Archiv der Kategorie: Novelle

[NOVELLE] Lesbisch für Anfängerinnen: Acht Frauen im Schnee von Celia Martin

Autor: Celia Martin
Taschenbuch: 44 Seiten
ISBN: 978-3940611536
Preis: 6,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Tina, ihre Stiefschwester Julia und ihre Freundinnen aus der WG fiebern dem Weihnachtsfest entgegen. Da in der heißen Vorweihnachtsphase die Heizung in der WG ausfällt beschließen die Frauen kurzerhand die Feierlichkeiten in eine Skihütte in den Bergen zu verlegen. Tina und Julia wollen später nachkommen, da zunächst Weihnachten mit der neuen Familie ansteht – zumindest dachten sie das, denn kurz vor dem Heiligabend werden all ihre Pläne über den Haufen geworfen. Ihre Eltern beschließen eine Überraschungsreise und Julia und Tina können doch schon früher zu ihren WG-Freundinnen stoßen. Allerdings geht bei der Reise in die Berge alles schief, was schief gehen kann …

Eigene Meinung:
Das Adventsbüchlein „Lesbisch für Anfängerinnen: Acht Frauen im Schnee“ erschien im November 2016 im Butze Verlag und ist eine schöne Alternative zum üblichen Adventskalender. Das vollfarbige Büchlein ist eine sehr schöne Idee, die auf jeden Fall kurzweiliges Vergnügen schenkt. Aufgebaut ist das Buch wie ein Adventskalender – auf dem bunten Cover findet man die Zahlen neben jedem weihnachtlichen Element – mit dem die 24 kurzen Kapitel gekennzeichnet sind. Daher muss man erst das passende Symbolbild im Buch finden, bevor man weiterlesen kann. So toll die Idee ist, es hapert ein wenig an der Ausführung, denn die Zahlen sind mitunter nur schwer lesbar (man hätte sie nicht hinter die Bilder setzen sollen) und einige Symbole einander zu ähnlich. Dennoch kommt man mit der Zeit mit dem ungewöhnlichen Adventskalender zurecht.

Die Geschichte wiederum ist Geschmackssache – man muss die Trilogie „Lesbisch für Anfängerinnen“ schon kennen, um sich wirklich in der Handlung zurecht zu finden. Gerade die vielen Figuren machen es dem Leser ansonsten schwer den Überblick zu behalten, ebenso wenn es darum geht herauszufinden, wer mit wem liiert ist. Daher ist das Büchlein eine schöne Ergänzung für Fans der Reihe. Ansonsten wirkt die Geschichte an einigen Stellen stark an den Haaren herbeigezogen – sei es die Sache mit dem Zug (welcher Zugbegleiter lässt zwei Frauen mitten in der Nacht in der Kälte zurück?) oder auch der Banküberfall, der Tina und Julia in Schwierigkeiten bringt. So witzig einige der Dinge sind, die den beiden Frauen auf ihrer Reise widerfahren, sie sind doch reichlich übertrieben. So ganz ernst kann man die chaotische Weihnachtsreise daher nicht nehmen, aber irgendwie musste die Autorin ja 24 kurze Kapitel inkl. Cliffhanger füllen.

Die Figuren lernt man anhand der kurzen Adventsgeschichte kaum kennen – dafür muss man dann doch die Trilogie gelesen haben. Allerdings verhalten sich Tina und Julia an einigen Stellen reichlich unlogisch und unbedarft, gerade als sie nach einer wahren Odyssee endlich in Salzburg ankommen und weiterhin an ihrer Überraschung festhalten – jeder andere hätte wahrscheinlich zum Handy gegriffen und sich von seinen Freunden einsammeln lassen.

Stilistisch ist „Lesbisch für Anfängerinnen: Acht Frauen im Schnee“ sehr lockerleicht geschrieben. Celia Martin hat einen eingängigen Stil, der mitunter ein wenig zu alltäglich daherkommt und nicht jedermanns Geschmack ist. Wer Gefallen an der „Lesbisch für Anfängerinnen“- Trilogie gefunden hat, dem wird gewiss auch dieses kleine Büchlein gefallen, alle anderen sollten im Vorfeld den ersten Band der Reihe anlesen, um herauszufinden, ob die Autorin den jeweiligen Geschmack trifft. Insgesamt sollte man sowieso die Reihe kennen, bevor man sich an diesen ungewöhnlichen Adventskalender wagt.

Fazit:
„Lesbisch für Anfängerinnen: Acht Frauen im Schnee“ bietet kurzweilige Unterhaltung, für die man jedoch die Reihe von Celia Martin kennen sollte. Inhaltlich wirkt die Geschichte an vielen Stellen arg überzogen und unlogisch, auch die Figuren kann man nur schwer auseinander halten, wenn man ihnen zum ersten Mal begegnet. Die Grundidee wiederum ist toll – ein Adventskalender in der Form ist wirklich eine tolle Sache, wenngleich man noch ein wenig an der optischen Ausfertigung feilen kann. Wer lockerleichte, lesbische Geschichten mag und nach einem passenden vorweihnachtlichen Buch ist, sollte „Lesbisch für Anfängerinnen: Acht Frauen im Schnee“ einen Chance geben – gerade wenn man die Frauen der WG kennt und liebgewonnen hat. Alle anderen sollten vorab die Trilogie lesen …

Insgesamt vergebe ich 4 Sterne für die Idee und 2 Sterne für den Inhalt bzw. die Geschichte, was im Mittel drei Sternchen ergibt.

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[NOVELLE] Nachbarschaftshilfe von Susanne Eisele

Nachbarschaftshilfe
Autor: Susanne Eisele
Taschenbuch: 142 Seiten
ISBN: 978-1495493584
Preis: 3,97 EUR (eBook) | 5,19 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Eine grausame Mordserie erschüttert die durch einen Fluss getrennten Werwolf- und Vampirclans. Während bei den Vampiren schnell ein Werwolf als Übeltäter ausgemacht wird, scheint bei für die Morde unter den Werwölfen ein Vampir verantwortlich zu sein. Um die Vorfälle endlich zu klären werden Charles, Prinz und Sheriff der Vampire und Alexa, Sheriff der Werwölfe, gemeinsam mit einigen ihrer Leute auf den Fall angesetzt. Zeitgleich beschließt Charles Vater einen Brücke zu den Werwölfen zu schlagen, um zukünftig in Freundschaft miteinander zu leben. Dazu hat er der Hochzeit zwischen dem Nachkommen der Werwölfe, Thomas, und seinem Sohn eingewilligt. Charles ist davon weniger begeistert, zumal er definitiv nur an Frauen interessiert ist – im Gegensatz zu seinem Zwilling Matthew, der jedoch seit seiner Geburt vor den Vampiren versteckt gehalten wird. Zu allem Überfluss findet Charles mit der Zeit mehr Gefallen an Alexa, die dem charismatischen Vampir ebenfalls zu schätzen lernt. Und auch zwischen Thomas und Matthew, der einmal Charles Platz einnimmt, funkt es gewaltig …

Eigene Meinung:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein Kurzroman von Susanne Eisele und erschien 2014 im Eigenverlag. Die Geschichte der Vampire und Werwölfe wurde 2015 mit „Kinderspiel“ fortgesetzt, der ebenfalls im Selbstverlag herausgekommen ist.

Inhaltlich entführt die Autorin die Leser in eine Welt, in der Vampire und Werwölfe in einer kleinen Stadt fernab der Menschen leben. Beide Clans verhalten sich friedlich – auch untereinander, da sie einst gemeinsam herrschten und erst im Laufe der Zeit eine Trennung der Werwölfe und Vampire zustande kam. Das friedliche Miteinander wird erst gebrochen, als es zu den Morden kommt, die auf beiden Seiten des Flusses gleichermaßen für Unruhen sorgen. Die gemeinsamen Ermittlungen sind in diesem Zusammenhang nur logisch, da sich die Vorfälle nicht nur auf Vampire oder Werwölfe beschränken. Susanne Eisele beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Ermittlungen der beiden Teams, sondern baut mit der geplanten Hochzeit zwischen dem Erben des Vampirclans und dem Nachkommen der Werwölfe einen weiteren Spannungspunkt mit ein, der noch für einigen Trubel sorgt. Ein wenig vorhersehbar ist in diesem Punkt die Handlung allerdings schon, denn dass Matthew und Thomas sich so gut verstehen, und Charles und Alexa ebenfalls nur schwer voneinander lassen können, wirkt ein wenig arg schablonenmäßig. In diesem Punkt kann die Autorin leider kaum überraschen, denn man weiß relativ schnell, welcher Charakter mit wem zusammenkommt.
Etwas aufwendiger und komplexer ist da schon der Kriminalfall, wenngleich auch hier die Figuren relativ wenig Eigeninitiative leisten – klar, sie ermitteln, aber letztendlich kommt ihnen doch der Zufall zu Hilfe, um die Hintergründe zu den Vorfällen aufzuklären.

Die Charaktere sind im Grunde sympathisch, aber auch recht stereotyp geraten. Hin und wieder fallen sie ein wenig aus dem Rahmen, aber alles in allem bleiben sie sich selbst treu, was sie leider ein wenig blass erscheinen lässt. Charles ist dabei manchmal ein wenig zu forsch und selbstverliebt, doch das gibt sich im Laufe der Zeit. Matthew ist der liebe, nette, junge Mann, bei dem man sich doch ein wenig wundert, warum er nicht revoltiert, immerhin muss er versteckt im Schloss leben, da Zwillinge unter den Vampiren als Unglücksboten gelten. Bei ihm hätte man es verstanden, wenn er sich gegen die Regeln auflehnt. Alexa und Thomas sind zwar durchaus sympathisch, doch auch sie bleiben dem Leser kaum in Erinnerung. Vielleicht liegt das aber auch am geringen Umfang des Buches – zwar reichen die knapp 150 Seiten um die Geschichte zu einem Ende zu bringen und die meisten Hintergründe zu klären, doch ein wenig mehr Charakterentwicklung wäre nicht schlecht gewesen.

Stilistisch bewegt sich „Nachbarschaftshilfe“ auf solidem Niveau. Susanne Eisele hat ein gutes Gefühl für Sprache und Dialoge, allerdings kommen recht viele Wortwiederholungen vor, was das Lesen ein wenig erschwert. Auch die Perspektivsprünge zwischen den Figuren sind nicht jedermanns Geschmack, da man sich auf diesem Weg nur schwer auf einen Charakter einschießen kann. Dennoch ist „Nachbarschaftshilfe“ lesenswert und bietet kurzweilige Unterhaltung, die Lust auf die bereits erschienene Fortsetzung macht.

Fazit:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein solider Kurzroman, der mit einem spannenden Konzept, interessanten Charakteren und einem gut durchdachten Kriminalfall aufwarten kann. Hin und wieder wirkt die Geschichte zwar zu stereotyp, sowohl was die Charaktere anbelangt, als auch, was die Auflösung des Falls betrifft. Dennoch lohnt sich Susanne Eiseles Debüt, wenn man Vampire und Werwölfe mag und ein Fall von (teils blutigen) Kriminalfällen ist. Im Zweifelsfall reinlesen.

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[NOVELLE] Rauhnacht von Tanja Meurer


Autor: Tanja Meurer
Taschenbuch: 162 Seiten
ASIN: B01A167CLW
Preis: 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Eine eisige Kältewelle hat das viktorianische London fest im Griff: die Themse ist komplett begehbar und unzählige Menschen erfrieren in der winterlichen Kälte. Als im Hyde Park die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, fordert Scotland Yard die ungewöhnlichen Ermittlerinnen der englischen Krone Annabelle Talleyrand und Madame Zaida als Unterstützung an. Schon bald zeigt sich, dass die Hilfe der beiden Frauen dringend erforderlich ist, denn ein seltsames Geschöpf aus Schnee und Eis attackiert die beiden, kann jedoch von der Magierin Madame Zaida vertrieben werden.

Mit diesem Angriff endet die Serie an seltsamen Ereignissen nicht, denn die totgeglaubte Frau erwacht in der Leichenhalle und richtet unter den Ärzten ein Blutbad an. Sie stellt sich später als russische Gräfin Jewa Petrowna vor. Schnell wird klar, dass sie der Wirt des winterlichen Geschöpfes war, das nun körperlos durch London streift und für die eisigen Temperaturen verantwortlich ist. Für Annabelle und Zaida steht fest, dass sie die Kreatur schnellstmöglich aufhalten müssen, bevor diese einen neuen Körper findet …

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Rauhnacht“ begibt sich Tanja Meurer erstmals in lesbische Gefilde, denn Madame Zaida und Annabelle Talleyrand sind im Geheimen ein Liebespaar. Die Geschichte bildet den Auftakt einer längeren Reihe, in der die beiden Detektivinnen verschiedene, teils übernatürliche Phänomene für die englische Königin untersuchen. Die Bücher erscheinen im Weltenschmiede Verlag und liegen bisher nur als eBook vor.

Inhaltlich vermischt Tanja Meurer erneut mehrere Genre zu einem fast einzigartigen Genremix aus Steampunk, Mystery, Krimi und Horror. Was seltsam klingt funktioniert in seiner Gesamtheit sehr gut, denn die einzelnen Aspekte greifen logisch ineinander. Das wird besonders deutlich, wenn man ein wenig recherchiert und sich über das London im Jahr 1876 informiert, denn damals gab es wirklich eine extreme Kältewelle in London, die viele Menschen das Leben kostete. Auch sonst werden reale und historisch belegte Punkte eingewoben. Das können Kleinigkeiten sein, die in ihrer Gesamtheit dafür sorgen, dass „Rauhnacht“ trotz der fantastischen Elemente sehr realistisch und authentisch wirkt. Dafür sorgt auch der Kriminalfall, in dem Scotland Yard Inspector Arthur Hailey ermittelt. Der Leser lernt dabei nicht nur die damalige Polizei kennen, sondern erhält über die Beamten auch einen Einblick in die viktorianischen Ermittlungsmethoden. Es ist sehr spannend und faszinierend Annabelle und Zaida bei den Nachforschungen zu begleiten, insbesondere weil beide Damen stark aus dem Rahmen fallen. So leben sie unverheiratet zusammen – Zaida als schwarze Angolanerin und Annabelle als hosentragende Wissenschaftlerin. Dementsprechend stark bedient Tanja Meurer die zwischenmenschlichen Aspekte, denn die beiden Frauen dürfen sich neben ihrer detektivischen Arbeit auch mit alltäglichen Problemen herumschlagen. So hält die Autorin gekonnt die Waage zwischen der spannenden, actionreichen Krimihandlung und dem Einblick in die Beziehung der beiden Frauen, inklusive Eifersucht, Treue und Verlangen.

Die Charaktere sind trotz des geringen Umfangs sehr gut ausgearbeitet und fallen herrlich aus dem Rahmen: Annabelle wirkt wie ein unbezähmbarer Wildfang. Sie ordnet sich selten unter, hat ihren eigenen Kopf und vertraut vollkommen ihrer geheimnisvollen Partnerin. Da auch sie ein Geheimnis umgibt, das ihre Andersartigkeit erklärt, sind ihre Reaktionen in sich schlüssig. Madame Zaida ist das komplette Gegenteil ihrer Freundin: düster, mysteriös und sehr auf ein kultiviertes Auftreten bemüht. Lediglich ihre beiden Begleiter – zwei riesige Raben – zerstören das Bild etwas, denn die beiden Vögel können sprechen und sind nie um einen Kommentar verlegen.
Auch die Nebenfiguren können überzeugen – seien es der bärbeißige Hailey oder der schüchterne, sensible Constable Masters, der ebenfalls eng mit Zaida und Annabelle zusammen arbeitet. Jewa nimmt im Laufe der Handlung ebenfalls eine größere Rolle ein – in den Folgebänden wird sie wahrscheinlich häufiger auftauchen.

Stilistisch legt Tanja Meurer einen sehr spannenden und gut geschriebenen Kurzroman vor. Man taucht bereits nach wenigen Seiten in die winterliche Kälte Londons ein und erlebt das viktorianische Zeitalter hautnah. Sowohl die Figuren, als auch die historischen Begebenheiten und Hintergründe sind gut beschrieben, so dass kaum Langeweile aufkommt. Da die Geschichte komplett aus Annabelles Perspektive geschrieben ist, lernt man die junge Frau sehr gut kennen – ihre Gedanken und Gefühle begleiten den Leser durch „Rauhnacht“. Auch die lesbischen Aspekte werden gut eingewoben, denn durch Jewa kommt ein wenig Würze in die Beziehung von Annabelle und Zaida. Eifersucht, Treue und Verlangen spielen eine wichtige Rolle – man darf gespannt sein, wie sich die Dreierkonstellation in den kommenden Büchern weiterentwickelt. Auf jeden Fall präsentiert die Autorin eine lesbische Geschichte fernab der üblichen Romane, die sich vorwiegend ums Coming-Out, Beziehungen und alltägliche Probleme drehen.

Fazit:
„Rauhnacht“ ist ein wundervoller, lesbischer Kurzroman, der in vielen Punkten vom typischen Einheitsbrei abweicht und mit einer spannenden Geschichte und tollen, authentischen Charakteren punkten kann. Tanja Meurer versteht es unterschiedliche Genres zu vermischen und etwas vollkommen Eigenständiges zu kreieren. Wer lesbische Geschichten sucht, die aus dem Rahmen fallen, ist bei der „Annabelle Talleyrand“-Reihe ebenso gut aufgehoben wie Steampunk-Fans. Sehr zu empfehlen.

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[NOVELLE] 9 mm – Schweiß und Blut von Tanja Meurer


Autor: Tanja Meurer
Taschenbuch:  168 Seiten
ISBN: 978-3945934579
Preis: 3,99 EUR (eBook) | 10,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der junge Punk Jens ist wegen Mordverdacht auf der Flucht, als ihn der Fernfahrer Christoph bei einem Rasthof aufgabelt und mit nach Berlin nimmt. Schnell wird klar, in welche Schwierigkeiten sich Christoph gebracht hat, zumal er selbst Undercover bei der Zollpolizei arbeitet. Einzig die Tatsache, dass hinter dem Polizistenmord, in den Jens verwickelt ist, mehr steckt als es den Anschein hat, veranlasst Christoph während der Fahrt die Wahrheit zu ergründen. Nach und nach dringt er zu Jens vor, dessen Erinnerungen stark verwaschen sind. So entwickelt sich zwischen den beiden Männern mit der Zeit eine explosive Atmosphäre, die sich in mehrfacher Hinsicht entlädt …

Eigene Meinung:
„Schweiß und Blut“ ist der erste Kurzroman der Gay Crime- Reihe „9 mm“ und erschien Dezember 2015 im Deadsoft Verlag. Er wurde von Tanja Meurer verfasst, die auch den dritten Band der Reihe („Verborgener Feind“) schreiben wird. Der zweite Band „Rotten Games“ stammt von Juliane Seidel und behandelt eine gänzlich andere Geschichte – die des Aussteigers Jay, der in „Verborgener Feind“ neben Christoph die Rolle des Hauptcharakters übernehmen wird. Die beiden Kurzromane überschneiden sich am jeweiligen Ende der Bücher.

Inhaltlich geht Tanja Meurer einmal mehr in die Vollen – direkt zum Anfang wird es blutig und actionreich, denn die Autorin startet direkt mit dem Mord an einem jungen, schwulen Mann. Recht schnell schreitet die Geschichte voran und man lernt sowohl Christoph als auch Jens kennen – zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In einem perfekt inszenierten Kammerspiel erfährt der Leser die Hintergründe zu den Charakteren und den Ereignissen, kommt der Wahrheit auf die Spur und erlebt die Entwicklungen hautnah. Dabei spielt der Mord ab einem gewissen Zeitpunkt eher eine untergeordnete Rolle, denn die Spannung, die sich zwischen den Charakteren aufbaut und auf verschiedene, teils erotische Art entlädt ist wesentlich interessanter. Dabei entwickeln sich keinerlei romantischen Gefühle zwischen Chris und Jens – vielmehr geht es recht aggressiv und hart zur Sache. Daher sollte man sich vorab genau überlegen, ob man mit einer solch realistischen Geschichte ohne Happy End leben kann, denn sowohl die Geschichte, als auch der Sex zwischen den Charakteren ist sehr authentisch, fast schon dreckig. Das liegt zum einen an den Beschreibungen, zum anderen an der Tatsache, dass „Schweiß und Blut“ im Hochsommer spielt, sprich man kann die Hitze förmlich greifen.

Ein großer Pluspunkt sind die authentischen, gut ausgearbeiteten Charaktere. Sowohl Chris, als auch Jens sind sehr gut ausgearbeitet und lebendig. Sie haben Ecken und Kanten, Geheimnisse und die ein oder andere Leiche im Keller. Sie sind nicht stereotyp, sondern durchweg anders: Jens ist der abgerissene, motzige Punk, der sein Leben nur schwer auf die Reihe bekommt, Christoph der nicht weniger ruppige Trucker, der in seiner Vergangenheit ebenfalls öfters einstecken musste. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich für kurze Zeit etwas, was man schwer in Worte fassen kann. Auf jeden Fall kann man sich gut in die beiden hineindenken und fiebert dem dritten Band entgegen, in dem Christophs Vergangenheit eine große Rolle spielen soll.

