Blog-Archive

[ROMAN] Liebe in fünfzehn Lektionen von Celia Jansson

Autor: Celia Jansson
eBook:  220 Seiten
ASIN: B071VTMX31
Preis: 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Seitdem Levi von seiner ersten großen Liebe enttäuscht wurde, hat er ein Problem damit Männer anzusprechen und über seinen Schatten zu springen. Dabei sehnt er sich nach Beachtung, Sex und mehr Erfahrung, erst recht als er den gutaussehenden Aaron auf einer Party erspäht. Ihn will er unbedingt für sich gewinnen. Um seine Schüchternheit abzulegen, bietet ihm Levis Freund Jannik seine Hilfe an – zunächst in Form von Tipps beim Daten und Flirten, später auch im Bett, denn Jannik ist schon seit einer Weile an Levi interessiert. Doch damit beginnen die Probleme, denn Jannik fällt es schwer seine wachsenden Gefühle aus ihrem Deal herauszuhalten …

Eigene Meinung:
„Liebe in fünfzehn Lektionen“ ist der zweite Roman von Celia Jansson, die ihr Debüt mit dem historischen Drama „Sunford“ feierte, der im Sieben Verlag erschien. Das vorliegende Buch ist wesentlich lockerer und leichter, als die Geschichte um Vincent und Leonard, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge zur Wehr setzen müssen. So ist „Liebe in fünfzehn Lektionen“ eine reine Liebesgeschichte mit einer gehörigen Portion Erotik, denn dieses Mal geht es durchaus expliziter zur Sache.

Lies den Rest dieses Beitrags

[BLOGTOUR] Sunford – Homosexualität um 1900

Blogtour

Heute macht die Blogtour zu „Sunford – Verführung eines Gentleman“ endlich Station bei mir. Ich darf mich mit dem faszinierenden Thema „Homosexualität um 1900“ beschäftigen. Natürlich ließen sich damit mehrere Bücher füllen (hat man übrigens auch getan – „Das andere Berlin“ beispielsweise), dennoch will ich wenigstens einen kleinen Einblick in die Thematik geben. Aufgrund der Tatsache, dass „Sunford“ ein schwuler, historischer Roman ist, konzentriere ich mich vorwiegend auf die männliche Homosexualität – die lesbische Geschichte um 1900 ist einen eigenen Artikel wert 😉

England:
Bereits im 16. Jahrhundert stand in England die Todesstrafe auf Sodomie (in diesem Fall analer Geschlechtsverkehr zwischen zwei Männern), festgeschrieben durch den 1533 geschlossenen Buggery Act. Erst 1871 wurde die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe Coupleumgewandelt, das Gesetz an sich jedoch selten angewandt, da sich Sodomie nur schwer nachweisen ließ.
Im Jahr 1885 wurde der Criminal Law Amendment Act verabschiedet, der Mädchen und Frauen vor Prostitution und Bordellen schützen sollte. Der von Henry Labouchere kurzfristig eingereichte Artikel 11 stellte jedoch alle homosexuellen Akte (gross indecency – grobe Unzucht) zwischen Männern (auch der Versuch solcher Handlungen) unter Strafe. Das Strafmaß belief sich auf zwei Jahre Zuchthaus (mit oder ohne Zwangsarbeit). Die recht schwammige Formulierung „gross indecency“ sorgte dafür, dass jegliches homosexuelles Verhalten unter Strafe gestellt wurde, selbst wenn kein analer Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte.

Der erste große Skandal, der im später 19. Jahrhundert die englische Bevölkerung erschütterte, war der Cleveland-Street-Skandal, bei dem 1889 ein Bordell für Männer in der Cleveland Street in London entdeckt wurde. Da sexuelle Handlungen zwischen Männern verboten waren, drohte den Kunden nicht nur eine strafrechtliche Verfolgung durch die Polizei, sondern auch gesellschaftliche Ächtung. Zu Beginn verliefen die Ermittlungen noch ohne die Aufmerksamkeit der Presse – die meisten Botenjungen, die in dem Bordell arbeiteten, wurde mit geringen Strafen belegt, die meisten Kunden kamen straffrei davon. Der Skandal nahm erst größere Züge an, als Ernest Perke, Herausgeber der radikalen Wochenzeitung The North London Press darüber berichtete und erstmals andeutete, dass mehrere Adelige in die Affäre verwickelt seien (darunter laut Gerüchten sogar Prinz Albert Victor, der Zweite in der britischen Thronfolge), beispielsweise der nach Südfrankreich geflohene Lord Arthur Somerset.
Wilde_BosieIm Nachhinein hatte der Skandal vor allem die Vorstellung gefördert, dass Homosexualität besonders in aristokratischen Kreisen verbreitet sei und dass Jugendliche der unteren Schichten verdorben werden.

