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[ZITATE-FREITAG] Anamarnas Prophezeiung

Hallo ihr Lieben,

die Special Week neigt sich leider schon dem Ende entgegen, doch bevor es mit dem Autoreninterview weitergeht, habe ich euch einige Zitate aus „Anamarnas Prophezeiung“ rausgepickt. Ich hoffe sehr, dass euch die Textstellen gefallen und ihr Lust auf dieses gelungene Fantasy-Epos bekommt 🙂

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meine Rezension

Aryon und Gaven liebten sich im Ufergras, neckten sich und genossen die Sonne auf ihrer Haut. Denn sie waren nicht nur Freunde – sie waren auch ein heimliches Liebespaar.

Aryon, der allen Frauen und Mädchen in Kelmaran freundlich und mit Respekt gegenübertrat, stand nicht der geringste Sinn nach weitergehender Tuchfühlung. Er hatte es schon sehr früh bemerkt, sich aber, wie es seine Art war, nichts dabei gedacht und es hingenommen wie ein weiteres Geschenk, das ihm vom Leben angeboten wurde. Später war er wenigstens so schlau gewesen, seine Neigung zu verbergen und Liebesspiele mit dem eigenen Geschlecht im Verborgenen auszutragen. Natürlich würde die Sache irgendwann zu einem Problem werden, aber es gehörte nicht zu seinem unbekümmerten Wesen, sich darüber jetzt schon Sorgen zu machen. Er fand, so wie es war, hatte es das Geschick wunderbar eingerichtet. Die Sache war so unkompliziert. Wenn er hingegen in eine von Lybarns Töchtern verliebt wäre, dann hätte er mit ihr bestimmt nicht allein zum Fluss reiten dürfen. Und auch sonst nirgendwo hin. Aber auf zwei junge Burschen, die zum Angeln wollten, achtete niemand. Und am Abend konnten sie in der Dorfschenke noch ganz unbeschwert ein Bier zusammen trinken. Das war ein Leben, wie es ihm gefiel.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 89 (c) Jutta Ahrens

Aryon lehnte sich kurz an seinen Freund. »Das, was ich vorhatte, muss ich immer noch tun. Ich muss jemanden finden, es ist lebenswichtig für mich. Aber ich hätte dich gern dabei.«

»Aber ja, du brauchst doch einen Leibwächter.« Rymor grinste glücklich und klopfte auf sein Schwert, das er neben sich auf das Bett gelegt hatte. »Wohin geht denn die Reise und wie lange wird sie dauern? Chiharun wird mir schon ein paar Tage freigeben.«

»Rymor.« Aryon sah ihn ernst an. »Wenn du mich begleitest, muss ich dir alles über mich erzählen. Es kann dann kein Geheimnis mehr zwischen uns geben. Ich hoffe, du bist stark genug, es zu ertragen. Und wenn nicht, dann sag es mir aufrichtig, dann werde ich dich und auch Jabhardan für immer verlassen.«

»Sag nicht so schreckliche Dinge. Ich bin doch keine Memme. Ich bleibe dein Freund, selbst wenn du dich zur Nacht in ein Seeungeheuer verwandelst.«

»Nun, beinah hast du es getroffen. Ich bin dazu verdammt, in der Nacht zu leben und mich von Menschenblut zu ernähren …«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 151 (c) Jutta Ahrens

»Das ist ein sehr gutes Angebot, will ich meinen.«

»Wenn du lügst, stirbst du einen so qualvollen Tod …«

Lukir winkte ab. »Drohe mir nicht. Sonst bleibst du der armselige Sterbliche, der du bist.«

»Was müsste ich denn tun?«, fragte Taswinder hastig. »Kommt es vom Bluttrinken?«

»Beruhige dich. Ich werde dir zu der Unsterblichkeit verhelfen, über die ich verfüge. Allerdings stelle ich zwei Bedingungen. Nein, eigentlich drei. Aber zuerst zur wichtigsten: Du besitzt das Wissen der Acht. Du musst den Bann aufheben, den sie vor siebzig Jahren über mich verhängt haben.«

»Vor siebzig Jahren? Einen Bann?«, wiederholte Taswinder verwirrt. Er begriff gar nichts mehr, und Lukir berichtete ihm wahrheitsgemäß, was sich damals im blauen Turm zugetragen hatte.

»Du bist also ein Verbannter und besitzt die fünfte Stufe? Ich ahnte gleich, dass du etwas Besonderes bist. Und das ist tatsächlich vor siebzig Jahren passiert? Wenn du die Wahrheit sagst, dann hast du nicht nur die Unsterblichkeit, sondern auch die ewige Jugend erreicht.«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 214-215 (c) Jutta Ahrens

Die Lichter im Brunnen

In einem Dorf gab es einen Brunnen, auf dessen Grund viele bunte Lichter flackerten. Aber niemand wusste, woher sie kamen. Alle Bemühungen, ihre Ursache zu ergründen, blieben vergeblich.

Eines Tages kletterte der kleine Sohn einer Magd auf den Brunnenrand. Als er die vielen bunten Lichter sah, haschte er nach ihnen und stürzte hinab. Die Mutter des Knaben lief schreiend herbei, aber von ihrem Kind war nichts mehr zu sehen. Kurz darauf begann das Wasser zu brausen und zu zischen, und es stieg ein gewaltiger Drache daraus empor, dessen Leib mit bunten Schuppen bedeckt war. Er entfaltete seine riesigen Flügel, erhob sich in die Lüfte und rauschte davon. Als er über die Stadt Ruadhan flog, verlor er eine dunkelblaue Schuppe, so groß wie eine Männerfaust. Sie fiel auf den Marktplatz, und ein kleiner Junge las sie auf.

Die bunten Lichter im Brunnen aber waren für immer erloschen.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 277-278 (c) Jutta Ahrens

Als er den Deckel hochklappte, starrte er den blauen Stein ungläubig an. Er brachte kein Wort hervor.

»Bist du nicht zufrieden mit dem Geschenk?«, fragte Demaran besorgt.

»Es – es ist nicht das, was ich erwartet habe«, stotterte Lukir.

»Und was hast du erwartet?«, fragte Morphor.

»Das Oktogon! Das echte Oktogon!«

»Das ist ein Oktogon«, bemerkte Morphor nachsichtig.

»Das hier ist nur ein nachgemachter achteckiger Kristall. Wäre es das wahre Oktogon, würde es zu mir sprechen.« Er fuhr mit den Fingerspitzen über seine Oberfläche. »Da! Es passiert nichts. Es ist wertlos! Man hat mich betrogen.«

»Du sprichst von dem Oktogon, das den acht Weisen in Lyngorien gehört?«, fragte Demaran. »Befindet es sich denn nicht im blauen Turm?«

»Nein! Taswinder hat es ihnen geraubt und sich damit geschmückt. Es ist ein magischer Stein, der in den Händen des Falschen großes Unheil anrichten kann. Deshalb habe ich Rymor beauftragt, es zu stehlen. Was hier passiert ist, verstehe ich nicht.«

»Ich glaube, Lukir, du schuldest uns eine Geschichte«, sagte Morphor sanft.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 317 (c) Jutta Ahrens

Taswinder strebte allumfassende Macht an, und doch würde er niemals eine Liebe erleben, wie sie Rymor und Aryon verband. Was hätte er nicht alles für eine solche Liebe gegeben! Sofort schüttelte er diesen Gedanken ab.

»Ja. Ich hoffe, du hast Merodan gut vorbereitet?«

»Nun, er ist nicht gerade versessen auf seine Braut, und die graue Ratte Jahangir ist auch nicht sein bester Freund. Aber er weiß, was auf dem Spiel steht und hat sich darauf eingelassen. Wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, dürfte das vertrauliche Treffen zur allseitigen Zufriedenheit ausgehen. Ich vertraue da auch deinem Einfluss auf Jahangir.«

Aryon schloss die Tür zu Merodans Zimmer auf. Er öffnete sie weit und ließ Taswinder den Vortritt. Merodan stand in der Mitte des Raums und sah ihnen entgegen. Wie stets war seinen Gesichtszügen keine Bewegung anzumerken.

»Bist du bereit, dem Fürsten Jahangir und seiner Tochter Malaika gegenüberzutreten in der Absicht, um ihre Hand anzuhalten?«, fragte Taswinder.

Merodan nickte. »Ja.«

»Bist du gleichzeitig bereit, jeder Feindschaft zwischen unseren Stämmen abzuschwören und dem Fürsten den Respekt entgegenzubringen, der ihm gebührt?«

»Ich werde den Gepflogenheiten genügen.«

Taswinder nickte. Mehr Entgegenkommen hatte er nicht erwartet.

Aryon lächelte Merodan zu. »Heute lasse ich die Tür offen.«

Merodan verzog die Mundwinkel. Zu spät, schienen sie auszudrücken. Ich darf keinen Abarranen mehr töten.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 407-408 (c) Jutta Ahrens

»Bitte erzähl mir alles von Anfang an. Ich kam zu dir ins Zimmer? Und dann?«

Aryon schilderte ihm nun den Hergang in allen Einzelheiten. Dabei rief er sich erneut die vielen Merkwürdigkeiten in Erinnerung. »Ich sagte mir, vielleicht hat dir Taswinder etwas gegeben, das deinen Willen verwirrt oder völlig ausschaltet.«

»Dennoch hätte ich nicht gleichzeitig in Jomarphor sein können. Nein, ich fürchte, die Wahrheit ist unangenehmer als du denkst. Ich nehme an, Taswinder selbst hat dir da einen Besuch abgestattet. Er wollte dich töten, und weil er nicht wusste, dass du unverwundbar bist, ist er gescheitert. Das muss ihm einen Schock versetzt haben.«

»Ja, ja, es passt alles auf ihn. Dennoch – ich habe dich erkannt. Du siehst Taswinder nun wirklich nicht ähnlich. Und da ich außer Sperma nichts zu mir nehme, konnte mir Taswinder auch nichts unter das Essen oder ein Getränk mischen.«

»Dann muss er über die Gabe verfügen, die Gestalt eines anderen anzunehmen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Was wissen wir schon von der Kraft seiner Steine?«

Aryon traten vor Erleichterung Tränen in die Augen. Aufstöhnend umarmte er Rymor, drückte ihn stumm an sich und begann hemmungslos, an seiner Schulter zu schluchzen.

»Ich hätte es nicht ertragen, weißt du«, flüsterte er, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte.

Rymor strich ihm über das Haar und küsste ihn auf die Stirn. »Und ich hätte es nicht getan. So viel Magie besitzt kein Stein der Welt.«

Etwas beschämt richtete sich Aryon wieder auf. Doch plötzlich besaß er einen wilden Blick. »Taswinder muss weg!«, zischte er. »Was er mir damit angetan hat, verzeihe ich ihm nie.«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 525-526 (c) Jutta Ahrens

Tief unter sich sah er die Menschen in Panik zusammenlaufen und nach oben starren. Ihr Geschrei drang bis zu ihm hinauf. Einige trugen Waffen, die sie in ihrer Hilflosigkeit gegen ihn richteten. In seinen Augen waren das nur Nadeln, aber er konnte die Leute verstehen. Wie mussten sie ihn hassen! Das betrübte Chichi sehr.

Er bemühte sich, seine Kreise in großer Höhe zu ziehen. So richteten die Flammen vielleicht nicht so viel Schaden an, weil sie vorher vom Wind ausgeblasen würden. Aber kaum hatte er sich dazu entschlossen, drückte ihn eine unbekannte Macht tiefer hinunter. Vernichte Khazrak und seine Bewohner! Verbrenne sie alle! So lautete der Befehl. Er konnte ihm nicht entkommen. Alle da unten mussten sterben, und er selbst war machtlos dagegen. Die Vorstellung ergrimmte ihn und machte ihn gleichzeitig traurig. Warum wollte dieser Mann – Taswinder war sein Name – eine ganze Stadt vernichten? Er besaß so viel Macht. Weshalb nutzte er sie nicht dazu, den Menschen zu helfen? Chichi wollte so gern verstehen, aber die Kluft zwischen ihm und den Menschen war zu groß geworden.

Wenn die Sache hier vorbei war, das schwor er sich, wollte er sich persönlich um den Stein kümmern. Er musste unschädlich gemacht werden, das hätte er schon beim ersten Mal tun sollen. Aber der jahrelange Rückzug aus der Welt hatte ihn träge gemacht.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 594 (c) Jutta Ahrens

»Hm.« Lukir verdrehte die Augen. »Hier wird es schwierig. Ich muss wohl etwas ausholen und dir etwas über die Unsterblichkeit und die Wanderung von Seelen erzählen.«

»Über was?«, stöhnte Merodan und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. »Hört das denn niemals auf? Stehe ich noch auf festem Boden? Fällt der Himmel morgen auf uns herab? Womit muss ich noch rechnen? Soll ich zum Bluttrinker werden, um unsterblich zu werden?«

»Nein«, sagte Lukir. »Lass dir erzählen, was es mit dem Verlassen der Seele aus dem Körper auf sich hat. Nur sehr wenige Menschen sind dazu imstande. Ich habe es mit eisernem Willen und qualvollem Verzicht geschafft. Aus diesem Grund habe ich mich auf die Festung zurückgezogen. Warum habe ich das auf mich genommen? Ich will meinen ekelhaften, mit altem Blut vollgesogenen Körper verlassen. Nun suche ich einen Menschen, der meine Seele freiwillig in sich aufnimmt. Wenn ich ihn finde, werde ich mich mit der seinen verbinden, und im Laufe der Zeit werden wir eins sein. Mein alter Körper wird sehr schnell verfallen und sterben. Wenn du, Merodan, mich aufnehmen wolltest, dann würden meine magischen Fähigkeiten auch auf dich übergehen. Und wenn du eines Tages alt bist und es ans Sterben geht, dann können sich unsere verbundenen Seelen einen neuen, jungen Körper suchen. Du würdest mit mir gemeinsam unsterblich werden.«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 646 (c) Jutta Ahrens

Ich hoffe sehr, dass euch diese Zitate einen guten Einblick in das Buch geben und ein wenig neugierig machen. Das Buch gibt es übrigens am Sonntag zu gewinnen – also haltet die kommenden Tage die Augen offen. Es lohnt sich 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[CHARAKTERINTERVIEW] Aryon und Merodan aus „Anamarnas Prophezeiung“

Dieses Interview ist mitten in „Anamarnas Prophezeiung“ angesiedelt, sprich Nicht-Kenner des Buches werden ein wenig gespoilert. Ich empfehle daher vorab die Geschichte um Lukir, Aryon und all die anderen Figuren zu lesen, bevor man sich das Interview anschaut. Wem dafür die Zeit fehlt, dem sei versichert, dass sich Spoiler in Grenzen halten und die Einleitung genug preisgibt, um dem Gespräch folgen zu können. Ich wünsche euch viel Spaß mit Aryon und Merodan – es war kein leichtes Interview, aber ich hoffe, es macht euch ebenso viel Spaß, wie ich hatte 😀

Aryon wälzte sich unruhig hin und her. Er hatte einen sehr eindringlichen und höchst merkwürdigen Traum gehabt, und der beschäftigte ihn nun. Das Dumme daran war, dass er nicht ganz sicher war, ob es sich nur um einen Traum oder doch um ein echtes Erlebnis gehandelt hatte. Von der Festung auf dem Himmelshügel war ein Mann zu ihm gekommen, der sich Morphor nannte und behauptete, ein Unsterblicher zu sein. Er hatte ihm prophezeit, es werde eine Person aus der Zukunft bei ihm auftauchen, die ihn und Merodan befragen werde. Er solle ihre Fragen wahrheitsgemäß beantworten und auch Merodan davon überzeugen. Das würde ihn in seiner Mission weiterbringen.

Aryon fluchte leise vor sich hin. Diese verdammte Mission und dieser verstockte Tadramane! Merodan befand sich am Hof König Jahangirs als Geisel, und Taswinder, der undurchsichtige Magier, hatte ihn überredet, sich Merodan zum Freund zu machen, damit er biegsamer wurde und sich den Wünschen Jahangirs beugte. Aryon hatte eingewilligt. Schließlich war es keine schlechte Sache, sich jemanden zum Freund zu machen. Er war davon überzeugt, dass er mit seinem heiteren Gemüt schnell zu ihm durchdringen werde. Doch dann hatte sich Merodan als eine sehr harte Nuss erwiesen. Bis jetzt hatte er bei dem Dickschädel noch keinen Erfolg aufzuweisen. Dabei war der Tadramane ein Schmuckstück von einem Mann, das Aryon gern besessen hätte, aber leider kalt wie ein Gletscher.

Und nun hatte ihn dieser Traum heimgesucht. Eine Person aus der Zukunft, die Fragen stellen wollte. Irgendwie versponnen. Aryon war der Magie begegnet und selbst ein unsterblicher Bluttrinker geworden. Seltsames war ihm also nicht fremd. Aber konnte jemand in die Vergangenheit zurückkehren? Das erschien ihm absurd, und schon aus diesem Grund konnte es nur ein Traum gewesen sein. Schade eigentlich, dachte er. Es wäre nicht von Übel, wenn die Befragung den Tadramanen etwas auftauen würde. Dann würden sie vielleicht mehr als nur Freunde werden …

Aryon seufzte, verbat sich diese unkeuschen Gedanken und stieg aus dem Bett. Inzwischen war es dunkel geworden und Zeit, Merodan wieder einmal aufzusuchen. Noch wollte er nicht aufgeben. Als er vor seiner Tür stand, den Schlüssel schon in der Hand, kam eine Frau auf ihn zu, die er noch nie im Palast gesehen hatte. Sie trug sehr ausgefallene Kleidung, aber ihre Haltung war selbstbewusst, also konnte sie keine Dienerin sein.

»Guten Abend. Ich bin die Juliane.«

Sie reichte ihm die Hand, und Aryon wusste nicht, was das sollte. Zögernd ergriff er sie.

»Du bist Aryon, nicht wahr? Ich bin geschickt worden, dir und deinem Freund da drin ein paar Fragen zu stellen. Bist du bereit?«

Aryon traf fast der Schlag. Dann hatte er das alles doch nicht geträumt. Das war sie also, die Person aus der Zukunft. Und ausgerechnet eine Frau!

»Ich – äh – ich habe irgendwie mit dir gerechnet, aber ich konnte es nicht glauben. Wer hat dich denn geschickt?«

»Sagen wir, eine Stimme aus der Vergangenheit. Nun schließ schon auf. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Ich muss noch andere befragen.«

»Ach ja? Wen denn? Warum denn?«

»Weil es mein Beruf ist. Und nun vorwärts. Ich stelle hier die Fragen.«

Aryon zuckte mit den Schultern und steckte den Schlüssel ins Schloss. »Na, wenn du meinst. Aber ich warne dich. Mit Merodan ist nicht gut Kirschen essen.«

Als sie eintraten, saß Merodan auf dem Bett und las. Als er aufsah und die Frau neben Aryon erblickte, hätte er beinah das Buch fallen lassen. »Was ist denn das für ein neuartiger Einfall von dir, mich bis aufs Blut zu reizen?«, fauchte er.

„Kein neuartiger Einfall, Merodan. Ich wurde geschickt, um einige Dinge in Erfahrung zu bringen, die im Laufe der Zeit verloren gehen würden.“ Juliane sah sich nach einem Platz um, auf dem sie ihre Schreibunterlagen ablegen konnte.

Aryon nickte Merodan aufmunternd zu. „Da hat sie recht. Auf diese Weise kannst du mit deinen Taten sogar unsterblich werden.“

„Das haben bei mir in Norvarun die Chronisten erledigt, aber Frauen waren niemals darunter. Die Erde soll mich verschlucken, bevor ich meine Worte einer Frau anvertraue.“

„Na, das sind ja tolle Aussichten«, sagte Juliane und zückte eine Feder. »Aber ich versuche mein Bestes. Die Chronisten in Norvarun haben schließlich nicht die Möglichkeit, deine Zeit hier festzuhalten.« Sie überflog ein kurzes Stück Text und fügte hinzu: „Ganz besonders die über deine Freundschaft zu Aryon.“

Merodan schnaubte höhnisch. „Habe ich Freundschaft gehört? Ein Freund verhält sich anders. Der macht sich nicht zum Knecht eines Magiers, der würde mir zur Flucht verhelfen.“

Aryon räusperte sich etwas ungehalten. Das konnte ja noch gut werden. „Du langweilst mich, Merodan. Dieses Lied hast du schon oft genug gesungen. Juliane hat recht. Niemand sonst wird über deine Geiselhaft berichten, und es liegt bei dir, wie der Bericht ausfällt. Bedenke, wie viele Leute das lesen werden. Wenn du Juliane verärgerst, könnte sie ja auch schreiben, dass du unentwegt auf den Knien um Gnade gewinselt hast.“

Ein Grinsen huschte über Julianes Gesicht, denn das war in der Tat ein verlockender Gedanke. „Eine Flucht würde doch einem stolzen Krieger wie dir gar nicht gut zu Gesicht stehen. Bedenke, was die Leute sagen könnten und wie lange du bei Aryon in der Schuld stündest.“ Sie hob die Feder und notierte etwas. „Wie behandelt man dich hier? Gibt es, außer der Tatsache, dass du den Raum nicht verlassen kannst, etwas zu beanstanden?“

Merodan warf ihr einen misstrauischen Blick zu. Man sah es ihm an, dass er sich überwinden musste, bevor er antwortete: „Man behandelt mich wie ein einen kostbaren Vogel, der bitteschön singen soll. Aber solange er im Käfig sitzt, wird er nicht singen.“

„Das heißt man befragt dich?“ Sie schielte zu Aryon. „Ist das deine Aufgabe?“

„Nein, man versucht, mich zu beeinflussen. Ausgerechnet durch den da. Ein einfältiger Bauernbursche, der noch nichts von den Schlechtigkeiten der Menschen weiß und der keine Ahnung hat, wie man mit ihnen umgehen muss.“

„Ist dem so, Aryon?“, fragte Juliane, während sie hektisch die ersten Antworten niederschrieb.

„Lächerlich! Frag ihn doch mal, wie ich mit ihm umgegangen bin. Er bildet sich viel ein auf seine Stärke, aber ich war es, der ihm die angemessene Demut vor meiner Kraft beigebracht hat.“

„Ja, mithilfe von Magie.“

„Na und? Jeder nutzt die Mittel, die ihm zu Gebote stehen. Also steig herunter von deinem hohen Ross und antworte vernünftig auf Julianes Fragen.“ Aryon blinzelte zu ihr hinüber. „Mich kannst du alles fragen, natürlich bis auf das, was ich nicht preisgeben kann.“ Er grinste.

Juliane wiegte den Kopf. „Ihr seid wie Katz und Maus – schwierig, da den Fettnäpfchen auszuweichen. Aber ein bisschen weniger Arroganz stünde dir ganz gut, Merodan. Ich denke nicht, dass es in deinem Sinn ist, wenn die Nachwelt dich als streitsüchtigen, kleinlichen Mann in Erinnerung behält, der erst um sich beißt, bevor er nachdenkt. Wieso glaubst du, dass Aryon es böse mit dir meint? Weil er dich schon einmal besiegt hat?“

„Ich sagte es bereits, er ist nicht böse, er ist einfältig, weil er glaubt, ich würde auf seine schmeichlerischen Worte hereinfallen. Und die sollen nur bewirken, dass ich alles vergessen soll, was mich ausmacht, und mit meinen Feinden, den Abbaranen, den Bruderkuss tausche.«  Er warf Juliane einen scharfen Blick zu. „Darf ich dir dazu auch eine Frage stellen?“

„Sicher darfst du Fragen stellen.“ Juliane warf ihm einen neugierigen Blick zu.

„Weshalb glaubst du, haben sie ausgerechnet Aryon zu mir geschickt? Na, was meinst du? Du bist doch eine kluge Frau, nicht wahr?“

„Die Frage hast du dir doch selbst schon beantwortet.  Weil er nicht böse ist und es ehrlich mit dir meint. Wenn du mal deine Vorurteile beiseite schiebst und anfängst, tiefer zu sehen, würdest du mitbekommen, dass Aryon nicht dein Feind ist“, sagte Juliane und beobachtete die beiden ungleichen Männer. »Dann würdest du auch erkennen, dass Aryon es ehrlich mit dir meint. Und dass er dich gern als Freund gewinnen würde.“ Mit einem Flüstern fügte sie hinzu: „Wenn nicht mehr …“

Merodan kniff die Augen zu einem Spalt zusammen. „Wenn nicht mehr?“, zischte er. „Was willst du denn damit andeuten?“

Juliane räusperte sich. „Naja, es ist schon ziemlich offensichtlich …“ Sie deutet auf Aryon und sah ihn auffordernd an. „Willst du dich nicht dazu äußern?“

Aryon errötete leicht. Was ihn anging: Er war schon bei ihrer ersten Begegnung bereit gewesen, aber Merodan sah ihn viel zu giftig an, als dass er es gewagt hätte, ihn jetzt schon offen zu reizen.

„Na los, antworte der Dame!“, höhnte Merodan. „Sie hat dich etwas gefragt.“

Aryon hüstelte. „Also gut. Der Magier kennt meine Neigung, vielleicht hat er sie mit einkalkuliert. Merodan ist ein sehr schöner Mann, und ich bin auch nicht gerade unansehnlich.“

Merodan wich gleich zwei Schritte zurück. „Neigung? Welche Neigung? Und was kümmert dich mein Aussehen?“ Er sah Juliane entsetzt an. „Kannst du mir sagen, was er damit sagen will?“

Juliane tippte mit ihrer Feder aufs Papier. Sie sah ein, dass es wohl kaum zu einem Interview kommen würde, da hier andere Dinge wichtiger waren. „Also ich finde, dass Aryon sehr offen und direkt war. Was für eine Antwort brauchst du denn noch? Er bevorzugt die Gesellschaft von Männern.“ Sie deutete zum Bett hinüber, um alle Missverständnisse auszuräumen. „Und er hat dir gerade gesagt, dass er dich gutaussehend findet und …“ Sie ließ den Satz offen.

Merodan hob die Hände. „Soll das heißen, ich soll mich von einem Mann berühren lassen?“ Seine Stimme, die sonst immer sehr beherrscht herüberkam, überschlug sich fast.

„Ist das ein so schrecklicher Gedanke für dich?“ Sie räusperte sich. „Um ehrlich zu sein, passt eine Frau noch weniger zu dir. Die verachtest du schließlich mehr als Männer.“

„Was nicht heißt, dass sie nicht nützlich sind. Auch im Bett.“

Aryon hatte mit so einer Reaktion gerechnet und schaute wie unbeteiligt zur Decke.

»Wundervoll, worauf du eine Frau reduzierst. Da kann ich mich ja geehrt fühlen, dass du mit mir redest.“

Merodan konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Das habe ich doch schon zu Anfang durchblicken lassen.“ Dann wurde er plötzlich unruhig, ging zum Fenster und wieder zurück. „Männer liegen mir tatsächlich mehr“, murmelte er wie zu sich selbst. „Allerdings …“

„Allerdings?“

„Darüber will ich nicht sprechen.“

Aryon verschränkte die Arme. „Ach! Hast du ein Geheimnis? Das würde ich auch gern kennenlernen. Na sag schon! Juliane geht sowieso nicht, bevor sie nicht alles von dir weiß.“

„Gibst du alles preis von dir?“

„Ich bin nur ein einfältiger Bauernbursche, völlig uninteressant für Juliane – im Gegensatz zu dir, tapferer Krieger und stolzer Tadramane!“

„Verhöhnen kann ich mich allein. Glaub nicht, dass ich ein Wort davon vergessen werde.“

„Wann? Wenn wir erst richtig dicke Freunde sind?“

„Träum weiter.“ Merodan starrte Juliane unschlüssig an. „Also, was willst du wissen?“

„Was du grad nicht sagen willst. Du hast da eben eine Andeutung gemacht, über die wir gern ausführlicher unterrichtet werden möchten. Männer liegen dir also mehr als Frauen …?«

„Als Gesellschaft meinte ich. Und einmal, da gab es einen Mann – ich dachte, er sei mein Freund, aber er wollte etwas ganz anderes von mir, etwas Unaussprechliches. Ich meine, wenn man es mit einem Mann, statt mit einer Frau macht, dann ist es das.“

Aryon verdrehte die Augen. „Man kann es auch kompliziert ausdrücken.“

Juliane sah verwirrt zu Merodan. „So ganz konnte ich dir jetzt auch nicht folgen. Ist es was? Unehrenhaft? Verboten?“

„Beides würde ich sagen. Es ist so – so unnatürlich, oder nicht?“

„Hm … wenn du Liebe als etwas Unnatürliches ansiehst, dann wahrscheinlich schon. Aber ich persönlich finde nicht, dass es unnatürlich ist.“

„Unnatürlich, doch vor allem gefährlich. Du sprichst von Liebe, das ist mir fremd. Sprechen wir lieber von Begierde. Und wenn ein Mann einen anderen begehrt, dann ist er ihm ausgeliefert, dann ist er der Schwächere. Aber ein Mann erträgt es nicht, wenn ihn seine Gefühle einem anderen Mann unterlegen machen. Das ist ein unerträglicher Zustand. Mit einer Frau kann das gar nicht erst eintreten.“

Juliane überdachte seine Antwort und schüttelte den Kopf. „Du widersprichst dir teilweise. Einerseits ist dir die Liebe fremd, andererseits sprichst du davon, dass die Gefühle dafür sorgen, dass man unterlegen ist. Kannst du dir nicht vorstellen, gleichberechtigt zu sein – weder über- noch unterlegen?“

„Nein!“ Merodan presste die Lippen zu einem Strich zusammen.

„Mir scheint, du hast so etwas bereits erlebt“, murmelte Aryon. „Sonst würdest du diesen Zustand gar nicht kennen.“

Juliane machte einige Notizen auf ihrem Blatt. „Hat Aryon recht? Du hast da was angedeutet, Merodan …“

„Ich deute gar nichts an. Ich weiß einfach, wie es läuft.“

„Und du denkst, weil du einmal etwas Schlechtes erlebt hast, wird es immer so sein? Ziemlich engstirnig, findest du nicht auch? Heißt es nicht auch hier, dass man gleich wieder aufs Pferd steigen soll, wenn man abgeworfen wurde?“ Juliane sah sich auf der Suche nach etwas Wasser im Raum um. Allmählich wurde ihre Kehle vom Diskutieren trocken.

Während Aryon sofort einen Krug aus der Ecke holte und ihr einschenkte, schien Merodan durch sie hindurch zu starren. „Nicht ich wurde vom Pferd geworfen“, flüsterte er. „Ich stieß ihn aus dem Sattel. Ich habe es getan, weil ich …“ Er zögerte und warf Aryon einen vorsichtigen Blick zu. „Weil ich merkte, dass ich ihm sonst das ganze Pferd überlassen würde. Er hatte mich angefasst, und ich wusste, wenn ich das weiterhin dulde, bin ich verloren. Wir trennten uns im Zorn. Er glaubte, ich würde ihm nie verzeihen, aber er irrte sich. Ich konnte es mir nicht verzeihen, dass ich es genossen hatte.“ Merodan holte tief Luft. „So, das ist die Wahrheit. Jetzt habt ihr beide endlich euren Willen. Hast du das alles auch gut aufgeschrieben, damit die ganze Welt über mich lachen kann?“

Juliane nickte Aryon dankend zu und trank einen Schluck. „Warum sollte die Welt über dich lachen? Ein wahrer Herrscher ist auch in der Lage, sich Fehler einzugestehen und zu versuchen sie wieder gut zu machen.“ Sie legte die Feder beiseite. „Und ich habe bisher kaum etwas aufgeschrieben, weil du erstmal zu dir selbst finden musst, bevor du überhaupt Fragen beantworten kannst.“

Aryon grinste nur. „Danke, Juliane, dass du Merodan gegenüber so feinfühlig bist. Jetzt kann ich mir ja doch noch Hoffnungen machen?“ Er blinzelte Merodan zu.

