Archiv der Kategorie: Trans

[COMIC] Die Favoritin von Matthias Lehmann

9783551728166
Autor: Matthias Lehmann
Hardcover: 160 Seiten
ISBN: 978-3551728166
Preis: 17,99 EUR
Bestellen: Amazon

Story:
Constances Leben wird durch ihre strenge Großmutter bestimmt, die jeden ihrer Schritte überwacht. Spielen mit Gleichaltrigen ist ebenso verboten, wie das alte Herrenhaus zu verlassen, das sich abseits einer französischen Kleinstadt befindet. Für Constanze bleibt lediglich ihre Fantasie um die öden Tage zu überstehen und ihre Umwelt auf ihre Art für sich zu entdecken. Als das alte Ehepaar eine neue Verwalterfamilie anstellt, die sich fortan um das Anwesen kümmern soll, lernt Constance erstmals Kinder in ihrem Alter kennen und beginnt sich mehr und mehr gegen die Regeln ihrer Großmutter zu stellen. Doch ihre stille Rebellion und ihre steigende Aggressivität gegen die herrische Frau haben ungeahnte Folgen und sorgen dafür, dass ein schreckliches Geheimnis ans Licht kommt …

Eigene Meinung:
Mit der Graphic Novel „Die Favoritin“ legt der Carlsen Verlag das Debüt des französischen Zeichners Matthias Lehmann vor, der mehrere Jahre an der Umsetzung der Geschichte arbeitete. Der Comic wurde u.a. 2016 für den Comicpreis Angoulême nominiert, einer der wichtigsten europäischen Comicpreise.

Matthias Lehmann erzählt die Geschichte der jungen Constance, die wahrlich kein leichtes Leben hat. Sie steht unter der herrischen Fuchtel ihrer Großmutter, die den Haushalt wie ein General führt und auch vor drakonischen Strafen nicht zurückschreckt. Das wahre Ausmaß wird erst nach und nach ersichtlich, denn der Autor versteht es zunächst dezent darauf hinzuweisen und erst im Laufe der Zeit zu zeigen, wie schwer Constances Leben eigentlich ist. Auch die Tatsache, dass es sich bei der jungen Heldin in Wahrheit um einen Jungen handelt, der von dem alten Ehepaar als Mädchen aufgezogen wird, kommt erst relativ spät ans Licht. Den Leser erwartet eine tieftraurige Geschichte, in der es um Geschlechtsidentität, Kindesmissbrauch und psychischen Krankheiten geht, um Angst und Trauer, aber auch um Fantasie und Hoffnung. Dabei spielt natürlich auch die Zeit, in der die Geschichte spielt, eine große Rolle, denn nicht nur Constances Leben ist davon geprägt (Frankreich der 70er Jahre), auch die Persönlichkeiten ihrer Großeltern sind durch die Vorkriegsjahre geprägt, in denen man alles getan hat, um „geistige“ Krankheiten zu verschweigen oder ganz zu ignorieren. Nahezu alle Figuren sind Opfer ihrer Zeit und nur wenige gehen am Ende des Buches als Gewinner hervor – selbst Constance nicht.

Die Figuren hinterlassen einen tiefen Eindruck beim Leser. Gerade der kleine Junge, der so lange als Mädchen leben musste und nicht einmal seinen richtigen Namen kannte, bleibt im Gedächtnis. Man fragt sich, wie es mit ihm weitergeht, denn Matthias Lehmann lässt sein Werk recht offen enden und regt zum Nachdenken an. Auch stellt man sich zwangsläufig die Frage, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn Constances Großvater eher den Mut gefunden hat, die Wahrheit ans Licht zu bringen oder die Familie der alten Frau auf ihre psychischen Probleme anders reagiert hätte, anstatt sie einfach zu verheiraten.

Die Zeichnungen sind gewöhnungsbedürftig, da Matthias Lehmann einen sehr groben Strich hat, der ein wenig an alte Holzschnitte erinnert. Man braucht ein wenig, um sich mit den manchmal etwas starren schwarz/weiß-Zeichnungen anzufreunden. Die dicken Linien und die groben Schraffuren strahlen eine gewisse Düsterheit aus, die sehr gut zum Inhalt des Buches passt und die gedrückte Atmosphäre passend widerspiegelt. Sie vermitteln die richtige Stimmung und sorgen dafür, dass man auch bei den fantasievolleren Szenen, in denen Constance einfach nur Kind sein kann, nicht vergisst, wie schrecklich und deprimierend die Hintergrundgeschichte ist und welch furchtbare Dinge in dem alten Herrenhaus passieren.

Fazit:
„Die Favoritin“ ist ein ungewöhnlicher Comic, der durch eine sehr traurige Geschichte und einen recht eigenwilligen Zeichenstil besticht. Matthias Lehmann legt ein sehr düsteres Debüt vor, das zum Nachdenken anregt und Kindesmissbrauch und Geschlechtsidentität thematisiert. Wer schwere Kost mag und kein Problem mit einigen verstörenden Szenen hat, sollte der Graphic Novel eine Chance geben und einen Blick in „Die Favoritin“ werfen. Allein aufgrund des Endes und der Aufdeckung der Geheimnisse lohnt sich die Geschichte um den kleinen Jungen, der fast sein gesamtes Leben als Mädchen gelebt hat.

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[COMIC] Das falsche Geschlecht von Chloé Cruchaudet


Autor: Chloé Cruchaudet
Taschenbuch: 160 Seiten
ISBN: 978-3945034088
Preis: 24,95 EUR
Bestellen: Amazon

Story:
Für die naive Luise und den großmäuligen Paul könnte das Leben in Frankreich zu Beginn des ersten Weltkriegs perfekt sein, würde auf Paul kurz nach ihrer Hochzeit nicht Frontdienst warten. Die Grauen, die er dort erlebt sorgen zunächst dafür, dass er sich einen Finger abschneidet, um abgezogen zu werden und schließlich zu desertieren, als man ihn trotzdem zurückschicken will. Luise unterstützt ihren Mann und versteckt ihn in einem kleinen Zimmer, kann jedoch mit ihrem mageren Gehalt als Schneiderin kaum mehr für ihn tun. Als die Langeweile unerträglich wird, schlüpft Paul in Frauenkleidung, um sich unerkannt auf den Straßen bewegen zu können. Mit der Zeit wird ihm sein neues Alter-Ego immer wichtiger, gerade in den zügellosen goldenen 20er, in denen er als Frau seine Leidenschaften hemmungslos ausleben kann und zu einer Ikone innerhalb der Trans-Szene aufsteigt. So wird es für Paul immer schwieriger zu sich als Mann zurückzufinden, als er endlich seine Verkleidung ablegen kann und ein gemeinsames Leben mit Luise auf ihn wartet …

Eigene Meinung:
„Das falsche Geschlecht“ basiert auf einer wahren Begebenheit und stammt von der französischen Comiczeichnerin Chloé Cruchaudet. Im Jahr 2014 wurde der Comic mit dem Publikumspreis auf dem Comicfestival von Angoulême ausgezeichnet, für die deutsche Fassung zeigt sich der Avant Verlag verantwortlich.

Die Geschichte ist sehr fesselnd und spannend umgesetzt – bereits nach wenigen Seiten ist man in der Handlung und kann die Graphic Novel nur schwer aus der Hand legen. Chloé Cruchaudet hat sich ein interessantes Thema ausgesucht, das eine Menge Potenzial bietet. Die Tatsache, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht, macht „Das falsche Geschlecht“ doppelt spannend, wenngleich man am Ende (in Form eines Nachworts beispielsweise) gerne mehr über die Originale erfahren hätte, die die Künstlerin zu diesem Werk inspiriert haben. Dennoch ist Chloé Cruchaudets Werk lohnenswert, da es ihr sehr gut gelingt Pauls inneren Kampf mit seiner wirklichen Persönlichkeit und die Auswirkungen auf seine Beziehung zu Luise sehr glaubhaft und mitreißend zu gestalten. Man fiebert mit dem jungen Deserteur mit, entdeckt mit seinem Alter-Ego Suzanne die dunklen Ecken und Parks von Paris, in den nichts unmöglich scheint und jede noch so schrille Obsession erfüllt werden kann. Der Leser ist dabei immer hautnah bei Paul oder Luise, je nachdem wer von den beiden die Handlung vorantreibt.

Die Figuren sind sehr gut in Szene gesetzt, in sich stimmig und nachvollziehbar. Man kann sich mit Paul identifizieren, versteht warum er desertiert und wie sehr ihm seine Frontzeit nachhängt, denn schreckliche Albträume suchen Paul immer wieder heim. Auch seine Wandlung zu einer Frau (inkl. Ausbrennen des Bartes, Lackieren der Fingernägel, Wachsen des Haars) wird sehr gut dargestellt, denn sie geht langsam vonstatten, da Paul sich erst in diese Rolle hineinfinden muss. Eine ganz besonders starke Persönlichkeit ist Luise, die ihren Mann in allen Punkten unterstützt – sei es darin, ihn vor der Polizei zu verstecken, oder ihn später dabei zu helfen, als Frau nach draußen zu gehen. Sie hält zu ihm, ganz egal in welche Richtung er sich entwickelt und welche Probleme sein Alter Ego mit sich bringt. Das macht Luise sehr sympathisch – sie ist fast mehr der Held der Geschichte, als Paul. Die übrigen Charaktere kommen nur am Rande vor, da sich Chloé Cruchaudet vollkommen auf die Geschichten von Luise und Paul/Suzanne konzentriert,

Die Zeichnungen von Chloé Cruchaudet passen perfekt zu der Geschichte – gänzlich in schwarz-weiß-rot gehalten, bestechen sie durch einen sehr dynamischen Stil, der sowohl die Schrecken des Krieges, als auch das Pariser Nachtleben einfängt. Hin und wieder mögen die Figuren ein wenig kantig wirken, doch das passt gut zur Geschichte und der Entwicklung die Paul und Claude durchleben. Dank des spärlichen Einsatzes von Rot oder Orange unterstreicht Chloé Cruchaudet bei die besondere Atmosphäre, die einzelne Szenen umgibt und hebt diese hervor. So ist „Das falsche Geschlecht“ auch optisch ein Hingucker und bietet eine qualitativ hochwertige Umsetzung. Dem wird auch die Aufmachung des 160 Seiten starken Buches gerecht, das in großformatigem Hardcover daherkommt.

Fazit:
„Das falsche Geschlecht“ ist eine wunderbare Graphic Novel, die sowohl durch eine fesselnde, interessante Handlung und authentische, gut nachvollziehbare Charaktere, als auch durch sehr stimmige, einnehmende Zeichnungen besticht. Chloé Cruchaudet gelingt ein mitreißendes Werk über eine auf wahren Begebenheit beruhende Transgender-Beziehung, die lange nachklingt und zum Nachdenken anregt. Wer auf der Suche nach guten Büchern im Trans-Genre ist, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen. Es ist vielschichtig, spannend und kann voll und ganz überzeugen. Zu empfehlen.

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[ROMAN] George von Alex Gino


Autor: Alex Gino
Übersetzer: Alexandra Ernst
Hardcover: 208 Seiten
ISBN: 978-3737340328
Preis: 12,99 EUR (eBook) | 14,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Story:
George ist 10 Jahre alt und weiß genau, dass sie eigentlich ein Mädchen ist. Sie fühlt sich wie eins und träumt davon, dass auch ihr Umfeld sie als so wahrnimmt, wie sie ist. Als die Schule ein Theaterstück plant, setzt George alles daran, die weibliche Hauptrolle zu bekommen, damit sie der Welt zeigen kann, wer sie wirklich ist. Doch dies ist nicht so einfach, denn ihre Lehrerin will nicht akzeptieren, dass ein Junge die Rolle der Spinne Charlotte spielen kann und auch ihre Mutter hat zunehmend Schwierigkeiten mit ihrem „Sohn“ George …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „George“ erschien eines der ersten Transgender Kinderbücher und spiegeln die Erlebnisse und Erfahrungen der Autorin Alex Gino wieder, die in den queeren und transgender Bewegungen aktiv ist. Die deutsche Fassung erschien im Fischer Verlag, der bereits mehrere Romane zum Transgender-Thema auf den Markt brachte (u.a. „Zusammen werden wir leuchten“, „Teddy Tilly“). „George erhielt mehrere Auszeichnungen und Preise.

Die Geschichte handelt von George, die sich schon in jungen Jahren als Mädchen fühlt, jedoch Probleme damit hat, sich anderen gegenüber zu öffnen. Erst als sie sich ihrer besten Freundin Kelly anvertraut und von dieser Unterstützung erfährt, setzt es sich George als Ziel, der Welt zu beweisen wer er ist. Die Handlung ist kindgerecht aufgearbeitet und gibt auch junge Leser die Möglichkeit sich mit George zu identifizieren. Einige Begriffe und Wörter erscheinen mir jedoch etwas unpassend für jüngere Leser, doch insgesamt gelingt es Alex Gino gut, Georges Gedanken und Gefühle darzustellen und jüngeren Lesern zu übermitteln. Aufgrund der Altersgruppe, an die sich das Buch richtet und Georges Alter gibt es natürlich nur einige wenige Probleme, denen sich die Protagonistin stellen muss – das Mobbing durch einzelne Mitschüler, das Unverständnis von Lehrern und Familie. Zudem wirkt alles ein wenig glatt, da die meisten Dinge recht schnell überwunden werden. Auch endet das Buch recht offen, bzw. an einer Stelle, die viele Möglichkeiten offenlässt. Natürlich wäre eine intensivere Behandlung der Transgender-Thematik für ein Kinderbuch nicht geeignet gewesen, doch ein wenig mehr Tiefgang (vielleicht durch ein Gespräch mit der Direktorin) wäre schön gewesen. So lässt Alex Gino leider einiges an Potenzial ungenutzt.

Die Charaktere sind sehr liebenswert und nachvollziehbar gestaltet. George ist sehr sympathisch und man kann sich sehr gut mit ihr und ihren Problemen identifizieren. Sie ist eine stille, ruhige Heldin, die vieles mit sich ausmacht und nur selten Kontra liefert. Ihre beste Freundin Kelly ist wesentlich aktiver und offensiver, allerdings wirkt sie manchmal ein wenig altklug. Die übrigen Figuren wirken ein wenig blass, da der Schwerpunkt auf George und (später) auf ihrer besten Freundin Kelly liegt. Dennoch passen sowohl Georges Mutter und ihr Bruder, als auch ihre Mitschüler gut zur Geschichte und geben der jungen Heldin den perfekten Rahmen um sich zu entfalten.

Stilistisch legt Alex Gino ein solides Kinderbuch vor, das allein schon aufgrund seiner Thematik ein Muss für junge Leser ist. Er hat einen kindgerechten, sehr schlichten Schreibstil, der lediglich durch einige schwierigere Begriffe etwas unhandlich wirkt. Da stellt sich automatisch die Frage, ob ein 10-jähriges Kind wirklich die gesamte Tragweite des Buches begreifen kann, oder ob einige Punkte doch zu hoch gegriffen sind. Da Alex Gino jedoch auch Themen wie Akzeptanz, Toleranz und den Mut zu sich selbst zu stehen, aufgreift, ist „George“ durchaus auch für Leser ab 10 geeignet, insofern man im Bedarfsfall bereit ist anfallende Fragen zu beantworten.

Fazit:
„George“ ist ein schönes, thematisch wichtiges Kinderbuch, das dazu anleiten soll, zu sich selbst zu stehen und andere Menschen, ganz gleich wodurch sie sich unterscheiden, zu akzeptieren und zu tolerieren. Alex Gino hat ein schönes, wertvolles Kinderbuch erschaffen, das an einigen Stellen ein wenig übers Ziel hinausschießt, an anderen Potenzial ungenutzt verstreichen lässt. Wer junge Leser an die Thematik Transgender heranführen will, ist mit „George“ sehr gut bedient – sowohl die junge Heldin, als auch die Handlung ist passend für 10-Jährige. Zu empfehlen.

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[KINDERBUCH] Teddy Tilly von Jessica Walter und Dougal MacPherson


Autor: Jessica Walter
Illustrator: Dougal MacPherson
Übersetzer: Anu Stohner
Hardcover: 32 Seiten
ISBN: 978-3737354301
Preis: 14,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Story:
Teddy Thomas ist unglücklich, denn er fühlt sich schon seit langer Zeit nicht als Teddybär, sondern als Teddybärin. Nach einigem Zögern offenbart er seinem besten Freund Finn sein Geheimnis und ist ehrleichtert, dass Finn sich an seinem Wunsch nicht stört, sondern ihm versichert, dass er ihn immer liebhaben wird. So wird aus Thomas Tilly und die Freundschaft der beiden wird immer tiefgründiger und stärker …

Eigene Meinung:
Das Bilderbuch „Teddy Tilly“ entstand im Rahmen einer Crowdfunding Kampagne der australischen Mutter Jessica Walter, die ihren Kindern gerne eine kindgerechte Geschichte über Transgender vorlesen wollte. Unterstützt von Dougal MacPherson, der die Geschichte illustriert hat, wurde die Kampagne ein Erfolg und das knapp 40-seitige Buch erschien. Im August 2016 veröffentlichte der Sauerländer Verlag „Teddy Tilly“ und präsentiert damit ein weiteres Transgender-Werk.

Die Geschichte ist kindgerecht aufgearbeitet und komplett illustriert. Jessica Walter behandelt Themen wie Akzeptanz, Toleranz und Vertrauen. Sie zeigt, dass sich zwischen Finn und Tilly nichts ändert, nachdem sich Thomas entschieden hat eine Teddybärin zu sein. Beide spielen nach wie vor zusammen, klettern auf ihr Baumhaus und trinken Kakao wenn es draußen regnet. Ihr gelingt eine zauberhafte Bilderbuchgeschichte, die vollkommen unkompliziert das Thema Transgender aufgreift und sehr einfühlsam jungen Lesern näherbringt. Das macht das Bilderbuch zu einem der wenigen existierenden Transgender Kinderbüchern, die aktuell auf dem Markt zu finden sind.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die Illustrationen von Dougal MacPherson, der mit seinem „15 Minute Drawings“ bekannt geworden ist. Sie wirken ein recht kantig, unsauber und kindlich, doch das passt recht gut zum Stil des Buches, da sich ein Kind in den recht einfachen, groben Zeichnungen rasch wiedererkennen dürfte. Teddy Tilly ist sehr liebevoll in Szene gesetzt, ebenso ihr bester Freund Finn.

Gelungen ist auch die Aufmachung der deutschen Ausgabe – ein stabiles Hardcover, vollfarbig und in einem sehr angenehmen Format.

Fazit:
„Teddy Tilly“ ist ein gelungenes Kinderbuch, das ein wichtiges Thema anschneidet und für Akzeptanz und Toleranz wirbt. Wer Kinder im passenden Alter hat und über das Thema Transgender aufklären will, sollte sich das Werk von Jessica Walter und Dougal MacPherson nicht entgehen lassen. Zu empfehlen.

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[COMIC] Nenn mich Kai von Sarah Barczyk


Autor: Sarah Barczyk
Taschenbuch: 80 Seiten
ISBN: 978-3-7704-5529-4
Preis: 14,99 EUR
Bestellen: Amazon

Story:
Andrea sehnt sich danach ein Mann zu sein, denn sie mag ihren weiblichen Körper überhaupt nicht. Als sie davon erfährt, dass es Therapiemöglichkeiten gibt, entschließt sie sich, den steinigen Weg zu gehen, um endlich auch optisch dem zu entsprechen, wer sie in Wirklichkeit ist. Natürlich kommen mit dieser Entscheidung Probleme und Zweifel: Wie reagieren ihre Freunde und ihre Eltern auf ihre Transsexualität? Welche Hürden gibt es zu überwinden, bevor Andrea endlich die langersehnte Hormontherapie beginnen kann? Und wie reagiert ihre Umwelt auf ihre Anpassung in Kai?

Eigene Meinung:
Die 80-seitige Graphic Novel „Nenn mich Kai“ stammt von der deutschen Künstlerin Sarah Barczyk, die 2014 das Comicstipendium des Egmont Graphic Novel Verlags gewann und daraufhin den vorliegenden Comic zeichnete. Bis auf einige kleinere Publikationen ist „Nenn mich Kai“ die erste Veröffentlichung der Zeichnerin.

Auf sehr ruhige, direkte Art und Weise schildert Sarah Barczyk Andreas Weg – von ihren ersten Versuchen der „Vermännlichung“ (Abbinden der Brust, Schminken von Bart), über ihr Coming-Out bei Freunden und Familie bis hin zu den Gesprächen mit ihrem Therapeuten. Die Geschichte wird in Etappen erzählt – teilweise sind längere Zeitabschnitte zwischen den Szenen, denn es ist eine Menge Inhalt, den die Autorin auf wenigen Seiten präsentieren will. Dies gelingt ihr (in Anbetracht der Kürze im Vergleich zum komplexen Thema) sehr gut, wenngleich man sich wünscht, dass sie mehr Seiten aufgewandt hätte, um einige Aspekte zu vertiefen und noch greifbarer zu machen – gerade die Probleme mit Andreas Freunden hat Potenzial für mehr geboten. Dennoch gibt Sarah Barczyk auf alle wichtigen Punkte Antworten und lässt Andrea Positives wie Negatives erleben, während sie ihren Weg geht. Als Leser ist man nah bei ihr und erlebt all die Dinge mit, die sie bewegen: die Unsicherheit sich zu offenbaren, der Kauf ihres ersten Binders, das erhebende Gefühl von Fremden erstmals als Mann wahrgenommen zu werden und die Ängste, sich im Sportstudio in der Umkleidekabine für Männer umzuziehen.
Sehr schön ist auch, dass Sarah Barczyk nicht so weit geht, die operative Anpassung mit einzubauen – so wichtig dies für einen transsexuellen Menschen auch sein mag, es hätte definitiv den Rahmen des Comics gesprengt. Stattdessen konzentriert sie sich auf die Zeit bis zur Hormonbehandlung und auf alltägliche Probleme und lässt dabei nicht alles bierernst erscheinen, sondern bietet eine gelungene Mischung aus Humor und ruhigeren Themen. Das macht den Comic für alle lesenswert, die noch nicht mit dem Thema in Berührung kamen.

Die Charaktere sind sehr liebevoll in Szene gesetzt und durchweg sympathisch. Andrea/Kai ist ein starker Protagonist. Sie weiß, was sie möchte und wird im Laufe des Comics immer sicher. Natürlich wächst sie an den Problemen, die mit einer Anpassung einhergehen und die meiste Zeit ist man als Leser nah bei ihr und kann sich gut in sie hineinversetzen. Als recht korpulenter Mensch entspricht sie auch nicht dem typischen Klischee, sondern eher dem Durchschnitt, was es einfacher macht, sich mit ihn zu identifizieren.
Auch die übrigen Figuren entsprechen diesem Schema – Andreas bester Kumpel nimmt alles sehr locker auf und hat keinerlei Probleme, während ihre beste Freundin mit der Zeit distanzierter wird. Auch ihre Eltern sind sehr gut in Szene gesetzt – man kann sie gut nachvollziehen, da sie ebenso lebendig und realistisch sind wie Andrea/Kai.

Die Zeichnungen wirken auf den ersten Blick etwas grob und unförmig, doch man gewöhnt sich schnell an den schlichten Zeichenstil. Sarah Barczyk arbeitet mit sehr dicken Linien, verzichtet auf unnötige Details und Hintergründe und konzentriert sich fast ausschließlich auf ihre Hauptfigur. Andreas Gedanken und Gefühle stehen im Zentrum und dies bringt die Zeichnerin sehr gut zu Papier. Es ist erstaunlich, wie ausdrucksstark die Figuren trotz des recht einfachen Stils sind und wie sehr man mit ihnen mitfiebert. Sarah Barczyk kann auf jeden Fall überzeugen, insofern man sich mit ihren einfachen, aber ausdrucksstarken Zeichnungen anfreunden kann.

Fazit:
„Nenn mich Kai“ ist eine gelungene Graphic Novel, die durchaus etwas ausführlicher hätte sein können. In einigen Punkten kratzt Sarah Barczyk lediglich an der Oberfläche, dennoch ist der Comic lesenswert, da er einen guten Einblick in die Charaktere und die Probleme einer beginnenden Anpassung liefert. Stilistisch ist „Nenn mich Kai“ vielleicht ein wenig einfach und schlicht geraten, doch darin liegt die Stärke der Graphic Novel, denn Sarah Barczyk gelingt es Andrea und ihre Probleme greifbar darzustellen. Wer auf der Suche nach einem Einstieg ins Thema Transsexualität ist, sollte sich „Nenn mich Kai“ nicht entgehen lassen. Es lohnt sich!

 

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[ROMAN] Zusammen werden wir leuchten von Lisa Williamson


Autor: Lisa Williamson
Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN: 978-3-7336-0109-6
Preis: 10,99 EUR (eBook) | 12,99 (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Bereits im Alter von acht Jahren weiß David, dass er ein Mädchen sein will. Seinen Eltern möchte er sein größtes Geheimnis nicht offenbaren – diese rechnen bei einem Coming-Out eher mit der Homosexualität ihres Sohnes, nicht damit, dass er Transgender ist. Lediglich Davids beste Freunde Essie und Felix wissen um Davids geheimen Wunsch. Sie halten zu ihm, auch wenn er in der Schule noch so oft von seinen Mitschülern angegangen und beleidigt wird.
Das Blatt wendet sich Stück um Stück als mit Leo ein neuer Schüler auftaucht, der aus einem schlechten Viertel und von einer noch schlechteren Schule stammt. Anstatt dem Mobbing tatenlos zuzusehen, verteidigt er David. Die beiden lernen sich kennen und Leo beginnt David Mathenachhilfe zu geben. Nach und nach werden die beiden Freunde und schon bald wird klar, dass auch Leo ein Geheimnis hat, dass vieles ändern könnte …

Eigene Meinung:
Der Roman „Zusammen werden wir leuchten“ ist das Debüt der Autorin Lisa Williamson und beschäftigt sich als eines der ersten Jugendbücher mit dem Thema Transgender. Die Autorin gewann mehrere Preise und erhielt weitestgehend positives Feedback. Die deutsche Ausgabe erschien 2015 beim Fischer Verlag.

Inhaltlich begleitet der Leser nicht nur David, seine Probleme und seine Sehnsüchte, sondern auch Leo, der es sich zum Motto gemacht hat möglichst unsichtbar zu bleiben und nicht aufzufallen. Seine Vorsätze geraten ins Wanken, als er sich in Alicia verliebt und irgendwann vor dem Problem steht, ihr sein größtes Geheimnis anvertrauen zu müssen, was jedoch für mehr Probleme sorgt, als er es sich je gedacht hat. Hauptsächlich geht es in dem Jugendbuch um Freundschaft und Vertrauen, Mut und Selbstbewusstsein. Sowohl David, als auch Leo müssen für das kämpfen, was sie sind und dabei erwachsen werden. Die Freundschaft, die sich zwischen ihnen entwickelt ist eher ruppig und direkt, teilweise schweißt sie nur ein ähnliches Geheimnis zusammen – beide sind Transgender, beide haben mit ihrer Geschlechtsidentität zu kämpfen und dafür, ein normales Leben zu führen. Leo ist David in vielen Punkten voraus, doch seine schwierige Familiensituation sorgt dafür, dass er gegen etliche Probleme anzukämpfen hat.
Ein wenig schade ist, dass David im Laufe der Geschichte immer mehr in den Hintergrund rückt – wer den Klappentext gelesen hat, geht beinah davon aus, dass es in „Zusammen werden wir leuchten“ um David und seine Probleme geht. Stattdessen steht im Grunde eher Leo im Mittelpunkt, dem mehr Platz eingeräumt wird, als es zunächst den Anschein hat. Da es lange dauert, bis sein Geheimnis gelüftet wird, weiß der Leser nicht so recht, wo er ihn einordnen soll – er hilft David zwar, ist an Freundschaft aber nicht interessiert. Auch später entwickelt sich nur eine recht lose Beziehung zwischen den beiden, da Leo jegliche Versuche Davids abblockt. Man kann Leos Beweggründe am Ende zwar nachvollziehen, doch gerade im Mittelteil sammelt er keinerlei Sympathiepunkte.

Dennoch ist Lisa Williamson ein solides, wichtiges Jugendbuch geglückt, dem es gelingt die Gefühle von Transgender sehr gefühlvoll und verständlich in Szene zu setzen und die damit einhergehenden Probleme und Ängste gut nachvollziehbar umzusetzen. Die Figuren wachsen einem ans Herz und man kommt nicht umhin, über die Dinge nachzudenken, die im Roman angesprochen wurden. „Zusammen werden wir leuchten“ regt auf jeden Fall zum Nachdenken und Diskutieren an.

Die Figuren sind sehr lebendig und authentisch, wenngleich Leo mit der Zeit einen schweren Stand hat. Aufgrund seiner ruppigen, manchmal unsympathischen Natur sammelt er nicht nur Pluspunkte. Allerdings versteht man seinen Charakter im Laufe der Zeit – er hat eine Menge durchgemacht, was ihn geprägt hat. David wiederum ist sehr sympathisch, so dass man ihn schnell ins Herz schließt. Ihm wünscht man, dass all seine Wünsche in Erfüllung gehen und er sich mit der Zeit gegen seine Mitschüler zur Wehr setzen kann.
Die übrigen Figuren können ebenfalls überzeugen, bleiben jedoch relativ blass. Essie und Felix mögen zwar Davids beste Freunde sein, doch sie kommen lediglich am Rande vor, Alicia und Leos Klassenkameraden wirken ebenfalls ein wenig schablonenförmig. So lebendig und witzig Leo und David sein, die Nebencharaktere kommen leider ein wenig zu kurz. Wenigstens wurde auf Leos Familie eingegangen, die wesentlich mehr Tiefgang haben, als Davids Freunde, Eltern und Geschwister. Das ist sehr schade, da dadurch David mitunter ein wenig untergeht.

Stilistisch bietet „Zusammen werden wir leuchten“ solide, gut geschrieben Jugendbuchlektüre. Lisa Williamson springt zwischen Davids und Leos Perspektive hin und her (was sogar eine Anpassung des jeweiligen Schriftbildes nach sich zieht). Obwohl die Autorin versucht beide Charaktere dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken, hat man doch das Gefühl, dass Leo im Zentrum der Geschichte steht. Ansonsten legt Lisa Williamson ein gutes Debüt vor, das durch gute Dialoge, schöne Beschreibungen und einen guten Einblick in die Gefühlswelten von Transgender besticht.

Fazit:
Lisa Williamsons Debüt „Zusammen werden wir leuchten“ ist ein schönes, thematisch wichtiges Jugendbuch, das durch lebendige Charaktere und einen angenehmen Schreibstil besticht. Hin und wieder wünschte man sich eine andere Gewichtung, was die verschiedenen Handlungsstränge betrifft, ebenso hätte die Autorin bei einigen Punkten mehr in die Tiefe gehen können. Dennoch ist der Roman allein aufgrund seiner Thematik ein Buch, das man lesen sollte und ist trotz einiger Abstriche lesenswert. Reinschauen!

 

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[ROMAN] Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille von Andromeda Spice

Autor: Andromeda Spice
Taschenbuch: 412 Seiten
ISBN: 978-3-7386-5924-5
Preis: 2,99 EUR (eBook) | 12,69 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Ludovic lebt mit seinen Eltern und seiner treuen Hündin Mösie am Rande der Galaxis auf dem Zwergplaneten XLD-32b. Sein Leben ist überschaubar und einfach, denn nur selten verirren sich Reisende in diesen abgeschiedenen Teil des Universums. Der Absturz des Raumschiffes Millenium Mopsum in der Nähe seines Wohnhauses bietet Ludovic urplötzlich die Möglichkeit dem tristen Alltag zu entkommen, denn die sechs Möpse – Wilma, Ovo und Misty – wollen die Galaxis vor dem dritten interstellaren Zickenkrieg retten und benötigen dringend Unterstützung. Für Ludo ist klar, dass er sich dem chaotischen Transen-Trio anschließt, um endlich das Universum kennenzulernen. Der Weg der Truppe führt sie nach Epítomo, wo ihnen eine kostbare goldene Pille überreicht wird, die alles Böse und Schlechte der Galaxis verschwinden lassen kann. Dafür müssen sie allerdings rechtzeitig zur nächsten Superlola auf dem organischen Planeten Hubba Bubble sein, was nicht leicht fällt, denn ihre Gegnerin Franka Vaginatra ist Ludo und den sechs Möpsen bereits auf den Fersen …

Eigene Meinung:
Die durchgeknallte Sci-Fi-Parodie „Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille“ erschien 2015 im Selbstverlag und stammt aus der Feder Andromeda Spices. Der Roman markiert den ersten Band einer Reihe und endet dementsprechend offen. Eine Fortsetzung ist bisher noch nicht in Sicht, so dass man sich wahrscheinlich länger gedulden muss, wenn man wissen will, wie die Geschichte der chaotischen Gruppe weitergeht.

Inhaltlich braucht man eine Weile um sich auf die Geschichte einzulassen. Gerade wenn man im Sci-Fi-Genre nur selten unterwegs ist, hat man zu Beginn seine Schwierigkeiten. Auch Fans klassischer Sci-Fi-Romane dürfte der Einstieg schwerfallen, denn Andromeda Spice zieht nahezu alles durch den Kakao. Das beginnt bei der recht stereotypen Handlung, die ein wenig an „Star Wars“ erinnert – nur mit einem schwulen Helden – geht über die sechs Möpse, die alles daran setzen ihr supergeheime Mission zu erfüllen und endet bei den beiden Gegnern, die den dritten interstellaren Zickenkrieg herbeiführen wollen. Dazwischen gibt es etliche absurde und komische Szenen, die die Handlung mitunter in die Länge ziehen, etliche Informationen und Begriffserklärungen, die mit eingeschobenen Textpassagen kenntlich gemacht wurden, und eine Fülle an skurrilen Nebencharakteren. Das alles macht „Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille“ zum einen unglaublich witzig, zum anderen aber auch recht langatmig (es hätte der Geschichte gut getan, einige Passagen zu streichen oder zu kürzen). Gerade im letzten Drittel des Buches gerät die Mission ein wenig in Vergessenheit, da Ludovic und die sechs Möpse plötzlich andere Dinge zu tun haben. Auch häufen sich ein wenig die Logiklücken, was schade ist.

Die Charaktere wiederum sprühen vor Lebendigkeit – Ludovic ist ein sehr sympathischer Held, den man einfach gernhaben muss. Er ist intelligent, bescheiden und schafft es zumeist problemfrei gegen die schrillen Möpse zu bestehen, die sich zumeist gegenseitig den Rang ablaufen: Misty ist die Anführerin, sehr reizbar und zumeist auf Krawall gebürstet. Ovo ist wesentlich ruhiger. Sie fällt eher durch ihre Worte (und ihre immense Oberweite) auf. Die dritte im Bunde, Wilma, wirkt eher schwächlich, ist leicht aus dem Konzept zu bringen und bringt ihre Freunde immer wieder in Schwierigkeiten. Ein wenig nervend ist jedoch Mösie, die einen recht großen Teil der Handlung mit für sich beansprucht. Sie hätte man bei etlichen Szenen streichen oder weglassen können, da sie nur selten wirklich handlungsrelevant ist.
Ansonsten sind auch die Nebenfiguren und Gegner so chaotisch und obskur wie die sechs Möpse (Ludo kommt dem Leser manchmal wie der einzig normal denkende Mensch in der Galaxis vor). Interessant ist auch, dass der Autor weitestgehend auf nichtmenschliche Lebensformen verzichtet. Es gibt zwar einige, aber sie finden nur am Rande Erwähnung.

Stilistisch legt Andromeda Spice ein durchaus gut geschriebenes Werk vor. Hin und wieder schleichen sich zwar kleiner Fehlerchen ein, doch der Autor hat einen feinen Sinn für Humor, doppelbödige Dialoge und spannende Hintergrundinformationen. Letztere machen die Welten von „Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille“ sehr plastisch, sind jedoch an einigen Stellen zu viel des Guten. Getreu dem Motto „Weniger ist manchmal mehr“, hätte man auf die ein oder andere Worterfindung (nebst ausführlicher Erklärung) durchaus verzichten können, denn es zieht den Roman ungemein in die Länge. Ansonsten macht es wirklich Spaß dem chaotischen Trio und Ludovic auf ihrer Mission zu begleiten und sich den absurden Problemen zu stellen, die ihre Reise mit sich bringt.

Fazit:
Insgesamt ist „Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille“ eine amüsante Sci-Fi-Parodie, die durch skurrile, lebendige Charaktere und einen soliden Schreibstil besticht. Die Geschichte sollte man nicht zu ernst nehmen und gerade wenn sich Andromeda Spice in endlosen Begriffserklärungen verliert, sollte man vereinzelt Passagen überspringen. Dennoch macht die Geschichte Spaß – insbesondere Fans skurriler Parodien und von Sci-Fi-Werken, in denen es um die Rettung des Universums geht, werden an „Unmögliche Mission auf Planet Hubba Bubble: Die Goldene Pille“ ihre Freude haben. Wer unsicher ist, sollte einen Blick in die Leseprobe werfen und dann entscheiden.

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[NOVELLE] Anna und Eva von Jana Walther


Autor: Jana Walther
Taschenbuch: 100 Seiten
ISBN: 978-1-530738397
Preis: 2,99 EUR (eBook) | 6,00 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Bereits bei ihrem ersten Treffen ist die Künstlerin Anna von Eva fasziniert, fühlt sich von der leicht maskulinen Art angezogen. Sie setzt alles daran, die introvertierte Frau kennenzulernen, was ihr leichter gelingt als gedacht. Doch schon bald wird offensichtlich, dass Eva ein Geheimnis umgibt, das ihrer wachsenden Liebe zueinander im Weg steht – und das Anna auf die Probe stellt, als Eva sich ihr offenbart …

Eigene Meinung:
„Anna & Eva“ ist ein Kurzroman von Jana Walther, der inhaltlich zu „Nur eine Frage der Liebe“ gehört. Beide Bücher behandeln denselben Zeitabschnitt, jedoch wird in dem schwulen Drama die Geschichte von Phillip und Christoph erzählt, die in „Anna & Eva“ nur am Rande vorkommen. Es empfiehlt sich daher auch den Ursprungsroman zu lesen, da dort einige Ereignisse ausführlicher und umfassender beschrieben werden und sich „Anna & Eva“ ergänzend vorzunehmen. Auf jeden Fall ist es schön, dass die Autorin dem Wunsch der Fans nachgekommen ist und Anna und Eva einen eigenen Roman gegönnt hat.

Inhaltlich bietet Jana Walther eine interessante Geschichte, in der es nicht nur um die wachsenden Gefühle zwischen Anna und Eva dreht, sondern auch die Thematik Transsexualität bzw. Transfrau angesprochen wird. Leider kratzt die Autorin gerade bei diesem spannenden Thema nur an der Oberfläche, da „Anna  Eva“ zu kurz gehalten ist, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Auch bleiben einige erklärende Szenen auf der Strecke, da vieles bereits in „Nur eine rage er Liebe“ beschrieben wurde. Zwar sind alle relevanten Szenen ausführlich und gut umgesetzt, doch die verbundenen Teile dazwischen werden übersprungen, so dass man das Gefühl hat einiges zu verpassen. „Anna  Eva“ ist nicht kontinuierlich erzählt, sondern ein wenig sprunghaft, was es ein wenig erschwert, sich richtig auf die Figuren einzulassen.
Dennoch ist es schön, Anna (die man bereits seit Jana Walthers Debüt „Benjamins Gärten“ kennt) endlich in der Hauptrolle zu sehen und ihre Gedanken und Gefühle kennenzulernen. In gewisser Weise schließt sich mit „Anna & Eva“ ein Kreis, der seit mehreren Büchern offen war. Umso schöner, dass die Autorin ihre Geschichte parallel zu „Nur eine Frage der Liebe“ ansetzt, wodurch beide Romane eine gewissen Dreidimensionalität erhalten.

Die Charaktere sind sehr interessant und authentisch gehalten – Anna ist eine sympathische Protagonisten, die man schnell ins Herz schließt. Eva ist wesentlich spröder, doch das stört wenig, da sie einen sehr schönen Kontrast zu Annas lockerer, fröhlicher Art bildet. Dennoch wäre es schön gewesen, mehr über Eva, ihr Leben und ihre Anpassung zu erfahren, da ihr Charakter eine Menge Potenzial bildet. Trotzdem ist es spannend, Evas Weg zu verfolgen, immerhin fällt es ihr um ein vielfaches schwerer, sich auf eine Beziehung mit einer Frau einzulassen. Diesen Konflikt hat Jana Walther sehr gut dargestellt – man begreift, warum es dauert, bis sie Annas Avancen nachgibt.

Stilistisch bewegt sich „Anna & Eva“ auf gewohnt hohem Niveau – Jana Walther hat einen sehr sicheren, erwachsenen Schreibstil, der gut zu den Charakteren und der tiefgängigen Geschichte passt. „Anna & Eva“ ist ein wenig nüchterner und direkter als „Nur eine Frage der Liebe“, was (dank Phillip) ein wenig leichter daher kam. Sehr schön ist auch, dass Jana Walther kein Blatt vor den Mund nimmt – die Erotikszenen sind stimmig, weder kitschig verbrämt noch unglaubwürdig. Das macht „Anna und Eva“ zu einem gelungenen, realistischen Kurzroman.

Fazit:
„Anna & Eva“ ist eine gelungene Ergänzung zu „Nur eine Frage der Liebe“, die sich am ehesten den Lesern zu empfehlen ist, die die beiden Künstlerinnen bereits aus dem schwulen Drama kennen. So schön der Kurzroman ist, so stilistisch solide umgesetzt, geht doch vieles verloren, wenn man die Ursprungsgeschichte nicht kennt. Daher empfehle ich allen Interessenten beide Romane, am besten hintereinander zu lesen. Jana Walther legt einmal mehr ein schönes Werk vor, das ruhig ein wenig länger und hinsichtlich des transsexuellen Themas tiefgründiger hätte ausfallen können. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Spanische Dörfer von Maria Braig


Autor: Maria Braig
Taschenbuch: 188 Seiten
ISBN: 978-3-95667-239-2
Preis: 4,99 EUR (eBook) | 11,80 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Drei vollkommen unterschiedliche Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und in der Ferne neu zu beginnen: eine junge Frau, die sich auf der Flucht aus Afrika den Namen La Marche gibt und deren Ziel es ist in Europa ein neues, freies Leben zu beginnen, der junge Transmann Enrique, der Spanien verlässt um in Deutschland einen Job als Architekt zu finden und sein bester Freund Leon, der von Geburt an ein Chromosom zu viel und als Mensch mit Down-Syndrom mit etlichen Vorurteilen zu kämpfen hat.

Die Wege der drei kreuzen sich immer wieder – gerade Enrique und La Marche treffen mehrfach aufeinander, während sie zunächst allein, später zusammen einen Weg suchen, um in Deutschland einen Platz zu finden. Doch da sie sind genauso große Außenseiter sind wie Leo, fällt es ihnen nicht leicht, sich eine Zukunft aufzubauen.

Eigene Meinung:
„Spanische Dörfer“ ist der neueste Roman der Autorin Maria Braig, die sich vorwiegend auf die Themen Flüchtlinge, LGBT und die damit einhergehenden Probleme spezialisiert hat. So erschienen beim Verlag 3.0 bereits die Romane „Amra und Amir“ und „Nennen wir sie Euginie“, die beide von Flucht, Abschiebung und Homo- bzw. Transsexualität handeln.

Auch in „Spanische Dörfer“ bleibt sich die Autorin ihrer Linie treu und widmet sich dem Leben und den Problemen unterschiedlicher, gesellschaftlicher Außenseiter. Die Flüchtlingsthematik wird mit La Marches Flucht aus Afrika und den Schwierigkeiten ihrer Reise quer durch Europa sehr eindringlich beschrieben. Enriques Transsexualität bestimmt den zweiten großen Themenkomplex des Buches, da er zwar weitestgehend angeglichen ist, jedoch nicht den letzten Schritt wagen will. Mit Leo führt die Autorin zudem einen sehr intelligenten und offenen Menschen mit Down Syndrom ein, der es sich zum Ziel gesetzt hat Lehrer zu werden. Diese drei Schicksale werden teils sehr geschickt, teils ein wenig konstruiert miteinander verwoben. Im Grunde sind die Themen sehr interessant, da sie viel Potenzial bieten und zum Nachdenken anregen, doch die knapp 200 Seiten sind einfach zu wenig, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Im Grunde hätte man zu jeder einzelnen Hauptfigur ein Buch schreiben können, denn genügend Stoff bieten alle drei. So sind die einzelnen Probleme und Schicksale zwar durchaus nachvollziehbar, doch Maria Braig gelingt es leider nicht dem Leser die Hauptfiguren näherzubringen. Viele Dinge werden zusammengefasst, interessante Dialoge ausgeblendet oder nur rückblickend erzählt. So schafft man es leider nicht sich in die Charaktere hineinzuversetzen, denn es fehlen Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt. Zudem stolpert man beim Lesen über einige Logiklücken – La Marches schwimmende Durchquerung der Straße von Gibraltar, Leos Sprache und seine ganze Art, die nur bedingt seinen Charakter als Mensch mit Down-Syndrom widerspiegelt oder auch Enriques Gründung eines Dorfes, das allen Menschen offensteht (wobei das wahrscheinlich der Kürze der Beschreibungen zum Ende des Buches hin zuzuschreiben ist).

Auch die Charaktere bleiben recht flach, da man nur schwer Zugang findet. Am ehesten kann man sich noch mit Enrique identifizieren, da seine Gedanken hinsichtlich seiner Transsexualität wirklich nachvollziehbar und interessant sind. Gerade bei transidente Menschen werden von Maria Braig sehr stimmungsvoll und authentisch in Szene gesetzt. La Marche ist durch ihre Unnahbarkeit nur schwer zu fassen, zumal man auch nicht erfährt, was genau in ihrer Vergangenheit vorgefallen ist, um sie zur Flucht zu bewegen. Der dritte Hauptcharakter ist zwar sehr sympathisch und wächst dem Leser durch seine lockere, offene Art schnell ans Herz, hat jedoch nur auf dem Papier das Down-Syndrom. Weder spricht er wie ein Mensch mit Down-Syndrom, noch hat er die typischen Verhaltensmuster. Im Nachwort werden die Gründe von der Autorin zwar angeführt, doch man fragt sich, warum sie überhaupt einen Charakter mit Behinderung eingefügt hat, wenn diese nicht zum Tragen kommt. Der Leser bekommt ein vollkommen falsches Bild von Menschen mit Down Syndrom, wenngleich die Krankheit natürlich unterschiedlich ausfallen kann.

Stilistisch legt Maria Braig einmal mehr ein sehr knappes Werk vor, bei dem viele Szenen und Dialoge zusammengefasst werden. Es ist durchaus gut lesbar, da die Autorin einen angenehmen, flüssigen Stil hat, doch mehrfach wünscht man sich eine ausführlichere Darstellung der Ereignisse. Ein wenig befremdlich ist auch, dass die drei Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird, stilistisch verschieden angelegt sind: Leon berichtet aus der Ich-Perspektive (was diesen lebendiger macht), Enriques und La Marches Geschichten werden in der dritten Person erzählt. Besonders verwirrend wird es allerdings, wenn beide zusammen sind und sich die Perspektiven der beiden vermischen.

Fazit:
„Spanische Dörfer“ ist ein interessanter Roman, der einige wichtige Themen zur Sprache bringt, die allzu oft wegignoriert werden. Allein deswegen sollte man „Spanische Dörfer“ eine Chance geben und einen Blick riskieren. Allerdings gelingt es Maria Braig nicht, eine emotionale Bindung zu den Charakteren aufzubauen – trotz ihrer Eigenarten und Probleme bleiben sie leider recht blass. Schade – hier hätte man mehr draus machen können. Wer sich für die Themen interessiert, sollte in die Leseprobe schnuppern.

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[ROMAN] Amra und Amir von Maria Braig


Autor: Maria Braig
Taschenbuch: 188 Seiten
ISBN: 978-3-95667-137-1
Preis: 4,99 EUR (eBook) | 11,80 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Kurz nach ihrem 18. Geburtstag entwickelt sich das Amras Leben in einen Albtraum. Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, Freunde und einen Ausbildungsplatz besitzt, will man sie in den Kosovo abschieben, aus dem ihre Eltern vor ihrer Geburt geflohen sind. Alle Kämpfe, Klagen und öffentliche Kampagnen nützen nichts – Amra kommt in ein Land, wo sie weder die Sprache beherrscht, noch dem sie sich verbunden fühlt. Ihre Zuflucht ist der Bruder ihrer Mutter, bei dem sie unterkommt. Allerdings wird ihr schnell klar, dass Frauen im Kosovo keinerlei Rechte besitzen und als ihr Onkel sie verheiraten will, läuft sie weg, um auf eigenen Beinen zu stehen. Um zu überleben gibt sich das knabenhafte Mädchen als Junge aus und nennt sie sich fortan Amir …

Eigene Meinung:
Mit „Amra und Amir“ schneidet Maria Braig gleich zwei brisante Themen an: Transgender und Flüchtlinge. Gerade letzteres wird sehr ausführlich umschrieben und dargelegt, da sich die Autorin vorwiegend mit der Thematik Flucht, hiesige Asylverfahren und dem Leben von Flüchtlingen auseinandersetzt. Doch auch Amras/Amirs Schwanken zwischen Mann/Frau machen einen großen Teil der Geschichte aus.

Inhaltlich entwirft Maria Braig ein wahres Horrorszenario für die junge Amra. Auf knapp 200 Seiten schildert sie Amras Abschiebung, ihr Leben im Kosovo und die Probleme, die sie bewältigen muss. Dass es die junge Frau nicht leicht hat, insbesondere weil sie eher wie ein junger Mann denkt und fühlt, wird schnell klar. Zwar arrangiert sie sich mit den Gegebenheiten und schafft es auf eigenen Beinen zu stehen, sieht jedoch keinerlei Zukunft für sich und ihr Leben. Als ihre Freunde Nina und Stefan auch noch zu Besuch kommen und ihre Situation sehen, wird es fast unerträglich für Amra (zumal sie Nina auch noch näher kommt). Doch ein Leben in Deutschland im Schatten der Legalität ist alles andere als einfach …
Was dem Buch fehlt ist die Nähe zu den Figuren und ein wirkliches Eintauchen in die Handlung. So spannend die Thematik sein mag und so realistisch die Autorin das Szenario aufgebaut hat (im Nachwort schreibt sie, dass etliche Dinge zum großen Teil auf wahren Ereignissen beruhen), so schafft sie es doch nicht, dem Leser die Figuren näherzubringen. Dazu schreitet sie zu schnell voran, übergeht wichtige Szenen und Gespräche und fasst Schlüsselmomente zusammen. Man kann sich einfach nicht in die Charaktere hineinversetzen, da die Autorin keine Figur wirklich lebendig gestaltet. „Amra und Amir“ wirkt mehr wie eine Zusammenfassung, ein Tatsachenbericht (der einem zumeist unrealistisch vorkommt, da man nicht sagen kann, ob die Ereignisse wirklich so passieren könnten, oder übertrieben sind), der zwar von der Grundidee spannend ist, jedoch zu unpersönlich zu Papier gebracht wurde. Es fehlen einfach die Reaktionen der Charaktere, das Eintauchen in deren Gefühlswelten und eindringlichere Szenen. Das Buch schafft es zwar zum Nachdenken anzuregen, doch es berührt den Leser nicht, da dafür die persönliche Bindung zu den Charakteren fehlt.

Aus diesem Grund ist es auch schwierig die einzelnen Figuren zu begreifen und nachzuvollziehen. Amra/Amir ist ein toller Charakter, gerade ihre Ansichten bezüglich ihrer Sexualität und der Thematik Transgender ist interessant, doch es fehlt der Tiefgang. Maria Braig kratzt eher an der Oberfläche, wenn es um sie/ihn geht. Auch ihre Gedanken und Gefühle zum Thema Abschiebung und zu ihrem Leben im Kosovo werden kaum beleuchtet. Sicher, sie ist schockiert, entsetzt und panisch, aber der Leser fühlt diese Dinge nicht. Die übrigen Figuren sind noch blasser – Nina und ihre Gefühle sind nur schwer zu begreifen, und Amras Mutter ist ebenfalls kaum verständlich in Szene gesetzt. Da wird ihre Tochter abgeschoben und sie scheint nichts zu unternehmen – weder fährt sie zu ihrem Bruder und besucht Amra, noch reagiert sie, als ihre Tochter verschwindet. Man hat keine Ahnung, was in ihr vorgeht und warum sie nichts macht. Das betrifft auch das Coming-Out ihres Kindes: sie scheint die Schultern zu zucken und sieht darüber hinweg. Allgemein kommt mir Amras Outing zu einfach vor – kaum einer sagt etwas dazu, alle nehmen es wie selbstverständlich hin. Das ist zwar ein schöner Ansatz, wie es sein sollte, aber es entspricht nicht der Realität. Denn gerade Amra/Amirs Entscheidung hinsichtlich ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung werden nicht so leicht von der Umwelt aufgenommen.

Stilistisch ist „Amra und Amir“ gewöhnungsbedürftig. Die Autorin springt sehr oft zwischen den Perspektiven – mal erzählt Amra/Amir, dann Nina, Stefan, Amras Mutter oder unbedeutende Nebenfiguren, was es zusätzlich erschwert, sich mit den Figuren zu identifizieren. So schön die Ereignisse im Kosovo und Amras/Amirs Überleben geschildert sind und so sehr die Autorin mit ihren Beschreibungen schockiert und zum Nachdenken anregt, es fehlt einfach der Tiefgang. Die Themen sind toll gewählt und teils sehr gut umgesetzt, dennoch hat man das Gefühl, nur an der Oberfläche zu kratzen, weil man einfach nicht Teil der Geschichte ist.

Fazit:
Trotz aller Kritikpunkte ist „Amra und Amir“ ein Buch, das man allein wegen der Flüchtlingsthematik lesen sollte. Maria Braig berichtet von einem Schicksal, das in dieser Form wahrscheinlich jeden Tag in Deutschland passiert und den Leser zum Nachdenken anregt. Leider geht das Buch nicht tief genug um wirklich zu berühren – man ist schockiert, entsetzt und will helfen, aber man kann sich nicht mit Amra/Amir identifizieren. Dafür sind knapp 200 Seiten leider zu wenig. Schade – da hätte man mehr draus machen können.

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