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[ROMAN] Bulls Eye – Mitten ins Herz von Bianca Nias

Autorin: Bianca Nias
Taschenbuch: 312 Seiten
ISBN: 978-3945934630
Preis: 5,99 EUR (eBook) / 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der neunzehnjährige Wesley ist der aufstrebende Star des Dart-Sports und kann auf ein sehr bewegtes, Leben zurückblicken, das er vor allem von seinen Schattenseiten kennen gelernt hat. Sein Glück ist perfekt, als er während eines Turniers den Studenten Björn kennenlernt, sich in diesen verliebt und dieser Wesleys Gefühle aufrichtig erwidert werden. Als der Journalist Jens dem jungen Dart-Spieler vorschlägt, seine Beziehung öffentlich zu machen, ahnt niemand welche Probleme das Coming-Out nach sich zieht – nicht nur entpuppt sich sein Sponsor als äußerst homophob, ein dunkler Schatten aus Wesleys Vergangenheit wird auf ihn aufmerksam und droht das junge Glück zwischen ihm und Björn zu zerstören …

Eigene Meinung:
Die Autorin Bianca Nias ist vor allem durch ihre Gestaltwandler-Romane bekannt, von denen aktuell fünf Bände der „Bruns“-Reihe vorliegen (davon ist einer ein Hetero-Liebesroman), inklusive mehrerer Specials und Kurzgeschichte, sowie der Reihe „Navy Seals“. Mit „Bulls Eye – Mitten ins Herz“, erschienen im deadsoft Verlag, wagt sie sich an einen völlig realistischen Roman mit leichten Krimielementen am Ende und präsentiert dabei einen relativ unbekannten Sport, ist Dart hierzulande doch kaum geläufig.

Die Geschichte beginnt wie eine typische Liebesgeschichte – Wesley begegnet Björn, die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und verlieben sich natürlich binnen weniger Stunden. Anschließend sind die beiden fast nur noch miteinander im Bett, von den einzelnen Dart-Spielen einmal abgesehen, an denen Wesley gegen bekannte Dart-Spieler antreten darf. Über die Hälfte des Buches passiert dementsprechend wenig, was durchaus für Langeweile sorgt und die Spannung nimmt. Wer erotische Szenen und eine ausführliche Beschreibung eines Dart-Spiels mag, dem wird das natürlich gefallen, denn die beiden jungen Männer lassen definitiv nichts anbrennen. Erst als es um Wesleys Vergangenheit geht, nimmt die Handlung an Fahrt auf und bekommt zum Ende hin leicht thrillerhafte Züge an.
Ein wenig störend ist auch die Tatsache, dass es zwischen den beiden so schnell geht – Wesley ist Björns erste Liebe und schon geht er in die Vollen. Auch Wesley spricht bereits nach wenigen Tagen von der großen Liebe, ist bereit sich zu outen und damit seine Karriere auf’s Spiel zu setzen. All das wirkt ein wenig zu hektisch und schnell, da sich die beiden im Grunde kaum kennen und Björn sehr schnell sein Studium unterbricht, um Wesley beizustehen. Das mag in dem Zusammenhang romantisch sein, realistisch ist es mit Sicherheit nur bedingt.

Die Figuren bleiben dem Leser leider recht fremd, obwohl sowohl Wesley als auch Björn eingehend vorgestellt und mit einer ausführlichen Vergangenheit ausgestattet wurden. Dennoch hat man beim Lesen das Gefühl, eine unsichtbare Mauer zwischen sich und den Helden der Geschichte zu haben, die man nicht überwinden kann. Gerade Björn bleibt seltsam blass und trägt zur Rahmenhandlung nur wenig bei. Er ist da und ist Wesleys Partner, aber ansonsten wirkt er fast wie ein Statist. Sein Leben ist fast schon klischeehaft aufgebaut – gutbürgerlich aufgewachsen, zwar geoutet, aber doch versteckt schwul und mit einer erzwungen liberalen Familie gesegnet. Außerdem entwickelt er kaum Eigendynamik, was sehr schade ist. Man hätte eine Menge aus ihm machen können, doch gerade seine Probleme lösen sich am Ende in Luft auf, ohne dass er überhaupt etwas tut. Wesley muss sich da schon mehr ins Zeug legen, um mit seiner Vergangenheit fertig zu werden. Dennoch hat man auch bei ihm den Eindruck, ihm nur schwer nahe zu kommen, obwohl die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird. Vielleicht liegt das an seiner mitunter spröden Art, was gut zu jemandem mit seiner Vergangenheit passt.

Dafür sind die Nebenfiguren sehr sympathisch und laufen den beiden Hauptfiguren fast den Rang ab, allen voran Jens, der nichts anbrennen lässt und sich jedem gutaussehenden Kerl erfolgreich an den Hals wirft. Dass nahezu jeder Kerl in dem Roman schwul ist, befremdet dann aber doch ein wenig.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Bianca NIas hat einen sehr sicheren, soliden Schreibstil und sich im Vorfeld viel Gedanken über Dart und die Regeln gemacht. Man erfährt eine Menge über diesen Sport, wie gespielt wird und welche Regeln es gibt. Das ist durchaus spannend, denn es bringt dem Leser diese Sportart näher. Natürlich sind auch die erotischen Szenen sehr ansprechend verpackt – Fans von expliziter Literatur werden an „Bulls Eye“ ihre Freude haben, denn die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch die Beschreibungen und Dialoge sind passend umgesetzt – man kann sich die Orte und Personen gut vorstellen.

Fazit:
„Bulls Eye – Mitten ins Herz“ ist ein netter Roman für Zwischendurch, der gerade Fans erotischer Gay Romance gefallen dürfte. An Bianca Nias Gestaltwandler reicht er leider nicht heran – dazu ist die Geschichte im ersten Teil zu langatmig und zum Ende hin zu kurz abgehandelt. Auch die Figuren bleiben nicht so sehr in Erinnerung wie die Bruns und wirken bis auf Jens recht blass. Wen das nicht stört und wer Bianca Nias‘ Romane mag, sollte einen Blick in „Bulls Eye“ werfen.

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[ROMAN] Der ehrenwerte Dieb von James Buchanan

Autoren: James Buchanan
Taschenbuch: 360 Seiten
ISBN: 978-3960890683
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem der Einbrecher und Dieb Caesar Serrano mitbekommt, dass er eine leidenschaftliche Nacht mit dem LAPD Officer Nathan Reilly verbracht hat, nimmt er sich vor, den gutaussehenden Mann nicht mehr wiederzusehen. Als er jedoch bei einem Beutezug in einer Villa auf kinderpornografische Fotos stößt, wendet er sich an Nathan der ihm seine Unterstützung verspricht. Gemeinsam gehen sie zur Polizei, wo Caesar für seine Aussage einen Deal mit der Staatsanwaltschaft heraushandeln kann. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, denn die Villa gehört nicht nur einem hohen Tier der Polizei, jemand versucht auch Caesar auszuschalten, um dessen Aussage vor Gericht zu verhindern. Gemeinsam mit Nathan, der von seinem Vorgesetzten zu Caesars Leibwächter berufen wird, flieht der junge Dieb aus der Stadt …

Eigene Meinung:
James Buchanan ist einer der bekanntesten englischsprachigen Autoren im Gay-Genre und hat sich mit Dutzenden Reihen und Einzelbüchern einen Namen gemacht. Mit „Der ehrenwerte Dieb“ legt deadsoft erstmals eines seiner Werke in deutscher Sprache vor.

Die Geschichte verspricht einen spannenden Krimi, der mit der Liebesgeschichte zweier ungleicher Männer gewürzt ist. Leider hält das Buch überhaupt nicht, was man sich vom Klappentext verspricht – statt Spannung, Action und eines ausgeklügelten Krimis bekommt man vorwiegend Sex! Denn viel mehr machen Nathan und Caesar nicht, wenn sie allein in einem Raum sind – selbst in den unmöglichsten Situationen haben sie nichts Besseres zu tun, als es miteinander zu treiben. Da wundert es nicht, dass Nathan während der Flucht zu keiner Sekunde auf die zündende Idee kommt, wie ihre Häscher sie jedes Mal so schnell finden können (etwas, was dem Leser schon nach wenigen Seiten klar ist). Auch sonst dreht es sich bei „Der ehrenwerte Dieb“ eher um Erotik und platten Sex, als um die Rahmenhandlung. So interessant die Grundidee ist und so viel man aus der eigentlichen Krimihandlung hätte machen können – der Autor setzt nichts davon um. Stattdessen konzentriert er sich auf die ausufernden Sexszenen, die man nach dem vierten Mal (im ersten Drittel) gelangweilt überblättert. Auch ist es nicht verwunderlich, dass die Lösung des Krimis und die ganze spannende Handlung lediglich am Rande abläuft und die Figuren keinerlei erwähnenswerten Einfluss mehr darauf haben – vieles wird am Ende in wenigen Sätzen zusammengefasst, um wenigstens das wichtigste der Grundidee zu klären.
Das macht James Buchanans Roman ungemein langweilig und unspektakulär, wenngleich die Nicht-Sex-Szenen gut beschrieben und in sich logisch sind. Das betrifft sowohl Caesars Einbruch, als auch die Befragung der Polizei und die Mühlen der Justiz. Hier hat man das Gefühl, dass sich der Autor durchaus mit den Grundlagen beschäftigt oder entsprechend tiefgehend recherchiert hat.

Die Charaktere sind durchaus sympathisch und können beide überzeugen – wenn man von dem übermäßigen Sextrieb einmal absieht. Caesar ist ein starker Charakter, der aufgrund seiner Herkunft und seines bisherigen Lebens eine spannende Grundlage bietet und sich im Laufe der Geschichte durchaus weiterentwickelt. Auch Nathan als offen schwuler Polizist ist gut in Szene gesetzt und überzeugt mit seiner loyalen und sympathischen Art.

Stilistisch ist der Roman gut und solide – James Buchanan weiß wie man schreibt und hat ein Händchen für Beschreibungen von Stadt und Land. Gerade L.A. ist sehr stimmungsvoll und atmosphärisch beschrieben – man kann sich die Stadt sehr gut vorstellen. Auch die Dialoge sind gut umgesetzt, ebenso die Erotikszenen, wenngleich sich diese mit der Zeit auch sprachlich wiederholen. Ein großes Manko ist jedoch die deutsche Übersetzung – das Buch wimmelt vor Rechtschreibfehlern, mangelhafter Zeichensetzung und fehlenden Worten. Hin und wieder werden auch Verben in Sätze eingebaut, die überhaupt nicht zum Kontext passen, so dass einige Abschnitte keinen Sinn mehr ergeben. Hier fehlt definitiv ein Korrektor, der zumindest die gröbsten Schnitzer entfernt und den Sätzen einen Sinn gibt. Wer sich bei Fehlern schnell aus dem Konzept bringen lässt, sollte sich vorab überlegen, ob er „Der ehrenhafte Dieb“ unbedingt im Regal braucht – das Buch bietet leider nicht die gewohnte deadsoft-Qualität und vergällt den Spaß am Lesen.

Fazit:
„Der ehrenwerte Dieb“ verspricht inhaltlich viel, kann jedoch nur wenig halten – die Geschichte ist zu sexlastig, was auf Kosten der Logik und der Spannung geht. Der Krimiplot bleibt zu 90% auf der Strecke und wird nur am Rande behandelt, stattdessen bekommt man alle 10 Seiten eine ausufernde Sexszene präsentiert. Da können auch die sympathischen Figuren nicht mehr viel retten, was sehr schade ist. In Kombination mit den vielen Fehlern innerhalb der deutschen Übersetzung, kann ich dieses Buch nur Lesern empfehlen, die auf viel Erotik und Sex aus sind. Wer einen spannenden Krimi sucht, ist bei diesem Buch falsch – leider nicht zu empfehlen.

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[ROMAN] Die Anderen von Chris P. Rolls


Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 412 Seiten
ISBN: 978-3-959490146
Preis: 7,99 EUR (eBook) | 16,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Finn hat mit Vampiren, Dämonen und übersinnlichem Kram wenig am Hut. Das ändert sich als er eines Abends von einem Vampir angegriffen und fast getötet wird. Nur mit viel Glück kommt er mit dem Leben davon, hat allerdings fortan das Problem, dass das Wesen ihn verfolgt und vor seiner WG auflauert. Schließlich zieht Finn von Hamburg nach Lüneburg, in der Hoffnung, dort sein studentisches Leben in Frieden zu verbringen – er findet sogar in einer Gruppe Mittelalter-Freaks neue Freunde. Doch das Wesen, was sich schließlich als Dämon offenbart, folgt ihm, denn Finns Blut ist in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes. Das erkennt auch Finns dämonischer Verfolger Dave, der alles daran setzt den unschuldigen Studenten zu verführen. Dabei nimmt er in Kauf, etwas in Finn zu wecken, was für einen Dämon tödlich enden könnte.

Eigene Meinung:
„Die Anderen – Das Dämnenmal“ ist eine Gay-Mystery Trilogie von Chris P. Rolls und erscheint in Neuauflage beim Main Verlag. Ursprünglich brachte der inzwischen insolvente FWZ-Verlag die Geschichte um Finn und Dave in mehreren dünnen Heften heraus; für die Neuauflage wurden die Romane von der Autorin erneut überarbeitet. Mit etlichen Veröffentlichungen im Gay Romance Bereich gehört Chris P. Rolls zu den bekanntesten, deutschen Autoren im schwulen Litaeraturmarkt. Ihre Bücher erscheinen sowohl im Selfpublishing, als auch bei den gängigen Genre Verlagen.

Die Geschichte beginnt spannend und reißt den Leser direkt ins Geschehen. Man lernt den schüchternen Finn kennen, der mit etlichen Problemen zu kämpfen hat, und Dave, der einer der ältesten Vertreter der Anderen ist, wie sich die Dämonen selbst nennen. Die Geschichte nimmt spätestens in Lüneburg an Fahrt auf, als Finn die Mitglieder der Mittelaltergruppe kennenlernt und auch Dave nach Lüneburg siedelt, um Finn näher zu kommen. Dabei achtet er genau darauf, dass der Student nichts davon mitbekommt, dass er Finns dämonischer Verfolger ist, während er alles daran setzt den jungen Mann ins Bett zu bekommen. Währenddessen werden nicht nur Dämonenjäger auf die Vorfälle in Hamburg (und später Lüneburg) aufmerksam (zu denen auch einige von Finns neuen Freunden gehören), auch der Halbdämon Russell taucht in dem kleinen Städtchen an der Ilmenau auf und beobachtet mit Sorge die Veränderung seines Freundes Dave.
Mit der Zeit nimmt die Geschichte spürbar an Fahrt auf – auch die erotischen Szenen kommen häufiger vor (bestimmen mitunter sogar einen Großteil der Handlung). Dennoch tritt die Handlung nicht in den Hintergrund – sie bleibt präsent und sorgt mit neuen Wendungen und Geheimnissen dafür, dass man als Leser bei der Stange bleibt. So fiebert man am Ende des Buches „Das Dämonenmal“ der Fortsetzung entgegen, denn man möchte unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Chris P. Roll führt eine Menge unterschiedlicher Charaktere ein, die im Laufe der Geschichte wichtige Rollen übernehmen. Sei es der schüchterne Finn, der im Laufe der Zeit spürbar aus sich heraus geht und allmählich offensiver wird oder Dave, der sich einerseits stark zu Finn hingezogen fühlt und ihn beschützen will, andererseits mit seinem dämonischen Blut zu kämpfen hat, das nach Finns Leben verlangt. Auch die Figuren rund um die Mittelaltertruppe sind witzig und lebendig in Szene gesetzt, allen voran der Schmied Roger, die farbenfrohe Hexe Angelika und der schwule Barde Max, die Finn schnell in ihrer Truppe aufnehmen. Es macht Spaß die unterschiedlichen Figuren kennenzulernen und durch die Geschichte zu begleiten.

Stilistisch mag die Geschichte älter sein, doch sie ist trotzdem sehr flüssig und leicht verständlich gehalten. Es macht Spaß Finn durch Lüneburg zu begleiten und mit ihm zusammen für Dave zu schwärmen. Einzig die beiden inneren Stimmchen (Verstand und Gefühl) sind ein wenig gewöhnungsbedürftig, da sie außer praktischen und unpraktischen Sprüchen wenig zur Handlung beitragen. Ob sie eine tiefere Bedeutung haben, bleibt offen, doch die häufigen inneren Dialoge sind mit der Zeit ein wenig ermüdend. Nichtsdestotrotz zeigt Chris P. Rolls mit einer Mischung aus Action, Erotik und Witz, wie man den Leser fesselt.

Fazit:
„Das Dämonenmal“ bietet Fans von Gay-Mystery Romanen spannende, gut geschriebene Unterhaltung, die man nur schwer aus der Hand legen kann. Chris P. Rolls besticht durch einen sehr komplexen Handlungsbogen, der in den Folgebänden ausgebaut werden dürfte und interessanten Charakteren, die man schnell ins Herz schließt. Wer die Bücher der Autorin mag, sollte sich „Die Anderen“ nicht entgehen lassen – zu empfehlen.

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[NOVELLE] Blinded Date von Chris P. Rolls

Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch:  112 Seiten
ISBN: 978-1522945369
Preis: 2,99 EUR (ebook) | 4,0 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nach etlichen Monaten Flaute in seinem Sexleben, entschließt sich Silas zu einer Probemitgliedschaft bei dem seriösen Club „Blinded Date“. Dort ist Anonymität Pflicht, was bedeutet, dass X-Männer (sprich derjenige, der die erotischen Zusammenkünfte aktiv beeinflusst) Masken tragen und sich Y-Männer vollkommen blind auf die Spielereien mit ihrem unbekannten Partner einlassen (was nicht bedeutet, dass sie passiv sein müssen). Die Wahl welchen Part man übernimmt, kann jeder am Abend für sich selbst treffen – jedes Mitglied hat im Vorfeld einen entsprechenden Bogen über seine Vorlieben ausgefüllt, die der Sexpartner unbedingt einzuhalten hat. Silas reizt der Gedanke daran, nicht zu wissen, mit wem er zusammen ist und probiert testet beide Rollen für sich aus. Bereits bei seinem zweiten Besuch trifft er auf einen Mann, der nicht nur seine Sehnsüchte erfüllt, sondern zu dem er sich seltsamerweise auch hingezogen fühlt – und das obwohl er ihn nie zu Gesicht bekommen hat …

Eigene Meinung:
„Blinded Date“ ist ein knapp 100-seitiger Kurzroman der beliebten Gay Romance Autorin Chris P. Rolls. Entsprechend der Beschreibung und Kürze des Textes kann man sich bereits im Vorfeld denken, dass es sich um einen sehr expliziten Roman mit einigen romantischen Elementen handelt. Leser, die auf eine ausgeklügelte Handlung und tiefgründige Charaktere Wert legen, werden also nur bedingt glücklich sein.

Inhaltlich passiert kaum mehr als Silas‘ Besuche im Club und sein Ausprobieren der unterschiedlichen Rollenmodelle. Während er sich nicht wirklich in den Part eines X-Mannes einfinden kann und Angst hat die Wünsche seines Partners nicht zufriedenstellend zu erfüllen, findet er recht schnell Gefallen an der anderen Position. Das liegt vor allem daran, dass er bei seinem ersten Blinded Date als X-Mann einen Partner findet, der ihn nicht nur befriedigt, sondern der ihn auch außerhalb essen anspricht. Es ist klar, dass sich zwischen den beiden Männern mehr entwickelt und zum Ende hin auch die Romantik nicht zu kurz kommt. So ist „Blinded Date“ ziemlich vorhersehbar, denn der Leser kann sich denken, dass Silas in dem Club seiner neuen Liebe begegnet.
Trotzdem ist die Geschichte spannend und originell, was nicht zuletzt am Konzept des Clubs liegt. Es bietet auf jeden Fall eine Menge Potenzial, denn es hat auch für den Leser seinen Reiz, dass Silas vollkommen blind ist und sich nur auf seine anderen Sinne verlassen kann. Lediglich die Tatsache, dass Silas auf Anhieb auf jemanden trifft, der ihn nicht nur vollkommen zufriedenstellt, sondern auch noch wiedersehen will, wirkt ein wenig unrealistisch. Chris P. Rolls verschenkt an dieser Stelle Potenzial, was jedoch eher an der Kürze des Buches liegt – sie hätte einige Aspekte und Hintergründe durchaus umfangreicher beschreiben und dem Grundthema mehr Aufmerksamkeit schenken können. Vielleicht kommt da ja irgendwann mehr – um den Club könnte man gewiss weitere Geschichten stricken.

Charakterlich sollte man nicht zu viel erwarten – die Figuren sind recht stereotyp, wobei man als Leser vorwiegend Silas kennenlernt. Immerhin wird die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, sprich man erfährt ein wenig über seine Leben und seine Beweggründe. Ansonsten bleibt er eher blass, ebenso wie die übrigen Charaktere.

Stilistisch bietet Chris P. Rolls solide, hocherotische Kost. Sehr stimmungsvoll und gut umschrieben sind die Sexszenen, die sich die Autorin dieses Mal auf alle anderen Sinne außerhalb des „Sehens“ konzentrieren muss, was den Beschreibungen eine ganz andere Qualität verleiht. Es gelingt ihr trotz des „Handycaps“ sehr abwechslungsreich und eindringlich die expliziteren Szenen zu beschreiben, so dass keinerlei Langeweile aufkommt. Auch die Umgebung wird gut wiedergegeben, so dass man sich den Club und das dort verkehrende Klientel gut vorstellen kann.

Fazit:
„Blinded Date“ ist ein gelungener Kurzroman, der durch eine schöne, der erotischen Handlung angemessene Sprache besticht. Wer keine expliziten Gay Geschichten mag oder Wert auf Charakterentwicklung und eine tiefgründige Geschichte legt, ist hier definitiv falsch. Chris P. Rolls Roman ist eher etwas Erotisch-Sinnliches für Zwischendurch – das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man sich für „Blinded Date“ entscheidet.

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[ANTHOLOGIE] In seiner Hand

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Autoren: Nino Delia, Cecil Dewi, Levi Frost, Lasar Herzberg, Florian Höltgen, Annette Juretzki, Peter Nathschläger, Marina Pátek, Björn Petrov, Leann Porter, Thomas Pregel, Dennis Stephan, Devin Sumarno, Raik Thorstad, Jana Walther, Romy Wolf
Taschenbuch:  312 Seiten
ISBN: 978-3-945569054
Preis: 6,99 EUR (ebook)12,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Schwule Erotik – mal zart, mal hart; mal leidenschaftlich, mal verspielt. Dies ist das Motto der Anthologie „In seiner Hand“ in der der Incubus Verlag 19 Kurzgeschichten gesammelt hat, die sich vorwiegend um die schönste Nebensache der Welt drehen. Von Alltagsgeschichten und Drama über historische Episoden, Fantasy und Sci-Fi ist wirklich alles dabei. Einige Autoren sind gleich mit zwei Geschichten vertreten (u.a. Jana Walther und Cecil Dewi), andere sind im Gay Genre noch gänzlich unbekannt.

Die teilnehmenden Autoren sind:
Nino Delia, Cecil Dewi, Levi Frost, Lasar Herzberg, Florian Höltgen, Annette Juretzki, Peter Nathschläger, Marina Pátek, Björn Petrov, Leann Porter, Thomas Pregel, Dennis Stephan, Devin Sumarno, Raik Thorstad, Jana Walther und Romy Wolf.

Eigene Meinung:
Mit „In seiner Hand“ erschien die zweite Anthologie des Incubus Verlags und dieses Mal ging der Herausgeber Ulrich Hawighorst in die Vollen – schwule Erotik in allen denkbaren Facetten war gesucht, ganz gleich ob fantastisch, dramatisch oder historisch: in der Anthologie sollten möglichst unterschiedliche Geschichten und Erzählungen zu finden sein.

Dieses Vorhaben ist durchaus geglückt, denn die Anthologie enthält eine überraschend breite Palette verschiedener Projekte und Kurzgeschichten, die sich mit dem Thema beschäftigen, ohne auf platte und gleichförmige Art und Weise den Akt zwischen Mann und Mann zu beschreiben. Mal zu zweit, mal mit mehreren Leuten, dann wieder unter Zuhilfenahme von Spielzeugen, oder auch mal in Richtung Tentakelsex – dem Leser wird einiges geboten. Wer nun denkt, dass es wirklich nur um Flüssigkeitsaustausch geht, er irrt sich – die Kurzgeschichten bieten überraschend viel Inhalt und Charakterentwicklung. Diese Tatsache, dass man als Leser eher nackte Tatsachen erwartet hat, ist ein gewaltiger Pluspunkt der Anthologie. Auch der Umstand, dass die Autoren Erotik nicht unbedingt mit Sex gleichsetzen, sondern auch mit den Zwischentönen, Worten und Andeutungen spielen ist sehr angenehm, da es dadurch nie langweilig wird.

Die gelungensten Geschichten stammen in meinen Augen von Marina Pátek (hinter der sich eine bekanntere Jugendbuchautorin verbirgt), die ins ferne Peru des 16. Jahrhundert entführt, Cecil Dewi, deren Geschichte „Sturm“ wundervoll geschrieben und sehr mitreißend ist, und Leann Porter, die eine Fantasiewelt entwirft, zu der man gern mehr erfahren möchte und zu der es hoffentlich irgendwann weitere Romane und Geschichten gibt. Auch Peter Nathschläger und Florian Höltgen legen tolle Geschichten vor, die sowohl anregend sind, als auch Lust auf mehr machen.

Insgesamt sind die Ideen zumeist ungewöhnlich, die Autoren warten mit tollen Handlungen und spannenden Charakteren auf und haben den ein oder anderen Clou am Ende, der definitiv Lust auf mehr macht. Und immer wieder wünscht man sich als Leser eine Fortsetzung, denn mitunter enden die Geschichten offen oder bieten Spielraum für mehr. Vielleicht wird es irgendwann mit der ein oder anderen Kurzgeschichte weitergehen – es wäre wünschenswert, da man als Leser einfach Lust auf mehr hat.

Stilistisch bewegen sich alle Geschichte auf einem hohen Niveau. Platte Erotik und lieblose 08/15-Sexszenen wird man hier glücklicherweise nicht finden. Jede Kurzgeschichte ist gut geschrieben, die Autoren verstehen auf jeden Fall ihr Handwerk. Sicherlich sind einige Autoren Geschmackssache, doch bei einer Anthologie hat man selten das Glück zu 100% mit der Auswahl zufrieden zu sein. „In seiner Hand“ gelingt es locker mit 90% der Geschichten zu begeistern und auch wenn man bei einigen Geschichten den Inhalt recht schnell vergisst, bleibt er bei anderen doch auch Tage nach Beendigung des Buches noch im Gedächtnis.

Auch die Aufmachung des Buches ist sehr ansprechend – das Cover ist optisch sehr beeindruckend, der Schriftzug auf den zweiten Blick mehr als eindeutig. Es spiegelt den Inhalt auf gekonnt subtile Art und Weise wieder und gehört mit zu den schönsten, die der Incubus Verlag zu bieten hat.

Fazit:
„In seiner Hand“ ist eine gelungene, sehr gut geschriebene und hochkarätige Anthologie, die sich der Thematik Sex und Erotik sehr subtil und überraschend vielfältig nähert. Die Geschichten sind so bunt wie die Autoren, die Ideen so breitgefächert wie es Ulrich Hawighorst in seinen einleitenden Worten verspricht. Fans schwuler Erotik sollten auf jeden Fall zugreifen, ebenso Leser, die auf eine facettenreiche Anthologie und unterschiedliche Stilrichtungen Wert legen. Der Incubus Verlag legt eine tolle Sammlung erotischer Kurzgeschichten vor, die Lust auf mehr machen und bei denen man einige neue Talente entdeckt. Zu empfehlen.

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[MANGA] Lass es uns tun von Aya Sakyo

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Autor: Aya Sakyo
Taschenbuch:  210 Seiten
ISBN: 978-3-7704-8450-8
Preis: 7,50 EUR

Story:
Von Kinderbeinen an sind der trottelige, einfache Nozomi und der stoische, ernste Rintaro miteinander befreundet. Da ist es vollkommen normal, dass sich beiden auch eine Wohnung teilen, als Nozomis Schwester ihnen ihre alte WG anbietet, um zu heiraten. Doch ihr Zusammenleben stellt beide vor ungeahnte Probleme, denn urplötzlich reagiert Nozomi sehr stark auf Rintaro, der sich ebenfalls zu seinem Freund hingezogen fühlt. Doch so einfach ist es nicht, ihre wachsende Beziehung auszuleben und gleichzeitig geheimzuhalten, denn Rintaro hat Angst davor, dass sie auffliegen könnten. Insbesondere als Nozomis Schwester auftaucht und in hochschwangerem Zustand bei ihnen unterkriechen will, wird ihr Zusammenleben auf eine harte Probe gestellt …

Eigene Meinung:
Nach dem Einzelband „Liebesskizzen“ erschien nun der neue Boys Love Manga von Aya Sakyo, die unter Ayane Ukyo auch erotische Shojo-Mangas für ein erwachsenes Publikum zeichnet. Dieses Mal legt sie mit „Lass es uns tun“ eine Liebesgeschichte zwischen zwei Kindheitsfreunden vor, die ihre Gefühle füreinander entdecken.

Inhaltlich bietet sich mit „Lass es uns tun“ nichts Neues. Der Manga läuft in gewohnten Bahnen, wirkliche Überraschungen und Wendungen gibt es nicht und auch das Ende ist weitestgehend vorhersehbar. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Figuren, ihren Gefühlen füreinander und ihren erotischen Zwischenspielen – denn dies ist irgendwie Dreh- und Angelpunkt des Einzelbandes: Sex. Wie schon in „Liebesskizzen“ präsentiert Aya Sakyo sehr detaillierte erotische Szenen, die zumeist Höhepunkt eines Kapitels darstellen. Sicherlich ist das für einen Yaoi-Manga nicht ungewöhnlich, doch die Charakterentwicklung und der Handlungsbogen bleiben weitestgehend auf der Strecke. „Lass es uns tun“ ist nun mal ein erotischer Boys Love Manga – dessen sollte man sich beim Kaufen halt bewusst sein.

Die Charaktere entsprechen ebenfalls weitestgehend den gängigen Klischees und sind die typischen Mangafiguren. Mit seiner weinerlichen, unreifen Art kann einem Nozomi allerdings schon mal auf die Nerven gehen. Da ist Rintaro schon sympathischer, insbesondere da man als Leser alles aus seiner Sicht erlebt und seine Gedanken mitbekommt. Dennoch sind die beiden etwas blass und bieten wenig Neues – es ist schade, dass sich weder die Charaktere noch der Inhalt aus der breiten Masse abheben. Dementsprechend schnell vergisst man die Handlung nämlich.

Von den Zeichnungen her lohnt sich „Lass es uns tun“ wiederum. Aya Sakyo hat einen sehr schönen, detailverliebten Stil, der sich besonders in ihren Protagonisten niederschlägt. Auch Anatomie bereitet ihr keinerlei Probleme, weswegen sie hin und wieder eher ungewöhnliche Perspektiven nutzt, um Nozomi und Rintaro (gerade wenn es um erotischere Szenen geht) zu präsentieren. Auch die Hintergründe sind gut ausgearbeitet und die Farbseiten ebenso gelungen. Die Mangaka kann zeichnen und beeindruckt eindrucksvoll wie stilsicher sie ist.

Fazit:
„Lass es uns tun“ ist ein netter Boys Love Manga für Zwischendurch, der weder mit einer neuen, interessanten Geschichte, noch mit ungewöhnlichen Charakteren punkten kann. Der Manga verläuft in gewohnten, stereotypen Bahnen, liegt schwerpunktmäßig auf Erotik und bleibt daher kaum in Erinnerung. Da hilft auch der solide Zeichenstil nicht, denn so hübsch Aya Sakyos Zeichnungen anzusehen sind, sie täuschen nicht über die mangelnde Handlung hinweg. Schade.

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[ROMAN] Kalte Ketten von T. C. Jayden

Autor: T. C. Jayden
eBook: 249 Seiten
ASIN: B00J9OI6GS
Preis: 6,99 EUR

Story:
Nachdem Rileys Beziehung mit Carlos in einem großen Streit endet, flieht er aus der gemeinsamen Wohnung. Ohne seine Papiere  und nur mit den Kleidern am Leib wird er von dem dominanten und gutaussehenden Kjell aufgegabelt und lernt durch diesen eine ganz andere Seite der Lust und Liebe kennen. An der Seite des unnahbaren Mannes taucht Riley in den SM-Bereich ein und freundet sich schnell mit seiner neuen Rolle als Sklave ab, während Kjell den Part des Meisters übernimmt. Schon bald ist Riley seinem Meister ganz und gar verfallen, und auch Kjell taut allmählich auf und beginnt sich seinem neuen Liebhaber anzuvertrauen. Just in dem Moment taucht jedoch der Mann in der Stadt auf, der einst Kjell gebrochen und fast getötet hat, und er wirft bereits beim ersten Aufeinandertreffen ein Auge auf Riley …

Eigene Meinung:
„Kalte Ketten“ ist der Debütroman von T. C. Jayden und erschien 2014 im Weltenschmiede Verlag, die Anfang des Jahres bereits „Der Sodomit“ herausgekommen ist. Im Gegensatz zu dem historischen Werk von S. B. Sasori geht dieses Buch am ehesten in die Thrillerrichtung, wenngleich dieses Genre nur leicht gestreift wird. Stattdessen stehen die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, sowie Rileys erste Schritte in der SM-Szene im Vordergrund.

Im Großen und Ganzen bietet die Geschichte nur teilweise etwas Neues – bricht man den Inhalt hinunter, so ist es eine typische Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, die sich zu einem großen Teil auf das erotische Spiel zwischen ihnen beschränkt. Das merkt man ganz besonders daran, dass T. C. Jayden eine Menge Sexszenen eingebaut hat, die gerade in der ersten Hälfte des Romans stark überwiegen. Einzig das SM-Setting und Rileys allmähliche Einführung in diese Szene bietet eine interessante, neue Perspektive und hebt „Kalte Ketten“ durchaus von den gängigen Vertretern des Gay Romance Genres ab. So ist T. C. Jaydens Werk wesentlich härter und definitiv nichts für zarte Gemüter, da die Autorin kein Blatt vor den Mund nimmt und genau beschreibt, was Riley alles erlebt und welche Auswirkungen die Spielereien auf ihn haben.
Inwieweit die Beschreibungen der SM-Szene zutreffen oder wie realistisch sie sind, lässt sich als Laie schwer sagen. Sie wirken gut recherchiert, sind weder klischeebehaftet noch übertrieben, so dass man durchaus  davon ausgehen kann, dass die Autorin nachgeforscht hat. Auf jeden Fall ist Rileys Einstieg in diese Welt nachvollziehbar und wirkt nicht aufgesetzt. Man kann ihn und seine Beweggründe verstehen, selbst wenn man der SM-Szene nichts abgewinnen kann. Einzig die Frage, ob ein ehemaliger, devoter“ Sklave“ wirklich die Position eines dominanten „Meisters“ einnehmen kann, bleibt bestehen, da Menschen normalerweise in eine der beiden Richtungen gehen und selten zwischen Sub und Dom wechseln.

Charakterlich liegen die Schwerpunkte deutlich auf Riley und Kjell, wobei letzterer erst im letzten Drittel einen größeren Spielraum zugewiesen bekommt. Bis dahin wird die Geschichte weitestgehend aus Rileys Sicht erzählt, erst zum Ende hin wechselt die Perspektive zwischen ihm und Kjell. Dadurch erhält man erst zum Ende hin die notwendigen Informationen zu Kjell, wenngleich man natürlich recht frühzeitig die Hintergründe erahnen und die Zusammenhänge verstehen kann.
Riley ist dabei ein sympathischer Charakter, mit dem man sich gut identifizieren und anfreunden kann, auch wenn er hin und wieder sehr devot ist und sich nur selten gegen ungerechte Behandlung auflehnt. Zwar scheut er sich am Ende nicht davor, seine Meinung kundzutun, doch als Leser wünscht man sich, dass er früher aktiv wird, teilweise auch hinsichtlich Kjells verstockter Art. Dieser vermittelt fast durchgängig eine Aura der Unnahbarkeit und ist schwer zu verstehen. Als Leser ist man zumeist ebenso ratlos wie Riley, auch wenn man im Nachhinein die ein oder andere Reaktion seitens Kjell verstehen kann. Nichtsdestotrotz hätte ich mir an dieser Stelle mehr Tiefgang erhofft, da man gerade aus Kjell wesentlich ehr hätte herausholen können.

Neben dem interessanten Setting, kann auch T. C. Jaydens Schreibstil überzeugen. „Kalte Ketten“ liest sich flüssig und sehr schnell – die Autorin bemüht sich um eine abwechslungsreiche Sprache, so dass es nie langweilig wird. Sowohl die erotischen Szenen, als auch die Beschreibungen der Szene und von Rileys Gefühlswelt sind gut umgesetzt, so dass man schnell in die Geschichte kommt. Lediglich Umgebungsbeschreibungen fehlen, so dass der Leser nicht genau weiß, wo die Handlung spielt und wie die Stadt aufgebaut ist. Das ist schade, da diese Dinge dem Buch meiner Meinung nach gut getan hätten.

Fazit:
Mit „Kalte Ketten“ von T. C. Jayden legt der Weltenschmiede Verlag einen weiteren, gut geschrieben und überzeugenden Gay Roman vor, der Fans schwuler Erotik und SM-Liebhaber durchaus gefallen dürfte, insofern man nicht zu sehr auf eine realistische Darstellung der SM-Szene pocht. Dank des soliden Schreibstils, der gut nachvollziehbaren Charaktere und der ungewöhnlichen Grundidee ist das Buch lesenswert und fesselnd, allerdings sollte man sich vor dem Kauf ins Gedächtnis rufen, dass „Kalte Ketten“ nichts für Zartbesaitete ist. Auch wenn die Romantik nicht zu kurz kommt, so ist T. C. Jaydens Werk doch eine Geschichte aus der SM-Szene und zeigt eine Form der Liebe, die man normalerweise nicht gewöhnt ist. Wer für diese „andere Liebe“ offen ist und nichts gegen die ein oder andere heftigere Szene hat, sollte einen Blick riskieren, alle anderen sollten im Vorfeld einen Blick in die Leseprobe werfen.

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