„Bilde dir keine Schwachheiten ein, Angorner!“, schnaubte Merodan. „Das fehlte noch, dass ich mich dir ausliefere.“

„Wenn ich dich morgen besuche, komme ich nackt zu dir, dann werden wir ja sehen, wie standhaft du bist.“

„Lieber hänge ich mich an meinem Gürtel auf.“

„Aber bitte erst danach.“

Merodan sah Juliane an. „Was sagst du als Frau zu diesem unkeuschen Ansinnen? Würdest du das dulden, wenn dich plötzlich ein nackter fremder Mann besuchte?“

Juliane biss sich auf die Unterlippe um ein Lachen zu unterdrücken. „Um ehrlich zu sein, würde mich das nur bedingt stören. Aryon ist wirklich ein gutaussehender Mann, Aber für mich wäre das nichts – ich bevorzuge doch eher den Körper einer Frau. War das nicht feinfühlig, Aryon?“

Aryon schlug sich die Hand vor die Stirn. „Auch das noch! Merodan muss ja glauben, vor einem Abgrund zu stehen. Hättest du ihm das nicht schonender beibringen können?“

Merodan schaute lediglich verblüfft. „So etwas gibt es auch?“

„Irgendwann läuft auch mir die Zeit weg, Aryon. Ich habe nicht unbegrenzt Zeit – also warum um den heißen Brei herumreden?“ Sie erhob sich und trat einige Schritte auf Merodan zu. „Warum sollte es das nicht geben? Frauen können, wenn sie sich verlieben,  dabei durchaus das eigene Geschlecht bevorzugen.“

Merodan wich vor ihr zurück. „Ach so, naja, das habe ich nicht gewusst. Ganz Khazrak scheint ja ein Pfuhl der Sündhaftigkeit zu sein.“

„Sagen wir, ein Ort des unverkrampften Vergnügens“, schlug Aryon vor. „Und du wirst auch nicht als Geisel sterben, ohne vorher von mir geküsst zu werden. Jetzt bin ich zuversichtlich, dass du doch noch eine große Zukunft vor dir haben wirst. Dein Eis schmilzt so langsam.“

„Na dann habe ich ja doch etwas erreichen können, auch wenn ich kaum Fragen stellen konnte.“ Juliane grinste Aryon zu.

„Ist es so, wie Juliane sagt?“, fragte Aryon.

Merodan verschränkte die Arme und drehte sich um. „Weiß nicht, habe gar nicht hingehört.“

Aryon zwinkerte Juliane zu. „Was hältst du davon?“

„Ich denke, Merodan hat heute viel von sich preisgegeben, aber du kennst ihn ja. Da wirst du noch viel Geduld aufbringen müssen, aber ich bin mir sicher, dass es sich lohnen wird.“ Sie erhob sich lächelnd. „Ich muss allmählich zurück. Allzu lange darf ich in dieser Zeit nicht verweilen.“ Sie beobachtete die beiden ungleichen Männer und hatte das gute Gefühl, dass sie sich trotz allem ein wenig nähergekommen waren. „Ich wünsche euch einen schönen Tag und morgen noch einen Besseren.“ Sie zwinkerte Merodan zu. „Danke, dass ich für kurze Zeit hier sein durfte,  ohne dass du mich erwürgt hast.«

»Das hätte ich getan, wenn Aryon dich nicht mit seiner Magie beschützt hätte.«

Aryon lächelte milde. «Danke, Juliane, dass du gekommen bist. Du hast damit mehr bewirkt, als ich in all den Tagen, wo ich mich vergeblich an dem Eisberg abgearbeitet habe.“ Er wandte sich an Merodan: „Hast du gehört? Juliane muss gehen. Ich bringe sie hinaus.“

„Wünsche noch einen schönen Tag“, knurrte Merodan.

„Na dann, bis morgen.“

„Aber nicht nackt.“

„Soll ich denn wiederkommen?“

Es trat eine Stille ein. Dann brummelte Merodan etwas. Aryon fragte Juliane: „Hast du verstanden, was er gesagt hat?

Sie grinste. „Es hat sich nach „Ja, bitte“ angehört.“

[ROMAN] Anamarnas Prophezeiung von Jutta Ahrens

Autor: Jutta Ahrens
Taschenbuch: 691 Seiten
ISBN: 978-1520459851
Preis: 2,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem dem Magier Lukir all seine Kräfte verloren wurden und man ihn aus dem Inselreich Lyngorien verbannt hat, fängt er in Achlad ein neues Leben an. Doch es hält ihn nicht lang bei der einfachen Bevölkerung, wenngleich er sich als Talmane (Heiler) einen Namen gemacht hat. Lukirs Ziele liegen darin, seine Macht zurückzugewinnen und er schreckt auch nicht vor einem riskanten Selbstversuch zurück, der ihn zu einem nachtwandelnden Bluttrinker macht, der fortan nicht mehr altert. Jahrzehnte wandert er durch die Länder und zieht eine Spur aus Leichen hinter sich her, bis er im Kampf den jungen Aryon ebenfalls zu einem Bluttrinker macht. Fortan ist auch Aryon gezwungen in der Nacht zu wandeln, allerdings findet er mithilfe seines Freundes Rymor heraus, dass es Alternativen zum Bluttrinken gibt.

Das Schicksal will es, dass es beide Männer in Khazrak, in die Hauptstadt des Abarranenstammes verschlägt, wo Lukir auf den Magier Taswinder trifft, der ebenfalls auf Lyngorien. Während sich Lukir als Heiler durchschlägt, erhält Aryon den Auftrag sich um die Geisel Merodan zu kümmern – einen verstockten jungen Mann, der jeden als Feind ansieht. Mit der Zeit wird Taswinder zu einem immer größeren Problem, denn den abtrünnige Magier sehnt sich nicht nur nach Unsterblichkeit, er ist auch auf der Suche nach magischen Steinen, die dem Besitzer schier unendliche Macht verleihen. Schon bald müssen Lukir, Aryon, Merodan und Rymor zusammenarbeiten, um dem größenwahnsinnigen Taswinder Einhalt zu gebieten …

Eigene Meinung:
Mit „Anamarnas Prophezeiung“ legt Jutta Ahrens eine knapp 800 Seiten starke Fantasy-Trilogie vor, die ein Spinoff der Fantasy-Saga „Lacunars Fluch“ ist. Beide Geschichten spielen in derselben Welt (die glücklicherweise nicht von den typischen Fantasyrassen – Zwerge, Elfen, Orks – bevölkert wird), allerdings liegt der jeweilige Fokus auf verschiedenen Charakteren, ebenso spielen die Geschichten zu unterschiedlichen Zeiten. Man kann sie also problemlos getrennt voneinander lesen.

Inhaltlich braucht man etwas, um in die Fantasywelt einzutauchen und die verschiedenen Charaktere kennenzulernen. Dementsprechend langatmig erscheint dem Leser der Anfang der Geschichte, in der man Lukir und seine Wandlung in einen Bluttrinker verfolgt. Im Grunde ist dieser Abschnitt lediglich eine Einleitung, denn wirklich spannend wird es erst, als die Charaktere in Khazrak sind und sich Taswinder zunehmend zu einem Problem entwickelt. Erst dann fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen, da man wissen möchte, wie die unterschiedlichen Figuren gegen die Probleme ankämpfen, die ein größenwahnsinniger Magier mit sich bringt. Hier zeigt sich dann auch die Komplexität der Geschichte, denn Jutta Ahrens begnügt sich nicht mit einfachen Lösungen, sondern versucht viel Abwechslung in Form von überraschenden Wendungen einzubauen. Das gelingt ihr meistens, hin und wieder verliert sie jedoch den roten Faden ein wenig oder widerspricht sich in einigen Dingen, die vorher anders erzählt wurden.
Nichtsdestotrotz ist die Grundidee mit den magischen Steinen spannend, ebenso die Ausarbeitung. Dank der vielen Charaktere, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, erhält man einen guten und umfassenden Überblick und kann sich ein gutes Bild der jeweiligen Situation machen. War es zu Beginn schwierig, die vielen Blickwinkel zu sortieren und die jeweiligen Perspektiven zu lesen, so bietet der auktoriale Erzählstil dem Leser die Möglichkeit alle wichtigen Details mitzubekommen und die Hintergründe komplett zu erfahren. Dabei wird nie zu viel verraten – es bleibt durchweg spannend und actionreich. Leider wirkt das Ende ein wenig gehetzt und irgendwie unvollständig, was daran liegt, dass Jutta Ahrens noch einen Passus eingebaut hat, der in meinen Augen nicht unbedingt notwendig gewesen wäre.

Die Charaktere sind interessant und vielseitig, stimmungsvoll in Szene gesetzt und sehr individuell. Jutta Ahrens gelingt es spannende Stereotypen zu entwickeln, die zwar einem bestimmten Bild entsprechen, aber dennoch für einige Überraschungen gut sind. Ganz besonders Lukir ändert sich im Laufe der Zeit, ebenso Merodan und Aryon. Alle Charaktere handeln in sich logisch und reagieren passend zu den Dingen, die um sie herum vonstattengehen. Da der Leser rund zehn Figuren näher kennenlernt und die jeweiligen Perspektiven mitbekommt, findet schnell seine Lieblinge. Ein wenig schade ist es, dass es fast keine weiblichen Figuren gibt – nur am Rande kommen zwei Frauen vor, die ein wenig mehr ins Gewicht fallen.

Stilistisch ist „Anamarnas Prophezeiung“ zunächst gewöhnungsbedürftig – Bücher in auktorialem Erzählstil sind heutzutage eher selten, so dass man ein wenig braucht, um sich an die beständigen Perspektivsprünge und Personenwechsel zu gewöhnen. Deswegen findet man erst im Laufe der Zeit Zugang zu den Figuren und der komplexen Geschichte. Spätestens dann zeigen sich jedoch die Vorteile von Jutta Ahrens‘ Stils – dank des dreidimensionalen Stils kann man das große Ganze wesentlich besser erfassen und tiefer in die Geschichte eintauchen, als wenn alles nur aus einer Perspektive erzählt worden wäre.
Ansonsten überzeugt Jutta Ahrens mit einem flüssigen, soliden Stil, einem Händchen für Spannung und erotischen Szenen, die manchmal ein wenig hölzern klingen. Dennoch liest sich „Anamarnas Prophezeiung“ flüssig und macht durchaus Lust auf mehr – insbesondere auf „Lacunars Fluch“, insofern man den noch nicht kennt.

Fazit:
„Anamarnas Prophezeiung“ ist eine gelungene Fantasy-Trilogie, die zwar ein wenig Zeit braucht, um anzulaufen und durch die auktoriale Erzählweise zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, jedoch schnell an Spannung und Action aufbaut. Jutta Ahrens überzeugt mit interessanten und logisch handelnden Figuren, einer spannenden Grundidee und einer sehr komplexen Geschichte, die erst durch die vielen Perspektiverträger zum Tragen kommt. Wer ungewöhnliche Fantasyromane ohne die klassischen Rassen sucht und vor dem Umfang nicht zurückschreckt, sollte der Trilogie eine Chance geben – es lohnt sich.

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[ROMAN] Dunkle Schatten von Rhys Ford

Autor: Rhys Ford
Taschenbuch: 300 Seiten
ASIN: B01GP58JDS
Preis: 5,14 EUR (eBook)
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Story:
Der drogensüchtige Kismet kann schon immer albtraumhafte, blutrünstige Schattenwesen sehen, denen er nur während eines Drogenrauschs entfliehen kann. Dass seine neuen Drogen die Visionen eher verstärken und ihn nach und nach auf die Seite hinter dem Schleier ziehen ahnt er nicht, ebenso wenig, dass die vier apokalyptischen Reiter auf ihn aufmerksam werden, bringt er doch ein fragiles Gleichgewicht in Gefahr. Doch auch andere Unsterbliche entwickeln ein gesteigertes Interesse an Kismet, denn der Mensch hat sich durch den neuen Drogencocktail weiterentwickelt und wird mehr und mehr zum Unsterblichen. Schon bald liegt es an den Reitern den jungen Mann zu schützen, wobei Colm alias Pestilenz schon bald ein tiefergehendes Interesse an Kismet entwickelt …

Eigene Meinung:
„Dunkle Schatten“ ist der erste Band der „Ink and Shadows“-Reihe von Rhys Ford und erschien bei Dreamspinner Press. Der Autor hat sich im Gay Genre bereits einen Namen gemacht – es liegen etliche Einzelromane und Reihen vor – teils auch in deutscher Sprache. Eine Fortsetzung von „Dunkle Schatten“ mag angedacht sein, ist bisher jedoch nicht in Sicht, dabei gäbe es durchaus genügend Potenzial und offene Punkte, um die Geschichte von Kismet und den vier Reitern fortzuführen.

Rhys Ford hat sich ein düsteres, sehr komplexes Setting ausgedacht, das man erst im Laufe der Zeit begreift und erfasst. Das liegt vor allem daran, dass er kaum ein Wort über die Hintergründe verliert und den Leser gerade zu Beginn ein wenig im Stich lässt – sicherlich hätte man nicht alles bis ins kleinste Detail erzählen müssen, doch eine gewisses Basiswissen hätten den Einstieg in die Handlung spürbar erleichtert. So hat man einige Schwierigkeiten, durch den mythologischen Grundplot zu steigen und braucht lange, um sich auf die ungewöhnliche Geschichte einzulassen. Dabei ist „Dunkle Schatten“ durchaus spannend und bietet ein gut durchdachtes, sehr mystisches Abenteuer, das von blutigen Kämpfen, viel Action und ungewöhnlichen Charakteren bestimmt wird. Wer auf romantische oder gar erotische Szenen hofft ist bei Rhys Fords Roman an der falschen Adresse – zwar gibt es hin und wieder einige stimmungsvolle Momente zwischen Tod (Shi) und Krieg (Ari) oder Kismet und Pest Colm), aber auf mehr als einen Kuss darf man sich als Leser nicht freuen. Stattdessen wird die Handlung vorangetrieben, um nach und nach die Gegner und deren Beweggründe zu enthüllen.

An einigen Punkten schleichen sich jedoch auch Unstimmigkeiten in die Geschichte, ganz besonders beim Endkampf scheint der Autor seine eigenen Regeln zu vergessen, die er für die Unsterblichen entwickelt hat – was das Finale ziemlich unlogisch macht. Wer darüber hinwegsehen kann, den erwartet trotzdem ein schönes, actionreiches und blutiges Ende.

Ein großer Pluspunkt sind die Charaktere, die „Dunkle Schatten“ bevölkern. Rhys Ford greift mehrere mythologische Wesen und Aspekte auf, denn es gibt neben den Menschen nicht nur die vier apokalyptischen Reiter, sondern eine Vielzahl verschiedener Unsterblicher, darunter die Tugenden (Frieden, Güte, Hoffnung, Glaube), Sidhe und Un-Sidhe, Trolle und Dunkelelfen. Sie alle halten sich normalerweise hinter dem Schleier im Dunklen auf, der auch die Schattenwesen hervorbringt, die sich hin und wieder in die Realität verirren. Ganz besonders gut gelungen sind die vier Reiter, die zwar Unsterbliche sind, jedoch (wie alle ihrer Art) ganz normal verletzt und sogar getötet werden können – selbst Tod könnte mit einem gezielten Angriff zur Strecke gebracht werden. Mitunter kommen sie dem Leser ein wenig schwächlich vor, doch es passt zu Rhys Fords Geschichte und seinen Grundideen, keine Überwesen zu erschaffen, sondern Figuren, die eine Menge Schwachpunkte haben und dadurch sympathischer werden.
Auch Kismet ist gut gelungen – er ist authentisch und gut nachvollziehbar, gerade wenn es um seine Drogensucht geht.

Stilistisch ist „Dunkle Schatten“ sehr stimmungsvoll und atmosphärisch dicht umgesetzt worden. Rhys Ford hat einen sehr düsteren, mitunter auch blutigen Schreibstil, der gerade in den Kampfszenen zum Tragen kommt. Doch auch die ruhigeren Zwischensequenzen, in denen sich Colm und Kismet näherkommen oder Tod und Krieg ihre persönlichen Grabenkriege ausfechte sind toll umgesetzt und machen Spaß. Auch die Beschreibungen der Städte und der Hintergründe ist gelungen, so dass man nach einer Weile in die ungewöhnliche Geschichte eintauchen kann.

Fazit:
„Dunkle Schatten“ ist ein gelungener Mystery-Roman, dessen großer Pluspunkt bei der komplexen Hintergrundwelt und den ungewöhnlichen Hauptcharakteren liegt. Man braucht zwar ein wenig, um sich auf die mitunter etwas blutige Handlung einlassen zu können und den Grundplot zu verstehen, doch hat man erstmal den Einstieg geschafft, erwartet den Leser eine gelungene Mischung aus Action, Spannung und Dramatik, die durchaus Lust auf mehr macht. Bleibt zu hoffen, dass Rhys Ford die Geschichte fortführt – Potenzial für einen weiteren Band ist definitiv vorhanden.

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[BLOGTOUR] Berlingtons Geisterjäger – Anderswelt: Was ist Steampunk?

Uhr (c) Steampunker.de

Hallo ihr Lieben,

heute macht die Blogtour von „Berlingtons Geisterjäger“ bei mir Station (meine Kritik zum Roman „Anderswelt“ könnt ihr hier nachlesen) und ich darf euch das Genre Steampunk ein wenig näherbringen 🙂 Ich bin ein Fan dieses besonderen Stilrichtung, die sich nicht nur im Literaturbereich niederschlägt (auch wenn sie 1980 da ihre Anfänge genommen hat), sondern sich auch im Film, in der Musik und in der Mode etabliert hat. In gewisser Weise hat sich Steampunk zu einer eigenständigen Subkultur entwickelt, die sich wiederum in viele Untergruppen aufsplittet (Teslapunk, Dieselpunk, Clockpunk). Doch ich beschränke mich an dieser Stelle auf den reinen Steampunk – wer mehr erfahren will findet einen guten, übersichtlichen Artikel auf Wikipedia.

Buchcover (c) Loewe

Begriffserklärung:
Steampunk kommt aus dem englischen und setzt sich aus den Wörtern „Steam“ (Dampf) und „Punk“ (Punk, wertlos, mies) zusammen. Meistens sind Geschichten und Hintergründe im 19. Jahrhundert angesiedelt, sprich Steampunk spielt für mich in der viktorianische (England) oder wilhelminischen (Deutschland) Zeit, gepaart mit Technik, Dampf, Abenteuer und Krimi. Auch fantastische Komponente (wie in Amalia Zeichnerins Romanen) sind nicht selten und werden mit eingebaut. Häufige Elemente sind natürlich Zahnräder und dampftechnische Gimmicks, viktorianische Kleidung und eine gewisse Abenteuerromantik wie man sie in den Büchern von Jules Verne und H.G. Wells wiederfindet, die mit ihren Klassikern das Genre maßgeblich geprägt haben. Natürlich haben sie, aus ihrer Zeit heraus betrachtet, eher Sci-Fi Romane geschrieben, denn ihre Geschichten waren zu ihrer Lebzeit visionär und futuristisch: hochpräzise Uhrwerke, Dampftechnologie und verrückte Erfindungen und Maschinen kamen oftmals in ihren Romanen vor. Heutzutage sind gerade „20.000 Meilen unter dem Meer“, „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und „Die Zeitmaschine“ nicht nur Klassiker, sondern spiegeln thematisch das Steampunk-Genre wider.

Die grobe Richtung des Steampunk-Genres spiegelt sich in folgender Frage wider: Was wäre, wenn sich die Dampftechnik der viktorianischen Zeit in einer ähnlichen Form weiterentwickelt hätten, wie die heutigen elektronischen, digitalen Errungenschaften; wenn die Dampftechnologie und die Uhrwerkmechanik den gleichen Stellenwert einnehmen würden, wie Internet und Computer?

typisches Steampunk-Paar (c) Wikipedia)

Kultur
Heutzutage gibt es eine Menge Steampunk-Romane – gerade im englischsprachigen Raum boomt das Genre. In Amerika, England und auch in Deutschland finden jährlich Conventions statt, in den Geschäften findet man sehr erfolgreiche Romane (u.a. „Glasbücher der Traumfresser“, „Newbury&Hobbes“- Reihe, „Lord Darcy“, „Chroniken der Weltensucher“), Comics (u.a. „Steam Noir“, „Monsieur Noir“) und Filme („Wild Wild West“, „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, „Die Stadt der verlorenen Kinder“, „Time Maschine“), die sich thematisch dem Steampunk und deren Subgenre zuordnen lassen. Zudem ist Steampunk eine eigene Moderichtung und Kunstform, in der nicht nur extravagante, mit technischen Gimmiks verziert Kleidung getragen wird, sondern auch Skulpturen, eigene Dampfmaschinen und Alltagsgegenstände (vom Computer bis zum Auto) im passenden Look gestaltet werden. Rollenspielfans können aus unterschiedlichen Reglsystemen wählen – „Castle Falkenstein“, „Midgard – Abenteuer 1880“, „Call of Cthulhu“, „Private Eye“ bieten eine breite Palette unterschiedlicher Settings. Zu guter Letzt gibt es eine etliche Musiker und Bands, die sich stilistisch und thematisch mit dem Phänomen Steampunk auseinandersetzen und versuchen das Lebensgefühl des Genres zu vertonen („Drachenflug“, „Abney Park“, „Vernian Process“ und „Pentaphob“).

Steamdrache Fuchur (c) Tony Reintelseder

Wie man sieht bietet sich dem Fan inzwischen eine breite Palette an Produkten aus denen man wählen kann. Dennoch zählt gerade bei der Mode und der Kunstform ein hohes Maß an eigener Kreativität und Do-it-Yourself – Mentalität – das Verzieren und Gestalten von Kleidern, Gimmicks und Skulpturen erfolgt nach keinen Regeln und wird traditionell handgemacht. Natürlich gibt es auch Shops, die entsprechende Outfits anbieten, wirkliche Steampunk-Fans legen jedoch Wert auf die Umsetzung eigener Konzepte und Ideen.

Wer mehr erfahren will, sollte sich auf folgenden Seiten umsehen:
Steampunker.de
Clockworker.de
Steampunk Magazine (englisch)
Steamtropolis (deutsche Convention)
Aethercircus (deutsche Convention)

Gewinnspiel
Ich hoffe ich konnte euch das Steampunk-Genre ein wenig näher bringen und euch neugierig machen. Wie bereits angekündigt, könnt ihr im Rahmen der Blogtour auch etwas gewinnen. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, wird auf jedem teilnehmenden Blog eine Tagesfrage gestellt, die ihr beantworten müsste – je mehr Antworten ihr gebt, umso größer eure Chancen, denn man kann jeden Tag ein Los sammeln!

Meine Tagesfrage lautet:
Was denkt ihr – wie wäre die Welt heute, wenn sich die Technik in Richtung Dampf – und Uhrwerkmaschinerie entwickelt hätte? Könntet ihr euch ein solches Leben (ohne Elektrizität, Internet etc.) vorstellen?

Teilnahmebedingungen
Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen. Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von CP – Ideenwelt organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Sollte der Gewinner sich im Gewinnfall nach Bekanntgabe innerhalb von 7 Tagen nicht bei CP-Ideenwelt melden, rückt ein neuer Gewinner nach und man hat keinen Anspruch mehr auf seinen Gewinn.
Das Gewinnspiel endet am 11.02.2016 um 23:59 Uhr.

Blogtourfahrplan
04.02. – Elchi’s World of Books  – Das Buch und die Autorin
05.02. – Lunas Leseecke (hier bei mir) – Vorstellung der fünf Hauptcharaktere
06.02. – Like a Dream – Was ist Steampunk?
07.02. – Bookwormdreamers – Was ist Gothic Horror?
08.02. – Traumfantasiewelten – Spiritismus, Séancen und Parapsychologie im 19. Jhd.
09.02. Sabrina’s Welt der Bücher – Homosexualität im 19. Jahrhundert
10.02. – Tausend Leben – Die viktorianische Epoche
11.02. – Letannas Bücherblog – Hexen in der Urban Fantasy
12.02. – Gewinnerbekanntgabe auf allen Blogs (Hinweis: Die Gewinnerbekanntgabe fällt bei mir leider aus, da ich am 12.02. keine Möglichkeit habe, einen Blogbeitrag zu schreiben. Bitte schaut bei den anderen Bloggern nach – Danke)

Liebe Grüße,
Juliane

[ANKÜNDIGUNG] Blogtour: Berlingtons Geisterjäger

Hallo ihr Lieben,

gestern habe ich euch den Roman „Belingtons Geisterjäger – Anderswelt“ vorgestellt, ab 04.02.2017 findet eine Blogtour zum Roman statt, an der ich natürlich ebenfalls teilnehme. Als Steampunk-Fan freue ich mich euch am 06.02. mehr über das Genre Steampunk erzählen zu dürfen – ich verspreche, dass ich mich kurz fasse 😉

Folgende Blogger nehmen ebenfalls an der Tour teil:

04.02.2017 – Das Buch und die Autorin – Elchi’s World of Books
05.02.2017 – Vorstellung der fünf Hauptcharaktere – Lunas Leseecke
06.02.2017 – Was ist Steampunk? – bei mir
07.02.2017 – Was ist Gothic Horror? – Bookwormdreamers
08.02.2017 – Spiritismus, Séancen und Parapsychologie im 19. Jh. – Traumfantasiewelten
09.02.2017 – Homosexualität im 19. Jahrhundert in England – Sabrinas Welt der Bücher
10.02.2017: Die viktorianische Epoche – Tausend Leben
11.02.2017: Hexen in der Urban Fantasy – Letannas Blog
12.02.2017: Gewinnerbekanntgabe

Und folgendes gibt es zu gewinnen – ihr seht, es lohnt sich jeden Tag reinzuschauen und die Tagesfragen zu beantworten.

 

Wir freuen uns auf regen Besuch und sind gespannt, wie ihr die einzelnen Beiträge findet. Seid gespannt.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Berlingtons Geisterjäger: Anderswelt von Amalia Zeichnerin

Autor: Amalia Zeichnerin
Taschenbuch: 268 Seiten
ISBN: 978-1540846747
Preis: 2,99 EUR (eBook) | 10,00 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Für die irische Hexe Fiona O’Reilly und ihre Kollegin Giselle Butler von der Gesellschaft Friends of the Departed ist das kleine Geisterproblem des jungen Adeligen Victor Berlington keine große Sache – im Gegensatz zu der Angelegenheit, in die sie ungewollt hineingezogen werden, als zwei junge, adelige Gentlemen aus London verschwinden. Einer der Vermissten ist ein Bekannter Victors, der andere ein guter Freund des amerikanischen Privatdetektives Eliott Breeches. Gemeinsam stoßen sie auf einen Ritualkreis und einen Übergang in die mysteriöse Anderswelt, in der grausem Geschöpfe herrschen und nichts ist wie es scheint. Während sich die junge Künstlerin Nica der Gruppe ebenfalls anschließt, um Fiona näher zu kommen, gerät Victor in die Fänge des exzentrischen Dandys Damian Quinn, der nicht ganz menschlich ist und seine eigenen Pläne schmiedet …

Eigene Meinung:
Mit „Anderswelt“ legt die Autorin Amalia Zeichnerin den ersten Teil ihrer „Berlingtons Geisterjäger“ – Reihe vor. Der Roman wartet mit einer Mischung aus Horror, Steampunk, Urban Fantasy und Gay/Lesbian Romance auf und bietet daher eine facettenreiche und sehr abwechslungsreiche Geschichte, teils wirkt die Mischung jedoch zu konfus, da viele verschiedene Handlungsstränge und Ideen miteinander vermischt werden.

Inhaltlich bekommt der Leser einen wahren Genre-Mix, der in dieser Form nur selten auf dem deutschen Markt zu finden ist. Rollenspieler wird das Setting ein wenig an das Pen&Paper-RPG „Castle Falkenstein“ erinnern, da sowohl die Zeit, als auch die Anderswelt stark an die Welt des Spiels denken lassen, ebenso die sprunghafte Erzählstruktur. Die Handlung wird aus sechs verschiedenen Perspektiven erzählt, als hätten alle Spielercharaktere einmal zu Wort kommen sollen. Dieser Stil ist sehr gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jedem liegen, da man auf diesem Weg kaum in der Lage ist für die Charaktere Sympathien aufzubauen. Man lernt sie leider nur oberflächlich kennen, fühlt sich zwischen den vielen Perspektiven hin- und hergerissen und hat mitunter Probleme von einer weiblichen Erzählerstimme zu einer männlichen zu wechseln.
Auch sonst schreitet die Geschichte mitunter zu schnell und zu hektisch voran. Die Lösungen werden mitunter zu überstürzt präsentiert – kaum ist das Problem bekannt, wird auch schon eine Lösung gefunden. Da wird viel Potenzial und Spannung verschenkt, denn man hätte da wesentlich mehr aus seinem Geheimnis herausholen können – ganz besonders, da man die Leser ums Miträtseln bringt. Auch in der Anderswelt wirkt alles stark runtererzählt. Es wirkt wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen und Kämpfen, die aber nicht wirklich mitreißen und fesseln können. Das Buch hätte locker 100 Seiten mehr vertragen können, wenn dafür einige Szenen ausführlicher beschrieben und die Lösungen nicht sofort präsentiert worden wären. Auch die historischen Szenerien und Beschreibungen hätten ausführlicher sein können, um sich in das London des 19. Jahrhunderts hineinversetzen können. Sicherlich sind gerade die Modebeschreibungen und etliche historische Begebenheiten sehr schön eingewoben worden, doch auch die Stadt und die Umgebung macht die Atmosphäre des Buches aus.

Die Charaktere lernt man leider nur oberflächlich kennen, da man mit sehr vielen Charakteren konfrontiert wird. In Victor hat man den reichen Adeligen, der mit den Geistern seiner verstorbenen Eltern zu kämpfen hat und unseligerweise an Quinn Interesse findet, ansonsten aber nur wenig zur Handlung beiträgt und fast ein wenig überflüssig wirkt. Leider kann auch Eliott Breeches nur bedingt überzeugen – der Amerikaner ist zumeist laut, unwirsch und von den Ereignissen überfordert. Im Gegensatz dazu nimmt Fiona O’Reilly den Platz der Handlungsträgerin ein, da sie für alle Probleme einen passenden Zauber hat – sei es Kampfmagie oder einen Verteidigungszauber, einen Suchzauber oder tierische Unterstützung in Form einer Elster. Sie kann einfach alles und wirkt daher fast wie eine Mary Sue, was die Sympathien für sie im Laufe der Zeit doch ziemlich dämpft. Dass sie sich in Nica verliebt und mit der Künstlerin zusammenkommt scheint fast obligatorisch. Giselle Butler nimmt ebenfalls eine große Rolle ein, da auch sie über gewisse Fähigkeiten verfügt und die Gruppe auf ihre Art und Weise anführt.
Im Grunde sind die Frauen die starken Geschlechter und treiben die Handlung voran, während die Männer eher unsicher hinterherlaufen und versuchen mit ihren bescheidenen Mitteln zu unterstützen. Hoffentlich wird das im zweiten Teil ein bisschen ausgewogener – so gern ich Geschichten mit starken weiblichen Charakteren lese, es sollte nicht zu aufgesetzt wirken.

Stilistisch ist „Anderswelt“ Geschmackssache – die vielen Perspektivsprünge erschweren das Lesen und reißen einen immer wieder aus der Handlung, kaum dass man sich in eine Figur hineingedacht hat. Hin und wieder sorgen auch die Satzkonstruktionen dafür, dass man aus dem geschehen fliegt, denn einige Formulierungen muten etwas seltsam an. Schade ist auch, dass der Steampunk-Anteil verhältnismäßig klein ist – bis auf einige kleine Randbemerkungen auf Luftschiffe oder andere dampfbetriebene Apparate findet man nur wenig genretypisches in Amalia Zeichnerins Roman. Dafür kommt der Urban Fantasy Aspekt stark zum Tragen, ebenso die Liebesgeschichte zwischen Fiona und Nica, bzw. Victor und Quinn. In beiden Fällen scheut sich die Autorin nicht expliziter zu schreiben, als es zwischen den Pärchen knistert, sprich Fans von Gay und Lesbian Romance kommen durchaus auf ihre Kosten.

Fazit:
„Berlingtons Geisterjäger – Anderswelt“ ist ein interessanter Auftakt einer Reihe, die durchaus Neues zu bieten hat und abseits des üblichen Genre-Einheitsbreis bleibt. Trotz aller Kritikpunkte besticht der Roman durch eine schöne Grundidee und macht durchaus Lust auf mehr, denn die Charaktere haben Potenzial nach oben. Wer mit dem sprunghaften Stil der Autorin keine Probleme hat und auf der Suche nach einer ungewöhnlichen Geschichte ist, sollte „Berlingtons Geisterjäger“ eine Chance geben und zumindest einen Blick in die Leseprobe werfen.

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[MANGA] 23:45 von Ohana

Autor: Ohana
Taschenbuch: 196 Seiten
ISBN: 978-3842025554
Preis: 6,95 EUR
Bestellen: Amazon

Story:
Iku ist ein waschechter Otaku und hat dementsprechend Probleme mit seinen Mitmenschen. Zumeist tut er sich schwer damit mit anderen zu sprechen. Zusätzlich ist er neuerdings in der Lage, Geister zu sehen, denn seit Tagen registriert er auf der Fußgängerbrücke einen jungen Mann, den niemand sonst wahrnimmt. Als dieser sich in Ikus Wohnung einnistet, ändert sich dessen Leben schlagartig. Mimoris fröhliche Art geht Iku näher als er anfangs wahrhaben will und schon bald verbindet die beiden mehr als Freundschaft. Als Iku nach und nach herausfindet, was es mit Mimori auf sich hat, verkompliziert sich die Situation, denn Iku möchte Mimori nicht mehr gehen lassen …

Eigene Meinung:
Der Manga „23:45“ stammt von Ohana, die sich durch Boys Love Doujinshis in Japan einen Namen gemacht hat. „23:45“ ist ihr 2014 erschienenes Debüt, das inzwischen um das Sequel „23:45 Re:“ erweitert wurde. In Deutschland erschien der Manga bei Tokyopop.

Inhaltlich bietet der Manga eine schöne Liebesgeschichte mit leichten Mystery-Elementen und einem Hauch Drama. Glücklicherweise verzichtet die Zeichnerin auf erotische Szenen, so dass sich „23:45“ gut für den Einstieg ins Boys Love Genre eignet und für all diejenigen lohnenswert ist, die mehr Wert auf die Handlung legen. Diese wird in relativ ruhigen Tönen erzählt. Dem Leser wird genügend Platz eingeräumt, um die Charaktere kennenzulernen und sich ein Bild von Iku und Mimori zu machen. Die Suche nach den Hintergründen zu Mimoris Tod ist durchaus spannend und hätte durchaus etwas ausführlicher sein können, denn Ohana schöpft das Potenzial nicht gänzlich aus. Dennoch macht „23:45“ Spaß und kann auch alteingesessene Boys Love Leser überzeugen, da die Zeichnerin versucht die gängigsten Klischees zu vermeiden. In diesem Zusammenhang bleibt zu hoffen, dass Tokyopop auch die Fortsetzung lizensiert, da man durchaus gespannt sein darf, wie Ohana die Geschichte der ungleichen Männer weiterführt.

Die Geschichte besticht besonders durch ungewöhnliche Charaktere, die nur bedingt ins typische Boys Love Schema passen. Sowohl den ruhigen Iku, als auch den offenherzigen Mimori schließt man schnell ins Herz. Beide haben ihr Päckchen zu tragen, wobei der Schwerpunkt auf Iku liegt und die Probleme, die er mit seiner Mutter hat. Nichtsdestotrotz erfährt man auch mehr über Mimori und natürlich auch wie er überhaupt in die Situation gekommen ist, als Geist sein Dasein auf einer Brücke zu fristen.

Zeichnerisch bietet „23:45“ auf jeden Fall etwas für’s Auge, denn Ohana hat einen angenehmen, leichten Stil, der besonders durch hübsche, männliche Figuren besticht. Sowohl Iku als auch Mimori sind gut in Szene gesetzt, wirken weder verzeichnet noch perspektivisch falsch umgesetzt. Auch an den Hintergründen gibt es nichts auszusetzen, zumal Ohana durchaus einen Sinn für Details hat, was die einzelnen Panele nicht ganz so leer wirken lässt. Für alle, die Wert auf schöne Zeichnungen legen, ist „23:45“ auf jeden Fall geeignet.

Fazit:
„23:45“ ist ein gelungener Boys Love Manga, der die üblichen Klischees zu vermeiden versucht und mit einer interessanten Geschichte und ungewöhnlichen Charakteren überzeugen kann. Auch die soliden Zeichnungen Ohanas wissen zu gefallen und machen „23:45“ zu einem schönen Boys Love Einzelband, der jedem ans Herz zu legen ist, der mysteriöse Liebesgeschichten mag oder etwas erfrischend Neues lesen möchte. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Heldinnen küssen besser von Serena C. Evans

Autor: Serena C. Evans
Taschenbuch: 136 Seiten
ISBN: 978-3959490788
Preis: 8,90 EUR (Taschenbuch) | 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Tamaras einfaches, überschaubares Leben als Kellnerin, die aus der Ferne einen weiblichen Gast anhimmelt, ändert sich, als bei ihr die Fähigkeiten eines Feuertalentes zutage treten. Sie wird von einer Organisation angesprochen, bei der Superhelden im Geheimen die Polizei unterstützen und gewöhnliche Menschen beschützen. Vor der Wahl selbst Superheldin zu werden, oder ihre Kräfte für immer versiegeln zu lassen, entscheidet sich Tamara dafür, die Menschen zu schützen. Sie erhält den Decknamen Amber Lily und wird fortan von der Einzelgängerin Purple Rose ausgebildet. Schnell kommen sich die beiden Frauen näher und Tamara hat mehr und mehr Schwierigkeiten, sich zwischen der unbekannten Frau und Rose zu entscheiden. Als sich herausstellt, dass beide Frauen ein und dieselbe Person sind, ist Tamara überglücklich. Doch ihr Glück währt nicht lang, denn jemand hat es auf Purple Rose abgesehen und diese Person schreckt vor nichts zurück …

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Heldinnen küssen besser“ legt die Autorin Serena C. Evans ihren ersten Lesbian Romance vor, gleichzeitig beschreitet auch der Main Verlag mit der Veröffentlichung einer lesbischen Romanze neue Wege. Die knapp 200 Seiten starke Geschichte erzählt die Geschichte von Abby (Purple Rose) und Tamara (Amber Lily), die sich nicht nur finden, sondern auch gemeinsam den Job einer Superheldin erfüllen.

Die Geschichte ist im Lesbian Romance Genre definitiv etwas Neues, da es nicht nur um eine typische Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen inklusive aller dramatischen Hochs und Tiefs handelt, sondern dem Leser mit der Superheldenkomponente eine besondere Dynamik und Spannung bietet. Leider schwächelt die Handlung beim Spannungsbogen, denn es ist ziemlich schnell klar, wer Intrigen spinnt und als Gegner für Tamara und Abby in Frage kommt. Auch sonst mangelt es zwischenzeitlich an Ausschmückungen und Details – es geht alles recht schnell, mitunter zu schnell. Bis auf die Liebe, die sich zwischen den beiden Frauen entwickelt, bleibt inhaltlich vieles recht vage und wird nur grob abgehandelt. Sei es Tamaras Training, ihre Einsätze und die Fälle, die zu klären sind: die Autorin lässt vieles unter den Tisch fallen oder bringt es nur in einem Nebensatz zur Sprache (ganz besonders fällt es am Ende auf, als die Beweggründe des Gegners offenbart werden und die Ursachen für dessen Rachefeldzug zu einer Zeit stattfanden, als Tamara bereits in der Ausbildung steckte). So schön die beiden Frauen harmonieren, man hätte ihrer Arbeit ruhig ein wenig mehr Platz einräumen können. So verschenkt Serena C. Evans leider einiges an Potenzial, denn man hätte durchaus mehr aus der Grundidee machen können – gerade in Hinblick auf die Grundidee mit den Talenten, die die Kräfte eines Superhelden bestimmen.

Die Charaktere sind sympathisch und können durch ihre lockere Art überzeugen. Zwar sind sowohl Abby, als auch Tamara ein wenig klischeehaft – doch das fällt nur an einigen Stellen ins Gewicht. Sie passen gut zusammen, auch wenn man sich fragt, warum sie so schnell aneinander hängen bleiben. Denn sie kommen recht schnell zusammen, fast ein wenig zu schnell. Dabei fällt auf, dass viele Dinge nicht zur Sprache gebracht werden (z.B. warum Abby immer allein kämpfen will) oder nur ganz am Rande zur Tragen kommen (Tamaras Ex-Freundin). Irgendwie fehlen bei den Frauen Gespräche, die tiefer gehen.
Die übrigen Figuren fallen kaum ins Gewicht, da sie lediglich namentlich am Rande auftauchen – Blue Clover ist neben dem Gegner die Einzige, die mehr Beachtung bekommt, wenngleich viele ihrer Eigenschaften lediglich aufgezählt werden, anstatt dem Leser die Möglichkeit zu geben, sie direkt kennenzulernen (Show, don’t tell!)

Stilistisch legt Serena C. Evans einen schönen Kurzroman vor, der sich schnell liest und in den man leicht einsteigen kann. Hin und wieder holpern einige Sätze, gerade zum Ende hin scheinen sich die Fehler zu häufen (gerade bei den Zeitformen). Dennoch macht „Heldinnen küssen besser“ Spaß, denn man bekommt einen nette Geschichte, die wechselnd aus Abbys und Tamaras Sicht erzählt wird. Hin und wieder springt die Autorin zwar zeitlich und „unterschlägt“ dadurch spannende Handlungsbögen, doch daran gewöhnt man sich.

