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[ROMAN] Den Mund voll ungesagter Dinge von Anne Freytag

Autorin: Anne Freytag
Taschenbuch: 400 Seiten
ISBN: 978-3-453-27103-6
Preis: 11,99 EUR (eBook) / 14,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Kurz vor dem Abitur muss sich die 17-jährige Sophie vollkommen neu orientieren: gemeinsam mit ihrem Vater zieht sie nach München, da dieser in Lena seine große Liebe gefunden hat. Plötzlich hat Sophie eine Mutter, zwei Brüder einen Hund und ein riesiges Zimmer in einem großen Haus. Für sie ein blanker Albtraum, da sie einfach nur zurück nach Hamburg und keine neue Familie haben will. Erst als sie das Nachbarsmädchen Alex kennenlernt, ändert sich nach und nach ihr Leben – ganz besonders, als aus der Freundschaft mehr wird und die beiden schließlich zwei unbeschwerte Wochen zusammen verbringen. Doch Alex hat einen Freund und ringt mit sich, den nächsten Schritt zu gehen, ebenso wie Sophie, die Angst davor hat, Alex vor die Wahl zu stellen …

Eigene Meinung:
Mit „Den Mund voll ungesagter Dinge“ wagt sich Anne Freytag nach dem hochgelobten und prämierten Jugendbuch „Mein bester letzter Sommer“ an eine lesbische Liebesgeschichte nebst den typischen jugendlichen Problemen. Unter Ally Taylor ist die Autorin auch im Erotik-Genre unterwegs und schreibt Romane für Erwachsene – unter Anne Freytag findet man eher Liebesgeschichten für jüngere Leser. Das vorliegende Buch erschien bei Heyne und ist eines der wenigen Jugendbücher großer Verlage, in denen es um die Liebe zwischen zwei Mädchen geht.

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[AUTOBIOGRAFIE] Zwei Papas und ein Baby von Tobias Rebisch


Autor: Tobias Rebisch
Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN: 978-3453200968
Preis: 11,99 EUR (eBook) | 14,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Inhalt:
Nach einer schmerzhaften Trennung stellt Tobias fest, dass er für seinen besten Freund Marc mehr empfindet, als reine Freundschaft – ein Schock für den jungen Mann, der in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist. Glücklicherweise werden seine Gefühle erwidert und beide beschließen sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Nach einiger Zeit wächst bei beiden der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind, denn ihre Liebe ist stark genug, um ein junges Leben zu begleiten und ihm über Jahre hinweg beizustehen. Doch der Kampf um ein Kind ist schwierig, denn als gleichgeschlechtliches Paar haben sie mit ungleich mehr Problemen zu kämpfen, wenn es darum geht ein Baby zu adoptieren. Über Jahre hinweg halten Tobias und Marc an ihrem Traum fest und erst als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, kommt der erlösende Anruf …

Eigene Meinung:
Das autobiografische Buch „Zwei Papas und ein Baby“ erschien 2016 im Heyne Verlag und ist eine einzige Liebesgeschichte des Autors an seinen Mann Marc und seinen Sohn Luis. Dies spürt man auf jeder Seite, was dafür sorgt, dass es schwer fällt, den Roman aus der Hand zu legen. Es ist wundervoll die Geschichte der beiden Männer mitzuerleben, die sich nicht nur finden, sondern auch, trotz vieler Probleme und Widrigkeiten, eine kleine Familie aufbauen. Es zeigt, wie schwierig es für junge Paare ist (dabei sind nicht nur homosexuelle gemeint, sondern auch heterosexuelle Pärchen, bei denen sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt), ein Kind zu adoptieren und welche bürokratische Hürden genommen werden müssen, bevor man ein Kind bei sich aufnehmen kann. Trotzdem haben es Tobias und Marc doppelt schwer, da es ihnen nicht gestattet ist, gemeinsam als Paar ein Kind zu adoptieren (bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ist das bis heute nicht möglich), sondern nur einer von ihnen darf einen entsprechenden Antrag stellen. Dass sie dadurch schlechtere Karten haben, wenn es darum geht, eine Auslands- oder Inlandsadoption durchzuführen, wird mit der Zeit klar, denn  natürlich werden junge Paare gegenüber einem (von Rechtwegen) Single bevorzugt. Dementsprechend müssen die beiden Männer Jahre warten, bevor sie (quasi über Nacht) Eltern werden, was sie und ihre Beziehung vor ganz neue Probleme stellt.

Tobias Rebisch erzählt sehr eindringlich und warmherzig, welche Probleme und Steine ihm und seinem Mann in den Weg gelegt wurden, gleichzeitig aber auch, von wem sie unterstützt wurden. Dabei bleibt er stets offen und ehrlich, schreibt fair und klagt niemanden an. Er schildert einfach nur, was ihm und seinem Mann im Laufe des Adoptionsprozess wiederfahren ist, von welcher Stelle sie Hilfe und Unterstützung bekommen haben und welche Parteien mit ihrer Entscheidung weniger glücklich waren. Sehr spannend ist auch, welche Gedanken sich die beiden Männer darum machen, bevor sie sich für eine Adoption entscheiden – man fragt sich automatisch, wie viele Paare sich dieselben Fragen stellen, mit denen sich Tobias und Marc herumschlagen, bevor sie ein Kind in die Welt setzen.

Sehr schön ist auch das letzte Drittel des Romans, in dem das Leben zu Dritt geschildert wird und in dem Tobias Rebisch offen auf die Schwierigkeiten und Probleme eingeht, die ein Baby mit sich bringt. Dadurch berührt er den Leser auf mehreren Ebenen. Als Leser leidet man mit Tobias und Marc, als sie trotz aller Hoffnungen keinen rettenden Anruf erhalten, ebenso freut sich mit ihm und seinem Mann über das Glück, dass ihnen mit Luis wiederfahren ist. Regenbogenfamilien sind in Deutschland leider eine Seltenheit, die gegen viele Vorurteile zu kämpfen haben. In dem Zusammenhang ist „Zwei Papas und ein Baby“ ein wundervolles Werk, das zeigt, dass zwei Männer ebenso gut für ein neues Leben sorgen können, wie ein „normales“ Paar. Tobias Rebisch macht Mut und Hoffnung, hinterlässt ein gutes Gefühl und man fragt sich automatisch, wie es mit der Familie weitergeht. Vielleicht lässt uns der Autor ja daran teilhaben, denn man fühlt sich Tobias, Marc und Luis sehr nahe, wenn man das Buch zuschlägt. Daher möchte man auch wissen, wie ihr Leben weitergeht, insbesondere wenn Luis älter wird.

Fazit:
„Zwei Papas und ein Baby“ ist ein wundervoller, autobiografischer Roman, der den Leser gefangen nimmt und so schnell nicht mehr loslässt. Tobias Rebisch trifft den richtigen Ton, macht Mut und lässt den Leser mit einem guten Gefühl zurück, das dafür sorgt, dass man sich automatisch fragt, wie es der jungen Familie zukünftig ergeht. Das Buch ist eine wundervolle, persönliche Liebeserklärung, an der uns der Autor teilhaben lässt und die den Leser tief berührt. Tobias Rebisch zeigt, dass es sich zu kämpfen lohnt, ganz gleich wie schwierig die Bedingungen sind. Denn Liebe findet einen Weg. Sehr zu empfehlen.

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[ROMAN] Duell der Prinzen von C.S. Pacat

Das Duell der Prinzen von CS Pacat
Autor: C.S Pacat
Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN: 978-3-641-15522-3
Preis: 9,99 EUR (ebook)
Bestellen: Amazon
Rezension zum englischen Original (5 Sterne)

