[ROMAN] Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow von Rainbow Rowell

Autor: Rainbow Rowell
Taschenbuch:  528 Seiten
ISBN: 978-3-423-64032-9
Preis: 16,99 EUR (eBook) / 19,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Simon Snows Leben ist von Anfang an vorherbestimmt – als mächtigster Zauberer aller Zeiten liegt es an ihm, den hinterhältigen Schatten zu besiegen, der die magische Gesellschaft bedroht, indem er große Löcher in die magische Atmosphäre reißt, die ganze Landstriche in nichtmagische Zonen verwandelt. Unglücklicherweise ist er absolut nicht in der Lage, die immensen Kräfte, die in ihm schlummern, zu beherrschen. Über viele Jahre hinweg hat er in Watford die Kunst der Zauberei gelernt, in Penelope und Agatha treue Freunde gefunden und mit seinem Zimmergenossen Baz leidenschaftlich in den Haaren gelegen. Auch die Angriffe und Attacken des bösen Schattens konnte er immer zurückschlagen. Das ändert sich, als zu Beginn des letzten Schuljahres der Geist von Baz‘ Mutter vor Simon auftaucht und diesem eine Botschaft für ihren Sohn hinterlässt – er solle ihren wahren Mörder finden, denn dieser weilt noch immer unter den Lebenden. Simon ist fest entschlossen, Baz bei der Suche zu helfen. Dabei kommen sie nicht nur der Wahrheit hinter der Prophezeiung und Simons Wesen auf die Spur, sie kommen sich auch näher, denn Baz ist schon eine Ewigkeit an Simon interessiert …

Eigene Meinung:
„Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ stammt aus der Feder von Rainbow Rowell und ist ein SpinOff des Jugendbuches „Fangirl“, in der Simon Snow, Baz, Penelope und all die anderen Charaktere bereits indirekt einen Auftritt hatten. Die Parallelen zu „Harry Potter“ sind logischerweise vorhanden, da die beliebte Buchreihe um Simon Snow in „Fangirl“ stark an das Phänomen um J. K. Rowlings Zauberlehrling angelehnt ist. Nichtsdestotrotz geht die Autorin eigene Wege, beschreibt die Magie vollkommen anders und löst die Geschichte anders auf. Man kann das Jugendbuch problemfrei ohne Vorkenntnisse lesen, jedoch ist es wahrscheinlich nicht verkehrt „Fangirl“ zu kennen.

Die Geschichte beginnt ein wenig zäh, denn der Einstieg gestaltet sich ein wenig schwierig. Das liegt vorwiegend daran, dass die Autorin die grobe Handlung von sieben Büchern (weil sieben Schuljahre) auf einen einzigen Band zusammenstaucht und mit vielen Rückblenden und Einwürfen arbeitet. So werden immer wieder Ereignisse der ersten Schuljahre erwähnt oder eingestreut, was zu Beginn verwirrend ist, da dies den faden Beigeschmack eines Info-Dumps bekommt. Mit der Zeit gibt sich das, da man die Zusammenhänge besser versteht und auch die Figuren intensiver kennenlernt. Wie erwähnt sind die Parallelen zu „Harry Potter“ frappierend, allerdings baut Rainbow Rowell eine Vielzahl eigener Ideen ein, so dass die Geschichte durchaus etwas Neues, Innovatives zu bieten hat. So unterscheiden sich Grundlagen der Magie, die allgemeinen Hintergründe zu Simon Snow und dem hinterhältigen Schatten und auch die Charakterentwicklung stark von J. K. Rowlings Werk, so dass man „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ mit der Bezeichnung Plagiat unrecht tun würde.
Die Handlung ist in sich schlüssig und spannend, an einigen Stellen wirken die Erklärungen sogar logischer und in sich schlüssiger als bei „Harry Potter“ und man kann die Figuren stellenweise besser nachvollziehen. Die wachsende Beziehung zwischen Simon und Baz, die als Erzfeinde starten und im Laufe des Buches zu einem ungleichen Paar werden, ist wahrscheinlich der Traum eines jeden Fanfiction-Autors, denn es ist offensichtlich, wem die beiden nachempfunden sind. Dabei bleiben sich die beiden in ihrer etwas verqueren Beziehung treu, so dass die Geschichte nicht ins kitschig-romantische abrutscht.

Die meisten Charaktere sind sympathisch und gut nachvollziehbar, auch wenn sie mitunter etwas blass bleiben – einzig Penelope und Baz fallen aus dem Rahmen, da sie jeweils eine wichtige Rolle für Simon spielen. Es ist fast schade, dass Rainbow Rowell der Geschichte nur ein Buch gewidmet hat, denn es gäbe durchaus Potenzial für mehr. Aber das wäre wahrscheinlich zu viel des Guten gewesen.

Stilistisch bietet „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ gute, angenehm lesbare Lektüre, für deren Einstieg man aber ein wenig Zeit braucht. Nach hinten hin wird es spannender und flüssiger, so dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Ein wenig störend sind die viele Perspektivwechsel, denn die Autorin springt sehr oft zwischen den Figuren, so dass man sich schwer auf einen Charakter konzentrieren kann. Das sorgt auch dafür, dass man den Helden mitunter auf Distanz bleibt – gerade bei Simon stört dies ein wenig. Im Vergleich zu Baz bleibt er leider fast ein wenig blass, da man viel über den unfreiwilligen Vampir erfährt und seine Gedanken und Gefühle sehr genau dargelegt bekommt, während Simon einfach nur der Auserwählte ist, es aber eigentlich nicht sein will. Wahrscheinlich liegt das daran, dass Simon Snow in den fiktiven Vorgänger-Büchern oder auch in „Fangirl“ besser beschrieben wurde.

Fazit:
„Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow“ ist ein gelungenes, spannendes Jugendbuch, das gerade Fans der „Harry Potter“-Romane und „Fanfiction“-Anhänger begeistern dürfte, denn es erfüllt die Wünsche vieler Slash-Fans, die sich danach gesehnt haben, Harry und Draco als Pärchen zu sehen. Trotz aller Parallelen legt Rainbow Rowell ein eigenständiges, unterhaltsames Werk vor, dass an einigen Stellen vielleicht ein wenig zu viele Einwürfe und Rückblenden enthält, jedoch zu unterhalten weiß. Wer kein Problem mit den Anklängen zu J. K. Rowlings Meisterwerk hat und mal ein anderes schwules Jugendbuch lesen will, dass nicht nur Coming-Out und erste Liebe zum Thema hat, sollte einen Blick riskieren. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 6. Oktober 2017 in 4 Sterne, Fantasy, Gay, Jugendbuch, Rezensionen und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. In den englischsprachigen Ländern ist dieses Buch sehr erfolgreich, in den deutschsprachigen Ländern wird es der Roman eher schwer haben. Viele werden es verwirrend finden, dass das Buch als Fanfiction innerhalb eines anderen Romans hat, auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, dass ein möglicher Leser aufgrund des Covers spontan zum Buch greift. Und auch der Romantitel ist ein wenig unglücklich gewählt, weil er weder den Charakter der Hauptperson oder der Geschichte widerspiegelt.

    • Ich gebe dir in allen Punkten recht – ich hab es mir geholt, weil ich das Buch aus dem englischen Raum kannte und nur auf die deutsche Ausgabe gewartet habe. Aber das Cover und gerade der Titel sind alles andere als eingängig und auffällig. Sehr schade …

      • Es ist bei Dir genauso wie bei mir oder anderen, die sich die deutsche Ausgabe holten, sie kannten es aus dem englischen Sprachraum. DTV hat da leider etwas komplett versemmelt.

      • Das hat Heyne leider genauso wenig hinbekommen bei Captive Prince – nur weil die Bücher im englischen Sprachraum von selbst liefen, heißt das nicht, dass das auch hier klappt …

      • Und dabei ist die Trilogie ein richtig guter Schmöker und dabei auch gut und nicht banal geschrieben und übersetzt.

      • Ist sie – ich liebe „Captive Prince“. Leider hat mir die Übersetzung so gar nicht gefallen. Das Flair des Originals wurde gar nicht eingefangen 😦

      • Ich glaube, da habe ich den Vorteil, dass ich nur die Übersetzung kenne. Danke für den Tipp, ich werde mir mal die Originale besorgen.

      • Auf jeden Fall – das Original ist wesentlich packender und atmosphärischer. Ich hab die Bücher zunächst auf englisch gelesen.

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