Fazit:
„Heldinnen küssen besser“ ist eine angenehme Lesbian Romance für Zwischendurch, die aufgrund des geringen Umfangs viel Potenzial verschenkt. Serena C. Evans hätte mehr aus ihren Heldinnen herausholen können, wenn sie einige Aspekte vertieft und auch die Gespräche der beiden Frauen ein wenig ausführlicher gestaltet hätte. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte unterhaltsam, da es eben nicht nur um die Liebe zwischen Abby und Tamara geht, sondern auch um ihre spannende Arbeit als Superheldinnen. Wer im Lesbian Romance Genre mal etwas fantastischeres für Zwischendurch sucht, ist mit Serena C. Evans‘ Kurzroman gut bedient.

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[ZITATE-FREITAG] Tajo@Bruns_LLC

Hallo ihr Lieben,

heute wird es wild beim Zitate-Freitag, denn ich habe mir den ersten Band der Gestaltwandlerreihe von Bianca Nias rausgepickt. Wer kennt sie nicht, die Löwen und Großkatzen, die ihren Kampf gegen den schier übermächtigen Shirkou Soran führen und versuchen seine kriegerischen Machenschaften zu durchkreuzen. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz – sprich eine Reihe die mit der Zeit süchtig macht. Hier findet ihr also einige ausgewählte Szenen des ersten Teils „Tajo@Bruns_LLC“, insgesamt gibt es 4 Romane, einen Hetero-Spin-Off und einige Kurzromane, die in der Welt der Bruns spielen.

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meine Rezension

Auf dem Weg ins Haus hatte er Gelegenheit, den muskulösen Oberkörper und den knackigen Hintern seines Kunden ausgiebig zu begutachten, ohne dass dieser hiervon etwas bemerken konnte.

‚Ohne Anabolika bekommt man solche „Mr. Universum“- Ausmaße doch gar nicht hin‘, dachte er bei sich und bewunderte das Spiel der definierten Rückenmuskeln. Sein Blick wanderte weiter nach unten zu den muskelbepackten Schenkeln. Allein die Waden waren eine Augenweide und bestimmt dicker als seine eigenen Oberschenkel.

Als sich Tajo am Hauseingang zu ihm umdrehte, um ihm höflich die Tür aufzuhalten, musste Marc schlucken und sich beeilen, den sicher verträumten Gesichtsausdruck in eine unverbindlich lächelnde Miene zu verwandeln. Aber offenbar war er hierbei nicht schnell genug gewesen, denn Tajo zog amüsiert einen Mundwinkel hoch und musterte ihn aufmerksam.

Peinlich berührt wandte sich Marc ab und trat ein. Er hatte das Gefühl, beim ungehörigen Starren ertappt worden zu sein und seine Verlegenheit ließ ihm das Blut in den Kopf schießen. Bestimmt war er jetzt knallrot angelaufen.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 16-17 (c) Bianca Nias / deadsoft

„Jon, also wirklich!“, schalt Keyla ihren Bruder. „Ihm muss doch klar sein, dass wir sie letzte Nacht gehört haben, oder? Dann musst du ihn nicht auch noch in Verlegenheit bringen.“

„Ist dir klar, dass er Marc mit in sein Zimmer genommen hat?“, warf Jon ein. „Das war eine absolute Premiere. Er hat noch nie jemanden in seinen Privatbereich gelassen.“

Er warf Keyla ein verschwörerisches Grinsen zu.

„Ja, stimmt. Vielleicht hat es ihm ja zur Abwechslung wirklich mal was bedeutet. Aber das werden wir zwei so schnell nicht erfahren. Tajo ist der Einzige, den ich kenne, der es schafft, sich aus seinem eigenen Privatleben raus zu halten.“

Die beiden Geschwister lachten.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 40 (c) Bianca Nias / deadsoft

Jon begann, sein Hemd aufzuknöpfen und auszuziehen, was Marc ein wenig in Panik versetzte. Hallo? Was wurde das denn jetzt? Wollte er etwa … Sex? Jetzt? Mit ihm? Unmöglich.

„Ich muss dir etwas zeigen, was du bitte erst einmal als einfach gegeben hinnimmst, okay? Hinterher kannst du mir alle Fragen der Welt stellen, aber bitte sitz jetzt einfach ruhig da und halte für 20 Sekunden die Luft an, ohne dich zu rühren, ja? Und bitte erschreck nicht, dass ich jetzt meine Hose ausziehen muss. Ich will sie nämlich nicht ruinieren. Und bitte, bitte nicht schreien, ich tue dir nichts.“

Marc war zu verblüfft, um nur einen Ton herauszubringen. Jon zog sich vor ihm splitterfasernackt aus. Marc beobachtete jede seiner Bewegungen und war komplett verwirrt. Was sollte das?

Jon holte kurz Luft, sah ihn an und plötzlich schienen seine Konturen zu verschwimmen. In nicht einmal einer Sekunde verformte sich sein Körper, wurde größer, zog sich in die Länge, sank auf alle viere und im nächsten Augenblick füllte ein großer, wunderschöner Löwe sein Wohnzimmer aus.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 89 (c) Bianca Nias / deadsoft

Tajo fluchte stumm. Himmel noch mal! Warum war er nur schon wieder so heftig explodiert? Sein Hirn musste im Irak doch einen größeren Schaden erlitten haben, als er gedacht hatte. Jedenfalls hatte es jetzt total ausgesetzt. Verdammt, er war eindeutig zu lange in seiner Löwengestalt gewesen, das hatte ihn schon immer ein wenig durcheinandergebracht. Er sah, dass Marc sich verstohlen eine Träne aus dem Auge wischte. Scheiße, er hatte ihm wehgetan! Das war nicht seine Absicht gewesen.

Vorsichtig zog er sich aus Marc zurück, rollte sich neben ihm auf die Seite und nahm ihn in seine Arme. „Es tut mir leid“, flüsterte er beschämt. „Das habe ich so nicht gewollt.“

„Aber vielleicht gebraucht?“, fragte Marc leise.

Marcs Atem ging noch immer schwer, seine Haut war schweißnass. Tajo schmiegte sich an seinen Rücken, sein Schwanz war noch immer steif und drückte sich sanft gegen ihn. Seine Hände wanderten über Marcs Körper, bis er abrupt innehielt.

„Ich weiß es nicht. Ich weiß so langsam gar nichts mehr. Wem ich vertrauen kann und wem nicht. Wer zu mir steht und wer nicht. Und wie es weitergehen soll. Mit mir, mit dem Rudel, mit den anderen …“, brach es unvermittelt aus ihm heraus.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 159-160 (c) Bianca Nias / deadsoft

Jon war ihm gefolgt und trat jetzt neben ihn, das spürte Marc, ohne hinzusehen.

„Tajo scheint gewusst zu haben, dass es kritisch wird“, murmelte Jon. „Er hat mich vor seiner Abfahrt nicht nur gebeten, auf dich aufzupassen und mit meinem Leben zu beschützen. Nein, er hat mich auch gleichzeitig zum Rudelführer gemacht und ist von seiner Position zurückgetreten.“

„Und das heißt?“, fragte Marc. So ganz blickte er bei den Löwen mit ihren Familien- und Rudelstrukturen noch nicht durch.

„Das heißt, dass du unter meinem Schutz stehst, und dass ich die Verantwortung für dich trage. Und dass er aufgegeben hat. Er glaubt, nicht mehr in der Lage zu sein, das Rudel zu schützen und zu verteidigen.“

Marc sah ihn nachdenklich an. „Wäre das denn so schlimm für ihn?“

Jon nickte betrübt. „Für Tajo ist es die Hölle. Ein geschlagenes Alpha-Tier kommt in der Regel nicht mehr auf die Beine. Und selbst wenn, müsste er mich über einen Kampf von meiner Position verdrängen oder aber weggehen und ein neues Rudel gründen. Die Geschäftsführung von Bruns LLC und das Firmenvermögen gehen allerdings jetzt schon auf mich über.“ Er schnaubte.

„Als ob ich das nötig gehabt hätte, du sturer Mistbock!“, brüllte er wütend in die Wüste hinaus und ballte die Hände zu Fäusten. „Als ob ich das gewollt hätte“, fügte er leise mit belegter Stimme hinzu und wandte sich ab.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 203-204(c) Bianca Nias / deadsoft

„Marc, ich wüsste nicht, was wir ohne dich gemacht hätten“, begann er und sah ihn ernst an. „Nicht nur, dass du Tajos Spur in Saudi-Arabien gefunden hast, war großartig, sondern auch deine bisher hier geleistete Arbeit. Du hast erstaunliche Dinge herausgefunden.“

Marc dankte ihm zurückhaltend. Er war zwar an Lob und Aufmerksamkeit durch seine bisherigen Auftraggeber gewohnt, aber die herzliche Wärme, die er im Kreise der Familie fühlte, ließ ein Glücksgefühl durch seine Magengegend fließen.

Tajo, der sich neben ihm ausgestreckt und sein Bein auf einem Hocker hochgelegt hatte, nahm seine Hand und drückte sie.

„Unser kleines Genie hier hat einen wirklich guten Job gemacht“, warf Jon ein. „Tajo, dafür kannst du mir ewig auf Knien danken und meine Pfoten küssen, dass ich ihn zurückgeholt habe.“

„Ich weiß“, erwiderte Tajo schlicht.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 280 (c) Bianca Nias / deadsoft

Plötzlich kam es ihm so vor, als wäre er nicht allein in der Dunkelheit. Er blieb sofort stehen und lauschte. Seine Nackenhaare stellten sich auf und ihn durchlief ein eiskalter Schauer. Unbewusst griff er mit der linken Hand in die Hosentasche und umschloss fest den Griff des Springmessers, das er immer bei sich trug, seit Anna es ihm geschenkt hatte. War ihm jemand gefolgt?

„Leroy? Jonah?“, flüsterte er leise in die Finsternis hinein. In nächsten Augenblick vernahm er lediglich einen kurzen Windhauch, bevor er zu Boden gerissen wurde. Abwehrend hob er seinen rechten Arm vor sein Gesicht.

Alles ging rasend schnell. Trotzdem nahm er jedes Detail jeder einzelnen Sekunde wahr.

Ein riesiger Schatten warf sich über ihn. Scharfe Zähne verbissen sich in seinen rechten Unterarm. Er spürte den Schmerz jedoch kaum. Dafür registrierte er entsetzt, dass sich ein mächtig starker Kiefer wie ein Schraubstock um seinen Arm schloss. Die Zähne durchfuhren seine Haut und sein Fleisch wie Butter und drangen bis auf die Knochen vor.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 328 (c) Bianca Nias / deadsoft

Das waren sie – meine ausgewählten Textstellen von „Tajo@Bruns_LLC“ – ich hoffe sie gefallen euch und machen Lust auf mehr, immerhin gibt es viele Bände und Spin-Offs zu den Gestaltwandlern zu lesen. Für die kommende Woche bin ich noch unentschieden, sprich ihr könnt wieder Wünsche äußern. Ich freue mich auf eure Vorschläge.

Liebe Grüße,
Juliane