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[ROMAN] Bone Rider von J. Fally

Autor: J. Fally
Taschenbuch: 290 Seiten
ISBN: 978-1634776448
Preis: 3,29 EUR (eBook) / 15,40 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Riley Cooper ist auf der Flucht vor seinem Ex-Lover Misha Tokarev, der sich als Mafiakiller entpuppt hat und mit seinen Leuten auf der Jagd nach ihm ist. Sein Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als er eines Nachts mit einem vermeintlichen Motorschaden mitten im Nirgendwo strandet und von einem außerirdischen, intelligenten Verteidigungs- und Waffensystem als neuer Wirt auserkoren wird. Fortan ist McClane, wie sich der Alien nach einer „Die Hard“-Filmsession nennt, eng mit Riley verbunden, was durchaus seine Vorteile hat, denn er kann seinen Host nicht nur verteidigen, er ist auch in der Lage Riley schneller zu heilen und widerstandsfähiger zu machen. Der Nachteil ist, dass das amerikanische Militär auf der Suche nach dem Alien ist und dabei auch Kollateralschaden in Kauf nimmt. Zudem spürt auch Misha Riley auf und möchte ihn zurückbekommen, ganz gleich was es kostet. Ein Wettlauf gegen das Militär und die Mafia beginnt, denn letztere will Misha endgültig hinter sich lassen, um mit Riley zusammen zu sein …

Eigene Meinung:
„Bone Rider“ ist das Debüt und bislang (von einer Kurzgeschichte abgesehen) einzige Werk von J. Fally. Es erschien bei Dreamspinner Press, die auch für die deutsche Ausgabe verantwortlich sind. Die ungewöhnliche Geschichte verknüpft Sci-Fi, Action, Mafia-Thriller und Verfolgungsjagden, sprich man sollte offen für derartige Genre-Mix sein.

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[ROMAN] Zero at the Bone von Jane Seville

Autor: Jane Seville
Taschenbuch:  406 Seiten
ISBN: 978-1634772037
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 20,33 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem Jack Francisco den Mord an einer jungen Frau beobachtet hat, ist in seinem Leben nichts mehr wie es war. Um als Zeuge gegen die beiden Mörder aussagen zu können, wird er unter Schutz gestellt und aus Baltimore gebracht, jeglicher Kontakt zu Freunden und Familie ist untersagt. Doch bereits nach kurzer Zeit hat ihn ein Profikiller namens D gefunden, der den Auftrag hat, Jack zu beseitigen – allerdings bringt es D nicht über sich Jack zu erschießen. Stattdessen nimmt er Jack mit sich und macht es sich zur Aufgabe ihn zu beschützen, damit er vor Gericht aussagen kann. Eine ereignisreiche Flucht quer durch Amerika beginnt, bei der Jack erkennen muss, dass D nicht ansatzweise so gefühlskalt ist, wie er dachte und D sich allmählich öffnet und erstmals jemandem Einblicke in seine Vergangenheit gewährt …

Eigene Meinung:
Der Thriller „Zero at the Bone – Eiskalt bis ins Mark“ stammt von Jane Seville und erschien in englischer Sprache bei Dreamspinner Press, die auch für die deutsche Ausgabe verantwortlich sind. Das Buch kam bereits 2014 auf den deutschen Markt, 2016 wurde die deutsche Fassung überarbeitet und stellenweise neu übersetzt, da die erste Übersetzung auf Kritik stieß. Neben der Haupthandlung gibt es auf dem Blog der Autorin drei weitere Kurzgeschichten, in denen es um D und Jack geht.

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[ROMAN] Sunset Park von Santino Hassell

Autor: Santino Hassell
Taschenbuch: 220 Seiten
ISBN: 978-1635337358
Preis: 6,63 EUR (eBook) / 16,05 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem Nunzio und Michael nach etlichen Jahren endlich zusammengefunden haben, steht der nächste Schritt bevor – die beiden wollen zusammenziehen, was die Vermietung des elterlichen Hauses bedeutet. Für Michaels Bruder Raymond kommt das alles vollkommen unerwartet. Nicht nur hat er grad seinen Job in den Docks verloren, er will sich nicht nach einer Wohnung umsehen, die er allein nicht finanzieren kann. Glücklicherweise schlägt der schwule David vor, eine WG zu gründen, da er sich von seinem Freund getrennt hat und sowieso auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist. Tatsächlich finden die beiden etwas, doch aus der reinen WG-Beziehung wird schnell mehr, als Raymond erstmals seine bisexuelle Neugier befriedigen will und David, der schon lange ein Auge auf Ray geworfen hat, sich bereit erklärt für Experimente zur Verfügung zu stehen …

Eigene Meinung:
Der Roman „Sunset Park“ ist der zweite Teil der „Five Boroughs“-Reihe von Santino Hassell und erschien im Dreamspinner Press Verlag. Während sich „Sutphin Boulevard“ dem älteren Bruder Michael annahm und seine Alkoholprobleme und die verkorkste Beziehung zu Nunzio thematisierte, setzt „Sunset Park“ Raymond ins Zentrum. Die Reihe hat inzwischen fünf Bände, Teil 1 bis 3 erschien bei Dreamspinner Press, ab Band 4 liegen die Bücher bei Riptide Publishing vor.

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[ROMAN] Dunkle Schatten von Rhys Ford

Autor: Rhys Ford
Taschenbuch: 300 Seiten
ASIN: B01GP58JDS
Preis: 5,14 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Der drogensüchtige Kismet kann schon immer albtraumhafte, blutrünstige Schattenwesen sehen, denen er nur während eines Drogenrauschs entfliehen kann. Dass seine neuen Drogen die Visionen eher verstärken und ihn nach und nach auf die Seite hinter dem Schleier ziehen ahnt er nicht, ebenso wenig, dass die vier apokalyptischen Reiter auf ihn aufmerksam werden, bringt er doch ein fragiles Gleichgewicht in Gefahr. Doch auch andere Unsterbliche entwickeln ein gesteigertes Interesse an Kismet, denn der Mensch hat sich durch den neuen Drogencocktail weiterentwickelt und wird mehr und mehr zum Unsterblichen. Schon bald liegt es an den Reitern den jungen Mann zu schützen, wobei Colm alias Pestilenz schon bald ein tiefergehendes Interesse an Kismet entwickelt …

Eigene Meinung:
„Dunkle Schatten“ ist der erste Band der „Ink and Shadows“-Reihe von Rhys Ford und erschien bei Dreamspinner Press. Der Autor hat sich im Gay Genre bereits einen Namen gemacht – es liegen etliche Einzelromane und Reihen vor – teils auch in deutscher Sprache. Eine Fortsetzung von „Dunkle Schatten“ mag angedacht sein, ist bisher jedoch nicht in Sicht, dabei gäbe es durchaus genügend Potenzial und offene Punkte, um die Geschichte von Kismet und den vier Reitern fortzuführen.

Rhys Ford hat sich ein düsteres, sehr komplexes Setting ausgedacht, das man erst im Laufe der Zeit begreift und erfasst. Das liegt vor allem daran, dass er kaum ein Wort über die Hintergründe verliert und den Leser gerade zu Beginn ein wenig im Stich lässt – sicherlich hätte man nicht alles bis ins kleinste Detail erzählen müssen, doch eine gewisses Basiswissen hätten den Einstieg in die Handlung spürbar erleichtert. So hat man einige Schwierigkeiten, durch den mythologischen Grundplot zu steigen und braucht lange, um sich auf die ungewöhnliche Geschichte einzulassen. Dabei ist „Dunkle Schatten“ durchaus spannend und bietet ein gut durchdachtes, sehr mystisches Abenteuer, das von blutigen Kämpfen, viel Action und ungewöhnlichen Charakteren bestimmt wird. Wer auf romantische oder gar erotische Szenen hofft ist bei Rhys Fords Roman an der falschen Adresse – zwar gibt es hin und wieder einige stimmungsvolle Momente zwischen Tod (Shi) und Krieg (Ari) oder Kismet und Pest Colm), aber auf mehr als einen Kuss darf man sich als Leser nicht freuen. Stattdessen wird die Handlung vorangetrieben, um nach und nach die Gegner und deren Beweggründe zu enthüllen.

An einigen Punkten schleichen sich jedoch auch Unstimmigkeiten in die Geschichte, ganz besonders beim Endkampf scheint der Autor seine eigenen Regeln zu vergessen, die er für die Unsterblichen entwickelt hat – was das Finale ziemlich unlogisch macht. Wer darüber hinwegsehen kann, den erwartet trotzdem ein schönes, actionreiches und blutiges Ende.

Ein großer Pluspunkt sind die Charaktere, die „Dunkle Schatten“ bevölkern. Rhys Ford greift mehrere mythologische Wesen und Aspekte auf, denn es gibt neben den Menschen nicht nur die vier apokalyptischen Reiter, sondern eine Vielzahl verschiedener Unsterblicher, darunter die Tugenden (Frieden, Güte, Hoffnung, Glaube), Sidhe und Un-Sidhe, Trolle und Dunkelelfen. Sie alle halten sich normalerweise hinter dem Schleier im Dunklen auf, der auch die Schattenwesen hervorbringt, die sich hin und wieder in die Realität verirren. Ganz besonders gut gelungen sind die vier Reiter, die zwar Unsterbliche sind, jedoch (wie alle ihrer Art) ganz normal verletzt und sogar getötet werden können – selbst Tod könnte mit einem gezielten Angriff zur Strecke gebracht werden. Mitunter kommen sie dem Leser ein wenig schwächlich vor, doch es passt zu Rhys Fords Geschichte und seinen Grundideen, keine Überwesen zu erschaffen, sondern Figuren, die eine Menge Schwachpunkte haben und dadurch sympathischer werden.
Auch Kismet ist gut gelungen – er ist authentisch und gut nachvollziehbar, gerade wenn es um seine Drogensucht geht.

Stilistisch ist „Dunkle Schatten“ sehr stimmungsvoll und atmosphärisch dicht umgesetzt worden. Rhys Ford hat einen sehr düsteren, mitunter auch blutigen Schreibstil, der gerade in den Kampfszenen zum Tragen kommt. Doch auch die ruhigeren Zwischensequenzen, in denen sich Colm und Kismet näherkommen oder Tod und Krieg ihre persönlichen Grabenkriege ausfechte sind toll umgesetzt und machen Spaß. Auch die Beschreibungen der Städte und der Hintergründe ist gelungen, so dass man nach einer Weile in die ungewöhnliche Geschichte eintauchen kann.

Fazit:
„Dunkle Schatten“ ist ein gelungener Mystery-Roman, dessen großer Pluspunkt bei der komplexen Hintergrundwelt und den ungewöhnlichen Hauptcharakteren liegt. Man braucht zwar ein wenig, um sich auf die mitunter etwas blutige Handlung einlassen zu können und den Grundplot zu verstehen, doch hat man erstmal den Einstieg geschafft, erwartet den Leser eine gelungene Mischung aus Action, Spannung und Dramatik, die durchaus Lust auf mehr macht. Bleibt zu hoffen, dass Rhys Ford die Geschichte fortführt – Potenzial für einen weiteren Band ist definitiv vorhanden.

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[ROMAN] Eine Randbemerkung von Isabelle Rowan

Autor: Isabelle Rowan
Taschenbuch: 244 Seiten
ASIN: B019NXZHIE
Preis: 5,14 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Einem ärztlichen Rat folgend nimmt sich der Geschäftsmann John McCann ein Jahr Auszeit und erwirbt den kleinen Buchladen „Margins“, um zur Ruhe zu kommen und seine Energie in eine einfachere Arbeit zu stecken. Zu Beginn ist er skeptisch und nimmt sich vor den verwinkelten Laden auf Vordermann zu bringen, doch er nimmt schnell Abstand davon – einerseits wegen Jamie, dem Sohn der ehemaligen Besitzerin und wegen Davids, einem Obdachlosen, der jeden Tag zum Lesen ins Margin kommt. Mit der Zeit lernt John den stillen David nicht nur besser kennen, er verliebt sich auch in ihn und setzt alles daran ihm zu helfen. Doch Davids Gründe, auf der Straße zu leben, sind vielseitig und seine Probleme nicht so einfach zu bezwingen …

Eigene Meinung:
Der Roman „Eine Randbemerkung“ stammt aus der Feder Isabelle Rowans und erschien 2015 in deutscher Übersetzung bei Dreamspinner Press. Neben etlichen weiteren Gay Romance Romanen hat die Autorin auch die Weihnachtsnovelle „Twelve Days“ geschrieben, in der „A Note in the Margin“ fortgesetzt wird.

Die Geschichte spielt in Australien und braucht ein wenig, um anzulaufen, was vor allem an der recht gestelzt wirkenden Grundidee liegt. Ein Geschäftsmann, der sich einfach so einen Buchladen kauft und dort arbeitet, wirkt ein wenig übertrieben und nicht ganz stimmig. Auch die Tatsache, dass er sich so schnell an sein neues Leben gewöhnt und binnen eines Tages all seine Pläne für das Geschäft über den Haufen wirft, will nicht so recht zur Beschreibung passen, mit der John dem Leser zu Beginn präsentiert wird. Auch sonst gibt es immer wieder kleine Unstimmigkeiten und offene Punkte, die den Lesefluss hemmen und mitunter wenig Sinn machen. Nichtsdestotrotz liegt der Schwerpunkt auf der dramatischen Liebesgeschichte zwischen John und David, die recht langsam Fahrt aufnimmt. Spätestens ab der Hälfte des Romas geht es dann um Davids Vergangenheit und seine Gründe, auf der Straße zu leben. So dramatisch die Ereignisse sind, mit der Zeit geht dem Leser David und sein Verhalten auf die Nerven – er wirkt überlabil und lässt sich so oft wegen Kleinigkeiten aus der Bahn werfen. Da bewundert man schon die Geduld, die John aufbringt, um seine Liebe zu beschützen und auf den rechten Weg zu bringen.

Die Charaktere sind sympathisch und können größtenteils überzeugen. Dennoch bleibt John ein wenig blass, da das Hauptaugenmerk auf David liegt und fast nur dessen Probleme größere Erwähnung finden. Zwar wird auch Johns Kindheit beleuchtet, doch sein Leben als wohlhabender Geschäftsmann kommt kaum zum Tragen – auch zum Ende hin, als sich das Jahr zum Ende neigt, wird das Thema mit wenigen Sätzen abgehandelt. David wiederum entwickelt sich mit der Zeit zu einer Figur, die man nur schwer annehmen kann. Dazu wirkt er zu labil und seine Probleme auf Dauer überdramatisiert. Auch reißt er einige Dinge, die absolut unnötig sind und fast nur dazu dienen, der Handlung mehr Dramatik zu verleihen.

Am sympathischsten ist daher Jamie, der jedoch nur einige kleinere Auftritte hat und als Nebenfigur am Rande auftaucht. Dennoch bleibt seine fröhliche, offene Art im Gedächtnis und man wünscht sich fast ein Buch über ihn.

Stilistisch kann man das Buch nur schwer einschätzen, denn die deutsche Übersetzung bietet die größten Schwierigkeiten. Es mangelt an einer gründlichen Korrektur, denn die Sätze sind vom Aufbau her nicht nur im englischen Stil erhalten worden (sprich man weiß genau, wie der Satzbau im englischen Original war), zum Ende hin häufen sich Rechtschreibfehler bis hin zu fehlenden Buchstaben und Wörtern. Das erschwert das Lesen enorm und sorgt dafür, dass man das Buch frustriert zur Seite legt. Auch die Autorin hat einen nicht so glücklichen Stil, Isabelle Rowans Roman besticht durch unheimlich viele Perspektivsprünge– mitunter mehrfach binnen eines Absatzes. Das sorgt dafür, dass man kaum noch nachvollziehen kann, aus welcher Sicht die Handlung erzählt wird. Gerade bei den erotischen Szenen ist das ein Problem, da man bei den Beschreibungen fast immer durcheinanderkommt. Auktoriale Erzählweisen schön und gut, doch man sollte sie auch beherrschen, damit der Leser nicht bei den Dialogen und Erklärungen den roten Faden verliert.

Fazit:
Insgesamt ist „Eine Randbemerkung“ Geschmackssache und nur bedingt zu empfehlen, da es sowohl inhaltlich, als auch stilistisch größere Mängel gibt. Wer dramatische Geschichten mag, die sich vorwiegend um das (teil übertrieben) traurige Schicksal eines Charakters drehen, der kann gerne zugreifen – jedoch empfiehlt sich vorab ein Blick in die Leseprobe oder der Griff zum englischen Original. Von der deutsche Fassung kann ich in der Form leider nur abraten, denn meiner Meinung nach fehlte es an einer guten Überarbeitung, um das Buch leserfreundlich zu machen.

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[ROMAN] Die Blechdose von Kim Fielding

Autor: Kim Fielding
Taschenbuch: 237 Seiten
ASIN: B00NF7G8BK
Preis: 5,14 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

 

Story:
Nach der Scheidung von seiner Frau hält William nichts mehr in der Großstadt. Daher nimmt er das Angebot an, während der Arbeit an seiner Dissertation in einer alten, verlassenen Irrenanstalt in der Nähe der dörflichen Gemeinde Jelley‘s Valley als Hausmeister zu arbeiten. Als er während seiner Streifzüge durch das alte Gebäude zufällig auf eine Blechdose stößt, die in einer Wand versteckt ist, findet er Briefe des ehemaligen Anstaltsinsassen Bill, der wegen sexueller Perversion und Homosexualität Ende der 30er Jahre eingeliefert wurde. William erfährt schreckliches, findet aber zeitgleich durch Bills Briefe den Mut zu sich selbst und seiner eigenen Sexualität zu stehen. Dabei hilft ihm auch der junge Colby, den er in Jelley’s Valley kennenlernt und für den er bald mehr als Freundschaft empfindet …

Eigene Meinung:
Der Roman „Die Blechdose“ stammt aus der Feder Kim Fieldings, die bereits etliche Gay Romane in den Staaten bei Dreamspinner Press veröffentlicht hat. Bereits 2014 erschien ihr sensibler und eindringlicher Roman „Die Blechdose“ in deutscher Übersetzung bei Dreamspinner, weitere Romane sind u.a. beim Cursed Verlag erhältlich („Bones“-Reihe).

Die Geschichte ist sehr eindringlich und stimmungsvoll, was vor allem an Bills Briefen liegt, die auf erschreckende Weise das Leben in der Irrenanstalt wiederspiegeln. Es steht außer Frage, dass viele der dort beschriebenen Behandlungsmethoden wirklich bei Homosexuellen angewandt wurden und vorab von der Autorin recherchiert wurden, was den Leser natürlich trifft und zum Nachdenken bringt. Nicht nur William geben die Briefe zu denken, auch dem Leser macht es zu schaffen, was Bill passiert ist und wie schrecklich noch vor wenigen Jahrzehnten mit schwulen Männern oder anderen psychisch kranken Menschen umgegangen wurde. Neben dem relativ harten Stoff rund um Bill, bekommt der Leser aber auch eine schöne Liebesgeschichte präsentiert, denn mit Colby bringt Kim Fielding einen sympathischen Gute-Laune-Charakter ins Spiel, der einen guten Konterpart zu Bills Briefen und der allgemein eher düsteren Grundstimmung bildet (denn auch William hat an einigen Dingen zu knabbern, die dem Schicksal von Bill nicht unähnlich sind). Diese gelungene Mischung sorgt dafür, dass das Buch nicht nur eine negative Grundstimmung hat, sondern vermittelt auch ein positives Feeling, insbesondere, wenn man vergleicht, wie sehr sich die Zeiten geändert haben und welch große Schritte in den letzten Jahrzehnten im Hinblick auf Akzeptanz und Gleichberechtigung unternommen wurden.

Die Figuren sind sehr sympathisch und überzeugend in Szene gesetzt. Man schließt sowohl den etwas reservierten, unsicheren William als auch den fröhlichen, offenen Colby ins Herz, die ein wenig länger brauchen, um sich aufeinander einzulassen. Ganz besonders berührt den Leser jedoch Bill, den man nur aus einigen wenigen Briefen kennt, der jedoch einen tiefen Eindruck hinterlässt. Insgesamt hätte man gerne mehr über ihn und seinen Freund Johnny erfahren (sprich die Passagen aus der Zeit Ende30/Anfang 40 hätten umfangreicher sein können), doch das hätte man nur schwer umzusetzen können – von daher hat Kim Fielding mit den Briefen einen passenden Weg gewählt, um Bills Geschichte zu erzählen.

Stilistisch ist „Die Blechdose“ sehr gelungen – die Autorin hat einen sehr schön, stimmungsvollen Stil, der dafür sorgt, dass man als Leser immer nah bei William ist, aus dessen Sicht erzählt wird. Man kann sich gut in ihn hineinversetzen und seine Ängste und Sorgen nachvollziehen. Ganz besonders gelungen sind Bills Briefe, die einem unter die Haut gehen, ebenso die Dialoge und die Umschreibungen der alten Anstalt. Letztere hätten gerne noch ein wenig ausführlicher sein können, damit man sich die Umgebung noch besser hätte vorstellen können.

Fazit:
Kim Fielding legt mit „Die Blechdose“ eine wundervolle, zutiefst berührende Geschichte vor, die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Dank der sympathischen Charaktere und dem gekonnten Wechsel zwischen Vergangenheit und heutiger Zeit, kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen und kommt nicht umhin am Ende eine Weile über die Geschichte nachzudenken. Wer ernste Romane mit historischem Hintergrund mag, sollte sich „Die Blechdose“ nicht entgehen lassen – im Grunde sollte man sie jedem zum Lesen geben, der noch heute der Meinung ist, Homosexualität sei eine Krankheit und heilbar.

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[ROMAN] Das Kreuz des Kriegers von Madeleine Urban und Abigail Roux


Autoren: Madeleine Urban und Abigail Roux
Taschenbuch: 338 Seiten
ASIN: B017Y97ESU
Preis: 5,14 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Jeden Dienstag kommt der schweigsame Julian Cross in das Restaurant Tuesday. Unter den Kellnern ist er berühmt berüchtigt, ganz besonders Oberkellner Cameron fiebert dem Besuch des mysteriösen Mannes entgegen. Wochen vergehen bis die beiden ins Gespräch kommen und sich mehr zwischen den ungleichen Männern entwickelt. Doch Julian hat mehr Geheimnisse, als Cameron lieb ist. So taucht er immer wieder mit Verletzungen auf, darunter sogar Schusswunden, die dem Kellner beweisen, dass Julian einem gefährlichen Job nachgeht. Als die Sorge und Angst um Julian immer größer wird, stellt Cameron seinen Liebhaber zur Rede, doch dieser lässt nur wenig von seiner Arbeit nach draußen dringen. Als Cameron die Ungewissheit nicht mehr erträgt, zieht er schweren Herzens einen Schlussstrich – zu spät, wie sich herausstellt. Denn mit Lancaster ist jemand nach Chicago gekommen, der alles daran setzt Julian zu töten und längst mitbekommen hat, was die beiden Männer verbindet …

Eigene Meinung:
Der Einzelband „Das Kreuz des Kriegers“ stammt vom erfolgreichen Autorenduo Madeleine Urban und Abigail Roux, die mit ihrer Gay Thriller Reihe „Cut & Run“ populär geworden sind. Der Roman erschien 2009 bei Dreamspinner Press, 2016 kam die deutsche Fassung des romantischen Thrillers auf den Markt.

