[ROMAN] Fummel und Flamme von Kai Brodersen

Autor: Kai Brodersen
Taschenbuch: 340 Seiten
ISBN: 978-3960890256
Preis: 4,99 EUR (eBook) / 11,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nachdem Jens Nobbe – Kioskbesitzer, ehemaliger Showstar und diskreter Begleiter solventer, älterer Herren – seinen ersten unfreiwilligen, kriminalistischen Fall beendet hat, sollte einem ruhigen Leben mit seinem Lebenspartner Paul nichts im Wege stehen. Das ändert sich, als in der Nähe seines neuen Domizils ein Lagerhallenkomplex abbrennt und dort die Leiche einer Frau gefunden wird. Für die Polizei ist der 15-jährige Rafik der Täter, Nobbe bezweifelt dies jedoch von Anfang an. Als er Rafik zufällig aufstöbert, versteckt er ihn vor der Polizei und beginnt selbst zu ermitteln. Dabei gerät er nicht nur an die russische Mafia, sondern entdeckt auch, dass sich der eigentliche Täter in gänzlich anderen Kreisen bewegt …

Eigene Meinung:
Kai Brodersens „Fummel und Flamme“ spielt knapp vier Monate nach den Ereignissen des ersten Bandes „Pilsken und Pailletten“, in dem Nobbe den Mord an dem Sparkassenbesitzer aufgeklärt hat. Der Autor gibt Nobbe und dessen Freunden einen neuen Fall, den es auf höchst unkonventionelle Art zu klären gilt. Dafür muss man als Leser nicht unbedingt den ersten Teil kennen, es macht jedoch mehr Spaß, wenn man die Figuren und deren Hintergründe bereits kennt.

Die Geschichte ist spannend in Szene gesetzt und macht genauso viel Spaß wie der erste Teil der Bücher um Jens Nobbe und seine Freunde. Der Fall um die Brandstiftung und dem Mord kommt mit einem komplett anderen Ende daher, als man erwartet hat, denn der Täter ist tatsächlich nicht in den üblichen Verbrecherkreisen zu suchen. Zwischendurch ist die Handlung leider arg konstruiert, insbesondere was den Aufhänger für Nobbes Ermittlungen betrifft. Man muss sich doch fragen, ob die Beschreibung der Schuhe (nur die Beschreibung, nicht die Tatsache, dass er sie selbst gesehen hat) wirklich ausreicht, um dem Mörder auf die Spur zu kommen. Das macht leider den gesamten Fall ein wenig seltsam – er wirkt künstlich und ist nur schwer nachvollziehbar.
Hinzu kommen die vielen Nebenplots, durch die man als Leser mit der Zeit fast den Überblick verliert: Nobbes und Pauls Umbau ihres neuen Domizils, das Auftauchen der jungen Karen, die auf eine ganz besondere Art mit Nobbe verbunden ist und der Polizist Peter, mit dem Nobbe während seiner Ermittlungen in Düsseldorf anbandelt und der sich in das ehemalige Revuegirl verguckt. Hinzu kommt natürlich noch Kommissar Gensfleisch, der hinsichtlich des Brandes ermittelt und wenig erfreut über die Einmischung Nobbes ist. Auch die Sache mit Rafiks Familie ist fast ein wenig too much, auch wenn Nobbes Unterstützung und Hilfestellung ehrenhaft ist. Man fragt sich trotzdem, ob ein Tunesier so etwas dulden würde.

Die Charaktere sind wie immer sehr sympathisch und ungemein liebenswert – was vor allem daran liegt, dass sie so herrlich anders und eigen sind. Nobbe ist alles andere als stereotyp: er hat das Herz am rechten Fleck, redet wie ihm der Mund gewachsen ist, löst einen Fall auf höchst unkonventionelle Art und lässt sich nicht so leicht in die Pfanne hauen. Sein Partner Paul ist schon fast zu nett für diese Welt – offen, hilfsbereit und jemand, der nahezu jeden Fehler verzeiht. Auch Nobbes Freunde sind ein bunter Haufen, über die man gerne liest, wenngleich sie für die kriminalistische Handlung dieses Mal eher weniger wichtig sind. Da stellt sich Nobbe lieber allein dem Täter entgegen und ermittelt ohne die anderen, was ein wenig schade ist.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Kai Brodersen hat einen sehr eigenen, aber passenden Stil, der wunderbar zu so einer schillernden Persönlichkeit wie Nobbe passt. Die Geschichte ist sehr humoristisch, gerade weil der typisch westfälische Dialekt und charmante Witz in den Roman einfließt und die meiste Zeit kein Auge trocken bleibt. Auch die übrigen Beschreibungen der Stadt und der verschiedenen Charaktere sind sehr gelungen – es macht einfach Spaß „Flamme und Fummel“ zu lesen. Mitunter sind die Alltagsszenen und das chaotische Leben Nobbes witziger und fesselnder, als der Kriminalfall. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr angenehm, dass der Autor sämtliche erotische Szenen ausblendet, denn dies würde den Umfang des Buches locker verdoppeln (Nobbe ist kein Kind von Traurigkeit, was das betrifft).

Fazit:
„Fummel und Flamme“ ist bis auf einige kleinere Schwächen im Plot eine gelungene Fortsetzung des ersten Bandes „Pilsken und Pailletten“. Kai Brodersen hat einen tollen, sehr humorvollen Stil, der sich angenehm von der breiten Masse abhebt und die Krimireihe um Nobbe und seinen Freunden zu etwas Besonderem macht. Wer durchgeknallte, schrille Charaktere mag und es mit einem komplett durchdachten Fall nicht so genau nimmt, sollte sich die Reihe nicht entgehen lassen. Im Zweifelsfall einfach reinlesen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

Advertisements

Veröffentlicht am 2. Januar 2018 in 4 Sterne, Comedy, Gay, Krimi, Rezensionen und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: