[ZITATE-FREITAG] Cavaliersreise

Hallo ihr Lieben,

der letzte Zitate-Freitag liegt eine Ewigkeit zurück, daher dachte ich, es sei an der Zeit dieses wundervolle Jugendbuch auf diesem Weg noch besser vorzustellen und euch ein bisschen den Mund wässrig zu machen. Es ist ein tolles Buch, dass ich sehr genossen habe. Die Charaktere habe ich auf jeden Fall ins Herz geschlossen, also schaut auf jeden Fall rein, wenn ihr die Gelegenheit habt.

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meine Rezension

Und ich will es ja, und wie. Allein dieser Gedanke macht, dass mir fast die Sinne schwinden. Zudem hat jener Part meines Gemüts, der mich zuweilen vor dummen Einfällen noch zeitig warnt, sich nach all den geistigen Getränken offenbar schon zur Nachtruhe zurückgezogen. Und so kommt es, dass ich, obwohl mir vollauf bewusst ist, was für eine kolossale Dummheit ich begehe, mich vorbeuge und Percy küsse.

Es soll nur ein unschuldiges Küsschen werden, so als ginge es mir um den Reim und nicht darum, dass ich mich seit zwei Jahren wie wahnsinnig nach ihm verzehre. Doch ehe ich zurückweichen kann, fasst Percy mich im Nacken und zieht mich noch dichter zu sich heran, und mit einem Mal ist er es, der mich küsst.

„Cavaliersreise“, S. 54-55 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

Nach einiger Zeit fiel ein Schatten auf mich, und als ich die Augen auftat, sah Percy auf mich herab. „Um Himmels Willen.“

„Ach du bist es, mein Lieber.“ Bei den Worten versagte mir die Stimme, als sei meine Lage nicht schon demütigend genug. „Was macht die Kunst?“

„Was ist denn um Himmels willen mit dir passiert?“

„Ich bin der Schule verwiesen worden.“

„Das weiß ich. Es ist nicht das, wonach ich frage.“

„Ach, das meinst du?“ Ich hob die Hand, um auf meinen Kopf zu weisen, und verbiss mir den Schmerz in den Rippen. „Sieht verwegen aus, findest du nicht?“

„Monty.“

„Piratesk, könnte man sagen.“

„Im Ernst, was ist geschehen?“

„Als hätte ich gegen eine ganze Kompanie gekämpft.“

„Wer hat das getan?“

„Was glaubst du, wer?“

„Cavaliersreise“, S. 122-123 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

„Wir sollten nach Barcelona reisen“, sage ich, ohne groß darüber nachzudenken.

„Um den Kasten zurückzubringen?“

„Das auch, aber ich denke auch an das, was Felicity und die Großmütter über diesen Robles sagten. Über die Alchemie und die Heilkunst und diese … wie hießen sie doch gleich?“

„Panazeen.“

„Die meinte ich.“

Er begreift gleich, worauf ich hinaus will. „Alchemistische Heilmittel habe ich längst versucht.“

„Vielleicht ist es diesmal anders! Vielleicht kann der Professor die helfen. Es wäre töricht, die Möglichkeit zu verwerfen.“

„Ach Monty, mir haben so viele Ärzte so viele Heilmittel verschrieben …“

„Versuchen wir s doch! Wenn sich deine … Krankheit dadurch beherrschen lässt, musst du gar nicht nach Holland gehen. Dann fährst du mit mir weiter, und wir reisen zurück nach Hause.“

„Cavaliersreise“, S. 182-183 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

„Na schön. Aber so bin ich mit vielen.“

„Nicht so wie mit Percy. Und er auch nicht. Percy ist mit allen anderen so höflich und reserviert. Und er war nie mit irgendwem verbandelt, soweit ich weiß, weder mit Jungen noch mit Mädchen.“

Das stimmt, wie mir jetzt aufgeht. Wenn er es je war, habe ich doch zumindest nie davon erfahren. Er hat nie erwähnt, dass er in jemanden vernarrt gewesen wäre, nie von jemandem geschwärmt, und trotz all unserer Eskapaden habe ich nie mitbekommen, dass Percy jemals jemanden geküsst hätte – außer mich.

„Selbst wenn es keine … romantische Beziehung ist“, sagt Felicity, „ist sie doch nicht zu übersehen. Ihr seid eins dieser Paare, bei denen man immer das Gefühl bekommt, von etwas Bedeutendem ausgeschlossen zu sein.“ Eine Weile schweigen wir beide, nur das Kaminfeuer knackt und flackert. „Es hat auch sein Gutes“, sagt sie dann. „ Ich hatte mich schon gefragt, ob die überhaupt jemand wahrlich am Herzen liegt.“

„Cavaliersreise“, S. 233-234 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

„Das ist es? Das Geheimwort? Es ist unlesbar!“ Fast muss ich lachen. „Es sind nur konfuse Buchstaben.“

„Sie sind nicht konfus. Es sind Noten.“

„Noten?“

„Eine Melodie. Der Beginn eines Stückes für die Glasharfe, mit dem man tote Seelen zurückrufen kann.“

„Das Vanitas Vanitatum!“, sage ich.

„Henry Montague!“, ruft der Wächter zum dritten Mal.

„Das wäre dann ich!“, ruft einer der Männer, und andere lachen.

„Man ruft Euch“, sagt Robles. Als ich mich erhebe, fährt er mit der Hand über den Boden, und die Buchstaben zergehen zu Staub, als hätte es sie nie gegeben.

„Cavaliersreise“, S. 313-314 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

„Auf der Treppe stößt Percy mich mit dem Ellenbogen an. „Du bist wirklich verrückt, Monty.“

„Findest du?“

„James Boswell … die Marine nasführen … finstere Geschäfte mit Piraten …“

„Sie sind keine Piraten. Und außerdem“ – auch ich versetze ihm einen Stoß – „warst du es, der die finsteren Geschäfte eingefädelt hat.“

„Du bist dennoch verrückt.“

„Willst du dich etwa beschweren?“

„Nein“, sagt er, zupft mir den Ärmel zurecht und lässt kurz seine Hand in meine gleiten, derart, dass mir die Knie weich werden. „Es gefällt mir sogar ausnehmend gut.“

„Cavaliersreise“, S. 393 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

Ich frage mich, ob auch Percy die Szene beobachtet hat, doch unter seiner Maske kann ich es nicht erkennen. Meine Gedanken kreisen nur noch darum, was er wohl gerade denkt, was ihm diese Nacht bedeutet und ob er dieselben Gefühle hegt wie ich. In diesem Strudel aus Musik und Menschen, in dem von Muranoglas in den Schaufenstern gestreuten Licht, fällt es mir leicht, mir vorzustellen, wir seien ein ganz gewöhnliches Liebespaar, das in einer wunderschönen fremden Stadt den Abend genießt. Auf alles Drumherum könnte ich sogar verzichten, auf das Volksfest, den Wein und das bunte Treiben, solange nur Percy bei mir ist. Und wenn die Welt eine leere Leinwand wäre – an seiner Seite bin ich glücklich wie noch nie.

„Cavaliersreise“, S. 413-414 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

„Monty?“ Percy rüttelt mich an der Schulter, und mir ist, als hätte er schon mehrfach meinen Namen gerufen. Er beugt sich über mich, und sein Gesicht ist von Ruß und Staub überzogen und schimmert sanft von den Resten der Panazee. „Monty, sag doch etwas. Sprich mit mir.“

Ich fasse mir an den Kopf und spüre etwas Warmes, Feuchtes. „Sicher wurde ich angeschossen.“

„Sicher nicht.“ Felicity holt kurz die Riemen ein, um meine Hand wegzuziehen. Sie wird bleich und legt die Hand wieder zurück. „Also gut, du wurdest angeschossen.“

Ausgerechnet jetzt behalte ich Recht.

„Cavaliersreise“, S. 457 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

Lieber Herr Jesus. Da dachte ich, er wollte es mir leicht machen, und stattdessen beginnt meine Hinrichtung damit, dass er mir die Fingernägel einzeln zieht. Lieber würde ich noch einmal angeschossen werden. Lieber würde ich ein Dutzend Mal die Kugel mit den Zähnen fangen, als das hier durchmachen zu müssen.

Und noch immer schaut Percy zu Boden und holt langsam dazu aus, mir das Herz zu brechen, und ich kann es einfach nicht mehr ertragen. „Sag es doch einfach, Percy! Zieh es bitte nicht so in die Länge, sondern sag mir, dass du mich nicht willst. Ich verstehe das.“

„Wie bitte?“ Er schaut zu mir hoch. „Nein, nein! Das wollte … ich wollte sagen, dass ich dich liebe, du Tölpel.“

„Dass … was?“

„Oh, verflucht.“ Percy wendet die Augen gen Himmel. „Ich hatte mir so eine schöne Ansprache zurechtgelegt. Seit Wochen feile ich daran und warte nur auf den Moment, wo wir allein sind.“

„Oje, habe ich es jetzt verdorben?“

„Du hast alles verdorben.“

„Cavaliersreise“, S. 479 (c) Mackenzie Lee / Carlsen Königskinder

Hoffentlich haben euch die Zitate gefallen und euch einen guten Einblick ins Buch gegeben. Es lohnt sich auf jeden Fall – Monty und Percy werdet ihr gewiss mögen, ebenso Felicity und die liebenswerten Nebencharaktere 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

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Veröffentlicht am 2. Juni 2017 in Gay, Historischer Roman, Jugendbuch, Zitate-Freitag und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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