Die Geschichte spielt in Chicago und beginnt recht ruhig, da sie (zumindest zu Beginn aus Camerons Sicht erzählt wird und dessen Alltag als Kellner recht gleichförmig, fast schon langweilig ist. Julian bringt mit seiner düsteren, mysteriösen und undurchschaubaren Natur etwas mehr Action ins Spiel, gerade weil man ihn nur schwer einschätzen kann. Nach einer heißen Nacht, bei der sich beide der Anziehungskraft des jeweils anderen nicht entziehen können, werden die beiden ein Paar. Die damit einhergehenden Probleme kommen zumeist von Julians Seite, da er über seinen Job Stillschweigen bewahrt und nur an bestimmten Tagen mit Cameron trifft. So macht sich der Leser mit dem jungen Kellner seine Gedanken, welchem Job Julian nachgeht und kommt schnell dahinter, dass er als Spion und Attentäter arbeitet. Was genau er macht, lässt das Autorenduo jedoch nicht an die Oberfläche dringen. Man kann es sich zwar zusammenreimen, aber welche Aufträge er genau übernimmt und wie weit er bei seiner Arbeit geht, bleibt diffus. Auch Julians Beziehung zu Blake, Camerons Chef und seine Vergangenheit bleiben im Dunkeln – man hat das Gefühl, die Autorinnen wussten selbst nicht so genau, welche Profession Julian genau hat. Dennoch macht gerade das seinen Reiz aus, denn dieses unterschwellig Böse und Geheimnisvolle macht einen großen Reiz aus.
Leider dauert es auch, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Der Thriller-Anteil ist verhältnismäßig gering, da es mehr um die Beziehung zwischen Cameron und Julian geht. Aus diesem Grund wird es erst im letzten Drittel spannend, als Lancaster auftaucht und Julians Leben bedroht. Bis dahin kämpfen die Figuren mit (eher) hausgemachten Problemen, die dadurch entstehen, dass sie nicht offen miteinander sprechen.

Die Charaktere sind interessant und können durchaus faszinieren, wobei am meisten die Nebenfiguren Blake und Preston in Erinnerung bleiben. Gerade letzterer ist dank seiner zynischen, direkten und offenen Art ungemein sympathisch. Julian wirkt an einigen Stellen nicht ganz rund (passend zu seiner diffusen Jobbeschreibung), da er mal der harte Killer ist, dann wieder kindisch-weinerlich oder sanft-liebevoll. Letzteres ist vollkommen in Ordnung, mit seiner unreifen Art kann man sich allerdings nur schwer anfreunden. Cameron bildet den angenehm normalen Gegenpol zu Julian – er ist einfach nur der typische Durchschnittstyp, der wenig mit Mord, Gewalt und Waffen am Hut hat. Man schließt ihn durchaus ins Herz, dennoch wirkt er auf den Leser ein wenig distanziert, da man ihn nur schwer zu fassen bekommt.

Stilistisch bietet „Das Kreuz des Kriegers“ gut geschrieben Kost. Madeleine Urban und Abigail Roux wissen, wie man spannende und actionreiche Szenen schreibt. Auch die Umgebungsbeschreibungen sorgen dafür, dass der Leser Bilder vor Augen hat. Allerdings sind die Dialoge nicht immer in sich schlüssig, da sie mitunter nicht aufeinander aufbauen – gerade bei wichtigen Gesprächen zwischen Cameron und Julian kommt es zu Sprüngen in den Dialogen, so dass man nicht mehr folgen kann. Das ist sehr schade, da man dadurch immer wieder aus der Handlung geworfen wird. Ob dies an der deutschen Übersetzung liegt, kann ich nicht beurteilen.

Fazit:
„Das Kreuz des Kriegers“ ist ein spannender, fesselnder Thriller mit einigen kleineren Schwächen über die man jedoch hinwegsehen kann. Die Charaktere sind interessant und machen Lust auf mehr und auch die Handlung kann bis auf einige Ungereimtheiten überzeugen. Auch stilistisch legen Madeleine Urban und Abigail Roux solide Kost vor. Wer Cameron und Julian mag sollte nach dem 5. Band der Reihe „Ty & Zane“ Ausschau halten, denn darin wird die Geschichte aus „Das Kreuz des Kriegers“ fortgeführt.

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[ZITATE-FREITAG] Sutphin Boulevard

Hallo ihr Lieben,

erst am Mittwoch habe ich euch den Roman von Santino Hassell vorgestellt, jetzt möchte ich ein paar Zitate aus dem Roman präsentieren, die mir sehr gut in Erinnerung geblieben sind. Dieses mal sind es recht lange Zitate geworden, aber teilweise ging es einfach nicht anders – ich unterbreche halt ungerne mittendrin (im Grunde gäbe es noch weitere Stellen, die ich gerne zitieren würde). Ich hoffe, die Auswahl gefällt euch und macht euch neugierig – ich kann das Buch empfehlen und freue mich schon jetzt auf Band 2.

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meine Rezension

Zugegeben, es war ziemlich armselig, mich zu verstecken. Aber ich sah nicht ein, warum ich offen schwul sein sollte, bevor ich nicht wirklich fest mit jemandem zusammen war. Mein Schwulsein würde nur heißes Öl auf das Feuer gießen, das schon zwischen mir und meiner Familie brannte – insbesondere zwischen meinem Vater und mir.

Nunzio schnippte vor meiner Nase mit den Fingern. „Was zum Henker hast du nur? Ist es wegen letzter Nacht?“

Mein Gedankenfluss kam abrupt zum Stehen. „Was? Nein! Wieso sollte ich damit ein Problem haben?“

„Hm, lass mich überlegen. Vielleicht weil ich das Pornodrehbuch ein bisschen umgeschrieben und dir meinen Schwanz in den Arsch gesteckt hab?“

„Ay Dios….“ Ich sah mich um. „Sprich leiser.“

“Scheiß auf die Leute hier.“

Ich stieß ihm mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Jetzt reg dich ab. Ist nicht deswegen. Wir waren beide betrunken. Es ist passiert. War kein Ding.“

Seine Mundwinkel zogen sich nach unten. „So siehst du das also.“

„So habe ich‘s nicht gemeint, und das weißt du ganz genau.“

„Sutphin Boulevard“, S. 35 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Das hoffe ich, denn dann müsste er auch zugeben, dass er mit seinem früheren Teamleiter geschlafen hat.“

„Früheren Teamleiter?“ Ich setzte mich auf mein Pult. „Papi, Nunzio und ich kennen uns seit 20 Jahren. Damals hast du noch Sesamstraße geguckt und gelernt, aufs Töpfchen zu gehen. Ich bin so viel mehr als sein ehemaliger Teamleiter.“

Triumphierend zeigte David mit dem Finger auf mich. „Hab ich’s doch gewusst. Ihr seid doch zusammen!“

„Nein“, verbesserte ich ihn. „Er ist seit 20 Jahren mein bester Freund. Wir haben nichts miteinander. Das war das erste Mal, dass wir je sowas gemacht haben. Du hast uns inspiriert.“

„Blödsinn.“

„Wieso Blödsinn?“

David ließ die Hand sinken. „Wie er dich angesehen hat, wie du deine Finger nicht von ihm lassen konntest – es hat einfach so ausgesehen, als wäre er dein Lover. Davon, dass er kein Kondom benutzt hat, ganz zu schweigen.“

„Sutphin Boulevard“, S. 61 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Ich bin stolz auf dich, Michael. Ich wollte, dein Bruder wäre mehr wie du.“

„Dann benimm dich doch so. Versuch ihm beizubringen, wie man ein Mann wird. Hilf ihm, sich einen Job zu suchen, frag deine Freunde, ob sie jemanden kennen, der ihn einstellt. Tu irgendwas, außer ihn schlechtzumachen. Mach das, was du verdammt nochmal schon vor Jahren hättest tun sollen, dann fängt er vielleicht auch an, darüber nachzudenken, ob er Respekt vor dir haben sollte.“ Ich zog die Vorhänge zu. „Sei sein Vater und hör auf, eine Last zu sein.“

„Bald bin ich tot, dann falle ich keinem mehr zur Last.“

Er sah mich an und wartete auf eine Reaktion, aber ich behielt den gleichgültigen, harten Ausdruck bei. Ich weigerte mich, ihm zu zeigen, wie seine Worte mich innerlich aufwühlten und die Flasche in meiner Hand schwerer und schwerer machten. Ich hatte ganz vergessen, dass ich sie immer noch umklammert hielt.

Ich stellte die Flasche auf dem Couchtisch ab und zuckte die Achseln, als wäre er mir gleichgültig. Es war einfacher, ihn weiter abzulehnen, als ihm zu zeigen, wie vollkommen unvorbereitet ich darauf war, den zweiten Elternteil auch noch zu verlieren.

Das Schweigen zwischen uns zog sich in die Länge und wurde nur unterbrochen vom entfernten, dumpfen Aufprall des Balls auf Beton, dann drehte Joseph sich mit feuchten Augen weg.

Ich biss mir auf die Backe, um mich davon abzuhalten, mich zu entschuldigen und sah ihn mit gesenktem Kopf aus dem Zimmer gehen.

„Sutphin Boulevard“, S. 98 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Ach, das Übliche. Papa unterstellt doch schon immer, dass Nunzio mich langsam schwul macht.“

„Dann sag ihm doch einfach, dass du auch schon schwul warst, bevor du Nunzio kennengelernt hast.“

Nunzio zog gerade an der Pfeife, und bei Raymonds Worten verschluckte er sich am Rauch und fing an zu husten.

Ich starrte meinen Bruder an. Jetzt war ich es, der so tat, als sei er ein Ölbild. Ich versuchte, mein Gehirn neuzustarten, aber alles, was ich herausbrachte, war ein schwaches „Hä?“, während Nunzio nach Luft schnappte und mit der Hand auf die Matratze schlug.

Raymond rollte die Augen. „Ja denkst du denn ernsthaft, ich bin bescheuert? Wir haben uns verdammt nochmal ein Zimmer geteilt, Alter. Und ich bin dir überall nachgelaufen, als ich klein war. Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich es nicht mitbekommen habe, wenn du immer aufs Dach oder hinter den Klos am Teich verschwunden bist?“

Die viel entscheidendere Frage war, warum ich mir eigentlich so sicher gewesen war, dass meine Ausflüge in den Captain-Tilly-Park unentdeckt geblieben waren, und warum ich nie darauf gekommen war, dass mein nerviger kleiner Bruder mir einfach folgen würde, wenn ich ihn mal wieder abgehängt hatte.

Beim Gedanken, dass der kleine Raymond beobachtet hatte, wie irgendein Typ bis zum Anschlag in meinem Mund oder meinem Hintern steckte, hätte ich mich am liebsten von der nächsten Brücke gestürzt.

„Sutphin Boulevard“, S. 149 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Pa ist tot.“ Raymond klang hölzern. Er sah auf seine Füße hinunter. Sie waren nackt. „Ich hab versucht, ihn zu wecken, aber er ist nicht aufgewacht. Ich dachte, er schläft.“

Das Gefühl in meiner Brust war vertrauter als mir lieb war: In mir breitete sich ein Loch aus, das immer größer wurde. Es war so dunkel, dass es mein Herz verschluckte und mir die Luft abschnürte.

„Ich …“

Ich sah den Polizisten an, aber er war schon mit etwas Anderem beschäftigt. Das Loch in meiner Brust wuchs weiter und schluckte all meine Gefühle wie ein Vakuum. Raymonds Finger gruben sich in meinen Arm.

„Ich … hätte dich anrufen sollen. Ich hab nicht nachgedacht … ich wusste nicht …“

„Ist okay. Ich kümmere mich drum, Ray. Du kannst hier bleiben.“

„Nein.“ Raymond kam näher und umklammerte mich fester. „Nein, ich komme mit.“

„Sutphin Boulevard“, S. 174 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„So wie Clive?“

Die Pause zog sich hin, aber Nunzio senkte nicht die Augen. Ich fürchtete, das Falsche gesagt zu haben, oder die falsche Frage gestellt zu haben – und das auch noch viel zu spät. An seiner Wange bebte ein kleiner Muskel, und schließlich zuckte er die Achseln.

„Ja. Und er hat es mir unter die Nase gerieben, so oft er konnte, weil er wusste, dass ich dich wollte. Er ist mir sofort auf die Schliche gekommen.“

„Aber ich hab nie was gemerkt.“

„Weil du so an mein Verhalten gewöhnt warst, dass du dachtest, es sei ganz normal. Und es war ja nicht so, dass ich mich jede Nacht nach dir verzehrt habe, aber er hat eben gesehen, wie ich dich manchmal ansehe. Er hat gemerkt, wie es mich fertig gemacht hat, wenn er dich abgeknutscht hat, wenn er dich Baby genannt hat, all diese kitschige Kacke. Und er wusste, wie furchtbar ich die Vorstellung fand, dass du je mit ihm zusammenziehen würdest. Damit bin ich aufgeflogen, an dem Tag, als wir darüber sprachen.“ Nunzio schnaubte leise. „Du warst einkaufen und hast mich mit dem Idioten alleine gelassen, und er hat davon angefangen. Ich muss so ausgesehen haben, als hätte mir gerade einer die Eier abgeschnitten, und von da an wusste er genau, was mit mir los war.“

„Ich wär nie im Leben mit ihm zusammengezogen.“

„Vielleicht nicht. Aber du hast es trotzdem ernst gemeint mit ihm. Ich war früher schon eifersüchtig auf deine anderen Kerle, aber da ging es um Sex. Die durften dich anfassen und ich nicht. Aber mit Clive … eine Zeitlang sah es wirklich so aus, als würdet ihr zusammenbleiben. Es war einfach anders.“

„Sutphin Boulevard“, S. 203 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

Der nächste Gedanke schoss mir so schnell durch den Kopf, dass ich erschrak.

Ich wollte nach Hause, duschen und dann meinen Kater mit einem Drink bekämpfen. Ich wollte es so sehr, dass ich es förmlich schmecken konnte. Ich konnte die Erleichterung spüren, spüren, wie meine Kopfschmerzen nachließen und wie meine Anspannung sich löste. Ungefähr 30 Sekunden lang wies ich den Gedanken von mir. Dann sagte ich mir, dass ein einziger Drink nicht schaden würde. Nur um den Kopf wieder klar zu bekommen. Nur zum Entspannen und um den Kater loszuwerden. Aber würde ein Drink wirklich ausreichen? Meine Toleranz war mittlerweile so groß, dass es etwas Starkes sein müsste …

Zum ersten Mal seit Wochen war ich ausgeruht und hatte keine Giftstoffe mehr im Blut. In der Helligkeit des flimmernden Lichtes sah ich viel zu klar, wie sehr diese Gedanken all das bestätigten, was Raymond gesagt hatte.

Scheiße.

„Sutphin Boulevard“, S. 229 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Wenn eins zum anderen kommt …“ Ich machte eine Pause und versuchte in Worte zu fassen, was mich jeden Tag beschäftigte. Es war schwierig, auszudrücken, was einer der Hauptgründe dafür war, dass ich in der Therapie nie etwas sagte. „Wenn etwas passiert, das ich nicht in Ordnung bringen oder kontrollieren kann, bin ich so gestresst, dass ich mich abschalten muss. Sonst drehen sich meine Gedanken die ganze Zeit im Kreis.“ Ich drehte den Finger neben meinem Ohr. „Ich kann nicht schlafen, also bleibe ich wach und brüte weiter. Am nächsten Tag bin ich dann total fertig, und dann wird es nur noch schlimmer. Alles ballt sich in meinem Kopf zusammen, bis ich kurz davor bin zu explodieren, und ich denke immer wieder die gleichen beschissenen Gedanken. Es endet damit, dass ich will, dass es aufhört, und das passiert nur, wenn ich aufhöre, ich selbst zu sein und mir selber entkomme. Meinen Problemen. Einfach allem.“

„Und das gelingt dir, wenn du trinkst?“

„Das gelingt mir, wenn ich trinke.“

Fix nickte verständnisvoll. „Also hast du lieber einen Filmriss als du selbst zu sein?“

„Manchmal schon. Und ich weiß genau, wie es sich anhört.“

„Es klingt so, als ob du ein schwarzes Loch willst und nicht die Wirklichkeit. Lieber eine große Lücke als dein Gedächtnis. Und immer, wenn mir jemand so etwas erzählt, frage ich mich, wie lange es noch dauert, bis sie für immer weg sein wollen.“

„Sutphin Boulevard“, S. 258 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

Damit verabschiede ich mich für diese Woche – mal schauen, was ich mir für die kommende Woche rauspicke. Aktuell habe ich noch keine Ideen. Wie immer könnt ihr mir eure Wünsche mitteilen – ich würde mich freuen.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Sutphin Boulevard von Santino Hassell

Autor: Santino Hassell
Taschenbuch: 291 Seiten
ISBN:  978-1-63477-775-9
Preis: 6,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Seit über 20 Jahren sind Michael und Nunzio beste Freunde, zusammengeschweißt durch eine ähnlich schwere Kindheit und etliche Probleme, die sie stets gemeinsam bewältigt haben. Eine Reise nach Italien soll die beiden New Yorker Lehrer auf andere Gedanken bringen, doch ausgerechnet kurz vor dem Abflug taucht Michaels alkoholkranker Vater wieder auf und nistet sich bei dessen jüngerem Bruder Raymond im Haus ihrer verstorbenen Mutter ein. Kurzerhand kippt Micheal die Reise und zieht zurück nach Hause, um den Burgfrieden zwischen seinem Vater und Raymond irgendwie zu wahren. Zudem will er in Ruhe über den heißen Dreier nachdenken, den er kurz zuvor mit Nunzio und dem jungen David genossen hat, denn der intensive Sex mit seinem besten Freund richtet ein gewaltiges Chaos in Michaels Gefühlswelt an. Zu allem Überfluss wird David als neue Lehrkraft an seiner Schule eingestellt und zu Hause droht die Situation mit Micheals Vater endgültig zu eskalieren. Als der alte Mann stirbt, bricht Michael endgültig zusammen und greift selbst zur Flasche, ohne darauf zu achten, in welchen Teufelskreis er sich begibt …

Eigene Meinung:
„Sutphin Boulevard“ ist der erste Teil der „Five Boroughs“-Reihe von Santino Hassell und erschien im Juni 2016 in deutscher Übersetzung bei Dreamspinner Press. Der Roman markiert den ersten Teil der „Five Borough“-Reihe, deren Bücher in New York spielen. Vom Autor liegen etliche weitere Romane und Reihen in englischer Sprache vor.

Die Geschichte dreht sich um den jungen Lehrer Michael, der mit alltäglichen Problemen zu kämpfen hat. Der Krebstod seiner Mutter ist noch nicht allzu lange her, als sein alkoholkranker Vater plötzlich wieder auftaucht und sich bei seinem arbeitslosen Bruder Raymond breitmacht. Hinzu kommt, dass er mit von der Tatsache überrumpelt wird, dass er nach zwanzig Jahren plötzlich Interesse an seinem besten Freund Nunzio entwickelt und Angst davor hat diesen durch eine überstürzte Beziehung zu verlieren. All das mündet in einer halben Katastrophe, die Michaels Leben zunehmend auf den Kopf stellt und dafür sorgt, dass Michael den Problemen mit Alkohol entkommen will. Dementsprechend geht es in Santino Hassells Roman nur am Rande um die Liebesgeschichte zwischen Michael und Nunzio – wobei diese weder kitschig, noch romantisch dargestellt ist, sondern eher sehr authentisch und realistisch – sondern vorwiegend um das Thema Familie, Alkoholismus, die Probleme, die damit einhergehen. Dem Autor gelingt es sehr eindrucksvoll den Weg zu beschreiten, den Michael geht und zu zeigen, wie schnell der junge Mann in einen wahren Teufelskreislauf gerät. Auch die Folgen seiner Suchterkrankung werden sehr eindrucksvoll dargestellt, so dass sich der Leser sehr gut mit dieser Problematik auseinandersetzen kann. Hin und wieder hätte er noch mehr in die Tiefe gehen können, doch das ist eher nebensächlich, da alle wichtigen Eckpunkte entsprechend umrissen werden. Insgesamt ist die Geschichte sehr authentisch und tiefgründig. Man ist nah bei Michael und den Figuren und kann ihre Beweggründe sehr gut nachvollziehen.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Atmosphäre, die Santino Hassell erschafft – es gelingt ihm New York, Queens und deren Bewohner ebenso greifbar darzustellen, wie die Schule, in der Michael und Nunzio unterrichten und Michaels Beweggründe zur Flasche zu greifen.

Die Charaktere sind sehr authentisch und handeln in sich schlüssig. Man merkt, dass der Autor weiß wovon er schreibt und wie er seine Figuren in Szene setzen muss, um seine Geschichte zu transportieren. Es gibt keinen Charakter der aufgesetzt oder unrealistisch wirkt – im Gegenteil. Nahezu alle Protagonisten handeln vollkommen logisch und sind für den Leser greifbar. Sehr schön ist auch, dass die Herkunft der Figuren in die Geschichte Einzug findet und nicht nur auf dem Papier existiert. Seien es Nunzios und Michaels Sprache oder ihre gemeinsame Vergangenheit – Santino Hassell verwebt beides mit der Geschichte und gibt den Figuren auf diesem Weg mehr Tiefgang.

Stilistisch legt der Autor ein beeindruckendes, gut geschriebenes Buch vor. Auch die Übersetzung von „Sutphin Boulevard“ ist sehr gut gelungen, da die Atmosphäre des Romans beibehalten wird und man sowohl Nunzios italienische Wurzeln, als auch Michaels spanischen im Text wiederfindet. Das zeigt sich ganz besonders in einigen Begriffen und Dialogen, die immer wieder vorkommen. In dem Zusammenhang wäre ein Wörterbuch am Ende nicht verkehrt gewesen, wenngleich man sich das meiste herleiten kann. Dennoch wäre es schön gewesen mehr von dem Streitgespräch zwischen Michael und dessen Familie zu verstehen, denn gerade hier wird oftmals ins Spanische gewechselt, so dass man die Diskussionen nur teilweise nachvollziehen kann.
Neben den stimmigen Dialogen hat Santino Hassell auch ein Händchen für tolle, stimmungsvolle Beschreibungen und sehr erotische Sexszenen, bei denen er kein Blatt vor den Mund nimmt. Wer heiße Lektüre mag, wird bei „Sutphin Boulevard“ auf jeden Fall nicht zu kurz kommen.

Fazit:
„Sutphin Boulevard“ ist ein gelungener, gesellschaftskritischer Roman, der mehr zu bieten hat als die typische Gay Romance Lovestory. Santino Hussell spricht mehrere ernste Themen an, regt zum Nachdenken an und gibt einen sehr schönen Einblick in das alltägliche Leben und die Probleme einer Familie aus Queens. Die Charaktere sind authentisch und handeln logisch, der Schreibstil ist packend und sehr atmosphärisch. Wer realistische, erwachsene Werke mag und nicht unbedingt Wert auf eine kitschige Liebesgeschichte legt, sollte sich „Sutphin Boulevard“ holen. Es lohnt sich und macht Lust auf mehr.

 

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