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[ZITATE-FREITAG] Failed 1 und 2

Hallo ihr Lieben,

wie bei jeder Special Week darf auch der Zitate-Freitag nicht fehlen – natürlich habe ich mir meine Lieblingsstellen aus „Failed“ 1 und 2 rausgesucht – gerne könnt ihr in den Kommentaren eure Lieblingspassagen posten. Ich bin gespannt.

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meine Rezension

„Ich bin erfreut, Sie kennenzulernen. Ich kenne Ihre Akte recht gut. Äußerst bemerkenswert für einen Kategorie Drei-Wandler. Beeindruckend, wie Sie den Einsatz in Bolivien damals erledigt haben. Respekt. Ebenso den in Mexiko. Dank der Informationen, die Sie uns beschafft haben, konnten wir die ganze Drogenbande auf einmal auffliegen lassen. Oh, und ich bedauere, was mit Ihrem Partner geschehen ist. Unschön, wenn dergleichen passiert.“

Arschloch! Musste er das zur Sprache bringen? Louis zwang sich zu einem unverbindlichen Lächeln, spürte, wie die Gesichtszüge einfroren.

„Ja, in der Tat war es sehr unschön, zusehen zu müssen, wie er von einem Wandler ohne jedes bisschen Selbstdisziplin zerfleischt wurde, der dann auch noch auf Bewährung freikam“, rutschte es Louis zischend heraus. Scheiß drauf, er konnte dabei seinen Mund einfach nicht halten.

„Failed 1“, S. 13 (c) Chris P. Rolls

„Willkommen bei ‚Failed‘.“

„‘Failed‘?“

„Jepp, das sind wir: Die Misslungenen.“ Jamie kniff ein Auge zu, legte den Kopf schief und musterte Cosmo. „Hast du es ihm noch nicht gesagt?“

„Ich glaube, er hat mir vieles noch nicht gesagt“, warf Louis ein, kurz bevor Cosmo ein entschuldigend klingendes: „Nein, war noch nicht der richtige Moment“, hervorbrachte.

„Ach, sag nicht, Cosmo, du denkst, der kleine Hasi verpisst sich gleich wieder vor Schreck?“ Carlos rollte auf seinem Stuhl zum nächsten Tisch, von dem ein Summen erklang, drückte ein paar Tasten und das Summen erlosch.

„Solange er uns keine Hasenköttel in den Ecken dalässt …“, brummte Jamie, leckte sich über die Lippen und schnappte sich ein Handtuch aus dem wilden Chaos auf einem anderen Tisch.

„Für gewöhnlich bin ich stubenrein, also, was hat das zu bedeuten?“

„Failed 1“, S. 47 (c) Chris P. Rolls

„Zeit für euren ersten Einsatz“, verkündete Trevorian in der zweiten Woche, instruierte Cosmo und ihn. Es ging darum, sich auf das Gelände und in das Gebäude von ‚Better Life‛ zu schleichen und herauszufinden, wo Dr. Quintus sich gerade aufhielt. Er schien der Kern- und Angelpunkt zu sein. Wenn sie seinen Aufenthaltsort wussten, dann ließ sich auch herausfinden, wie weit das Serum gediehen war und wie es zum Einsatz kam. Kursierende Gerüchte, dass es bereits auf dem Schwarzmarkt der Syndikate und Drogenbosse erhältlich war, ließen sich bisher jedoch nicht bestätigen. Stattdessen tauchten weitere Fälle von Wandlern auf, die in ihrer Wandlung gefangen waren.

„Irgendjemand stellt das Serum her und testet es“, vermutete Trevorian. „Wenn es Dr. Quintus zusammen mit Goodman ist, müssen wir sie ins Visier nehmen. Der letzte Fall betraf einen Agenten, der in einem russischen Syndikat eingesetzt war. Es besteht daher der Verdacht, dass das Zeugs bereits zum Einsatz kommt. Versucht, in das Gebäude zu kommen und mehr herauszufinden. Wir wissen nicht, wer von der Firma alles involviert ist. Das Gebäude wird nicht besonders gesichert. Ein hoher Maschendrahtzaun umgibt das Außengelände und den Forschungstrakt. Das Bürogebäude ist praktisch ungesichert, der Forschungstrakt jedoch besser.“

„Failed 1“, S. 96-97 (c) Chris P. Rolls

„Ich würde es mir nie verzeihen, wenn dir etwas passieren würde“, murmelte Cosmo plötzlich so leise, dass es fast ein Wispern war. Etwas berührte Louis’ Nacken, federleicht, warm und ein wenig feucht. War das ein Kuss? Bildete er sich das gerade ein? Schauder jagten über seinen Rücken, Gänsehaut überzog die Arme und ihm entkam ein Keuchen.

„Hast du …?“, brachte er völlig perplex hervor, wandte sich um, bedauerte sogleich den Verlust der warmen Berührung. „Hast du mich gerade geküsst?“

Cosmos Zungenspitze blitzte, er fuhr sich verlegen über die Lippen, die rechte Hand wühlte sich in seine Haare. „Also eigentlich war es eher geschnäbelt“, nuschelte er, senkte den Blick und wirkte wie ein bei einem Streich ertappter Junge.

„Geschnäbelt?“ Entgeistert starrte Louis ihn an, wusste nicht, was er fühlen oder denken sollte. Das war ein Kuss gewesen. Eindeutig. Cosmo hatte ihn geküsst. „Also für mich fühlte es sich wie ein verdammter Kuss an!“

„Failed 1“, S. 152-153 (c) Chris P. Rolls

„Bist du okay?“ Wie besorgt, wie süß unsicher das klang. Mühevoll drehte Louis den Kopf, während Finger seinen Nacken berührten, die Haare zur Seite strichen, seine Wange liebkosten. „Keine Ahnung. Ich habe das Gefühl, als ob du mich durch die Matratze bis in die unterste Wohnung genagelt hättest.“

„Sorry. Es ist … wohl etwas mit mir … durchgegangen. Du warst so scharf, ich …“ Es klang bedrückt und verschämt, die Finger fuhren über seine Lippen, ein Kuss landete auf der Stirn, dann zog ihn Cosmo an sich, schlang die Arme um ihn und wisperte: „Ich habe ein wenig die Kontrolle verloren.“

„Büffel! Eindeutig bist du ein Büffel“, murmelte Louis und es klang so zärtlich liebevoll, wie er es meinte. „Und du darfst mich auch ‚Hasi’ nennen. Ab und an.“

„Failed 1“, S. 191 (c) Chris P. Rolls

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meine Rezension

„Schon was von unserem Sklaventreiber gehört?“

Herman reagierte zunächst nicht, fummelte mit einer winzigen Zange herum, ehe er diese seufzend beiseitelegte, die Brille hochschob und Louis mit einem deutlich genervten Blick musterte.

„Trevor wird sich schon melden, wenn er wieder im Land ist. Oder auch nicht. Sag bloß, du vermisst ihn?“

„Nicht direkt, aber die Luft hier drinnen wird durch eure Fürze nicht gerade besser. Geht ihr nie raus? Mir steht der Sinn gerade sehr nach einem Ausflug in den Osten. Sollen ja faszinierende Länder sein.“

„Ah, die Sache mit den Säuberungsaktionen reizt dich.“ Nickend rieb sich Herman über den tätowierten Nacken, machte sich nebenbei ein paar Notizen. Es war nicht übermäßig warm in der Basis, Herman trug jedoch meist ein Muskelshirt. Das brachte seine Tätowierungen gut hervor, täuschte jedoch nicht darüber hinweg, dass es nicht viel an Muskeln gab. „Gut möglich, dass Trevor da bereits dran ist und euch einsetzt, sobald es ein konkretes Ziel gibt. Vielleicht will er dir auch einfach mehr Zeit geben, dein Duotier zu trainieren.“

„Failed 2“, 10% (c) Chris P. Rolls

„Sehr gut. Das gesamte Team von Failed ist also vollzählig. Wenn ihr diese Botschaft seht, wurde also ein Code Fünf ausgelöst. Das System hat bereits einen vollständigen Neustart absolviert. Alle relevanten Daten sind dabei natürlich erhalten geblieben. Wie ich sehe, habt ihr herausgefunden, wie ihr Zugang bekommt. Diese Botschaft bedeutet auch, dass ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben bin, denn ein Code Fünf wird nur in dem Fall ausgelöst, wenn ich fünf Tage lang keinen entsprechenden Code in mein Handy, und damit in unser System, eingebe.

In diesem Fall ist vorgesehen, dass die Leitung von Failed vorübergehend an einen von euch übertragen wird, bis alles geregelt wurde. Wie ihr sehen könnt, läuft dort unten ein Timer. Nach einer Woche wird automatisch das Notfallprogramm der Shifter Force gestartet werden. Dieses sieht in einem solchen Fall die totale Löschung von Failed vor. Das gesamte System wird sich im Zuge dessen selbst vernichten. Selbstverständlich wurde für jedes Teammitglied vorgesorgt: Eure bisherigen Identitäten werden vollständig eliminiert, ihr erhaltet umgehend neue. Jeder von euch wird zudem ein spezielles Geheimkonto zugewiesen bekommen, auf dem ihr eure finanzielle Absicherung für die Zukunft finden werdet. Failed wird es damit nicht länger geben und sämtliche Spuren dazu werden verschwinden. Wir haben nie existiert. Ich bedanke mich bei jedem von euch für die gute Arbeit und bedauere, dass sie nicht länger anhalten konnte.“

„Failed 2“, 21% (c) Chris P. Rolls

„Das ist Merle“, stellte Louis sie den anderen vor, die neugierig einen Halbkreis bildeten. Mit einem Satz sprang die Amsel aus dem Käfig und auf seine Schulter, gab einen überaus verblüfft klingenden Laut von sich, während sie die Umgebung scannte. Noch einmal schaute sie sich um, dann flatterte sie los, umkreiste aufgeregt zwitschernd einmal den Raum und ließ sich auf der Stuhllehne neben Louis nieder.

„Ein Rabe?“ Jamie kratzte sich am Hinterkopf. „Kann man dem denn trauen?“

Louis ahnte, was passieren würde, wich rasch zur Seite, spürte nur noch einen Luftzug. Ein kurzer, krächzender Laut erklang und gleich darauf stand ein dürrer, sehr hellhäutiger Mensch mit hüftlangen, pechschwarzen Haaren vor ihnen. Die Augen waren schwarzbraun, das Gesicht schmal und androgyn, die Nase, wie bei vielen Vogelwandlern, scharf geschnitten, jedoch mit einem weichen Kinn. Die flache Brust war glatt, wies direkt über dem Brustbein eine tätowierte Feder auf, die schmalen Schultern gingen in wenig bemuskelte Arme über. Schnaubend stemmte Merle die Hände in die Hüften.

„Rabe? Dir haben sie wohl ins Gehirn geschissen? Jeder Vollidiot kann doch wohl eine Amsel von einem Raben unterscheiden. Was bist du denn für ein weltfremder Trottel?“

„Er ist Amerikaner“, wandte Louis schmunzelnd ein, zuckte entschuldigend die Schultern.

„Ah. Mein Beileid. Die gucken ja bekanntlich nicht viel über ihren Tellerrand.“

„Failed 2“, 49% (c) Chris P. Rolls

In der kleinen Kuhle unter dem Felsvorsprung flach auf den Boden gepresst, drückte Louis die Nase fest gegen seine weichen Pfoten. Die Augen geschlossen, versuchte er ruhig und entspannt zu atmen, was angesichts seiner wilden Flucht alles andere als einfach war. Weit entfernt vernahm er das Geräusch von Schüssen, heftige Einschläge und Detonationen. Dabei konnte er nicht einmal sagen, ob diese von den unbekannten Angreifern oder einer der kämpfenden Militärfraktionen kamen. Oder wem der Einsatz galt.

Zu allen Göttern und Genetikern, die für Wandler und Konsorten verantwortlich waren, betete er, dass nichts davon mit Cosmo zusammenhing. Verdammt, er hätte umdrehen, sich vergewissern müssen, dass er entkommen war. Was, wenn er verletzt worden war? Oder gefangen? Und er war einfach abgehauen.