Neben der intensiven und fesselnden Handlung und den authentischen Charakteren, vermag Tanja Meurer auch stilistisch zu überzeugen. Sie hat eine sehr direkte, raue Sprache, die gut zu den Figuren und der schnellen, spannungsgeladenen Geschichte passt. Als Leser findet man leicht in die Geschichte, dank der detaillierten und greifbaren Beschreibungen hat man das Gefühl mitten in der sommerlichen Hitze zu sein und zwischen den Männern im Truck zu sitzen. Auch zeigt sich, dass die Autorin Ahnung hat, von dem was sie beschreibt: sowohl die Darstellungen des Trucks und der Straßenverhältnisse, als auch die Angaben zu den polizeilichen Ermittlungen wirken authentisch. Das macht „Schweiß und Blut“ sehr greifbar.

Fazit:
„Schweiß und Blut“ ist ein gelungener Kurzroman, der mit starken, authentischen Charaktere und einem soliden, fesselnden Schreibstil punkten kann. Wer keinen Wert auf Romantik legt und kein Problem mit einem „dreckigen“, rauen Krimi-Kammerspiel hat, sollte auf jeden Fall zugreifen. Tanja Meurers Buch bietet auf jeden Fall eine angenehme Abwechslung zu den üblichen Gay Romance Stoffen. Zugreifen!

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[NOVELLE] Der Stammbaum von Paul Senftenberg

Stammbaum

Autor: Paul Senftenberg
Taschenbuch:  124 Seiten
ISBN: 978-3902885586
Preis: 4,49 EUR (eBook) | 8,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Alle zwei Wochen treffen sich Paul und Stefan in Wien, um ihre Sehnsucht nach schwuler Zweisamkeit auszuleben. Beide sind verheiratet, doch während Stefans Gattin von den heimlichen Neigungen ihres Mannes weiß und diese auf ganz pragmatische Weise toleriert, ahnt Pauls Frau Edith nichts. Das Arrangement der beiden funktioniert – sie haben sogar etwas Ähnliches wie eine feste Beziehung. Das sensible Gleichgewicht zwischen den beiden Männern wird gestört, als Edith eines Tages tödlich verunglückt und Paul urplötzlich mit seinen beiden Kindern allein dasteht. Unter Schock stehend klammert er sich mehr und mehr an Stefan, der sich schon bald von Pauls Nähe erschlagen fühlt. Dennoch liegt es ihm fern seinen Freund in der schweren Zeit allein zu lassen, was bei Paul jedoch vollkommen falsch ankommt …

Eigene Meinung:
Mit „Der Stammbaum“ wagt sich Paul Senftenberg an die klassische Gattung Novelle, was sich nicht nur anhand des geringen Umfangs erkennen lässt, sondern auch an den zentralen Elementen, wie zum Beispiel das Leitmotives und das (Ding)-Symbol, das im Laufe der Geschichte immer wieder zum Tragen kommt. Damit wagt sich der Autor an eine schwierige, literarische Gattung, die heutzutage fast schon in Vergessenheit geraten ist.

Inhaltlich bietet Paul Senftenberg seinen Lesern keine leichte Kost, denn einmal mehr wagt er sich an ein ernstes, aber nur selten angesprochenes Thema – spät entdeckte Homosexualität in einem heterosexuellen Lebensumfeld. So sind die beiden Protagonisten verheiratet und haben Kinder, wollen sich jedoch nicht von ihren Familien trennen. Während Stefan sich mit seiner Frau diesbezüglich abgesprochen hat, schweigt Paul über seine geheimen Sehnsüchte und lebt diese im Verborgenen aus. Dass sich die beiden Männer gerade deswegen zueinander hingezogen fühlen, spürt man mit der Zeit: Ihre Beziehung wird immer intensiver und geht schon bald über eine normale Sexfreundschaft hinaus. Dennoch ist sie nicht gefestigt genug, um Paul aufzufangen, als dessen Frau stirbt und dieser sich nach mehr sehnt. Bei der folgenden Katastrophe schließt sich der Bogen, den der Autor mit Ediths Tod begonnen hat. Obwohl das offene Ende Absicht gewesen sein dürfte, vermisst man doch ein wenig die Erklärungen und Hintergrundinformationen. In diesem Punkt lässt Paul Senftenberg seine Leser unwissend zurück, denn weder erfährt man, ob es sich bei Ediths Tod nur um einen Unfall handelt, noch weiß man, wie es Paul letztendlich ergeht, endet die Novelle doch sehr offen.

Nichtsdestotrotz ist „Der Stammbaum“ lesenswert, insbesondere wenn man Wert auf authentische und lebendige Charaktere legt. Sowohl Paul, als auch Stefan sind in sich logisch, handeln vollkommen nachvollziehbar und sind sehr gut portraitiert. Die Geschichte wird von beiden abwechseln erzählt – der Autor gibt sowohl Paul als auch Stefan eine Stimme, zeigt ihre Vergangenheiten und lässt den Leser an ihren Gedankengängen teilhaben. Ein wenig befremdlich ist die Perspektive von Stefans Frau, die zwar wichtig ist, um ihre Beweggründe zu verstehen, jedoch etwas überflüssig erscheint (was womöglich aber auch daran liegt, dass Edith leider keine eigene Passage zugestanden wurde). Nichtsdestotrotz fügen sich ihre Passagen gut in das Gesamtbild ein.

Stilistisch gibt es kaum etwas zu bemängeln – Paul Senftenberg hat einen sehr soliden, intensiven Stil, der sich angenehm von der breiten Masse der heutigen Gay Literatur abhebt. Auch gelingt es ihm die klassische Novelle wiederzubeleben und eine ungewöhnliche Thematik sehr konzentriert und dicht zu Papier zu bringen. „Der Stammbaum“ beweist einmal mehr, wie wandlungsfähig Paul Senftenberg ist und dass er seine Leser mit ungewöhnlichen Themen und stets aufs Neue überraschen und zum Nachdenken anregen kann.

Fazit:
„Der Stammbaum“ ist eine gelungene Novelle, die mit einer interessanten Geschichte, authentischen Charakteren und einer sehr dichten sprachlichen Umsetzung punkten kann. Einige Punkte hätten durchaus etwas tiefgründiger ausgearbeitet werden können, da viele Fragen (und das Ende) offen bleiben, doch dies passt zu den Merkmalen der klassischen Novelle. Wer sich davor nicht scheut, sollte sich Paul Senftenbergs Novelle nicht entgehen lassen. Es lohnt sich.

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[NOVELLE] Blinded Date von Chris P. Rolls

Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch:  112 Seiten
ISBN: 978-1522945369
Preis: 2,99 EUR (ebook) | 4,0 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nach etlichen Monaten Flaute in seinem Sexleben, entschließt sich Silas zu einer Probemitgliedschaft bei dem seriösen Club „Blinded Date“. Dort ist Anonymität Pflicht, was bedeutet, dass X-Männer (sprich derjenige, der die erotischen Zusammenkünfte aktiv beeinflusst) Masken tragen und sich Y-Männer vollkommen blind auf die Spielereien mit ihrem unbekannten Partner einlassen (was nicht bedeutet, dass sie passiv sein müssen). Die Wahl welchen Part man übernimmt, kann jeder am Abend für sich selbst treffen – jedes Mitglied hat im Vorfeld einen entsprechenden Bogen über seine Vorlieben ausgefüllt, die der Sexpartner unbedingt einzuhalten hat. Silas reizt der Gedanke daran, nicht zu wissen, mit wem er zusammen ist und probiert testet beide Rollen für sich aus. Bereits bei seinem zweiten Besuch trifft er auf einen Mann, der nicht nur seine Sehnsüchte erfüllt, sondern zu dem er sich seltsamerweise auch hingezogen fühlt – und das obwohl er ihn nie zu Gesicht bekommen hat …

Eigene Meinung:
„Blinded Date“ ist ein knapp 100-seitiger Kurzroman der beliebten Gay Romance Autorin Chris P. Rolls. Entsprechend der Beschreibung und Kürze des Textes kann man sich bereits im Vorfeld denken, dass es sich um einen sehr expliziten Roman mit einigen romantischen Elementen handelt. Leser, die auf eine ausgeklügelte Handlung und tiefgründige Charaktere Wert legen, werden also nur bedingt glücklich sein.

Inhaltlich passiert kaum mehr als Silas‘ Besuche im Club und sein Ausprobieren der unterschiedlichen Rollenmodelle. Während er sich nicht wirklich in den Part eines X-Mannes einfinden kann und Angst hat die Wünsche seines Partners nicht zufriedenstellend zu erfüllen, findet er recht schnell Gefallen an der anderen Position. Das liegt vor allem daran, dass er bei seinem ersten Blinded Date als X-Mann einen Partner findet, der ihn nicht nur befriedigt, sondern der ihn auch außerhalb essen anspricht. Es ist klar, dass sich zwischen den beiden Männern mehr entwickelt und zum Ende hin auch die Romantik nicht zu kurz kommt. So ist „Blinded Date“ ziemlich vorhersehbar, denn der Leser kann sich denken, dass Silas in dem Club seiner neuen Liebe begegnet.
Trotzdem ist die Geschichte spannend und originell, was nicht zuletzt am Konzept des Clubs liegt. Es bietet auf jeden Fall eine Menge Potenzial, denn es hat auch für den Leser seinen Reiz, dass Silas vollkommen blind ist und sich nur auf seine anderen Sinne verlassen kann. Lediglich die Tatsache, dass Silas auf Anhieb auf jemanden trifft, der ihn nicht nur vollkommen zufriedenstellt, sondern auch noch wiedersehen will, wirkt ein wenig unrealistisch. Chris P. Rolls verschenkt an dieser Stelle Potenzial, was jedoch eher an der Kürze des Buches liegt – sie hätte einige Aspekte und Hintergründe durchaus umfangreicher beschreiben und dem Grundthema mehr Aufmerksamkeit schenken können. Vielleicht kommt da ja irgendwann mehr – um den Club könnte man gewiss weitere Geschichten stricken.

Charakterlich sollte man nicht zu viel erwarten – die Figuren sind recht stereotyp, wobei man als Leser vorwiegend Silas kennenlernt. Immerhin wird die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, sprich man erfährt ein wenig über seine Leben und seine Beweggründe. Ansonsten bleibt er eher blass, ebenso wie die übrigen Charaktere.

Stilistisch bietet Chris P. Rolls solide, hocherotische Kost. Sehr stimmungsvoll und gut umschrieben sind die Sexszenen, die sich die Autorin dieses Mal auf alle anderen Sinne außerhalb des „Sehens“ konzentrieren muss, was den Beschreibungen eine ganz andere Qualität verleiht. Es gelingt ihr trotz des „Handycaps“ sehr abwechslungsreich und eindringlich die expliziteren Szenen zu beschreiben, so dass keinerlei Langeweile aufkommt. Auch die Umgebung wird gut wiedergegeben, so dass man sich den Club und das dort verkehrende Klientel gut vorstellen kann.

Fazit:
„Blinded Date“ ist ein gelungener Kurzroman, der durch eine schöne, der erotischen Handlung angemessene Sprache besticht. Wer keine expliziten Gay Geschichten mag oder Wert auf Charakterentwicklung und eine tiefgründige Geschichte legt, ist hier definitiv falsch. Chris P. Rolls Roman ist eher etwas Erotisch-Sinnliches für Zwischendurch – das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man sich für „Blinded Date“ entscheidet.

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[NOVELLE] Berlin Blues von Susann Julieva

Autor: Susann Julieva
Taschenbuch: 110 Seiten
ISBN: 978-3958493827
Preis: 2,99 EUR (eBook) | 5,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
James und Danny sind nach dem Tod von James Mutter und den Wirren ihrer Liebe zueinander nach Berlin gezogen, um sich dort gemeinsam ein Leben aufzubauen. Unterstützt werden die beiden Studenten von Dannys Vater Grazzo, der ihnen kostenfrei ein Luxusappartment überlässt. Doch das Leben zu zweit ist bei weitem nicht so perfekt, wie gedacht: James stürzt sich in sein Studium und versucht den Verlust seiner Mutter mit Arbeit zu ersticken; Danny will sich als Musiker profilieren und aus dem Schatten seines Vaters heraustreten, der eine lebende Legende ist. Umso erfreuter ist er, als er Bekanntschaft mit Gabriel macht, einem aufstrebenden Jungmusiker, der musikalisch perfekt mit Danny harmoniert.

Eifersucht seitens James ist nur der Anfang, denn als die Tage kürzer werden und er erkennt, dass er erstmals Weihnachten ohne seine Mutter feiert, nimmt seine Depression und Introvertiertheit neue Züge an. Während sie die beiden jungen Männer immer weiter voneinander entfernen und nur schwer zueinander finden, schlägt James vor Weihnachten dieses Jahr nicht zu feiern. Doch sie haben die Rechnung ohne ihre Freunde und Grazzo gemacht, die nichts Besseres zu tun haben, als sie während der Feiertage zu besuchen und zum Umdenken zu bringen …

Eigene Meinung:
Die weihnachtliche Novelle „Berlin Blues“ erschien im Dezember 2013 unter dem Titel „Home for the Holidays – A Triangle Christmas Short Story“ in den USA und führt den Roman „Böse Jungs“ („Triangle“) fort, in dem erzählt wird wie James und Danny zueinander fanden und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben. Fast zwei Jahre später präsentiert Susann Julieva ihren Fans nun die deutsche Ausgabe der Novelle und zeigt, wie es den beiden Jungs in Berlin ergeht.

