eigene Meinung:
Mit dem ruhigen Roman „Wie ein Himmel voller Seehunde“ über die erste Liebe zweier Mädchen legt die schwedische Autorin Sara Lövestam ihr erstes Jugendbuch vor. Für ihren ersten Kriminalroman „Die Wahrheit hinter der Lüge“ erhielt sie den Schwedischen Krimipreis für das beste Spannungsdebüt und gilt als vielversprechende Nachwuchsautorin.

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[Roman] No Return von Jennifer Wolf

 

Autor: Jennifer Wolf
Taschenbuch:  Band 1: 345 Seiten, Band 2: 286 Seiten
ASIN: B06XYPSL52 / B071YSVTFG
Preis: je 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Die Boyband WrongTurn ist der aufstrebende Star am Musikhimmel und Traum aller weiblichen Teenager. Egal wo sie sind, die fünf Musiker können sich vor Liebesbekundungen, kreischenden Fans und aufdringlichen Reportern kaum retten. Insbesondere Tony und Andrew stehen im Zentrum der „ANTON“-Fans, die sich sicher sind, dass zwischen den beiden Kindheitsfreunden mehr ist, als reine Freundschaft. Als Tony darüber stolpert, ist er entsetzt, denn sein Herz schlägt bereits seit Ewigkeiten für Drew, der für ihn unerreichbar erscheint und seine Angst, dass jemand etwas mitbekommen hat, schlägt immer größere Bahnen. Richtig kompliziert wird es, als er erfährt, dass Drew seine Gefühle erwidert und die beiden den Schritt Richtung Beziehung wagen, denn das Management der Gruppe glaubt, dass dieser Punkt die steile Karriere von WrongTurn beendet. Für die beiden beginnt ein Akt auf dem Drahtseil, der gerade den unsicheren, sensiblen Tony immer mehr in die Enge treibt …

Eigene Meinung:
Mit den beiden Romanen „No Return – Geheime Gefühle“ und der direkt anschließenden Fortsetzung „Versteckte Liebe“ schreibt sich Jennifer Wolf einmal mehr in das Herz der gay Romance Leser. Mit „Tagwind“, dem vierten Teil ihrer „Jahreszeiten“-Reihe und dem Kurzroman „Summer Boys“ hat sie bereits Einzelbücher im Gay Genre herausgebracht, jetzt erschien bei Carlsen Impress eine Duologie über die fiktive Band WrongTurn.

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[ROMAN] Eine Woche für die Ewigkeit von Nina LaCour und David Levithan

Autor: Nina LaCour / David Levithan
Hardcover: 280 Seiten
ISBN: 978-3-551-58362-8
Preis: 11,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Story:
Ein ganzes Schuljahr lange sitzen Mark und Kate in Mathe nebeneinander – doch wirklich kennen tun sie sich nicht. Erst als die beiden zu Beginn der Pride Week San Franciscos in einer Gay Bar übereinander stolpern, ändert sich das, denn beide haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Kate ist auf der Flucht vor einem Date mit Violet, die sie schon ewig anhimmelt und zum ersten Mal treffen kann, Mark möchte seinen besten Freund Ryan für sich gewinnen, muss jedoch miterleben, wie dieser mit einem anderen Kerl anbandelt. Für beide bricht eine Woche voller Höhen und Tiefen an, die sie zusammenschweißt und ihnen zeigt, was wahre Freundschaft bedeutet …

Eigene Meinung:
„Eine Woche für die Ewigkeit“ stammt von Nina LaCour und David Levithan, die beide keine unbekannten Größen auf dem amerikanischen Jugendbuchmarkt sind. Ganz besonders David Levithan hat sich in das Herz tausender Leser geschrieben und ist gerade für seine Bücher „Two Boys Kissing“ und „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ bekannt, in denen er immer LGBT-Themen einbaut. Auch Nina LaCour ist in diesem Genre aktiv und hat bereits mehrere Jugendbücher geschrieben. Gemeinsam erschaffen sie ein gut lesbares, lockerleichtes Buch über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und den Mut zur Veränderung …

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[ROMAN] Meine Mutter, sein Exmann und ich von T. A. Wegberg

Autor: T. A. Wegberg
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-3499217593
Preis: 10,99 EUR (eBook) / 12,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Für Joschka bricht eine Welt zusammen, als sich seine Mutter für eine geschlechtsanpassende Operation entscheidet und fortan als Frederik leben will. Während seine Schwester Liska die Entscheidung ihres neuen Vaters akzeptiert, fühlt sich Joschka im Stich gelassen. Kurzerhand zieht er zu seinem Vater und dessen neuer Frau, doch auch dort ist das Leben nicht nur rosig. Erst als Joschka dem stillen Sebastian näherkommt und herausfindet, dass dieser an einer seltenen Krankheit leidet, wird Joschka offener und beginnt sich Stück um Stück zu ändern …

Eigene Meinung:
Der Jugendroman „Meine Mutter, sein Exmann und ich“ stammt aus der Feder T. A. Wegbergs, der sowohl für seine Jugendbücher, als auch für seine Gay Romane bekannt geworden ist. Mit dem vorliegenden Roman wendet er sich erstmals der Thematik Transgender zu, die im Jugendbuchberich bisher nur selten vertreten ist.

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[ROMAN] Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück von S.J. Goslee

Autor: S.J. Goslee
Hardcover: 320 Seiten
ISBN: 978-3791500300
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Story:
Mikes Leben ist gechillt, einfach und überschaubar – er hat eine Freundin, eine grottenschlechte Band, mit deren Mitgliedern er eher kiffend abhängt, als wirklich zu proben und in Wallace einen selbsterklärten Erzfeind, der ihm bereits als Zwölfjähriger das Leben zur Hölle machte. All das ändert sich, als Lisa mit ihm schlussmacht, ihn aber dazu zwingt, sich als stellvertretender Schülersprecher zu bewerben. Anstatt mit seinen Freunden herumzugammeln, darf er sich im Planungskomitees des Abschlussballs herumdrücken und mit wildgewordenen Cheerleadern plagen. Zu allem Überfluss ist auch Wallace Teil des Planungsteams und in letzter Zeit komplett anders zu ihm – sein beständiges Grinsen bringt Mike vollkommen aus dem Konzept, zumal er nach und nach feststellt, dass Mädchen gar nicht sein Ding sind und er eher auf Kerle abfährt …

Eigene Meinung:
Das Jugendbuch „Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück“ erschien im Dressler Verlag und ist das Debüt von S.J. Goslee, die bisher vorwiegend Fanfiction geschrieben hat. In den USA kam es unter dem Titel „Whatever“ heraus und erzählt die chaotische Geschichte von Mike, der mit seiner eigenen Sexualität und den damit einhergehenden Problemen zu kämpfen hat.

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[BLOGTOUR] MAIN Verlag – Polygon Noir Edition

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Hallo ihr Lieben,

wie angekündigt macht die Blogtour heute bei mir Station und ich darf über euch das Jugendbuchlabel des Verlags vorstellen. Wie ihr wisst habe ich ein großes Herz für Kinder- und Jugendbücher, weswegen ich selten im einen entsprechenden Titel im queeren Genre herumkomme. Umso mehr freue ich mich, dass die Jugendbücher beim Verlag ein festes Label haben und in den kommenden Monaten eine Menge geplant ist ❤

Zunächst aber eine kurze Zusammenfassung, was die Polgyon Noir Edition eigentlich ist:

Die Polygon Noir Edition startete 2014 im MAIN Verlag und bietet ein kleines, aber erlesenes Programm, das von Casandra Krammer betreut wird. Sie richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene (new adult) und ist auf Veröffentlichungen im Gay-Genre mit Schwerpunkt auf Romanzen spezialisiert. Unser Ziel ist es mit den Büchern zu unterhalten und im Herzen zu berühren. Außerdem wollen wir neuen und vor alledem jungen Autoren eine Plattform bieten, ihre Geschichten ein buntes Publikum zu präsentieren.

Bisher sind zwei Bücher erschienen, die ich natürlich gelesen und auf Like a Dream vorgestellt habe, zudem habe ich vor kurzem ein Interview mit Casandra Krammer geführt, wo sie auch ein wenig über Polygon Noir Edition erzählt. Damit ihr einen besseren Einblick in die bisherigen Veröffentlichungen bekommt, habe ich mir aus den beiden Büchern meine Lieblingszitate gepickt – passend zum Geburtstag des Verlags zu jedem Buch 3×3 Zitate 🙂

eisprinz-und-herzbube
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meine Rezension

»Ach ja, Juli … Ach so, verzeih, dein Vater kommt erst morgen Abend nach Hause. Irgendeiner der Mitarbeiter hat gepfuscht und jetzt stehen sie alle da vor einem Berg an Arbeit. Dann kann ich dir morgen gerne wieder was kochen, wenn du magst!«
Was zum … »Nein!«, keuche ich angsterfüllt auf. Wenn ich es auch nur in Erwägung ziehen sollte, diesen Fraß zu essen, werde ich tot umfallen, daran besteht kein Zweifel!
Phil verschränkt die tätowierten Arme vor seiner Brust und zieht einen Flunsch, der so lächerlich an ihm aussieht, wie ein rosa Tutu wohl an mir.
»Du bricht mir das Herz, Emilio«, motzt er kindlich. Im selben Moment sehe ich den Schelm in seinen Augen blitzen und bin mir tausendprozentig sicher, dass er das nur macht, um mich mal wieder zu ärgern.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 32 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Ich atme ein paarmal tief ein und will mich gerade Sophie zuwenden, da sehe ich Nicholas unweit neben uns – und mit ihm Chris, den er gegen eine der Steinsäulen, die das Vordach des Kinos stützen, presst und … leidenschaftlich küsst. Mit einem Mal bleibt mir irgendwas im Halse stecken.
Sind es Worte oder mein Atem oder vielleicht angesammelter Sabber vom Schlafen, keine Ahnung. Vor lauter Schreck über
die beiden verschlucke ich mich und breche in heilloses Gehuste aus. Sophie, die mit dem Rücken zu mir steht, wirbelt nun hastig herum, starrt mich wie einen seltenen Käfer einen Augenblick lang an, während ich wild nach Luft ringe, röchele
und huste. Zaghaft klopft sie mir auf den Rücken. »Milo, alles okay?«, fragt sie etwas besorgt.
»Sicher«, krächze ich, huste noch einige Male und werfe einen raschen Blick Richtung Nicholas, der – oh Schande – aufgehört hat, Chris auszusaugen und mich nun mit düsterem Blick mustert. Zugleich will ich im Boden versinken, es fühlt sich fast so an, als hätte ich ihn gerade mit jemandem im Bett erwischt.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 74-75 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Oh mein … Was … Oh mein Gott! Was zum Henker war das? Was war das?!
Mit meinen ganzen Sachen in den Armen stolpere ich auf die Tribüne, verziehe mich in einen der hintersten Schlupfwinkel und ziehe mir hastig etwas an. Mein Atem geht flach, das Herz bollert wie verrückt, die Hände zittern und meine Lippen brennen wie Feuer. Oh mein Gott … Ein Kerl hat mich geküsst. Nein. Der Kerl hat mich geküsst! Warum?! Was sollte das? Wollte er sich damit beweisen, dass seine belämmerte Theorie stimmt? Der hat sie doch nicht mehr alle! Küsst mich einfach so und rammt seine Zunge in meinen Mund! Ich komme nicht klar damit, am liebsten würde ich laut losheulen. Was sollte das, was war das?!
Der Typ ist doch irre. Erst schnauzt er mich grundlos an, unterstellt mir vollkommen haltlosen Unsinn und dann macht er so was?!
Während seines Dauermonologes ist irgendwann der ziemlich offensichtliche Groschen bei mir gefallen: Er weiß es gar nicht.
Und ich dachte immer, die ganze Schule wüsste von meinen schwulen Vätern … Aber er weiß es gar nicht!

„Eisprinz und Herzbube“, S. 92-93 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Mein Herz klopft wild und ich spüre, wie meine Hände anfangen zu zittern. Kann ich es wagen, die Kiste mit hinunterzunehmen? Würde es einer der beiden merken und dann wütend werden? Ich sollte nicht herumschnüffeln, schon gar nicht in etwas so Privatem, aber ich kann einfach nicht anders. Meine Väter haben nie von früher geredet und ich weiß so wenig von meiner leiblichen Mutter … Ich muss diese Kiste mitnehmen, auch wenn ich mich dabei mies fühle!
Hektisch greife ich mir die Briefe und werfe sie ebenfalls in den Karton, bevor ich den Schrank wieder verschließe und den Schlüssel einstecke.
Plötzlich ist die Angst, erwischt zu werden, noch viel größer als zuvor. Schließlich ist auch mein Fund und ebenso der Verrat größer. Also mache ich mich hektisch daran, wieder in meinem Zimmer zu verschwinden und falle dabei beinahe die Holzleiter hinunter.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 158 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Für einen kurzen Augenblick starren wir uns an, durcheinander und verzweifelt, fragend, ehe ich mich zusammen mit ihm ins Zimmer dränge, die Tür zuschlage und ihn in einer Art Kurzschlussreaktion fest in die Arme nehme.
Er sagt nichts, legt die Hände nur zögernd auf meinen Rücken und drückt das warme Gesicht ein wenig fester an meine Schulter. Er zittert, während ich nach Worten ringe.
»Es tut mir so leid«, bringe ich schließlich rau hervor. »Ich wusste nicht … Es tut mir so leid, dass ich so schrecklich zu dir war!«
Natürlich ist er empfindlich, wenn es um Schwule geht! Seine Eltern sind beide Männer … Er ist damit aufgewachsen, ihm wurde weiß Gott was an den Kopf geworfen … Natürlich gibt es dann Zündstoff, wenn er mit mir gesehen wird! Hätte ich das gewusst …
Ob er weiß was ich meine oder nicht, er schüttelt an meiner Schulter den Kopf, drückt sich von mir weg.

