Archiv der Kategorie: Erotik

[ROMAN] Inbetween – Zwischen Bahnsteig und Bestatter von Svea Lundberg

Autor: Svea Lundberg
Taschenbuch:  408 Seiten
ISBN: 978-3960891369
Preis: 5,99 EUR (eBook) / 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Das Leben des Architekten Ilian Nyström ist perfekt – er ist gefragter Geschäftsmann, kann weder über mangelnde Aufträge, noch über Geldprobleme klagen und wechselt seine Partner nach Lust und Laune, ohne auf der Suche nach etwas Festem zu sein. Das ändert sich, als er dem Studenten Leonard begegnet, der halb so alt ist und sein geordnetes Leben durcheinanderwirbelt. Allerdings erhält er kurz darauf eine erschreckende Diagnose, die den gefeierten Architekten komplett aus der Bahn wirft – in der Nähe des Sehnervs wird ein Tumor entdeckt, der operativ entfernt werden muss. Für Ilian bricht eine Welt zusammen, denn trotz guter Chancen, bleibt es noch immer eine Hirn-OP, die ihn das Leben kosten könnte. Fest entschlossen seine Bindung zu Leonard zu lösen, bevor sie zu tief wird, setzt er alles daran, den jungen Mann von sich zu stoßen. Doch Leo bleibt hartnäckig, auch als es nach der Operation zu Komplikationen kommt …

Eigene Meinung:
Mit dem vorliegenden Roman legt die Autorin Svea Lundberg eine eigenständige Fortsetzung bzw. einen Spin-Off ihres Romans „Inbetween – Zwischen Bühne und Bordell“ vor, der von Jerik und seiner Liebe zu dem drogenabhängigen Tänzer Alexej handelt. In diesem Buch spielte Ilian bereits eine größere Nebenrolle – in „Zwischen Bahnsteig und Bestatter“ tauchen beide ebenfalls regelmäßig auf und dürfen Ilian mehr als einmal den Kopf zurechtrücken.

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[ROMAN] Liebe in fünfzehn Lektionen von Celia Jansson

Autor: Celia Jansson
eBook:  220 Seiten
ASIN: B071VTMX31
Preis: 4,99 EUR (eBook)
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Story:
Seitdem Levi von seiner ersten großen Liebe enttäuscht wurde, hat er ein Problem damit Männer anzusprechen und über seinen Schatten zu springen. Dabei sehnt er sich nach Beachtung, Sex und mehr Erfahrung, erst recht als er den gutaussehenden Aaron auf einer Party erspäht. Ihn will er unbedingt für sich gewinnen. Um seine Schüchternheit abzulegen, bietet ihm Levis Freund Jannik seine Hilfe an – zunächst in Form von Tipps beim Daten und Flirten, später auch im Bett, denn Jannik ist schon seit einer Weile an Levi interessiert. Doch damit beginnen die Probleme, denn Jannik fällt es schwer seine wachsenden Gefühle aus ihrem Deal herauszuhalten …

Eigene Meinung:
„Liebe in fünfzehn Lektionen“ ist der zweite Roman von Celia Jansson, die ihr Debüt mit dem historischen Drama „Sunford“ feierte, der im Sieben Verlag erschien. Das vorliegende Buch ist wesentlich lockerer und leichter, als die Geschichte um Vincent und Leonard, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge zur Wehr setzen müssen. So ist „Liebe in fünfzehn Lektionen“ eine reine Liebesgeschichte mit einer gehörigen Portion Erotik, denn dieses Mal geht es durchaus expliziter zur Sache.

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[ROMAN] Wolfklinge – Die schwarze Kathedrale von Oliver Schwarz

Autor: Oliver Schwarz
Taschenbuch: 268 Seiten
ISBN: 978-3960890010
Preis: 4,99 EUR (eBook) / 11,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Als der Wolfmann Thorun den jungen Magierschüler Falk vor einer öffentlichen Hinrichtung rettet und in Sicherheit bringt, ahnt er nicht, wie schnell er sich von diesem angezogen fühlt und in was für ein Chaos sie noch stolpern werden. Plötzliche Horden von Untoten fallen über die Stadt her und töten alles, was ihnen in den Weg kommt. Von einer sprechenden Krähe erfahren sie, dass die schwarze Kathedrale, die zwischen verschiedenen Dimensionen wandelt, auf dem Weg ist und ihre Welt in Schutt und Asche legen könnte. Laut Prophezeiung ist Thorun der Einzige ist, der das Unheil abwenden kann, denn die Kathedrale ist eng mit seinem Volk verbunden. Auch Falk entwickelt ungewöhnliche Kräfte, die für die Rettung der Welt unverzichtbar sind …

Eigene Meinung:
„Wolfklinge – Die schwarze Kathedrale“ ist das Debüt von Oliver Schwarz und spielt in einer Fantasy-Welt, in der auch zukünftige Bücher angesiedelt sein sollen. Der Roman erschien im deadsoft Verlag und zeichnet sich durch ein hohes Maß an flacher Erotik aus.

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[ROMAN] Sunset Park von Santino Hassell

Autor: Santino Hassell
Taschenbuch: 220 Seiten
ISBN: 978-1635337358
Preis: 6,63 EUR (eBook) / 16,05 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Nachdem Nunzio und Michael nach etlichen Jahren endlich zusammengefunden haben, steht der nächste Schritt bevor – die beiden wollen zusammenziehen, was die Vermietung des elterlichen Hauses bedeutet. Für Michaels Bruder Raymond kommt das alles vollkommen unerwartet. Nicht nur hat er grad seinen Job in den Docks verloren, er will sich nicht nach einer Wohnung umsehen, die er allein nicht finanzieren kann. Glücklicherweise schlägt der schwule David vor, eine WG zu gründen, da er sich von seinem Freund getrennt hat und sowieso auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist. Tatsächlich finden die beiden etwas, doch aus der reinen WG-Beziehung wird schnell mehr, als Raymond erstmals seine bisexuelle Neugier befriedigen will und David, der schon lange ein Auge auf Ray geworfen hat, sich bereit erklärt für Experimente zur Verfügung zu stehen …

Eigene Meinung:
Der Roman „Sunset Park“ ist der zweite Teil der „Five Boroughs“-Reihe von Santino Hassell und erschien im Dreamspinner Press Verlag. Während sich „Sutphin Boulevard“ dem älteren Bruder Michael annahm und seine Alkoholprobleme und die verkorkste Beziehung zu Nunzio thematisierte, setzt „Sunset Park“ Raymond ins Zentrum. Die Reihe hat inzwischen fünf Bände, Teil 1 bis 3 erschien bei Dreamspinner Press, ab Band 4 liegen die Bücher bei Riptide Publishing vor.

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[ROMAN] Bulls Eye – Mitten ins Herz von Bianca Nias

Autorin: Bianca Nias
Taschenbuch: 312 Seiten
ISBN: 978-3945934630
Preis: 5,99 EUR (eBook) / 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der neunzehnjährige Wesley ist der aufstrebende Star des Dart-Sports und kann auf ein sehr bewegtes, Leben zurückblicken, das er vor allem von seinen Schattenseiten kennen gelernt hat. Sein Glück ist perfekt, als er während eines Turniers den Studenten Björn kennenlernt, sich in diesen verliebt und dieser Wesleys Gefühle aufrichtig erwidert werden. Als der Journalist Jens dem jungen Dart-Spieler vorschlägt, seine Beziehung öffentlich zu machen, ahnt niemand welche Probleme das Coming-Out nach sich zieht – nicht nur entpuppt sich sein Sponsor als äußerst homophob, ein dunkler Schatten aus Wesleys Vergangenheit wird auf ihn aufmerksam und droht das junge Glück zwischen ihm und Björn zu zerstören …

Eigene Meinung:
Die Autorin Bianca Nias ist vor allem durch ihre Gestaltwandler-Romane bekannt, von denen aktuell fünf Bände der „Bruns“-Reihe vorliegen (davon ist einer ein Hetero-Liebesroman), inklusive mehrerer Specials und Kurzgeschichte, sowie der Reihe „Navy Seals“. Mit „Bulls Eye – Mitten ins Herz“, erschienen im deadsoft Verlag, wagt sie sich an einen völlig realistischen Roman mit leichten Krimielementen am Ende und präsentiert dabei einen relativ unbekannten Sport, ist Dart hierzulande doch kaum geläufig.

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[ROMAN] Der ehrenwerte Dieb von James Buchanan

Autoren: James Buchanan
Taschenbuch: 360 Seiten
ISBN: 978-3960890683
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Nachdem der Einbrecher und Dieb Caesar Serrano mitbekommt, dass er eine leidenschaftliche Nacht mit dem LAPD Officer Nathan Reilly verbracht hat, nimmt er sich vor, den gutaussehenden Mann nicht mehr wiederzusehen. Als er jedoch bei einem Beutezug in einer Villa auf kinderpornografische Fotos stößt, wendet er sich an Nathan der ihm seine Unterstützung verspricht. Gemeinsam gehen sie zur Polizei, wo Caesar für seine Aussage einen Deal mit der Staatsanwaltschaft heraushandeln kann. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, denn die Villa gehört nicht nur einem hohen Tier der Polizei, jemand versucht auch Caesar auszuschalten, um dessen Aussage vor Gericht zu verhindern. Gemeinsam mit Nathan, der von seinem Vorgesetzten zu Caesars Leibwächter berufen wird, flieht der junge Dieb aus der Stadt …

Eigene Meinung:
James Buchanan ist einer der bekanntesten englischsprachigen Autoren im Gay-Genre und hat sich mit Dutzenden Reihen und Einzelbüchern einen Namen gemacht. Mit „Der ehrenwerte Dieb“ legt deadsoft erstmals eines seiner Werke in deutscher Sprache vor.

Die Geschichte verspricht einen spannenden Krimi, der mit der Liebesgeschichte zweier ungleicher Männer gewürzt ist. Leider hält das Buch überhaupt nicht, was man sich vom Klappentext verspricht – statt Spannung, Action und eines ausgeklügelten Krimis bekommt man vorwiegend Sex! Denn viel mehr machen Nathan und Caesar nicht, wenn sie allein in einem Raum sind – selbst in den unmöglichsten Situationen haben sie nichts Besseres zu tun, als es miteinander zu treiben. Da wundert es nicht, dass Nathan während der Flucht zu keiner Sekunde auf die zündende Idee kommt, wie ihre Häscher sie jedes Mal so schnell finden können (etwas, was dem Leser schon nach wenigen Seiten klar ist). Auch sonst dreht es sich bei „Der ehrenwerte Dieb“ eher um Erotik und platten Sex, als um die Rahmenhandlung. So interessant die Grundidee ist und so viel man aus der eigentlichen Krimihandlung hätte machen können – der Autor setzt nichts davon um. Stattdessen konzentriert er sich auf die ausufernden Sexszenen, die man nach dem vierten Mal (im ersten Drittel) gelangweilt überblättert. Auch ist es nicht verwunderlich, dass die Lösung des Krimis und die ganze spannende Handlung lediglich am Rande abläuft und die Figuren keinerlei erwähnenswerten Einfluss mehr darauf haben – vieles wird am Ende in wenigen Sätzen zusammengefasst, um wenigstens das wichtigste der Grundidee zu klären.
Das macht James Buchanans Roman ungemein langweilig und unspektakulär, wenngleich die Nicht-Sex-Szenen gut beschrieben und in sich logisch sind. Das betrifft sowohl Caesars Einbruch, als auch die Befragung der Polizei und die Mühlen der Justiz. Hier hat man das Gefühl, dass sich der Autor durchaus mit den Grundlagen beschäftigt oder entsprechend tiefgehend recherchiert hat.

Die Charaktere sind durchaus sympathisch und können beide überzeugen – wenn man von dem übermäßigen Sextrieb einmal absieht. Caesar ist ein starker Charakter, der aufgrund seiner Herkunft und seines bisherigen Lebens eine spannende Grundlage bietet und sich im Laufe der Geschichte durchaus weiterentwickelt. Auch Nathan als offen schwuler Polizist ist gut in Szene gesetzt und überzeugt mit seiner loyalen und sympathischen Art.

Stilistisch ist der Roman gut und solide – James Buchanan weiß wie man schreibt und hat ein Händchen für Beschreibungen von Stadt und Land. Gerade L.A. ist sehr stimmungsvoll und atmosphärisch beschrieben – man kann sich die Stadt sehr gut vorstellen. Auch die Dialoge sind gut umgesetzt, ebenso die Erotikszenen, wenngleich sich diese mit der Zeit auch sprachlich wiederholen. Ein großes Manko ist jedoch die deutsche Übersetzung – das Buch wimmelt vor Rechtschreibfehlern, mangelhafter Zeichensetzung und fehlenden Worten. Hin und wieder werden auch Verben in Sätze eingebaut, die überhaupt nicht zum Kontext passen, so dass einige Abschnitte keinen Sinn mehr ergeben. Hier fehlt definitiv ein Korrektor, der zumindest die gröbsten Schnitzer entfernt und den Sätzen einen Sinn gibt. Wer sich bei Fehlern schnell aus dem Konzept bringen lässt, sollte sich vorab überlegen, ob er „Der ehrenhafte Dieb“ unbedingt im Regal braucht – das Buch bietet leider nicht die gewohnte deadsoft-Qualität und vergällt den Spaß am Lesen.

Fazit:
„Der ehrenwerte Dieb“ verspricht inhaltlich viel, kann jedoch nur wenig halten – die Geschichte ist zu sexlastig, was auf Kosten der Logik und der Spannung geht. Der Krimiplot bleibt zu 90% auf der Strecke und wird nur am Rande behandelt, stattdessen bekommt man alle 10 Seiten eine ausufernde Sexszene präsentiert. Da können auch die sympathischen Figuren nicht mehr viel retten, was sehr schade ist. In Kombination mit den vielen Fehlern innerhalb der deutschen Übersetzung, kann ich dieses Buch nur Lesern empfehlen, die auf viel Erotik und Sex aus sind. Wer einen spannenden Krimi sucht, ist bei diesem Buch falsch – leider nicht zu empfehlen.

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[ROMAN] Inbetween – Zwischen Bühne und Bordell von Svea Lundberg

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Autor: Svea Lundberg
Taschenbuch: 364 Seiten
ISBN: 978-3960890218
Preis: 12,95 EUR (Taschenbuch) | 5,99 EUR (eBook)
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Story:
Für Jerik ist es Liebe auf den ersten Blick als er in einem Musical den Tänzer Alexej sieht und sich in den Bachstage-Bereich schleicht, um ein Date mit dem jungen Mann auszumachen. Auch dabei läuft alles bestens – die beiden kommen sich näher und Alexej scheint Jeriks Gefühle zu erwidern. Recht schnell kommen jedoch auch erste Probleme ans Licht – Alexej verdient nicht nur mit dem Tanzen sein Geld, hin und wieder verkauft er sich auch an andere Männer. Jerik ist entsetzt, hält er doch an einer rein monogamen Beziehung fest. Richtig problematisch wird es jedoch erst, als er bemerkt, dass Alexej ihm einen weiteren wichtigen Punkt verschwiegen hat: er verkauft sich nicht nur an andere Männer, er konsumiert auch Drogen, um den Akt mit Fremden erträglich zu machen. Und zwischen Kontrolle und Sucht verläuft eine dünne Grenze, die Alexej schon längst nicht mehr erkennen kann. Für Jerik, der seiner großen Liebe helfen will, überschlagen sich nach und nach die Ereignisse, da ihn Alexejs Probleme selbst immer tiefer hinabziehen …

Eigene Meinung:
Mit dem Gay Drama „Inbetween – Zwischen Bühne und Bordell“ legt Svea Lundberg ihren zweiten Roman bei deadsoft vor, der im kommenden Jahr mit einem Spin-Off fortgesetzt werden soll. Im Gegensatz zu ihrem Krimi „Kristallschnee“ handelt es sich bei „Inbetween“ um ein waschechtes Drama, bei dem sowohl Alexej als auch Jerik einiges zu bewältigen haben.

Die Geschichte wird komplett aus Jeriks Sicht erzählt, der als Student ein halbwegs solides Leben führt. Durch Alexej Auftauchen gerät Jerik ziemlich aus dem Gleichgewicht, was an dem unsteten Leben des Tänzers liegt und den vielen Geheimnissen, die er vor dem jungen Studenten zu verbergen versucht. Das Thema Drogen und die Auswirkungen regelmäßigen Konsums finden spätestens am der Hälfte Erwähnung und nehmen einen großen Teil der Handlung ein. Dabei zeigt Svea Lundberg sehr authentisch, was Kokain und Heroin mit einem Menschen macht und welche Konsequenzen sie haben können. Schön ist dabei, dass auch auf Jerik eingegangen wird, an den die Sucht seines Freundes nicht spurlos vorbei geht und die dafür sorgt, dass die Beziehung der beiden mehrfach auf der Kippe steht. Hier entwickelt sich natürlich sehr viel Drama, da beide Charaktere an ihre Grenzen getrieben werden. Svea Lundberg nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, zeigt ungeschönt, wie Alexej abbaut und welche unschönen Höhen sein Drogenkonsum erreicht.
Hin und wieder wird zu viel Wert auf Erotik gelegt, denn „Inbetween – Zwischen Bühne und Bordell“ enthält mehrere explizite Szenen. Hier wäre weniger mehr gewesen, zumal Svea Lundberg einige Passagen überspringt (z.B. die Reise nach Russland zu Alexejs Familie), die eigentlich wichtig gewesen wären, um Alexej näher zu beleuchten und ihm mehr Tiefe zu geben. Es ist schade, dass gerade dieser wichtige Handlungsbogen nur grob in einer Rückblende erzählt wird.
nichtsdestotrotz ist die Geschichte in sich stimmig und realistisch, da Svea Lundberg darauf achtet die Beziehung und die Entwicklung der Charaktere authentisch darzustellen.

Die Charaktere sind in sich schlüssig und handeln logisch, wenngleich sie dem Leser ein wenig fremd bleiben. Sicherlich lernt man sie gut kennen, doch gerade die Nebenfiguren können unerwartet viele Punkte sammeln. Allen voran Max und Ilian, die beide mit Jerik befreundet sind. Sie sind lebendig und bleiben dem Leser in Erinnerung. Jerik als Ich-Erzähler bleibt ebenfalls im Gedächtnis, doch mitunter handelt er unlogisch, was jedoch an den Ereignissen und dem großen emotionalem Stress liegen könnte, dem er ausgesetzt ist.
Einzig Alexej bleibt recht blass, da man nur wenig über ihn erfährt und ihn kaum näher kennenlernt. Das ist schade, da es (wie erwähnt) durchaus Möglichkeiten gegeben hätte, um ihm mehr Tiefe zu verleihen.

Stilistisch legt Svea Lundberg einen gelungen Roman vor, der durch schöne Beschreibungen, tolle Dialoge und gelungene erotische Szenen besticht. Gerade die Beschreibungen von Jeriks Heimat Schweden ist sehr gut gelungen und wirkt wunderbar authentisch, ebenso die vom Hamburger Leben. Sie hat sich  seit ihrem Debüt „Kristallschnee“ spürbar gesteigert, so dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann und mit den Figuren mitfiebert.

Fazit:
„Inbetween – Zwischen Bühne und Bordell“ ist ein gelungenes Gay Drama, das durch eine solide, authentische Handlung und einen schönen Schreibstil besticht. Die Charaktere mögen dem Leser ein wenig fremd bleiben, doch man kommt mit ihnen klar und schließt den die Nebencharaktere ins Herz. Hin und wieder wäre weniger Erotik mehr gewesen, doch wer sich daran nicht stört und sich für das Thema Drogen und Sucht interessiert, sollte Svea Lundbergs Roman eine Chance geben. Er kann überzeugen und macht Lust auf mehr.

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[ZITATE-FREITAG] Irgendwie Top

Hallo ihr Lieben,

ein Zitate-Freitag ohne ein Buch von Chris P. Rolls? Geht irgendwie nicht, deswegen hab ich mir meinen persönlichen Liebling rausgepickt und ein paar Zitate von „Irgendwie Top“ rausgesucht (was bei fast 600 Seiten gar nicht so leicht ist!). Wer gar nicht genug von Markus und Alex kriegen kann, sollte sich auch nach dem Roman „Irgendwie Lions Roar“ umsehen, das die Geschichte aus Alex‘ Sicht erzählt. Mir haben beide Bücher sehr gefallen, da ich Markus und Alex einfach lieb gewonnen habe.

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meine Rezension

Markus lächelte und drehte sich um. Er hatte ihn sofort erkannt: Alex.

„Hey!“ Er versuchte erst gar nicht, gegen die laute Musik anzuschreien und prostete ihm zu. „So wie du.“ Alex gab dem Barkeeper per Handzeichen zu verstehen, dass er auch ein Bier haben wollte.

Markus roch sofort das bekannte Aftershave und sog den Duft tief ein. Darunter lag eine Spur von männlichem Schweiß. Wunderbare Mischung. Alex schob sich dicht neben ihn, in die Lücke zwischen Markus und einem rothaarigen Twink. Er warf ihm über die Schulter einen Blick zu, aber Markus wich nicht zurück. Es war auch gar kein Platz vorhanden und unangenehm fand er den Körperkontakt bestimmt nicht.

Er musterte ihn ausgiebig. Alex sah wirklich gut aus. Er trug eine hellgraue Hose, ein schwarzes Hemd und darüber ein dunkelgraues Sakko. Elegant und doch schlicht, es betonte perfekt die gute Figur und seinen großen Wuchs. Er hatte die dunklen Haare an den Schläfen zurückgestrichen. Ein gepflegter Drei-Tage-Bart gab ihm einen Touch Verruchtheit.

Der Typ sieht echt verdammt gut aus, dachte Markus anerkennend.

„Irgendwie Top“, Seite 24-25 (c) Chris P. Rolls

„Hallo Markus!“ Er zuckte überrascht zusammen. Seine Stimme! Rauchig, mit leicht spöttischem Unterton, dunkel und so erotisch, wie im Video und in seiner Fantasie. Überall würde er sie erkennen; selbst in dem Lärm wusste er genau, wie sie klang. Der Duft seines Aftershaves, leichter Schweißgeruch. Lächelnde Lippen. Langsam sah Markus auf.

Neben ihm stand Alex und lächelte ihn an.

„Hallo Alex.“ Markus bemühte sich hastig ein neutrales Lächeln aufzusetzen und betont lässig einen Schluck seines Drinks zu nehmen. „Wieder unterwegs?“ Alex winkte dem Barkeeper und bestellte sich ein Bier.

„So wie du.“ Alex’ braune Augen wirkten ernster als sonst. Markus sog verstohlen die Luft ein. Da war der frische Duft von Sex.

„Bin gerade eben erst gekommen“, meinte Markus schmunzelnd und prostete Alex zu. „So wie du … anscheinend auch.“ Alex lachte auf, nahm einen Schluck aus der Flasche und leckte sich die Lippen. In Markus’ Unterleib verstärkte sich das Ziehen.

„Oh ja! Ein Neuzugang im Darkroom. Er war nicht schlecht, ich kann ihn dir empfehlen. Er ist nur dieses Wochenende hier, hat er gesagt.“

Markus gewann ein wenig Sicherheit zurück. „Dann gebe ich ihm wohl erstmal ein bisschen Erholzeit.“ Das Lächeln auf Alex’ schönem Mund verbreiterte sich.

„Vielleicht keine ganz dumme Idee“, bestätigte er. „Der da war es.“ Mit der Flasche in der Hand deutete er hin. Markus Blick folgte jedoch nicht seiner Geste, sondern blieb an den feuchten Lippen hängen.

Hastig wandte er den Blick ab, leckte sich nervös seine Lippen und leerte das Glas.

„Irgendwie Top“, Seite 84-85 (c) Chris P. Rolls

Er wollte seine Stimme hören, sein Lachen. Er wollte sehen, wie sich seine Lippen bewegten, seine Augen lasziv blitzten, ihn musterten. Er wollte ihn erleben, wie er ihn mit Blicken ausziehen würde, ihn mit den Augen verschlang. Er konnte tief in ihn blicken, wusste, wie er sich fühlte, wusste, was ihn bewegte, weil er dasselbe empfand, weil sie vom gleichen Schlag waren. Er würde ihn verstehen.

Markus schob sich hoch, griff nach dem Telefon. Er würde es ihm sagen, auch wenn es völliger Blödsinn war. Es war ihm gerade egal. Da war zu viel Alkohol in seinem Blut, um rationell zu denken.

Alex, ich will dich, würde er zu ihm sagen. Ich will dich mehr, als jeden anderen. Ich will dich spüren, will mich in dich versenken und mit dir eins werden, deinen Duft in meiner Nase, dein wunderbarer Körper ganz eng neben meinem.

Tief atmete er ein, wählte mit bebenden Fingern und lauschte auf das Freizeichen. Ich will dich, Alex, murmelten seine Lippen tonlos. Ich will dich, ich brauche dich.

Doch niemand nahm ab. Irgendwann sprang die Mailbox an.

Markus presste die Lider zusammen, als er dem Ansagetext lauschte. Er wollte so gerne hören, wie Alex ihm zuflüsterte: „Ich liebe dich, Markus. Ich begehre dich, ich will dich.“

Stattdessen sagte er: „Hinterlassen Sie mir eine Nachricht, ich rufe zurück.“ Dann war die wundervolle Stimme weg und Markus stöhnte enttäuscht auf.

„Ich will dich“, murmelte er leicht lallend und presste das Handy ganz eng an sein Ohr. „Nur dich …“

Was würde ich dafür geben, wenn Alex jetzt hier wäre. Alles. Markus schloss die Augen und träumte …

„Irgendwie Top“, Seite 122 (c) Chris P. Rolls

„Schön für dich“, kam es weitaus weniger euphorisch von Tim und Markus konnte ein lautes Gähnen vernehmen. „Du hast doch dauernd Sex.“

„Aber noch nie so!“, erklärte Markus entschieden. „Es war … gigantisch, einfach …“ Tief holte er Luft und rang um die passenden Worte, da unterbrach ihn Tim: „Äh, Markus? Du weißt schon, wie spät es ist?“ Wusste er nicht, also sah er auf die Uhr am Armaturenbrett.

„Oh!“ Markus‘ Hochgefühl bekam einen gehörigen Dämpfer.

„Ja: Oh“ Tim ahmte seinen Tonfall nach. „Es ist schon nach drei Uhr und ich habe morgen Schule. Muss eine blöde Matheklausur schreiben.“

„Sorry, Kleiner“, gab Markus zerknirscht von sich. Scheiße, er hatte echt jedes Zeitgefühl verloren.

„Schon gut.“ Tim brummte gähnend. „Hey, ich komme morgen nach der Schule im Studio vorbei, bevor ich zu Mark gehe, ja? Dann kannst du mir alles erzählen.“

Mark. Ja, klar. Tim war fast jeden Tag bei ihm. Junge Liebe eben. Markus kam sich plötzlich dumm, ja überaus peinlich vor.

„Ja! Gut, ja.“ Die Euphorie war verflogen. Hart war er wieder in der Realität gelandet.

„Good night, Markus.“ Tim verabschiedete sich zögernd.

„Yes. Night, Struppi“, antworte Markus mechanisch und er ließ das Handy in seiner Tasche verschwinden.

Das unruhige Hochgefühl kehrte nicht zurück, war nun vernünftigeren Gedanken gewichen. Erst später, in seinem Bett, als Markus schlaflos an die Decke starrte und sich jede Einzelheit seiner Begegnung mit Alex ins Gedächtnis zurückrief, breitete sich erneut ein seliges Lächeln auf seinem Gesicht aus. Es verschwand auch nicht, als er endlich, endlich einschlief.

Womöglich wurde es sogar noch stärker, während ihm das Unterbewusstsein in seinen Träumen sehr glaubhaft die Berührung weicher Lippen vorgaukelte, ihn glauben machte, er würde mit Alex zusammen im Bett liegen. Eng beieinander, mit Armen und Beinen verschlungen, an ihn gepresst, seine Nase in Alex‘ Haaren vergraben, tief seinen Duft einatmend. Wie zwei gezähmte Raubtiere.

Panther und Löwe.

„Irgendwie Top“, Seite 211 (c) Chris P. Rolls

Abermals seufzte Alex auf und kramte plötzlich in seiner Jackentasche. Er zog einen Euro hervor und drehte die Münze nachdenklich in den Fingern. Gebannt schaute Markus auf das glänzende Stück Metall. Sie grinsten sich verstehend an.

„Was wählst du?“ Alex warf die Münze mehrmals hintereinander in die Luft.

„Kopf.“ Markus lächelte süffisanter und er trat einen Schritt auf Alex zu. „Deinen, Faceman!“, raunte er ihm zu. Alex zuckte zusammen und sein schöner Mund zuckte, die Augen blitzten gefährlich auf. Raubtieraugen. Er lachte und meinte: „Nun gut, dann nehme ich die Zahl … oder auch die Zentimeter, mein gut bestückter Muskelmann!“ Beide schmunzelten. Die nächste, die entscheidende Spielrunde war eröffnet. Ihr Spiel!

„Na los!“, forderte Markus in atemloser Spannung. „Beeile dich, du musst zum Flieger.“

„So ungeduldig?“ Alex spielte scheinbar gelassen mit der Münze, aber seine Finger zitterten ganz leicht. Auch Markus‘ Atem beschleunigte sich, als Alex die Münze einmal fest umschloss und ihn direkt ansah. Seine Zungenspitze leckte flüchtig über die Lippen, dann biss er sich in die Wange und warf die Münze hoch.

Markus wandte den Blick nicht von Alex‘ Augen ab, nur aus dem Augenwinkel bekam er mit, wie der Euro in die Luft wirbelte, beinahe in Zeitlupe den Höhepunkt seines Fluges erreichte und zurückkam. Zielsicher landete er in Alex‘ offener Hand. Keiner der Männer hatte den Blick vom anderen gelassen. Sie saugten sich aneinander fest, sahen sich unverwandt an. Langsam senkte Alex den Blick und begann zu lächeln.

„Und?“ Markus vermochte es nicht den Blick von Alex zu lösen. Es ging nicht. Sein Herz raste so schnell und seine Knie fühlten sich verdammt wackelig an. Alex‘ Gesicht blieb ausdruckslos. Er starrte bewegungslos auf die Münze. Langsam senkte auch Markus den Blick.

„Dein Spiel, Markus“, raunte Alex ihm zu, drückte ihm die Münze in die Hand, hob seine Tasche und marschierte hastig davon. Er winkte ihm noch einmal zu, bevor er in der Kontrolle verschwand. Markus sah ihm nach, bis er nichts mehr von ihm sehen konnte. Erst dann senkte er den Blick auf das kleine Stück Metall.

Er hatte es genau gesehen.

So wie Alex.

Das Spiel war entschieden.

Kopf.

„Irgendwie Top“, Seite 279-280 (c) Chris P. Rolls

„Lampenfieber?“ Markus hielt an einer umspringenden Ampel.

„Ich kann nicht gerade behaupten, ich würde gleich einpennen vor Langeweile“, gab Alex betont gelassen, konträr zu seinen Gesten zurück und ergänzte seufzend: „Meistens wird es erst besser, wenn man voll ins Scheinwerferlicht tritt oder in die laufende Kamera schaut.“ Belustigt fuhr Markus wieder an, kaum sprang die Ampel um.

„Zum Glück entscheidet heute auch keiner über den Oscargewinner.“

„Nicht?“, gab Alex gespielt erstaunt zurück. „Und weswegen musste ich dann diese lange Dankesrede auswendig lernen?“

„Na, um meinen Eltern auf den Knien dafür zu danken, dass sie so einen tollen Sohn in die Welt gesetzt haben, der dir als Bodyguard, Krankenschwester und Chauffeur Dienste leistet.“

Alex lachte laut auf. „Du meinst den Teil mit der Nachtschicht und den Überstunden sollte ich allen Ernstes weglassen? Ihr Sohn ist dabei immer so engagiert.“ Markus stutzte einen Moment, überlegte und nickte schmunzelnd.

„Ich glaube, die Details wollen sie beide nicht wirklich wissen. Lass sie besser aus.“

„Gut, dann spare ich aus, wie gut du mir gelegentlich zur Hand gehst und wie eifrig du immer bestrebt bist, mit mir zu kommen.“ Sie grinsten sich an und lachten lauthals los. Nur langsam ebbte das Lachen ab, während Markus sich durch den restlichen Berufsverkehr quälte.

Wir fahren wirklich zu meinen Eltern, kam ihm zu Bewusstsein. Mein Freund und ich. Mit Blumen und einem Geschenk für Dad. Wie ein echtes Schwulenpärchen. Scheiße, wie verflucht noch einmal bin ich noch einmal in diese Situation geraten?

„Irgendwie Top“, Seite 357 (c) Chris P. Rolls

Der Alkohol brannte in der Kehle, brachte leider weitere unliebsame Gedanken. Vielleicht hatte Mum doch ein wenig recht. Alex war so ganz anders als er, lebte in einer völlig anderen Welt. Ob er Markus nicht irgendwann für dumm halten würde, weil ihm mal wieder im richtigen Moment die Worte fehlten? Alex wusste immer, was er sagen wollte, brachte immer das Richtige heraus, ohne stundenlang darüber nachdenken zu müssen.

„Du weißt schon, dass das hier keine Fickwette mehr ist?“ Alex hatte es auf den Punkt gebracht, während Markus noch stammelnd nach Worten gesucht hatte. Viel Muskeln, wenig Hirn.

Markus presste grimmig die Lippen aufeinander. Aber Alex mochte ihn, begehrte ihn und ja Tim hatte gemeint, man würde doch sehen, wie verliebt er ihn ansah. Scheiße ja! Markus hatte die Blicke bemerkt. Blicke, die in ihn drangen, sein Innersten nach Außen kehrten.

Ich liebe ihn wirklich. Er stöhnte innerlich, spülte das ungeliebte Wort gleich wieder hinab. Alex mich wohl auch, glaube ich. Nur wird es so bleiben? Was, wenn er entdeckt, dass ich nicht so toll bin, wie er denkt? Wenn er bemerkt, wie wenig ich von allem weiß? Ich kann ihm nichts mehr vormachen, der durchschaut mich völlig. Keine Chance!

Seufzend rutschte Markus tiefer, stellte die Flasche auf seinem breiten Brustkorb ab und drehte den Kopf, um einen Blick auf das Handy zu werfen. Es lag dunkel da, zeigte keine SMS oder einen Anruf an.

Dummes Teil. Vielleicht ist es defekt? Oder hat keinen Empfang? Verdammt noch einmal ruf endlich an!

Er schloss die Augen. Er wollte Alex hier haben, ihn in seine Arme schließen, ihn halten und sich endlich entschuldigen dürfen. In Alex‘ Nähe kamen alle Zweifel zur Ruhe. Wenn der ihn küsste, dann wusste er einfach, was sie einander bedeuteten, dass alles egal war, was die anderen dachten.

„Es tut mir leid“, murmelte er. „Ich war dumm. Ich bin manchmal halt ein bisschen schwer von Begriff. Nicht so wie du.“ Markus hob den Finger und zog Alex‘ imaginäre Lippen in der Luft nach. „Du bist smart, intelligent, siehst toll aus, weißt immer wie du dich bewegen, was du tun, was du sagen musst.“ Pokerface, Faceman, ein Traummann. Wirklich! Mein Traummann, gestand sich Markus ein und dachte wehmütig an das Gefühl von Alex‘ Lippen auf seinen. Ganz und gar. Es kann nie wieder einen anderen geben, niemanden wie Alex. Wer sollte da je heranreichen können? Dasselbe hatte er auch einmal von Tim gedacht. Aber gegen das, was er für Alex empfand, war das nur eine billige Teenyschwärmerei gewesen.

Scheiße, scheiße!

„Irgendwie Top“, Seite 396 (c) Chris P. Rolls

„Ich wette, jetzt hat er ein gutes Foto. Du warst klasse!“

Scheiße, dieser Spinner! Hat der das mit Absicht gemacht? Markus schaute Alex verwirrt an. Seine Jeans spannte noch immer und er küsste ihn, lachte leise vor sich hin. Verdammt noch einmal!

„Das zahle ich dir heim!“, zischte er Alex zu und erhob sich viel zu hastig. Ja, wer hinsah, konnte genau erkennen, wie sehr ihn das gerade angemacht hatte.

„Denkst du mir geht es anders?“, flüsterte Alex ihm zu und sein cooles Lächeln wirkte etwas gequälter. „Schauspielern ist entschieden einfacher.“

„Fantastisch!“ Dirk winkte sie heran und Markus war nur zu froh, das helle Flutlicht zu verlassen. Zum Glück hatte keiner mehr hingeschaut. Alles hatte sich um Dirks Computer versammelt.

„Perfekt!“ Per strahlte „Es ist perfekt! Das Bild kommt ins Schaufenster! In jede Filiale, das wird die Werbeanzeige. Das ist einfach genial!“

„Gratulation. Das ist wirklich gute Arbeit“, raunte auch Joschi Markus zu, als er den Hals reckte. Hannes rückte etwas zur Seite und ließ Markus und Alex einen Blick auf das Foto werfen. Alex sog hörbar die Luft ein und grinste dann wie ein Honigkuchenpferd. Markus konnte nur starren und sein Herz pochte wie wild. Das Bild war … unbeschreiblich.

Ihre Lippen berührten sich fast. Alex‘ Hand hatte das Sakko zur Seite geschoben und gab den Blick auf seine kräftigen Brustmuskeln frei. Man konnte förmlich ihren Atem hören, vermeinte das Herzklopfen zu spüren. Es war sexy. Es war atemberaubend und es wirkte total echt. Was es ja auch war.

Begeisterte Stimmen rauschten in Markus‘ Ohren. Er fühlte sich verwirrt, nahm kaum die vielen Hände wahr, die ihm anerkennend auf den Rücken und die Schultern klopften. Jeder gratulierte ihm und Alex, der mit seinem wissenden, zufriedenen Lächeln dastand und immer wieder auf dieses perfekte Bild sah.

Das waren sie, eindeutig, auch wenn es ihm ein wenig fremd vorkam. Zwei Männer, die sich innig ansahen, deren Gefühle aus jedem Pixel dieses Bildes sprangen. Verliebt. Völlig verknallt. Einander verfallen. Es war unglaublich. Das perfekte Bild zweier sich liebender Männer.

„Irgendwie Top“, Seite 506-507 (c) Chris P. Rolls

Das war’s für diese Woche – ich hoffe, die Zitate gefallen euch und machen Lust auf mehr. Kommende Woche könnt ihr euch auf „Tajo@Bruns_LLC“ von Bianca Nias freuen. In gewisser Weise ist ein Zitate-Freitag mit ihr auch schon überfällig 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Casto – Gefährte des Feuers von Xenia Melzer

9783958181298

Autor: Xenia Melzer
Taschenbuch: 346 Seiten
ASIN: B01J7L1W6I
Preis: 4,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
In seinem bisherigen Leben ist dem Halbgott Renaldo nahezu alles geglückt: er gilt im Kampf als unbesiegbar und dank seiner Schönheit liegen ihm Männer und Frauen zu Füßen. Einzig die Tatsache, dass ihm sein „Herz“ fehlt (die Person, die ihm seine wahren Kräfte zurückgibt, insofern er und sein Bruder Canubis alle Emeris finden, die ebenfalls einen Teil ihrer Macht ausmachen), macht dem Kriegsgott zu schaffen. Da nimmt er mit seinen Kriegern in einer Oase den sturen, widerspenstigen Casto gefangen und macht ihn zu seinem Sklaven. Dass dieser sich unter keinen Umständen unterordnen will sorgt für eine explosive Mischung, die tagtäglich Spannungen mit sich bringt. Während die übrigen Männer des Heeres die Auseinandersetzungen skeptisch beobachten, bringen die Sklaven Casto nur wenig Freundschaft entgegen. Dennoch ist Castos Stand hoch, da er es mit Renaldo länger aushält, als jeder andere vor ihm …

Eigene Meinung:
Der erste Band der „Gods of War“ Reihe von Xenia Melzer und erschien Juni 2016 in englischer Sprache bei Dreamspinner Press. Nur zwei Monate später veröffentliche Ullstein Forever die deutsche Fassung des Fantasy-Romans unter dem Titel „Casto – Gefährte des Feuers“. Weitere Bände sind in Arbeit und sollen im Dezember 2016 und Sommer 2017 in englischer Sprache erscheinen.

Die Geschichte spielt in einer fiktiven Welt in der den Kriegsgöttern Canubis und Renaldo ihr Ruf vorauseilt. Regelmäßig überfallen und plündern sie mit ihren Kriegern Städte, zumeist im Auftrag mächtiger Herrscher. Ansonsten leben sie in einem Tal abseits der übrigen Menschen. Sie sind auf der Suche nach ihren Emeris (Kriegern) und ihrem „Herzen“, um ihre wahre Macht zu erlangen und irgendwann die Herrschaft über die Menschen erringen zu können. Während Canubis sein Herz bereits gefunden hat, ist Renaldo noch auf der Suche. Währenddessen entspinnt sich im Hintergrund eine Intrige, denn nicht jeder ist den beiden Söhnen der Schöpfergöttinnen wohlgesonnen und manche setzen alles daran zu verhindern, dass Renaldo sein Herz findet.
Was spannend und fantastisch klingt, kann leider so gar nicht fesseln, denn es passiert fast gar nichts. Es ist bewundernswert, dann die Autorin fast 350 Seiten geschrieben hat, auf denen zu 90% nichts geschieht. Wer Action, Abenteuer und spannende Intrigen erwartet, kommt hier gar nicht auf seine Kosten, denn Xenia Melzer schafft lediglich einen Einstieg in ihre Welt, ohne Fragen zu beantworten und auf die kommenden Bände neugierig zu machen. Dabei setzt sie mit einem Prolog über die Entstehung der Welt durch die beiden Göttinnen an und beschreibt die Hintergründe zu den beiden Halbgöttern Canubis und Renaldo (etwas, was man auch im Laufe der Handlung hätte einfließen lassen können, was wesentlich mehr Spannung erzeugt hätte). Anschließend betritt Casto die Bühne und setzt mit seinen 16 Jahren im berittenen Kampf einfach so drei Jahrhunderte alte Krieger aus dem Gefecht – ob das wirklich logisch ist, muss jeder selbst entscheiden. Es folgen endlose Kämpfe und verbale Gefechte zwischen Renaldo und Casto, die irgendwann miteinander im Bett enden. Letzteres macht schließlich den Hauptteil der Geschichte aus – der Halbgott und sein neuer Sklave scheinen fast nichts anderes zu machen, als die Nächte durchzurammeln und tagsüber ihren „wichtigen“ Geschäften nachzugehen (natürlich findet sich auch da genügend Zeit für einen kurzen Quickie). Glücklicherweise werden die erotischen Szenen nicht ausgeschrieben, sondern an passender Stelle ausgeblendet, dennoch hat man das Gefühl, dass die beiden kaum etwas anderes machen. Wer denkt, dass sie sich dabei näher kommen oder zumindest irgendwann Vertrauen zueinander aufbauen, irrt sich – die Beziehung der beiden ist einfach nicht gesund, da sie zumeist durch Gewalt und Hass dominiert wird und auch in leichten BDSM-Zügen endet. Wirkliches Knistern, aufeinander zu bewegen und kennenlernen gibt es bei den beiden nicht – sie definieren ihre Gefühle zueinander übers Bett, zumeist nachdem sie sich zuvor fast an die Gurgel gegangen sind und ihr Hass in Lust umschlägt.

Da selbst Xenia Melzer irgendwann die Ideen auszugehen scheinen, führt sie schließlich einen anderen Charakter ein – Daran, einen jungen Dieb, der schließlich Sklave bei den beiden Wüstenkriegern wird, was in einem entsprechend erotischen Dreier endet. Welchen Sinn Darans Geschichte für die Haupthandlung hat, kann man nur schwer beurteilen, denn mehr als eine Einführung und entsprechende Sexszenen sind auch hier nicht vorhanden. Ansonsten bekommt man einige Info-Dumps über die Vergangenheit einzelner Emeris (Darans zwei Wüstenkrieger und eine Attentäterin), während man von Casto fast gar nichts erfährt. Xenia Melzer streut zwar vereinzelt Hinweise auf seine Herkunft und Vergangenheit, doch es wird nahezu nichts verraten. Nach 350 Seiten weiß man über ihn genauso viel wie am Anfang – fast nichts. Genauso ergeht es dem Leser mit der Handlung – es ist fast nichts passiert. Die angesprochenen Intrigen der Gegner werden in zwei knappen Szenen angedeutet, kommen im Buch jedoch nicht zum Tragen. Man hat weder Kämpfe, noch Intrigen, keinerlei spannende Hintergründe oder Charakterentwicklungen. Es passiert einfach nichts. Selbst das Ende des Buches ist vollkommen unspektakulär – kein Endkampf, kein Cliffhanger. Es endet einfach mittendrin und man fühlt sich fast um die Lesezeit betrogen, die man in „Casto – Gefährte des Feuers“ gesteckt hat.

Die Charaktere können ebenfalls nicht wirklich überzeugen. Casto und Renaldo wirken sehr unsympathisch, arrogant und überheblich. Gerade Casto, der in Gefangenschaft gerät und im Grunde keinerlei Rechte mehr hat, kommt oftmals zu eigensinnig daher, sowohl gegenüber Renaldo, als auch gegenüber anderen Sklaven. Seine temperamentvolle Art wirkt eher kindisch störrisch und nervt mit der Zeit einfach nur. Im Grunde ist er selten in der Position so große Töne zu spuken und es ist seltsam, dass er dafür nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Auch wirkt er mit der Zeit arg „Gary-Sue“-mäßig, weil er nebst schrecklicher, geheimnisvoller Vergangenheit nahezu alles kann. Wer darauf hofft, dass sich Casto weiterentwickelt, wird leider ebenfalls enttäuscht – er ist zum Ende des Buches genauso unausstehlich und arrogant, wie am Anfang. Renaldo ist da wesentlich erträglicher, auch wenn er als perfekter Krieger und überirdisch schöner Mann ebenfalls sehr überheblich daherkommt und kaum Fehler hat. Warum er so extrem an Casto hängt, kann man nur schwer nachvollziehen, denn sein Sklave untergräbt seine Autorität im Grunde permanent.

Die übrigen Figuren kommen mal verstärkt, mal am Rande vor, haben aber keinerlei größere Bewandtnis für die Handlung. Canubis und seine Frau spielen kaum eine Rolle, Daran ist nur dafür da, um den Wüstenkriegern als Sklave zu dienen und so etwas wie Castos Freund zu werden und die übrigen Emeris und Sklaven wirken wie Staffage. Es ist nicht abzusehen, welchen Platz sie in der eigentlichen Handlung aufnehmen, da im ersten Band keinerlei Hinweise gegeben werden.

Stilistisch ist Xenia Melzers Buch Geschmackssache. Das liegt vor allem an den Sprüngen in der Perspektive. Mit der Zeit hat man zunehmend Probleme der Geschichte zu folgen, da mal aus der Sicht eines Charakters geschrieben wird (Casto oder Ranaldo, später auch Daran, die Wüstenkrieger und einige Sklaven), dann plötzlich zu einer auktorialen Erzählweise gewechselt wird und dann wieder zurück. Es ist ein ewiges Hin und Her, wodurch man sich auf nichts einstellen kann und sich mit keinem der Charaktere wirklich identifizieren kann. Auch die Kämpfe sind sehr holprig beschrieben – zumeist weiß man nicht genau, wer was macht und wer welche Attacke ausführt. Gerade bei Kämpfen zwischen mehr als zwei Figuren verliert man schnell den Überblick. Leider wird auch die Welt nicht wirklich bildlich und greifbar – dazu erfährt man einfach zu wenig von den Ländern, Städten, den übrigen Bewohnern und den gesellschaftlichen Hintergründen. Dadurch wirkt die Welt teils mittelalterlich, teils moderner (letzteres liegt auch an der modernen Sprache), so dass man kein genaues Bild einer Fantasywelt im Kopf hat.

Fazit:
„Casto – Gefährte des Feuers“ ist ein Buch, das viel verspricht und wenig hält. Wer eine spannende, abgeschlossene Geschichte (oder zumindest einige Antworten auf aufgeworfene Fragen) erwartet, wird definitiv enttäuscht werden, denn mehr als Sex und einige (am Rand vorkommende) Kämpfe hat Xenia Melzers Buch nicht zu bieten. Auch die Charaktere können nicht überzeugen, da sie zu unsympathisch und arrogant daherkommen und sich kein Stück weiterentwickeln. Es mangelt an Action, Spannung, Intrigen und wirklichen Gefühlen innerhalb der Sklaven-Herr-Beziehung von Casto und Renaldo, denn die beiden scheint lediglich Gewalt und Lust aneinander zu binden, keinerlei wirkliche Sympathie oder gar Liebe. Trotz einiger guter Ansätze kommt die Geschichte nicht in Schwung und dümpelt ereignislos vor sich hin, denn weder die geheimen Intrigen der Gegner, noch die Geschichte um die Göttinnen kommt wirklich zum Tragen. Schade – da hätte man wesentlich mehr draus machen können.

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[ZITATE-FREITAG] Sutphin Boulevard

Hallo ihr Lieben,

erst am Mittwoch habe ich euch den Roman von Santino Hassell vorgestellt, jetzt möchte ich ein paar Zitate aus dem Roman präsentieren, die mir sehr gut in Erinnerung geblieben sind. Dieses mal sind es recht lange Zitate geworden, aber teilweise ging es einfach nicht anders – ich unterbreche halt ungerne mittendrin (im Grunde gäbe es noch weitere Stellen, die ich gerne zitieren würde). Ich hoffe, die Auswahl gefällt euch und macht euch neugierig – ich kann das Buch empfehlen und freue mich schon jetzt auf Band 2.

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meine Rezension

Zugegeben, es war ziemlich armselig, mich zu verstecken. Aber ich sah nicht ein, warum ich offen schwul sein sollte, bevor ich nicht wirklich fest mit jemandem zusammen war. Mein Schwulsein würde nur heißes Öl auf das Feuer gießen, das schon zwischen mir und meiner Familie brannte – insbesondere zwischen meinem Vater und mir.

Nunzio schnippte vor meiner Nase mit den Fingern. „Was zum Henker hast du nur? Ist es wegen letzter Nacht?“

Mein Gedankenfluss kam abrupt zum Stehen. „Was? Nein! Wieso sollte ich damit ein Problem haben?“

„Hm, lass mich überlegen. Vielleicht weil ich das Pornodrehbuch ein bisschen umgeschrieben und dir meinen Schwanz in den Arsch gesteckt hab?“

„Ay Dios….“ Ich sah mich um. „Sprich leiser.“

“Scheiß auf die Leute hier.“

Ich stieß ihm mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Jetzt reg dich ab. Ist nicht deswegen. Wir waren beide betrunken. Es ist passiert. War kein Ding.“

Seine Mundwinkel zogen sich nach unten. „So siehst du das also.“

„So habe ich‘s nicht gemeint, und das weißt du ganz genau.“

„Sutphin Boulevard“, S. 35 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Das hoffe ich, denn dann müsste er auch zugeben, dass er mit seinem früheren Teamleiter geschlafen hat.“

„Früheren Teamleiter?“ Ich setzte mich auf mein Pult. „Papi, Nunzio und ich kennen uns seit 20 Jahren. Damals hast du noch Sesamstraße geguckt und gelernt, aufs Töpfchen zu gehen. Ich bin so viel mehr als sein ehemaliger Teamleiter.“

Triumphierend zeigte David mit dem Finger auf mich. „Hab ich’s doch gewusst. Ihr seid doch zusammen!“

„Nein“, verbesserte ich ihn. „Er ist seit 20 Jahren mein bester Freund. Wir haben nichts miteinander. Das war das erste Mal, dass wir je sowas gemacht haben. Du hast uns inspiriert.“

„Blödsinn.“

„Wieso Blödsinn?“

David ließ die Hand sinken. „Wie er dich angesehen hat, wie du deine Finger nicht von ihm lassen konntest – es hat einfach so ausgesehen, als wäre er dein Lover. Davon, dass er kein Kondom benutzt hat, ganz zu schweigen.“

„Sutphin Boulevard“, S. 61 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Ich bin stolz auf dich, Michael. Ich wollte, dein Bruder wäre mehr wie du.“

„Dann benimm dich doch so. Versuch ihm beizubringen, wie man ein Mann wird. Hilf ihm, sich einen Job zu suchen, frag deine Freunde, ob sie jemanden kennen, der ihn einstellt. Tu irgendwas, außer ihn schlechtzumachen. Mach das, was du verdammt nochmal schon vor Jahren hättest tun sollen, dann fängt er vielleicht auch an, darüber nachzudenken, ob er Respekt vor dir haben sollte.“ Ich zog die Vorhänge zu. „Sei sein Vater und hör auf, eine Last zu sein.“

„Bald bin ich tot, dann falle ich keinem mehr zur Last.“

Er sah mich an und wartete auf eine Reaktion, aber ich behielt den gleichgültigen, harten Ausdruck bei. Ich weigerte mich, ihm zu zeigen, wie seine Worte mich innerlich aufwühlten und die Flasche in meiner Hand schwerer und schwerer machten. Ich hatte ganz vergessen, dass ich sie immer noch umklammert hielt.

Ich stellte die Flasche auf dem Couchtisch ab und zuckte die Achseln, als wäre er mir gleichgültig. Es war einfacher, ihn weiter abzulehnen, als ihm zu zeigen, wie vollkommen unvorbereitet ich darauf war, den zweiten Elternteil auch noch zu verlieren.

Das Schweigen zwischen uns zog sich in die Länge und wurde nur unterbrochen vom entfernten, dumpfen Aufprall des Balls auf Beton, dann drehte Joseph sich mit feuchten Augen weg.

Ich biss mir auf die Backe, um mich davon abzuhalten, mich zu entschuldigen und sah ihn mit gesenktem Kopf aus dem Zimmer gehen.

„Sutphin Boulevard“, S. 98 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Ach, das Übliche. Papa unterstellt doch schon immer, dass Nunzio mich langsam schwul macht.“

„Dann sag ihm doch einfach, dass du auch schon schwul warst, bevor du Nunzio kennengelernt hast.“

Nunzio zog gerade an der Pfeife, und bei Raymonds Worten verschluckte er sich am Rauch und fing an zu husten.

Ich starrte meinen Bruder an. Jetzt war ich es, der so tat, als sei er ein Ölbild. Ich versuchte, mein Gehirn neuzustarten, aber alles, was ich herausbrachte, war ein schwaches „Hä?“, während Nunzio nach Luft schnappte und mit der Hand auf die Matratze schlug.

Raymond rollte die Augen. „Ja denkst du denn ernsthaft, ich bin bescheuert? Wir haben uns verdammt nochmal ein Zimmer geteilt, Alter. Und ich bin dir überall nachgelaufen, als ich klein war. Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich es nicht mitbekommen habe, wenn du immer aufs Dach oder hinter den Klos am Teich verschwunden bist?“

Die viel entscheidendere Frage war, warum ich mir eigentlich so sicher gewesen war, dass meine Ausflüge in den Captain-Tilly-Park unentdeckt geblieben waren, und warum ich nie darauf gekommen war, dass mein nerviger kleiner Bruder mir einfach folgen würde, wenn ich ihn mal wieder abgehängt hatte.

Beim Gedanken, dass der kleine Raymond beobachtet hatte, wie irgendein Typ bis zum Anschlag in meinem Mund oder meinem Hintern steckte, hätte ich mich am liebsten von der nächsten Brücke gestürzt.

„Sutphin Boulevard“, S. 149 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Pa ist tot.“ Raymond klang hölzern. Er sah auf seine Füße hinunter. Sie waren nackt. „Ich hab versucht, ihn zu wecken, aber er ist nicht aufgewacht. Ich dachte, er schläft.“

Das Gefühl in meiner Brust war vertrauter als mir lieb war: In mir breitete sich ein Loch aus, das immer größer wurde. Es war so dunkel, dass es mein Herz verschluckte und mir die Luft abschnürte.

„Ich …“

Ich sah den Polizisten an, aber er war schon mit etwas Anderem beschäftigt. Das Loch in meiner Brust wuchs weiter und schluckte all meine Gefühle wie ein Vakuum. Raymonds Finger gruben sich in meinen Arm.

„Ich … hätte dich anrufen sollen. Ich hab nicht nachgedacht … ich wusste nicht …“

„Ist okay. Ich kümmere mich drum, Ray. Du kannst hier bleiben.“

„Nein.“ Raymond kam näher und umklammerte mich fester. „Nein, ich komme mit.“

„Sutphin Boulevard“, S. 174 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„So wie Clive?“

Die Pause zog sich hin, aber Nunzio senkte nicht die Augen. Ich fürchtete, das Falsche gesagt zu haben, oder die falsche Frage gestellt zu haben – und das auch noch viel zu spät. An seiner Wange bebte ein kleiner Muskel, und schließlich zuckte er die Achseln.

„Ja. Und er hat es mir unter die Nase gerieben, so oft er konnte, weil er wusste, dass ich dich wollte. Er ist mir sofort auf die Schliche gekommen.“

„Aber ich hab nie was gemerkt.“

„Weil du so an mein Verhalten gewöhnt warst, dass du dachtest, es sei ganz normal. Und es war ja nicht so, dass ich mich jede Nacht nach dir verzehrt habe, aber er hat eben gesehen, wie ich dich manchmal ansehe. Er hat gemerkt, wie es mich fertig gemacht hat, wenn er dich abgeknutscht hat, wenn er dich Baby genannt hat, all diese kitschige Kacke. Und er wusste, wie furchtbar ich die Vorstellung fand, dass du je mit ihm zusammenziehen würdest. Damit bin ich aufgeflogen, an dem Tag, als wir darüber sprachen.“ Nunzio schnaubte leise. „Du warst einkaufen und hast mich mit dem Idioten alleine gelassen, und er hat davon angefangen. Ich muss so ausgesehen haben, als hätte mir gerade einer die Eier abgeschnitten, und von da an wusste er genau, was mit mir los war.“

„Ich wär nie im Leben mit ihm zusammengezogen.“

„Vielleicht nicht. Aber du hast es trotzdem ernst gemeint mit ihm. Ich war früher schon eifersüchtig auf deine anderen Kerle, aber da ging es um Sex. Die durften dich anfassen und ich nicht. Aber mit Clive … eine Zeitlang sah es wirklich so aus, als würdet ihr zusammenbleiben. Es war einfach anders.“

„Sutphin Boulevard“, S. 203 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

Der nächste Gedanke schoss mir so schnell durch den Kopf, dass ich erschrak.

Ich wollte nach Hause, duschen und dann meinen Kater mit einem Drink bekämpfen. Ich wollte es so sehr, dass ich es förmlich schmecken konnte. Ich konnte die Erleichterung spüren, spüren, wie meine Kopfschmerzen nachließen und wie meine Anspannung sich löste. Ungefähr 30 Sekunden lang wies ich den Gedanken von mir. Dann sagte ich mir, dass ein einziger Drink nicht schaden würde. Nur um den Kopf wieder klar zu bekommen. Nur zum Entspannen und um den Kater loszuwerden. Aber würde ein Drink wirklich ausreichen? Meine Toleranz war mittlerweile so groß, dass es etwas Starkes sein müsste …

Zum ersten Mal seit Wochen war ich ausgeruht und hatte keine Giftstoffe mehr im Blut. In der Helligkeit des flimmernden Lichtes sah ich viel zu klar, wie sehr diese Gedanken all das bestätigten, was Raymond gesagt hatte.

Scheiße.

„Sutphin Boulevard“, S. 229 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

„Wenn eins zum anderen kommt …“ Ich machte eine Pause und versuchte in Worte zu fassen, was mich jeden Tag beschäftigte. Es war schwierig, auszudrücken, was einer der Hauptgründe dafür war, dass ich in der Therapie nie etwas sagte. „Wenn etwas passiert, das ich nicht in Ordnung bringen oder kontrollieren kann, bin ich so gestresst, dass ich mich abschalten muss. Sonst drehen sich meine Gedanken die ganze Zeit im Kreis.“ Ich drehte den Finger neben meinem Ohr. „Ich kann nicht schlafen, also bleibe ich wach und brüte weiter. Am nächsten Tag bin ich dann total fertig, und dann wird es nur noch schlimmer. Alles ballt sich in meinem Kopf zusammen, bis ich kurz davor bin zu explodieren, und ich denke immer wieder die gleichen beschissenen Gedanken. Es endet damit, dass ich will, dass es aufhört, und das passiert nur, wenn ich aufhöre, ich selbst zu sein und mir selber entkomme. Meinen Problemen. Einfach allem.“

„Und das gelingt dir, wenn du trinkst?“

„Das gelingt mir, wenn ich trinke.“

Fix nickte verständnisvoll. „Also hast du lieber einen Filmriss als du selbst zu sein?“

„Manchmal schon. Und ich weiß genau, wie es sich anhört.“

„Es klingt so, als ob du ein schwarzes Loch willst und nicht die Wirklichkeit. Lieber eine große Lücke als dein Gedächtnis. Und immer, wenn mir jemand so etwas erzählt, frage ich mich, wie lange es noch dauert, bis sie für immer weg sein wollen.“

„Sutphin Boulevard“, S. 258 (c) Santino Hassell / Dreamspinner Press

Damit verabschiede ich mich für diese Woche – mal schauen, was ich mir für die kommende Woche rauspicke. Aktuell habe ich noch keine Ideen. Wie immer könnt ihr mir eure Wünsche mitteilen – ich würde mich freuen.

Liebe Grüße,
Juliane