Inhaltlich setzt die Autorin direkt an den Ereignissen aus „Böse Jungs“ an und nimmt auch deutlich Bezug dazu, da es vorwiegend um James Probleme geht, mit dem Verlust seiner Mutter und den vielen schlimmen Ereignissen in seiner Heimat zurechtzukommen. Sei es Caseys Unfall, die Gewalt seines Stiefvaters oder der Tod seiner Mutter – die vielen unschönen Erinnerungen begleiten James noch immer. Problematisch ist hierbei, dass er nicht gelernt hat, darüber zu reden und sich selbst verbietet Danny mit seinen Sorgen und Gedanken zu belasten. So frisst er die meisten Dinge in sich hinein, während sein Freund fast schon hilflos daneben steht und nur teilweise weiß, was los ist und wie er reagieren soll. Zudem treibt Danny natürlich auch seine musikalische Karriere voran, findet neue Freunde und hat immer weniger Zeit für James, da ihre Zeitpläne zu unterschiedlich sind.
Die daraus resultierenden Probleme machen den Löwenanteil an „Berlin Blues“ aus, neben James‘ Trauer – und Problembewältigung. Diese Mischung ist durchaus interessant, insbesondere Gabriels Auftauchen, was für zusätzlichen Zündstoff sorgt, doch es mangelt ein wenig an Tiefgang. Das meiste wird sehr schnell runtererzählt, oftmals fehlt eine intensivere Ausarbeitung der ernsten Themen. Susann Julieva verschenkt einiges an Potenzial, denn im Grunde hätte sie mit James‘ Problemen ein ganzes Buch füllen können. So bleibt leider alles ein wenig oberflächlich. Nichtsdestotrotz wird man gut unterhalten, was nicht zuletzt an den liebenswerten Charakteren und dem guten Schreibstil der Autorin liegt.

Die Charaktere sind wie schon bei „Böse Jungs“ liebenswert und gehen dem Leser zu Herzen. Haupterzähler ist einmal mehr James, wenngleich es auch einige Szenen gibt, die aus Dannys Sicht erzählt werden, was auch seine Gedanken und Gefühle deutlich macht. Ein wenig schade ist, dass Danny dennoch eher eine untergeordnete Rolle spielt, da es durchaus Szenen gibt, die man sich aus dessen Sichtweise gewünscht hätte (u.a. die Aussprache mit Grazzo), doch James ist nun einmal Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Er ist noch immer wie in „Böse Jungs“, ändert sich jedoch allmählich und beginnt sich seiner Vergangenheit zu stellen. Die beiden jungen Männer harmonieren die meiste Zeit gut miteinander, der Verlust der rosaroten Brille ist nur realistisch, denn in jeder Beziehung zieht irgendwann er Alltag ein.
Die Nebenfiguren sind ein großer Pluspunkt, denn ohne sie, wäre „Berlin Blues“ nur halb so interessant. Seien es Andie und Grazzo, die das Paar zu Weihnachten heimsuchen (nebst einiger anderer Freunde), oder Casey, der zumindest einen kurzen Gastauftritt bekommt – die Nebencharaktere sind liebenswert und geben den Jungs einen passenden Rahmen um zu agieren.

Stilistisch kann Susann Julieva ebenfalls punkten. Sie hat einen sehr schönen, flüssigen und gut lesbaren Stil, der dafür sorgt, dass man die Novelle schwer aus der Hand legen kann. Sie versteht es sowohl aus James‘, als auch aus Dannys Perspektive zu schreiben, hat ein Händchen für Drama und ansprechende Erotik und spart auch nicht mit feinem Humor an der passenden Stelle. Man liest ihre Werke sehr gerne und ist gespannt auf weitere Romane und Novellen (u.a. soll in einem ihrer nächsten Werke Gabriel im Zentrum stehen).

Fazit:
„Berlin Blues“ ist eine gelungene Fortsetzung der „Bösen Jungs“, dem jedoch die Kürze zum Verhängnis wird. Die Thematik ist ein wenig oberflächlich ausgearbeitet, hin und wieder werden die Ereignisse zu stark zusammengefasst und zu sprunghaft erzählt. Nichtsdestotrotz ist die Novelle unterhaltsam und stilistisch sehr gut geschrieben umgesetzt. Fans von „Böse Jungs“ können sich über ein Wiedersehen mit allen Charakteren freuen und sich auf weitere Romane freuen – wenngleich dann James und Danny nicht mehr im Zentrum stehen. Für mich sehr gute 3 Sterne, mit Hang zu 4, doch da die Novelle nicht an „Böse Jungs“ heranreicht (der ich 4 Sternchen gegeben habe), bleibt es bei dieser Bewertung und einer Leseempfehlung an die Fans von James & Co.

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[NOVELLE] Das Lilienschwert von Laurent Bach

Autor: Laurent Bach
Taschenbuch: 126 Seiten
ISBN: 978-1500166793
Preis: 2,30 EUR (eBook) | 4,96 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Es scheint ein glücklicher Zufall zu sein, dass der junge Jerôme während einer Prozession zu Ehren der Jungfrau Johanna (Jeanne D’Arc) einem Kind das Leben rettet und daraufhin von Gille de Rais, Feldmarschall Frankreichs, in sein Palais geladen wird. Nicht nur begegnet er dort dem bildschönen Guy, der während der Festlichkeiten die heilige Jungfrau von Orleans verkörperte, er wird von de Rais auch als Knappe aufgenommen. Während für Jerôme ein neues Leben beginnt bandelt er mit Guy an, der sich ebenfalls in den unschuldigen Jungen verliebt. Leider wird auch Gille de Rais auf Jerôme aufmerksam – sehr zu Guys Missfallen, der dem Adeligen immer wieder auch im Bett zu Diensten ist – und bietet Jerôme endlich die Möglichkeit den Schwertkampf zu lernen. De Rais schenkt seinem Knappen im Gegenzug für gewisse Gefälligkeiten ein Lilienschwert, doch Jerôme fallen die Übungskämpfe schwer – lediglich bei de Rais ereilen ihn keine blutigen Visionen. Zudem häufen sich die Streitereien mit Guy, was beiden Männern zusetzt …

Eigene Meinung:
Mit der Novelle „Das Lilienschwert“ veröffentlichte Brunhilde Witthaus unter dem Pseudonym Laurent Bach 2014 die Geschichte von Jerôme und Guy im Selbstverlag. Das knapp 80-seitige Werk spielt vor ihrem historischen Roman „Des Teufels Schreiber“, in dem es um Gilles de Rais und seine Machenschaften geht. Die Novelle greift lose die historischen Ereignisse im Frankreich des 15. Jahrhunderts auf und bildet eine gute Ergänzung zu dem im Sieben Verlag erschienen Roman, wenngleich „Das Lilienschert“ dem Gay Historical Genre angehört.

Die Geschichte ist spannend und ohne große Schnörkel erzählt – binnen weniger Seiten ist man in das mittelalterliche Frankreich eingetaucht und lernt Jerôme und Guy kennen, die gesellschaftlich grob auf einer Stufe stehen. Die beiden treffen sich nach der Prozession und verlieben sich recht schnell ineinander, was natürlich auch eine erotische Komponente mit sich bringt, die in „Das Lilienschwert“ stärker als in den übrigen Geschichten der Autorin vertreten ist. Nichtsdestotrotz passiert im Laufe der Zeit eine Menge: man lernt Jerôme und Guy sehr intensiv kennen, erfährt eine Menge über ihre Vergangenheit und welch wichtige Schlüsselrollen sie in der Geschichte Frankreichs gespielt haben. Auch Gille de Rais, der als Massenmörder grausige Berühmtheit erlangt hat, ist wichtig für die Handlung. Er treibt sie voran, da seine Machenschaften erst den Ausschlag geben. So entspinnt sich über den 80 Seiten eine überraschend komplexe Geschichte, die gerne ausführlicher hätte sein können und die Lust auf mehr Macht – denn Jerômes und Guys Abenteuer bieten durchaus genug Potenzial für mehr.

Die Charaktere sind, wie nicht anders erwartet, sehr authentisch und greifbar. Man kann sich sowohl in Jerôme, als auch in Guy hineinversetzen. Ersterer ist hierbei der gefallene Held, der einst an Johannas Seite kämpfte, den jedoch die blutigen Schlachtfelder und gefallenen Kameraden in Visionen und Träumen verfolgen. Guy wiederum hat sein eigenes Päckchen zu tragen, da er etwas getan hat, auf das er alles andere als stolz ist. Schließlich Gille de Rais, der mit seiner wahnsinnigen, sprunghaften Natur nur schwer zu greifen ist.
Ein wenig verwirren die Nebenfiguren, gerade de Moreilles‘ laxe Art im Umgang mit Guys und Jerômes Homosexualität. Immerhin war Sodomie in der damaligen Zeit ein Grund für den Scheiterhaufen.

Stilistisch legt die Autorin eine solide, in sich schlüssige und gut lesbare Novelle vor, die sich fast zu schnell liest. Kaum hat man begonnen, ist man schon am Ende angekommen. Die Geschichte wird hierbei abwechseln aus Jerômes und Guys Sicht erzählt und bietet dem Leser die Möglichkeit in die Gedanken- und Gefühlswelten beider Protagonisten einzutauchen. Laurent Bach hat ein Gefühl für Sprache und Figuren – letztere werden ehr authentisch in Szene gesetzt, ebenso gelungen sind die Beschreibungen der Örtlichkeiten und die Begebenheiten der damaligen Zeit. Auch die erotischen Szenen sind stimmungsvoll und ansprechend umgesetzt.

Fazit:
„Das Lilienschwert“ ist eine gelungene, historische Novelle für Zwischendurch, die mit authentischen Figuren, einem schönen Schreibstil und einer spannenden Geschichte punkten kann. Bis auf einige Unstimmigkeiten ist die Handlung in sich schlüssig und macht definitiv Lust auf mehr. Wer historische Geschichten mag, sollte sich „Das Lilienschwert“ nicht entgehen lassen und auch nach „Des Teufels Schreiber“ Ausschau halten. Alle anderen müssen sich mit den übrigen Werken der Autorin zufrieden geben, wenngleich man irgendwie hofft, dass sie Jerômes und Guys Geschichte irgendwann weiterführt.

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[NOVELLE] Operation Alpha: Navy Seals – Wild Forces von Bianca Nias


Autor:
Bianca Nias
Taschenbuch: 120 Seiten
ASIN: B015RJHB50
Preis: 3,99 EUR (eBook)
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Story:
Nachdem sich Commander Kunuk entschließt den auf einem Einsatz gefangen genommenen Devon McMattock zu suchen und deswegen mit seinen zwei besten Freunden aus der Armee aussteigt, tritt der Soldat Miles Hollings dessen Nachfolge an. Für Miles eine positive Überraschung, wäre ihm nicht ausgerechnet Cayden Pride als Lieutenant Commander zugewiesen worden. Die beiden können sich nicht ausstehen, geraten sie doch in regelmäßigen Abständen aneinander, denn wo Miles meist einen kühlen Kopf bewahrt, ist Cayden impulsiv und tut sich schwer damit, sich unterzuordnen. So ist es nicht verwunderlich, dass sie bereits am selben Abend eine Prügelei in einer Kneipe anzetteln und aus diesem Grund von ihrem Admiral auf eine geheime Mission geschickt werden: Operation Alpha. Sie sollen die verschwundenen Hintergrundmänner Shirkou Sorans ausfindig machen, die nach dem Anschlag auf den Frankfurter Flughafen untergetaucht sind.

Erstmals müssen Miles und Cayden zusammenarbeiten und kommen sich während ihrer Mission in Tschechien unweigerlich näher. Dabei entdecken sie, dass sie sich nicht nur perfekt ergänzen, sondern auch, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen …

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Operation Alpha: Navy Seals – Wild Forces“ erfüllt die Autorin Bianca Nias den Wunsch ihrer Fans nach weiteren Geschichten rund um ihre Gestaltwandler. Dieses Mal ist sie jedoch ohne den Deadsoft Verlag unterwegs – „Bruns_LLC“ Teil 5 erschien im Eigenverlag. Da es sich um ein Werk für ihre Fans handelt, sollte man die Handlung aus Teil 1-4 zumindest in den Grundzügen kennen, da die Mission der beiden Männer auf den Geschehnissen der anderen Teilen aufbaut, insbesondere auf dem vierten Band der Reihe: „Devon@Bruns_LLC“. Es wird hier und da zwar erklärt oder rückblickend zusammengefasst, doch insgesamt sollte man die Hintergründe kennen.

Inhaltlich setzt die Autorin grob am Ende des dritten Bandes an und erzählt einen Handlungsbogen der parallel zu den Ereignissen aus „Devon@Bruns_LLC“ läuft. Dabei greift sie die Sache mit Irina Petrova und Mohammed Al’Bektas auf, die im dritten Band untertauchten und bis zum Ende der Reihe nicht noch einmal auftauchten. Leser, die sich gefragt haben, was aus den beiden Handlangern Sorans wird, erhalten hier endlich eine Antwort, ebenso wird ein neuen Pärchen eingeführt, das bis dato noch nicht in Aktion getreten ist: Miles Hollings und Cayden Pride. Auch die Navy Seals – Wild Forces, die bisher nur am Rande beleuchtet wurden, werden nun genauer erklärt.
Die Geschichte an sich ist spannend, Bianca Nias gelingt es die Waage zwischen Handlung und Liebesgeschichte zu halten, denn „Operation Alpha“ wartet mit einer gelungenen Mischung aus Action, Spannung und Erotik auf. Letztere ist nicht so exzessiv vorhanden, wie in ihren anderen Werken, doch vielleicht liegt das auch an dem geringen Umfang des Romans – „Operation Alpha“ ist lediglich knapp 120 Seiten stark, lockt aber mit einer Fortsetzung, sprich Fans der Reihe können auf weitere Kurzromane rund um die Navy Seals – Wild Forces hoffen.

Die Charaktere sind ein wenig stereotyp, da sie grob den Figuren entsprechen, die man aus Bianca Nias‘ anderen Romanen kennt: Miles Hollings ist ein Löwe, sehr geradlinig, loyal und pflichtbewusst; der Wolf Cayden Pride ist so ziemlich das genaue Gegenteil seines neuen Vorgesetzten: aggressiv, herausfordernd und recht unsozial. Dafür ist er ein guter Taktiker und äußerst belastbar. Dass die beiden entsprechend heftig aneinandergeraten ist nicht verwunderlich, macht jedoch auch den Reiz des Kurzromans aus und es macht Spaß die beiden Streithähne dabei zu begleiten. Von Anfang an ist klar, dass es der Autorin darum geht, die beiden Figuren zusammenzubringen.
Neben den Hauptcharakteren können auch einige Nebenfiguren punkten: seien es die anderen Navy Seals (allen voran Woody) oder der Admiral: sie geben Miles und Cayden einen passenden Rahmen, um zu agieren. Ein wenig mehr hätte man die anderen Seals noch involvieren können, doch aufgrund des geringen Umfangs der Geschichte, war das wahrscheinlich nicht realisierbar. Bleibt zu hoffen, dass sie in der Fortsetzung mehr Beachtung finden.