Story:
Um einen Krieg zwischen den verfeindeten Ländern Vere und Akielos zu verhindern, ist Damen, hinter dem sich eigentlich Prinz Damanios von Akielos verbirgt, gezwungen mit Laurent, dem Thronfolger des Landes Vere zusammenzuarbeiten. Gemeinsam werden sie von Laurents Onkel an die südliche Grenze geschickt, um das Land gegen Eindringlinge zu verteidigen. Damen wird schnell klar, dass der gegenwärtige Regent in keiner Weise das Wohl seines Neffen im Sinn hat. Alles deutet darauf hin, dass Laurent auf dem Weg in den Süden getötet werden soll, was dem nahenden Krieg neue Nahrung geben würde. Während Laurent alle Hände voll zu tun hat, die Intrigen seines Onkels abzuwehren und sich auf seine Art der Unterstützung der Nachbarländer zu versichern, versuchte Damen aus den Männern, die Laurents Heer begleiten, eine funktionierende Einheit zu machen. Inmitten der harten Kämpfe, komplexen Intrigen und detaillierten Planungen kommen sich die beiden Prinzen unweigerlich näher. Aus Respekt wird Freundschaft und letztendlich kann sich Damen der Anziehungskraft Laurents nicht mehr verwehren …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Duell der Prinzen“ erschien Anfang 2016 der zweite Band der Erfolgsreihe „Captive Prince“ von C.S. Pacat – dieses Mal jedoch nur als eBook. Leider scheint der dritte Roman, der noch am Ende des Buches mit dem Titel „Rückkehr des Prinzen“ angekündigt wurde, nicht mehr als Einzelband zu erscheinen. Stattdessen wurde ein Sammelband, der alle drei Bücher enthalten soll für den Januar 2017 von Heyne angekündigt.

„Duell der Prinzen“ setzt dort an, wo Band 1 endete und führt die Geschichte um Damen und Laurent spannend weiter. C.S. Pacat gelingt es das Potenzial der Geschichte um ein Vielfaches zu steigern und den Vorgängerroman in mehrfacher Hinsicht zu übertreffen. Die Handlung besticht erneut durch komplexe Intrigen, doppelbödige Elemente und eine so vielschichtige Handlung, dass man wirklich konzentriert bei der Sache bleiben muss, um alle Andeutungen und Hinweise zu verstehen. Dabei werden auch offene Punkte vom ersten Band aufgegriffen oder einige Ereignisse präsentieren sich urplötzlich in einem neuen Licht, so dass die Geschichte immer logischer und in sich schlüssiger wird. Dadurch fesselt auch der zweite Band der Reihe von der ersten bis zur letzten Seite und es fällt schwer das Buch zur Seite zu legen.
Die Autorin baut einmal mehr auf eine intrigenreichen Geschichte, die dieses Mal auch von einigen Kampf – und Actionenszenen unterbrochen wird, da es erstmals auch zu Schlachten kommt. Dadurch wirkt „Duell der Prinzen“ wesentlich dynamischer und interessanter als Band 1, der sich vorwiegend im Palast abgespielt hat und wo Damens „Spielwiese“ auf wenige Zimmer beschränkt war. Sicherlich gibt es auch im zweiten Band viele Beschreibungen und Hintergrundinformationen (so erfährt man durch Damen endlich mehr über den Staatstreich seines Bruders und die Hintergründe zu seiner Degradierung zum Sklaven), aber es gibt auch mehr Action, so dass die Geschichte ausgewogener geworden ist.

Natürlich kommen sich Damen und Laurent endlich näher, wenngleich von einer romantischen Liebesbeziehung keine Rede sein kann. Stattdessen bekommt man von C.S. Pacat eine realistische und glaubwürdige Beziehung präsentiert, die im Grunde nicht gut enden kann – etwas, was beide Protagonisten wissen. Dennoch spürt man das Knistern zwischen Laurent und Damen, die Gefühle, die beide füreinander entwickeln und die in einer gemeinsamen Nacht enden.

Neben der komplexen Handlung können einmal mehr die Figuren überzeugen. Laurent und Damen entwickeln sich im Laufe der Ereignisse weiter, und werden endlich zu Kampfgefährten und Freunden, die einander respektieren. Damen lernt im Laufe der Zeit Laurent besser kennen und verstehen, und ist bald der einzige, der Laurents uneingeschränktes Vertrauen genießt. Zudem vertieft sich sein Interesse an Laurent, der Damens Gefühle sogar teilweise erwidert.
Auch Laurent wird im Laufe der Zeit greifbarer, was daran liegt, dass er sich Damen gegenüber öffnet und immer wieder einen Blick auf seine wahre Natur gewährt. Natürlich ist er für Damen und damit auch für den Leser zumeist undurchsichtig, seine Aktionen nur schwer nachvollziehbar, doch er taut während der Reise zur Grenze spürbar auf.

