Stellungnahme von Piper und Nicole Gozdek

Hallo in die Runde,

wie wahrscheinlich viele wissen, habe ich mich vor zweit Tagen mit einem offenen Brief an Piper und Nicole Gozdek gewandt, um den Sachverhalt des Buches „Die Magier der Namen“ zu klären. Inzwischen haben beide Parteien reagiert und eine Stellungnahme abgegeben, die ich natürlich auch hier präsentieren möchte.

Stellungnahme Piper:

Liebe Frau Seidel,

[…]

Es war niemals die Absicht der Autorin oder die unsrige, den Eindruck im Roman zu erwecken, dass Ru-stans Liebe zu Tirasan oder gar seine sexuelle Orientierung als etwas Schlechtes „ausradiert“ werden sowie das Ende des Romans keineswegs als Alles-wird-gut-Ende gedacht ist: Stattdessen sollte es als offenes Ende einerseits zum Nachdenken über Tirs Tat anregen – zwar ist die Namensmagie nun fort, aber Tir verändert genauso rigoros und unabsichtlich die Wirklichkeit wie in seinem früheren Leben und löscht dadurch die Vergangenheit aller Menschen, auch die seiner Freunde, was an sich schrecklich ist.  Andererseits sollte das Ende auf eine in der Planung stehende Fortsetzung neugierig machen, besonders hinsichtlich der Beziehung zwischen Tir und Rustan: Tir ist für einen Moment traurig, dass Rustan seine Liebe zu ihm scheinbar vergessen hat, aber wieso?  Wir waren davon überzeugt, genügend Hinweise in dem Roman gestreut zu haben, zumal wir mit unseren Testlesern, unter anderem auch LGBT, und im Lektorat auch viel über die Liebesgeschichte gesprochen hatten – die von Anfang an geplant war. Deshalb waren wir ehrlich erschüttert.

Unter dem Artikel in einem Kommentar schreiben Sie, dass man eine Fortsetzung hätte kommunizieren müssen, um dieses Missverständnis zu vermeiden, aber dass selbst das vermutlich nicht reicht. Wir können Folgendes machen: Wir kommunizieren die Fortsetzung, auch wenn es leider noch ein Jahr dauert (daher war es noch geheim), zudem machen wir das auch in den Internettexten des ersten Bandes klar, dass es eine geben wird. Sobald es eine neue Auflage der „Magie der Namen“ gibt, können wir auch in diesem Roman eine Fortsetzung und eine passende Leseprobe einbringen. Dann sollte hoffentlich klar werden, dass dieses Ende nicht als Utopie gemeint ist – das wäre, wie gesagt, tatsächlich schrecklich, wir möchten nicht, dass irgendein Leser jemals wieder diesen Eindruck gewinnt.

Nicole Gozdek hat mittlerweile auf ihrer Website ihre Stellungnahme zu dem Thema wiederholt http://www.nicole-gozdek.de/stellungnahme-zum-offenen-brief/ und auf Ihre Seite verlinkt.

[…]

Mit den besten Grüßen
der Piper Verlag

Hier die Stellungnahme von Nicole Gozdek (zu finden auf ihrer Homepage):

Liebe Juliane/Ihr Lieben,

es tut mir leid, dass bei euch ein falscher Eindruck über meinem Roman und meine Absichten entstanden ist. Ich möchte daher gerne mal auf das Thema eingehen.

1.) Rustan ist schwul – und er bleibt auch schwul (auch wenn ich damit jetzt spoiler). Dieser Aspekt bestand seit Anfang an, er wurde nicht nachträglich eingefügt, erst recht nicht, damit sich die Geschichte besser verkauft. Dass er in Tirasan verliebt ist, erklärt, wie er als die Verkörperung der Loyalität Tirasan so anders behandelt als den Rest seiner Freunde und sogar seinen besten Freund beim Aufbruch auf die Reise zurücklässt.

2.) Das Ende war kein Versuch, jemandem von seiner Homosexualität zu „heilen“. Um Gottes willen! Wer meine Geschichten kennt, weiß, dass homosexuelle Figuren dort (fast) immer eine Rolle spielen und zwar nicht die Schurken. Rustan und die anderen Figuren sind schwul und das ist auch gut so. Ich würde keinesfalls versuchen, sie zu „heilen“, genauso wenig wie ich das bei meinem besten Freund tun würde, der übrigens auch schwul ist.

3.) Es ist eine Geschichte, die einer inneren Erzähllogik folgt. Wollte ich, dass Tirasan dies tut? Nein, aber ALLES ANDERE PASSTE EINFACH NICHT ZUR GESCHICHTE! Ja, ich weiß, dass das Ende für Aufregung sorgen kann. Aber ich wollte damit keineswegs Homosexualität als etwas Schlechtes darstellen.

4.) Was genau passiert am Ende? Tirasan setzt unbewusst Magie ein. Dass das sowohl eine positive und eine negative Seite hat, kann ich jetzt sagen, ohne zu viel über das Ende zu verraten.
WOLLTE er, dass Rustan nicht mehr schwul ist? Darauf kann ich mit einem ganz klaren Nein antworten.
Hat er seine Homosexualität ausgelöscht? Auch ein ganz klares Nein.
Was also hat Tirasan getan? Findet er es gut, was passiert ist und was er nicht absichtlich gemacht hat? Nein, er hatte ein falsches Bild von seinem besten Freund und das bemerkt er erst zu spät und deshalb macht er hat einen Fehler. Das war das Problem. Eigentlich sieht er Rustan nicht als jemand, der in ihn verliebt ist, das Liebesgeständnis (was für mich absolut Sinn macht und richtig ist), war von ihm noch nicht verdaut. Als er die Welt ändert, zeigt das nur seine bewusste und unbewusste Sicht auf die Welt, die dann Wirklichkeit wird.

Aber ist seine Magie wirklich stärker als zum Beispiel Rustans Gefühle? Das war eine der Fragen, von der ich wollte, dass sich die Leser sie stellen. Die Antwort ist eigentlich für die Fortsetzung geplant gewesen. Aber ich verrate sie jetzt. NEIN, Tirasans Magie ist nicht stärker als Rustans Gefühle. Sie verschleiert sie für eine Zeit lang. Sie ändert nicht, wer Rustan ist. Rustan vergisst nur eine Weile, dass Tirasan nicht nur sein bester Freund ist und er in ihn verliebt ist.

Es tut mir leid, dass ein falscher Eindruck entstanden ist und sich jetzt Personen verletzt fühlen, Das lag nie in meiner Absicht. 😥

Ich denke, damit sind die wichtigsten Punkte geklärt und zumindest ich freue mich auf die nun angekündigte Fortsetzung. In den kommenden Wochen wird es noch ein Interview mit der Autorin auf „Like a Dream“ geben, um alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. An dieser Stelle möchte ich mich bei all denen entschuldigen, die sich durch die Antworten gespoilert fühlen – immerhin habe ich Verlag und Autorin quasi dazu gezwungen, die Karten auf den Tisch zu legen. Dennoch bin ich mir sicher, dass es auch in der Fortsetzung noch genug Neues zu entdecken gibt, um die weiterzulesen.

Inzwischen hat Nivole Godzek mehr zu „Die gestohlen Wirklichkeit“ auf ihrem Blog bekanntgegeben, u.a. den Klappentext:

Einst bestimmte die Magie der Namen dein Leben. Dein Aussehen, dein Beruf, dein ganzes Umfeld – all das oblag nicht deiner Entscheidung. Doch ein mächtiger Zauber veränderte die Vergangenheit. Jetzt darfst du wählen: Was du sein willst. Wen du liebst. Oder an wem du dich für das rächst, was dir genommen wurde …

Anderta führt ein Doppelleben. Tagsüber ist sie eine harmlose Wahrsagerin, die mit ihrem Partner durch die Städte tingelt, nachts eine gerissene Diebin. Sie ist glücklich. Doch eines Tages verändert ein Zauber die Wirklichkeit – und Anderta scheint die Einzige zu sein, die sich an ihre wahre Vergangenheit erinnert. Ihr Leben wird vollständig auf den Kopf gestellt, als sie sich plötzlich um ihren kleinen Sohn kümmern soll, von dem sie noch nie zuvor gehört hat. Darüber hinaus läuft ein Auftrag schief und ein Kopfgeld wird auf sie ausgesetzt. Als dann auch noch ihre Beziehung zu ihrem Partner auf der Kippe steht, ist sie wild entschlossen, ihr altes Leben um jeden Preis von dem Schuldigen zurückzufordern: Tirasan Passario. Dieser ahnt hingegen nicht, in welcher Gefahr er schwebt. Wohl aber ist ihm die Schwere seiner Tat bewusst, im Guten wie im Schlechten. Denn auch Tir schmerzt der Verlust seiner Vergangenheit. Gerade die Beziehung zu seinem Freund und Beschützer Rustan ist komplizierter denn je, denn Tirasan weiß genau, was Rustan heimlich für ihn empfindet – nur hat dieser sein Liebesgeständnis von einst völlig vergessen. Dabei war er ihm noch eine Antwort schuldig, über die er sich selbst erst klar werden wollte … Doch sowohl Anderta als auch Tir müssen feststellen, dass es nichts bringt, der Vergangenheit nachzutrauern, wenn man dadurch die Gefahren der Gegenwart nicht erkennt …

Vielen Dank an Piper und Nicole Gozdek für die schnelle Aufklärung und die offenen Worte.

Liebe Grüße,
Juliane Seidel

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Veröffentlicht am 23. Juni 2016 in Ankündigung, Offener Brief und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Wow, da hast du ja eine spannende Debatte losgetreten – und gleich noch ein Geheimnis aufgedeckt 🙂 Ich kenne das fragliche Buch nicht und kann daher die Details nicht beurteilen, finde es aber großartig, dass du durch deinen offenen Brief einen Denkanstoß gegeben hast und dass die Angesprochenen so schnell und ebenfalls offen reagiert haben.

    • In gewisser Weise hast du recht – um ehrlich zu sein, bin ich auch überrascht, welche Kreise das gezogen hat. Aber es hat mich am Ende des Buches echt massiv gewurmt. Umso schöner finde ich, wie schnell und offen reagiert wurde und wie fair der Umgang mit dem Brief war – sowohl seitens des Verlags, als auch seitens der Autorin. Den 2. Teil werde ich mir jetzt auf jeden Fall holen – ich glaube viele werden jetzt einen Blick in das Buch werfen, besonders diejenigen, die das noch gar nicht auf dem Schirm hatten 🙂

  2. Ich habe ‚Die Magie der Namen‘ sehr gern gelesen und wäre nie darauf gekommen, das Ende als Angriff auf LGBTQ Menschen zu interpretieren. Die Erinnerungen sind durch den Zauber ausgelöscht, ja. Aber nur weil Rustan sich nicht mehr an seine Liebesbeziehung zu Tirasan erinnern kann gleich vorzuwerfen, die Autorin wäre LGBTQ feindlich ist schon sehr übertrieben. Vor allem weil die vorsichtigen Annäherungsversuche von Rustan im Buch so liebevoll und feinfühlig beschrieben sind. Aber so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen und so offen ist Literatur letztendlich für persönliche Interpretation. Wenn Sie sich wirklich über LGBTQ feindliche Personen beschweren wollen, suchen Sie zumindest Gruppen, die das auch eindeutig öffentlich tun, davon gibt es eh genug, anstatt eine Autorin langatmig zu beschuldigen, die in keiner Weise LGBTQ Personen in ihrer Geschichte abfällig dargestellt hat.

  1. Pingback: [ROMAN] Die Magie der Namen von Nicole Gozdek | Like a Dream

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