„Eisprinz und Herzbube“, S. 168 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

»Lass uns auf dein Zimmer gehen«, meint er und in seinem Blick liegt mehr als nur Lust, ein vages Versprechen, sinnliche Verheißung. Mir wird heiß, ich keuche leise auf, presse mich an ihn und küsse ihn wieder wild, ziehe ihn aber gleichzeitig ein paar holprige Schritte mit mir Richtung Treppe.
»Emilio«, murmelt er leise gegen meine Lippen. »Ich …«
Er kommt nicht dazu, zu Ende zu sprechen. Unweit hinter mir ertönt ein Geräusch, ein Prusten, dann ein heftiges Husten. Wie von der Tarantel gestochen fahren wir auseinander und da steht Phil in der Wohnzimmertür, eine Tasse Kaffee in der Hand, die er über seinen Hustenanfall beinahe fallen lässt, und hastet zurück ins Wohnzimmer.
Geschockt starre ich ihm nach, mein Herz hämmert mir bis zum Hals. Was macht der denn hier? Warum ist er nicht auf der Arbeit?! Oh Gott, irgendjemand muss mich erschießen, sofort!

„Eisprinz und Herzbube“, S. 243-244 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

»Milo«, fragt Phil leise, nachdenklich. »Willst du sie kennenlernen? Deine Mutter?«
Er schaut mich jetzt langsam an, Unsicherheit im Blick. Hat er da eben falsch gehandelt oder nicht? Ich kann förmlich sehen, wie plötzlich die Zweifel an ihm nagen.
»Nein«, sage ich fest und begebe mich langsam ebenfalls zur Couch, um mich mit einigem Abstand neben ihn zu setzen.
»Mir wäre es am liebsten, sie bleibt da, wo sie ist und ich muss nie wieder auch nur ein Lebenszeichen von ihr wahrnehmen«, gebe ich zu.
Phil lacht wieder dieses freudlose kleine Lachen. »Mir3 auch«, stimmt er zu und schüttelt den Kopf. »Ich verstehe Juli einfach nicht … Dass er sie hier noch mit offenen Armen empfangen will!«

„Eisprinz und Herzbube“, S. 306-307 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

Ich höre den Jungen wimmern, während seine Mutter sich zu ihm hinunterbeugt und ihm die Jacke hastig auszieht. Mein Vater jedoch hebt fragend die Augenbrauen: »Ich wusste nicht, dass es dich so aufregen würde, wenn dein Halbbruder …«
»Ich habe keinen Bruder!«, bricht es plötzlich aus mir heraus. Als diese Frau die Jacke locker in der Hand hält, trete ich auf sie zu und entreiße sie ihr mit einer mörderischen Wut im Bauch. »Und ich habe auch keine Mutter!«, fauche ich sie an und sehe den Schmerz in ihren Augen, aber es interessiert mich nicht im Geringsten.
»Aber dich hat ja nie interessiert, was deine eigene Familie will!«, schreie ich meinen Vater an und mache dabei ein paar Schritte zurück Richtung Tür. »Weder haben dich Phils Gefühle interessiert, noch meine! Ich will sie hier nicht, ich brauche sie nicht! Ich will nur Phil zurück! Ihr könnt mir alle gestohlen bleiben!«

„Eisprinz und Herzbube“, S. 365 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag

»Phil? Äh …«
»Ja?«
»…« Tief durchatmen. Ganz tief. Mein Herz bollert wie verrückt, aber es gibt jetzt kein Zurück mehr, also los. Hab Mut!
»Wie funktioniert Sex zwischen Männern?«, stoße ich hastig hervor und sehe Phil zum ersten Mal in meinem Leben sprachlos. Ihm fällt für einen kurzen Moment alles aus dem Gesicht, er öffnet den Mund, schließt ihn wieder und starrt mich an, als wären mir plötzlich Hörner gewachsen.
Keine Ahnung, wie lange wir uns so anschweigen. Die Stille ist zäh wie ein alter Kaugummi. Endlich räuspert sich Phil.
»Äh … Warum redest du mit mir darüber? Ich meine, dein Vater … Moment mal, du willst mit diesem Kerl …?« Jetzt kommt wieder Leben in ihn, er richtet sich auf und starrt mich an. »Hey, warte, du bist fünfzehn! Du hast überhaupt mit gar niemandem Sex haben zu wollen!«

„Eisprinz und Herzbube“, S. 404-405 (c) Elena Loisan / MAIN Verlag


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meine Rezension

»Mach dich bereit, wir sind gleich da«, teilt Frau Hinze mir knapp und teilnahmslos mit.
»Okay«, antworte ich ihr nickend.
Frau Hinze ist die zuständige Sachbearbeiterin vom Jugendamt. Sie hat ihren Elan und ihr Engagement schon vor langer Zeit verloren, zumindest kommt es mir jedes Mal so vor, wenn ich sie treffe. Das wird nach dem heutigen Tag hoffentlich nicht mehr allzu oft passieren. Wir sind auf dem Weg zu meiner neuen Familie.
Meine Eltern haben den Autounfall nicht überlebt. Ich habe es knapp geschafft, lag viele Wochen lang im Koma, und als ich endlich wieder aufwachte, war ich blind. Ein Schädel-Hirn-Trauma hat meinem Sehzentrum im Gehirn das Licht ausgeknipst. Ob ich jemals wieder etwas sehen kann, weiß ich nicht. Das weiß niemand so genau, selbst die Spezialisten nicht.