Auch die Nebenfiguren sind starke, in sich logisch handelnde Persönlichkeiten. C.S. Pacat führt eine Vielzahl interessanter Charaktere ein, wobei auch alte Bekannte einen kürzeren oder längeren Auftritt bekommen. Jord und Orlant, die Damen im Palast bewacht haben, nehmen einen größeren Part ein, während der 13-jährige Nicaise nur am Rand auftaucht. Mit Aimeric taucht eine neue Figur auf, die im Laufe der Handlung eine wichtige Rolle spielt und auch die Herrscher der Südreiche von Vere bekommen ein wenig mehr Gewichtung. Alles in allem geben sie Laurent und Damen einen passenden Rahmen, um sich zu entwickeln und die Geschichte voranzutreiben.

Stilistisch ist „Duell der Prinzen“ gut gelungen und mitreißend umgesetzt. C.S. Pacats Schreibstil ist sehr komplex, sie nutzt gerne ungewöhnliche Wörter und Beschreibungen, was den Charme ihrer Schreibstils ausmacht. Die deutsche Übersetzung wirkt dieses Mal flüssiger und passender, wenngleich sie noch immer nicht die Eleganz des englischen Originals einfangen können. Leser, die des englischen mächtig sind, sollten vielleicht testweise in die englische Leseprobe schnuppern, bevor sie sich für die deutsche oder englische Fassung entscheiden.

Fazit:
Mit „Duell der Prinzen“ schließt C.S. Pacat an den Erfolg des ersten Bandes an und führt die Geschichte um Laurent und Damen überzeugend und intrigenreich fort. Dank der komplexen Handlung und der vielschichtigen Charaktere gehört „Captive Prince“ zurzeit zu den besten Gay Fantasy Reihen, die es auf dem Markt gibt. Da Heyne sich für eine preiswerte Gesamtausgabe der Reihe entschieden hat und Band 3 nicht mehr separat veröffentlichen wird, fällt es schwer den zweiten Band zu empfehlen – wer „Captive Prince“ kennenlernen möchte, sollte am besten bis 2017 warten, wer Band 1 mochte ebenfalls. Insbesondere da „Duell der Prinzen“ mit einem bösen Cliffhanger endet.

Die Rezension zu „Captive Prince 2 – Prince’s Gambit“ (englisches Original) kann man hier nachlesen.

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[ROMAN] Der verschollene Prinz von C.S. Pacat

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Autor: C.S Pacat
Taschenbuch: 322 Seiten
ISBN: 978-3-453-31608-9
Preis: 9,99 EUR (ebook) | 12,99 EUR (Taschenbuch)
Rezension zum englischen Original (5 Sterne)

Story:
In einem Staatsstreich übernimmt Kastor, der Bastard Königs Theomedes, das Land Akielos und tötet nicht nur seinen Vater, sondern setzt auch seinen jüngeren Bruder Damanios, den rechtmäßigen Thronerben gefangen. Da sein Hass auf Letzteren so groß ist, entscheidet sich Kastor gegen einen schnellen Tod und degradiert seinen Bruder zum Sklaven Damen. Zusammen mit ausgebildeten Lustsklaven wird er ins verfeindete Vere gebracht, und dort dem königlichen Prinzen Laurent als Pet zum Geschenk gemacht. Damen bleibt keine andere Wahl, als sich auf den intrigenreichen Hofstaat und die gefährlichen Spielereien des undurchsichtigen Laurent einzulassen und sein Schicksal vorerst anzunehmen. Immerhin hasst jeder Veretianer Prinz Damianos, der in einer alles entscheidenden Schlacht vor sechs Jahren Laurents älteren Bruder und Thronerben getötet hat. Insbesondere Laurent hasst Akielos und die Barbaren, die dort leben.

Für Damen bricht eine schwere Zeit an, in der er sich nicht nur gegen die gefährlichen Intrigen zwischen Laurent und seinem Onkel, dem derzeitigen Herrscher in Vere, erwehren muss, sondern auch lernt was es heißt ein Sklave zu sein. Zudem hofft Damen auf den Tag, an dem er endlich fliehen und nach Akielos zurückkehren kann, um Kastor zur Rede zu stellen und seinen Platz auf dem Thron einzunehmen …

