Archiv der Kategorie: 4 Sterne

[ROMAN] Eine Woche für die Ewigkeit von Nina LaCour und David Levithan

Autor: Nina LaCour / David Levithan
Hardcover: 280 Seiten
ISBN: 978-3-551-58362-8
Preis: 11,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Hardcover)
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Story:
Ein ganzes Schuljahr lange sitzen Mark und Kate in Mathe nebeneinander – doch wirklich kennen tun sie sich nicht. Erst als die beiden zu Beginn der Pride Week San Franciscos in einer Gay Bar übereinander stolpern, ändert sich das, denn beide haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Kate ist auf der Flucht vor einem Date mit Violet, die sie schon ewig anhimmelt und zum ersten Mal treffen kann, Mark möchte seinen besten Freund Ryan für sich gewinnen, muss jedoch miterleben, wie dieser mit einem anderen Kerl anbandelt. Für beide bricht eine Woche voller Höhen und Tiefen an, die sie zusammenschweißt und ihnen zeigt, was wahre Freundschaft bedeutet …

Eigene Meinung:
„Eine Woche für die Ewigkeit“ stammt von Nina LaCour und David Levithan, die beide keine unbekannten Größen auf dem amerikanischen Jugendbuchmarkt sind. Ganz besonders David Levithan hat sich in das Herz tausender Leser geschrieben und ist gerade für seine Bücher „Two Boys Kissing“ und „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ bekannt, in denen er immer LGBT-Themen einbaut. Auch Nina LaCour ist in diesem Genre aktiv und hat bereits mehrere Jugendbücher geschrieben. Gemeinsam erschaffen sie ein gut lesbares, lockerleichtes Buch über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und den Mut zur Veränderung …

Die Perspektive der Geschichte wechselt zwischen Kate und Mark, so dass man sich sehr gut in beide Figuren hineinversetzen kann – Kate ist in die junge Artistin Violet verliebt, die sich in San Francisco niederlässt und durchaus daran interessiert ist, das schüchterne Mädchen kennenzulernen. Dass diese kurz vor dem Ziel Panik bekommt und davonläuft sorgt für erste Turbulenzen, denn Kate tut sich schwer damit, etwas bis zum Ende durchzuziehen und dem Schicksal die Stirn zu bieten. Mark wiederrum ist in seinen besten Freund Ryan verliebt, dem er durchaus schon nähergekommen ist – allerdings nur im Geheimen. Ryan ahnt nichts von den Gefühlen seines Freundes und nutzt die Pride Week, um seinerseits Männer kennenzulernen und mit einem jungen Dichter anzubandeln. Für Mark eine sehr schwierige Situation, die ihn schier verzweifeln lässt.
All das passiert während der Pride Week, was ein recht kurzer Zeitrahmen ist, in dem sowohl Kates als auch Marks Leben auf den Kopf gestellt wird. Dementsprechend werden einige Themen fast ein wenig zu schnell abgehandelt, gerade Marks, der sich mit Ryans Entscheidung abfinden muss. Sicherlich bietet das Buch Platz für Spekulationen und auch eine Fortsetzung, doch insgesamt hätte man den Charakteren ein wenig mehr Zeit gewünscht, um sich zu entwickeln. Dennoch muss man an dieser Stelle hervorheben, dass es toll ist ein Jugendbuch mit einem lesbischen und einem schwulen Plot zu lesen – bisher hatte man entweder rein schwule oder rein lesbischen Geschichten angeboten bekommen.

Die Figuren sind gut durchdacht, handeln logisch und sind authentisch. Sowohl Kate mit ihrer Unsicherheit und den Barrieren, die sie sich selbst auferlegt, als auch Mark mit seinen Sorgen und Problemen kann man sehr gut nachvollziehen. Beide durchleben eine Wandlung, müssen sich selbst erkennen und wichtige Entscheidungen treffen, die sich auf ihr Leben auswirken. Dabei bauen sie aufeinander, denn sie begleiten einander durch die Höhen und Tiefen der Woche hindurch, obwohl sie sich im Grunde kaum kennen. Sie bauen eine intensive, offene Freundschaft zueinander auf und kommen einander näher, als den Menschen, die sie mehrere Jahre lang begleitet haben.
Auch die Nebenfiguren wirken sehr realistisch und in sich schlüssig – Violet mag man bereits nach wenigen Seiten, Ryan hat dafür länger zu kämpfen, doch man kann seine Beweggründe ebenfalls sehr gut nachvollziehen, als dieser sie endlich äußert. Kates Freundin Lehna versteht man ebenfalls erst zum Ende hin, denn bei ihr verhält es sich ähnlich wie mit Ryan.

Stilistisch gibt es an „Eine Woche für die Ewigkeit“ wenig zu bemängeln. Beide Autoren haben einen lockerleichten Stil, der dafür sorgt, dass man schnell in die Geschichte eintauchen kann. Man springt zwischen Mark und Kate hin und her, die die Ereignisse aus jeweils ihrer Sicht erzählen Dabei schreibt David Levithan natürlich die Kapitel aus Sicht des schwulen Mark, Nina LaCour übernimmt die Perspektive der lesbischen Kate. Die Kapitel lesen sich hierbei wie aus einem Guss, so dass man nicht stolpert oder ins Schwimmen kommt.

Fazit:
„Eine Woche für die Ewigkeit“ bietet lockerleichte Unterhaltung gewürzt mit Drama, Herzschmerz und wahrer Freundschaft. Nina LaCour und David Levithan haben ein lesenswertes Jugendbuch erschaffen, dass durch authentische Charaktere und einer jugendgerechten Sprache besticht. Die Geschichte wirkt zwar ein wenig kurz, weil sich alles innerhalb der Pride Week abspielt, doch der Roman weiß zu unterhalten und lässt den Leser mit den jungen Helden mitfiebern. Wer auf der Suche nach sommerlich leichter Jugendliteratur mit queeren Hauptfiguren ist, sollte sich „Eine Woche“ für die Ewigkeit nicht entgehen lassen. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Failed 1 von Chris P. Rolls

Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 240 Seiten
ISBN: 978-1544010564
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 9,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Als Kaninchengestaltwandler hat es Louis Bauer schwer sich in der Shifter-Community Respekt zu verschaffen und zu zeigen, was er wirklich kann. Während die Raubtiere und Fleischfresser die spannenden, gefährlichen Missionen abbekommen, muss sich Louis als Pflanzenfresser mit vorab-Ermittlungen, Diebstählen und Einbrüchen begnügen. Seitdem sein ehemaliger Partner und Liebhaber bei einer derartigen Mission einem Wolfswandler zum Opfer fiel, der sein Tier nicht unter Kontrolle hatte, hasst er kollektiv alle Raubtiere. Umso schwerer wird es für ihn, als er das Angebot bekommt, der geheimen Organisation „Failed“ bekommt, unerklärliche Fälle aufzuklären, die bis in die höchsten Ebenen der Shifter-Community reichen. IN diesem Zusammenhang bekommt er einen neuen Partnerzugeteilt: Cosmo. Dieser ist nicht nur ein Raubtier, er sieht auch noch teuflisch gut aus und bringt Louis gehörig aus dem Gleichgewicht …

Eigene Meinung:
Die Autorin Chris P. Rolls zählt zu den bekanntesten Autoren des Gay Romance Genres. Mit ihren teils sehr erotischen Büchern (u.a. der „Irgendwie“-Reihe, „Die Anderen“, „Mecklenburger Winter“ und „Shilsas“) hat sie sich eine breite Fanbase aufgebaut. „Failed“ ist ihr erster Versuch im populären Gestaltwandler-Genre und hebt sich allein durch die Tatsache, dass sie sich nicht nur auf die klassischen Raubtiere beschränkt, angenehm aus der breiten Masse heraus.

„Failed“ bietet eine gelungene Mischung aus Action, Spannung und Romantik. Die Geheimnisse und Taten des Pharmaziekonzerns „Better World“, die auch höchsten Ebenen der Shifter Force betreffen, die grausamen Testreihen, die Wandler weltweit in Gefahr bringen und ein paar größenwahnsinnige Gegner sorgen für Spannung und bieten einen tollen Einblick in Chris P. Rolls Welt. Es gibt nicht nur die klassischen Wölfe, Bären und Raubkatzen, die als Gestaltwandler unter uns wandeln, sondern nahezu jedes Tier – von der Maus bis hin zum Elefanten. Die Shifter-Community wird lediglich in Kategorien eingeteilt: Raubtiere/Fleischfresser (Kategorie 1), Allesfresser (Kategorie 2) und Pflanzenfresser (Kategorie 3). Natürlich sind die Raubtiere die Top-Agenten, die für gefährliche Einsätze in Betracht kommen, während die anderen Agenten lediglich die Vorarbeit leisten, was zu einer massiven Diskriminierung führt.
Die geheime Truppe Failed, die unter dem Kojoten Trevorian agiert und es sich zur Aufgabe gemacht hat, Fälle zu lösen, die hochrangige Shifter betreffen und von sonst niemandem übernommen werden können. Das Team besteht aus einer bunten Mischung Shifter, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind Duowandler, sprich sie tragen mehrere Tiere in sich.

Die Geschichte wird durch einen ungewöhnlichen Hauptcharakter vorangetrieben, denn Louis Bauer mag ein Kaninchen sein, doch er weiß zu kämpfen und lässt sich von Raubtieren nicht ins Bockshorn jagen. Er ist scharfzüngig und nimmt kein Blatt vor den Mund, ganz besonders wenn es darum geht Agenten der Kategorie 3 (Pflanzenfresser) zu verteidigen oder auf die Missstände hinzuweisen, unter denen sie zu leiden haben. Zudem arbeitet er sehr unkonventionell und lässt die Regeln gern außen vor, wenn es darum geht sein Ziel zu erreichen. Mit dem ruhigen, eher introvertierten Cosmo, der ein ganz besonderer Wandler ist, hat Louis einen perfekten Partner gefunden. Aufgewachsen auf einer Insel, Opfer einiger unschöner Experimente, muss Cosmo erst einmal herausfinden, was das Leben zu bieten hat. Zudem hat er keinerlei praktische Erfahrungen – ein weiterer Grund weswegen Louis angeworben wird: er soll Cosmo anleiten und anlernen, nicht nur bei Missionen, sondern auch in anderen Dingen.
Auch die übrigen Figuren sind spannend und individuell, ganz besonders Trevorian, der viele Geheimnisse hat und nicht ganz das ist, was er zu sein scheint. Hoffentlich erfährt man in der Fortsetzung mehr – Band 2 soll bereits in den Startlöchern stehen. Dann erfährt man hoffentlich mehr über die anderen Teammitglieder und erlebt sie in Aktion, denn es ist schade, dass die übrigen Agenten von „Failed“ bei den Missionen nicht mitmischen.

Stilistisch bietet Chris P. Rolls gewohnt solide, gut geschriebene Kost. Man ist schnell in der Handlung und kann nur schwer unterbrechen, denn die Geschichte um Louis, Cosmo und ihren Freunden ist spannend und mitreißend. Die Dialoge sind toll umgesetzt, die Beschreibungen lassen die Orte lebendig werden und Fans expliziter Szenen kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn Louis und Cosmo können nur schwer die Finger voneinander lassen.

Fazit:
Mit „Failed“ legt Chris P. Rolls den gelungenen Auftakt einer unkonventionellen Gestaltwandler-Reihe vor, die durch tolle, sympathische Charaktere, eine spannende Rahmenhandlung und einen soliden, flüssigen Schreibstil besticht. Wer Gestaltwandler mag und das Thema nicht bierernst nimmt (sprich nur Raubtiere als Helden akzeptiert), sollte „Failed“ lesen. Es bietet eine vergnügliche Abwechslung zum üblichen Genre-Einheitsbrei und macht Lust auf mehr. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Eis bricht langsam von Dima von Seelenburg

Autor: Dima von Seelenburg
Taschenbuch: 452 Seiten
ISBN: 978-3959491228
Preis: 6,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Beim Ausräumen seines Kellers stolpert Aljoscha über eine alte Kiste, die mit einem E markiert ist. Darin sind Erinnerungsstücke enthalten, die sich um seine erste große Liebe Tobias drehen und den jungen Journalisten gedanklich in die beginnenden 90er Jahre und seine Jugend zurückführen. Er beginnt seine Schulzeit zu rekapitulieren, die Probleme, die seine Homosexualität mit sich brachte und das Glück, das er mit Tobias erlebt hat.

Eigene Meinung:
„Eis bricht langsam“ ist Dimas von Seelenburgs Debüt und erschein im Jugendbuchlabel des Main Verlags. Auf beeindruckende, fesselnde Weise entführt der Autor den Leser in die 90er Jahre zurück und lässt die Zeit der Kassettenrekorder, Bravomagazine und Röhrenfernseher lebendig werden. Gerade wenn man selbst in den 90er Jahren aufgewachsen ist, wird man an seine eigene Jugend erinnert – seien es die Songs, die für Aljoscha eine Rolle spielen oder die Beschreibungen der Umgebung und Jugendlichen.

Die Geschichte ist in zwei Zeitebenen angesiedelt – ein kleiner Teil spielt in der heutigen Zeit und präsentiert einen erwachsenen Aljoscha, der sich an seine Jugend zurückerinnert und versucht die Vergangenheit komplett Revue passieren zu lassen, der Hauptteil der Handlung spielt in den 90er Jahren, wo Aljoscha 14 beziehungsweise 16 Jahre alt ist. Auf sehr gefühlvolle und angenehme Art und Weise entführt der Autor den Leser in die Geschichte und lässt ihn Aljoscha und seine Freunde näher kennenlernen. Man ist hautnah dabei, als der junge Hauptcharakter sich erstmal mit dem Gedanken befasst schwul zu sein und sich nach und nach der Kioskbesitzerin Lotte anvertraut, die eine enorm wichtige Person in seinem Leben ist. Auch seine Familie lernt man kennen, die in ihrer Art angenehm aus dem Rahmen fallen und wesentlich moderner und toleranter eingestellt sind, als man es von anderen Familien gewohnt ist.
Natürlich steht die sich langsam entwickelte Beziehung zwischen Aljoscha und Tobias im Zentrum der Geschichte, denn die Liebe zwischen den beiden ist für den Hauptcharakter am wichtigsten. Für Aljoscha ist es die erste große Liebe, sprich für Tobias nimmt er alle Probleme in Kauf – Intoleranz, Beleidigungen und natürlich das Coming-Out vor seiner Familie und seinen Freunden. Auch die Schwierigkeiten, die auf die beiden jungen Teenager zurollen, als Tobias‘ Familie von ihrer Beziehung erfährt, ist eines der Hauptthemen von „Eis bricht langsam“. Dima von Seelenburg begleitet seinen Helden durch eine schwierige Zeit und lässt den Leser daran teilhaben.

Die Charaktere wirken authentisch und handeln in sich logisch. Man kann sich sehr gut mit Aljoscha und seinen Problemen identifizieren, da er ein sehr sympathischer Charakter ist. Auch die üblichen Figuren können überzeugen, allen voran Aljoschas beste Freundin Karolin, die Kioskbesitzerin Lotte und Aljoschas niederländische Mutter Inga, die auf herrlich unkomplizierte Art an Dinge herangeht und sich fernab der üblichen Konventionen bewegt. Auch sein Vater Oliver kann zum Ende hin etliche Pluspunkte sammeln, da ohne Kompromisse zu seinem schwulen Sohn steht und dem jungen Glück sogar den Weg ebnet. Zum Ende hin hat man alle Figuren ins Herz geschlossen und kann sie nur schwer ziehen lassen.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Dima von Seelenburg hat einen sehr schönen, sicheren Stil, der durch tolle Beschreibungen und stimmungsvolle Dialoge besticht. Die wechselnden Zeitebenen sind für den Leser kein größeres Problem, da der Autor die Szenen des erwachsenen Aljoscha in der Gegenwartsform geschrieben hat, für die jugendliche Sicht des Hauptcharakters die Vergangenheitsform gewählt hat. Einzig die Erinnerungen seines Vaters verwirren beim Lesen und sorgen dafür, dass man ein wenig durcheinander kommt, da sie optisch nicht kenntlich gemacht wurden und sie direkt im Dialog zwischen Aljoscha und seinem Vater eingebaut wurden. So kommt es zu einem Dialog im Dialog, was stilistisch ein wenig ungünstig ist – zum einen kann sich kaum einer an Dialoge erinnern, die über zwanzig Jahre zurückliegen, zum anderen fällt es dem Leser schwer aus dieser doppelten Dialogführung herauszukommen. Hier wäre ein anderes stilistisches Mittel passend gewesen, denn die Erinnerungen von Aljoschas Vater sind wichtig und gehören zum Buch.

Fazit:
Dima von Seelenburg legt ein beeindruckendes, gut lesbares Debüt vor, das nicht nur für Jugendliche geeignet ist, sondern an dem auch Leser ihren Spaß haben werden, die ihre Jugend in den 90er Jahren erlebt haben. Mit Aljoscha ist dem Autor ein sehr schöner, gut nachvollziehbarer Jugendlicher gelungen, der sich mit den typischen Problemen herumschlagen muss – erste Liebe, Coming-Out, Probleme mit Eltern und Freunden. Wirklich etwas Neues bietet „Eis bricht langsam“ nicht, aber das muss ein Jugendbuch, in dem es um einen schwulen Charakter geht auch nicht unbedingt. Dafür macht er die 90er Jahre lebendig und zeigt jugendlichen Lesern wie es damals war (ohne Handy und Internet). Allein das lässt sein Debüt aus der breiten Masse herausstechen und macht „Eis bricht langsam“ so empfehlenswert.

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[ROMAN] Meine Mutter, sein Exmann und ich von T. A. Wegberg

Autor: T. A. Wegberg
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-3499217593
Preis: 10,99 EUR (eBook) / 12,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Für Joschka bricht eine Welt zusammen, als sich seine Mutter für eine geschlechtsanpassende Operation entscheidet und fortan als Frederik leben will. Während seine Schwester Liska die Entscheidung ihres neuen Vaters akzeptiert, fühlt sich Joschka im Stich gelassen. Kurzerhand zieht er zu seinem Vater und dessen neuer Frau, doch auch dort ist das Leben nicht nur rosig. Erst als Joschka dem stillen Sebastian näherkommt und herausfindet, dass dieser an einer seltenen Krankheit leidet, wird Joschka offener und beginnt sich Stück um Stück zu ändern …

Eigene Meinung:
Der Jugendroman „Meine Mutter, sein Exmann und ich“ stammt aus der Feder T. A. Wegbergs, der sowohl für seine Jugendbücher, als auch für seine Gay Romane bekannt geworden ist. Mit dem vorliegenden Roman wendet er sich erstmals der Thematik Transgender zu, die im Jugendbuchberich bisher nur selten vertreten ist.

Die Geschichte handelt von Joschkas langsamer Wandlung vom leicht homophoben, intoleranten und engstirnigen Jugendlichen zu jemanden, der offener und toleranter durchs Leben geht und im Laufe der Zeit erwachsen wird. Dass gelingt T. A. Wegberg mit ruhigen Tönen und verschiedenen Figuren, die sehr realistisch und authentisch wirken – allen voran Joschka selbst. Er entspricht dem heutigen Jugendlichen in seiner leicht stumpfen Art sehr gut, ganz besonders was seine vorgefasste Meinung anbelangt und seine Angst vor Ablehnung. Joschka richtet sein ganzes Leben nach seinen Freunden, Schulkameraden und fremden Menschen. Ihm ist es enorm wichtig, nicht aus der Reihe zu tanzen und von allen akzeptiert zu werden. Da nimmt er auch in Kauf seinen neuen Vater zu verletzen und diesem die Schuld an seinem verkorksten Leben zu geben, anstatt sich einen Spiegel vorzuhalten. Erst als er Sebastian näher kennenlernt und in der engagierten, toleranten Emma seine große Liebe findet, ändert er sich Stück um Stück. Dies ist sehr glaubhaft beschrieben, denn natürlich sind es nur kleine Dinge, die er bewegt, die sich für ihn aber wie große Schritte anfühlen. Dass Joschka noch einen weiten Weg zu gehen hat, steht außer Frage, doch die ersten Schritte sind am Ende des Buches gemacht.
Nichtsdestotrotz hätte der Autor einige Dinge vertiefen können. Allein die Tatsache, dass zwischen den Kapiteln zeitlich gesprungen wird und mitunter mehrere Wochen ausgeblendet werden, sorgt dafür, dass man immer wieder neu in die Geschichte eintauchen muss und viele Punkte nicht geklärt werden. Zu Beginn sind es eher kleine, unbedeutende Sachen, zum Beispiel die Kommentare und Aktionen von Joschkas Stiefmutter. Im Fortlauf der Handlung häufen sich einige Dinge und man wartet gezielt auf die Auflösung einiger offener Fäden, die jedoch fallen gelassen wurden, weil Joschka sie scheinbar selbst nicht mehr für wichtig erachtet. Ganz besonders die Tatsache, dass die Schlüsselszene zwischen Frederic und Joschka am Ende des Buches relativ kurz abgehandelt wird und die Probleme zwischen den beiden nur oberflächlich behandelt werden, ist extrem schade. Hier hätte man sich einfach eine detailliertere Darstellung und eine bessere Aufarbeitung gewünscht, gerade bei einer solch wichtigen Thematik wie Transsexualität.

Stilistisch hat T. A. Wegberg einen sehr stimmigen, jugendnahen Schreibstil, der der Zielgruppe die Gefühle und Gedanken gut näherbringt und dafür sorgt, dass man sich mit Joschkas Problemen auseinandersetzt. Auch die Beschreibungen von Berlin, inklusive der Buslinien und des Nahverkehrs sein gut eingebaut, so dass man die Stadt auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernt. Der Autor weiß, wie man Dinge in Szene setzt und wie man einen Jugendlichen authentisch und realistisch darstellt, denn Joschka ist zu Beginn kein Sympathieträger und wirkt auch später noch stoffelig und wenig tolerant. Doch so sind viele der Jugendlichen heutzutage, so dass sich gerade diese mit T. A. Wegbergs Charakteren identifizieren dürften und mit Bedacht an die Thematik Transsexualität herangeführt werden, ohne mit Fachbegriffen und moralisch erhobenen Zeigefinger erschlagen zu werden.

Fazit:
„Meine Mutter, sein Exmann und ich“ ist ein gelungenes Jugendbuch von T. A. Wegberg, das die Thematik Transsexualität aufgreift und gut in Szene setzt ohne sich nur auf diese Thematik zu konzentrieren. An einigen Stellen wünscht man sich zwar mehr Tiefgang und eine detailliertere Ausarbeitung der Geschichte, doch die kurzen, sprunghaften Episoden passen gut zum Helden. Gerade Jugendliche, die im selben Alter wie Joschka sind, dürften sich gut mit ihm identifizieren können, da er (und seine Freunde) sehr authentisch wirken und die heutige Jugend widerspiegeln. Wer Jugendbücher aus dem Transgender-Bereich sucht, sollte sich „Meine Mutter, sein Exmann und ich“ auf jeden Fall näher ansehen.

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[KINDERBUCH] Kicker im Kleid von David Walliams

Autor: David Walliams
Illustrator: Quentin Blake
Taschenbuch: 240 Seiten
ISBN: 978-3499217845
Preis: 14,99 EUR (Hardcover) / 12,99 EUR (eBook)
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Story:
Dennis unterscheidet sich kaum von normalen Jungen in seinem Alter – er geht zur Schule, hat viele Freunde und liebt Fußball. Er spielt sogar aktiv und ist einer der Besten der Schulmannschaft. Einzig sein anderes Hobby ist ein Geheimnis, denn weder sein Vater, noch seine Freunde haben dafür Verständnis: Dennis liebt Mode und Kleider. Jeden Monat kauft er sich die neue Vogue und ist von Kleidern, Stoffen und Schnitten fasziniert. In der älteren Lisa findet er unerwartet eine Vertraute, zumal diese selbst schneidert und Dennis irgendwann überredet, probeweise ein Kleid anzuziehen. Aus dem Versuch wird bald mehr, denn Dennis liebt es sich hübsch zu machen und Mädchenkleidung anzuziehen. Als die beiden auf die Idee kommen, Dennis im Kleid der Schule zu präsentieren, hat dies ungeahnte Folgen …

Eigene Meinung:
„Kicker im Kleid“ stammt von David Walliams, der in England kein Unbekannter ist und oft als Nachfolger von Roald Dahl gehandelt wird. Mehrere Kinderbücher stammen aus seiner Feder, u.a. „Gangsta Oma“, „Terror Tantchen“ und „Ratten Burger“. Die Illustrationen stammen von Quentin Blake, der die meisten Romane von Roald Dahl illustriert hat und dadurch bekannt geworden ist. Das vorliegende Kinderbuch erschien 2010 bereits beim Aufbau Verlag, Rowohlt hat „Kicker im Kleid“ 2017 neu aufgelegt.

Die Geschichte um den fußballverrückte und modeverliebten Dennis ist kindgerecht aufbereitet und behandelt bei weitem nicht das Thema Transgender. Dennis möchte kein Mädchen sein, er findet lediglich Spaß daran sich zu verkleiden und hübsch zu machen. Es macht ihm Spaß sich zu verkleiden und vertreibt die Langeweile, wenn er in Kleider schlüpft und sich von Lisa hübsch machen lässt. Für ihn ist es ein Hobby, ebenso wie das Fußballspielen. Daher ist „Kicker im Kleid“ kein wirklich queeres Buch, sondern widmet sich eher der Thematik Crossdressing, das in England eine lange Tradition hat. Themen wie Akzeptanz, Toleranz und Respekt werden in „Kicker im Kleid“ behandelt, ebenso der Mut für eine Sache einzustehen und auch mal aus gängigen Rollenklischees auszubrechen und zu sich selbst zu stehen.
Das macht das Kinderbuch zu einer lohnenswerten Anschaffung, ganz besonders, wenn man Kinder im passenden Alter hat. David Walliams legt ein gut gelungenes, gut lesbares Kinderbuch vor, das auf humorvolle, lockere Art und Weise mit dem Thema umgeht und eine positive Botschaft vermitteln will. Da kann man auch verschmerzen, dass die Lösung am Ende im Grunde zu einfach ist und sich nur schwer mit der Realität vereinbaren lässt.

Die Charaktere sind sehr sympathisch – gerade Dennis, der in vielen Punkten ein durchschnittlicher Junge ist und mit den typischen Problemen zu kämpfen hat: der Trennung seiner Eltern, der Trauer über den Weggang seiner Mutter und der Tatsache, dass er recht sensibel ist, dies aber selten gegenüber seinem Vater und seinem Bruder zeigen darf (getreu dem Motto: Jungs weinen nicht!). Dass er sich für Mode und Mädchenkleider interessiert macht ihn nur noch menschlicher und glaubwürdiger, denn David Walliams gelingt es diesen ungewöhnlichen Charakterzug nachvollziehbar und authentisch darzustellen und regt an einigen Stellen zum Nachdenken und Diskutieren an. Denn man versteht den Jungen, der sich fragt, warum Jungs keine Kleider tragen dürfen, auch wenn diese bequem und hübsch sind.
Auch die übrigen Charaktere sind sehr gut dargestellt, allen voran Lisa, die Dennis ermutigt und unterstützt, aber auch dessen Vater und Bruder, die ein wenig brauchen, um ihre Vorurteile beiseitezuschieben.

Stilistisch legt David Walliams ein gelungenes Kinderbuch vor, das durch einen prägnanten, sehr eindringlichen Stil besticht. Der Autor arbeitet mit kurzen, präzisen Sätzen und verzichtet komplett auf schmückendes Beiwerk. So findet man kaum Beschreibungen der Wohngegend, der Schule oder den einzelnen Figuren – stattdessen legt der Autor Wert auf Humor und kleine Hints, die Fans seiner Bücher sofort wiedererkennen. Auch kommt er immer wieder selbst zu Wort, wirft einen knappen Randkommentar ein oder erklärt in wenigen Worten eine Szene genauer. Dieses kurze Eingreifen seitens der Autors in die Handlung ist bei britischen Romanen keine Seltenheit – auch in Büchern wie „Lemony Snicket“ kommt der Autor immer wieder zu Wort.
Die Illustrationen mag man oder man mag sie nicht, denn Quentin Blake hat einen sehr eigenwilligen Stil: flüchtig, skizzenhaft und fast ein wenig schluderig. Dennoch bringt er die Szenen, die er mit Bildern unterlegt gut zur Geltung, denn der Leser erkennt auf einen Blick worum es geht.

Fazit:
„Kicker im Kleid“ ist ein gelungenes Kinderbuch, das eine wichtige Botschaft in unterhaltsamer Form verpackt und für Toleranz, Akzeptanz und Respekt wirbt, ohne mich erhobenem Zeigefinger daher zu kommen. Es ist kein wirklich queeres Buch, doch es streift die Transgender-Thematik und enthält durchaus einige Parallelen. David Walliams legt ein stilistisch stimmiges, lesenswertes Kinderbuch vor, das für Jungen und Mädchen gleichermaßen geeignet ist. Zu empfehlen.

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[ANTHOLOGIE] Unicorns don’t swim von Antje Wagner

Herausgeberin: Antje Wagner
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-3932338823
Preis: 14,90 EUR (Taschenbuch)
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Inhalt:
Herausgeberin Antje Wagner hat 20 Geschichten von 16 unterschiedlichen Autorinnen gesammelt und in dem im Aviva Verlag erschienenen Erzählband „Unicorns don’t swim“ vereint. Egal ob realistisch oder fantastisch, lockerleicht oder dramatisch – es geht um Mädchen, die mit ihrer Art und ihren Gedanken aus den typischen Geschlechterrollen herausfallen. In der Anthologie geht es ums Anderssein, Que(e)rdenken und Sich-Selbst-Entdecken, das Brechen von Konventionen und dem Schubladendenken der Gesellschaft. Und so abwechslungsreich die Geschichten auch sind, sie haben eine Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Geschichte zieht – das Mädchen nicht immer den üblichen Klischees entsprechen müssen, sondern wesentlich vielseitiger und individueller sein können und dürfen.

Eigene Meinung:
Der Erzählband „Unicorns don’t swim“ erschien 2016 im Aviva Verlag unter der Schirmherrschaft der mehrfach ausgezeichneten Jugendbuch-Autorin Antje Wagner, von der zwei Kurzgeschichten stammen. Auch andere bekanntere Jugendbuchautorinnen wie Vera Kissel lassen es sich nicht nehmen, sich mit einer Geschichte zu beteiligen, ebenso Autorinnen, die mit ihren lesbischen Romanen auf sich aufmerksam gemacht haben. Für viele ist die Veröffentlichung in „Unicorns don’t swim“ jedoch der erste Schritt in die Öffentlichkeit.

Die Geschichten sind so bunt, queer und unterschiedlich, wie die Autorinnen, was dem Leser eine breite Palette ungewöhnlicher Geschichten beschert, die zum teils Nachdenken anregen, teils „nur“ unterhalten sollen. Dabei werden alle möglichen Themen behandelt – Liebe in allen Formen und Facetten, das Ausbrechen aus Konventionen, der Umgang mit Transidentitäten und kleine und große Familienprobleme. Die Autorinnen entführen den Leser in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in fantastische Parallelwelten und realistische Settings. Auch aktuelle Themen wie Flüchtlinge werden aufgegriffen und eingebaut. Die meiste Zeit bewegen sie sich jedoch abseits des Mainstreams, denn die Heldinnen der Geschichte entsprechen nicht den üblichen Klischees. Sie sind stark, vertreten ihr eigene Meinung, verlieben sich mitunter in Mädchen und müssen lernen mit ungewöhnlichen Familienproblemen umzugehen. Besonders hervorzuheben sind „Metamorphose“ von Tania Witte, „Baby“ von Vera Kiesel und „Hellhelden“ von Antonie Partheil, die mich auf ganz besondere Art und Weise gefesselt und zum Nachdenken angeregt haben, doch im Grunde ist jede Geschichte ein kleiner Schatz, der wunderbar zur Anthologie passt. Auch „Halbes Bett“, Auftakt eines Jugendromans von Ingrid Annel kann überzeugen, wenngleich es schade ist, dass es sich um keine abgeschlossene Geschichte handelt.

Stilistisch weisen die Erzählungen eine hohe Qualität aus. Natürlich hat jeder Autor seinen Stil und setzt sich mit der Thematik auf ganz eigene Art auseinander, doch der Kurzgeschichtenband bietet Abwechslung und gibt dem Leser die Möglichkeit, neue Autorinnen kennenzulernen, die man zukünftig im Auge behalten kann. Dies ist bei einer Anthologie immer der schönste Punkt, neben verschiedenen Geschichten und einer bunten Mischung – das Kennenlernen neuer Autoren, die man bis dahin nicht kannte.

Fazit:
„Unicorns don’t swim“ ist eine gelungene Anthologie, die durch mutige, ungewöhnliche Geschichten besticht, die sich auf vollkommen unterschiedliche Art mit dem Thema Mädchen, Frauen in allen Facetten beschäftigen. Den Autorinnen gelingt ein breiter Querschnitt außergewöhnlicher Heldinnen, die sich fernab der Klischees und gängigen Ideale bewegen und für sich selbst sprechen, handeln und leben. Unter Herausgeberin Antje Wagner versammeln sich talentierte Autorinnen, die mit ihren Geschichten aufrütteln, berühren und nachdenklich stimmen wollen und die Themen aufgegriffen haben, die zu Diskussionen anregen dürften. Für junge Mädchen und Frauen unbedingt zu empfehlen, ebenso für Leser, die gerne einen Blick über den Tellerrand riskieren wollen. Es lohnt sich!

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[MANGA] Sternensammler von Anna Backhausen und Sophie Schönhammer

Zeichner: Anna Backhausen und Sophie Schönhammer
Taschenbuch: 200 Seiten
ISBN: 978-3842020665
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 6,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Fynns Leben besteht aus Schuleschwänzen, Rauchen und Faulsein – zu fast nichts hat er den passenden Antrieb. Als seine Freundin auch noch mit ihm Schluss macht, weil sie nicht das Gefühl hat, dass Fynn sie wirklich liebt, ist dieser nur mäßig geschockt. Schnell droht er in seinen gewohnten Trott zu verfallen, da trifft er auf einem Hügel, den er zum Rauchen und Nachdenken aufsucht, den nerdigen Niko, der mit einem Teleskop Sterne beobachtet und auf Sternschnuppen wartet. Zwischen den beiden ungleichen Teenagern entwickelt sich langsam mehr, denn Fynns Interesse ist geweckt und auch Niko scheint mit der Zeit mehr für seinen Mitschüler zu empfinden …

Eigene Meinung:
„Sternensammler“ stammt von Anna Backhausen und Sophie Schönhammer, die in der deutschen Mangaszene keine Unbekannten sind und schon mehrere Doujinshis veröffentlich haben. Der Manga erschien bei Tokyopop zunächst in großformatiger Heftform kapitelweise mit kleinen Extras und schließlich auch als Sammelband.

Die Geschichte dreht sich um die beiden ungleichen Teenager Fynn und Niko, die sich zufällig nachts auf einem Hügel treffen. Während Fynn einfach nur rauchen und abhängen will, ist es Nikos Ziel die Perseiden zu beobachten, da er von klein auf einen Faible für Sterne hat. Mit seiner Neugier steckt er schließlich auch Fynn an, der sich im häufiger mit seinem nerdigen Mitschüler trifft. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden mehr und damit beginnen auch die ersten Probleme – für Fynn ist es das erste Mal, dass er sich für einen Jungen interessiert, für Niko ist es ein Wagnis, denn Fynn ist nicht leicht zu nehmen, insbesondere wegen dessen Exfreundin.
Anna Backhausen und Sophie Schönhammer erzählen gefühlvoll eine zarte Liebesgeschichte, die sich langsam entwickelt und den beiden Teenagern genügend Zeit gibt sich kennen zu lernen und einander näher zu kommen. Es wirkt weder übereilt, noch hat man den Eindruck dass Fynn und Niko möglichst schnell miteinander im Bett landen müssen, wie es bei viele Boys Love Mangas leider der Fall ist. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte ein wenig stereotyp, denn im Grunde weiß man schon was passiert und welche Probleme für die beiden auftauchen. Vielleicht überraschen die Autorinnen ja im zweiten Band, denn der Manga ist noch nicht abgeschlossen und wird fortgesetzt.

Sehr angenehm und sympathisch gestalten sich auch die beiden Hauptfiguren des Mangas. Sowohl Niko als auch Fynn schließt man schnell ins Herz, da sie nicht ganz dem üblichen Klischee von Uke und Seme entsprechen, sondern weitestgehend authentisch sind. In Fynn findet man den typisch gelangweilten, antriebslosen Jugendlichen, der nicht weiß wohin er in seinem Leben will, in Niko den etwas nerdigen Jungen, der von den Sternen träumt und glücklicherweise nicht der stereotype Außenseiter ist. Auch Zoe, Fynns Ex, ist nicht uninteressant – sie könnte durchaus mehr Raum innerhalb der Geschichte einnehmen. Man mag sie und ihre offene, lockere Art.

Zeichnerisch legen die beiden Mangaka ein sehr schönes Werk vor. „Sternensammler“ besticht durch luftige, lockerleichte Zeichnungen und einen angenehmen Stil. Gerade die Aquarelleillustrationen sind sehr schön und passen gut zum verträumten Thema des Mangas, aber auch die einzelnen Panels und die Seitenaufteilung innerhalb des Mangas kann überzeugen – es wirkt weder zu vollgestopft noch zu leer. Man merkt, dass Anna Backhausen und Sophie Schönhammer bereits mehrere Mangas gezeichnet und eine gewisse Routine entwickelt haben. Wer ihr Doujinshis mochte und angenehm gestaltete, zuckersüße Boys Love Mangas mag, wird mit „Sternensammler“ garantiert nichts falsch machen.

Fazit:
„Sternensammler“ ist ein gelungener deutscher Boys Love Manga, der durch tolle Zeichnungen, sympathische Charaktere und eine ruhige, leise Liebesgeschichte besticht. Anna Backhausen und Sophie Schönhammer haben ein wundervoll stimmiges Werk geschaffen, das zwar nicht tiefgründig ist und eine altbekannte Geschichte neu erzählt, jedoch zu unterhalten weiß und sich nicht hinter japanischen Mangas verstecken muss. Man darf gespannt sein, wie die beiden die Geschichte fortführen, denn „Sternensammler“ macht Lust auf mehr.

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[ROMAN] Kristallscherben von Svea Lundberg

Autor: Svea Lundberg
Taschenbuch: 252 Seiten
ISBN: 978-3960890577
Preis: 4,99 EUR (eBook) / 11,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Seite zwei Jahren sind Jannis und Felix ein Paar – Grund genug endlich zusammenzuziehen und ihr Leben gemeinsam zu bestreiten. Just in diesem Moment bekommt Felix, der als Sachbearbeiter beim Jugendamt tätig ist, den Fall des aggressiven Lukas auf den Tisch. Der junge Mann schleppt nicht nur etliche Probleme mit sich herum, er ist auch so unausgeglichen und gewaltbereit, dass r sich nur schwer in dem Heim anpassen kann. Seine aufkeimende Homosexualität setzt dem ganzen nur die Krone auf. Felix stürzt sich in den Fall, da er Lukas unbedingt helfen will, während Jannis das Ganze skeptisch beobachtet – als Polizist hat er oft genug mit Jugendlichen wie Lukas zu tun. Als es immer häufiger Prügeleien zwischen Jugendgruppen kommt, bei denen Lukas ebenfalls involviert ist, überschlagen sich die Ereignisse und bringen Jannis in Lebensgefahr …

Eigene Meinung:
Mit „Kristallscherben“ liegt die Fortsetzung von Svea Lundbergs Debüt „Kristallschnee“ vor, der Anfang 2016 im deadsoft Verlag erschien. Zwischen den beiden Büchern ist die Kurzgeschichte „Kristallträume“ angesiedelt, die ebenfalls bei deadsoft erhältlich ist. Inzwischen ist die Autorin mit ihren Romanen „Zwischen Bühne und Bordell“ und „Die stille Seite der Musik“ keine unbekannte Größe im Gay Romance Genre mehr und begeistert die Leser mit „Elfendiener“ auch im nicht-queeren Fantasy-Bereich.

Die Geschichte spielt zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes und entführt den Leser in ein neues Abenteuer von Jannis und Felix. Mit Lukas kommt ein weiterer interessanter Charakter hinzu, der einen Teil der Handlung erzählt und Potenzial für weitere Spin-Offs und Fortsetzungen bietet. „Kristallscherben“ ist in sich schlüssiger und spannender, als der Vorgänger, da er flüssiger ist und besser ineinandergreift. Zwar weiß man auch bei diesem Band recht schnell, in welche Richtung die Geschichte laufen wird, doch Svea Lundberg erzählt die Ereignisse packend und spannend, so dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Zum Ende hin geht zwar alles ein wenig schnell und die Auflösung wirkt ein wenig zu gehetzt runtererzählt, doch das kann man durchaus verschmerzen, da die wichtigsten Aspekte geklärt sind. Auch die Figuren wachsen dem Leser stärker ans Herz und man erfährt ein bisschen mehr über Felix und Jannis. Zudem bietet sich eine Fortsetzung geradezu an, denn wie es mit Lukas weitergeht bleibt offen – hier ist auf jeden Fall Platz für ein Spin-Off.

Die Charaktere sind nachvollziehbar und handeln logisch. Man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen und verstehen. Gerade Lukas, der mit seinen Taten extrem aus der Reihe tanzt, ist dem Leser dennoch nicht fremd, denn seine Hintergründe werden ausführlich erklärt und man kann seine Aktionen durchaus nachvollziehen. Auch die übrigen Nebenfiguren können überzeugen und runden das Geschehen um die drei Protagonisten passend ab. Diese lernt man deutlich besser kennen. Da sie sich dieses Mal nicht kennenlernen müssen, liegen die Schwerpunkte ihrer Beziehung an anderer Stelle, nämlich darauf, wie die beiden als Paar funktionieren und ihr Zusammenleben arrangieren wollen.

Svea Lundberg hat einen sehr schönen, flüssigen Stil, der sowohl bei den Actionszenen, als auch bei den erotischen Passagen gut funktioniert. Es wird nie langweilig, da es Knall auf Fall geht und die Spannungskurve kontinuierlich gehalten wird. Die Handlung ist dieses Mal aus drei Perspektiven geschrieben: Felix, Jannis und Lucas. Für alle drei Handlungsträger findet Svea Lundberg eine eigene Sprache, so dass Lukas Beschreibungen und seine Wortwahl durchaus zu einem Jugendlichen passen, ebenso seine chaotische Gedanken- und Gefühlswelt.

Fazit:
„Kristallscherben“ gelingt es den Vorgängen spürbar in den Schatten zu stellen und bietet spannende Unterhaltung, gut nachvollziehbare Charaktere und knisternde Erotik. Svea Lundberg legt einen soliden Krimi vor, dessen Schwerpunkte trotz allem im Drama und Romance Bereich liegen. Wer „Kristallschnee“ bereits mochte, dem wird auch die Fortsetzung gefallen, Neueinsteiger können durchaus mit diesem Band anfangen, da er eigenständig lesbar ist. Zu empfehlen.

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[KURZROMAN] Golden Feather von Serena C. Evans

Autor: Serena C. Evans
eBook: 77 Seiten
ASIN: B01C7IVZ5Q
Preis: 1,99 EUR (eBook)
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Story:
Im Nachtclub „Golden Feather“ erwachen die 20er Jahre jede Nacht zum Leben, was Gäste jeglicher Couleur anzieht – Fans des vergangenen Zeitalters und der offenherzigen Musik, queere Gäste und Liebhaber ungewöhnlicher Szenebars. So stolpert die unbedarfte Josephine eher zufällig in den Club und findet in der attraktiven, extrovertierten Sängerin Erin ihre erste große Liebe, was zu Beginn eher für Probleme als für ein Happy-End sorgt. Auch die taffe Barfrau Payton kommt im Club der jungen Alison näher, die sich dazu breitschlagen lässt, Payton Klavierunterricht zu geben. Selbst Sasha, die Besitzerin des Clubs und ein waschechter Workaholic hat die Chance auf das große Glück mit ihrer neuen Assistentin Yuna, was ihr jedoch einiges abverlangt, denn Sasha bleibt lieber unverbindlich, als sich auf Beziehungen einzulassen …

Eigene Meinung:
Mit „Golden Feather: Zeitreise ins Glück“ legt Serena C. Evans drei lesbischen Kurzgeschichten vor, die vor allem im gleichnamigen Club spielen und fast sie zu einem gut 80-seitigen Büchlein zusammen, das perfekt für Zwischendurch ist. Die Autorin ist im queeren Bereich keine Unbekannte – sie veröffentlicht sowohl im Gay als auch im Lesbian Romance Genre, was eher selten ist. Ihr Debüt im lesbischen Bereich („Heldinnen küssen besser“) erschien beim Main Verlag, ansonsten ist die Autorin eher im Selfpublishing unterwegs.

Die drei Geschichten sind unterhaltsam und bieten dem Leser sechs unterschiedliche Frauen, die allesamt mit ihren Leben zu kämpfen haben. Sehr schön ist die Tatsache, dass man den Charakteren immer wieder begegnet, selbst wenn der Fokus einer Kurzgeschichte auf einem anderen Pärchen liegt. So erfährt man mehr über die anderen Figuren und weiß, wie es mit ihnen weitergeht. Ein wenig schade ist es trotzdem, dass die Geschichten so kurz sind, denn die einzelnen Charaktere und Ereignisse bieten durchaus Luft für mehr – gerade über die Hintergründe des Nachtclubs und die unterschiedlichen Gäste hätte man gerne mehr erfahren. Hier wäre Potenzial für eine Fortsetzung im Episodenstil, denn in dem Club dürfte sich mehr ereignen, als dass was die Autorin bisher offenbart hat. So muss man sich leider recht schnell von den sympathischen Frauen und dem „Golden Feather“ verabschieden, sobald man die Kurzgeschichten ausgelesen hat.

Die Charaktere sind allesamt sympathisch – sei es die taffe Payton, die überdrehte Erin oder die arbeitssüchtige Sasha. Sie und ihre Partnerinnen wirken sehr lebendig und gut nachvollziehbar. Mitunter sind sie ein wenig stereotyp, gerade was die Zusammensatzung der Pärchen anbelangt (man weiß im Grunde schon vorher, wie die jeweiligen Partner sein werden, da sie sich immer als das Gegenteil der Protagonistin entpuppen). Dennoch machen die Kurzgeschichten Spaß und entführen den Leser auf angenehme Art und Weise in das schillernde Leben des Nachtclubs.

Stilistisch gibt es ebenfalls nichts zu beanstanden – Serena C. Evans hat einen schönen Schreibstil, der sich gut zum Thema und den Geschichten passt. Auch der Club und das pulsierende Nachtleben sind gut beschrieben, wenngleich es gerne etwas mehr hätte sein dürfen, um die Atmosphäre noch lebhafter und greifbarer zu gestalten.

Fazit:
„Golden Feather“ von Serena C. Evans ist eine gelungene Kurzgeschichtensammlung für Zwischendurch, die durch angenehmen Charaktere, die tolle, atmosphärische Welt des Nachtclubs und den angenehm lesbaren Schreibstil der Autorin besticht. Der Fokus liegt eindeutig auf der Liebe zwischen den unterschiedlichen Frauen, was ganz besonders Leser begeistern dürfte, die auf der Suche nach gut geschriebenen, lesbischen Liebesgeschichten sind. Wer in die Welt der 20er Jahre eintauchen will, ohne zu einem historischen Roman zu greifen, kommt ebenfalls auf seine Kosten – „Golden Feather“ lohnt sich und macht Lust auf mehr.

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[ROMAN] Beach Café von Jeremy Reed

Autor: Jeremy Reed
Hardcover: 124 Seiten
ISBN: 978-3037620571
Preis: 19,80 EUR (Hardcover)
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Story:
Vier Jugendliche genießen ihren letzten „freien“ Sommer an einem Strand der Atlantikküste der 80er Jahre und zelebrieren den Einstieg in die Welt der Erwachsenen auf ihre Art und Weise. Während ihr selbsternannter Anführer Dione Drogen nimmt, Frauenkleider trägt und sich seine Eskapaden von reichen Herren bezahlen lässt, schwelgen die anderen in den Gedichten und Texten von Rimbaud und Cocteau, hören Musik und versuchen sich auf ihre jeweilige Zukunft vorzubereiten, in der es gilt sich Konventionen und Regeln zu unterwerfen. Alles ändert sich schlagartig, als der bodenständige Nicholas im Meer ertrinkt und die Jungen aus ihrer Blase aus Hoffnungen, Träumen und Lebensflucht reißt …

Eigene Meinung:
„Beach Café“ ist der erste Roman von Jeremy Reed, der den Weg nach Deutschland gefunden hat. Da der Autor nicht nur über 40 Veröffentlichungen vorzuweisen hat, sondern seit den 70er Jahren als Englands dekadentester, kontroversester und ungewöhnlichster Autor gilt, ist es erfreulich, dass sich der bilgerverlag entschieden hat, in den kommenden Jahren seine wichtigsten Bücher in Deutschland herauszubringen. „Beach Café“ macht dabei den Anfang.

Die Geschichte spielt im Laufe eines Sommers und setzt vier Jugendliche ins Zentrum, die auf dem Weg sind, sich selbst zu finden und ihren Sprung in die Erwachsenenwelt zu wagen. Jeden treibt es in eine andere Richtung – Dione verkauft sich an reiche Herren, die seine Drogensucht finanzieren und der sich erwachsener und reifer als die anderen sieht; Paul ist Sohn eines Bauern, der sich zu Männern hingezogen fühlt, seine Sexualität jedoch innerhalb seiner konservativen Familie nie wirklich zeigen kann; und Nicholas ist der einzige Sohn eines Immobilienmakler und damit weitestgehend frei, was seine Vorlieben und Entscheidungen angeht. Der Ich-Erzähler wiederum lässt sich treiben, schreibt Lieder und Gedichte und beobachtet seine Freunde, bis er auf Diana trifft, die ihn vollkommen verzaubert und auf ihre Art fesselt.
Das erste Drittel des Buches wendet Jeremy Reed für ausufernde und sehr exzessive Beschreibungen der Protagonisten auf – gespickt mit vielen Adjektiven und Schachtelsätzen werden dem Leser die grundverschiedenen Jungen näher gebracht, ebenso der Strand mit seinem verborgenen Treffpunkt für Schwule. Hinzu kommen Gedichte, Liedtexte und Textauszüge bekannter Schriftsteller und Musiker, denen der Autor auf diese Weise ein Denkmal setzt. Ab der Hälfte nimmt die Handlung dann ein wenig mehr Fahrt auf, da die Jungs sich erstmals größeren Problemen entgegenstellen und sich teilweise für den Tod eines Freundes rechtfertigen müssen. Dabei werden alle auf ihre Art erwachsen, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Ich-Erzähler liegt, der sich letztendlich abkapselt und seinen eigenen Weg geht.

Die Figuren sind authentisch und gut greifbar, wirken allerdings teilweise nicht ganz wie 18-jährige Jugendliche. Gerade der Ich-Erzähler ist manchmal zu poetisch, seine Verweise auf historische Ereignisse, Dichter und Künstler wirken etwas zu hochgestochen und stünden eher einem gestandenen Mann Mitte vierzig zu, der entsprechende Erfahrungen und passendes Wissen gesammelt hat. Er wirkt bei einigen Monologen einfach nicht wie ein Jugendlicher, der seinen letzten Sommer genießt, sondern wie ein verkappter Musik-/Literaturprofessor. Nichtsdestotrotz sind seine Handlungen und Gedanken von jugendlichem Charakter, gerade wenn es um das Mädchen geht, das er kennenlernt oder seine Eltern.

Sprachlich bewegt sich der Roman auf hohem Niveau – man merkt, dass Jeremy Reed bereits etliche Veröffentlichungen hat und sich im hoch-belletristischen Bereich bewegt. Er schreibt sehr ausführlich, fast schon überschwänglich und hat eine Vorliebe für Adjektive, die seine Texte fast schon inflationär heimsuchen. Mitunter wirkt die Geschichte ein wenig weltfremd, was auch daran liegt, dass es fast keine Dialoge gibt und die Handlung durch innere Monologe des Ich-Erzählers vorangetrieben wird. Auch können die eingeworfenen Songtexte und Gedichte einige Leser stören, da sie einen aus dem Lesefluss herausreißen, doch wer sich daran nicht stört und keinen Wert auf platte Gespräche legt, bekommt einen sehr eindringlichen Roman, der durch eine brillante, verschnörkelte Sprache besticht.

Fazit:
„Beach Café“ ist ein gelungenes, sehr eindringliches Buch über das Erwachsenwerden und das Finden der eigenen Persönlichkeit. Dabei stehen die vier Protagonisten, ihre Herkunft und ihre Gedanken stark im Vordergrund, ebenso die Beschreibungen des Sommers und der schrillen Figuren, die die Geschichte mitbestimmen. Jeremy Reed lässt Raum zum Nachdenken, da er viele Punkte offen enden und Platz für eigene Gedanken lässt. Wer literarisch komplexere Romane sucht, die nichts mit den gängigen Publikationen im queeren Bereich zu tun haben, sollte einen Blick riskieren – insbesondere wenn man anspruchsvolle und tiefgängige Lektüre sucht.

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