[ROMAN] Ein Wispern unter Baker Street von Ben Aaronovitch

Autor: Ben Aaronovitch
Taschenbuch: 448 Seiten
ISBN: 978-3423214483
Preis: 8,99 EUR (eBook) / 10,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Weihnachten steht vor der Tür und ganz London hat sich anlässlich des bevorstehenden Festes herausgeputzt. Peter Grant, Constable der Metropolitan Police und Zauberlehrling von Inspector Nightingale, bedeutet dies weder Ruhe noch Besinnlichkeit. Schließlich sind sein Vorgesetzter, seine beste Freundin Lesley und er noch immer auf der Suche nach dem Gesichtslosen. Jenem Zauberer, der die Stadt vor ein paar Wochen in Angst und Schrecken versetzt und Peter fast umgebracht hat.
Zeitgleich wird in einem U-Bahn-Tunnel die Leiche des amerikanischen Kunststudenten James Gallagher gefunden, ermordet mit der Scherbe eines Tellers, der definitiv magisch behaftet ist. Somit werden Peter und Lesley bei den Mordermittlungen hinzugezogen und nicht nur sie. Da Gallaghers Vater Senator ist, muss sich die Polizei auch um die FBI Agentin Reynolds kümmern, die natürlich nichts von den magischen Hintergründen des Falls erfahren darf. Für Peter ein Balanceakt, der ihn im Laufe der Zeit in die Tiefen der Kanalisation und der U-Bahn-Tunnel führt, und darüber hinaus …

Eigene Meinung:
Im dritten Band der „Flüsse von London“-Reihe entführt Ben Aaronovitch den Leser erneut nach London und überzeugt mit einer Mischung aus Krimi, Fantastik und Humor.

Die Handlung knüpft lose an dem Vorgängerbuch „Schwarzer Mond über Soho“ an, allerdings erfährt man kaum etwas über den gefährlichen Zauberer, der im zweiten Band gegen Ende kurz auftauchte. Stattdessen baut der Autor einen komplett eigenen Mordfall auf, der bisher nichts mit den Geschehnissen der ersten beiden Bände zu tun hat. Der Gesichtslose wird im Rahmen des Buches nur beiläufig angeschnitten, so dass die Gesamtgeschichte ein wenig stagniert. Sicherlich ist der Mordfall an James Gallagher und Peters und Lesleys Ermittlungen im weihnachtlichen London nicht uninteressant. Doch wer auf eine spannende Fortsetzung der eigentlichen Handlung gehofft hat, wird enttäuscht.

Zudem legt Ben Aaronovitch dieses Mal mehr Wert auf die polizeilichen Ermittlungen. Sprich Peter reist von A nach B, befragt, forscht nach und überwacht. Das zieht den Roman im Laufe der Zeit in die Länge, auch wenn in diesen Kapiteln zumeist der ironische Stil des Autors für passende Abwechslung sorgt. Dennoch ist „Wispern unter Baker Street“ ein wenig schwächer als die vorherigen beiden Bücher, insbesondere weil erstmals nicht alle Erklärungen logisch und nachvollziehbar sind. Das betrifft vor allem den Nebencharakter Zachary Palmer, dessen Beweggründe immer dann unlogisch erscheinen, wenn die Geschichte vorangetrieben wird, aber auch einige von Peters Aktionen und Fragen, die für den Leser nicht nachvollziehbar sind. Erstmals fehlt an einigen Stellen der logische Zusammenhalt der Geschichte, der aufmerksame Leser stolpern lässt.

Neben dem starken, sympathischen und lebendige Hauptcharakter Peter Grant, über den der Leser endlich ein bisschen mehr erfährt, wartet Ben Aaronovitch mit einer Vielzahl alter Bekannter auf, die bereits in den vorherigen Romanen wichtige Handlungsträger waren. Lesley ist unterdessen Mitglied des Follys geworden und wird ebenfalls von Nightingale in der Ausübung von Magie unterwiesen, Chief Inspector Seawoll, der nach seinen Verletzungen im ersten Band in „Schwarzer Mond über Soho“ pausieren musste, ist mit all seinem ruppigen Charme zurück und auch auf die herrische Stephanopolus müssen die Leser nicht verzichten.

Zu der bunten Truppe gesellen sich allerdings auch einige interessante neue Figuren. So führt Ben Aaronovitch den chaotischen, schwer greifbaren Zachary Palmer ein, ebenso die FBI Agentin Reynolds, die dank ihrer Soloeinsätze und eigenen Nachforschungen ein wenig Abwechslung ins Spiel bringt. Zudem gibt der Autor einen Einblick auf Figuren, die in den Folgebänden eine wichtige Rolle spielen könnten, wie der chinesischen Magierin, die nur in einer kurzen Szene vorkommt. Damit legt der Autor den Grundstein für zukünftige Abenteuer, denn „Die Flüsse von London“ ist noch lange nicht beendet, der vierte Band „Broken Homes“ gerade erst in England erschienen.

Auch in „Wispern unter Baker Street“ besticht Ben Aaronovitch mit seinem sehr flüssigen, lebendigen Schreibstil, der den Leser von Anfang bis Ende fesselt. Dank seines unverwechselbaren Humors und der unnachahmlichen Detailverliebtheit macht auch der dritte Band der Reihe Spaß. Die Ich-Perspektive von Peter Grant ist sehr gut umgesetzt und man lernt den Hauptcharakter noch besser kennen, erfährt einige Dinge über ihn und erlebt die Abenteuer im Untergrund Londons hautnah.

Ben Aaronovitch gelingt es problemfrei den Balanceakt zwischen schwarzen Humor, Action und Umgebungs – bzw. Situationsbeschreibungen zu halten, der „Die Flüsse von London“ so lesenswert macht. Zudem lässt er immer wieder kleine Andeutungen auf die Serie „Doctor Who“, bei dem er einer der Drehbuchautoren ist, fallen oder spielt mit Agent Reynolds auf Dana Scully aus der amerikanischen „Akte X“ Serie an. Aufmerksame Leser finden in „Wispern unter Baker Street“ als einen speziellen Fanservice, nämlich Dutzende Hinweise auf Serien, Bücher und Figuren.

Fazit:
Mit „Ein Wispern unter Baker Street“ legt Ben Aaronovitch einen soliden, lebendigen und witzigen Teil der „Flüsse von London“-Reihe vor, der einmal mehr durch spannende und realistische Charaktere, eine gut durchdachte Handlung und einen witzigen, detailverliebten Schreibstil besticht. Leider wird der rote Faden nicht fortgeführt, so dass der Band nur schwer an den Vorgänger „Schwarzer Mond über Soho“ mithalten kann und durch einige unlogische Handlungsverläufe die Nachvollziehbarkeit ein wenig erschwert. Nichtsdestotrotz macht auch dieser Roman um Peter Grant Spaß und ist Fans der Reihe zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 18. Juni 2017 in 4 Sterne, Comedy, Fantasy, Krimi, Queer, Rezensionen und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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