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 5-6 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Am Anfang hatte ich mich geweigert, die Brailleschrift zu lernen. Ich wollte absolut gar nichts damit zu tun haben. Es kam für mich überhaupt nicht infrage, mich mit meiner Blindheit abzufinden und das Beste daraus zu machen, wie alle so schön von mir verlangten. Mittlerweile weiß ich, dass es nicht anders geht. Ich muss weitermachen. Also fing ich vor knapp acht Monaten damit an, die Brailleschrift zu lernen, und ich verzweifle immer noch oft daran. Diese ganzen Punkte auseinanderzuhalten ist harte Arbeit. Das ABC kann ich jetzt fast auswendig und einfache Worte bringen mich auch nicht mehr sofort aus dem Konzept, zumindest beim Schreiben. Geschriebene Worte gleich richtig zu ertasten, schaffe ich fast nie und das frustriert mich jedes Mal total. Große Lust habe ich deshalb auch nicht dazu, aber anders geht es nicht mehr und ich muss das jetzt lernen.
»Na.« Maggie öffnet meine Zimmertür. »Was machst du denn?«
»Ich übe schreiben«, antworte ich ihr.
»Oh!« Sie betritt mein Zimmer und bleibt hinter mir stehen. »Das find’ ich toll.«
»Ist nicht so einfach.«
»Glaub’ ich dir sofort.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 25 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Och, musst du wieder auf der Bank sitzen?«, ärgert Leon mich.
Darauf entgegne ich nichts, schließlich sitze ich am kürzeren Hebel. War ja klar, dass ich mir einen blöden Spruch anhören muss.
»Gott sei Dank sitzt er da, so laufen wir nicht Gefahr, dass er uns eiskalt überrennt!«, meint Patrick und lacht dabei. »Komm, lassen wir den Krüppel  einfach mal Krüppel sein.«
An Leon und Patrick, das wird mir jetzt klar, würde ich bald meine Freude verlieren.
»Hör mal mit den dummen Sprüchen auf, das nervt echt!«, beschwert sich Toby bei Patrick, womit ich nicht gerechnet habe.
Tobys Stimme kenne ich mittlerweile gut. Er hat echt was auf dem Kasten und ist mündlich im Unterricht sehr stark. Er sitzt  weiter hinten, aber ich weiß gar nicht, wer neben ihm sitzt. Ich weiß nur, dass Toby einer der Klassensprecher ist.

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 42-43 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Sag mal …« Ich überlege, wie ich die Frage am besten stellen sollte. »Was hat Patrick damals vor der Schule gemeint, als er nicht nur mich, sondern auch dich als behindert beschimpft hat?«
Nick räuspert sich kurz. »Mir geht’s gut, keine Sorge.«
»Okay. Das ist ja schon mal gut zu wissen, aber was hat er dann gemeint?«
Nick schnalzt ein paar Mal mit der Zunge, gibt mir aber keine Antwort und ich hake nicht weiter nach. Irgendwas ist da, und wenn er jetzt nicht darüber reden will, dann hoffentlich ein anderes Mal. Drängen will ich ihn auf keinen Fall, denn ich weiß ja selbst, wie schwierig es ist, etwas auszusprechen.
»Na ja«, sagt Nick dann doch. »Er meint damit, dass ich schwul bin.«
»Oh …« Jetzt bin ich überrascht, denn damit habe ich nicht gerechnet. »Oh!«
»Ja, genau.« Sein Ton wird abfällig. »Oh.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 107-108 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Je näher ich Caro in den nächsten Tagen komme, desto mehr verliere ich den Kontakt zu Nick und dadurch auch zum Rest der Clique. Das ist für mich ziemlich schwer zu ertragen. Nick fährt morgens und nachmittags wieder grußlos mit dem Rad an mir vorbei, was mir jedes Mal einen fiesen Stich versetzt und was ich furchtbar unfair finde. Noch deutlicher hätte er mir seine Ablehnung nicht zeigen können. Ich stehe wieder völlig allein da und nach der Sache mit Kevin und Leon in der Toilette mache ich mir schon ziemlich Sorgen, wieder in der Schusslinie zu stehen. Dazu kommt, dass ich im Unterricht immer noch neben Nick am Tisch sitze und er mich einfach ignoriert. Das ist ein richtig beschissenes Gefühl und das alles nur wegen Caro. Dabei trifft sie ja eigentlich überhaupt keine Schuld.

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 139 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Was willst du denn hier?!« Er klingt total entsetzt.
»Gucken, wie’s dir geht«, antworte ich ruhig und bemerke sofort den
Geruch von kaltem Zigarettenrauch im Zimmer.
»Ich lass euch zwei dann mal in Ruhe quatschen«, meint die Oma freundlich und schließt die Zimmertür hinter sich.
»Hau bloß ab!«, fährt Patrick mich an.
Ich an seiner Stelle hätte auch keinen Bock darauf, wenn er einfach zu mir nach Hause gekommen wäre, aber ich will mich nicht vertreiben lassen. Nicht nach dem netten Empfang durch seine Oma.
»Wie geht’s dir?«, frage ich einfach.
»Mann, verpiss dich!«
»Nein!«, widerspreche ich energisch.
Für einen kurzen Moment ist Patrick wohl sprachlos, aber er fängt sich schnell wieder. »Ey, Jason, ehrlich. Sieh zu, dass du wegkommst.«
Darauf will ich gar nicht erst eingehen, aber ich wage es auch nicht, mich vom Fleck zu bewegen. Ich darf mich aber nicht einschüchtern lassen. Deswegen bin ich nicht hergekommen.
»Ich habe dich schlimm verletzt, oder?«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 163 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Darf ich dich küssen?«, fragt Nick etwas schüchtern und meine Antwort ist ein wortloses Nicken. Keinen Augenblick später spüre ich Nicks Lippen auf meinen und ich lege meine Arme um ihn. Dieses Kribbeln in meinem Bauch ist einfach  atemberaubend schön. Die ganze letzte Woche sind wir unzertrennlich gewesen, aber trotzdem hat Nick ein klein wenig Distanz gewahrt. Von unseren Freunden weiß niemand davon und auch Maggie und Andreas habe ich noch nichts erzählt. Keine Ahnung, wann ich das mache, aber momentan ist es gut so, wie es ist.
»Deine Haare sind klitschnass«, sagt Nick leise und streicht mir ein paar Strähnen von der Stirn.
»Ich weiß«, antworte ich und fasse in seine Haare. »Deine aber auch.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 182 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

»Na alles! Jason, wie kommst du nur auf die ekelhafte Idee, Typen zu vögeln?« Er stößt mir von vorn die Hand gegen die Schulter. Ich habe keine Ahnung, was ich dazu sagen soll.
»Du bist wohl total irre geworden, seit deine Eltern tot sind!« Er tippt mir gegen die Stirn. Dieser Satz hat mich tief getroffen.
»Lass mich raten, es ist dieser Blonde, stimmt’s?«, fragt Max provozierend nach.
»Er heißt Nick!«, antworte ich protestierend.
»Das war ja so klar!«
Im Wohnzimmer ist es fast ganz still. Keiner sagt etwas, nur die Musik dudelt weiter leise vor sich hin. Ich fühle mich ätzend, so auf dem Präsentierteller. Warum musste das ausgerechnet heute und so passieren?
»Mein bester Freund ist schwul!« Max klatscht in die Hände. »Ich glaub es nicht.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 197 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Ich schlucke. »Die späte Störung tut mir leid, aber ich muss unbedingt mit Nick sprechen.«
»Komm erst mal rein, du frierst ja. Ist was passiert?«
»Ja«, ich nicke und plötzlich bricht riesige Freude über mich herein.
»Darf ich hochgehen?«
»Bitte, geh ruhig.«
Ich steige sofort die Treppen nach oben und öffne ohne zu klopfen Nicks Zimmertür. Da ist das Licht wieder!
»Jason?«, fragt Nick verwundert. »Was …«
»Ich sehe Licht!« Meine Freude überwältigt mich jetzt so sehr, dass ich in Tränen ausbreche.
Nick antwortet nicht sofort. »Was?«, hakt er dann nach.
»Ich sehe Licht.«

„Und der Himmel ist doch bunt“, S. 217 (c) Stephanie Mangliers/ MAIN Verlag

Ich hoffe, die Auswahl gefällt euch und ihr habt Lust bekommen, die Bücher zu lesen. Wenn nicht, sind vielleicht die kommenden Titel etwas für euch, denn Casandra Krammer hat sich bereiterklärt einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben, damit ihr wisst, welche tollen Bücher auf euch zukommen:

2017 wird bei uns ein spannendes Jahr. Als erstes starten wir mit „Eis bricht langsam“ von Dima von Seelenburg durch, das Buch richtet sich vor allem an jüngere Teenager, die noch nicht ganz ihren Platz in der Welt gefunden haben. Danach sind mehrere Veröffentlichungen geplant, die noch keine feste Reihenfolge haben. Zum einen erwartet euch der Debütroman von Gordon Ambos mit dem Jugendbuch-Titel „Das Meer dazwischen“, indem es um große zwischenmenschliche Gefühle geht, bei denen Leser, die es etwas tiefgreifender mögen, auf ihre Kosten kommen. Auch alle Fans von „Eisprinz und Herzbube“ werden nicht enttäuscht. Elena Losian hat nämlich eine Prequel zu unserem Bestseller geschrieben und überrascht unsere Leser mit viel Herz und Humor. Es geht dabei um die Liebesgeschichte der Väter unseres Eisprinz-Protagonisten. Wir haben unglaublich viel tolles Feedback zu den beiden bekommen und waren gleich gegeistert von der Prequel-Idee. Für dieses Buch suchen wir gerade fieberhaft nach einem Titel.
Zu guter Letzt haben wir noch zwei weitere Projekte, die mit viel Glück noch 2017 erscheinen werden – versprechen kann ich aber nichts 😉
Da haben wir zum einen meinen eigenen (Anm. Casandra Krammers) Roman „Tage im Ascheregen“, indem es vor alledem um dunkle Geheimnisse geht. Das Buch pendelt an der Schwelle zwischen Jugendbuch und New Adult und wird ein gefundenes Fressen für alle, die ein Herz für Außenseiter haben.
Zum Schluss haben wir ein Roman, der bereits seit 2014 darauf wartet, veröffentlicht zu werden. Es dreht sich dabei um „Von den Zehenspitzen bis ins Herz“ von Diare Cornley, ebenfalls ein Jugendbuch mit Hang zum New Adult das sich an alle richtet, die gerne Geschichten zum Thema Friendzone lesen. Das Projekt ist noch aus meiner damaligen Zeit als leidenschaftliche Fanfiktion-Leserin und ich hoffe unsere Leser dafür begeistert zu können.

Damit verabschiede ich mich von euch. Ich hoffe sehr, der Blogtour-Beitrag hat euch gefallen und ihr habt einen guten Einblick in das Label „Polygon Noir Editon“ erhalten. Am Sonntag geht es mit Antheum in Love bei Bookwormdreamers weiter – schaut auf jeden Fall vorbei.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Letztendlich geht es nur um dich von David Levithan

Autor: David Levithan
Hardcover: 400 Seiten
ISBN: 978-3841422408
Preis: 16,99 EUR (HC) | 14,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Rhiannons Leben ist simpel und überschaubar – sie geht zur Schule, hat einen festen Freundeskreis und in dem Mitschüler Justin ihre große Liebe gefunden. Dass dieser sie mitunter ignoriert und nur selten wirklich auf sie eingeht, nimmt sie in Kauf, da sie sich sicher ist, dass Justin sie im Inneren wirklich liebt, auch wenn er dies nicht zeigen kann. Alles ändert sich, als Justin eines Tages vollkommen anders ist – er ist aufmerksam, hört ihr zu und nimmt sie mit ans Meer, wo die beiden über Gott und die Welt reden. Rhiannon glaubt endlich am Ziel zu sein, hofft auf eine glückliche Zukunft mit ihrem Freund – doch dieser kann sich an diesen besonderen Tag nicht erinnern. Als plötzlich ein Junge/Mädchen namens A auftaucht und ihr erzählt, dass er/sie jeden Tag im Körper eines anderen Jungen/Mädchen aufwacht, glaubt Rhiannon an einen Scherz. Schnell muss sie jedoch erkennen, dass A recht hat, da er/sie jeden Tag in einer anderen Form auftaucht und vor einiger Zeit in Justins Körper steckte. Und dass er/sie sich in Rhiannon verliebt hat – Gefühle die diese mit der Zeit erwidert, so schwer es ihr auch fällt, sich auf jemanden einzulassen, der keine feste Form haben kann …

Eigene Meinung:
David Levithan ist einer der bekanntesten amerikanischen Jugendbuchautoren der heutigen Zeit. Seine Romane wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet und finden sich immer wieder in den Bestsellerlisten. Da er selbst schwul ist, findet man häufig queere Elemente in seinen Romanen (z.B. „Will & Will“, „Noahs Kuss“ oder „Two Boys kissing“). Auch „Letztendlich geht es nur um dich“ greift das Thema Homosexualität (in einer ungewöhnlichen Form) auf und passt dich damit dem „ersten“ Band der Reihe „Every Day“ an, in dem die Geschichte aus A’s Sicht erzählt wird. Daher ist der vorliegende Roman keine Fortsetzung von „Letztendlich sind wir dem Universum egal“, sondern vielmehr eine Ergänzung – es ist dieselbe Geschichte aus einer anderen Perspektive.