Eigene Meinung:
„Captive Prince“ startete zunächst in C.S. Pacats Blog als fortlaufende Geschichte. Aufgrund der steigenden Fanzahlen und des positiven Feedbacks, die die Autorin im Laufe der Zeit erhielt, erschienen 2013 die ersten beiden Bände der geplanten Trilogie im Eigenverlag als eBook und Taschenbuch. Trotz vorheriger Online-Veröffentlichung, wurden die Bücher rasch als Geheimtipp gehandelt, was im Frühjahr 2013 das Interesse einiger Agenten und Verlage nach sich zog und schließlich darin endete, dass Penguin Books sich die Rechte an der Trilogie sicherte. Zudem wurden die Rechte der Serie weltweit verkauft – in Deutschland erschien nun „Der verschollene Prinz“ bei Heyne, „Duell der Prinzen“ soll im Januar 2016 auf den Markt kommen. Für englischsprachige Fans ist das Finale für den 02.02.2016 angekündigt.

Die Geschichte ist von Anfang an spannend, startet die Autorin doch direkt im Geschehen und fesselt den Leser so bereits auf den ersten Seiten. In einigen Punkten erinnert „Der verschollene Prinz“ ein wenig an „Staub und Stolz“ von Cecil Dewi, wobei hier durchaus etliche Unterschiede zwischen den Büchern existieren. Zu Beginn verwirren die vielen fremd klingenden Namen und Länder, obwohl die Autorin im Vorfeld alle wichtigen Figuren kurz vorstellt, doch mit der Zeit gewöhnt man sich an die vielen schillernden Persönlichkeiten und die Fantasyländer Vere und Akielos, die so unterschiedlich sind, wie Tag und Nacht.

C.S. Pacat hat eine durchaus interessante Welt erschaffen (von der ich mir durchaus eine Landkarte gewünscht hätte), die im Großen und Ganzen logisch und in sich schlüssig ist. Lediglich an einigen Stellen (insbesondere das Pet-System in Vere, das nur gleichgeschlechtliche Paare erlaubt – ein Bestandteil der Handlung, der in der deutschen Ausgabe nahezu komplett verloren geht) wirken die Erklärungen ein wenig schwammig und inkonsistent oder es mangelt schlicht und ergreifend an weiterführenden Informationen. Das mag durchaus daran liegen, dass alles aus Damens Sicht erzählt wird, und dieser dank seiner Gefangenschaft im königlichen Palast in Vere, nur wenig von der Außenwelt mitbekommt, aber mit der Zeit ermüden die wiederholenden Beschreibungen des Zimmers und seiner Umgebung. Einzig die vielen Intrigen zwischen Laurent und seinem Onkel, die mit der Zeit wie ein kompliziert aufgebautes Schachspiel anmuten und sich Damen und dem Leser in ihrer Komplexität erst nach und nach präsentieren, sorgen für Spannung und Dynamik. Sie machen die große Stärke des Buches aus. C.S. Pacat versteht es gekonnt mittels Dialogen und kleinen Hinweisen Spannung aufzubauen und erst im Laufe der Zeit die einzelnen Figuren und deren Beweggründe zu enthüllen. Damen, der eine wesentlich einfachere und ehrlichere Lebensweise gewohnt ist, fällt es natürlich schwer, durch dieses Geflecht zu sehen und wird schnell zu einer Schachfigur, die sich erst zum Ende hin befreien kann, wenngleich er damit unfreiwillig seinen Platz an Laurents Seite festigt.

Positiv sei an dieser Stelle hervorzuheben, dass C.S. Pacat weitestgehend auf erotische Szenen verzichtet. Die Autorin spielt zwar mit Klischees des Genres (was vielleicht daran liegt, dass sie aus dem Fanfiction-Bereich kommt), nutzt diese jedoch für unerwartete Wendungen in der Handlung, anstatt flachen Sexszenen. Es gibt zwar einige kurze Sequenzen, doch diese werden glücklicherweise nicht ausgedehnt oder gar romantisiert. Genau das findet man in „Der verschollene Prinz“ nämlich nicht – Romantik und Liebe. Es mag sich bei C.S. Pacats Roman um ein homoerotisches Werk handeln, doch die Autorin konzentriert sich glücklicherweise komplett auf die Intrigen und die Interaktionen zwischen Damen und Laurent. Dabei ist auf keiner Seite wirklich Liebe im Spiel – Damen bevorzugt Frauen und nimmt nur selten Männer mit ins Bett, Laurent wirkt vollkommen asexuell. Wer also auf einen Vertreter des boomenden Gay Romance Genre hofft, wird enttäuscht. „Der verschollene Prinz“ ist intrigenreiches High Fantasy, bei dem zumindest im ersten Band keine Liebesgeschichte vorkommt. Dafür nimmt sich die Autorin Zeit für ihre Figuren. Die Beziehung zwischen Damen und Laurent entwickelt sich sehr langsam, nachvollziehbar und glaubhaft, was am Ende des ersten Bandes in widerwilligem Respekt füreinander und einen Anflug von Vertrauen endet.

Neben der intrigenreichen, komplexen Geschichte können auch die Figuren überzeugen. Damen ist ein sympathischer Held, der mehr als einmal aufgrund seines Stolzes und seiner hitzigen Natur in Schwierigkeiten gerät. Man kann seine Gedanken und Gefühle sehr gut nachempfinden, insbesondere da er eher ein Kämpfer ist und höfischen Gepflogenheiten (gerade die elitäre, gehobene Art der Vere) nur wenig abgewinnen kann. Das bedeutet nicht, dass er sich rein auf seine körperlichen Attribute verlässt – Damen weiß durchaus zu reden, ist diplomatisch und versucht das Beste aus einer Situation zu gewinnen.
Ihm entgegen steht Laurent, der kühle, undurchsichtige und strenge Thronanwärter Veres, der die Menschen Akielos’ mehr als alles andere hasst. Seine Beweggründe und Gedanken bleiben dem Leser verborgen, da Damen den jungen Mann nur schwer begreifen kann. Erst im Laufe der Geschichte rückt Laurent ein wenig mehr in den Fokus und mausert sich nach und nach durch seine geschickten Intrigenspiele und seine diplomatischen Fähigkeiten zu einem extrem interessanten Charakter. Er ist der ideale Gegenpart zu Damen und in gewisser Weise ergänzen sie sich.
Auch die übrigen Charaktere sind gut durchdacht und keinesfalls blass. Veres aktueller Herrscher ist ein faszinierender Charakter – nach außen hin freundlich und wohlmeinend, aber ebenfalls ein Meister des Intrigenspiels und (wie Damen erst spät feststellt) bei weitem nicht so nett, wie er vorgibt. Nicaise, der junge Pet des Herrschers weiß ebenfalls zu überzeugen und sorgt in vielen Szenen für Spannung und Action. Zusammen mit den Wachen, einigen Sklaven und Pets, die Damen im Laufe der Zeit kennenlernt, ergibt sich eine schöne Mischung unterschiedlicher Figuren, die Damen und Laurent einen passenden Rahmen verleihen.

Wer das englischsprachige Original kennt, weiß, dass C.S. Pacat einen schönen, leicht lesbaren Schreibstil hat, an den man sich jedoch zu Beginn erst gewöhnen muss. Sie hat einen Hang für schwierige Worte und Begriffe, die gerade deutschen Lesern ein wenig mehr abverlangen, um der Geschichte zu folgen. Das fällt besonders in den Dialogen auf oder wenn die einzelnen Intrigen aufgeschlüsselt werden. Dennoch möchte ich an dieser Stelle jedem die englische Edition von „Captive Prince“ ans Herz legen. Denn leider muss ich an dieser Stelle anfügen, dass die deutsche Übersetzung C.S. Pacats feinem, sinnlichen Stil überhaupt nicht gerecht wird. Die Ausgabe von Heyne strotzt vor modernen Begriffen, platten Dialogen und unpassenden Begriffen, so dass die Atmosphäre des Originals fast vollständig zerstört wird. Es ist äußerst schade, dass diese tolle Geschichte eine solch schluderige Übersetzung erhalten hat, die weder zu „Captive Prince“ noch zu einem High Fantasy passt.

Fazit:
Mit „Der verschollene Prinz“ legt C.S. Pacat einen spannenden, gut durchdachten Start der „Captive Prince“ Trilogie vor, der Lust auf mehr macht. Sowohl die facettenreiche Geschichte, als auch die interessanten Figuren und die Fantasyreiche Akielos und Vere können überzeugen und geben den perfekten Rahmen für einen High Fantasy Roman, in dem er nicht um Kriege und Weltenrettung geht, sondern um Intrigen und Machtspiele. Lediglich die deutsche Übersetzung sorgt dafür, dass ich diesem Buch (das im Original von mir 5 Sterne erhalten hat) lediglich schwache 4 Sterne geben kann. Wer „Staub und Stolz“ mochte und wer nach guter homoerotischer High Fantasy sucht, in der es nicht um Beziehungskisten und erotische Liebesabenteuer geht, sollte sich daher die Originalausgabe zulegen – die deutsche Version enttäuscht leider auf ganzer Linie. Schade.

Die Rezension zu „Captive Prince 1“ (englisches Original) kann man hier nachlesen.

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[ROMAN] Die Brüder von Jan Guillou

Autor: Jan Guillou
Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3453268401
Preis: 19,99 EUR

Story:
Obwohl es Sverre schwer fällt und er sich wie ein Verräter vorkommt, folgt er nach seinem Studium in Dresden seiner großen Liebe – Albert Manningham – nach England, anstatt an der Seite seiner Brüder Lauritz und Oscar am größten Brückenbauprojekt Norwegens mitzuwirken. Dort entpuppt sich Albie allerdings nicht als kleiner Landadeliger, sondern als Earl, dem ei großen Anwesen gehört und der als Stammhalter der Familie gilt. Nichtsdestotrotz findet er sich schnell in seinem neuen Leben zurecht, findet Freunde (u.a. Alberts Schwester Margie) und entdeckt die Malerei für sich. An Alberts Seite, der ihn zumeist als Kompagnon ausgibt, um einen Skandal abzuwenden, vertieft er sich in die Malerei, lernt weitere Künstler und Freidenker kennen und schließt sogar mit seiner Vergangenheit Frieden, als er seine Heimat besucht. Doch die Vorboten des ersten Weltkriegs werfen ihren Schatten voraus und plötzlich steht für Albie und Sverre mehr auf dem Spiel als ihre geheime Liebe zueinander …

Eigene Meinung:
„Die Brüder“, der in Schweden unter dem Titel „Dandy“ erschien, ist der zweite Roman der „Großen Jahrhundert“ Reihe des Autoren Jan Guillou. Während der Leser im ersten Band („Die Brückenbauer“ – die Rezension von mir findet ihr auf Splashbooks) Sverres ältere Brüder Lauritz und Oscar kennenlernte und ihren Weg durch das beginnende 20. Jahrhundert mitverfolgen konnte, erfährt man in „Die Brüder“ endlich, was aus dem dritten Bruder wurde. Trotz der Zusammengehörigkeit zu „Die Brückenbauer“ kann man den vorliegenden Roman auch separat lesen, da keinerlei größeren Vorkenntnisse vonnöten sind, um der Handlung zu folgen. Um alle Hinweise und Zusammenhänge zu verstehen, empfiehlt es sich jedoch den ersten Band zu lesen.

Inhaltlich bewegt sich Jan Guillou in denselben Bahnen wie bei „Die Brückenbauer“. Es werden rund 20 Jahre (1900 – 1919) beleuchtet, konzentriert auf Sverres Leben und seine Sichtweise. Hin und wieder spielt auch Alberts Blickwinkel mit hinein, doch dies ist auf den Anfang beschränkt, wenn der Autor die Hintergründe der Beziehung zwischen Sverre und Albert erklärt. Spätestens nach dem ersten Drittel geht dem Roman jedoch spürbar die Luft aus. Während man bei „Die Brückenbauer“ von dem anstrengenden Brückenbau im hohen Norden und dem gefährlichen, wilden Leben in Afrika mitgerissen wurde, plätschert die Handlung in „Die Brüder“ ein wenig unmotiviert vor sich hin. Hier ein längerer Ausblick in die englische Gesellschaft, da eine ausufernde Auseinandersetzung mit der Kunst, der sich Sverre mehr und mehr verschreibt. Dementsprechend bleiben die technischen Beschreibungen und die Hintergründe des Fortschritts weitestgehend auf der Strecke, was dem Buch einen Großteil seiner Würze nimmt. Hätte sich Jan Guillou stärker auf die Beziehung zwischen Albert und Sverre konzentriert, auf die Probleme und Schwierigkeiten, die ihre Liebe in den Jahren nach der Oscar Wilde Affäre mit sich bringt, wäre „Die Brüder“ durchweg spannenden und interessanter gewesen. Leider geht der Autor kaum auf die vielen Punkte ein, die inhaltlich genug Stoff Spannung, Gesellschaftskritik und einen wirklichen Handlungsbogen liefern. Nahezu alle Passagen, die tiefer gehen und auch den Figuren mehr Leben einhauchen könnten, werden eher mittels Rückblenden erzählt (z.B. Alberts Affäre mit einem anderen Mann) oder im Nebensatz erwähnt. Dadurch nimmt Jan Guillou seinem Roman leider einiges an Fahrt.

