[ZITATE-FREITAG] Tödliche Schatten

Hallo ihr Lieben,

es wird mal wieder Zeit für einen neuen Zitate-Freitag – dieses Mal habe ich mich für den Krimi „Tödliche Schatten“ von Josh Lanyon entschieden. Der Roman ist der Auftakt der Adrien English-Reihe, von der bisher 2 Bände im Bruno Gmünder Verlag erschienen sind (ich hoffe sehr, dass die Reihe fortgesetzt wird, denn man schließt Adrien ungemein ins Herz). Wer Krimis mag, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren – die Geschichte macht Spaß und die Charaktere sind sehr liebenswert.

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meine Rezension

„Haben Sie miteinander geschlafen?“

Ich öffnete den Mund, brachte aber keinen Laut hervor.

Waren Sie ein Paar?“, fragte Chan und sah dabei zu Riordan hinüber.

„Nein.“

„Aber Sie sind homosexuell?“ Das war wieder Riordan, der jetzt aufrecht wie ein Stock vor mir stand, seinen prüfenden Blick kühl auf mich gerichtet. Das Ergebnis schien ihn nicht besonders zu beeindrucken.

„Ich bin schwul. Na und?“

„Hersey war auch homosexuell?“

„Und wenn man zwei und zwei zusammenzählt, ergibt das eine Mordanklage, oder wie?“

„Tödliche Schatten“, Seite 9 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

„Was haben Sie denn hier verloren?“ Das mochte etwas grob geklungen haben, aber ich fürchtete, ich wusste nur zu gut, was sie wollten.

Chan blieb ganz ruhig. „Wir möchte Mr. Hersey einfach nur die letzte Ehre erweisen, Mr. English, wie alle anderen hier auch.“

„Das könnte man aber auch als Belästigung auffassen“, sagte Bruce Green.

Sie starrten mich an. Starrten Green an.

Riordan fragte: „Und Sie sind –?“

„Bruce Green. Boytimes.“

Ihre Gesichter sprachen Bände.

Green wandte sich mir zu: „Sie wissen schon, dass Sie sich mit denen nicht zu unterhalten brauchen, oder?“

Chan schaute gequält drein. Riordan allerdings … Riordan sah aus, als würde er den Einsatz von Atomwaffen ab jetzt für gerechtfertigt halten.

„Tödliche Schatten“, Seite 42 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Ich holte zwei Flaschen Harp-Bier aus dem Kühlschrank und wurde dafür mit einem anerkennenden Nicken belohnt – von einem Mann, der mit Zeichen der Anerkennung mir gegenüber bisher eher sparsam verfahren war. Als ich ihm die kalte Flasche reichte, berührten sich unsere Finger. Die elektrische Spannung entlud sich mit einem Knall. Erstaunlich, dass ich nicht sofort in Flammen aufging.

„Darf ich mich setzen?“ Riordan deutete auf den Tisch.

„Klar. Wie unhöflich von mir. Ich wollte dir nur die Gelegenheit geben, mich zu verhaften.“

Er grinste hämisch, setzte sich und ließ den Stuhl nach hinten kippen.

„So. Also. Was hast du für mich?“

„Tödliche Schatten“, Seite 68 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Vous m’avez entendu, bébé. Typen in schwarzen Lederklamotten, Handschellen und Ketten.“

Das, womit Robert sowieso gelegentlich herumspielte.

„Er hat dort bestimmt verdeckt ermittelt oder so was!“

„Nein! Du hörst mir gar nicht zu! Ich habe ihn dort schon früher gesehen. Er ist dort Mitglied. Er ist Meister.“

„Er ist –“ Ich wollte weder den Gedanken noch den Satz fortsetzen. Riordan in schwarzem Lederdress? Mir wurde ganz schwummrig. Riordan mit Bikermütze. Riordan in einer schwarzen Lederhose. Trug da in diesem Moment einer ein Halsband, und Riordan zog an der Leine? Hatte ein anderer Striemen am Arsch, und Riordan stand daneben, die Knute in der Hand? Das war doch völlig lächerlich, absurd.

