Archiv der Kategorie: Drama

[ROMAN] Beach Café von Jeremy Reed

Autor: Jeremy Reed
Hardcover: 124 Seiten
ISBN: 978-3037620571
Preis: 19,80 EUR (Hardcover)
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Story:
Vier Jugendliche genießen ihren letzten „freien“ Sommer an einem Strand der Atlantikküste der 80er Jahre und zelebrieren den Einstieg in die Welt der Erwachsenen auf ihre Art und Weise. Während ihr selbsternannter Anführer Dione Drogen nimmt, Frauenkleider trägt und sich seine Eskapaden von reichen Herren bezahlen lässt, schwelgen die anderen in den Gedichten und Texten von Rimbaud und Cocteau, hören Musik und versuchen sich auf ihre jeweilige Zukunft vorzubereiten, in der es gilt sich Konventionen und Regeln zu unterwerfen. Alles ändert sich schlagartig, als der bodenständige Nicholas im Meer ertrinkt und die Jungen aus ihrer Blase aus Hoffnungen, Träumen und Lebensflucht reißt …

Eigene Meinung:
„Beach Café“ ist der erste Roman von Jeremy Reed, der den Weg nach Deutschland gefunden hat. Da der Autor nicht nur über 40 Veröffentlichungen vorzuweisen hat, sondern seit den 70er Jahren als Englands dekadentester, kontroversester und ungewöhnlichster Autor gilt, ist es erfreulich, dass sich der bilgerverlag entschieden hat, in den kommenden Jahren seine wichtigsten Bücher in Deutschland herauszubringen. „Beach Café“ macht dabei den Anfang.

Die Geschichte spielt im Laufe eines Sommers und setzt vier Jugendliche ins Zentrum, die auf dem Weg sind, sich selbst zu finden und ihren Sprung in die Erwachsenenwelt zu wagen. Jeden treibt es in eine andere Richtung – Dione verkauft sich an reiche Herren, die seine Drogensucht finanzieren und der sich erwachsener und reifer als die anderen sieht; Paul ist Sohn eines Bauern, der sich zu Männern hingezogen fühlt, seine Sexualität jedoch innerhalb seiner konservativen Familie nie wirklich zeigen kann; und Nicholas ist der einzige Sohn eines Immobilienmakler und damit weitestgehend frei, was seine Vorlieben und Entscheidungen angeht. Der Ich-Erzähler wiederum lässt sich treiben, schreibt Lieder und Gedichte und beobachtet seine Freunde, bis er auf Diana trifft, die ihn vollkommen verzaubert und auf ihre Art fesselt.
Das erste Drittel des Buches wendet Jeremy Reed für ausufernde und sehr exzessive Beschreibungen der Protagonisten auf – gespickt mit vielen Adjektiven und Schachtelsätzen werden dem Leser die grundverschiedenen Jungen näher gebracht, ebenso der Strand mit seinem verborgenen Treffpunkt für Schwule. Hinzu kommen Gedichte, Liedtexte und Textauszüge bekannter Schriftsteller und Musiker, denen der Autor auf diese Weise ein Denkmal setzt. Ab der Hälfte nimmt die Handlung dann ein wenig mehr Fahrt auf, da die Jungs sich erstmals größeren Problemen entgegenstellen und sich teilweise für den Tod eines Freundes rechtfertigen müssen. Dabei werden alle auf ihre Art erwachsen, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Ich-Erzähler liegt, der sich letztendlich abkapselt und seinen eigenen Weg geht.

Die Figuren sind authentisch und gut greifbar, wirken allerdings teilweise nicht ganz wie 18-jährige Jugendliche. Gerade der Ich-Erzähler ist manchmal zu poetisch, seine Verweise auf historische Ereignisse, Dichter und Künstler wirken etwas zu hochgestochen und stünden eher einem gestandenen Mann Mitte vierzig zu, der entsprechende Erfahrungen und passendes Wissen gesammelt hat. Er wirkt bei einigen Monologen einfach nicht wie ein Jugendlicher, der seinen letzten Sommer genießt, sondern wie ein verkappter Musik-/Literaturprofessor. Nichtsdestotrotz sind seine Handlungen und Gedanken von jugendlichem Charakter, gerade wenn es um das Mädchen geht, das er kennenlernt oder seine Eltern.

Sprachlich bewegt sich der Roman auf hohem Niveau – man merkt, dass Jeremy Reed bereits etliche Veröffentlichungen hat und sich im hoch-belletristischen Bereich bewegt. Er schreibt sehr ausführlich, fast schon überschwänglich und hat eine Vorliebe für Adjektive, die seine Texte fast schon inflationär heimsuchen. Mitunter wirkt die Geschichte ein wenig weltfremd, was auch daran liegt, dass es fast keine Dialoge gibt und die Handlung durch innere Monologe des Ich-Erzählers vorangetrieben wird. Auch können die eingeworfenen Songtexte und Gedichte einige Leser stören, da sie einen aus dem Lesefluss herausreißen, doch wer sich daran nicht stört und keinen Wert auf platte Gespräche legt, bekommt einen sehr eindringlichen Roman, der durch eine brillante, verschnörkelte Sprache besticht.

Fazit:
„Beach Café“ ist ein gelungenes, sehr eindringliches Buch über das Erwachsenwerden und das Finden der eigenen Persönlichkeit. Dabei stehen die vier Protagonisten, ihre Herkunft und ihre Gedanken stark im Vordergrund, ebenso die Beschreibungen des Sommers und der schrillen Figuren, die die Geschichte mitbestimmen. Jeremy Reed lässt Raum zum Nachdenken, da er viele Punkte offen enden und Platz für eigene Gedanken lässt. Wer literarisch komplexere Romane sucht, die nichts mit den gängigen Publikationen im queeren Bereich zu tun haben, sollte einen Blick riskieren – insbesondere wenn man anspruchsvolle und tiefgängige Lektüre sucht.

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[ROMAN] Verschwörung der Templer von Jutta Ahrens

Autor: Jutta Ahrens
Taschenbuch: 592 Seiten
ISBN: 978-1520442891
Preis: 2,99 EUR (eBook) / 12,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Deutschland, beginnendes 13. Jahrhundert. Mehrere Kreuzzüge sind gescheitert und haben Tod, Leid und Armut mit sich gebracht. Die Bevölkerung ist müde und hat kaum noch Interesse an den Sorgen der Kirche, die das Heilige Land erobern und die Ungläubigen ausrotten will. Für den angehenden Templer Ocatvien und den Mönch Emmanuel ein untragbarer Zustand. Um das Volk zu motivieren begeben sie sich auf die Suche nach einer Reliquie, die die Templer einst ausgegraben haben sollen und die als neues kirchliches Symbol die Hoffnung wecken soll. Doch was sie finden, ist wesentlich gefährlicher und erschütternder als alles, was sie sich erhofft hatten und zieht sie mitten in eine Intrige, die gegen die Kirche gesponnen wird …

Eigene Meinung:
Mit dem historischen Roman „Verschwörung der Templer“ legt Jutta Ahrens einmal mehr ein gut recherchiertes und aufwendig ausgearbeitetes Werk vor, das nicht geradlinig läuft, sondern sehr vielschichtig und komplex daherkommt, weil es auf mehreren Ebenen abläuft und verschiedenen Charaktere beleuchtet. Wie bei auch bei den anderen Romanen der Autorin lernt man viele verschiedene Figuren und deren Probleme kennen und erhält einen sehr umfassenden Einblick in die historische Epoche des 13. Jahrhunderts.

Die Handlung ist sehr komplex und vielschichtig, so dass man am Anfang nur schwer einschätzen kann, in welche Richtung das Buch geht. Weder kann man vorhersagen, wie das Buch ausgeht, noch welche Charaktere überhaupt den queeren Part ausmachen. Dies ist für Vielleser eine angenehme Abwechslung zu den meisten schwulen Büchern, wo man recht schnell herausfindet, wer mit wem zusammenkommt. Stattdessen muss man sich bei Jutta Ahrens gedulden, bis man erstmals leichte Andeutungen geboten bekommt, die sich letztendlich aber auch in eine explizitere Richtung steigern. Langweilig wird es bis dahin natürlich nicht, denn die Autorin entspinnt eine sehr spannende, komplexe Geschichte, die von einer geheimen Reliquie der Templer, über den Kinderkreuzzug bis hin zu einer geheimen Intrige gegen die Kirche geht. Der Leser ist immer hautnah dabei und erfährt nach und nach, welche Ereignisse zu welchen Ergebnissen führen und welche Konsequenzen all das für die verschiedenen Charaktere hat. Dabei versteht Jutta Ahrens es, die Handlung authentisch und realistisch in Szene zu setzen – sie hat ein Händchen für historische Geschichten, was man an den Beschreibungen der Städte und Dörfer, den Figuren und den historischen Hintergründen merkt. Auch ist der Roman in sich schlüssig und gut durchdacht, so dass alle Ereignisse logisch ineinander greifen und es keinerlei Stolpersteine gibt, die den Leser bei der Lektüre aus dem Konzept bringen. Aufgrund der hohen Spannungskurve und der vielen einzelnen Charaktere kann man „Verschwörung der Templer“ nur schwer aus der Hand legen.

Die Figuren sind ein großer Pluspunkt der Geschichte – sie wirken sehr authentisch und entwickeln sich logisch weiter. Seien es Octavien, der als Adeliger eine ganz eigene Sicht auf die Welt hat und zumeist auf die normale Bevölkerung herabblickt; Emmanuel, der sich in seinem Leben als Mönch nur bedingt zurechtfindet und für den das Anhäufen von Wissen oberste Priorität hat; oder Nicholas, der sich dazu berufen fühlt den Kinderkreuzzug anzuführen und für Gott ins Heilige Land zu ziehen. Sie alle haben ihre Gründe zu handeln, wie sie handeln. Sie wirken sehr menschlich und gut nachvollziehbar – selbst der Attentäter Sinan, der für ein höheres Ziel mordet und für eine neue Religion kämpft.

Stilistisch legt Jutta Ahrens ein gut geschriebenes, sehr umfangreiches Werk vor. Wie von ihr gewohnt, ist auch „Verschwörung der Templer“ im auktorialen Stil verfasst, sprich man muss sich auf viele Perspektivsprünge gefasst machen. Diese sind zu Beginn gewöhnungsbedürftig, doch man kommt sehr schnell in die Geschichte und kann sich gut mit den handelnden Charakteren identifizieren. Die Autorin hat ein Händchen für realistische, gut lesbare Umschreibungen der Umgebung und der Figuren, ebenso von Dialogen und Charakteren. Man kann sich sehr gut in die damalige Zeit hineinversetzen und die komplexen geschichtlichen Ereignisse nachvollziehen.

Fazit:
„Verschwörung der Templer“ ist ein gelungener, sehr gut recherchierter historischer Roman, der durch eine komplexe, gut durchdachte Handlung, authentische Charaktere und einen sehr schönen, stilsicheren Schreibstil besticht. Jutta Ahrens versteht es fiktive Handlungsstränge mit realen historischen Ereignissen zu verknüpfen und daraus spannende, sehr dichte Geschichten zu erzählen. Wer ungewöhnliche historische Romane mag und keinen Wert auf stereotype, queere Charaktere legt, sollte sich „Verschwörung der Templer“ holen – es lohnt sich.

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[ROMAN] Kianusch der Perser von Jutta Ahrens

Autor: Jutta Ahrens
Taschenbuch: 394 Seiten
ISBN: 978-1520442556
Preis: 2,99 EUR (eBook) / 9,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der arrogante, selbstverliebte Perser Kianusch fristet ein Dasein in Wohlstand innerhalb der sicheren Mauern Babylons. Das ändert sich, als er von dem Oberpriester Gaumata beauftragt wird, eine Reihe von Morden aufzuklären, die die unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten treffen. Zunächst ist Kianusch überhaupt nicht begeistert, doch mit der Zeit fängt er Feuer für seinen Auftrag. Dabei lernt er den Gaukler Aschkan kennen, ebenso den „König“ von Bit-Charuru Manu – ohne zu ahnen, welch dunklen Geheimnisse die beiden Männer haben. Während sich Kianuschs Verhalten grundlegend ändert und er sich mehr und mehr zu Manu hingezogen fühlt, stößt er nicht nur auf eine Sekte aus Dämonenanbetern sondern auch auf ein weitreichendes politisches Komplott, dass sich bis ins Königshaus erstreckt …

Eigene Meinung:
Wer historische Romane mit schwulen Helden sucht, kommt an Jutta Ahrens nicht vorbei. Bereits in den 90er Jahren erschien mit „Der König von Assur“ ein Roman, der sich in vielerlei Hinsicht von der breiten Masse abhebt. Mit „Kianusch der Perser“ kehrt sie in die vorchristliche Zeit zurück und bringt, basierend auf historischen Dokumenten, einen spannenden Kriminalfall zu Papier.

Inhaltlich legt Jutta Ahrens ein originelles, historisches Buch vor, das durch eine komplexe Handlung und unvorhersehbare Wendungen besticht. Bereits nach wenigen Seiten ist man in die pompöse Stadt der Götter eingetaucht und wandelt mit den Charakteren durch Babylon. Dank der sehr schönen Beschreibungen und der historisch korrekten Hintergründe wird die Zeit um 525 v.Chr. lebendig und lässt einen so schnell nicht mehr los. Auch der Kriminalfall, den Kianusch lösen darf und die Sekte, über die er bei seinen Ermittlungen stolpert, wirken in sich schlüssig und sorgen dafür, dass man den Roman nur schwer aus der Hand legen kann. Am gelungensten ist jedoch das Finale, bei dem sich alle Fragen klären und so manches unvorhergesehene Geheimnis lüftet.

Neben der tollen Geschichte können auch die Charaktere überzeugen. Was der Autorin bereits beim „König von Assur“ vortrefflich gelungen ist, gelingt ihr auch hier – die allmähliche Wandlung von Kianusch von einem oberflächlichen, arroganten Schönling zu einem mitfühlenden und rechtsschaffenden jungen Mann, der für seine Ideale zu kämpfen bereit ist. Dass er dabei erkennt, dass ihm weibliche Gesellschaft nicht liegt, kommt nur am Rande vor und nimmt kaum Platz ein. Gay Historical Leser werden daher vielleicht enttäuscht sein, denn die wachsende Beziehung zwischen Kianusch und Manu findet nur in kleinen Szenen Erwähnung. Schlimm ist das nicht, denn das Hauptaugenmerk bleibt so auf dem Kriminalfall und den abwechslungsreichen Intrigen, was in dem Fall besser ist.
Neben Kianusch treten weitere spannende Figuren auf – der zum Tode verurteilte Meuchelmörder Artembares, der Gaukler Ashkan, Manu und viele Nebencharaktere, die für die Handlung wichtig sind. Sie alle wirken sehr lebendig und handeln in sich schlüssig. Sie machen den Roman erst zu dem was er ist – authentisch und gut nachvollziehbar.

Auch stilistisch kann „Kianusch der Perser“ überzeugen. Zu Beginn braucht man ein wenig, um sich an den auktorialen Erzählstil zu gewöhnen, doch mit der Zeit hat man keine Probleme mehr mit den Perspektivwechseln und den Sprüngen zwischen den Charakteren. Jutta Ahrens gelingt es trotzdem zu überraschen, obwohl man bei den Morden hautnah dabei ist und von Anfang an weiß, wer hinter den Taten steckt. Das liegt vor allem daran, dass der Auftraggeber im Dunkeln bleibt und man einige Nebenstränge erst mit Kianusch gemeinsam entdeckt.
Sehr gelungen sind auch die Dialoge und die Beschreibungen der Stadt, der Menschen und der Götter- bzw. Dämonenwelt. Jutta Ahrens hat ein Händchen für die damalige Zeit und eine bildhafte Darstellung der Welt. Sowohl die Figuren überzeugen, als auch Babylon mit seinem Pomp und seinen dunklen Gassen. Dank des schönen Schreibstils taucht man problemfrei in die vorchristliche Zeit ein und möchte am Ende gerne weitere Abenteuer mit Kianusch und seinen neuen Freunden bestehen.

Fazit:
„Kianusch der Perser“ ist ein gelungener historischer Roman, der durch eine spannende, komplexe Handlung, sympathische Charaktere und einen guten Schreibstil besticht. Wer Jutta Ahrens „Der König von Assur“ / „Der blutige Thron“ mochte, ist mit diesem Buch gut beraten, denn die Autorin erschafft einmal mehr glaubhaft und authentisch eine antike Stadt und entführt den Leser zu einem abwechslungsreichen Kriminalfall. Wer historische Romane aus der Antike mit einem schwulen Helden mag, sollte zugreifen – sowohl Fans queerer Geschichten, als auch solche, die mit dem Thema noch keine Berührung hatten, werden auf ihre Kosten kommen. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Punk like me von JD Glass

Autor: JD Glass
Taschenbuch: 312 Seiten
ISBN: 978-3955336943
Preis: 9,99 EUR (eBook) | 17,90 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Bis auf gelegentliche Auseinandersetzungen mit ihren Eltern verläuft Ninas Leben in geregelten und soliden Bahnen – sie geht auf eine New Yorker Klosterschule und bringt gute Noten nach Hause, ist Mitglied des Schwimmteams und hat eine Menge guter Freunde. Selbst ihre leicht punkige Natur wird hingenommen und kann weder Eltern noch Nonnen wirklich schockieren. Das ändert sich, als sie Kerry näherkommt, erkennt, dass sie auch ihrer Schwimmkollegin Samantha nicht abgeneigt ist und letztendlich feststellt, dass sie lesbisch ist. Plötzlich bröckelt die Fassade ihrer Eltern, die ihre Kinder zwar lieben und unterstützen, aber nur so lange sie sich den gängigen Regeln und Konventionen unterwerfen. Für Nina bedeutet das sich zwischen ihrer Familie und ihrer Liebe zu Frauen zu entscheiden, zwischen gelebter, aber sicherer Lüge und befreiender, ehrlicher Wahrheit.

Eigene Meinung:
„Punk like me“ stammt aus der Feder J.D. Glass und erschien erstmals 2004 bei Justice Horse Publishing, bevor der Ylva Verlag das Buch 2016 in den USA neu auflegte und schließlich ins Deutsche übersetzte. Die Geschichte um Nina wird in „Punk and Zen“ fortgeführt, in dem Ninas Leben als Erwachsene beleuchtet wird.

J.D. Glass legt einen klassischen Entwicklungsroman vor, sprich die Heldin der Geschichte schafft im Laufe der Zeit den Sprung zur Erwachsenen und findet für sich heraus, was ihr wichtig ist und welchen Weg sie einschlagen möchte. Dabei wirkt die Entwicklung durchaus authentisch und nachvollziehbar, wenngleich die Autorin immer wieder die thematische Gewichtung falsch zu legen scheint. So werden interessante Punkte und Dialoge nur kurz abgehandelt und zusammenfassend widergegeben, erotische Szenen wiederrum in einer Form ausgewalzt und sogar zusätzlich in einer Rückblende wiederholt, dass man die Passagen genervt überspringen möchte. Auch die ausufernde Beschreibung eines Schwimmwettkampfes (so schön und mitreißend sie auch beschrieben ist) passt nicht zur eigentlichen Thematik des Buches (Ninas Suche nach sich selbst und das Treffen eigener Entscheidungen). Das ist sehr schade, da die Autorin im Gegenzug für wichtige Dialoge und auch eine weiterführende, tiefgängige Auseinandersetzung mit einigen Dingen nur wenig Zeit aufwendet. So wirkt Nina nicht so punkig und überzeugend in ihrer Art, wie vielleicht gehofft, wenngleich sie sich zum Ende hin gegen die gängigen Konventionen stellt. Hinzu kommen einige unlogische Aspekte, die ein wenig an der Handlung zweifeln lassen, z.B. dass die Nonnen der Schule nur sehr zurückhaltend auf die Verletzungen eines Mädchens reagieren, das zusammengeschlagen wurde und blutend zusammenbricht. Sicher tickte man in der 80er Jahren (in dem Zeitrahmen dürfte „Punk like me“ angesiedelt sein) in den USA die Welt noch anders, aber gerade Nonnen sollten christliche Werte leben.
Schade ist auch, dass gerade die expliziten, ausgeschmückten Erotikszenen dem Buch die Möglichkeit nimmt für Jugendliche geeignet zu sein, denn Ninas Entwicklung und ihre Ansichten wären für ein Jugendbuch ideal und stimmig gewesen.

Die Charaktere wiederum wirken sehr authentisch und gut ausgearbeitet, insbesondere Nina, die im Laufe der Geschichte einiges hinter sich bringen muss. Ihre punkige Natur mag vielleicht nicht überzeugen, dafür jedoch ihre Beweggründe und die Art und Weise, wie sie mit Problemen umgeht. Sie ist eine sympathische Figur, die aus dem Rahmen fällt und gerade durch ihre ungewöhnliche Art Pluspunkte sammelt. Im Gegensatz dazu wirkt Kerry von Anfang an unsympathisch, man fragt sich als Leser, warum Nina so extrem an ihr festhält, selbst als einige unschöne Geheimnisse gelüftet sind. Lediglich Samantha kann punkten, ist ihre ruhige, ausgeglichene Art der perfekte Gegenpol zu Nina. Die übrigen Charaktere bleiben unheimlich blass – gerade Ninas Geschwister kommen nur am Rande vor und nehmen kaum eine tragende Rolle ein, was sehr schade ist. Auch sonst lernt man außerhalb der Protagonistin, Kerry und Samantha niemanden wirklich kennen.

Stilistisch passt sich die Autorin ihrer offenen und ungewöhnlichen Heldin an – frech, lockerleicht und sehr direkt wird die Geschichte aus Ninas Perspektive geschrieben. Dabei wendet sie sich immer wieder direkt an den Leser indem Gedankengänge in Klammern gesetzt werden oder einige Punkte auf diesem Weg erklärt werden. Dadurch ist „Punk like me“ jugendlicher und direkter und passt von der Erzählerstimme her eher zu einem Jugendbuch, als zu einem Roman für Erwachsene. JD Glass‘ lockerleichter, fast schon rotziger Stil unterstreicht die Diskrepanzen zwischen jugendlichem Grundtenor und expliziter Erotik, die nur bedingt zusammenpassen.

Fazit:
„Punk like me“ lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen und passt von Stil und der inhaltlichen Ausrichtung am ehesten in die Gattung Jugendbuch. Dass dafür die Erotik zu stark gewichtet ist und einige interessante Punkte nur kurz beleuchtet werden, ist das größte Manko an JD Glass‘ Debüt „Punk like me“. Schade, das Buch hätte durchaus Potenzial gehabt, gerade durch die ungewöhnliche Heldin und den lockeren Stil. Am Besten reinlesen und selbst entscheiden …

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[ROMAN] Dunkle Schatten von Rhys Ford

Autor: Rhys Ford
Taschenbuch: 300 Seiten
ASIN: B01GP58JDS
Preis: 5,14 EUR (eBook)
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Story:
Der drogensüchtige Kismet kann schon immer albtraumhafte, blutrünstige Schattenwesen sehen, denen er nur während eines Drogenrauschs entfliehen kann. Dass seine neuen Drogen die Visionen eher verstärken und ihn nach und nach auf die Seite hinter dem Schleier ziehen ahnt er nicht, ebenso wenig, dass die vier apokalyptischen Reiter auf ihn aufmerksam werden, bringt er doch ein fragiles Gleichgewicht in Gefahr. Doch auch andere Unsterbliche entwickeln ein gesteigertes Interesse an Kismet, denn der Mensch hat sich durch den neuen Drogencocktail weiterentwickelt und wird mehr und mehr zum Unsterblichen. Schon bald liegt es an den Reitern den jungen Mann zu schützen, wobei Colm alias Pestilenz schon bald ein tiefergehendes Interesse an Kismet entwickelt …

Eigene Meinung:
„Dunkle Schatten“ ist der erste Band der „Ink and Shadows“-Reihe von Rhys Ford und erschien bei Dreamspinner Press. Der Autor hat sich im Gay Genre bereits einen Namen gemacht – es liegen etliche Einzelromane und Reihen vor – teils auch in deutscher Sprache. Eine Fortsetzung von „Dunkle Schatten“ mag angedacht sein, ist bisher jedoch nicht in Sicht, dabei gäbe es durchaus genügend Potenzial und offene Punkte, um die Geschichte von Kismet und den vier Reitern fortzuführen.

Rhys Ford hat sich ein düsteres, sehr komplexes Setting ausgedacht, das man erst im Laufe der Zeit begreift und erfasst. Das liegt vor allem daran, dass er kaum ein Wort über die Hintergründe verliert und den Leser gerade zu Beginn ein wenig im Stich lässt – sicherlich hätte man nicht alles bis ins kleinste Detail erzählen müssen, doch eine gewisses Basiswissen hätten den Einstieg in die Handlung spürbar erleichtert. So hat man einige Schwierigkeiten, durch den mythologischen Grundplot zu steigen und braucht lange, um sich auf die ungewöhnliche Geschichte einzulassen. Dabei ist „Dunkle Schatten“ durchaus spannend und bietet ein gut durchdachtes, sehr mystisches Abenteuer, das von blutigen Kämpfen, viel Action und ungewöhnlichen Charakteren bestimmt wird. Wer auf romantische oder gar erotische Szenen hofft ist bei Rhys Fords Roman an der falschen Adresse – zwar gibt es hin und wieder einige stimmungsvolle Momente zwischen Tod (Shi) und Krieg (Ari) oder Kismet und Pest Colm), aber auf mehr als einen Kuss darf man sich als Leser nicht freuen. Stattdessen wird die Handlung vorangetrieben, um nach und nach die Gegner und deren Beweggründe zu enthüllen.

An einigen Punkten schleichen sich jedoch auch Unstimmigkeiten in die Geschichte, ganz besonders beim Endkampf scheint der Autor seine eigenen Regeln zu vergessen, die er für die Unsterblichen entwickelt hat – was das Finale ziemlich unlogisch macht. Wer darüber hinwegsehen kann, den erwartet trotzdem ein schönes, actionreiches und blutiges Ende.

Ein großer Pluspunkt sind die Charaktere, die „Dunkle Schatten“ bevölkern. Rhys Ford greift mehrere mythologische Wesen und Aspekte auf, denn es gibt neben den Menschen nicht nur die vier apokalyptischen Reiter, sondern eine Vielzahl verschiedener Unsterblicher, darunter die Tugenden (Frieden, Güte, Hoffnung, Glaube), Sidhe und Un-Sidhe, Trolle und Dunkelelfen. Sie alle halten sich normalerweise hinter dem Schleier im Dunklen auf, der auch die Schattenwesen hervorbringt, die sich hin und wieder in die Realität verirren. Ganz besonders gut gelungen sind die vier Reiter, die zwar Unsterbliche sind, jedoch (wie alle ihrer Art) ganz normal verletzt und sogar getötet werden können – selbst Tod könnte mit einem gezielten Angriff zur Strecke gebracht werden. Mitunter kommen sie dem Leser ein wenig schwächlich vor, doch es passt zu Rhys Fords Geschichte und seinen Grundideen, keine Überwesen zu erschaffen, sondern Figuren, die eine Menge Schwachpunkte haben und dadurch sympathischer werden.
Auch Kismet ist gut gelungen – er ist authentisch und gut nachvollziehbar, gerade wenn es um seine Drogensucht geht.

Stilistisch ist „Dunkle Schatten“ sehr stimmungsvoll und atmosphärisch dicht umgesetzt worden. Rhys Ford hat einen sehr düsteren, mitunter auch blutigen Schreibstil, der gerade in den Kampfszenen zum Tragen kommt. Doch auch die ruhigeren Zwischensequenzen, in denen sich Colm und Kismet näherkommen oder Tod und Krieg ihre persönlichen Grabenkriege ausfechte sind toll umgesetzt und machen Spaß. Auch die Beschreibungen der Städte und der Hintergründe ist gelungen, so dass man nach einer Weile in die ungewöhnliche Geschichte eintauchen kann.

Fazit:
„Dunkle Schatten“ ist ein gelungener Mystery-Roman, dessen großer Pluspunkt bei der komplexen Hintergrundwelt und den ungewöhnlichen Hauptcharakteren liegt. Man braucht zwar ein wenig, um sich auf die mitunter etwas blutige Handlung einlassen zu können und den Grundplot zu verstehen, doch hat man erstmal den Einstieg geschafft, erwartet den Leser eine gelungene Mischung aus Action, Spannung und Dramatik, die durchaus Lust auf mehr macht. Bleibt zu hoffen, dass Rhys Ford die Geschichte fortführt – Potenzial für einen weiteren Band ist definitiv vorhanden.

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[ROMAN] Ich gebe dir die Sonne von Jandy Nelson

Autor: Jandy Nelson
Hardcover: 480 Seiten
ISBN: 978-3570164594
Preis: 13,99 EUR (eBook) / 17,99 EUR (Hardcover)
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Story:
Die Zwillinge Noah und Jude sind unzertrennlich, bis Jude Make-Up, Kleider und Jungs für sich entdeckt und ihr Bruder sich in seine Traumwelten zurückzieht, nur noch für das Malen lebt und sich in den Nachbarsjungen Brian verliebt. Wenige Jahre später reden sie kaum noch miteinander und haben nach Hausen hin die Plätze getauscht – aus der Draufgängerin Jude ist eine introvertierte Außenseiterin geworden, die auf eine Kunsthochschule geht; Noah hat sich angepasst, das Malen aufgegeben und sich selbst hinter einer Mauer versteckt.

Erst als Jude sich entschließt bei dem Steinhauer Garcia ein Praktikum zu machen und sie auf den charismatischen Fotografen Oscar trifft, bröckeln die Fassaden und offenbaren Geheimnisse, die das Leben von Jude, Noah und deren Familie auf den Kopf stellen – und mit etwas Glück zurück in normale Bahnen lenken …

Eigene Meinung:
Mit „Ich gebe dir die Sonne“ erschien der zweite Roman von Jandy Nelson bei cbj, wo ihr Debüt „Über mir der Himmel“ ebenfalls erhältlich ist. Das vorliegende Buch befand sich mehrere Wochen in den Bestsellerlisten und erhielt mehrere Auszeichnungen und Preise. Die Filmrechte wurden bereits an Warner  Bros. verkauft.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen – Noahs Sicht erzählt die Ereignisse der Familie als die Zwillinge ungefähr 13/14 Jahre alt sind; Judes Perspektive greift den Faden zwei Jahre später auf und zeigt die aktuellen Geschehnisse und enthüllt Geheimnisse. Auf sehr eindringliche Art und Weise offenbart Jandy Nelson, was mit den Zwillingen und ihrer Familie geschehen ist und gibt nach und nach Einblick in das Leben von Jude und Noah. Für beide spielt die Mutter eine zentrale Rolle, denn sie ist der Antrieb für die Geschwister; ganz besonders für Noah, der sich stark über seine Bilder und Träume ausdrückt, während Jude zu Beginn ihrer Pubertät eher Schwierigkeiten mit ihr hat. Für beide ist es ein Schock, als sie tödlich verunglückt und einen Scherbenhaufen zurücklässt, den die Geschwister allein kaum bewältigen können, insbesondere da sie wie Fremde nebeneinander her leben und stumm geworden sind.
Für den Leser ist es toll, wie die Geheimnisse und Hintergründe Schicht für Schicht offenbart werden und die Wahrheit mit jeder Seite offenbart wird. Dabei reifen die Figuren, allen voran Jude, die sich selbst aus einem selbstgewählten Käfig befreien muss, um ihrem Bruder Noah und ihrem Vater zu helfen. Jandy Nelson gelingt es den Leser von der ersten Seite an zu fesseln, wenngleich man ein wenig Zeit braucht, um den Einstieg in „Ich gebe dir die Sonne“ zu schaffen.

Ein ganz besonderer Pluspunkt sind die authentischen, gut ausgearbeiteten Charaktere, die einen schnell ans Herz wachsen. Sowohl Noah, der für die Kunst lebt, in seinem Kopf Bilder malt und jede Sekunde dafür nutzt, um seine Träume auf Papier zu bannen, als auch Jude, die mit dem Geist ihrer Großmutter redet und den abergläubischen Regeln der Familienbibel genauestens folgt, sind unheimlich sympathisch und sehr gut nachvollziehbar. Man erlebt mit Noah den Zauber der ersten Liebe zu Brian, der für Astronomie und den Weltraum lebt und ist nah bei Jude, als sie auf Oscar trifft und dessen Charme nur schwer entkommen kann.
Auch die Nebencharaktere sind sehr angenehm in Szene gesetzt und können überzeugen. Seien es Garcia, Oscar, Brian oder die Eltern der Zwillinge – man kann jeden gut nachvollziehen und die einzelnen Beweggründe verstehen. Sie passen gut zu Noah und Jude, die abwechselnd und auf verschiedenen Zeitebenen die Geschichte erzählen.

Stilistisch ist „Ich gebe dir die Sonne“ gut geschrieben, auch wenn man zu Beginn ein wenig braucht um in das Buch zu kommen. Hat man den Einstieg jedoch geschafft, fällt es dem Leser schwer das Buch aus der Hand zu legen – Jandy Nelson hat einen sehr lebendigen, fesselnden und bunten Stil, ganz besonders wenn es um die fesselnden und farbenfrohen Beschreibungen von Noahs Bildern und seinem unsichtbaren Museum geht. Allgemein hat Jandy Nelson ein Händchen dafür die Gedanken und Gefühle der Künstler zu Papier zu bringen und auf diesem Weg auch der Kunst ein passendes Denkmal zu setzen – denn „Ich gebe dir die Sonne“ ist in vielerlei Hinsicht ein Liebesbrief an die Kunst.

Fazit:
„Ich gebe dir die Sonne“ ist ein wundervolles Jugendbuch, das sowohl durch tolle Charaktere als auch durch eine schöne, fesselnde Handlung überzeugen kann. Jandy Nelson hat eine wundervolle, bildhafte Sprache, die das Herz berührt und dafür sorgt, dass man den Roman nicht so schnell aus der Hand legen kann. Wer Jugendbücher im Stil von „Die Mitte der Welt“ mochte, dem wird auch „Ich gebe dir die Sonne“ gefallen – sie ähneln einander und sind doch auf wundervolle Art und Weise anders. Bedenkenlos zu empfehlen!

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[ROMAN] Der Klippenspringer von Barbara Corsten

Autor: Barbara Corsten
Taschenbuch: 392 Seiten
ISBN: 978-3960890539
Preis: 13,95 EUR (Taschenbuch) / 5,99 EUR (eBook)
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Story:
Der junge Kroate Ante verbringt sein Leben in Angst und Schrecken, ist er doch anders als die anderen Männer des kleinen Fischerdorfes. Von Gleichaltrigen gejagt und verprügelt, während die dörfliche Gemeinschaft wegsieht, schöpft er Hoffnung als er den Klippenspringer Kristijan besser kennenlernt und sich in diesen verliebt. Doch obwohl seine Gefühle erwidert werden, haben die beiden keine Chance. Die Angriffe auf Ante werden schlimmer, bis dessen Mutter schließlich nur einen Ausweg sieht – die Flucht nach Zagreb, wo ihr Sohn das Glück hat zu sich selbst zu finden und endlich Freunde findet, die ihn so akzeptieren wie er ist. Während Ante endlich zu sich selbst findet und sich ein neues Leben aufbaut, kann er seine erste Liebe Kristijan nicht vergessen, von dem er sich verraten fühlt …

Eigene Meinung:
„Der Klippenspringer“ ist ein dramatisches, sehr tiefgründiges Buch von Barbara Corsten und erschien im Dezember 2016 im deadsoft Verlag. Nach „Trust – Eine Frage des Vertrauens“ ist dies der zweite Roman der Autorin.

Der Leser begleitet den jungen Ante ungefähr ein Jahr lang bei seiner Suche nach einem Platz im Leben und erfährt dabei einiges über Kroatien und die historischen Ereignisse des Landes. Gerade letzteres macht den Roman so authentisch und sorgt dafür, dass man ihn ab einem gewissen Punkt nur schwer aus der Hand legen kann. Man merkt, dass die Autorin eine Menge Recherche für „Der Klippenspringer“ betrieben hat, um gesellschaftlichen Hintergründe und historische Fakten von Kroatien passend einzuweben und gerade ältere Charaktere auf diesem Weg lebendig zu machen. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf Ante, aus dessen Sicht erzählt wird, aber Barbara Corsten beleuchtet auch die Nebencharaktere und gibt ihrer Vergangenheit Platz. Spannend ist auch, dass die sexuelle Orientierung des Protagonisten im Laufe des Romans teilweise in den Hintergrund rückt – natürlich ist es Antes Homosexualität Dreh- und Angelpunkt, dennoch spielt auch seine Entwicklung vom Prügelknappen zum Mann eine wichtige Rolle, denn er fasst Mut und Vertrauen, lernt sich selbst besser kennen und entwickelt eine Stärke, die man ihm zu Beginn kaum zugetraut hätte. Einzig die Tatsache, dass all das binnen eines Jahres passiert, wirkt ein wenig unrealistisch, denn es geht fast zu schnell. Hier wäre es realistischer gewesen, wenn die Autorin ihrem Helden mehr Zeit zugestanden hätte.

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere sehr lebendig und authentisch. Der Leser kann sich sehr gut in Ante hineinversetzen und durchlebt mit ihm den Schrecken und die Angst, die er vor den Männern des Dorfes hat. Man erlebt seine Wandlung hautnah mit und ist immer an seiner Seite, ganz gleich ob er vor seinen Peinigern flieht, oder in Zagreb neue Freunde findet. Besonders gelungen sind Barbara Corsten Richard und Miro, die für Ante und dessen Mutter sehr wichtig werden. Beide haben eine bewegte und dramatische Vergangenheit hinter sich, die im Grunde ein eigenes Buch verdient hätte und Antes Geschichte teilweise den Rang abläuft. Sie sind tolle Figuren, die „Der Klippenspringer“ ungemein aufwerten und den Leser mit den Schrecken des Krieges konfrontieren.

Stilistisch legt die Autorin einen sehr schönen, stimmigen Roman vor, der vorwiegend aus Antes Sicht erzählt wird. Nur hin und wieder mischt sich eine andere Erzählperspektive ein – zu Beginn berichtet Kristijan aus seiner Sicht über Antes Probleme, später verliert sich seine Stimme, was ein wenig irritiert, denn man hat mit einem beständigen Wechsel der Perspektiven gerechnet. Das wirkt ein wenig unstimmig – vielleicht wäre es besser gewesen, die Geschichte nur aus Antes Sicht zu schreiben. Dennoch hat Barbara Corsten einen sehr eindringlichen, bildhaften Stil, der den Leser berührt und gut zu den Figuren und den Geschehnissen passt.

Fazit:
„Der Klippenspringer“ ist ein gelungenes, sehr intensives Drama, das durch tolle Charaktere und einen sehr schönen, stimmungsvollen Schreibstil besticht. Hin und wieder laufen einige Figuren dem Helden den Rang ab, nichtsdestotrotz ist man immer nah am Protagonisten und seiner Entwicklung zum Mann. Barbara Corsten legt einen gefühlvollen Roman vor, der sich aufgrund des Handlungsortes (Kroatien) und der damit einhergehenden historischen Ereignisse angenehm von anderen Dramen im Gay Romance Genre abhebt. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Das andere Ende der Brücke von Elisa Schwarz

Autor: Elisa Schwarz
Taschenbuch: 568 Seiten
ISBN: 978-3960890379
Preis: 14,95 EUR (Taschenbuch) | 6,99 EUR (eBook)
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Story:
Seit Patricks Ehemann bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, besteht das Leben des Fotografen aus Tristesse, Traurigkeit und Einsamkeit. Statt sich helfen zu lassen, verkriecht er sich oder versucht auf unorthodoxe Art und Weise mit dem Schmerz in seinem Innern klar zu kommen. Erst als er zufällig Zeuge eines Angriffs betrunkener Rechtsradikaler auf einen Fahrradfahrer wird, reißt Patrick aus seiner Lethargie und zwingt ihn dazu sich mit dem Tod seines geliebten Mannes auseinander zu setzen. Dabei stehen ihm nicht nur neue und alte Freunde zur Seite, nach und nach ist er auch wieder in der Lage sein Herz zu öffnen und einer neuen Liebe Platz zu machen – auch wenn ein steiniger Weg vor ihm liegt …

Eigene Meinung:
Mit „Das andere Ende der Brücke“ legt Elisa Schwarz nach „Eigentlich …“ ihren zweiten Roman bei deadsoft vor. Dabei schlägt sie dieses Mal eher ernste Töne an, denn es geht um Trauerbewältigung und die damit einhergehenden Verlustängste und psychischen Probleme. Daher ist „Das andere Ende der Brücke“ wesentlich dramatischer als ihr Debüt.

Die Geschichte setzt über ein Jahr nach dem Unglücksfall ein und man lernt Patrick als in sich gekehrten, verzweifelten Mann kennen, der von seiner Umwelt kaum etwas mitbekommt und über den Tod seines Ehemanns nicht hinwegkommt. Die Autorin lässt sich viel Zeit seinen desolaten und trauernden Zustand zu beschreiben, der sich mitunter auch selbstzerstörerisch auswirkt. Erst nach und nach taucht Patrick aus seines Isolation auf – teils durch Freunde, die ihn aus den Tiefen seiner Trauer ziehen, teils durch einen Psychologen, der sich seinen Problemen widmet und ihn dabei unterstützt den Tod seines Mannes zu verarbeiten. Auch das Finden einer neuen Liebe wird für Patrick im Laufe des Buches möglich, wenngleich er dafür einige Hürden zu überwinden hat. Dabei ist es angenehm, dass der Leser nicht weiß, wer Patrick letztendlich für sich gewinnen kann, auch wenn man natürlich einige Vermutungen hat.
Elisa Schwarz lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte und erzählt Patricks Wandlung vom Eigenbrötler zu einem Mann, der neuen Mut gefasst hat auf fast 600 Seiten. Dadurch gelingt es ihr sehr umfassend und eingehend auf Patricks Gefühlswelt einzugehen und seine unterschiedlichen Stadien genau zu beschreiben. Man kann sich gut in ihn hineindenken und lernt seine Vergangenheit erst nach und nach kennen – zumeist dann, wenn er sich dieser selbst stellen muss. Dadurch gelingt der Autorin ein sehr tiefgründiges, berührendes Buch, das nicht nur gut umgesetzt, sondern auch gut recherchiert ist. Einzig die Längen am Anfang sind ein wenig störend, da sie ein schnelles Eintauchen ins Buch ein wenig hemmen und man das Gefühl hat, dass zum Ende hin viele Punkte übersprungen werden, die durchaus so ausführlich hätten beschrieben werden können, wie am Anfang.

Die Charaktere sind passend und authentisch in Szene gesetzt und können durchweg überzeugen. Sei es Patrick, der einen weiten Weg aus der Trauer und Dunkelheit zurücklegen muss, um ins Leben zurückzufinden, oder seine Freunde und Familie, die bedingungslos zu ihm halten und alles daran setzen ihn dabei zu unterstützen. Alle werden eingehend beleuchtet, wenngleich der Schwerpunkt natürlich auf Patrick liegt und man ihm als Leser ganz besonders nahe kommt.

Stilistisch ist „Das andere Ende der Brücke“ gut umgesetzt und verspricht angenehme, sehr emotionale Lesestunden. Elisa Schwarz hat einen sehr feinfühligen, manchmal aber auch recht ausschweifenden Stil, über den man ganz zu Beginn immer wieder stolpert. Hin und wieder verliert sie sich in ausufernden Beschreibungen, die den Lesefluss hemmen und dem Buch den Schwung nehmen. Das ist natürlich Geschmackssache, doch an einigen Stellen wäre weniger mehr gewesen. Nichtsdestotrotz schafft sie es die Gefühle und Gedanken ihres Protagonisten sehr eingehend und mitreißend darzulegen und den Leser zu fesseln.

Fazit:
„Das andere Ende der Brücke“ ist ein gelungenes Drama, in dem es um Verlust, Tod und Trauer geht. Die emotionale, tiefgründige Geschichte wartet mit sehr authentischen, gut nachvollziehbaren Charakteren und einem einfühlsamen Schreibstil auf, der die Gefühls- und Gedankenwelt des Hauptcharakters gut portraitiert. Bis auf einige Längen am Anfang ein wundervolles Buch, das den Leser berührt und nachdenklich zurücklässt. Wer dramatische, tiefgründige Romane mag, sollte einen Blick in Elisa Schwarz‘ Buch werfen.

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[ZITATE-FREITAG] Die stille Seite der Musik

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meine Rezension
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Auch in dieser Nacht, auf dem Beifahrersitz von Eddis BMW M4, vergesse ich alles um mich herum, während ich Einaudis Meisterstück lausche. Ich sitze reglos, nur meine Finger berühren sacht die unsichtbaren Tasten des imaginativen Klaviers vor meinen geschlossenen Augen. Gleich erreicht das Stück seinen dramatischen Höhepunkt, gleich wird es …

Wie aus dem Nichts wird mein Körper zur Seite gerissen. Mein Kopf prallt gegen das Seitenfenster. Ich reiße die Augen auf. Meine Finger verlassen die Tasten, suchen Halt. Doch vergeblich. Schon dreht sich mein Magen um. Oder nein? Das Auto dreht sich? Schleudert zur Seite. Ein Stöpsel gleitet aus meinem Ohr. Ich höre die Mädchen kreischen. Schreie ich auch? Die »Oltremare« verklingt auf ihrem Höhepunkt. Schmerz schießt durch meinen Arm und Rücken. Dann wird alles schwarz.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 8 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

»Tino!«

Ich drehe mich um. Wenigstens ich reagiere, wenn man mich anspricht. Petra steht in der Stalltür und winkt mir.

»Dein Bungalow ist bezugsfertig. Der Schlüssel liegt unter der Fußmatte, da ich gleich nochmal weg muss.« Ihr Blick schweift zu dem Kerl, der noch immer das Pferd striegelt, ohne uns zu beachten.

»Wie ich sehe, hast du Flo schon kennen gelernt.«

Ich hebe die Schultern. »Kann man so nicht sagen. Ich hab Hallo gesagt, aber der redet nicht mit mir. Ist der taub oder was?«

Mit einem Mal tritt ein Ausdruck auf Petras Gesicht, der eine merkwürdige Mischung aus Betroffenheit und einem leichten Tadel sein könnte. Ich blick’s nicht …

»Ja.«

»Was ja?«

»Florian ist gehörlos.«

Upps! Voll ins Fettnäpfchen!

„Die stille Seite der Musik“, Seite 23-24 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Ein Schatten huscht über Flos Gesicht, während er liest, jedoch ganz kurz nur. Etwas wie Mitleid sehe ich nicht in seinem Blick. Na ja, wahrscheinlich denkt er sich, dass ich mich nicht so anstellen soll. Immerhin kann ich ja hören.

Das tut mir leid. Gibt es keine Aussicht auf Heilung? Durch Physio oder eine Operation? Willst du das überhaupt?

Sekundenlang starre ich auf den Zettel. Macht der Witze? Ob ich geheilt werden will? Ich würde verdammt nochmal beide Beine dafür eintauschen, um meine Finger wieder richtig bewegen, wieder Klavier spielen zu können.

Genauso schreibe ich das auf und kann mir nicht verkneifen hinzuzufügen: Würdest du nicht auch alles tun, um hören zu können?

Flo liest. Er runzelt die Stirn. Schüttelt den Kopf. Und dann lacht er. Lautlos zwar, aber es ist eindeutig ein Lachen. Was ist denn jetzt kaputt?

Nach einem einzigen Satz streckt er mir den Block entgegen.

Ich habe viel dafür getan, nichts mehr hören zu müssen.

Mein Kopf ruckt nach oben. Ich starre Flo an, dann wieder den Zettel und wieder Flo. Verarscht der mich?

„Die stille Seite der Musik“, Seite 50-51 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Wieder schließe ich die Augen und … hebe nur einen Moment später die Hände, um mir die Finger fest in die Ohren zu stecken. Denn plötzlich ist da der Drang, den Moment genauso zu erleben, wie Flo es tut. Tatsächlich gelingt es mir, Möwenschreie und Wellenrauschen aus meiner Wahrnehmung auszuschließen. Ich sehe und höre nichts mehr. Hole tief Luft und atme ganz langsam aus. Konzentriere mich auf die Empfindungen, die mir geblieben sind. Und vielleicht ist es nur Einbildung, reines Wunschdenken, doch mit einem Mal kann ich das Meer riechen.

Konnte ich zuvor schon. Doch nun ist alles viel intensiver. Es ist eine Mischung aus Salz, Seetang und … Ich kann’s nicht so genau einordnen und öffne die Lippen leicht, um den Geruch auch in meinen Mund zu lassen. Ihn auf meiner Zunge in Geschmack umzuwandeln. Und es scheint sogar zu gelingen.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 108 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Scheiße, hämmert es in meinem Kopf. Und nochmal: Scheiße, Scheiße, Fuuuck!

Die Bewegungen meiner Hand sind binnen eines Herzschlags erstarrt, stattdessen umklammere ich meinen Penis, als müsse ich mich daran festhalten. Irgendwo in einer hinteren Gehirnwindung wundere ich mich darüber, dass mein Ständer sich aufgrund des Schocks nicht verflüchtigt. Doch noch viel dringender als die Antwort auf dieses Warum, möchte ich wissen, was Flo jetzt denkt. Oder vielleicht will ich es auch nicht wissen?

Tatsache ist, er starrt mich an und sieht dabei mindestens mittelmäßig schockiert aus. Es ist offensichtlich, dass er sehr genau mitbekommen hat, was ich gerade getan habe und dass er nicht die geringste Ahnung hat, was er jetzt machen soll. Von Wegrennen bis mir eine scheuern scheint mir–- von seinem Standpunkt aus betrachtet – alles eine akzeptable Reaktion.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 131 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Mir fallen beinahe die Gläser aus der Hand. Ich bleibe wie angewurzelt stehen. In meinem Kopf pocht’s blöde, keine Ahnung, ob es die Beats oder mein Herzschlag sind . Ist mir auch vollkommen egal im Moment. Alles, was mich im Moment interessiert, ist die Tatsache, dass Flo und der fremde Kerl am Knutschen sind. Mitten auf der Tanzfläche. Vor meiner Nase. Ja, geht’s noch?

Mir wird ganz flau im Magen, als ich es begreife: Flo ist definitiv schwul. Und ich bin schlichtweg zu spät dran.

Ich hab‘ den Mund nicht aufbekommen und nun hat ein anderer sich meinen Sunnyboy geschnappt. Hängt an seinen Lippen, vergräbt die Finger in seinem Haar und streichelt seinen Nacken. All diese Dinge, die ich gerne mit Flo machen würde.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 141 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Als Pianist – okay, Ex-Pianist – und Musikliebhaber habe ich die Angewohnheit, mich in den unmöglichsten Momenten zu fragen, welches Klavierstück die Szenerie wohl am besten untermalen würde. Meistens habe ich direkt ein bestimmtes Lied im Ohr und mache dies zu meinem ganz persönlichen Soundtrack des Geschehens. Doch jetzt, in Flos Armen, eingehüllt in seinen Geruch, mit seinen Lippen auf meinen und seinen Händen auf meiner nackten Haut, könnte jedes Musikstück passend sein – oder aber keines.

Seine Berührungen erinnern an Yann Tiersens »Esther« – warm und fragend. Eine stumme Suche. Seine Küsse schmecken nach Ludovico Einaudis »Nuvole Bianche«, nach Zärtlichkeit und Hingabe. Sind eine Eroberung. Unser gegenseitiges Kennenlernen ist zart und gleichzeitig wild wie Einaudis »Fly«. Und wenn ich tief in mich hineinhöre, tut es sogar weh. Nur ein kleines bisschen. Es ist dieser bittersüße, sanft-reißende Schmerz, der auch Hans Zimmers »Time« innewohnt.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 164 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Flo schluchzt lautlos. Auch seine rechte Hand bebt, als er sie hebt und eine einzige Gebärde damit formt: Eine waagrechte Faust mit ausgestrecktem kleinem Finger und Zeigefinger. Ich bin mir nicht sicher, was sie bedeutet, dennoch nicke ich. Dann schlage ich die Beifahrertür zu.

»Fahren Sie bitte los.«

Der Motor brummt auf, das Taxi rollt los. Ich schaue in den Rückspiegel und wünsche mir, es nicht getan zu haben. Flo wendet sich ab, weint jetzt richtig und fällt schutzsuchend in Petras Arme.

Mensch, Flo, du kleiner Sonnenschein, wenn ich gewusst hätte, dass es dir so weh tut, wenn ich gehe, hätte ich nicht …

Ich beiße mir auf die Lippe, bis es schmerzt. Balle die Hände zu Fäusten. Doch, ich hätt’s trotzdem getan. War einfach zu schön.

„Die stille Seite der Musik“, Seite 193 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

»Hey!« Céline strahlt mich an. »Deine Mum hat mich reingelassen. Störe ich?«

– Nein. –

Erst ihr irritierter Blick zeigt mir, dass ich meine Antwort tatsächlich gebärdet habe.

»Nein«, beeile ich mich schnell zu sagen und irgendwie … stört sie schon ein bisschen. Mein Kopf wirbelt zu Flo herum. Er schaut mich abwartend an.

»Das … ähm … Céline, das ist Flo.« Etwas hilflos deute ich auf den Bildschirm.

»Oh, der Flo?« Sie kommt näher und neigt sich über meine Schulter, um direkt in die Kamera schauen zu können. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sie Flo winkt. Er erwidert die Geste mit erzwungenem Lächeln.

– Das ist C-É-L-I-N-E -, erkläre ich Flo, halte inne.

– Eine Freundin? Aus der Schule? –

Ich halte den Atem an.

»Was meint er, Schatz?« Zu allem Überfluss schmiegt sie sich von hinten an meinen Rücken und schlingt die Arme um meinen Hals. Leugnen zwecklos.

– Sie ist meine feste Freundin. Wir sind zusammen. –

„Die stille Seite der Musik“, Seite 228-229 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

In diesen Gedanken versunken lasse ich den Jeep aus der breiten Hofeinfahrt rollen, biege rechts ab und steuere auf die steile Straße abwärts zu. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Yannik sich umdreht.

»Warte mal …«

Ich werfe einen Blick in den Rückspiegel und sehe eine Gestalt über den Hof rennen. Severin? Er gestikuliert wild, scheint irgendetwas zu schreien. Hat der sie noch alle? Obwohl ich keine Lust auf den Kerl habe, trete ich auf die Bremse. Aber … es passiert nichts. Wie jetzt? Ich trete stärker aufs Pedal. Nichts. Keine Reaktion. Der Wagen wird nicht langsamer, rollt unaufhörlich auf die steile Straße zu.

Autounfall, flackert ein einziges Wort grell wie in Neonlettern gezeichnet vor meinem inneren Auge. Es ist wie ein ganz, ganz schlechtes Déjà-vu!

„Die stille Seite der Musik“, Seite  270 (c) Svea Lundberg / Traumtänzer Verlag

Ich hoffe, mit diesen Zitaten konnte ich euch einen kleinen Einblick in das Buch gewähren und ihr bekommt Lust auf „Die stille Seite der Musik.“  Holt es euch – es lohnt sich 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Die stille Seite der Musik von Svea Lundberg

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Autor: Svea Lundberg
Taschenbuch: 272 Seiten
ISBN: 978-3-947031-00-9
Preis: 12,95 EUR (Taschenbuch) / 4,99 EUR (eBook)
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Story:
Ein schrecklicher Autounfall bereitet Valentins Träumen schlagartig ein Ende – mit den steifen Fingern seiner linken Hand ist es dem jungen Mann nicht mehr möglich Starpianist zu werden. Nach Wochen des Verkriechens beschließt er sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und seilt sich auf den Pferdehof seiner Tante ab. Dort trifft er auf den gehörlosen Florian, der eine Ausbildung zum Pferdewirt absolviert und ein besonderes Händchen für Pferde hat. Die beiden lernen sich trotz Sprachbarriere schnell näher kennen und Valentin beginnt sogar damit Gebärdensprache zu lernen. Als es zwischen den beiden richtig funkt, wird Zeit zu einem maßgeblichen Problem, denn Valentins Zeit auf dem Pferdehof neigt sich dem Ende entgegen …

Eigene Meinung:
Mit „Die stille Seite der Musik“ bietet Svea Lundberg dem Leser ein ungewöhnliches Setting und überraschend eigenwillige Charaktere, die nur bedingt dem gängigen Klischee entsprechen. Wer ihre bisherigen Werke („Kristallschnee“, „Inbetween“) kennt, bekommt mit dem im Traumtänzer Verlag erschienen Roman etwas vollkommen Anderes präsentiert, denn „Die stille Seite der Musik“ lässt sich nur schwer mit ihren bisherigen Veröffentlichungen vergleichen.

Der Leser begleitet den jungen Valentin, dessen linke Hand bei einem Autounfall so stark verletzt wird, dass eine dauerhafte Schädigung der Nerven jegliches Klavierspiel unmöglich macht. Seine Zukunft als Starpianist ist vorbei und es dauert, bis er sich aus dem dunklen Loch befreien kann, in das er stürzt. Am hilfreichsten ist für ihn das Aufeinandertreffen mit Florian, der sich freiwillig in eine stumme Welt begeben hat, denn im Grunde könnte er mit entsprechenden Hilfsmitteln hören. Für Valentin unverständlich, doch mit der Zeit lernt er den angehenden Pferdewirt besser kennen und lieben. Zwischen den beiden vollkommen unterschiedlichen jungen Männern entspinnt sich schnell mehr, was natürlich zu einigen Problemen führt. Zudem haben sowohl Florian, als auch Valentin an kleineren Baustellen zu kämpfen, was dem Buch ein wenig mehr Tiefe verleiht.
Svea Lundberg versteht es geschickt die beiden unterschiedlichen Männer zusammen zu bringen und ihre persönlichen Probleme zu erläutern, denn nicht nur Valentin hat mit einigen Dingen zu kämpfen, auch Florian hat es nicht immer leicht. Dabei gibt sie den Figuren genügend Raum sich zu entwickeln und näher zu kommen, ohne dass es in irgendeiner Form gehetzt wirkt. Die Tatsache, dass Florian weder spricht, noch hört, wurde sehr angenehm umgesetzt, das Thema mit der notwendigen Sorgfalt abgehandelt. Man kann sich sehr gut mit den beiden Männern identifizieren, versteht ihre Sorgen und Probleme und begleitet sie gerne auf ihrem Weg. Beide sind sehr gut beschrieben, wenngleich man Valentin besser kennenlernt, dass das Buch aus seiner Sicht geschrieben wurde. Sehr schön wurde auch das Thema Bisexualität aufgegriffen und eingearbeitet, denn Valentin ist an beiden Geschlechtern interessiert. Es ist toll, das Svea Lundberg sich nicht davor gescheut hat, diesen Punkt ebenso offen zu behandeln, wie Florians Gehörlosigkeit. Das macht Valentin nur noch greifbarer und besser verständlich.

Insgesamt sind die Figuren sehr authentisch und gut nachvollziehbar in Szene gesetzt. Sowohl Valentin, als auch Florian schließt man ins Herz, ebenso die vielen Nebenfiguren. Sei es Valentins Mutter oder seine Tante, Florians Freund Yannick oder seine Sportkollegen – sie sind allesamt realistisch und sehr gut nachvollziehbar. Man hat sogar Lust auf mehr, denn einige Punkte bleiben am Ende doch noch offen und bieten Raum für eine Fortsetzung.

Stilistisch legt Svea Lundberg mit „Die stille Seite der Musik“ einen sehr schönen Roman vor, den man nicht so schnell aus der Hand legen kann. Man merkt, dass sie sich über Florians Gehörlosigkeit ebenso informiert hat, wie über Pferde, Gebärdensprache und Klaviermusik. Alles wirkt sehr authentisch, ganz besonders die Dialoge zwischen Florian und Valentin. Die Beschreibungen sind in sich stimmig und passend. Auch die Liebesgeschichte ist sehr sinnlich erzählt, ohne zu viel Gewicht auf Erotik zu legen. So ist es wirklich angenehm, dass nicht alles ausführlich dargelegt wird, sondern an passender Stelle ausgeblendet wird.

Fazit:
„Die stille Seite der Musik“ ist ein wundervolles Buch mit ungewöhnlichen Protagonisten und einer ganz eigenen, stimmungsvollen Atmosphäre. Dank des schönen Schreibstils und der gut recherchierten Geschichte, legt man Svea Lundbergs Roman nicht so schnell aus der Hand. Wer stille Geschichten mit neuen Ideen mag, sollte zugreifen – es lohnt sich. Zu empfehlen.

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