Die Grundidee der Geschichte ist sehr interessant und bietet eine Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Allein Levithans Idee, dass eine Seele jeden Tag in einen anderen Körper schlüpft und einen Tag lang das Leben der jeweiligen Person führt ist wahnsinnig spannend und originell. Die Tatsache, dass A sowohl in weibliche als auch männliche Körper fährt, sorgt dafür, dass er mit den üblichen Vorurteilen nur wenig im Sinn hat – Gefühle sind für ihn/sie wesentlich elementarer und haben nichts mit der körperlichen Erscheinung zu tun. Dies sorgt auch dafür, dass sich Rhiannon über viele Dinge klarwerden muss und viele Sachen in Frage stellt. Die Vergleiche, die Levithan an diesen Stellen anbringt, sind sehr gut nachvollziehbar und regen zum Nachdenken an, so dass sich beide Bücher der Reihe hervorragend als Schullektüre eignen würden. Auch sind die Gedanken und Gefühle der jungen Heldin glaubwürdig dargestellt, so dass man sich gut mit Rhiannon identifizieren kann (auch wenn man ihr manchmal Vernunft eintrichtern möchte).
Dennoch muss man sagen, dass das Buch nur schwer gegen „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ankommen kann – für sich allein stehend funktioniert Rhiannons Geschichte durchaus, da sie interessante Aspekte liefert und durch eine gute Handlung überzeugen kann. Kennt man jedoch den Roman um A, so fällt es schwer die beiden Bücher miteinander in Einklang zu bringen. Das liegt natürlich daran, dass Fans des ersten Bandes keine wirkliche Fortsetzung in den Händen halten, sondern dieselbe Geschichte aus einer anderen Perspektive präsentiert bekommen. Das macht das Buch mitunter langweilig, da A’s Sicht wesentlich spannender ist und mehr Drama bietet – Rhiannon bleibt ein wenig blass (gerade im ersten Drittel) und da man die Geschichte schon kennt, erfährt man nur wenig Neues. So sind Leser von „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zu recht enttäuscht, da man keinerlei Auflösung präsentiert bekommt und die Geschichte um Rhiannon an derselben Stelle endet, wie zuvor. Das frustriert ein wenig, da man doch gehofft hat, dass David Levithan die Handlung weiterführt und ein paar Erklärungen liefert.

Nichtsdestotrotz sind die Charaktere und ihre Aktionen gut nachvollziehbar – man mag mit Rhiannon und ihrer unterwürfigen Art am Anfang seine Probleme haben, aber man kann sie gut nachvollziehen und versteht, warum sie tut, was sie tut. Ihre Gedanken sind auf jeden Fall interessant und ihre Sicht auf die Ereignisse sorgt dafür, dass man „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ auf eine ungewohnt dreidimensionale Art und Weise begreift.
Dennoch stellt A sie mühelos in den Schatten, da er/sie eine solch schillernde und außergewöhnliche Figur ist, dass Rhiannon in seiner Gegenwart fast immer untergeht. Er/sie ist etwas Besonderes und es ist toll, ihm/ihr in diesem Buch wieder zu begegnen und ihn/sie durch Rhiannons Augen zu betrachten.
Auch die übrigen Charaktere sind toll – seien es Justin, Rhiannons Freunde oder deren Familie. Man merkt, dass authentische, jugendliche Charaktere zu David Levithans Stärken gehören, die seine Bücher erst zu dem machen, was sie sind. Er kann sich hervorragend in die Gedanken junger Menschen hineinversetzen und bringt diese sehr überzeugend zu Papier.

Stilistisch legt der Autor ein wundervolles, gut geschriebenes Jugendbuch vor, das in vielfacher Hinsicht überzeugen kann. David Levithan trifft den Nerv der Zeit und die Sprache der Jugend. Es macht einfach Spaß seine Bücher zu lesen und mit den verschiedenen Figuren mitzufiebern, auch wenn „Letztendlich geht es nur um dich“ die ein oder andere Länge enthält und nicht ganz so mitreißend ist wie seine anderen Werke.

Fazit:
„Letztendlich geht es nur um dich“ ist ein schönes Jugendbuch, das durch eine tolle Thematik und eine gut nachvollziehbare Heldin besticht. Wer den Vorgänger „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ kennt, wird von der Geschichte aus Rhiannons Sicht enttäuscht sein, wartet David Levithan doch nicht mit einer Fortsetzung auf, sondern wärmt die Ereignisse aus Rhiannons Sicht noch einmal auf. Daher ist das vorliegende Buch bei weitem nicht so gut, wie „Letztendlich sind wir dem Universum egal“, für sich allein stehend kann es aber dennoch überzeugen. Wer A’s Geschichte schon kennt, sollte sich überlegen, ob er  die Geschichte wirklich noch einmal aus Rhiannons Perspektive lesen muss (denn es gibt leider keine neuen Antworten), wer David Levithans ungewöhnliche Liebesgeschichte noch nicht kennt, kann sich überlegen, welche erzählende Figur ihm mehr zusagt – ich persönlich rate eher zu „Letztendlich sind wir dem Universum egal“, da dieses Buch wesentlich spannender und fesselnder ist.

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[ROMAN] Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Autor: David Levithan
Hardcover: 400 Seiten
ISBN: 978-3841422194
Preis: 16,99 EUR (HC) | 9,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
So lange er denken kann, wacht A jeden Tag in einem anderen Körper und damit in einem anderen Leben auf. Feste Regeln und Gesetze gibt es kaum, so kann er männlich oder weiblich sein, allen Kulturen angehören und jeder Gesellschaftsschicht. Einzig das Alter der Körper entspricht ungefähr seinem eigenen. Zumeist versucht er das Leben, das er sich ausborgt, nicht durcheinander zu bringen und unbemerkt durch den Tag zu kommen.

Als er für einen Tag im Körper von Justin aufwacht und dessen Freundin Rhiannon kennenlernt, verliebt er sich unsterblich in sie. Plötzlich erwacht in A der Wunsch nach mehr und so beginnt er sein ursprüngliches Vorgehen zu verändern, um das Mädchen immer wieder zu treffen. Dabei wird erstmals ein Junge namens Nathan, den er ebenfalls für einen Tag „besetzt“ hatte, auf seine Existenz aufmerksam, was einen großen Medienrummel mit sich bringt und den seltsamen Pastor Poole auf den Plan ruft. Doch dieses Problem ist für A zweitrangig, denn es stellt sich mehr und mehr die Frage, ob Rhiannon jemanden lieben kann, der jeden Tag ein anderer ist?

Eigene Meinung:
David Leviathan ist neben John Green einer der bekanntesten und erfolgreichsten Jugendbuchautoren unserer Zeit. Aus seiner Feder stammen Bücher wie „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“, „Noahs Kuss“ (beide gemeinsam mit Rahel Cohn geschrieben) und „Will und Will“, welches er mit John Green verfasste. In vielen Büchern ist Homosexualität ein zentrales Thema, da der Autor selbst schwul ist und einige seiner Geschichten auf realen Erlebnissen basieren.

Mit „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ erschien im März 2014 sein neuster und zugleich ungewöhnlichster Roman, der 2015 um der Fortsetzung „Rhiannon“ erweitert werden soll, die die Ereignisse aus Rhiannons Sicht erzählen wird. Zudem gibt es das eBook „Six Earlier Days“ (leider nicht in deutsch erhältlich), in dem der Leser kurze Einblicke in das Leben des Protagonisten erhält, bevor er ihr begegnete, und wie er zu der Persönlichkeit wurde, die er jetzt ist.

Die Grundidee des Buches ist ungewöhnlich und fantastisch zugleich. Doch David Leviathans Roman ist nicht im Fantasy-Bereich angesiedelt, sondern fest mit der Realität verwurzelt. Ein täglicher Körperwechsel, alle 24 Stunden ein neues Leben, in dem sich A zurechtfinden muss, bedeutet auch für den Leser jedes Mal eine neue Perspektive und neue Herausforderungen. Das macht „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zu einem interessanten und spannenden Buch, da der Autor eine ganz andere Liebesgeschichte erzählt, die nur schwer realisierbar ist, selbst als Rhiannon die Wahrheit kennt und die Gefühle des Protagonisten erwidert. Was dem Leser von Anfang an wie eine unangenehme Vorahnung beschleicht, wird im Laufe der Geschichte auch A bewusst.

Die Liebesgeschichte zwischen A und Rhiannon ist zentrales Thema des Buches, wenngleich das bei der interessanten Hintergrundidee seltsam erscheint. So bekommt der Leser nie Antworten auf die Fragen, was dafür gesorgt hat, dass A täglich die Körper wechselt, oder ob es für ihn eine Möglichkeit gibt, den Fluch zu brechen. Hier arbeitet David Leviathan eher mit Andeutungen und durch Pastor Poole mit festen Hinweisen, die jedoch nicht gänzlich in die Geschichte eingebaut werden, so dass man durchaus mit einer Fortsetzung aus As Sicht rechnen könnte, da im Buch angesprochen wird, dass er nicht der Einzige ist. Dass der Autor diesen Punkt nicht vertieft mag seltsam erscheinen, doch es passt zum Gesamtaufbau und der Geschichte, die David Leviathan erzählen will – eine Liebesgeschichte, die über das körperliche hinaus geht und die ein oder andere philosophische Frage über das Leben, die Seele und die Persönlichkeit eines Menschen aufgreift. Auch stellt er offen die Frage, ob man in der Lage ist, einen Menschen um seiner Persönlichkeit Willen zu lieben, ganz egal welchen Körper man vor sich hat. So ist es A. vollkommen gleichgültig, ob er als Junge oder Mädchen einen Jungen oder ein Mädchen liebt, da für ihn nur die Person zählt, nicht der Körper, während sich viele damit schwer tun.

Die Charaktere sind, wie nicht anders zu erwarten, sehr realistisch und greifbar. Das trifft sowohl für A und Rhiannon zu, als auch für die vielen Jugendlichen, in deren Körper der Protagonist schlüpft. Als Leser lernt man einen bunten Querschnitt durch die amerikanische Jugend kennen: vom Footballstar zur hochnäsigen Cheerleaderin, vom Streber zum schwarzen Hausmädchen, das illegal für die Reichen putzt. Sie werden zwar nur gestreift, doch man erhält einen interessanten Einblick in die unterschiedlichen Schichten der amerikanischen Gesellschaft.

David Leviathans Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm. Wer seine Bücher kennt, weiß, wie nah der Autor an der heutigen Jugend schreibt und wie gut er sich in die Gefühlswelt eines Jugendlichen hineinversetzen kann. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist hierbei keine Ausnahme – der Roman ist komplett aus As Sicht erzählt und logischerweise in der Ich-Perspektive geschrieben. Man lernt den Hauptcharakter sehr intensiv kennen, erlebt die Geschichte durch seine Augen. Daher wird man Umgebungsbeschreibungen oder Details eher weniger finden, da sich der Autor auf seinen Protagonisten, dessen Gefühle und Sinneseindrücke konzentriert. Dennoch hat man nie das Gefühl, das etwas fehlt, im Gegenteil. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist perfekt, so wie es ist und liest sich dank des schönen Schreibstils und der interessanten Figuren flüssig und schnell.

Fazit:
„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist ein tolles, sensibles und eingehendes Buch über das Leben und die Liebe, ohne jemals ins Kitschige oder Dramatische abzudriften. David Leviathan ist ein außergewöhnliches, fast schon philosophisches Buch gelungen, das mehr zu bieten hat, als eine einfache Liebesgeschichte zwischen Junge und Mädchen. Die Charakter sind fesselnd und glaubwürdig, die Geschichte gut nachvollziehbar und mitreißend und der Stil des Autors stimmig und wunderbar. Ein Jugendbuch, das auch Erwachsenen zu empfehlen ist. Unbedingt reinschauen.

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[ZITATE-FREITAG] Nur drei Worte

Hallo ihr Lieben,

wie ihr vielleicht gemerkt habt, kam ich letzte Woche nicht dazu, ein paar Zitate auszuwählen und auch diesen Freitag bin ich arg spät dran. Damit nicht nochmal ein Zitate-Freitag ausfällt, habe ich mir das wundervolle Jugendbuch „Nur drei Worte“ geschnappt und für euch meine Lieblingsstellen rausgesucht. Wer das Buch um Simon und Blue nicht kennt, sollte es sich auf jeden Fall zulegen – es ist ein wundervolles Jugendbuch und es verdient einen Ehrenplatz in eurem Regal 🙂

Bestellen: Amazon
meine Rezension

Es ist ein seltsam subtiles Gespräch – fast merke ich gar nicht, dass ich erpresst werde.

Wir sitzen auf Metallstühlen hinter der Bühne und Martin Addison sagt: „Ich habe deine Mail gelesen.“

„Was?“ Ich schaue hoch.

„Vorhin. In der Bibliothek. Natürlich nicht mit Absicht.“

Du hast meine Mail gelesen?“

„Na ja, ich habe mich direkt nach dir an den Computer gesetzt“, sagt er.“ „Und als ich Gmail eingegeben habe, hat sich dein Account geöffnet. Du hättest dich vielleicht ausloggen sollen.“

Ich starre ihn entgeistert an. Er tappt mit dem Fuß gegen sein Stuhlbein.

„Also, was soll das mit dem falschen Namen?“, fragt er.

Tja. Ich würde sagen, der Sinn eines falschen Namens ist es, meine geheime Identität vor Leuten wie Martin Addison geheim zu halten. Das hat also hervorragend funktioniert.

Er hat mich am Computer sitzen sehen.

Und ich bin wohl ein Riesentrottel.

Er lächelt tatsächlich. „Jedenfalls dachte ich, es interessiert dich vielleicht, dass mein Bruder schwul ist.“

„Nur drei Worte“, Seite 7 (c) Becky Albertalli / Carlsen

„Okay, ich werde jetzt euer Badezimmer belegen. Zeit für die Transformation.“

„Klingt gut“, sage ich. „Dann transformiere ich hier im Wohnzimmer.“

Nora hebt den Blick vom Buch. „Simon. Ihhh.“

„Ich werfe mir nur einen Dementoren-Umhang über. Ich schätze, das wirst du überleben.“

„Was ist denn ein Dementor?“

Also echt, ich fasse es nicht. „Nora, du bist nicht mehr meine Schwester.“

„Ist also irgendein Harry-Potter-Zeugs“, sagt sie.

„Nur drei Worte“, Seite 49 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Blue,

also, zuallererst mal kann man Oreos auf jeden Fall als eigene Lebensmittelgruppe bezeichnen. Zweitens sind sie die EINZIGE Lebensmittelgruppe, auf die es ankommt. Meine Schwestern und ich haben uns vor ein paar Jahren mal nachts, als wir bei meiner Tante übernachtet haben, ein Land namens Boreo ausgedacht. Das ist so ein Land, wo alles aus irgendeiner Art von Oreo besteht, und der Fluss ist ein Oreo-Milchshake, und dann sitzt man auf einem riesigen Oreo wie auf einem Floß und treibt den Fluss hinunter. Und man kann den Milchshake jederzeit mit Bechern aus dem Fluss schöpfen. Ist so ein bisschen wie diese eine Szene aus Charlie und die Schokoladenfabrik. Weiß der Teufel, wie wir darauf gekommen sind. Wahrscheinlich waren wir einfach bloß hungrig. Meine Tante kann nämlich kein bisschen kochen.

Aber ich verzeihe dir deine Unwissenheit. Du konntest ja nicht wissen, dass du es mit einem Experten zu tun hast.

– Jacques

„Nur drei Worte“, Seite 83 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Ich muss ihn kennenlernen.

Ich glaube, ich halte es nicht mehr aus. Ist mir egal, wenn das alles kaputtmacht. Ich bin ganz dicht davor, meinen Laptop abzuknutschen.

Blue Blue Blue Blue Blue Blue Blue.

Ehrlich, ich stehe kurz vor dem Explodieren.

Den ganzen Schultag ist mein Magen verknotet, und das eigentlich total grundlos, weil sich das Gefühl ja eigentlich auf niemanden richtet. Weil es bloß Worte auf einem Bildschirm sind. Ich kenne nicht mal seinen verdammten namen.

Ich glaube, ich bin ein bisschen verliebt in ihn.

„Nur drei Worte“, Seite 136 (c) Becky Albertalli / Carlsen

„Ich hab den Post schon gemeldet“, sagt Nora. „Er wird gelöscht.“

„Aber es haben ihn schon Leute gesehen.“

„Weiß ich nicht.“ Sie schweigt einen Augenblick. „Wer postet den sowas?“

„Jemand der nicht weiß, dass ‚analer Arsch-Sex‘ redundant ist.“

„Das ist so abgef… so kaputt“, sagt sie.

Ich weiß natürlich, wer es geschrieben hat. Und ich sollte wohl noch dankbar sein, dass er keinen seiner verdammten Screenshots gepostet hat. Aber verfluchte Scheiße: Diese heimliche Anspielung auf Blue macht ihn zum größten und dreckigsten Arschloch aller Zeiten.

Oh Gott, und wenn Blue das sieht?

Ich klappe den Laptop zu und schiebe ihn auf den Stuhl. Dann lehne ich mich zurück und Nora rutscht ans Kopfende. Die Minuten verticken.

„Also, es stimmt“, sage ich schließlich. Ich sehe sie nicht an. Wir starren beide an die Decke. „Ich bin schwul.“

„Nur drei Worte“, Seite 165 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Ich weiß echt nicht, wie Leute das hinkriegen. Wie Blue das hingekriegt hat. Drei Worte. Nur drei bescheuerte Worte, und ich bin nicht mehr der gleiche Simon. Ich habe die Hand vor dem Mund und starre vor mich hin.

Keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin, es würde leicht.

„Ich weiß, was jetzt kommt“, sagt mein Vater. „Lass mich raten. Du bist schwul. Du hast jemanden geschwängert. Du bist schwanger.“

„Dad, hör auf“, sagt Alice.

Ich schließe die Augen.

„Ich bin schwanger“, sage ich.

„Hab ich mir gedacht, Junge“, sagt mein Vater. „Du strahlst richtig.“

Ich schaue ihm in die Augen. „Nein, im Ernst jetzt, ich bin schwul.“

Drei Worte.

„Nur drei Worte“, Seite 170-171 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Also gut. Ich war achtlos. Ich habe jede Menge Hinweise hinterlassen und darf mich nicht wundern, dass Blue sie zusammengesetzt hat. Vielleicht wollte ich das sogar.

Jaques a die ist übrigens die französische Version des Kinderspiels „Simon says“. Und der Tarnname ist offensichtlich nicht so clever, wie ich dachte.

Aber so richtig verkackt habe ich bei der Nummer mit Cal. Oh mein Gott, mal ehrlich, was bin ich für ein bescheuerter Trottel. Ich weiß wirklich nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Blaugrüne Augen und so ein Bauchgefühl, dass Cal Blue ist? Klassischer Fall von Simon-Logik. Kein Wunder, dass ich so grandios ins Klo gegriffen habe. Furchtbar.

„Nur drei Worte“, Seite 209 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Mir ist aufgefallen, dass ich sehr viel über dich nachgedacht und immer wieder deine Mails gelesen und ab und zu versucht habe, dich zum Lachen zu bringen. Aber ich habe nur sehr wenig deutlich ausgesprochen oder mich vorgewagt oder dir mein Herz ausgeschüttet.

Ich habe natürlich keinen blassen Schimmer, was zum Teufel ich hier eigentlich treibe, aber was ich sagen will: Ich mag dich. Oder auch ein bisschen mehr. Wenn ich mit dir flirte, dann nicht bloß aus Spaß, und wenn ich sage, dass ich dich kennenlernen will, dann nicht bloß aus Neugier. Ich weiß ganz sicher nicht, wo das hinführt, und ich habe auch nicht den leisesten Schimmer, ob man sich per Mail verlieben kann. Aber ich würde dich wirklich gern treffen, Blue. Ich möchte es versuchen. Und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich dir nicht sofort das ganze Gesicht abküssen will, wenn ich dich sehe.

Das wollte ich nur noch mal absolut klarstellen.

Was ich also sagen will: Heute Abend ist ein extrem krasser Jahrmarkt auf dem Parkplatz der Perimeter Mall, und der ist bis neun offen.

Ich jedenfalls werde um halb sieben da sein. Und ich hoffe, ich sehe dich dann.

Alles Liebe

Simon

„Nur drei Worte“, Seite 266 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Damit sind wir wieder am Ende angekommen – ab sofort kann ich nicht mehr zusichern, dass ich jeden Freitag ein Buch vorstellen kann. Bei mir hat sich privat einiges geändert, was dazu führt, dass ich weniger Zeit habe. Ich versuche es trotzdem, wenn nicht wöchentlich, dann zumindest alle zwei Wochen. Natürlich dürft ihr Wünsche äußern – ich bin für alles offen.

Liebe Grüße,
Juliane