[ZITATE-FREITAG] Anamarnas Prophezeiung

Hallo ihr Lieben,

die Special Week neigt sich leider schon dem Ende entgegen, doch bevor es mit dem Autoreninterview weitergeht, habe ich euch einige Zitate aus „Anamarnas Prophezeiung“ rausgepickt. Ich hoffe sehr, dass euch die Textstellen gefallen und ihr Lust auf dieses gelungene Fantasy-Epos bekommt 🙂

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meine Rezension

Aryon und Gaven liebten sich im Ufergras, neckten sich und genossen die Sonne auf ihrer Haut. Denn sie waren nicht nur Freunde – sie waren auch ein heimliches Liebespaar.

Aryon, der allen Frauen und Mädchen in Kelmaran freundlich und mit Respekt gegenübertrat, stand nicht der geringste Sinn nach weitergehender Tuchfühlung. Er hatte es schon sehr früh bemerkt, sich aber, wie es seine Art war, nichts dabei gedacht und es hingenommen wie ein weiteres Geschenk, das ihm vom Leben angeboten wurde. Später war er wenigstens so schlau gewesen, seine Neigung zu verbergen und Liebesspiele mit dem eigenen Geschlecht im Verborgenen auszutragen. Natürlich würde die Sache irgendwann zu einem Problem werden, aber es gehörte nicht zu seinem unbekümmerten Wesen, sich darüber jetzt schon Sorgen zu machen. Er fand, so wie es war, hatte es das Geschick wunderbar eingerichtet. Die Sache war so unkompliziert. Wenn er hingegen in eine von Lybarns Töchtern verliebt wäre, dann hätte er mit ihr bestimmt nicht allein zum Fluss reiten dürfen. Und auch sonst nirgendwo hin. Aber auf zwei junge Burschen, die zum Angeln wollten, achtete niemand. Und am Abend konnten sie in der Dorfschenke noch ganz unbeschwert ein Bier zusammen trinken. Das war ein Leben, wie es ihm gefiel.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 89 (c) Jutta Ahrens

Aryon lehnte sich kurz an seinen Freund. »Das, was ich vorhatte, muss ich immer noch tun. Ich muss jemanden finden, es ist lebenswichtig für mich. Aber ich hätte dich gern dabei.«

»Aber ja, du brauchst doch einen Leibwächter.« Rymor grinste glücklich und klopfte auf sein Schwert, das er neben sich auf das Bett gelegt hatte. »Wohin geht denn die Reise und wie lange wird sie dauern? Chiharun wird mir schon ein paar Tage freigeben.«

»Rymor.« Aryon sah ihn ernst an. »Wenn du mich begleitest, muss ich dir alles über mich erzählen. Es kann dann kein Geheimnis mehr zwischen uns geben. Ich hoffe, du bist stark genug, es zu ertragen. Und wenn nicht, dann sag es mir aufrichtig, dann werde ich dich und auch Jabhardan für immer verlassen.«

»Sag nicht so schreckliche Dinge. Ich bin doch keine Memme. Ich bleibe dein Freund, selbst wenn du dich zur Nacht in ein Seeungeheuer verwandelst.«

»Nun, beinah hast du es getroffen. Ich bin dazu verdammt, in der Nacht zu leben und mich von Menschenblut zu ernähren …«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 151 (c) Jutta Ahrens

»Das ist ein sehr gutes Angebot, will ich meinen.«

»Wenn du lügst, stirbst du einen so qualvollen Tod …«

Lukir winkte ab. »Drohe mir nicht. Sonst bleibst du der armselige Sterbliche, der du bist.«

»Was müsste ich denn tun?«, fragte Taswinder hastig. »Kommt es vom Bluttrinken?«

»Beruhige dich. Ich werde dir zu der Unsterblichkeit verhelfen, über die ich verfüge. Allerdings stelle ich zwei Bedingungen. Nein, eigentlich drei. Aber zuerst zur wichtigsten: Du besitzt das Wissen der Acht. Du musst den Bann aufheben, den sie vor siebzig Jahren über mich verhängt haben.«

»Vor siebzig Jahren? Einen Bann?«, wiederholte Taswinder verwirrt. Er begriff gar nichts mehr, und Lukir berichtete ihm wahrheitsgemäß, was sich damals im blauen Turm zugetragen hatte.

»Du bist also ein Verbannter und besitzt die fünfte Stufe? Ich ahnte gleich, dass du etwas Besonderes bist. Und das ist tatsächlich vor siebzig Jahren passiert? Wenn du die Wahrheit sagst, dann hast du nicht nur die Unsterblichkeit, sondern auch die ewige Jugend erreicht.«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 214-215 (c) Jutta Ahrens

Die Lichter im Brunnen

In einem Dorf gab es einen Brunnen, auf dessen Grund viele bunte Lichter flackerten. Aber niemand wusste, woher sie kamen. Alle Bemühungen, ihre Ursache zu ergründen, blieben vergeblich.

Eines Tages kletterte der kleine Sohn einer Magd auf den Brunnenrand. Als er die vielen bunten Lichter sah, haschte er nach ihnen und stürzte hinab. Die Mutter des Knaben lief schreiend herbei, aber von ihrem Kind war nichts mehr zu sehen. Kurz darauf begann das Wasser zu brausen und zu zischen, und es stieg ein gewaltiger Drache daraus empor, dessen Leib mit bunten Schuppen bedeckt war. Er entfaltete seine riesigen Flügel, erhob sich in die Lüfte und rauschte davon. Als er über die Stadt Ruadhan flog, verlor er eine dunkelblaue Schuppe, so groß wie eine Männerfaust. Sie fiel auf den Marktplatz, und ein kleiner Junge las sie auf.

Die bunten Lichter im Brunnen aber waren für immer erloschen.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 277-278 (c) Jutta Ahrens

Als er den Deckel hochklappte, starrte er den blauen Stein ungläubig an. Er brachte kein Wort hervor.

»Bist du nicht zufrieden mit dem Geschenk?«, fragte Demaran besorgt.

»Es – es ist nicht das, was ich erwartet habe«, stotterte Lukir.

»Und was hast du erwartet?«, fragte Morphor.

»Das Oktogon! Das echte Oktogon!«

»Das ist ein Oktogon«, bemerkte Morphor nachsichtig.

»Das hier ist nur ein nachgemachter achteckiger Kristall. Wäre es das wahre Oktogon, würde es zu mir sprechen.« Er fuhr mit den Fingerspitzen über seine Oberfläche. »Da! Es passiert nichts. Es ist wertlos! Man hat mich betrogen.«

»Du sprichst von dem Oktogon, das den acht Weisen in Lyngorien gehört?«, fragte Demaran. »Befindet es sich denn nicht im blauen Turm?«

»Nein! Taswinder hat es ihnen geraubt und sich damit geschmückt. Es ist ein magischer Stein, der in den Händen des Falschen großes Unheil anrichten kann. Deshalb habe ich Rymor beauftragt, es zu stehlen. Was hier passiert ist, verstehe ich nicht.«

»Ich glaube, Lukir, du schuldest uns eine Geschichte«, sagte Morphor sanft.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 317 (c) Jutta Ahrens

Taswinder strebte allumfassende Macht an, und doch würde er niemals eine Liebe erleben, wie sie Rymor und Aryon verband. Was hätte er nicht alles für eine solche Liebe gegeben! Sofort schüttelte er diesen Gedanken ab.

»Ja. Ich hoffe, du hast Merodan gut vorbereitet?«

»Nun, er ist nicht gerade versessen auf seine Braut, und die graue Ratte Jahangir ist auch nicht sein bester Freund. Aber er weiß, was auf dem Spiel steht und hat sich darauf eingelassen. Wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht, dürfte das vertrauliche Treffen zur allseitigen Zufriedenheit ausgehen. Ich vertraue da auch deinem Einfluss auf Jahangir.«

Aryon schloss die Tür zu Merodans Zimmer auf. Er öffnete sie weit und ließ Taswinder den Vortritt. Merodan stand in der Mitte des Raums und sah ihnen entgegen. Wie stets war seinen Gesichtszügen keine Bewegung anzumerken.

»Bist du bereit, dem Fürsten Jahangir und seiner Tochter Malaika gegenüberzutreten in der Absicht, um ihre Hand anzuhalten?«, fragte Taswinder.

Merodan nickte. »Ja.«

»Bist du gleichzeitig bereit, jeder Feindschaft zwischen unseren Stämmen abzuschwören und dem Fürsten den Respekt entgegenzubringen, der ihm gebührt?«

»Ich werde den Gepflogenheiten genügen.«

Taswinder nickte. Mehr Entgegenkommen hatte er nicht erwartet.

Aryon lächelte Merodan zu. »Heute lasse ich die Tür offen.«

Merodan verzog die Mundwinkel. Zu spät, schienen sie auszudrücken. Ich darf keinen Abarranen mehr töten.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 407-408 (c) Jutta Ahrens

»Bitte erzähl mir alles von Anfang an. Ich kam zu dir ins Zimmer? Und dann?«

Aryon schilderte ihm nun den Hergang in allen Einzelheiten. Dabei rief er sich erneut die vielen Merkwürdigkeiten in Erinnerung. »Ich sagte mir, vielleicht hat dir Taswinder etwas gegeben, das deinen Willen verwirrt oder völlig ausschaltet.«

»Dennoch hätte ich nicht gleichzeitig in Jomarphor sein können. Nein, ich fürchte, die Wahrheit ist unangenehmer als du denkst. Ich nehme an, Taswinder selbst hat dir da einen Besuch abgestattet. Er wollte dich töten, und weil er nicht wusste, dass du unverwundbar bist, ist er gescheitert. Das muss ihm einen Schock versetzt haben.«

»Ja, ja, es passt alles auf ihn. Dennoch – ich habe dich erkannt. Du siehst Taswinder nun wirklich nicht ähnlich. Und da ich außer Sperma nichts zu mir nehme, konnte mir Taswinder auch nichts unter das Essen oder ein Getränk mischen.«

»Dann muss er über die Gabe verfügen, die Gestalt eines anderen anzunehmen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Was wissen wir schon von der Kraft seiner Steine?«

Aryon traten vor Erleichterung Tränen in die Augen. Aufstöhnend umarmte er Rymor, drückte ihn stumm an sich und begann hemmungslos, an seiner Schulter zu schluchzen.