Bereits 6 Jahre später folgte ein noch größerer Skandal – die Prozesse um Oscar Wilde. Vom Marquis of Queensberry im Juli 1985 als Sodomit bezeichnet, strebte Wilde eine Verleumdungsklage gegen den Vater seines Freundes und Liebhabers Lord Alfred Douglas an. Im folgenden Prozess wurde nicht nur der Marquis of Queensberry freigesprochen, man erhob Anklage wegen grober Unzucht gegen den britischen Autoren, als sich herausstellte, dass Wilde mit jungen Männern aus der Unterschicht sexuellen Umgang pflegte, darunter auch männlichen Prostituierten. In einem zweiten Verfahren wurde er am 25. Mai 1895 zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Nach seiner Entlassung war Wilde gesellschaftlich und gesundheitlich ruiniert und floh nach Paris, wo er am 30. November 1900 starb.

Homosexuelle Handlungen blieben in England bis 1967 strafbar, erst dann wurde der Criminal Law Amendment Act aufgehoben. Neben Oscar Wilde wurde auch der britische Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing wegen grober Unzucht verurteilt und unterzog sich einer chemischen Kastration, die ihn wahrscheinlich in den Selbstmord trieb. Erst 2013 wurde er von Elisabeth II. rehabilitiert.

Deutschland:
Auch in Deutschland standen homosexuelle Handlungen zwischen Männern seit 1872 unter Strafe, nachdem Karl Heinrich Ulrichs als einer der ersten Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen ab 1865 erfolglos gegen den §175 vorgegangen war. Unter Strafe standen widernatürliche Handlungen, die mit Gefängnis oder der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte geahndet wurden. In den folgenden Jahrzehnten kämpften unterschiedliche Mediziner (u.a. Magnus Hirschfeld, Arzt und Gründer des Wissenschaftlich-humanitäres Komitees) und Politiker gegen den §175. Mehrere Skandale, wie die Harden-Eulenburg-Affäre, bei der prominente Mitglieder des Kabinetts von Kaiser Wilhelm II. zwischen 1907-1909 vor Gericht standen, brachten jegliche Aktionen gegen den Unzuchts-Paragraphen jedoch zum Scheitern. Auch die Taten homosexueller Serienmörder wie Fritz Haarmann und dessen Verhandlung 1924 verhinderten die Aufhebung des umstrittenen Paragraphen.

Dennoch entwickelte sich Berlin ab Mitte des 19. Jahrhunderts als wichtigste Metropole, in der Homosexuelle relativ frei und sicher leben konnten. Die Stadt wurde international bekannt und Der Eigeneunzählige Homosexuelle, die vor der Verfolgung im eigenen Land flüchteten, reisten nach Deutschland. Der bekannteste von ihnen ist der englische Schriftsteller Christopher Isherwood, der mit dem Buch „Leb wohl Berlin“ seine Erlebnisse in Berlin niederschrieb. Es existierten nicht nur mehrere Bars, Clubs und Treffpunkte, die teilweise sogar von der Polizei geschützt und überwacht wurden (im Eldorado in der Motzstraße trafen sich Transvestiten, Transsexuelle und voyeuristische Touristen, Mediziner und Journalisten, die von der Polizei begleitet wurden), sondern auch mehrere Magazine, Vereinigungen und homosexuelle Organisationen, die offen für die Rechte Homosexueller kämpften. Unter Magnus Hirschfeld entstand 1919 auch der Film „Anders als die Anderen“, der erstmals Homosexualität zum Thema hatte und sie nicht in einem negativen Licht darstellte.

Erst mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten änderte sich das offene, ungezügelte Leben der Homosexuellen in Deutschland, was zur Schließung der Berliner Clubs und Bars und zur Einstellung der vielen Zeitschriften führte, die sich mit schwuler und lesbischer Liebe beschäftigten. Ab 1933 begann die systematische Verfolgung Homosexueller.

Frankreich:
Als eines der ersten Länder weltweit wurde Homosexualität in Frankreich bereits 1791 legalisiert, indem die Anti-Sodomie-Gesetze abgeschaffte wurden. Mit dem Code Napoléon 1804 und Code pénal impérial 1810 gewährte Frankreich erstmals absolute Straffreiheit gegenüber Homosexuellen, solange dabei die Rechte Dritter nicht verletzt werden. Das Gesetz wurde von französischen Enzyklopädisten und Vertreter der Aufklärung wie Voltaire, Montesquieu, Mably, Morelly und Condorcet vorangetrieben.
Gesellschaftlich waren Homosexuelle nichtsdestotrotz gesellschaftliche Außenseiter, da die gesellschaftliche Akzeptanz fehlte, doch im warVergleich zu England (und teilweise Deutschland) konnten Homosexuelle ihre Neigung relativ offen ausleben. Aus diesem Grund flüchteten mehrere Homosexuelle aus England nach Frankreich (Lord Arthur Somerset, Oscar Wilde)

USA:
Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika war Homosexualität verboten und wurde bis 1873 in einigen Bundesstaaten mit dem Tod bestraft. Ansonsten drohten je nach Bundesstaat mehrjährige Haftstrafen, da jeder Staat sein eigenes Strafgesetz besaß. Dennoch bildeten sich im ausgehenden 19. Jahrhunderts erste schwule Clubs und Treffpunkte, in New York gab es mit der Bowery sogar einen schwulen Distrikt, in dem sich homosexuelle Männer im Geheimen treffen konnten. In dieser Zeit wurde für Homosexuelle auch der Begriff Fairies geprägt, da dieser zumeist sehr extravagant gekleidet waren. Nichtsdestotrotz wurden Homosexuelle verfolgt und waren zumeist gezwungen ihre Neigungen im Geheimen auszuleben. Teils lebten Männer gebildeter Gesellschaftsschichten in gleichgeschlechtlichen Freundschaften zusammen, bei Frauen prägte sich der Begriff Boston Marriage. Dies änderte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts, das Gesetz gegen sexuelle Perversionen wurde erst ab 1962 schrittweise abgeschafft.

Literatur:
Adrian Mayfield“-Trilogie (Floortje Zwigtmann)
Maurice“ (E.M. Foster)
Die Brüder“ (2. Teil der „Brückenbauer“-Reihe, Jan Guillou)
Eine Welt dazwischen“ / „In einem Leben wie diesem“ (Aline Sax)
Ein Mann aus bestem Hause“ (Anne Perry)
Das andere Berlin – Die Erfindung der Homosexualität: Eine deutsche Geschichte 1867 – 1933“ (Robert Beachy)
„Der Imoralist“, „Die Ringeltaube“ (André Gide)
Die Werke von Walt Withman
Die Werke von Karl May

Damit komme ich auch schon ans Ende meines kurzen Einblicks in das spannende Thema „Homosexualität um 1900“. Und natürlich kann man auch heute wieder ein Print-Exemplar von „Sunford“ gewinnen. Wer seine Chancen erhöhen will, sollte bei den anderen Blogtour-Teilnehmern vorbeischauen – bis zum 3. März 2016; 23.59 Uhr könnt ihr die Fragen der anderen Blogger zu den jeweiligen Themen beantworten und so eure Chancen erhöhen. Bitte denkt daran neben eurem (Nick)Namen auch eure Mailadresse zu hinterlassen. Danke.

Hier meine Frage:
Homosexualität wird heutzutage weitestgehend akzeptiert. Wie schätzt ihr die Entwicklung und den heutigen Stellenwert gleichgeschlechtlicher Liebe im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahrhunderten ein?

Hier nochmal die einzelnen Stationen:

21.2. lesenliebentraeumen.blogspot.de – Buchvorstellung
22.2. juliassammelsurium.blogspot.de – Figuren
23.2. beatelovelybooks.blogspot.de – Setting
24.2. bambinis-buecherzauber.blogspot.de – Interview
25.2. ulla-liebt-buecher.blogspot.de – Edwardianische Zeit
26.2. likeagaydream.wordpress.com – Homosexualität um 1900
27.2. sanarkai-weltderbuecher.blogspot.de – Historische Gay Romance
28.2. lesekatzen.blogspot.de – Protagonisteninterview

Teilnahmebedingungen:
Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
Teilnahme am Gewinnspiel ab 18 Jahren oder mit Erlaubnis des Erziehungsberechtigten.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Für den Postversand wird keine Haftung übernommen, Versand nur innerhalb Deutschlands, Österreich und Schweiz.
Die Adressen werden nur für den Versand ermittelt.

Viel Glück an alle Teilnehmer.

Liebe Grüße,
Juliane

Blogtour-Ankündigung „Sunford“

Hallo ihr lieben,

ab morgen findet eine Blogtour zu Celia Janssons Debüt „Sunford – Verführung eines Gentleman“ statt. Auch bei mir macht die Blogtour Station – am 26.02.2016 darf ich über das spannende Thema „Homosexualität im 19. Jahrhundert schreiben. Aber auch sonst erwarten euch einige tolle Berichte, also schaut vorbei. Auf jedem Blog könnt ihr eine Printausgabe von Sunford gewinnen, sprich jeden Tag habt ihr die Chance auf ein Exemplar des Buches.

Blogtour

Hier die einzelnen Stationen:

21.2. lesenliebentraeumen.blogspot.de – Buchvorstellung
22.2. juliassammelsurium.blogspot.de – Figuren
23.2. beatelovelybooks.blogspot.de – Setting
24.2. bambinis-buecherzauber.blogspot.de – Interview
25.2. ulla-liebt-buecher.blogspot.de – Edwardianische Zeit
26.2. likeagaydream.wordpress.com – Homosexualität um 1900
27.2. sanarkai-weltderbuecher.blogspot.de – Historische Gay Romance
28.2. lesekatzen.blogspot.de – Protagonisteninterview

Wir freuen uns auf euch 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Sunford – Verführung eines Gentleman von Celia Jansson

a1thzuzrxtl

Autor: Celia Jansson
Taschenbuch:  300 Seiten
ISBN: 978-3864435218
Preis: 6,99 (eBook) | 12,90 (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der gutsituierte Unternehmer Leonard Knightly setzt alles daran, um dem kleinen Städtchen Sunford eine direkte Eisenbahnanbindung nach London zu verschaffen – etwas, dass von den alteingesessenen Bürgern eher skeptisch beäugt, teilweise sogar blockiert wird. Genau zu dieser Zeit lernt er den gutaussehenden Lord Vincent Fanbury kennen, der über den Sommer bei seinen Verwandten zu Besuch ist. Das kleine Örtchen steht ob seiner Berühmtheit Kopf – gerade die weiblichen Bewohner hoffen auf eine gute Partie. Auch Leonard ist von dem jungen Lord fasziniert und freundet sich bei gemeinsamen Reitausflügen mit ihm an. Schnell wird ihre Beziehung tiefer, denn auch Vincent zeigt sich an Leonard interessiert. Dass Vincent ein düsteres Geheimnis mit sich herumträgt und bei weitem nicht so unschuldig ist, wie Leonard denkt, wird schnell klar. Antworten findet er jedoch erst, als Vincent nach London zurückkehrt, aus dem er wegen eines gewaltigen Skandals geflohen ist …

Eigene Meinung:
Mit „Sunford – Verführung eines Gentleman“ legt die Autorin Celia Jansson ihr Debüt vor. Der Roman erschien im Sieben Verlag, bei dem u.a. auch Romane von Corinna Bach („Bodyguard – Specialauftrag: Liebe“, „Vancouver Dreams“) und Sylvia Pranga („Männerbande“) erschienen sind.

Die Geschichte spielt im beginnenden 20. Jahrhundert und entführt den Leser ins verschlafende Sunford in England. Dort lernt man Leonard kennen, der mit seiner Schwester im Haus der verstorbenen Eltern lebt und das Familienvermögen verwaltet. Seine eigene Homosexualität versteckt er gründlich, um seinen Ruf nicht zu gefährden. Dies gerät jedoch ins Wanken, als er Vincent begegnet, einen Lord aus London, der ins Haus seiner entfernten Verwandten geflohen ist, um einem Skandal zu entkommen. Zwischen den beiden ungleichen Männern entspinnt sich eine tiefe Liebe, die jedoch aufgrund der Umstände unter einem schlechten Stern steht.

Celia Jansson bemüht sich darum, die Liebe der beiden Männer langsam reifen zu lassen – so dauert es etliche Wochen, wenn nicht Monate, bis Leonard und Vincent einen Versuch miteinander wagen und sich wirklich tiefergehende Gefühle zwischen ihnen entwickeln. Einige mögen das langweilig oder langatmig finden – in meinen Augen ist es realistisch und authentisch, dass sie nicht nach zwanzig Seiten miteinander im Bett landen. In jener Zeit war homosexuelle Liebe nun einmal nahezu unmöglich – gerade in England, wo der Skandal um Oscar Wilde noch nicht einmal zehn Jahre her war. Dementsprechend logisch und authentisch wurde die Beziehung aufgebaut, ebenso die historischen Hintergründe und Begebenheiten eingearbeitet. Celia Jansson hat sehr genau und intensiv recherchiert, was man an den örtlichen Beschreibungen, der gängigen Mode und den kleinere politischen Details merkt, die sie geschickt in den Roman einfließen lässt. Auch die Dialoge sind entsprechend aufgebaut – man merkt, dass sich die Autorin sehr eingängig mit der wilhelminischen Zeit auseinandergesetzt hat, um den historischen Roman glaubhaft und authentisch in Szene zu setzen. Einzig einige kleinere Logiklücken fallen dem Leser ins Auge – so z.B. die Tatsache, dass Leonard zur Zeit von Vincents Skandal in London war und nichts davon mitbekommen hat, oder auch die Tatsache, dass es in Sunford keine Londoner Zeitungen zu geben scheint.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist für einige der Sprung zum Vincents Perspektive ab der Hälfte des Romans. So sind die ersten Kapitel aus Leonards Sicht geschrieben; als Vincent nach London zurückkehrt erfährt der Leser die Ereignisse des Sommers in Sunford noch einmal aus Sicht des Lords. Das ist zu Beginn ungewohnt, doch es erlaubt dem Leser einen Blick in Vincents Gedanken und Gefühle. Man lernt ihn kennen und verstehen, was auch einige Szenen vollkommen neu beleuchtet. Zudem konzentriert sich Celia Jansson auf einige neue Ereignisse und Erlebnisse, so dass es auch für den Leser einige neue Dinge zu entdecken gibt.

Neben der soliden Handlung und den stimmungsvollen Beschreibungen können auch die Charaktere überzeugen. Seien es die beiden Hauptcharaktere, die sehr greifbar und authentisch daher kommen, oder die vielen Nebenfiguren wie Leonards Schwester, Vincents Cousinen oder dessen bester Freund. Man kann jeden einzelnen gut nachvollziehen und verstehen. Einzig die Tatsache, dass sie dem Leser trotz allem ein wenig fremd bleiben und man nicht wirklich zu ihnen durchzudringen vermag, trübt den Eindruck ein wenig.

Stilistisch legt Celia Jansson ein solides, gut geschriebenes Debüt vor. Sowohl ihre Beschreibungen, als auch der ruhige, fast sanfte Stil passen gut zu den Charakteren und der Geschichte.Sie hat ein Händchen für historische Details und authentische Geschehnisse. Angenehm sind auch die vielen kleinen Hinweise auf polistische und gesellschaftliche Ereignisse in Dialogen und Gesprächen, die sowohl die Figuren, als auch die Geschichte so glaubwürdig und authentisch machen.

Fazit:
„Sunford – Verführung eines Gentleman“ ist ein gelungener historischer Gay Roman, der durch eine gut recherchierte Hintergrundgeschichte und authentische Charaktere besticht. Leider baut der Leser zu den Hauptfiguren keine solch intensive Nähe auf, wie es vielleicht möglich gewesen wäre, doch daran gewöhnt man sich mit der Zeit. Wer gut geschriebene, historische Romane sucht, kann mit Celia Janssons Debüt wenig falsch machen. Im Zweifelsfall einen Blick in die Leseprobe werfen – es lohnt sich.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar_grey

[NOVELLE] Wiedersehen mit Mark von Celia Jansson

Autor: Celia Jansson
Taschenbuch: 64 Seiten
ASIN: B00EWQ1LHE (eBook)
Preis: 2,99 EUR

Story:
Der Tod des Lehrers „Mücke“ führt Daniel in sein Heimatdorf zurück und zu einem Treffen mit seinen ehemaligen Klassenkameraden, mit denen er eher schlechte Erinnerungen verbindet. Unter ihnen befindet sich auch Mark, den er vor Beginn des letzten Schuljahres während der Sommerferien kennengelernt hat, als dieser mit seiner Familie in dieselbe Straße zieht. Für Daniel, der einen zweiwöchigen Hausarrest abzusitzen hat und nur morgens das Haus verlassen darf, ist die zarte Freundschaft zu Mark etwas Besonderes. Leider wird aus seien Gefühlen bald mehr und schließlich begeht er einen unbeholfenen Annäherungsversuch, der für lange Zeit etwas Wichtiges zwischen ihnen zerstört …

Eigene Meinung:
Die Novelle „Wiedersehen mit Mark“ stammt aus der Feder von Celia Jansson und erschien im Eigenverlag als eBook. Mit einem Umfang von 64 Seiten ist die Geschichte überschaubar und bietet gut geschriebene und leicht nachvollziehbare Unterhaltung.

Der Inhalt ist nicht unbedingt neu, allerdings ist die Herangehensweise der Autorin sehr schön und gut umgesetzt. Die Charaktere sind realistisch, gut nachvollziehbar und handeln logisch. Als Leser kann man sich gut in Daniel hineinversetzen, aus dessen Sicht die Novelle erzählt wird. Aufgrund des geringen Umfangs darf man nicht von einer ausgefeilten, tiefgründigen Handlung ausgehen, doch das stört überhaupt nicht. „Wiedersehen mit Mark“ ist von der Länge her optimal, da es sich um eine leichte Sommerliebe handelt, die dem Leser einen kurzen Einblick in Daniels Leben und seine Freundschaft zu Mark gewährt. Mehr wäre in diesem Zusammenhang zu viel gewesen und hätte vom eigentlichen Inhalt, der Grundidee und Daniels Gefühlswelt abgelenkt. Auch die Tatsache, dass Celia Jansson ihre Geschichte offen enden lässt, bietet nicht nur Platz die eigene Fantasie spielen zu lassen, sondern auch die Möglichkeit einer Fortsetzung.

Auch stilistisch gibt es wenig zu bemängeln. Celia Jansson hat einen sehr schönen, feinen Schreibstil, der ein wenig an die Bücher von Jana Walther und Paul Senftenberg erinnert. Das mag auch an der Thematik erste Liebe und Sommergefühle liegen, doch wer Bücher der oben genannten Autoren kennt, dem werden weitere Gemeinsamkeiten „Wiedersehen mit Mark“ auffallen.
Celia Jansson hat „Wiedersehen mit Mark“ in zwei zeitliche Abschnitte unterteilt: die Gegenwart, in der sich Mark und Daniel auf der Beerdigung von Herrn Mücke wiedersehen, und die Rückblende, in der der Leser erfährt, was zwischen den beiden vorgefallen ist. Die Geschichte ist hierbei komplett aus Daniels Sicht erzählt, weswegen man Mark nur bedingt kennenlernt. Er bleibt leider ein wenig blass, was auch daran liegt, dass zwischen den beiden jungen Männern viele unausgesprochene Worte bleiben und man nur mit Daniels Gedanken konfrontiert wird.

Nichtsdestotrotz lohnt es sich die Novelle zu lesen. „Wiedersehen mit Mark“ ist eine schöne Geschichte, die sich mehr auf die Darstellung von Gefühlen und dem Inenleben von Daniel auseinandersetzt. Einige weitere Themen (Coming-Out, Religion, Mobbing) werden gestreift, jedoch nicht vertieft. Vielleicht widmet sich die Autorin noch einmal den beiden Figuren und erzählt eine längere Geschichte, in der sie mehr auf die Umwelt von Daniel und Mark eingehen kann.

Fazit:
„Wiedersehen mit Mark“ ist eine schöne, in sich stimmige Novelle für Liebhaber ruhiger, stiller Geschichten, die ohne Schnörkel, Erotik und ausufernde Beschreibungen daherkommt. Celia Jansson hat einen schönen, stimmungsvollen Schreibstil, der zu der kurzen Erzählung passt und Daniel sehr gut in Szene setzt. Obwohl die Novelle eine optimale Länge hat und an keiner Stelle zu kurz oder zu gehetzt daherkommt, wäre es dennoch schön, zu erfahren, wie es mit Daniel und Mark weitergeht. Egal wie – es lohnt sich die Autorin im Blick zu haben, vielleicht gibt es ja bald Umfangreicheres von ihr zu lesen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar