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[ANTHOLOGIE] Unicorns don’t swim von Antje Wagner

Herausgeberin: Antje Wagner
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-3932338823
Preis: 14,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Inhalt:
Herausgeberin Antje Wagner hat 20 Geschichten von 16 unterschiedlichen Autorinnen gesammelt und in dem im Aviva Verlag erschienenen Erzählband „Unicorns don’t swim“ vereint. Egal ob realistisch oder fantastisch, lockerleicht oder dramatisch – es geht um Mädchen, die mit ihrer Art und ihren Gedanken aus den typischen Geschlechterrollen herausfallen. In der Anthologie geht es ums Anderssein, Que(e)rdenken und Sich-Selbst-Entdecken, das Brechen von Konventionen und dem Schubladendenken der Gesellschaft. Und so abwechslungsreich die Geschichten auch sind, sie haben eine Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Geschichte zieht – das Mädchen nicht immer den üblichen Klischees entsprechen müssen, sondern wesentlich vielseitiger und individueller sein können und dürfen.

Eigene Meinung:
Der Erzählband „Unicorns don’t swim“ erschien 2016 im Aviva Verlag unter der Schirmherrschaft der mehrfach ausgezeichneten Jugendbuch-Autorin Antje Wagner, von der zwei Kurzgeschichten stammen. Auch andere bekanntere Jugendbuchautorinnen wie Vera Kissel lassen es sich nicht nehmen, sich mit einer Geschichte zu beteiligen, ebenso Autorinnen, die mit ihren lesbischen Romanen auf sich aufmerksam gemacht haben. Für viele ist die Veröffentlichung in „Unicorns don’t swim“ jedoch der erste Schritt in die Öffentlichkeit.

Die Geschichten sind so bunt, queer und unterschiedlich, wie die Autorinnen, was dem Leser eine breite Palette ungewöhnlicher Geschichten beschert, die zum teils Nachdenken anregen, teils „nur“ unterhalten sollen. Dabei werden alle möglichen Themen behandelt – Liebe in allen Formen und Facetten, das Ausbrechen aus Konventionen, der Umgang mit Transidentitäten und kleine und große Familienprobleme. Die Autorinnen entführen den Leser in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in fantastische Parallelwelten und realistische Settings. Auch aktuelle Themen wie Flüchtlinge werden aufgegriffen und eingebaut. Die meiste Zeit bewegen sie sich jedoch abseits des Mainstreams, denn die Heldinnen der Geschichte entsprechen nicht den üblichen Klischees. Sie sind stark, vertreten ihr eigene Meinung, verlieben sich mitunter in Mädchen und müssen lernen mit ungewöhnlichen Familienproblemen umzugehen. Besonders hervorzuheben sind „Metamorphose“ von Tania Witte, „Baby“ von Vera Kiesel und „Hellhelden“ von Antonie Partheil, die mich auf ganz besondere Art und Weise gefesselt und zum Nachdenken angeregt haben, doch im Grunde ist jede Geschichte ein kleiner Schatz, der wunderbar zur Anthologie passt. Auch „Halbes Bett“, Auftakt eines Jugendromans von Ingrid Annel kann überzeugen, wenngleich es schade ist, dass es sich um keine abgeschlossene Geschichte handelt.

Stilistisch weisen die Erzählungen eine hohe Qualität aus. Natürlich hat jeder Autor seinen Stil und setzt sich mit der Thematik auf ganz eigene Art auseinander, doch der Kurzgeschichtenband bietet Abwechslung und gibt dem Leser die Möglichkeit, neue Autorinnen kennenzulernen, die man zukünftig im Auge behalten kann. Dies ist bei einer Anthologie immer der schönste Punkt, neben verschiedenen Geschichten und einer bunten Mischung – das Kennenlernen neuer Autoren, die man bis dahin nicht kannte.

Fazit:
„Unicorns don’t swim“ ist eine gelungene Anthologie, die durch mutige, ungewöhnliche Geschichten besticht, die sich auf vollkommen unterschiedliche Art mit dem Thema Mädchen, Frauen in allen Facetten beschäftigen. Den Autorinnen gelingt ein breiter Querschnitt außergewöhnlicher Heldinnen, die sich fernab der Klischees und gängigen Ideale bewegen und für sich selbst sprechen, handeln und leben. Unter Herausgeberin Antje Wagner versammeln sich talentierte Autorinnen, die mit ihren Geschichten aufrütteln, berühren und nachdenklich stimmen wollen und die Themen aufgegriffen haben, die zu Diskussionen anregen dürften. Für junge Mädchen und Frauen unbedingt zu empfehlen, ebenso für Leser, die gerne einen Blick über den Tellerrand riskieren wollen. Es lohnt sich!

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[ROMAN] Schattengesicht von Antje Wagner

Autor: Antje Wagner
Taschenbuch: 206 Seiten
ISBN: 978-3833350894
Preis: 7,95 EUR (Taschenbuch) | 9,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Die 26-jährige Milana und ihre beste Freundin Polly sind auf der Flucht, denn Polly hat einen Mord begangen. Daher leben sie im Verborgenen, versuchen sich unauffällig zu bleiben und gehen anderen Menschen aus dem Weg – zum einen um nicht aufzufliegen, zum anderen weil Polly negativ auffällt, wenn sie spricht. Die junge Frau umgibt eine Aura, die die meisten Menschen verstörend finden, weswegen Milana die Aushilfsjobs annimmt und sich darum kümmert ihre Barschaft ein wenig aufzubessern. Letztendlich bleibt den beiden grundverschiedenen Frauen jedoch nur der Weg zu einem abgelegenen Haus in Schweden, von dem nur die beiden wissen und in dem vor vielen Jahren etwas Furchtbares geschehen ist …

Eigene Meinung:
Der knapp 200 Seiten dicke Roman „Schattengesicht“ stammt von Antje Wagner und erschien 2010 im Querverlag. Aufgrund des Erfolges ihres ersten Jugendbuches „Unland“ brachte Bloomsbury den Thriller zwei Jahre später in einer Neuauflage mit neuem Cover heraus. Inzwischen liegen bei beiden Verlagen mehrere Romane vor – beim Querverlag lesbische Krimis und Thriller, bei Bloomsbury genregleiche Jugendbücher.

Antje Wagner hat eine ungewöhnliche Art gewählt die Geschichte von Milana und Polly zu erzählen – sie läuft rückwärts und springt zeitlich immer wieder um mehrere Jahre zurück, bis man in der Kindheit der beiden Mädchen angelangt ist, wo endlich geklärt wird, was die beiden miteinander verbindet. Das mag zu Beginn ein wenig verwirrend sein, entwickelt aber im Laufe der Zeit eine ungeahnte Sogwirkung, so dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Die Spannungskurve ist durchweg sehr hoch, da man erst nach und nach die Geheimnisse der beiden jungen Frauen aufdeckt und Antje Wagner die brennendsten Fragen erst am Schluss beantwortet. Auch sorgt die geringe Seitenzahl für eine unglaublich dichte Atmosphäre, da man das Gefühl hat die reine Essenz der Geschichte zu lesen – umständliche Beschreibungen oder ausufernde Erklärungen sucht man in „Schattengesicht“ vergeblich. Alles, was die Geschichte hemmt oder nicht voranbringt wurde weggelassen, was sich positiv auf das Vorankommen der komplexen Handlung auswirkt.

Die Charaktere sind unterschiedlich wie Tag und Nacht – Milana ist eher introvertiert, zurückhaltend und fast ausschließlich auf Polly fixiert, diese wiederum ist offensiver, lauter und ausdrucksstärker, wenngleich dies ihre Mitmenschen abstößt. Zusammen ergeben sie ein eigenartiges Gespann, das fast schon obsessiv aneinander festhält. Ob zwischen den beiden Frauen mehr herrscht als Freundschaft, muss jeder selbst für sich entscheiden. Auf jeden Fall zeichnet Antje Wagner ihre Figuren sehr authentisch und gut nachvollziehbar. Man kann sich gut in Milana hineinversetzen, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird.

Stilistisch bewegt sich Antje Wagner auf hohem Niveau – sie hat eine fast schon poetische Sprache, die die Geschichte fesselnd, spannend und berührend wiedergibt und von dem Leben zweier junger Frauen erzählt, die mehr miteinander teilen, als Freundschaft und Sympathie. Dank der kurzen, prägnanten Sätze und des klaren Stils wird es nie langweilig. Der Leser bleibt kontinuierlich am Ball und wird von der Geschichte mitgerissen. Nichtsdestotrotz muss man den ungewöhnlichen, präzisen Stil der Autorin mögen – er ist durchaus gewöhnungsbedürftig, wenn man Bücher mit ausufernden Beschreibungen und sehr langen Dialogen mag.

Fazit:
„Schattengesicht“ ist ein ungewöhnlicher Thriller, der durch eine extrem spannende Geschichte, interessante Charaktere und einen sehr eindringlichen Schreibstil besticht. Wer auf der Suche nach ungewöhnlichen Büchern und überraschenden Wendung ist, ist mit Antje Wagners Roman an der richtigen Adresse – ihr gelingt auf knapp 200 Seiten, was mancher Autor mit einer Trilogie nicht schafft: Spannung, Atmosphäre und eine Enthüllung, die einen auch auf den letzten Seiten zu überraschen weiß. Zu empfehlen.

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