Stilistisch lässt Bianca Nias keine Wünsche offen – sie hat einen soliden, abwechslungsreichen Schreibstil und versteht es sowohl Action- und Kampfszenen, als auch Erotikszenen und Dialoge passend umzusetzen. Gewohnt fesselnd bringt sie die Geschichte um Miles und Cayden zu Papier und weckt Lust auf mehr. Einzig die Tatsache, dass das Lesevergnügen fast zu schnell vorüber ist, kann man negativ werten, wenn man unbedingt will.

Fazit:
Der Kurzroman „Operation Alpha: Navy Seals – Wild Forces“ ist eine gelungene Fortführung der beliebten “Bruns_LLC”-Reihe von Bianca Nias. Die Geschichte ist spannend und abwechslungsreich, die Charaktere zwar etwas stereotyp, aber sympathisch und liebenswert, und der Schreibstil bewegt sich auf gewohnt hohem Level. Wer die im Deadsoft Verlag erschienene Gestaltenwandlerserie der Autorin liebt, wird um „Operation Alpha“ nicht herumkommen. Zu empfehlen.

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[NOVELLE] Der Krähenwolf von Lonna Haden

Autor: Lonna Haden
Taschenbuch:  144 Seiten
ISBN: 978-3944737850
Preis: 3,99 EUR (ebook)7,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der junge Bejran entgeht nur knapp dem Tod, als seine Mutter und er auf dem Nachhauseweg von einem riesigen Wolf angegriffen werden. Gerettet wird er von einer riesigen schwarzen Krähe, die den gefährlichen Angreifer in die Flucht schlägt. Die folgenden Tage und Wochen schwebt Bejran zwischen Leben und Tod, während sich der Heiler des Dorfes um ihn kümmert und er nachts von dem seltsamen Corvin besucht wird, der ebenfalls alles daran setzt, ihn am Leben zu halten. Erst später erfährt Bejran, dass der Fremde in Wirklichkeit ein Gestaltwandler ist und ihm als Krähe das Leben gerettet hat. Corvin offenbart ihm auch, dass er von einem Werwolf gebissen wurde und fortan ebenfalls den Fluch in sich trägt, sich bei Vollmond zu verwandeln. Die einzige Möglichkeit sein Schicksal zu ändern, besteht darin, den Werwolf, der ihn gebissen hat, zum Duell zu fordern – eine gefährliche Maßnahme, bei der Corvin den jungen Mann unterstützen will …

Eigene Meinung:
Die Novelle „Der Krähenwolf“ stammt von der Autorin Lonna Haden, hinter der sich eine deutsche Kinderbuchautorin verbirgt. Der bei deadsoft erschienene Kurzroman ist ihr Debüt im (Gay) Erotik Genre, dem im September 2015 die Novelle „Der Künstler und seine Musen“ folgte, bei der sie sich Erotik in all ihren Facetten (schwul, lesbisch, hetero) zuwendet.

Inhaltlich ist die Novelle durchaus interessant und bietet eine Menge Platz für Fantasy, Dramatik und Liebe, denn Lonna Haden wartet mit einer spannenden, gut durchdachten Grundidee auf. Allerdings wird der geringe Umfang der Geschichte schnell zum Verhängnis, da zu viele Punkte ungeklärt bleiben und „Der Krähenwolf“ nicht den Tiefgang erreicht, den er erreichen könnte. So wirkt das schmale Büchlein eher wie der Auftakt einer längeren Geschichte, da er offen endet und viele Fragen unbeantwortet bleiben. Leider ist nicht ersichtlich, ob es in absehbarer Zeit eine Fortsetzung gibt, denn bisher wurde beim Verlag nichts Entsprechendes angekündigt. So kann „Der Krähenwolf“ leider nicht vollkommen überzeugen, da zu viel Potenzial ungenutzt bleibt.

So spannend die Geschichte um Bejran und Corvin ist, so interessant ihre Liebesgeschichte in der Fantasywelt Lonna Hadens in Szene gesetzt wird – es fehlt einfach der Tiefgang, zumal das Ende recht schnell herbeigeführt wurde. Die Hälfte des Bandes begleitet man den Protagonisten durch seine Fieberträume oder seine Gefühlswelten, die vorwiegend von dem Krähen-Gestaltwandler bestimmt werden. Das ist durchaus stimmungsvoll geschrieben und sorgt dafür, dass man Bejran sehr gut kennenlernt, doch die Autorin konzentriert sich zu stark auf die beiden Männer. Bis auf den Heiler wird keine Nebenfigur näher beleuchtet, die gesamten Dorfbewohner bleiben blass, fast unnützes Beiwerk. Dabei haben die anderen Menschen Bejran bei einem Kuss mit einem anderen Mann erwischt, was zu heftigen Reaktionen führte. wird zwar in einem Nebensatz beschrieben, aber es kommt nie aktiv zum Tragen. So wird der junge Mann zwar (seiner Meinung nach) verachtet und gemieden, doch der Leser bemerkt es kaum: keiner der Bewohner wirft ihm einen angeekelten Blick zu, als er in die Schänke geht, niemand beschimpft ihn oder gibt ihm die Schuld am Tod seiner Mutter. Dem Leser kommt es so vor, als seien die anderen Dörfler gar nicht da. Sie wirken wie leblose Statisten, ohne Persönlichkeit und Charakter.

Dafür lernt man Bejran sehr gut kennen, immerhin wird die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt. Man fiebert mit ihm mit, durchlebt mit ihm seine Krankheit und lernt Corvin durch seine Augen kennen. Dieser ist mysteriös und geheimnisvoll, und schlägt nicht nur Bejran in seinen Bann. Auch der Leser kann sich der Ausstrahlung des Gestaltwandlers nur schwer entziehen, was dafür sorgt, dass er dem eigentlichen Helden schnell den Rang abläuft.

Stilistisch liefert Lonna Haden eine stimmungsvolle, flüssig geschriebene Novelle. Sie hat eine sehr bildhafte, abwechslungsreiche Sprache – sei es bei Beschreibungen, Dialogen oder erotischen Szenen – es wird niemals langweilig. Die leicht düstere, märchenhafte Novelle weiß zu fesseln und man hofft zwangsweise, dass es irgendwann weitergehen wird, denn der märchenhafte Schreibstil macht definitiv Lust auf mehr.

Fazit:
„Der Krähenwolf“ ist eine gut geschriebene, stimmungsvolle Novelle, die mit einer guten Grundidee und interessanten Charakteren aufwartet, jedoch zu oberflächlich gehalten ist. Viele Fragen bleiben offen, die Fantasywelt nebst Bewohnern zu blass und teilweise konzentriert sich Lonna Haden zu sehr auf die Charaktere und vergisst die Spannung. Nichtsdestotrotz kann das kleine Buch unterhalten und macht Lust auf mehr – es bleibt zu hoffen, dass Bejrans Geschichte irgendwann fortgeführt wird, dann mit der passenden Sorgfalt und Ausführlichkeit.

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