Blog-Archive

[ROMAN] Vancouver Love von Corinna Bach

Autorin: Corinna Bach
eBook: 303 Seiten
ASIN: B06XSL6GG7
Preis: 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Eigentlich könnte zwischen Polizist Peter und dem First Native Jeremia alles in bester Ordnung sein, wäre da nicht Peters Unfähigkeit und Widerwillen eine wirkliche Beziehung einzugehen. Für Jeremia reicht die unverbindliche Freundschaft Plus jedoch nicht, will er sich mit Peter doch etwas Gemeinsames aufbauen. Just in dem Moment, als Jeremia sich von dem Polizisten trennt, stolpert dieser in das größte Problem seiner Karriere – die junge Native Mary, die er beim Taschendiebstahl erwischt hat, zeigt ihn wegen Vergewaltigung an. Für Peter bedeutet das Suspension und eine Menge Probleme. Da der Vergewaltiger ein Polizist war und Beweismittel verschwinden, ist Peter gezwungen auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei bekommt er Unterstützung von Jeremia, der sich nicht nur Mary helfen will, sondern Peter nicht vergessen kann …

Eigene Meinung:
Mit „Vancouver Love“ erscheint ein weiterer Teil der „Vancouver“-Reihe von Corinna Bach hinter der sich Brunhilde Witthaut verbirgt, die bereits mehrere Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Der erste Roman der Reihe („Vancouver Dreams“) erschien noch im Sieben Verlag, Teil 2 („Vancouver Hope“) und 3 kamen bei Ullstein Forever als eBook heraus. Leser der ersten beiden Bände werden sowohl Liam und Zac, als auch Oliver und Ethan treffen, denn die Figuren tauchen am Rande von „Vancouver Love“ ebenfalls auf.

Die Geschichte dreht sich zum einen um die Beziehung zwischen Peter und Jeremia, die einander zwar lieben, jedoch eine unterschiedliche Auffassung von Beziehung haben und natürlich um Marys Anzeige und die Vergewaltigung. Hinzu kommen noch einige Nebenplots wie Peters streitsüchtiger Vater, der seinem Sohn das Leben zur Hölle macht und der Rassismus gegen Natives, der sich vor allem in Kleinigkeiten zeigt. Die Autorin verknüpft all diese Punkte zu einer gut durchdachten und ausgewogenen Handlung, die den Leser von der ersten Seite an fesselt. Gerade die Probleme der Natives sind sehr gut umgesetzt und weisen auf ein Thema hin, das leider noch immer aktuell ist (man muss sich nur mal die Hintergründe zum Highway of Tears ansehen …). Gut eingebaut wurden auch Peters traumatische Erlebnisse in seiner Kindheit in Bezug auf seine Unfähigkeit sich auf eine Beziehung mit Jeremia einzulassen. Nichtsdestotrotz muss man auf romantische und erotische Szenen nicht verzichten, denn Corinna Bach nimmt sich genügend Zeit, die beiden gänzlich unterschiedlichen Charaktere Stück um Stück wieder zusammenzuführen.

Ein großer Pluspunkt sind die lebendigen Charaktere – gerade Peter ist sehr gut ausarbeitet und gerade durch seine Fehler und Schwächen sehr sympathisch. Man kann sich sehr gut in ihn hineinversetzen und versteht, warum er Angst vor eine festen Bindung hat. Auch Jeremia steht ihm in nichts nach, wenngleich er ab und zu fast zu perfekt wirkt. Doch das passt, da er im Gegensatz zu Peter seine Mitte gefunden hat und nicht so leicht aus dem Konzept gebracht werden kann. Sein Kontakt zur Geisterwelt hilft ihm zudem dabei eine Entscheidung zu treffen, ebenso ist er, wie die meisten Natives, sehr naturverbunden. Mary tangiert irgendwo dazwischen – sie wirkt ziemlich haltlos und versucht als Native in der „Welt der Weißen“ zu überleben und sich selbst zu helfen (weswegen sie Peter letztendlich anzeigt). Sie ist haltlos, einsam, mitunter etwas biestig, aber sie hat dafür auch alle Gründe. Schön ist es bekannten Gesichtern zu begegnen, wobei nur Liam aus „Vancouver Dreams“ einen größeren Part einnimmt, da er Mary in seinem Jugendwohnheim aufnimmt.

Stilistisch gibt es nichts zu beanstanden – Corinna Bach hat einen sehr routinierten, flüssigen Stil. Man merkt, dass sie im Buchgeschäft ein alter Hase ist und schon etliche Veröffentlichungen vorzuweisen hat. So sind die Beschreibungen von Vancouver sehr lebendig und mitreißend (man hat durchaus das Gefühl durch die einzelnen Viertel zu wandern), ebenso die Darstellung und Dialoge der Charaktere. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Peter und Jeremia, so dass man beide Hauptfiguren kennenlernen und sich mit ihnen identifizieren kann. Es macht Spaß Peter und Jeremia zu begleiten und gemeinsam mit ihnen auf Verbrecherjagd zu gehen.