»Ich hätte es nicht ertragen, weißt du«, flüsterte er, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte.

Rymor strich ihm über das Haar und küsste ihn auf die Stirn. »Und ich hätte es nicht getan. So viel Magie besitzt kein Stein der Welt.«

Etwas beschämt richtete sich Aryon wieder auf. Doch plötzlich besaß er einen wilden Blick. »Taswinder muss weg!«, zischte er. »Was er mir damit angetan hat, verzeihe ich ihm nie.«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 525-526 (c) Jutta Ahrens

Tief unter sich sah er die Menschen in Panik zusammenlaufen und nach oben starren. Ihr Geschrei drang bis zu ihm hinauf. Einige trugen Waffen, die sie in ihrer Hilflosigkeit gegen ihn richteten. In seinen Augen waren das nur Nadeln, aber er konnte die Leute verstehen. Wie mussten sie ihn hassen! Das betrübte Chichi sehr.

Er bemühte sich, seine Kreise in großer Höhe zu ziehen. So richteten die Flammen vielleicht nicht so viel Schaden an, weil sie vorher vom Wind ausgeblasen würden. Aber kaum hatte er sich dazu entschlossen, drückte ihn eine unbekannte Macht tiefer hinunter. Vernichte Khazrak und seine Bewohner! Verbrenne sie alle! So lautete der Befehl. Er konnte ihm nicht entkommen. Alle da unten mussten sterben, und er selbst war machtlos dagegen. Die Vorstellung ergrimmte ihn und machte ihn gleichzeitig traurig. Warum wollte dieser Mann – Taswinder war sein Name – eine ganze Stadt vernichten? Er besaß so viel Macht. Weshalb nutzte er sie nicht dazu, den Menschen zu helfen? Chichi wollte so gern verstehen, aber die Kluft zwischen ihm und den Menschen war zu groß geworden.

Wenn die Sache hier vorbei war, das schwor er sich, wollte er sich persönlich um den Stein kümmern. Er musste unschädlich gemacht werden, das hätte er schon beim ersten Mal tun sollen. Aber der jahrelange Rückzug aus der Welt hatte ihn träge gemacht.

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 594 (c) Jutta Ahrens

»Hm.« Lukir verdrehte die Augen. »Hier wird es schwierig. Ich muss wohl etwas ausholen und dir etwas über die Unsterblichkeit und die Wanderung von Seelen erzählen.«

»Über was?«, stöhnte Merodan und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. »Hört das denn niemals auf? Stehe ich noch auf festem Boden? Fällt der Himmel morgen auf uns herab? Womit muss ich noch rechnen? Soll ich zum Bluttrinker werden, um unsterblich zu werden?«

»Nein«, sagte Lukir. »Lass dir erzählen, was es mit dem Verlassen der Seele aus dem Körper auf sich hat. Nur sehr wenige Menschen sind dazu imstande. Ich habe es mit eisernem Willen und qualvollem Verzicht geschafft. Aus diesem Grund habe ich mich auf die Festung zurückgezogen. Warum habe ich das auf mich genommen? Ich will meinen ekelhaften, mit altem Blut vollgesogenen Körper verlassen. Nun suche ich einen Menschen, der meine Seele freiwillig in sich aufnimmt. Wenn ich ihn finde, werde ich mich mit der seinen verbinden, und im Laufe der Zeit werden wir eins sein. Mein alter Körper wird sehr schnell verfallen und sterben. Wenn du, Merodan, mich aufnehmen wolltest, dann würden meine magischen Fähigkeiten auch auf dich übergehen. Und wenn du eines Tages alt bist und es ans Sterben geht, dann können sich unsere verbundenen Seelen einen neuen, jungen Körper suchen. Du würdest mit mir gemeinsam unsterblich werden.«

„Anamarnas Prophezeiung – Sammelband“, S. 646 (c) Jutta Ahrens

Ich hoffe sehr, dass euch diese Zitate einen guten Einblick in das Buch geben und ein wenig neugierig machen. Das Buch gibt es übrigens am Sonntag zu gewinnen – also haltet die kommenden Tage die Augen offen. Es lohnt sich 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

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Veröffentlicht am 17. März 2017 in Fantasy, Gay, Special Week, Zitate-Freitag und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. jenny siebentaler

    bei den Zitaten fühl man sich schon als ob man in der Geschichte schon drinnen steckt und es liest 🙂

    LG Jenny

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