Leider wirken auch die Charaktere blasser und aufgesetzter, als Oscar, Lauritz und Ingeborg in „Die Brückenbauer“. Das liegt vorwiegend daran, dass sich Jan Guillou davor scheut die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten tiefgängiger darzustellen und ihnen den passenden Rahmen zu geben. Egal wie viele Künstler und Freidenker mit Sverre und Albert befreundet sind und wie viele Gespräche es hinsichtlich freier Liebe gibt, die Beziehung zwischen Sverre und Albert wirkt nicht greifbar und kommt zumeist unglaubwürdig daher. Das liegt vor allem daran, dass sich der Autor davor scheut, die Liebe zwischen den Protagonisten und die daraus resultierenden Konflikte aktiv darzustellen. So kommen Szenen, in denen Albert und Sverre allein agieren müssen, sehr selten vor, so dass man als Leser nicht einmal das Gefühl einer verbotenen Liebe oder Beziehung zu haben. Sverre und Albert wirken eher wie enge Freunde, als wie Liebhaber.
Dafür können die Nebencharaktere durchaus punkten – allen voran Margie, die eine sehr starke, ungewöhnliche junge Frau ist und in ihrem Charakter stark an Ingeborg erinnert. Jan Guillou scheint eine Schwäche für derart starke Protagonistinnen zu haben, was dem Buch gut tut, denn Margie sorgt für ein bisschen Würze und Feuer. Auch der Freundeskreis um die beiden Hauptfiguren bietet dem Leser einige interessante Charaktere, teils sogar historische Persönlichkeiten, die jedoch nur am Rande erwähnt werden.

Stilistisch bleibt sich Jan Guillou treu und bietet gewohnt solide, aber auch nüchterne Kost, die auf allzu viele Schnörkel verzichtet. Sicherlich geht er hier und da ins Detail und lässt das beginnenden 20. Jahrhundert sehr authentisch und lebendig vor den Augen des Lesers auferstehen, doch es mangelt an Tiefgang. Das merkt man auch bei der sprachlichen Umsetzung des Romans, der sich zu oft an Kleinigkeiten aufhält und auf Dialoge verzichtet. Sicherlich merkt man wie umfangreich der Autor recherchiert hat und wie historisch genau „Die Brüder“ geworden ist, doch das ersetzt leider nicht die mangelnde Charakternähe und die fehlende Spannung. Es ist schade, dass sich Jan Guillou wenig mit seinen homosexuellen Hauptfiguren beschäftigt hat, wo er den historischen Hintergründen und Ereignisse solch große Beachtung geschenkt hat.

Fazit:
Mit „Die Brüder“ setzt Jan Guillou seine Trilogie „Das große Jahrhundert“ fort und beleuchtet den Weg, den der jüngste Bruder der Lauritzen Familie eingeschlagen hat. Leider gelingt es ihm bei weitem nicht die Geschichte um Sverre und dessen Liebhaber Albert überzeugend und tiefgründig darzustellen und „Die Brückenbauer“ in derselben Qualität fortzuführen, wie man als Fan des ersten Bandes gehofft hat. Dafür bleiben sowohl die Figuren als auch die Handlung zu oberflächlich und verlieren sich zu häufig in nichtssagenden Episoden und unwichtigem Beiwerk. Schade – hier hätte man mehr herausholen können, denn allein die (für diese Zeit) problematisch Beziehung bietet genügend Platz für Spannung und Dynamik.

Wer wissen will, was im ersten Band er Trilogie verschwiegen wurde, sprich wie es Sverre ergangen ist, wird um „Die Brüder“ nicht herumkommen – ein solch gelungenes, historisches Werk wie „Die Brückenbauer“ darf man jedoch nicht erwarten.

Diese Rezension erschien zuerst auf dem Rezensionsportal „Splashbooks„.

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