„Tödliche Schatten“, Seite 82 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

„Na ja, auf alle Fälle brauchst du dir keine Sorgen zu machen“, sagte sie aufmunternd. „Ich hab sie daran erinnert, dass du absolut keinen Grund gehabt hättest, Robert Hersey umzubringen.“

„Hast du ihnen gesagt, wann ich den Rest der Erbschaft bekommen soll?“

„An deinem vierzigsten Geburtstag? Aber da geht sie doch gar nichts an!“

Ich seufzte. „Na ja, wenigstens ist die medizinische Versorgung im Gefängnis vorbildlich.“

„Das ist nicht witzig“, sagte Lisa schneidend. „Ich finde das extrem geschmacklos.“

„Ja, schon klar. Tut mir leid.“

Sie legte auf – was ihre einnehmende Methode war, das letzte Wort zu behalten.

„Tödliche Schatten“, Seite 122-123 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

In diesem Moment schaltete sich mein Kopf ab. Ich konnte alles sehen, alles erkennen, ständig drehte ich am Zündschlüssel, aber der Motor wollte einfach nicht anspringen. Ich fiel auf die Knie. Ich berührte Claudes Gesicht und stellte nebenher fest, dass meine Handknöchel aufgeschürft waren.

Claudes Augen starrten ins Nichts, dann blinzelten sie.

Er öffnete den Mund und ein Strom von Blut schwappte heraus.

Ich legte ihm die Hand auf den Mund, als könnte ich so das Blut am Herausfließen hindern. Ich hörte mich selbst flüstern: „O Gott, O Gott, O Gott …“

„Tödliche Schatten“, Seite 134-135 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Als das Telefon klingelte, riss ich den Hörer herunter.

Detective Riordan war dran. Er klang grimmig. „Zwei Sachen: Wir haben gerade den Polizeibericht aus Baffalo bekommen. Richard Corday ist gestorben, weil er zwölf Etagen tief in einen betonierten Hof fiel.“

Ich schluckte. „War es Selbstmord?“

„Ganz sicher war man sich da nicht. Corday hatte allein eingecheckt; was man im Zimmer fand, gehörte ihm. Aber eines der Zimmermädchen hat angegeben, sie hätte ein paar Stunden vor seinem Tod versehentlich das Zimmer betreten und hätte dort Corday mit einem Gast gesehen.“

„Mit einem Mann?“

„Mit einer Frau, wenn man glauben darf. Über das Zimmer verstreut lagen Frauenkleider.“

„Das kann nicht sein.“

„Ich erzähl dir nur, was ich weiß.“

„Warte mal.“ Ich dachte laut nach. „Und wenn die Frauenkleider Rusty gehören? Er ist in Frauenklamotten gestorben.“

„Tödliche Schatten“, Seite 163 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

„Er ist zu mir gefahren.“

„Hä?“

„Ich hatte ihn angerufen und gebeten vorbeizukommen, damit ich –“

„Damit du was? Scheiße nochmal! Kapierst du’s denn nicht? Der Typ bringt Menschen um!“

„Ja, schon kapiert! Du hast gesagt, du brauchst Beweise. Und ich brauchte auch Beweise, ich wollte ihn doch – der Polizei übergeben.“

Von seinem Griff an meinem Arm bekam ich langsam blaue Flecken. „Ich habe dich doch gebeten, dich das rauszuhalten. Ich habe dir das unmissverständlich gesagt. Was soll ich denn noch machen? Dich verhaften?“

„Nur, damit du mir endlich Handschellen anlegen kannst?“

„Tödliche Schatten“, Seite 191 (c) Josh Lanyon / Bruno Gmünder

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen neugierig auf diesen tolle Krimi machen – er lohnt sich auf jeden Fall (ebenso die Fortsetzung ;)). Mal schauen, wann es den nächsten Zitate-Freitag gibt – ich halte mir das ein wenig offen. Ihr dürft also gespannt sein.

Liebe Grüße,
Juliane

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Veröffentlicht am 7. Oktober 2016 in Gay, Krimi, Zitate-Freitag und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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