„Failed 2“, 63% (c) Chris P. Rolls

„Wie lautet dein Name? Cosmo?“, mischte sich nun Vlastimil ein und Louis beobachtete, wie Cosmos Körpersprache von irrsinniger Wut zu ultimativer Vorsicht wechselte. Klar, er erkannte auch sofort, dass dieser Mann äußerst gefährlich war. Stumm nickte er, der Unterkiefer mahlte.

„Korrekt.“ Was für eine Selbstbeherrschung. Louis war irre stolz auf ihn.

„Trevor Trevorian ist dein Ausbilder gewesen.“ Das war keine Frage, dennoch nickte Cosmo erneut. Wie skeptisch er dreinblickte, wie wachsam. Wenn es nicht so eine dumme, verfahrene Situation gewesen wäre, hätte Louis eine ganze Reihe kieksender Laute ausstoßen können, so begeistert war er von Cosmo.

„Sehr schön. Nun denn, um die Sache abzukürzen: Du hast exakt 48 Stunden Zeit, Trevorian für uns aufzuspüren“, übernahm Bronislav plötzlich und Louis vermeinte eine winzige unwillige Bewegung an Vlastimil wahrzunehmen. Der gab ungern die Kontrolle ab.

„Ich soll Trevor finden?“ Perplex starrte Cosmo in den Monitor. War das eine Schramme da oben an seiner Stirn? Hoffentlich war er nicht wirklich verletzt worden.

„Finden, ausschalten und uns seinen Kopf bringen. Mit dem Chip natürlich, damit wir sichergehen können, dass er es wirklich ist“, ergänzte Bronislav mit einem gehässigen Verziehen des Mundes, welches die nette Bezeichnung ‚Lächeln‘ nicht verdiente.

„Failed 2“, 73% (c) Chris P. Rolls

Ich euch gefallen die Zitate aus den beiden Büchern von „Failed“ und sie geben einen guten Einblick in die Geschichte. Schaut auch die kommenden Tage vorbei – denn wie bei jeder Special Week gibt es am Sonntag im Rahmen des Leseinterviews tolle Preise zu gewinnen – wer weiß, vielleicht ist da auch „Failed“ dabei 😉

Liebe Grüße,
Juliane

[CHARAKTERINTERVIEW] Louis und Cosmo aus „Failed“

Herzlich Willkommen zum Charakterinterview mit Louis und Cosmo aus „Failed“. Da das Interview ein wenig die Ereignisse auch Band 1 und 2 der Reihe spoilert, solltet ihr vorher die Romane gelesen haben. Es macht auf jeden Fall mehr Spaß, wenn man weiß, wovon die beiden sprechen und was an Insider-Informationen genannt wird. Zudem gibt es einen Ausblick auf den nächsten Teil der Reihe, der gerüchteweise im nächsten Frühjahr erscheinen soll. Und jetzt viel Spaß mit Cosmo und Louis, die ich im Oktober in Wiesbaden getroffen habe 😀

Es ist ein sonniger Nachmittag im Oktober, das Wetter ist angenehm warm und die Straßen der Wiesbadener Innenstadt sind gut gefüllt. Viele Menschen nutzen die sommerlichen Temperaturen für ausgedehnte Shoppingtouren, Treffen mit Freunden und Spaziergänge im nahen Kurpark. Auch das Maldaner, ein altes Traditions-Café, ist an diesem Samstag voll besetzt, doch Juliane hat einen Platz im hinteren Teil des Cafés reserviert und wartet dort auf ihre beiden Gäste. Neben ihr liegen ein Stift, ein Block und ein Diktiergerät. Gespannt behält sie den Eingang im Blick.

Zwei Männer nähern sich dem Café, schauen sich einmal sichernd um, eher der sie die Tür öffnen. Der breitschultrige Mann mit den surferblonden Haaren und der nahezu klischeehaft amerikanisch wirkenden Kleidung lässt den dunkelhaarigen, etwas kleineren Mann mit einem Augenzwinkern vor. Grüßend hebt dieser die Hand, als er Juliane entdeckt, schreitet zu ihrem Tisch.

„Hey, ich bin Louis. Der Cowboy da ist Cosmo.“ Louis zieht sich einen Stuhl heran und lässt sich fallen, während Cosmo Juliane die Hand reicht.

„Hallo Juliane, schön dich zu sehen.“

Juliane ergreift die Hand und nickt ihm zu. „Ich freue mich auch sehr.“ Sie deutet auf die freien Stühle und fügt hinzu: „Setzt euch. Oder wollt ihr etwas essen? Hier bestellt man Kuchen und Leckereien direkt an der Theke, an der ihr vorbeigekommen seid.“ Sie deutet lächelnd Richtung der langen Kuchentheke, in der an die dreißig verschiedene Torten, Kuchen und Stückchen auf hungrige Kunden warten. „Sie sind alle sehr zu empfehlen.“

„Oh ja gerne. Soll ich dir was mitbringen, Louis?“, fragt Cosmo, wirft einen sehnsüchtig hungrigen Blick auf die Köstlichkeiten.

„Jepp, alles, nur ja keinen Möhrenkuchen.“ Drohend bewegt Louis den Zeigefinger, schaut sich noch einmal im Café um Sein Blick ruht sorgfältig auf jedem der Anwesenden, ehe er sich wieder Juliane zuwendet. „Also du willst uns Fragen stellen? Dir ist schon klar, dass wir nicht alle beantworten können? Geheimhaltungdings und so.“

„Ist mir schon klar, aber ich bin neugierig und einige andere auch.“ Sie sieht zu Cosmo. „Wenn du für mich Sacher bestellen könntest, wäre das toll – die ist hier ganz besonders gut. Du musst nur der Verkaufskraft Bescheid geben, die gibt dir einen Bestellzettel mit, den du dem Kellner reichst. Der bringt dann unsere Kuchen.“

Sie beobachtet Louis und greift nach ihrem Stift. „Fangen wir direkt an, ich denke ihr habt nur begrenzt viel Zeit mitgebracht: Wie ist es euch seit dem letzten großen Abenteuer ergangen? Ihr hattet ja viel zu tun, als Trevorian verschwunden war?“

Louis schnaubt, leckt sich mit einem leicht anzüglichen Lächeln über die Lippen, während er Cosmo hinterherschaut, der mit sichtlicher Begeisterung die Theke abschreitet.

„Och ja, der Kojote. Das war ein harter Job. Unter uns: Von mir aus könnte er wieder verschwinden. Mann, gleich wieder volles Trainingsprogramm. Der Typ kennt keine Gnade, mir tun schon wieder alle Muskeln weh.“

Mit einem selig wirkenden Lächeln kehrt Cosmo zurück. „Die haben Lübecker Nusstorte! Und Schwarzwälder Kirsch. Und etwas, das einen flüssigen Schokokern hat, und …“

„Und du hast von jedem davon ein Stück bestellt? Oh Mann, Cosmo.“ Louis stöhnt, legt den Kopf schief. „Und was bekomme ich?“

„Hasentorte. Ja, die hatte so niedliche kleine Zuckerdinger oben drauf.“ Breit grinsend lässt sich Cosmo am Tisch nieder.

„Er hasst es, wenn man ihn Ha…“

Maldaner Wiesbaden

„Cosmo! Wehe!“ Grollend stößt Louis ihn gegen das Bein. „Will sie gar nicht wissen. Will niemand wissen. Also, zurück zu den Fragen.“

„Tut euch keinen Zwang an – ich bin im Bilder“, erwidert Juliane grinsend. „Ihr seid also schon wieder im Stress. Steht denn schon ein neuer Auftrag …“ Sie unterbricht sich, als der Kellner vorbeisteuert, um Kaffee zu ordern und die Kuchenzettel abzugeben. „Was wollt ihr?“

„Eine Schokolade bitte“, ordert Cosmo.

„Latte für mich“, fügt Louis hinzu, lehnt sich zurück, zieht die Stirn etwas in Falten. „Hm, weiß nicht, ob ich darüber was sagen darf. Nur so viel: Scheint so, als ob in den Karpaten ein paar Werwölfe gesehen worden sind. Der Sache werden wir wohl mal nachgehen müssen.“

„Oh, das klingt spannend. Werdet nur ihr beide unterwegs sein, oder verlassen eure Kollegen von Failed auch mal die Basis? Bisher sind die ja eher … ortsgebunden.“ Sie grinst die beiden an. Als der Kellner die Kuchen bringt, räumt sie eilig ihre Sachen beiseite, damit genug Platz ist, obwohl es durch die Großbestellung von Cosmo sehr eng wird.

Louis in Hasenform

„Du hast ziemlich viele Infos.“ Etwas skeptisch beäugt Louis Juliane, streift Cosmo mit einem eher zärtlichen Blick, der verzückt das erste Tortenstück heranzieht. Mit Genießermiene drückt er die Gabel langsam durch die sahnigen Lagen nach unten und führt das Stück mit sichtlichem Vergnügen in den Mund. Louis seufzt.

„Nun ja, ein paar unserer Teammitglieder haben noch Anpassungsschwierigkeiten an die Welt der Normalos. Meistens sind Cosmo und ich halt der Stoßtruppe, die anderen unser Backup.“

„Köstlich“, nuschelt Cosmo mit vollem Mund. „Total lecker.“

Juliane überlegt, ob sie von den Büchern berichten soll, die jemand über die Abenteuer der Gruppe verfasst, entscheidet sich jedoch dafür, erstmal abzuwarten.

„Ja, ich hab da so ein paar Quellen … ansonsten wäre es ja auch schwierig, euch zu interviewen. Es sei denn ihr wollt, dass ich euch über eure Beziehung ausquetsche. Das kann ich gerne machen.“ Sie setzt ein breites Grinsen auf und widmet sich ihrem Stück Sacher. „Aber ich warne vor … ich kann da sehr neugierig sein.“

„Also was in unserem Bett passiert, geht ganz sicher niemand anderen etwas an“, schnaubt Louis, probiert sein Kuchenstück. „Gibt es echt Leute, die das interessiert, was zwei schwule Männer so treiben? Dann schaut euch einen Porno an.“

„Ich habe mir ein paar angesehen“, fügte Cosmo hinzu, wischt sich mit dem Daumen etwas Sahne von der Oberlippe, zwinkert Louis zu. „Natürlich nur zur Recherche. Aber ein paar Sachen davon, waren gar nicht so toll und verdammt schwer nachzumachen. Jamie meinte, die wären nur geübter als wir.“

„Jamie ist ja auch voll der Pornoexperte. viel Theorie, null Praxis. Hoffen wir mal, dass Hermans Wunderpille ihm da zu mehr verhilft.“ Irritiert unterbricht Louis sich, zuckt die Schultern. „Ich gehe dann mal davon aus, dass du das Team im Wesentlichen kennst?“

„Ja, da weiß ich in groben Zügen Bescheid. Und das gibt mir auch die perfekte Überleitung zur nächsten Frage. Ihr als Duo- oder Multiwandler seid ja in gewisser Weise etwas Besonderes … habt ihr inzwischen von weiteren Wandlern gehört, die mehr als eine Form annehmen können? Oder seid ihr da wirklich die Einzigen?“

Nun furcht sich Louis Stirn und er beugt sich vor, die Gabel schwebt über dem Kuchen. „Hat Trevor dir all diese Infos gegeben? Die sollte niemand außerhalb des Team haben!“

„Cool, Louis. Trevor meinte, sie ist okay, wir können ihre Fragen beantworten. Ja, es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es weitere Duowandler gibt. Hermann könnte dir die genaue Wahrscheinlichkeit nennen. Merle hat allerdings sämtliche Daten der Shifter Force abgeglichen und kein DNA-Profil versprach dahingehend Erfolg. Allerdings gibt es eben auch die Dark Shifter. Viele sind nie registriert worden, leben unerkannt unter den Normalos.“

„Genau das vermuten wir auch bei dem Fall der Werwölfe in den Karpaten. Da hat sich einer der Fleischfresser mal wieder nicht im Griff. Diese Wolfswandler halten sich immer für was Besseres, die Elite der Wandler sozusagen. Dabei denken die vor allem mit ihrem Magen, das Gehirn ist zu klein dazu.“ Schnaubend schaufelt Louis die Torte in den Mund.

Juliane sieht kurz zu Cosmo, ob diese Worte ihn irgendwie treffen. „Ich bin gespannt – und du musst dir keine Gedanken machen. Mit Trevor ist alles abgesprochen – ich darf euch auch über Interna löchern.“ Sie nagt an ihrem Stift und überlegt. „Also werdet ihr in nächster Zeit wieder viel unterwegs sein. Denkst du, dieser Auftrag wird besonders schwierig für dich, Louis? Wie ist es überhaupt, als … Kaninchen gegen so viele Fleischfresser anzutreten?“

„Na einer muss denen ja mal zeigen, wo der Hase längs läuft oder?“ Louis lacht, wischt Cosmo ein wenig Sahne vom Kinn. „Schwierig? Hm, also es war auf der Akademie verdammt hart. Dämliche Sprüche jeden Tag, keiner hat dir was zugetraut und ständig hieß es: Kategorie Dreier könenn dies nicht, können das nicht, sollten dies nicht machen. Pah!“

„Er hat es ihnen allen gezeigt“, sagt Cosmo stolz, ist bereits beim dritten Tortenstück angelangt. „Diese Satndesdünkel herrschen nach wie vor. Vorurteile bauen sich nicht so schnell ab. Ich gestehe, mir war vorher auch nicht klar, wieviel der Arbeit der Shifter Force von Zweier oder Dreiern erledigt wird. Ohne sie wären die Einser nciht in der Lage, ihre Aufträge auszuführen.“

„Bis das in die Köpfe dieser sturen Typen ganz oben geht, vergeht aber todsicher noch ein Jahrhundert“, ergänzt Louis. „da ist viel Auklärungsarbeit nötig, um zu zeigen, dass auch Kaninchen und andere Pflanzenfresser ihren Platz in der Geschichte bekommen.“

„Hast du jemals von anderen Driern gehört, die eine ähnliche Position haben wie du, sprich die es mit Einers und Zweiern aufnehmen können?“ Juliane beugt sich neugierig vor.“

„Natürlich nicht. Louis ist einmalig“, wirft Cosmo ein. „Also andere hätten sicher die Chance, nachdem er mit gutem Beispiel vorangegangen ist, aber Louis ist eben … Louis. Der hat Biss.“

„Schmeichler.“ Louis winkt ab. „Nein, bisher hat es keiner durch die Akademie geschafft. Handlangerjobs sind drin, aber einen aktiven Agentenjob wie ich bei Failed, davon träumt der Rest der Dreier sicher noch. Ohne den Kojoten und diesen kuchensüchtigen Adler hier, säße ich wohl auch noch im Büro eines Schafes fest.“

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass du schnell wieder in den aktiven Dienst gewechselt wärst. Darf man dich eigentlich auch was Privates fragen, Louis? Ich denke viele meiner Leser wollen wissen, wie deine Familie so aussieht – ich denke mal du hast recht viele Brüder und Schwestern, oder?“

„Wir Wandler verlieren den Status Mensch, wenn unsere Wandlungsfähigkeit entdeckt wird. Keine Ahnung, ob meine Eltern es nach mir Fehlschlag noch mal mit Nachwuchs probiert haben. Uns ist der Kontakt zu den Normalos strengstens verboten. Ich weiß nicht mal, wo sie leben. Eine echte Familie hatte ich nie.“

„Das ist bei uns eben so“, ergänzt Cosmo, legt seine Hand auf Louis, drückt sie einmal. Verlegen zieht Louis seine weg, lächelt etwas angestrengt und zuckt die Schultern.

„Habe ja jetzt Familie. Einen verrückten Haufen Wandler. Ein schräger Vogel, ein Grauhörnchen mit Potenzproblemen, einen einflossigen Hai und mein Adlerchen. Wahrscheinlich waren meine Eltern eh homophob. Die hätten das nie akzeptiert.“

Juliane verzieht bedauernd das Gesicht und schüttelt den Kopf. „Wirklich strenge Regeln. Ich finde es ziemlich hart, dass die Wandler alles zurücklassen müssen, sobald ihre Fähigkeit zutage tritt. Aber wenigstens habt ihr jetzt einander. Ich bin gespannt, wann ihr mal ein bisschen Frauenpower ins Team bekommt – von Merle mal abgesehen, seid ihr ja eher ein Männerhaufen.“

„Na stell dir mal vor, die Normalos wüssten von unserer Existenz! Nee, da kämen dann doch ganz seltsame Geschichten bei raus. Ist schon besser so“, meint Louis. „Oh ja, Merle. Sie ist was Besonders. Nicht nur ein scharfer Schnabel. Nein, ich glaube nicht, dass weitere ins Team kommen. Trevorian grollt nach wie vor, dass es Merle geschafft hat. aber er weiß ihre Fähigkeiten schon zu schätzen. er verrät es ihr nur nicht.“

„Eine Frau im Team könnte Jamie auch echt Probleme bereiten“, ergänzte Comso mit einem Augenzwinkern. „Also Merle, nimmt er da irgendwie nicht für voll, sie hat ihm wohl noch zu viele männliche Attribute.“

„Oh Mann, ein dauerwandelndes Pumahörnchen hat uns mitten in einer Ermittlung dann gerade noch gefehlt“, stöhnt Louis, schüttelt den Kopf. „Schätze mal, ist besser so.“

„Da könntet ihr recht haben, wobei ich davon ausgehe, dass er nun wirklich nicht auf alles weibliche anspringt, oder?“ Juliane schiebt ihren Teller beiseite und grübelt über die nächste Frage nach. „Wobei ihr mit Merle recht habt. Sie ist wirklich was Besonderes. Ich frage mich, ob das mit der Anpassung bei einem Wandler wirklich funktioniert. Ich meine, bei einem Menschen ist das schon ein ziemlich aufwendiges Ding, bei einem Wandler stell ich mir das extrem schwierig vor.“

„Tja, Hermann meint auch, das könnte Komplikationen geben. Bisher hat es noch keine Geschlechtsanpassung bei einem Wandler gegeben. Irgendeinen wissenschaftlichen Quatsch hat er dazu von sich gegeben.“ Nachdenklich reibt sich Louis über das Kinn.

„Die morphologische Fähigkeit könnte bei einer Anpassung in Konflikt geraten“, fügt Cosmo hilfsbereit ein. „Ihr Phänotyp ist eine männliche Amsel. Bei einer Anpassung könnte es sein, dass es in der anschließenden morphologischen Entwicklung zu Fehlinformationen kommt und sie …“

„Sie könnte ihre Wandlungsfähigkeit verlieren“, unterbricht ihn Louis. „Nix mehr Amsel. Nur menschliche Form. Oder … irgendwas dazwischen.“

„Genau. deswegen rät Herman bisher auch davon ab, erforscht das Problem aber weiter. “

„Interessant – das ist ja spannend. Und wie sieht es bei ihr aus? Wenn sie die Wahl hätte was würde sie machen?“

„Frag lieber nicht. sie reagiert da etwas empfindlich“, murmelte Louis. „Sie hofft einfach, dass Hermann was rausfindet, damit sie endlich Titten bekommen kann.“

„Okay, dann nerv ich damit nicht weiter. Wie sieht das eigentlich mit Homosexualität bei euch Wandlern aus? Ist das ebenso problematisch, wie bei den Menschen? Das hat sich zwar einiges gebessert, aber vielerorts ist das ja immer noch ein großen Problem?“

„Och, da sind die meisten Wandler den Normalos gleich. Wenigstens hat bei uns im Team damit keiner ein Problem. An der Akademie und auch danach war das anders“, erklärt Louis, hat auch sein Tortenstück endlich geschafft.

„Na, warum sollte das auch woanders anders sein“, murmelte Juliane. Sie macht sich einige Notizen auf dem Block und sieht dann zu Cosmo. „Wie ist es inzwischen dir ergangen? Hast du dich inzwischen an die Außenwelt gewöhnt? Du warst ja sehr lange fernab der Zivilisation.“

„Och, Louis hat mir schon viel gezeigt. Er ist ein wunderbarer Partner. Der beste, den man sich wünschen kann.“ Liebevoll schaut er Louis an, der auf seinem Stuhl etwas unruhig hin und her rutscht.

Cosmo – eine seiner vielen Formen

„Hör schon auf. Na, er stellt sich halt ab und an noch wie so ein dummer Amiboy an, aber im Großen und Ganzen ist er zivilisiert worden. Meistens sind wir ja eh mit einem Auftrag unterwegs.“

„Außer ihr gebt Interviews, wie? Wie viele haben euch denn schon befragt?“ Juliane winkt dem Kellner und bestellt sich einen weiteren Latte Macchiato. „Ach, was ich immer wissen wollte – welcher Wandler war das seltsamste, was ihr je gesehen habt? Gibt es auch Insektenwandler?“

„Das ist das erste. Wie eingangs schon erwähnt: Die Normalos sollen gar nicht wissen, dass es uns gibt. Also bis auf die Regierungschefs“, erklärte Louis, schüttelt den Kopf. „Nein, Insektenwandler sind nicht möglich. Herman kann dir mit vielen Fachbegriffen was an den Kopf werfen, die Quintessenz würde aber lauten: Weder Pflanzen noch Insekten sind möglich. Schau, du hast sicher in Biologie aufgepasst: Der Stammbaum der Evolution spaltet sich bei den Plattwürmern in höhere Lebewesen und Insekten“, erklärt Louis.

„Genaugenommen in Neumund- und Urmundtiere“, wirft Cosmo ein, grinst Louis breit an, der genervt die Augen verdreht.

„Jaja, Eliteklugscheißer. Also auf jeden Fall ist da irgendwo der Knackpunkt der Wandlergene. Eine Entwicklung in Richtung eines Wirbeltieres ist möglich, aber keine in die andere Richtung des Evolutionszweigs.“

„Ah, interessant – jetzt erfahre ich ja wirklich die großen Geheimnisse der Wandler.“ Sie nimmt ihren Latte entgegen und nickt dem Kellner zu. „Aus persönlichem Interesse – seid ihr schon mal einem Otterwandler begegnet. Ich gestehe, ich liebe Otter schon seitdem ich ein kleines Kind bin und bin einfach neugierig, ob ihr jemanden kennt, der sich in einen Otter verwandeln kann.“ Ihr Lächeln wirkt etwas nervös.

„Oh, dann solltest du Otto kennenlernen. Das ist ein Otterwandler. Und er hasst Wasser und Schwimmen.“ Louis lacht. „Aber sonst ist er ganz okay, ein bisschen verschroben vielleicht. Naja, man muss ihn halt nehmen wie er ist.“

„Von dem hast du noch nie was erzählt.“ Cosmos Augenbrauen wandern fragend nach oben.

„Weil er noch keine Rolle in unseren Ermittlungen gespielt hat und weil er eigentlich mit der Shifter Force nichts zu tun haben will. Du lernst ihn sicher noch kennen“, vertröstet Louis ihn. Etwas piepst und hastig zieht er sein Handy aus der Tasche.

Trevor

„Verdammt, ich wusste es. Der Kojote beordert uns zurück. Sachen packen und ab in den Flieger. Scheiße, ich wollte diese Nacht gerne im eigenen Bett pennen.“

„Wegen der Sache mit den Wölfen?“, erkundigt sich Cosmo besorgt, winkt bereits den Kellner heran und wiegelt ab, als Juliane bezahlen will.

„Geht auf Spesen der Shifter Force.“

„Schade, dass ihr schon aufbrechen müsst, aber mit Trevor will ich mich lieber nicht anlegen. Dabei wollte ich euch noch ein tolles Lokal hier empfehlen, die extrem leckere vegetarische Fritten aus Karotten haben.“ Sie zwinkert Louis zu und steckt ihr Geld weg. „Danke, Cosmo.“ Sie wartet ab, bis der Kellner wieder weg ist und die ersten Teller mitgenommen hat.  „Auf Otto freue ich mich – ich muss mich mal umhören, ob ich den nicht zu einem Interview bekomme. Aber wasserscheu? Naja, Otter sind ja alle wasserscheu, wenn sie auf die Welt kommen.“

„Otto könnte bald wichtig werden“, meint Louis geheimnisvoll, erhebt sich, beugt sich vor und wirft einen nachdenklichen Blick auf Julianes Notizen. „Also nur so als Tipp: Wäre vielleicht ganz gut, wenn du so tun würdest, es sei das hier alles nur eine fiktive Story. Ist besser so. Die Normalos könnten sich daran stören, dass es uns gibt. Stell dir das nur mal vor. Die würden irre Geschichten mit megapotenten, unbesiegbaren Alphawölfen und dergleichen schreiben und die Wahrheit würde einfach untergehen. Ist nur nett gemeint.“ Er lächelte Juliane an, tippt sich grüßend an die Stirn.

„Der Kuchen war lecker, danke für den Tipp. Besonders die dicke Sahne mochte ich“, erklärt Cosmo, schaut noch einmal zur Theke, ehe er Julianes Hand schüttelt. „War nett, dich kennenzulernen. Merle hätte dich auch gemocht.“

„Wir müsse los, Cosmo“, drängelt Louis, tippt eine Nachricht in sein Handy, während er zum Ausgang eilt.

„Bis dann!“ Cosmo winkt und eilt ihm nach.

„Bis irgendwann mal – schöne Grüße an alle.“ Juliane setzt sich wieder und besieht sich ihre Notizen. „Was Louis wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass all die Geschichten von ihm schon längst zwischen zwei Buchdeckeln zu finden sind und es unzählige Leser gibt?“

Nächstes Ziel – Die Karpaten

[ROMAN] Failed 2 von Chris P. Rolls

Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-1546967101
Preis: 4,99 EUR (eBook) / 11,00 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Das Leben des Kaninchen-Gestaltwandlers Louis Bauer könnte perfekt sein – in dem Multiwandler Cosmo hat er einen liebevollen Partner gefunden und in der geheimen Organisation Failed einen Ort, an dem seine Talente geschätzt werden. Letzteres droht endgültig zerstört zu werden, als Trevorian, der Anführer der Truppe, bei einem Einsatz verschwindet und nicht mehr zu erreichen ist. Einzig eine mysteriöse Videobotschaft hat er hinterlassen, in der er ausgerechnet Louis zum neuen Chef des bunten Haufens macht und ihnen aufträgt nicht nach ihm zu suchen. Dass sich Louis nicht daran hält, ist klar, denn sofort macht sich die Gruppe an einen Plan, Trevorian zu finden – ob tot oder lebendig. Dafür heuert Louis bei den Dark Shifters um Unterstützung an und muss sich mit einer unschönen Episode aus seiner Vergangenheit auseinandersetzen, bevor Cosmo und er endlich eine Spur von Trevorian ausfindig machen können …

Eigene Meinung:
Mit „Failed 2“ geht Chris P. Rolls Gay-Shifter-Fantasy in die zweite Runde, nachdem der erste Band der ungewöhnlichen Gestaltwandler-Reihe bei den deutschen Lesern wie eine Bombe einschlug. Der Roman schließt direkt an die Ereignisse des ersten Bandes an, kann jedoch auch separat gelesen werden. Naben einer spannenden, actionreichen Geschichte greift die Autorin dieses Mal auf aktuelle politische Themen (Schwulenverfolgung in Tschetschenien) auf und arbeitet sie auf ihre Art in die Handlung ein.

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[ROMAN] Failed 1 von Chris P. Rolls

Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 240 Seiten
ISBN: 978-1544010564
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 9,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Als Kaninchengestaltwandler hat es Louis Bauer schwer sich in der Shifter-Community Respekt zu verschaffen und zu zeigen, was er wirklich kann. Während die Raubtiere und Fleischfresser die spannenden, gefährlichen Missionen abbekommen, muss sich Louis als Pflanzenfresser mit vorab-Ermittlungen, Diebstählen und Einbrüchen begnügen. Seitdem sein ehemaliger Partner und Liebhaber bei einer derartigen Mission einem Wolfswandler zum Opfer fiel, der sein Tier nicht unter Kontrolle hatte, hasst er kollektiv alle Raubtiere. Umso schwerer wird es für ihn, als er das Angebot bekommt, der geheimen Organisation „Failed“ bekommt, unerklärliche Fälle aufzuklären, die bis in die höchsten Ebenen der Shifter-Community reichen. IN diesem Zusammenhang bekommt er einen neuen Partnerzugeteilt: Cosmo. Dieser ist nicht nur ein Raubtier, er sieht auch noch teuflisch gut aus und bringt Louis gehörig aus dem Gleichgewicht …

Eigene Meinung:
Die Autorin Chris P. Rolls zählt zu den bekanntesten Autoren des Gay Romance Genres. Mit ihren teils sehr erotischen Büchern (u.a. der „Irgendwie“-Reihe, „Die Anderen“, „Mecklenburger Winter“ und „Shilsas“) hat sie sich eine breite Fanbase aufgebaut. „Failed“ ist ihr erster Versuch im populären Gestaltwandler-Genre und hebt sich allein durch die Tatsache, dass sie sich nicht nur auf die klassischen Raubtiere beschränkt, angenehm aus der breiten Masse heraus.

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[LIKE A DREAM] Vorstellung: Bianca Nias

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Hallo in die Runde,

heute darf ich euch Bianca Nias vorstellen – die Autorin, die wohl jeder Leser schwuler Gestaltwandler kennt, denn ihre „Bruns_LLC“ – Reihe ist wohl jedem bekannt, der sich mit dem Genre beschäftigt hat. Dass sie sich nicht nur gutaussehenden Großkatzen widmet, verrät sie im Interview 🙂

Erzähl ein bisschen was über dich. Wo kommst du her? Was für Hobbys hast du? Schreibst du hauptberuflich oder hast du einen „Brot-Job“?
Ich bin geboren und aufgewachsen in unserer wunderschönen hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Genauer gesagt, in Naurod, wo ich in den 80er und 90er Jahren eine tolle Kindheit hatte, die noch von Rollschuhfahren auf der Straße, Hüttenbauen im Wald und Radpolospielen geprägt war (das ist dort „Nationalsport“). Ich bin in Vollzeit als Finanzbeamtin tätig, daher bleibt mir nach einer 42-Stunden-Woche (und 10 Stunden/Woche auf der Autobahn von und nach Limburg, wo ich heute wohne) verdammt wenig Zeit für Hobbys. Am Wochenende stehen natürlich die Familie, mein Mann und meine beiden Söhne im Vordergrund. Wenn ich dann mal Zeit für mich habe (und nicht am Schreiben bin) verziehe ich mich gerne mit einem eBook in die Badewanne oder auf die Couch oder beschäftige mich mit meinen Hunden Enya und Dexter.

Was hat dich dazu gebracht mit dem Schreiben anzufangen?
Meine beiden Söhne wurden älter, erwachsener und plötzlich kam eine Zeit, wo ich als Mama nicht mehr so gefordert war. Vor allem, weil vor dem Mittag keiner aus den Federn gekrochen kam. Ich hatte also plötzlich viel mehr Zeit für mich selbst – und dann hatte ich diese eine, ganz bestimmte Szene von einer Begebenheit am Waldsee im Kopf und begann, sie aufzuschreiben. Daraus entwickelte sich nach und nach „Tajo@Bruns_LLC“. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Was bedeutet das Schreiben für dich?
Das Schreiben ist für mich Entspannung und Herausforderung zugleich. Es ist wie ein Ventil, das ich öffnen kann, denn über die Woche hinweg haben sich einige Szenen und Dialoge in meinem Kopf angesammelt, die es dann am Wochenende zu be- und verarbeiten gilt

Dein Beitrag für die Anthologie ist die Geschichte „Like a Dream – Unexpected Regrets“. Wie bist du auf diese Geschichte gekommen, bzw. was hat dich dazu bewogen gerade diese Geschichte zu schreiben?
Wie das bei mir oft so ist, hatte ich als Idee nur ein Fragment der Story im Kopf (die Begegnung der zwei sich zunächst fremden Protagonisten in der Sauna und ihr unerwartetes Wiedersehen). Alles andere entwickelt sich bei mir meistens erst mitten im Schreibprozess, wenn ich mich frage, wie es zu dieser Situation gekommen ist und was das für zwei Typen sind, die dort aufeinandertreffen.

Was hast du neben „Like a Dream – Unexpected Regrets“ noch für Projekte oder Veröffentlichungen?
Derzeit arbeite ich an der „Weihnachtsgeschichte 2016“ zu der Bruns-Reihe. Es hat sich mittlerweile so eingebürgert, dass ich einmal im Jahr eine solche Kurzgeschichte verfasse. Das macht auch riesig viel Spaß, sich wieder mit den Figuren aus Tajo & Co zu beschäftigen – das fühlt sich fast wie ein Nachhausekommen an.
Außerdem habe ich schon mit dem dritten Band der Navy-Seals-Reihe begonnen, da ich diesen (wenn alles klappt) im März zur Leipziger Buchmesse veröffentlichen möchte. Er wird „Operation Icebraker“ heißen und wieder eines meiner Selfpublishing-Projekte sein.

Außerdem wartet eigentlich noch der „Werwolf von Nebenan“, den ich zusammen mit Susann Julieva schreibe, auf seine Weiterentwicklung. Der Plot steht soweit und ich hoffe, dass wir ihn vielleicht im Laufe des Jahres 2017 fertig haben in die Welt entlassen können.

Hast du einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Person, die dir als Muse dienen? Woher bekommst du deine Ideen?
Nein, weder einen bestimmten Ort noch eine bestimmte Person. Wenn man anfängt, ganz bewusst auf diese Ideen und „Geistesblitze“ zu achten, merkt man, wie verrückt das alles sein kann. Da stehe ich im Supermarkt an der Kasse – und plötzlich ist so eine Idee da, bei der ich am liebsten schnell zu Block und Bleistift greifen würde, um sie aufzuschreiben. Wenn also
irgendwann einmal jemand in der Schlange an der Kasse hinter dir steht, mit einem abwesenden Gesichtsausdruck und einem dümmlichen Grinsen im Gesicht, muss das kein Irrer oder Treibtäter sein. Vielleicht ist es tatsächlich ein armer Autor, der gerade von seiner Muse etwas zugeflüstert bekommen hat.

Welche Herangehensweise bevorzugst du bei deinen Geschichten?
Keine bestimmte. Ich schreibe einfach drauf los und lasse den Dingen ihren Lauf. Das hat dann den Effekt, dass die Geschichte oder manche Szenen sich oft in eine ganz andere Richtung entwickeln, als es ursprünglich beabsichtigt war. Ich stehe dann als Autor daneben und denke „Hey Jungs, was soll das, was macht ihr da?“, aber lasse der Story ganz bewusst ihre Eigendynamik. Beim „Date-Manager“ hatte ich es erstmals mit einem zuvor angelegten Storyboard versucht. Wer es sich, wenn er das Buch gelesen hat, hinterher mal anschaut, wird sich totlachen, wie wenig davon übriggeblieben ist.

Gibt es etwas, dass dir beim Schreiben besonders schwerfällt?
Nein, eigentlich nicht. Anfangs habe ich mir Ziele gesetzt, wie viele Wörter ich am Tag schreiben will und war unzufrieden mit mir selbst, wenn ich das nicht geschafft habe. Mittlerweile habe ich zwar immer noch diese 2000 Wörter pro Tag als Anhaltspunkt, gehe aber damit viel gelassener um. Man kann beim Schreiben nichts erzwingen. Manchmal läuft es fantastisch, wie geschmiert, manchmal ringt man um jeden Satz. Das zu akzeptieren, muss man lernen, dann kann man viel entspannter an so ein Projekt herangehen.

Schreibst du mit Musik oder anderen Geräuschkulissen im Hintergrund oder brauchst du dazu absolute Ruhe?
Ich brauche absolute Ruhe zum Schreiben. Die beste Zeit des Tages ist also, wenn alle anderen Familienmitglieder noch schlafen, da habe ich meine größten Schaffensphasen.

Lässt du dich auch von anderen Autoren inspirieren?
Ja, klar. Ich lese gerne und viel, mittlerweile aber mit einem ganz anderen Blick auf die Story. Oft lese ich ein Buch und habe mittendrin den Handlungsbogen vor Augen, wie ich den Plot aufbauen würde. Dann bin ich einfach gespannt darauf, wie der Autor des Buches das gelöst hat und lasse mich überraschen. Ansonsten bin ich (neben der Fortführung der Bruns- und der Navy-Seals-Reihe) eher darauf bedacht, Ideen zu entwickeln, die bisher noch nicht in anderen Büchern aufgetaucht und verarbeitet worden sind. Ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach. J
Zu der Bruns-Reihe bin ich ganz klar von G.A Aiken inspiriert worden. Deren Buchreihe „Lions“ ist klasse und im M/M-Bereich hatte es damals noch nichts Vergleichbares gegeben. Also habe ich einfach das geschrieben, was ich selbst gerne lesen würde.

In welchem Genre würdest du dich gerne einmal als Autor versuchen?
Mit „Keyla@Bruns_LLC“ habe ich ja bereits einen Ausflug in den Hetero-Bereich gewagt, was auch Spaß gemacht hat, aber sicherlich nicht mein bevorzugtes Genre werden wird. Vor ein paar Wochen habe ich zusammen mit Rebecca Thrayner einfach aus Lust und Laune mit einem Kinderbuch / Bilderbuch begonnen. Ich schreibe ein paar Zeilen, Rebecca zeichnet ein Bild dazu (und das kann sie echt super!). Vielleicht bauen wir diese Idee tatsächlich einmal aus.

Wie würde für dich ein perfekter (Schreib)Tag aussehen?
Vom Ablauf her genau so, wie ich es am Wochenende mache. Frühmorgens aufstehen, Kaffee kochen, den PC anwerfen und schreiben. Zwischendurch in Facebook rumhängen und mit den Freunden chatten und rumblödeln. Wenn dann noch eine Haushälterin, eine Putzfrau und ein Whirlpool zum Entspannen vorhanden sein würden – dann wäre es sicherlich perfekt. J

Was sagen deine Familie / deine Freunde zu deiner Autorentätigkeit?
Mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt, denke ich. Anfangs fanden sie das sicherlich verrückt, weil ich im Gay-Genre schreibe, aber auch die Aufregung darüber hat sich irgendwann gelegt. Und so liest meine Schwiegermama meine Bücher und fragt mich nach den neuen Ideen und den Projekten, mit meinem Mann zusammen entwickele ich manche Actionszenen und meine Jungs quetsche ich über Musikgruppen, Jugendsprache und Internetneuheiten aus.

Was würdest du jemanden mit auf den Weg geben, der ebenfalls mit dem Schreiben anfangen möchte?
Wer Spaß daran und eine Idee im Kopf hat, sollte das auch tun. Wenn man veröffentlichen will, muss man sich nur im Klaren darüber sein, dass man seine Ideen und Gedanken in die Welt hinaus entlässt und damit jedem Leser die Möglichkeit gibt, seinen Senf dazu zu geben. Anfangs eignen sich gerade solche Plattformen wie Fanfiction oder Bookrix dazu, um das Geschriebene von anderen Leuten lesen und bewerten zu lassen. Dann muss man lernen, konsequent an sich zu arbeiten, Kritik zuzulassen und noch nach der Vollendung des Skriptes einen Haufen Arbeit reinzustecken. Ich habe zwischenzeitlich erfahren, wie viel Arbeit es bedeutet, bis ein Buch in die Welt entlassen werden kann. Über Coverdesign, Lektorat und Korrektorat bis zur Veröffentlichung haben einige Leute jede Menge Zeit und Herzblut in diese geschriebenen Zeilen gesteckt, mit den Worten jongliert und unrunde Sätze begradigt. Dass es dann Menschen gibt, die nicht bereit sind, diese Arbeit mit der Bezahlung eines angemessenen Preises zu honorieren, macht mich echt traurig.

Das Thema der Anthologie ist ja „Träume, Hoffnungen und Wünsche“. Wie sieht es denn damit bei dir aus? Was sind deine Träume, Hoffnungen und Wünsche?
Logisch, ich habe eigene, ganz egoistische und materielle Wünsche (ein neues Auto, die Renovierung des Bades) oder hoffe, dass meine Kinder ihren Weg gehen und ein wenig von dem annehmen werden, was ich ihnen an Werten und von meiner eigenen Einstellung mitgebe. Aber ich bin auch in einem Alter, wo ich mich ganz entspannt zurücklehne und zufrieden das betrachte, was ich bisher erreicht habe.

Ein Traum wäre es sicherlich, mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Es vielleicht sogar hauptberuflich machen zu können und nur „aus Spaß“ weiterhin im Finanzamt zu arbeiten. Meinen dortigen Job würde ich jedoch nie ganz aufgeben wollen, denn den Kontakt mit meinen Kollegen und die abwechslungsreiche, teilweise auch sehr spannende Arbeit, diese Jagd nach den Steuersündern, würde ich sicherlich vermissen.

Global betrachtet hege ich natürlich noch die Hoffnung, dass die Menschen irgendwann zur Vernunft kommen und die gegenseitige Akzeptanz eine Selbstverständlichkeit wird. Das betrifft sowohl die Herkunft, Hautfarbe, Religion als auch die sexuelle Orientierung.


Ich bedanke mich bei Bianca für das tolle Interview und die spannenden Antworten. Ich hoffe sehr, dass ihr den Gestaltwandlern der Autorin eine Chance gibt (hier auf Like a Dream“ werden fast alle Bände vorgestellt ;)). Nächste Woche geht es mit einem Interview weiter – seid gespannt, wen ich dann für euch in petto habe 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ZITATE-FREITAG] Tajo@Bruns_LLC

Hallo ihr Lieben,

heute wird es wild beim Zitate-Freitag, denn ich habe mir den ersten Band der Gestaltwandlerreihe von Bianca Nias rausgepickt. Wer kennt sie nicht, die Löwen und Großkatzen, die ihren Kampf gegen den schier übermächtigen Shirkou Soran führen und versuchen seine kriegerischen Machenschaften zu durchkreuzen. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz – sprich eine Reihe die mit der Zeit süchtig macht. Hier findet ihr also einige ausgewählte Szenen des ersten Teils „Tajo@Bruns_LLC“, insgesamt gibt es 4 Romane, einen Hetero-Spin-Off und einige Kurzromane, die in der Welt der Bruns spielen.

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meine Rezension

Auf dem Weg ins Haus hatte er Gelegenheit, den muskulösen Oberkörper und den knackigen Hintern seines Kunden ausgiebig zu begutachten, ohne dass dieser hiervon etwas bemerken konnte.

‚Ohne Anabolika bekommt man solche „Mr. Universum“- Ausmaße doch gar nicht hin‘, dachte er bei sich und bewunderte das Spiel der definierten Rückenmuskeln. Sein Blick wanderte weiter nach unten zu den muskelbepackten Schenkeln. Allein die Waden waren eine Augenweide und bestimmt dicker als seine eigenen Oberschenkel.

Als sich Tajo am Hauseingang zu ihm umdrehte, um ihm höflich die Tür aufzuhalten, musste Marc schlucken und sich beeilen, den sicher verträumten Gesichtsausdruck in eine unverbindlich lächelnde Miene zu verwandeln. Aber offenbar war er hierbei nicht schnell genug gewesen, denn Tajo zog amüsiert einen Mundwinkel hoch und musterte ihn aufmerksam.

Peinlich berührt wandte sich Marc ab und trat ein. Er hatte das Gefühl, beim ungehörigen Starren ertappt worden zu sein und seine Verlegenheit ließ ihm das Blut in den Kopf schießen. Bestimmt war er jetzt knallrot angelaufen.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 16-17 (c) Bianca Nias / deadsoft

„Jon, also wirklich!“, schalt Keyla ihren Bruder. „Ihm muss doch klar sein, dass wir sie letzte Nacht gehört haben, oder? Dann musst du ihn nicht auch noch in Verlegenheit bringen.“

„Ist dir klar, dass er Marc mit in sein Zimmer genommen hat?“, warf Jon ein. „Das war eine absolute Premiere. Er hat noch nie jemanden in seinen Privatbereich gelassen.“

Er warf Keyla ein verschwörerisches Grinsen zu.

„Ja, stimmt. Vielleicht hat es ihm ja zur Abwechslung wirklich mal was bedeutet. Aber das werden wir zwei so schnell nicht erfahren. Tajo ist der Einzige, den ich kenne, der es schafft, sich aus seinem eigenen Privatleben raus zu halten.“

Die beiden Geschwister lachten.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 40 (c) Bianca Nias / deadsoft

Jon begann, sein Hemd aufzuknöpfen und auszuziehen, was Marc ein wenig in Panik versetzte. Hallo? Was wurde das denn jetzt? Wollte er etwa … Sex? Jetzt? Mit ihm? Unmöglich.

„Ich muss dir etwas zeigen, was du bitte erst einmal als einfach gegeben hinnimmst, okay? Hinterher kannst du mir alle Fragen der Welt stellen, aber bitte sitz jetzt einfach ruhig da und halte für 20 Sekunden die Luft an, ohne dich zu rühren, ja? Und bitte erschreck nicht, dass ich jetzt meine Hose ausziehen muss. Ich will sie nämlich nicht ruinieren. Und bitte, bitte nicht schreien, ich tue dir nichts.“

Marc war zu verblüfft, um nur einen Ton herauszubringen. Jon zog sich vor ihm splitterfasernackt aus. Marc beobachtete jede seiner Bewegungen und war komplett verwirrt. Was sollte das?

Jon holte kurz Luft, sah ihn an und plötzlich schienen seine Konturen zu verschwimmen. In nicht einmal einer Sekunde verformte sich sein Körper, wurde größer, zog sich in die Länge, sank auf alle viere und im nächsten Augenblick füllte ein großer, wunderschöner Löwe sein Wohnzimmer aus.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 89 (c) Bianca Nias / deadsoft

Tajo fluchte stumm. Himmel noch mal! Warum war er nur schon wieder so heftig explodiert? Sein Hirn musste im Irak doch einen größeren Schaden erlitten haben, als er gedacht hatte. Jedenfalls hatte es jetzt total ausgesetzt. Verdammt, er war eindeutig zu lange in seiner Löwengestalt gewesen, das hatte ihn schon immer ein wenig durcheinandergebracht. Er sah, dass Marc sich verstohlen eine Träne aus dem Auge wischte. Scheiße, er hatte ihm wehgetan! Das war nicht seine Absicht gewesen.

Vorsichtig zog er sich aus Marc zurück, rollte sich neben ihm auf die Seite und nahm ihn in seine Arme. „Es tut mir leid“, flüsterte er beschämt. „Das habe ich so nicht gewollt.“

„Aber vielleicht gebraucht?“, fragte Marc leise.

Marcs Atem ging noch immer schwer, seine Haut war schweißnass. Tajo schmiegte sich an seinen Rücken, sein Schwanz war noch immer steif und drückte sich sanft gegen ihn. Seine Hände wanderten über Marcs Körper, bis er abrupt innehielt.

„Ich weiß es nicht. Ich weiß so langsam gar nichts mehr. Wem ich vertrauen kann und wem nicht. Wer zu mir steht und wer nicht. Und wie es weitergehen soll. Mit mir, mit dem Rudel, mit den anderen …“, brach es unvermittelt aus ihm heraus.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 159-160 (c) Bianca Nias / deadsoft

Jon war ihm gefolgt und trat jetzt neben ihn, das spürte Marc, ohne hinzusehen.

„Tajo scheint gewusst zu haben, dass es kritisch wird“, murmelte Jon. „Er hat mich vor seiner Abfahrt nicht nur gebeten, auf dich aufzupassen und mit meinem Leben zu beschützen. Nein, er hat mich auch gleichzeitig zum Rudelführer gemacht und ist von seiner Position zurückgetreten.“

„Und das heißt?“, fragte Marc. So ganz blickte er bei den Löwen mit ihren Familien- und Rudelstrukturen noch nicht durch.

„Das heißt, dass du unter meinem Schutz stehst, und dass ich die Verantwortung für dich trage. Und dass er aufgegeben hat. Er glaubt, nicht mehr in der Lage zu sein, das Rudel zu schützen und zu verteidigen.“

Marc sah ihn nachdenklich an. „Wäre das denn so schlimm für ihn?“

Jon nickte betrübt. „Für Tajo ist es die Hölle. Ein geschlagenes Alpha-Tier kommt in der Regel nicht mehr auf die Beine. Und selbst wenn, müsste er mich über einen Kampf von meiner Position verdrängen oder aber weggehen und ein neues Rudel gründen. Die Geschäftsführung von Bruns LLC und das Firmenvermögen gehen allerdings jetzt schon auf mich über.“ Er schnaubte.

„Als ob ich das nötig gehabt hätte, du sturer Mistbock!“, brüllte er wütend in die Wüste hinaus und ballte die Hände zu Fäusten. „Als ob ich das gewollt hätte“, fügte er leise mit belegter Stimme hinzu und wandte sich ab.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 203-204(c) Bianca Nias / deadsoft

„Marc, ich wüsste nicht, was wir ohne dich gemacht hätten“, begann er und sah ihn ernst an. „Nicht nur, dass du Tajos Spur in Saudi-Arabien gefunden hast, war großartig, sondern auch deine bisher hier geleistete Arbeit. Du hast erstaunliche Dinge herausgefunden.“

Marc dankte ihm zurückhaltend. Er war zwar an Lob und Aufmerksamkeit durch seine bisherigen Auftraggeber gewohnt, aber die herzliche Wärme, die er im Kreise der Familie fühlte, ließ ein Glücksgefühl durch seine Magengegend fließen.

Tajo, der sich neben ihm ausgestreckt und sein Bein auf einem Hocker hochgelegt hatte, nahm seine Hand und drückte sie.

„Unser kleines Genie hier hat einen wirklich guten Job gemacht“, warf Jon ein. „Tajo, dafür kannst du mir ewig auf Knien danken und meine Pfoten küssen, dass ich ihn zurückgeholt habe.“

„Ich weiß“, erwiderte Tajo schlicht.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 280 (c) Bianca Nias / deadsoft

Plötzlich kam es ihm so vor, als wäre er nicht allein in der Dunkelheit. Er blieb sofort stehen und lauschte. Seine Nackenhaare stellten sich auf und ihn durchlief ein eiskalter Schauer. Unbewusst griff er mit der linken Hand in die Hosentasche und umschloss fest den Griff des Springmessers, das er immer bei sich trug, seit Anna es ihm geschenkt hatte. War ihm jemand gefolgt?

„Leroy? Jonah?“, flüsterte er leise in die Finsternis hinein. In nächsten Augenblick vernahm er lediglich einen kurzen Windhauch, bevor er zu Boden gerissen wurde. Abwehrend hob er seinen rechten Arm vor sein Gesicht.

Alles ging rasend schnell. Trotzdem nahm er jedes Detail jeder einzelnen Sekunde wahr.

Ein riesiger Schatten warf sich über ihn. Scharfe Zähne verbissen sich in seinen rechten Unterarm. Er spürte den Schmerz jedoch kaum. Dafür registrierte er entsetzt, dass sich ein mächtig starker Kiefer wie ein Schraubstock um seinen Arm schloss. Die Zähne durchfuhren seine Haut und sein Fleisch wie Butter und drangen bis auf die Knochen vor.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 328 (c) Bianca Nias / deadsoft

Das waren sie – meine ausgewählten Textstellen von „Tajo@Bruns_LLC“ – ich hoffe sie gefallen euch und machen Lust auf mehr, immerhin gibt es viele Bände und Spin-Offs zu den Gestaltwandlern zu lesen. Für die kommende Woche bin ich noch unentschieden, sprich ihr könnt wieder Wünsche äußern. Ich freue mich auf eure Vorschläge.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Als die Mädchen zu Wölfen wurden von Nino Delia

Autor: Nino Delia
Taschenbuch: 272 Seiten
ISBN: 978-3-95533-315-7
Preis: 9,99 EUR (eBook) | 14,90 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Robyns Leben scheint perfekt, seitdem der Wolfsjäger Hunter um ihre Hand angehalten hat. Für ihn will sie eine perfekte, keusche und gehorsame Ehefrau sein. Allerdings meint das Schicksal es nicht gut mit ihr, als sie beim Kräutersuchen im Wald einem großen weißen Wolf gegenübersteht und von diesem gebissen wird. Hunter, der statt zu helfen, feige davonläuft, fühlt sich in die Ecke gedrängt, kann Robyn doch seine Stellung als Anführer der Red Rider gefährden, wenn sie gegenüber der Dorfgemeinschaft seine Feigheit offenlegt. Er jagt sie davon und Robyn gelangt über Umwege zu der eigenbrötlerischen Gwen, die mitten im Wald lebt. Da der Winter vor der Tür steht, verbring Robyn die kalte Jahreszeit bei ihr. Dabei kommen sich die beiden näher und Robyn erfährt nicht nur, dass Gwen der weiße Wolf ist – sie beginnt auch sich zu verändern, macht sich erstmals selbstständig Gedanken und erkennt, dass sie keinen Mann braucht, um ein glückliches Leben zu führen. Als sie im Frühling ins Dorf zurückkehrt, erkennt sie, dass ihre beste Freundin Rose vor langer Zeit ebenfalls von einem Wolf gebissen wurde und sich daraufhin zu einer selbstständigen, jungen Frau gewandelt hat. Gemeinsam schmieden sie den Plan all den Frauen des Dorfes mit Gwens die Augen zu öffnen und Hunter endgültig das Handwerk zu legen …

Eigene Meinung:
Mit „Als die Mädchen zu Wölfen wurden“ erschien 2016 das Debüt der Autorin Nino Delia im Ylva Verlag. Der märchenhafte Fantasy-Roman erschien zuvor unter dem Titel „Caged Birds Rising“ in den USA, bevor er in deutscher Fassung in Deutschland erschien.

Inhaltlich erwartet den Leser eine moderne Märchenadaption verschiedener bekannter Sagen und Legenden. Nino Delia hat sich viele Märchenfiguren geschnappt und in ihren Roman eingebaut, darunter „Hänsel und Gretel“, „Schneeweißchen und Rosenrot“, „Rotkäppchen und der Wolf“, „Rumpelstilzchen“ und „Aschenputtel“. Die Charaktere erkennt man schnell an ihren Namen: Robyn, Goldie, Ash, Greta, Rose und Witney. Daher werden Fans der Märchen der Gebrüder Grimm allein schon aus diesem Grund Spaß daran haben, die vielen Figuren den Originalerzählungen zuzuordnen. Die eigentliche Geschichte ist ein wenig holprig und nicht immer komplett logisch aufgebaut. Das beginnt mit der Tatsache, dass Rose die Attacke des Wolfs auf Robyn geplant hat (die Frage ist nur wie, wenn sie mit Gwen keinerlei Kontakt hat) und setzt sich in kleineren Details fort. Lässt man diese Punkte außer Acht, erwartet den Leser eine interessante Märchenadaption, die zum Ende hin durchaus spannend wird, denn die Idee den Frauen die Augen zu öffnen, macht durchaus Spaß, zumal man Hunters Niederlage förmlich herbeisehnt.
Die Liebesgeschichte zwischen Gwen und Robyn kommt allerdings zu kurz – nicht, dass es ausführlich und ausufernd hätte sein müssen (wer Erotik mag, wird bei „Als die Mädchen zu Wölfen wurden“ definitiv nicht glücklich werden), doch man kann ihre plötzliche Zuneigung zueinander nur schwer nachvollziehen. Vielleicht liegt es daran, dass es zu sehr nebenbei abgehandelt wird, da sich Nino Delia zum Ende hin verstärkt auf den Kampf gegen Hunter konzentriert.

Die Charaktere sind, wie für ein Märchen üblich, stark stereotyp. Robyn ist zu Beginn wirklich nervig, da sie kaum für sich selbst spricht und nur lebt, um Hunter eine gute Frau zu sein. Erst nach dem Biss und durch Gwens Unterstützung wird sie selbstständiger. Diese ist in einigen Punkten so eigen und stur, dass sie selbst dem Leser fremd bleibt. Man schafft es kaum zu Gwen eine Bindung aufzubauen, so dass sie im Vergleich zu den anderen Charakteren sehr blass bleibt. Der Bösewicht Hunter ist so klischeehaft böse, dass er mitunter nur schwer ernst zu nehmen ist. Niemand stellt sich ihm in den Weg, niemand zweifelt ihr an.
Auch die übrigen Figuren entsprechen dem schwarz/weiß-Schema der üblichen Märchen – die Frauen sind schwach, dem Mann untergeordnet und haben keine eigene Meinung; die Männer leben in einem Patriarchat, kontrollieren alles und verfügen über die absolute Gewalt. Dies wird bereits kleinen Mädchen anerzogen, so dass Frauen vollkommen unselbstständig sind. Erst durch den Biss der Wölfin Gwen ändern sich die weiblichen Mitglieder der Dorfgemeinschaft.

Stilistisch legt Nino Delia einen schönen Roman vor, der sich gut lesen lässt. Ein wenig störend sind die vielen Perspektivsprünge, da die Geschichte nicht nur aus Robyns Sicht erzählt wird, sondern auch Rose, Hunter und Greta zu Wort kommen. Dadurch braucht man etwas, um sich richtig einzudenken und die Handlung nachvollziehe zu können. Dafür hat Nino Delia einen feinen Sinn für Humor und liefert tolle Beschreibungen der Umgebung und der Handlungsorte. Schade ist, dass der Beziehung zwischen Robyn und Gwen kaum Platz gegeben wird – ich bin zwar kein Fan ausufernder Liebesgeschichten, aber man hätte die Liebe zwischen den Beiden getrost weglassen können, ohne etwas Handlungsrelevantes zu streichen.

Fazit:
„Als die Mädchen zu Wölfen wurden“ ist eine schöne Märchenadaption mit kleinen Abzügen. Trotz eines schönen Grundplots und eines soliden Schreibstils fallen die extrem stereotypen Charaktere negativ ins Gewicht (auch wenn man weiß, dass die Figuren in Märchen nun einmal so sein müssen). Auch die Liebesgeschichte hätte etwas prominenter sein können, denn viel passiert zwischen Gwen und Robyn nicht. Dennoch ist Nino Delias Roman allemal einen Blick wert – gerade auf dem lesbischen Buchmarkt bietet „Als die Mädchen zu Wölfen wurden“ Abwechslung zu dem üblichen Alltags-Drama-Einheitsbrei, der sich immer mit denselben Problemen beschäftigt. Daher ist Nino Delias Debüt allen zu empfehlen, die Fantasy mögen oder mal über den Tellerrand schauen möchten.

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[NOVELLE] Nachbarschaftshilfe von Susanne Eisele

Nachbarschaftshilfe
Autor: Susanne Eisele
Taschenbuch: 142 Seiten
ISBN: 978-1495493584
Preis: 3,97 EUR (eBook) | 5,19 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Eine grausame Mordserie erschüttert die durch einen Fluss getrennten Werwolf- und Vampirclans. Während bei den Vampiren schnell ein Werwolf als Übeltäter ausgemacht wird, scheint bei für die Morde unter den Werwölfen ein Vampir verantwortlich zu sein. Um die Vorfälle endlich zu klären werden Charles, Prinz und Sheriff der Vampire und Alexa, Sheriff der Werwölfe, gemeinsam mit einigen ihrer Leute auf den Fall angesetzt. Zeitgleich beschließt Charles Vater einen Brücke zu den Werwölfen zu schlagen, um zukünftig in Freundschaft miteinander zu leben. Dazu hat er der Hochzeit zwischen dem Nachkommen der Werwölfe, Thomas, und seinem Sohn eingewilligt. Charles ist davon weniger begeistert, zumal er definitiv nur an Frauen interessiert ist – im Gegensatz zu seinem Zwilling Matthew, der jedoch seit seiner Geburt vor den Vampiren versteckt gehalten wird. Zu allem Überfluss findet Charles mit der Zeit mehr Gefallen an Alexa, die dem charismatischen Vampir ebenfalls zu schätzen lernt. Und auch zwischen Thomas und Matthew, der einmal Charles Platz einnimmt, funkt es gewaltig …

Eigene Meinung:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein Kurzroman von Susanne Eisele und erschien 2014 im Eigenverlag. Die Geschichte der Vampire und Werwölfe wurde 2015 mit „Kinderspiel“ fortgesetzt, der ebenfalls im Selbstverlag herausgekommen ist.

Inhaltlich entführt die Autorin die Leser in eine Welt, in der Vampire und Werwölfe in einer kleinen Stadt fernab der Menschen leben. Beide Clans verhalten sich friedlich – auch untereinander, da sie einst gemeinsam herrschten und erst im Laufe der Zeit eine Trennung der Werwölfe und Vampire zustande kam. Das friedliche Miteinander wird erst gebrochen, als es zu den Morden kommt, die auf beiden Seiten des Flusses gleichermaßen für Unruhen sorgen. Die gemeinsamen Ermittlungen sind in diesem Zusammenhang nur logisch, da sich die Vorfälle nicht nur auf Vampire oder Werwölfe beschränken. Susanne Eisele beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Ermittlungen der beiden Teams, sondern baut mit der geplanten Hochzeit zwischen dem Erben des Vampirclans und dem Nachkommen der Werwölfe einen weiteren Spannungspunkt mit ein, der noch für einigen Trubel sorgt. Ein wenig vorhersehbar ist in diesem Punkt die Handlung allerdings schon, denn dass Matthew und Thomas sich so gut verstehen, und Charles und Alexa ebenfalls nur schwer voneinander lassen können, wirkt ein wenig arg schablonenmäßig. In diesem Punkt kann die Autorin leider kaum überraschen, denn man weiß relativ schnell, welcher Charakter mit wem zusammenkommt.
Etwas aufwendiger und komplexer ist da schon der Kriminalfall, wenngleich auch hier die Figuren relativ wenig Eigeninitiative leisten – klar, sie ermitteln, aber letztendlich kommt ihnen doch der Zufall zu Hilfe, um die Hintergründe zu den Vorfällen aufzuklären.

Die Charaktere sind im Grunde sympathisch, aber auch recht stereotyp geraten. Hin und wieder fallen sie ein wenig aus dem Rahmen, aber alles in allem bleiben sie sich selbst treu, was sie leider ein wenig blass erscheinen lässt. Charles ist dabei manchmal ein wenig zu forsch und selbstverliebt, doch das gibt sich im Laufe der Zeit. Matthew ist der liebe, nette, junge Mann, bei dem man sich doch ein wenig wundert, warum er nicht revoltiert, immerhin muss er versteckt im Schloss leben, da Zwillinge unter den Vampiren als Unglücksboten gelten. Bei ihm hätte man es verstanden, wenn er sich gegen die Regeln auflehnt. Alexa und Thomas sind zwar durchaus sympathisch, doch auch sie bleiben dem Leser kaum in Erinnerung. Vielleicht liegt das aber auch am geringen Umfang des Buches – zwar reichen die knapp 150 Seiten um die Geschichte zu einem Ende zu bringen und die meisten Hintergründe zu klären, doch ein wenig mehr Charakterentwicklung wäre nicht schlecht gewesen.

Stilistisch bewegt sich „Nachbarschaftshilfe“ auf solidem Niveau. Susanne Eisele hat ein gutes Gefühl für Sprache und Dialoge, allerdings kommen recht viele Wortwiederholungen vor, was das Lesen ein wenig erschwert. Auch die Perspektivsprünge zwischen den Figuren sind nicht jedermanns Geschmack, da man sich auf diesem Weg nur schwer auf einen Charakter einschießen kann. Dennoch ist „Nachbarschaftshilfe“ lesenswert und bietet kurzweilige Unterhaltung, die Lust auf die bereits erschienene Fortsetzung macht.

Fazit:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein solider Kurzroman, der mit einem spannenden Konzept, interessanten Charakteren und einem gut durchdachten Kriminalfall aufwarten kann. Hin und wieder wirkt die Geschichte zwar zu stereotyp, sowohl was die Charaktere anbelangt, als auch, was die Auflösung des Falls betrifft. Dennoch lohnt sich Susanne Eiseles Debüt, wenn man Vampire und Werwölfe mag und ein Fall von (teils blutigen) Kriminalfällen ist. Im Zweifelsfall reinlesen.

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[ZITATE-FREITAG] Zusammen finden

Hallo ihr Lieben,

den heutigen Zitate-Freitag möchte ich noch einmal dazu nutzen, auf unsere Benefiz-Anthologie aufmerksam zu machen, die im letzten Jahr erschienen ist. Da ich selbst eine Geschichte für „Zusammen finden“ geschrieben habe, habe ich nie eine Rezension verfasst, sondern lediglich eine Buchvorstellung geschrieben. Sämtliche Einnahmen kommen einer schwer kranken Autorenkollegin zugute, daher will ich den Zitate-Freitag nutzen, um euch einen kleinen Einblick in die Geschichten zu gewähren – aus diesem Grund findet ihr dieses Mal mehr Zitate, da ich mir aus jeder Kurzgeschichte eine kurze Passage herausgesucht habe. Ich hoffe sehr, dass der ein oder andere der Anthologie eine Chance gibt. „Zusammen finden“ ist ein lesenswertes Projekt, das von 15 Autor*innen ins Leben gerufen wurde.


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Buchvorstellung

Innerlich bin ich wie betäubt, gelähmt durch den Schmerz, der sich in mir ausbreitet und mir die Luft abschnürt. In meinem Hals ist es eng, in meinen Augen sammeln sich Tränen. Noch so ein Kerl, dem ich nicht gut genug bin! Aber ich will jetzt nicht heulen! Nein, nicht schon wieder!

Scheiße, Olli, du hast es verbockt. Da steht ein toller Typ vor mir und ich habe nichts Besseres zu tun, als mich ihm an den Hals zu werfen und damit alles zu verderben.

Nee, Momentchen mal. Stopp und zurück auf Anfang … schließlich hat er doch angefangen, mich zu küssen, oder? Was ist nur in seinem Kopf vorgegangen? Sämtliche Signale, die er aussendete, sagten mir, dass er mich mag, dass er mich begehrt …

„Der Werwolf von nebenan“ / „Zusammen finden“, S. 40 (c) Bianca Nias / Susann Julieva

Der junge Mann hob die Achseln. »Ich bekomme zwar einen Zugang zu den Magielinien, kann sie aber nicht kontrollieren und meinem Willen unterwerfen. Die magischen Formeln wollen mir einfach nicht im Gedächtnis bleiben.«

Nazar stieß ein kurzes, bellendes Lachen aus. »Bei den Göttern, Marit hatte recht. Wir passen wirklich gut zusammen – du kannst die Macht des Landes anzapfen, ich merke mir die passenden Zaubersprüche.«

»Vielleich sollten wir uns zusammentun …« Kiama seufzte und ließ den Kopf in den Nacken fallen. »… wenn das nur möglich wäre.«

„Zwillingsmond“ / „Zusammen finden“, S. 59-60 (c) Juliane Seidel

Schritt für Schritt nähere ich mich der blinkenden Holztribüne. Meine Hand greift in die Tasche, ertastet die Chips und …

Zwei!

Es sind nur zwei Chips in meiner Tasche.

Das kann nicht sein.

Genau in diesem Moment schaut er auf. Er sieht mich, lächelt und streckt mir seine Hand entgegen. Er will den Chip.

Der Traum, der fehlende Chip.

Ohne zu denken, drehe ich mich um.

Ich flüchte.

Nur zwei Chips? Wie kann das sein?

Magische Mandeln.

„Charlys Chip“ / „Zusammen finden“, S. 91 (c) Jobst Mahrenholz

Ich habe noch nie ein dermaßen schwermütiges Lächeln gesehen.

»Etwas, das Flügel besitzt, darf man nicht einsperren.«

»Er käme draußen nicht mehr zurecht.« Vielleicht weiß er nicht einmal mehr, wie man sie richtig benutzt. »Er würde sterben, so alt, wie er ist.«

»Und vorher zum ersten und letzten Mal in seinem Leben fliegen.« Er entlässt den Rauch aus seinem Mund, drückt die Zigarette aus.

Seine Traurigkeit ist ebenso spürbar wie die Elektrizität in der Luft.

„Rabendieb“ / „Zusammen finden“, S. 107 (c) S. B. Sasori

»Wegen heute Nachmittag? Bist du deswegen so komisch?«

»Ich bin einfach kaputt, Perk, mehr nicht.«

Thor drückte die Zigarette auf dem Boden aus. Für ihn schien die Diskussion beendet, doch in Dylan schürte sie nur erneutes Feuer. Er folgte Thor ins Wohnmobil, wo er zu zetern begann.

»Erzähl mir doch nichts … Seit meinem Besuch in diesem Bordell behandelst du mich wie Scheiße! Wenn es dir so gegen den Strich geht, dass ich dort war, wieso hast du mir dann Geld gegeben? Wieso hast du mich ermutigt, dorthin zu gehen?«

„Dylan und Thor – on the road – ein Zwischenspiel“/ „Zusammen finden“, S. 125 (c) Justin C. Skylark

Auf dem Flur vor ihrer Tür blieb er stehen. Etwas kribbelte in seinem Nacken. Das unangenehme Ziehen kannte er. Zumeist fühlte es sich so an, wenn ihn jemand anstarrte. Hinter ihm knackte der Schlüssel im Schloss. Das Fräulein hatte abgeschlossen. All seine Freunde, ausgenommen Konrad, der auf ihn wartete, gingen die Treppe hinunter. Ein kalter Hauch streifte Heinrichs Wange. Der Geruch nach ungewaschenem Mann umfing ihn. Hinter sich fühlte er einen warmen Körper, der ihn nicht berührte. Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen. Sein Herzschlag beschleunigte sich und pumpte Hitze durch seine Adern. Hinter ihm stand jemand! Er fuhr herum.

„Hunger“ / „Zusammen finden“, S. 139 (c) Tanja Meurer

Als ich mich nicht rühre, runzelst du die Stirn und bedeutest mir, mich aufzusetzen. Verwundert tue ich dir den Gefallen. Meine Rechte berührt etwas Kühles, doch ich kümmere mich nicht darum. Überhaupt kümmert mich kaum noch etwas, nicht einmal dein bekleidetes Ich neben meinem nackten Selbst.

Ich sehe den Bildschirm des Laptops, vielmehr das Foto darauf. Ich starre es an, würde es am liebsten löschen, nein, besser den Computer in einem Wasserfass versenken. Mir wird ganz anders. Ich kann nicht fassen, dass du mir das angetan hast. Mein Blick irrt zu meiner rechten Hand, zu dem Stein, den sie gestreift hat.

Da liegt er, hemmungslos, nackt, lang ausgestreckt neben mir. Dein Steingott. Er, mit dem unser Streit begann.

„Das steinerne Bild“ / „Zusammen finden“, S. 188 (c) Raik Thostadt

»Wir haben uns zuletzt vor sieben Wochen getroffen. Sieben, Jonas!«

Schnell stopfe ich ein weiteres Stück des Kuchens in meinen Mund.

»Eigentlich sieht dir das gar nicht ähnlich. Ich meine, für ein paar Minuten hast du sonst immer Zeit. Was ist los, Jonas?«

Ich kaue hektisch, zerteile das restliche Kuchenstück in passende Happen. Konzentriere mich ganz auf diesen Teller.

»Habe ich dich verärgert?« , fragst du weiter. Du bist wirklich hartnäckig.

»Nein, nein!« , beeile ich mich zu sagen.

»Warum gehst du mir dann aus dem Weg?«

„Sehnsucht ist ein subtiles Gefängnis“ / „Zusammen finden“, S. 196 (c) Rosha Reads

Auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise befindet sich das von Jacob Epstein gestaltete und einem fliegenden Engel getragene Grab von Oscar Wilde, der sich zu einer Zeit, als Homosexualität noch als Sodomie bezeichnet wurde, schwanken sah zwischen der Liebe zu seiner Frau und seinen beiden Kindern und jener zu Männern, im Speziellen zu dem  wesentlich jüngeren Lord Alfred Douglas, den er Bosie nannte. Inmitten der Bigotterie des viktorianischen England stand Wilde zu seiner Neigung und musste dafür teuer bezahlen.

„Liebe ohne Namen – Oscar Wilde (1997)“ / „Zusammen finden“, S. 200 (c) Paul Senftenberg

Nach dieser ungestümen Nacht folgte ein zärtlicher Morgen. Jan war nicht in den Sinn gekommen, Camille hinauszuwerfen. Und Camille machte keine Anstalten zu gehen. »Es ist mir, als müsste das hier mit uns so sein«, begann Camille, als er am späten Nachmittag sichtlich ungern ins Auto stieg, um nach Hause zu fahren. Jan fühlte dasselbe. Trotzdem war er vorsichtig, seine Gefühle zu äußern. Camille war deutlich offener. Er schien sein Seelenleben genauer zu kennen. Jan hatte den Eindruck, dass er wusste, was er wollte, und zeigte es Jan.

Nach ihrem ersten Zusammentreffen folgten weitere. Camille legte eine Hartnäckigkeit an den Tag, die ihm imponierte. Mehr und mehr verfiel Jan seinem fröhlichen Temperament, dessen Art, das Leben zu sehen.

„Von Liebe, Anhänglichkeiten und Fluchten“ / „Zusammen finden“, S. 209 (c) Karolina Peli

Einen Augenblick lang geschah gar nichts, doch dann hob der andere zögerlich seine Hand, deutete auf seinen Mund und schüttelte den Kopf, gestikulierte fahrig mit den Händen vor der Brust herum. Und es dauerte einen Moment, ehe Finn begriff, dass es kein nervöses Gefummel, sondern … Gebärdensprache war, die der andere ausführte. Finn war verwirrt. Und überfordert. Und ein klein wenig erleichtert. Mit allem hatte er gerechnet, nur damit nicht und doch … Es machte den anderen seltsamerweise nur noch liebenswerter für ihn, der jetzt mit rosa Wangen und gesenktem Kopf vor ihm stand.

Wieder griff Finn nach ihm, nach seinem Oberarm, vorsichtig, und drückte ihn leicht, ehe er seine Hand löste und sich auf das, was er einst gelernt hatte, besann.

„Zwischen Sojafleisch und Pinot noir“ / „Zusammen finden“, S. 222 (c) Schännieh Dunkelstrauch

»Warst du schon einmal hier?«, frage ich ihn auf Englisch.

»Vor langer Zeit«, antwortet er und seine Augen werden dunkel. Oh mein Gott. Egal, ob er es ist oder nicht, ich hoffe, er bleibt bis heute Nacht – ich kenne da eine Stelle im Olivenhain, die ich ihm gern zeigen würde. Aber ich wage nicht, noch weiter zu fragen, und er sagt auch nichts mehr, obwohl ich sehe, dass ihm etwas auf der Zunge liegt. Ich wende mich wieder meinen Aufgaben zu, nur unsere Blicke treffen sich ab zu. Die Ravioli meiner Mutter scheinen ihm nicht zu schmecken.

„Nie vergessen – Non dimenticato mai“ / „Zusammen finden“, S. 238 (c) Moritz Berg / J. Walther

Du hast so oft Tonnen von Wut und Frust neben mir in den Wald gebrüllt, hast mit Stöcken gegen die Stämme geschlagen, bis diese zersplitterten, Steine in den Bach geworfen, dass das Wasser bis zu uns hoch spritzte. So oft bist du vor mir durch die endlosen Grasflächen der Brachen und in den Traktorspuren der Felder gerannt. Wiesen und Getreidefelder gehörten uns. Milliarden von spindeldürren Fingern, die unsere Beine und Handflächen streichelten, die hilflose Wut, die unerwünschten Gedanken kurzfristig vertrieben. Deine wie meine.

Wir hatten uns. Untrennbar und dennoch nicht gemeinsam.

Je mehr ich dich leiden sah, desto stärker verschloss ich meine Probleme in mir. Du warst immer der Stärkere von uns beiden. Was habe ich dich dafür bewundert und konnte dir genau deswegen nie etwas sagen.

„Die Anmut von Gras“ / „Zusammen finden“, S. 256 (c) Chris P. Rolls

Solltet ihr Lust auf mehr haben, würden wir uns freuen. Sämtliche Einnahmen werden gespendet 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Blutzoll der Wölfe von Alegra Cassano

 

Autor: Alegra Cassano
Taschenbuch:  Band 1: 440 Seiten | Band 2: 384 Seiten
ISBN: Band 1: 978-3945934272 | Band 2: 978-3945934319
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Morgans Leben scheint beendet, als der Wolfswandler Waydar mit seinem Rudel in das Dorf des jungen Mannes kommt und ihn als Blutzoll fordert. Doch während die anderen ausgewählten Menschen schnell von den übrigen Wölfen gefressen werden, verzichtet Waydar darauf Morgan zu jagen, da der junge Mann starke Anziehungskraft auf ihn ausübt. Schon bald sind Gefühle im Spiel, denn nicht nur Waydars Interesse an Morgan wächst, dieser fühlt sich ebenfalls zu dem Wolf hingezogen. Allerdings beginnen damit die Probleme, denn Waydar ist auf dem Weg zu seiner eigenen Hochzeit mit der ältesten Tochter der Silberfelle – ein Bündnis, das von seinem eigenen Vater bereits vor Jahren geschlossen wurde. Zudem erwachen in Morgan Kräfte, die schnell zeigen, dass in ihm das Erbe eines Bestadors schlummert, des einzigen Wesens, das in der Lage ist einen Wolfswandler zu töten …

Eigene Meinung:
Mit den ersten beiden Romanen zu „Blutzoll der Wölfe“ legt Alegra Cassano den Auftakt ihrer Gestaltwandler-Fantasy-Reihe vor, die den Leser bereits nach wenigen Seiten in den Bann zieht. Derzeit arbeitet die Autorin am dritten Buch der Reihe, in der es Morgan und Waydar über das Meer in ein unbekanntes Land führt. Wer abgeschlossene Geschichten bevorzugt, sollte vor dem Lesen mindestens die ersten beiden Bände kaufen, denn die Handlung von Band 1 geht nahtlos in Band 2 über und wird weitestgehend abgeschlossen.

Inhaltlich erwartet den Leser eine sehr komplexe, intrigenreiche Geschichte, die ungemein fesselnd ist und sich dadurch angenehm von den üblichen Gay Fantasy Romanen abhebt. Die Autorin fordert damit den Leser heraus, hellwach zu sein und selbst mitzudenken, denn eine simpel gestrickte Liebesgeschichte, in der es nur darum geht, dass Morgan und Waydar zusammenkommen, gibt es hier nicht. Während er Anfang der Geschichte noch recht seicht anmutet, wird es spätestens mit dem Auftauchen von Waydars zukünftiger Braut und ihrem Clan, dem Rudel um Waydars ehemaligen Lehrmeister Alasar und der Nebenhandlung zu Morgans Vater spannender und komplexer. Alegra Cassano baut eine Menge Seitenstränge ein und wirft etliche Fragen auf, die erst nach und nach beantwortet werden. Das liegt zum einen an der Vielzahl verschiedener Charaktere, die im Laufe der knapp 800 Seiten auftauchen, zum anderen an den vielschichtigen Hintergründen. Zudem folgt sie dem Motto: „Keine Aktion ohne Reaktion“, denn viele Dinge, die die Handlung vorantreiben, passieren nachdem die Figuren agiert haben. Hin und wieder passt sie jedoch diese Aktionen der Handlung an, da einige Charaktere unlogisch handeln und Dinge tun, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Glücklicherweise halten sich derartige Schnitzer in Grenzen, so dass man trotzdem mitfiebert- und rätselt.

Schade ist ein wenig, dass man so wenig über die Fantasywelt von Morgan und den Wolfswandlern erfährt. Es wäre schön gewesen, mehr von dem Land zu erfahren, den Wesen, die dort leben und den Gesetzen außerhalb der Wölfe. Doch gerade die Menschen und ihre Probleme kommen ein wenig kurz. Vielleicht kommt ja im dritten Band mehr zu den unterschiedlichen Ländern und dem großen Ganzen der Welt (Lebewesen, Gesetze etc.).

Ein großer Pluspunkt sind die unterschiedlichen Charaktere, die im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen. Die Autorin konzentriert sich nicht auf Morgan und Waydar, sondern beleuchtet nach und nach alle relevanten Figuren bzw. lässt sie selbst zu Wort kommen. Erst dadurch gelingt es Alegra Cassano die komplexe Geschichte nachvollziehbar zu erzählen, denn die Menge an Ereignissen, die ineinander greifen und für die ein oder andere Überraschung sorgen, wären ansonsten für den Leser kaum in Einklang zu bringen. Dazu muss man schon alle Figuren und deren Beweggründe kennen und ihre Aktionen direkt miterleben. Hin und wieder handeln die Charaktere zwar unlogisch, doch alles in allem kann man die einzelnen Protagonisten sehr gut nachvollziehen. Auch wachsen sie dem Leser ans Herz – ganz besonders Nebencharaktere wie Bastor oder Dood.

Stilistisch legt Alegra Cassano ein solide geschriebenes Werk vor, das durch einen hohen Wortschatz und tolle, sehr umfangreiche Beschreibungen besticht. Die Perspektive springt zwischen den Figuren, sprich die Autorin nutzt eine auktoriale Erzählweise um die Geschichte zu erzählen. Das ist wichtig, denn nur so kann man die Handlungen der Charaktere nachvollziehen. Wer es gewohnt ist, Bücher zu lesen, die aus Sicht einer Figur geschrieben sind, wird anfangs eventuell Probleme haben, doch man findet sich schnell ein und lässt sich gefangen nehmen. Ein weiterer Pluspunkt ist auch, dass Alegra Cassano auf übermäßig viele erotische Szenen verzichtet – natürlich schlafen Morgan und Waydar immer mal wieder miteinander, doch Sexszenen sind eher kurz gehalten, werden teilweise sogar ausgeblendet, da sich die Autorin vollkommen auf die Geschichte konzentriert.

Fazit:
„Blutzoll der Wölfe“ ist ein solider, gut geschriebener Fantasy-Roman, der durch eine sehr komplexe, gut durchdachte Handlung und eine Vielzahl lebendiger Charaktere besticht. Alegra Cassano ist ein wundervoller, fesselnder Auftakt gelungen, den Fans aufwendiger und verstrickter Handlungsbögen auf jeden Fall lesen sollten. Da beide Bände ursprünglich zusammengehören, sprich „Butzoll der Wölfe“ aufgrund des Umfangs getrennt wurde, sollte man Band 2 griffbereit haben, wenn man den ersten Teil ausgelesen hat. Es lohnt sich auf jeden Fall der Geschichte um Waydar und Morgan eine Chance zu geben. Zu empfehlen!

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