Fazit:
„Vancouver Love“ ist ein schöner Gay Romance mit einer ordentlichen Portion Krimi (wenngleich der Fokus nicht so stark auf dem Fall liegt, wie man es bei ihren Gay Krimis („Claude Bocquillon“) gewöhnt ist. Nichtsdestotrotz macht die Geschichte von Peter und Jeremia Spaß und Lust auf mehr. Corinna Bach sind starke Persönlichkeiten gelungen, die den Leser schnell gefangen nehmen. In Kombination mit dem schönen Schreibstil erwartet den Leser eine ausgewogene Mischung aus Romantik und Krimi gewürzt mit einem guten Einblick in die Problematik First Nation. Wer Corinna Bachs Romane mag, sollte sich dieses Wer nicht entgehen lassen – sehr zu empfehlen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ROMAN] Vancouver Hope von Corinna Bach

9783958181083_cover

Autor: Corinna Bach
eBook: 300 Seiten
ASIN: B01KZOP37U
Preis: 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Nach dem gewaltsamen Tod seines Freundes verlässt Oliver Vancouver und versucht in einer kleinen Stadt an der Küste sein Leben wieder unter Kontrolle zu bringen. Unerwartet lernt er dort den jungen Ethan während einer Walewatching-Bootstour kennen, der zufälligerweise auch sein neuer Nachbar ist. Nach einigem Hin und Her kommen sich die beiden näher und werden ein Paar. Olivers Leben könnte nicht glücklicher sein, bis ihn seine Vergangenheit einholt und ihm sein Unterbewusstsein Erinnerungen zurückgibt, die mit dem Tod seines ehemaligen Partners zu tun haben, der während eines Banküberfalls erschossen wurde. Ausgerechnet Ethan trägt an seiner Hand ein Tattoo, das Oliver während des Überfalls ebenfalls gesehen hat – beim Mörder seines Freundes. Plötzlich ist nichts mehr wie es war und Oliver schwört sich, Ethan zur Strecke zu bringen, um den Mord an seinem Partner zu rächen, während Ethan ebenfalls alles daransetzt, den wahren Täter zur Strecke zu bringen …

Eigene Meinung:
Mit „Vancouver Hope“ veröffentlicht Corinna Bach ihren ersten Gay Romance bei Ullstein Forever. Weitere Romane von ihr liegen beim Sieben Verlag vor, u.a. „Vancouver Dreams“, der ebenfalls in der kanadischen Stadt spielt, jedoch nichts mit dem vorliegenden Buch zu tun hat. Ansonsten gibt es Dutzende Romane der Autorin, die unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hat. Zu ihren bekanntesten Reihen gehören die Romane um den französischen Privatdetektiv „Claude Bocquillon“, die im Gmünder Verlag erschienen sind.

Die Geschichte beginnt zunächst ein wenig schleppend, da sich die Autorin darauf konzentriert Oliver und Ethan zusammen zu bringen, um die Basis für die kommenden Ereignisse zu schaffen. Erst danach entwickelt sich aus der recht seichten Gay Romance ein spannungsgeladener Krimi, was in gewisser Weise eine Spezialität der Autorin ist. Es geht auf und ab, da nicht nur Oliver nach und nach die Hintergründe zu dem Raubüberfall und dem Tod seines Partners herausfindet, sondern auch Ethan bei seinen Brüdern nach der Wahrheit suchen muss. Den Leser erwartet daher ein beständiges Auf und Ab – sowohl gefühlstechnisch, denn natürlich können Oliver und Ethan nicht voneinander lassen, als auch hinsichtlich des Überfalls, der zum Tod von Olivers Partner führte. Leider kommt es zum Ende hin zu einigen Logiklücken, ganz besonders da der ermittelnde Polizist die Tatverdächtigen ziehen lässt, obwohl er sie eigentlich dingfest machen müsste. Auch sonst scheint die Polizei ein paar Mal nicht wirklich realistisch zu agieren, was wohl daran liegt, dass die Handlung ansonsten nicht mehr aufgegangen wäre.

Sieht man von den Logiklücken ab, bietet Corinna Bach eine spannende, actiongeladene Lektüre, die den Leser schnell in den Bann zieht. Man ist immer hautnah bei den Charakteren, da sowohl aus Olivers, als auch aus Ethans Sicht erzählt wird. Im Vergleich zu den bisherigen Werken der Autorin ist „Vancouver Hope“ erotischer und expliziter geraten, was an einigen Stellen fast ein wenig störend auffällt. So sinnlich die Szenen sind, an einigen Stellen stören sie die Handlung ein wenig, da gerade Ethan den Eindruck vermittelt nur an Sex interessiert zu sein.

Die Charaktere sind durchaus liebenswert, haben jedoch ihre Ecken und Kanten. So fällt es schwer, sich auf Oliver einzulassen, da er am Anfang sehr abweisend und arrogant daherkommt, gerade wenn es um Ethan geht. Das gibt sich zwar mit der Zeit, doch seine Reaktionen stoßen mitunter sauer auf. Auch Ethan verhält sich manchmal wie ein Trampel, ist insgesamt jedoch ein lieber Kerl, der alles unternimmt, um seine Unschuld zu beweisen und gleichzeitig seine Brüder zu schützen.
Ganz besonders positiv fallen die Nebenfiguren auf, über die man gerne mehr erfahren hätte: Peter, der die Ermittlungen bei der Polizei leitet, Jeremiah, ein Indianer, der sowohl Ethan, als auch Oliver als Freund unterstützt, und Ethans Brüder, die man rasch ins Herz schließt. Sie wirken alle authentisch und realistisch, ihre Motive sind stets gut nachvollziehbar.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Corinna Bach legt einen spannenden, gut geschriebenen Thriller vor, der durch tolle Beschreibungen (man hat das Gefühl auf Vancouver Island zu sein), gut aufgebaute Dialoge und schöne, spannungsgeladene Actionszenen besticht. Man merkt, dass die Autorin ein „alter Hase“ ist, die ihr Handwerk versteht und weiß, wie sie eine Handlung aufzubauen hat. Es macht Spaß Ethan und Oliver zu begleiten und Stück für Stück die Wahrheit zu entdecken.

Fazit:
„Vancouver Hope“ ist ein spannender, gut geschriebener Krimi, der trotz einiger Unstimmigkeiten und Logiklücken überzeugen kann. Corinna Bach entführt den Leser nach Vancouver Island und baut eine Geschichte voller Doppelbödigkeiten, Wendungen und Spannung auf, die man nur schwer aus der Hand legen kann. Der Roman mag zwar nicht an die Krimireihe um „Claude Bocqiullon“ heranreichen, doch er unterhält und macht Lust auf mehr. Zu empfehlen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[GEWINNSPIEL] Brunhilde Witthaut

SW-Brunhilde

Mit dem obligatorischen Gewinnspiel endet die Special Week rund um die Autorin Brunhilde Witthaut leider schon und ich hoffe, ihr seid neugierig auf ihre Romane und Novellen. Deswegen verlosen wir mit freundlicher Unterstützung der Autorin und der Verlage Sieben und Bruno Gmünder 3 tolle Pakete mit signierten Büchern.

Dafür müsst ihr lediglich eine Mail an Koriko@gmx.de schicken und mindestens eine Frage an Brundhilde oder an einen ihrer Charaktere stellen. Ihr dürft euch jede Figur rauspicken, die ihr schon immer mal löchern wolltet (sprich ihr könnt auch gerne jemanden aus ihren anderen Romanen wählen), allerdings stellt bitte nicht mehr als drei Fragen, damit sie genug Zeit hat, euch zu antworten.

Alle Fragen, die im Laufe in den kommenden 10 Tagen gestellt werden, werden bei der Gewinnerbekanntgabe beantwortet und als Leserinterview auf diesem Blog präsentiert.

Eure Fragen könnt ihr bis zum 21.10.2015 25.10.2015 an die oben genannte Mailadresse schicken (bitte im Betreff „Gewinnspiel Brunhilde Witthaut“ angeben) – sie werden gesammelt und an den Autoren weitergeleitet. Unter allen Teilnehmern verlose ich nach Zufallsprinzip folgende Buchpakete:

1. Platz: „Gay Crime“ – Paket (bestehend aus Band 1-3 der „Claude Bocquillon“-Reihe)
2. Platz: „Gay Romance“ – Paket (bestehend aus „Bodyguard“ und „Vancouver Dreams“)
3. Platz: „Gay Historical“ – Paket (bestehend aus „Des Teufels Schreiber“ und „Das Lilienschwert“ (eBook))

Ich bedanke mich bei Brunhilde Witthaut und den Verlagen für die Bereitstellung der Gewinne.

Hinweise:
1. Brunhilde freut sich über Kommentare, Anmerkungen und Feedback zu seinen Werken (oder auf eine Antwort zu ihrer Frage im Interview), sprich ihr könnt gerne einige Worte an ihn richten 🙂
2. Solltet ihr das ein oder andere Buch bereits besitzen, sagt mir in der Mail Bescheid – ich versuche beim Auslosen Rücksicht darauf zu nehmen, damit niemand Bücher doppelt bekommt.

Brunhilde und ich sind gespannt auf eure Fragen, Ideen und Antworten – die Gewinner und das Leserinterview werden am 25.10.2015 01.11.2015 auf diesem Blog präsentiert. Wir freuen uns auf eure Teilnahme.

Viel Glück!

[INTERVIEW] Brunhilde Witthaut

SW-Brunhilde

Leider nähert sich die Special Week schon ihrem Ende, doch bevor wir morgen den Abschluss mit einer tollen Verlosung feiern, gibt es heute noch ein Interview mit Brunhilde (und all ihren Alter Egos ;)). Wer neugierig geworden ist, kann sich auf ihrer Homepage über ihre Werke informieren:

http://www.brunhilde-witthaut.de/

Bitte erzähl uns ein wenig mehr von dir. Was machst du in deiner Freizeit?
Also, eigentlich schreibe ich in meiner Freizeit. Ich bin ja noch berufstätig. Nun, wenn ich nicht schreibe, verbringe Brunhilde Lunaich den spärlichen Rest fast ausschließlich mit meiner Familie und meinen Hunden. Wir fahren Fahrrad, wandern, reisen, soweit es mit drei großen Hunden möglich ist. Früher habe ich viel gelesen, dazu komme ich gar nicht mehr.

Welchem Job gehst du hauptberuflich nach?
Ich bin gelernte Rechtsanwaltsgehilfin und habe schon in diversen Branchen gearbeitet. Momentan unterstütze ich halbtags das nette Team eines Versicherungsmaklers für Industriekunden.

Wann hast du mit dem Schreiben begonnen? Gab es einen Auslöser, der dich zum Schreiben brachte?
Ich habe vor 10 Jahren mit dem Schreiben begonnen, als Ausgleich für die Pflege meines Vaters. Ein Auslöser war einer meiner Urlaube in Südfrankreich, in dem ich beschlossen habe, einfach mal einen historischen Roman über die Katharer zu schreiben. Homoerotische Literatur – damals wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt.
Insgesamt gesehen, habe ich leider zu spät mit dem Schreiben begonnen. Ich bin über 50 Jahre (und mehrfache Oma) und man begreift, dass die Zeit, die einem bleibt, endlich ist.

Wie viel Zeit brauchst du, um ein Buch zu schreiben?
Ich benötige im Schnitt ein halbes Jahr für ein Buch, inklusive Recherche und Nachbearbeitung.

Was sind Deine aktuellen Projekte? Auf was können sich die Leser als Nächstes freuen?
Ab November wird im Dotbooks Verlag ein Nizza-Krimi erscheinen, der allerdings nicht im Gay-Bereich spielt. Am zweiten Band sitze ich gerade, er wird im Sommer 2016 erscheinen. Dazu habe ich einen Paris-Krimi in Arbeit, der in der Nachkriegszeit spielt.

Das klingt sehr spannend – kannst du schon mehr verraten, insbesondere zu deinem Paris-Krimi? Hast du dafür schon einen Verlag?
Es wird ein Krimi, der im Sommer 1944 spielt, zur Zeit der Befreiung der Stadt von der Nazi-Besatzung. Ein Inspektor der Sûrete und eine junge Französin müssen einen verzwickten Fall lösen. Aber mehr möchte ich noch nicht verraten. Für den Verlag sorgt hoffentlich meine Agentin.

Was reizt dich an Südfrankreich als Handlungsort?
Das kann ich nicht benennen. Das Land inspiriert mich einfach, ich kann gar nicht anders als über Frankreich schreiben. Der Schreibfluss stellt sich von allein ein. Schreibe ich mit deutschem Setting, gerät alles oft ins Stocken und ich muss mich anstrengen. Keine Ahnung, woran das liegt.

Wieviel Recherche steckt in deinen Romanen? Recherchierst Du vor Ort?
Ich muss gestehen, dass ich nicht gern recherchiere. Ich quäle mich dann im www. herum. Doch wenn ich dafür nach Frankreich reisen muss, fällt mir das natürlich leicht. Für „Vancouver Dreams“ habe ich Kanada nicht besucht, erst nach der Veröffentlichung war ich auf Vancouver Island und habe ein paar Ideen mitgebracht (Thriller).
Die Recherche für historische Frankreichromane ist besonders schwer, weil alle zugänglichen Quellen ja auf Französisch sind, das ich nur bedingt beherrsche. Doch bisher hat es immer geklappt.

Gibt es filmische Vorbilder im französichen Krimi? Wenn ja, welche?
Für mein aktuelles Paris-Projekt nehme ich die alten Maigret-Filme als Vorbild, z. B. die mit Jean Gabin. Oder Filme mit Lino Ventura, Alain Delon. Dieses Setting werde ich wahrscheinlich später weiter verwenden.

Welche Figur ist deine Lieblingsfigur und warum?
Das ist nicht schwer zu erraten: Claude Bocquillon, gefolgt von Frederic und Bertin. Übrigens dient Commissario Montalbano aus Andrea Camilleris Sizilien-Krimireihe als Vorbild. Ich wollte einen französischen Montalbano entwerfen, was mir auch ein wenig gelungen ist.

Was reizt Dich am Mittelalter und Gilles de Rais?
Eigentlich reizt mich nicht die Epoche an sich, sondern es reizen mich die Geschichten, die meine Figuren erleben. Ob sie nun im 9. oder 11. Jahrhundert leben, ist an sich egal. Ich stöbere nach Kriegen und Unglücken, nach berühmten Personen, nach absonderlichen Verbrechen und seltsamen Begebenheiten. Gilles de Rais habe ich zum Beispiel zufällig im Internet entdeckt und war sofort von der Bösartigkeit und Exotik dieses Mannes fasziniert. Dass er im 14. Jhd. lebte, war dabei unerheblich.

Welche Handlungsorte bevorzugst du außerhalb Frankreichs?
Eigentlich gar keine. Wenn es nach mir ginge – immer Frankreich. Allerdings muss ich Rücksicht auf Verlage und Zielgruppen nehmen.

Warum schreibst Du unter den zwei unterschiedlichen Pseudonymen Laurent Bach und Corinna Bach für den Gay-Bereich? Gibt es Unterschiede in Bezug auf die beiden Pseudonyme?
Laurent Bach habe ich auf Wunsch des Bruno Gmünder Verlags kreiert, dessen Zielgruppe fast ausschließlich aus Männern besteht. Hier steht nicht die Liebesbeziehung im Vordergrund, ja, ich wurde sogar gemahnt, das sei unrealistisch und nicht gewünscht. Ich musste also ein wenig umdenken.
Corinna Bach dagegen schreibt Gay Romance für die Damenherzen. Eigentlich war ich immer darauf aus, schwule Leser zu bedienen und habe mich erst geweigert, auf die romantischere Male/Male Schiene zu wechseln. Doch dann kam es doch zu zwei Verträgen mit dem Sieben Verlag.
„Bodyguard“ und „Vancouver Dreams“ sind meine bisher erfolgreichsten Bücher, also bereue ich den Schritt natürlich nicht.

Können Fans von Corinna Bach in Zukunft auf weitere Werke hoffen?
Wenn es etwas ruhiger wird an der Schreibfront, könnte Corinna mal wieder etwas schreiben, doch das wird, ebenso wie bei Laurent Bach, noch eine Weile dauern.

Welches Genre bevorzugst Du?
Am liebsten würde ich weiterhin historische Romane schreiben, doch Krimis sind durchaus in Ordnung. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, reine Liebesromane zu schreiben, in denen nicht ein wenig Spannung herrscht.
Gern schreibe ich auch Jugendromane/Jugendkrimis. Mein Buch „Montmartre Blues“ liebe ich. Klar, spielt ja auch in Paris 🙂

Sind noch weitere „Claude Bocquillion“-Romane zu erwarten? Wenn ja, was planst Du mit Claude, Frederic und Co.?
Der Verlag hat Band 4 bereits angefragt, doch ich komme momentan nicht dazu vor lauter anderen Projekten. Ob es also weitere Abenteuer mit Claude und Co gibt, steht ein wenig in den Sternen.

Dann hoffe ich sehr, dass du die Geschichte bald fortführst. Kommen wir zu „Vancouver Dreams“ War es schwer die beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten Zac und Liam miteinander in Einklang zu bringen?
Unterschiedliche Persönlichkeiten unter ein Dach zu führen, ist eines der Hauptaufgaben von Autoren. Gerade der Zwiespalt ist reizvoll. Man sollte ihn deutlich darstellen und dann langsam, aber ebenso deutlich die Kurve zueinander bekommen.

Könntest du dir vorstellen, „Das Lilienschwert“ irgendwann fortzuführen? Jerômes und Guys Geschichte könnte ja noch weitergehen.
Diese Novelle ist als Appetithäppchen und Anreißer für meinen Roman „Des Teufels Schreiber“ gedacht, der ja mein liebstes und gleichzeitig schwerstes Werk ist. Ob meine Helden eine weitere Geschichte erleben dürfen … eher nicht. Ich müsste 20 Stunden täglich schreiben, um all meine Ideen umzusetzen.

Du bist sowohl als Verlagsautor als auch als Selfpublisher aktiv? Welche Form der Veröffentlichung gefällt dir mehr?
Ich erfahre gern Rückmeldungen von Verlagen. Ich lasse mich gern bauchpinseln von Menschen, die etwas von Literatur verstehen. Es ist eine erste Wertung, ein erstes Feedback, das ich erhalte, bevor überhaupt ein Leser eine Zeile von mir gesehen hat. Für mein Selbstvertrauen sehr wichtig, obwohl ich eigentlich weiß, dass ich gut schreibe 🙂
Ich lasse auch gern andere das Lektorat übernehmen, ein Cover entwerfen und – wenigstens marginal – das Marketing betreiben. Da ich ja noch einen Beruf habe und arbeiten gehe, ist für diese Sachen einfach keine Zeit. Aber vielleicht werde ich demnächst als Corinna Bach und /oder Laurent Bach doch einiges selbst auf die Beine stellen. Das kommt jetzt auf meine Agentin an. Wenn sie meine Projekte an gute und große Verlage vermittelt, hat das auf jeden Fall Vorrang. Daher stehe ich jetzt an einem Scheideweg.

Autorin mit Hunden

Was empfiehlst du Jungautoren? Den Gang zum Verlag, oder der Versuch in Eigenregie?
Es hat beides seine Reize und seine Nachteile, aber Hauptsache, das Handwerk stimmt. Wer nicht sofort seinen ersten Roman als Selfpublisher herausbringt, sondern erstmal ein Jahr liegenlässt und sich um das Handwerk bemüht, wird dann wahrscheinlich grauenhafte Fehler darin erkennen. So ist es bei vielen Autoren, so war es auch bei mir. Handwerk ist für mich sehr wichtig, nur so kann eine gewisse Qualität gewährleistet werden.

Wie wichtig ist das Thema Liebe und Romantik?
Ich habe früher ganz selten Liebesromane gelesen. Es war einfach nicht mein Ding. Auch jetzt beschreibe ich Liebe und Romantik immer im Zusammenhang und im Wechselspiel mit anderen Faktoren: mit äußerer Bedrohung, mit inneren Zwiespälten aus der Vergangenheit, mit Religion, Verbrechen und anderen Dingen. Liebe kommt in meinen Werken zwar immer vor, jedoch nur in meinen Gay-Romance Werken hauptrangig, ansonsten nachrangig.

Liest du Gay Romance oder realistische Gay-Romane?
Im Gay Bereich lese ich lieber Bücher des Bruno Gmünder Verlages, gern Krimis von Martin Arz.
Früher waren meine Genre zeitgenössische und historische Krimis, Biografien, Abenteuerberichte und alles, was einen hübschen Stil hat. Ich lege mich da nicht auf ein Genre fest. Der erste Satz im Buch muss stimmen.

Wie findest du den deutschen Markt im Gay Bereich? Wo siehst du ihn (und dich als Autor) in ein paar Jahren?
In ein paar Jahren … sehe ich mich als etablierte Hybrid-Autorin. Hybrid nicht im Sinn von Verlagsautor und Selfpublisher, sondern als Gay- und Hetero-Krimi-Autorín, die auch noch mehr kann 🙂 Eben eine „Gay-Autorin mit Mehrwert“.

Was würdest du deine Leser fragen?
„Ist es ein Problem für euch, wenn ein Autor mehrere Genre bedient? Probiert ihr auch mal die Vielfalt eines Autors aus?“

Deine Worte an die Leser?
Ich danke all meinen Lesern für ihre Treue und hoffe, dass ich noch eine Weile für ein paar schöne Lesestunden verantwortlich sein kann.

 

Vielen lieben Dank für das tolle, informative Interview.

[ROMAN] Vancouver Dreams von Corinna Bach

Autor: Corinna Bach
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3864434853
Preis: 6,99 EUR (eBook) | 12,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Kaum aus dem Gefängnis entlassen, stolpert der junge Zachary ungewollt in Ärger, als ein fremder Mann ihm einen Schließfachschlüssel in die Hand drückt und ihn auffordert zur Polizei zu gehen. Natürlich kommt Zac der Aufforderung nicht nach, immerhin steht er als entlassener Häftling im Fokus der Beamten und plant nicht, sich erneut in Schwierigkeiten zu bringen. Dass er sich damit direkt mit den Red Skorpiens – eine der führenden Banden von Vancouver – anlegt, bringt nicht nur ihn in Schwierigkeiten, sondern auch seinen Bewährungshelfer Liam Hillerman, zu dem er sich stark hingezogen fühlt. Auch Liam entwickelt schnell Gefühle für Zac, doch ihre Beziehung steht nicht nur durch die drohende Gefahr der Bandenmitglieder unter einem schlechten Stern, auch ihre verschiedenen sozialen Stände sorgen für Spannungen …

Eigene Meinung:
Mit „Vancouver Dreams“ legt die Autorin Corinna Bach ihren zweiten Gay Romance vor, der im Sieben Verlag erscheint. Dass der Roman für die unter Pseudonym arbeitende Brunhilde Witthaut nicht erst die zweite Veröffentlichung ist, zeigt sich, wenn man sich die Bücher ansieht, die sie unter ihrem richtigen Namen oder unter Laurent Bach herausgebracht hat. So stammt auch die beliebte Reihe um den schwulen Detektiv Claude Bocquillon von ihr, ebenso einige historische Romane, die im Sieben Verlag oder bei Bookshouse erschienen sind.

Dieses Mal entführt die Autorin den Leser nicht nach Frankreich, sondern nach ins kanadische Vancouver, in dem Zac und Liam leben und arbeiten. Ansonsten bleibt sie sich treu und präsentiert einen schwulen Krimi, in dem zwei Männer eine Rolle spielen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Zac aus der sozialen Unterschichte stammt und bereits wegen kleinerer Delikte im Gefängnis saß, stammt Liam aus einer angesehenen Familie und arbeitet im Grunde nur, um sich sozial zu engagieren. Die daraus entstehenden Probleme zwischen den beiden Männern sorgen für eine Menge Zündstoff und machen gut die Hälfte des Romans aus. Den Rest macht der Kriminalfall aus, der sich um die Machenschaften der Red Skorpiens dreht. Dass Zac vollkommen zwischen den Stühlen steht, versteht sich von selbst, da er weder so extrem ist, wie die gefürchtete Bande, noch mit der Polizei zusammenarbeiten will.

Insgesamt ist die Handlung durchaus spannend, doch dieses Mal gelingt es der Autorin nicht die authentische Atmosphäre aufzubauen, die man aus ihren anderen Romanen kennt. „Vancouver Dreams“ mag gut durchdacht, in sich schlüssig und interessant geschrieben sein, doch man vermisst die realistischen Charaktere, den detailverliebten Kriminalfall und die lebendigen Beschreibungen. Alles wirkt ein wenig überstürzt und durcheinander, was auch daran liegt, dass sie der Beziehung zwischen Zac und Liam mehr Platz einräumt und dadurch dem Fall weniger Zeit einräumen kann. Auch findet man in diesem Roman mehr Erotik, als in den übrigen Werken der Autorin, was jedoch nur bedingt positiv zu werten ist. Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass explizite Szenen nicht ganz Corinna Bachs Steckenpferd sind und sie sich lieber in Andeutungen ergeht, was ihren bisherigen Romanen nicht geschadet hat.

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere bei weitem nicht so lebendig wie Claude Bocquillon und Frederic Lambert (aus den „Bocquillon Krimis) oder Niklas und Ruben (aus „Bodyguard“). Man lernt die beiden Protagonisten zwar im Laufe der Zeit recht gut kennen, doch es fällt schwer sich auf Zacs freche, vorlaute Art einzulassen, insbesondere weil er immer wieder über die Stränge schlägt. Er ist schwierig, was jedoch recht gut passt, wenn man bedenkt aus welchem Millieu er kommt. Im Gegenzug zu ihm ist Liam das genaue Gegenteil – sozial engagiert, freundlich und hilfsbereit. Im Grunde passen die beiden Charaktere nur bedingt zueinander, aber Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und es dauert auch eine Weile, bis sich Zac und Liam über mehrere Etappen hinweg zusammenraufen.
Positiv kommen die Nebenfiguren daher – seien es Zacs Mutter und Freunde, Liams Familie oder die Polizisten, die den Red Scorpiens an den Kracken wollen: sie fügen sich gut in die Rahmenhandlung ein und sorgen für unerwartete Wendungen und Überraschungen.

Stilistisch bietet Corinna Bach lockerleichte Lektüre, die jedoch nicht an ihre bisherigen Veröffentlichungen heranreicht. Kurze Sätze und eine einfache Sprache bestimmen „Vancouver Dreams“, ein Konzept, was nicht immer aufgeht. So leicht das Buch daherkommen soll, es zerstört teilweise die Handlung und die Spannung. Zudem hat man das Gefühl, dass sich die Autorin ein wenig verbiegen musste, um den Anforderungen nach leichter Sommerlektüre gerecht zu werden. So ist „Vancouver Dreams“ leider nicht ganz so atmosphärisch und spannend, kann daher nur teilweise überzeugen. Bleibt zu hoffen, dass Corinna Bach in ihren zukünftigen Werken zu ihrem soliden, flüssigen Schreibstil zurückfindet, der ihre Werke so angenehm aus der breiten Masse der Gay Romance Veröffentlichungen heraushebt.

Fazit:
„Vancouver Dreams“ ist ein weiterer kriminalistisch angehauchter Roman von Brunhilde Witthaut alias Corinna Bach, der dieses Mal in Kanada spielt. Obwohl er inhaltlich und stilistisch nicht an ihre übrigen Romane heranreichen kann, wird man doch gut unterhalten und schließt mit der Zeit auch die unterschiedlichen Helden ins Herz. Wer leichtere, spannende Gay Romance Romane sucht, ist mit „Vancouver Dreams“ nicht schlecht beraten, Fans ihrer bisherigen Bücher werden jedoch enttäuscht sein. Am besten reinlesen und sich selbst ein Urteil bilden.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ANKÜNDIGUNG] Special Week: Brunhilde Witthaut

SW-Brunhilde

Die letzte Special Week liegt bereits 4 Monate zurück – Zeit sich endlich dem nächsten Autoren und dessen Werken zu widmen. Dieses Mal steht die kommende Woche ganz im Zeichen von Brunhilde Witthaut, die unter den Pseudonymen Corinna und Laurent Bach den schwulen Buchmarkt „unsicher macht“ und sowohl beim Bruno Gmünder und Sieben Verlag, als auch als Selfpublisherin aktiv ist. Freut euch schon jetzt auf Rezensionen zu ihren neuen Werken, einem Charakterinterview mit Claude Bocquillon und Frederic Lambert, dem obligatorischen Autoreninterview und natürlich einem passenden Gewinnsiel am Ende der Woche.

Hier die einzelnen Stationen der Special Week:

05.10. Rezension: “Vancouver Dreams“
06.10. Rezension: “Tod in Montmartre”
07.10. Charakterinterview Claude Bocquillon und Frederic Lambert
08.10. Rezension: “Das Lilienschwert”
09.10. Interview Brunhilde Witthaut
10.10. Gewinnspiel – Leserinterview

Die Autorin und ich freuen uns auf die kommende Woche und wünschen schon jetzt viel Vergnügen 🙂

[ROMAN] Bodyguard – Spezialauftrag Liebe von Corinna Bach

91-7ZbVH94L._SL1500_

Autor: Corinna Bach
Taschenbuch: 300 Seiten
ISBN: 978-3864432828
Preis: 12,90 EUR

Story:
Das erste Aufeinandertreffen des reichen Niklas und des Personenschützers und Türstehers Ruben stand unter keinem guten Stern. Daher ist weder der eine, noch der andere begeistert, als Ruben von Niklas‘ Vater als Bodyguard angeheuert wird, um den jungen Studenten zu schützen. Seitdem Niklas Augenzeuge eines Mordes wurde, erhält er nicht nur Drohbriefe, sondern erlebt die blutige Tat immer wieder in seinen Träumen. Da Ruben sich das lukrative Angebot nicht entgehen lassen will, raufen sich die beiden zusammen. Schnell lernen sie sich besser kennen und der junge Bodyguard muss seine Meinung revidieren: Niklas ist nicht der arrogante Schnösel, für den er ihn gehalten hat. Als er bemerkt, dass der Student seine Homosexualität verdrängt und mehr als einmal auf Rubens Annäherungen anspringt, wachsen die beiden noch enger zusammen.

Doch das endet schnell, als Niklas entführt wird und der Fall immer größere Ausmaße annimmt. Ruben ist fest entschlossen zu helfen, egal wie ungern sein Intimfeind Börde ihn in der Nähe der Tatorte sehen will …

Eigene Meinung:
Mit „Bodyguard – Spezialauftrag Liebe“ geht der Romance und Krimi/Thriller Verlag „Sieben“ neue Wege, erschien doch erstmals ein Gay Romance Titel im Sommerprogramm 2014. Die Autorin Corinna Bach ist hierbei keine Unbekannte, verbirgt sich hinter dem Pseudonym doch Brunhilde Willtraut, die unter dem Namen Laurent Bach auch für den Bruno Gmünder Verlag schreibt und deren Krimi-Reihe um Privatdetektiv Bocquillon erst kürzlich in die zweite Runde ging.

„Bodyguard“ wandert zu Beginn auf bekannten, fast schon klischeehaften Pfaden – ein unglückliches erstes Treffen, eine offene Abneigung der beiden Hauptcharaktere zueinander und natürlich Rubens Auftrag ausgerechnet Niklas zu beschützen. Diese Grundlage ist nicht neu und kommt für den Leser nicht sonderlich überraschend. Das ändert sich jedoch schnell, als die Autorin in die Tiefe geht und den Kriminalfall aufrollt. Spätestens ab dem Moment, wo Niklas entführt wird, hält der Roman eine sehr hohe Spanungskurve, die dafür sorgt, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Es wird zunehmend komplexer und vielschichtiger und schon bald ist nicht nur den Charakteren klar, dass der Fall deutlich über einen gewöhnlichen Mordfall hinausgeht. Es geht Schlag auf Schlag und Corinna Bach lässt nur wenig Zeit zum Luftholen.
Positiv ist auch, dass eindeutig der Kriminalfall im Zentrum steht. Sicherlich kommt auch die Romantik nicht zu kurz und Fans von schwuler Erotik kommen zumindest in zwei bis drei kürzeren Szenen auf ihre Kosten, doch Corinna Bach legt ihren Schwerpunkt eindeutig auf den spannenden Kriminalfall und die damit verbundene Auflösung. Damit hebt sie sich angenehm von den Gay Romance Titeln heraus, die zu sehr auf die Beziehung der Charaktere eingehen oder zu viele Erotikszenen einbauen. Dadurch ist der Titel auch für den ein oder anderen männlichen Leser interessant, insbesondere wenn man Krimis mag.

Die Charaktere sind allesamt sympathisch und lebendig. Sie haben ihre Ecken und kannte, egal ob es Rubens Trägheit und Faulheit ist, Niklas Arroganz oder Inspector Bördes Homophobie. Sie interagieren gut miteinander und fügen sich perfekt in die Handlung ein. Bis auf die Szene mit der toten Katze, in der Ruben doch arg gut schauspielert und dem Leser so gar nichts von den wahren Hintergründen preisgibt (dabei wird die Szene teilweise aus seiner Perspektive geschrieben), verhalten sich die Figuren logisch und nachvollziehbar. Das gilt auch für die Gegner und die Nebenfiguren, die einen passenden Rahmen für Ruben, Niklas und Co bilden.
Stilistisch merkt man, dass „Bodyguard“ nicht das erste Buch der Autorin ist. Corinna Bach hat einen sehr flüssigen, fesselnden Stil, der sich sehr gut lesen lässt. Ihr gelingen sowohl die Actionszenen, als auch die Streitgespräche und Erotikszenen. Dabei trägt sie glücklicherweise nicht zu dick auf, sondern begnügt sich mit kurzen Erläuterungen oder blendet an passenden Stellen ab. Auch die Details und Umgebungsbeschreibungen von Freiburg und Umgebung sind gut umgesetzt und lassen die Stadt beim Lesen lebendig werden.
Das sie ein Faible für Frankreich hat merkt man ebenfalls, spielt die Geschichte doch teilweise im Elsass und wartet mit französischen Gegner auf. Damit bleibt sie sich treu, sielen doch „Mord auf Französisch“ und „Die zehn Plagen“ (Bruno Gmünder) ebenfalls in Frankreich).

Fazit:
Mit „Bodyguard – Spezialauftrag Liebe“ ist dem Sieben Verlag ein guter Wurf im Gay Romance Genre gelungen, dem hoffentlich weitere Bücher folgen werden. Corinna Bach verknüpft Krimi, Action und Romantik, wobei letztere glücklicherweise niemals zu prominent in den Vordergrund rückt, sondern genug Platz für die Ermittlungsarbeit, die Aufklärung und die Charakterentwicklung lässt. In Kombination mit den sympathischen Charakteren und dem soliden Schreibstil ist Bodyguard – Spezialauftrag Liebe“ ein lohnenswertes Buch für Fans schwuler Krimiliteratur und Gay Romance Liebhaber. Es bleibt zu hoffen, dass es bald weitere Gay Romane im „Sieben Verlag“ gibt, am besten von Corinna Bach. Bis dahin kann man sich mit den Krimis um Bocquillon über Wasser halten. Es lohnt sich garantiert.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar