[ROMAN] Highspeed Love von Chris P. Rolls

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Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 250 Seiten
ISBN: 978-3-958180741
Preis: 3,99 EUR (ebook)
Bestellen: Amazon

Story:
Für den Motocrosser Cole gibt es nur rein Ziel: seinen ärgsten Konkurrenten Miles besiegen und den Titel an sich zu reißen. Sein Vorhaben gerät ins Wanken, als sein Mechaniker nach einem Schlaganfall ausfällt und er einen neuen auswählen muss. Seine Entscheidung fällt ausgerechnet auf Miles Zwillingsbruder Maxwell, dem man nachsagt vor Jahren das Motorrad seines Bruders manipuliert und einen schweren Unfall verursacht zu haben. Von seinen Teamkollegen skeptisch beäugt, beginnt Maxwell mit seiner Arbeit und sorgt dafür, dass Coles Maschinen tatsächlich besser werden und dem Rennfahrer die ersten Siege bescheren. Dennoch bereitet Maxwells Anwesenheit Cole zunehmend Probleme, denn seine wachsenden Gefühle für seinen Mechaniker drohen sein bestgehütetes Geheimnis zu enthüllen: seine Homosexualität.

Eigene Meinung:
Chris P. Rolls ist eine der bekanntesten deutschen Gay Romance Autoren und blickt auf eine beeindruckende Anzahl veröffentlichter Bücher zurück. Im Gegensatz zu den meisten anderen Romanen von ihr, ist das Buch „Highspeed Love“ nicht im Selbstverlag erschienen, sondern bei Forever, dem eBook-Label von Ullstein. Hier erschien auch der Gay Romance „Böse Jungs“ von Susann Julieva.

Die Autorin siedelt die Geschichte in einem interessanten Metier an: dem professionellen Motorsport, einer von Männern dominierten Welt. Frauen haben da kaum eine Chance, Homosexualität wird zumeist ebenfalls totgeschwiegen, wie man es leider auch bei anderen sehr dominanten Sportarten vorfindet (Baseball, Eishockey, Fußball). Dementsprechend hält Cole seine sexuelle Neigung geheim und versucht sich nach außen hin nichts anmerken zu lassen. Dieser Konflikt ist dank seiner wachsenden Gefühle für Cole einer der Dreh- und Angelpunkte der Geschichte. Die Männer kommen sich logischerweise näher – zunächst auf freundschaftlicher Basis, später geht ihre Beziehung durchaus tiefer. Neben der gut ausgebauten, nachvollziehbaren Liebesgeschichte zwischen Cole und Maxwell, stehen auch die Motorcross-Rennen und damit einhergehend ein kleinerer Krimiplot im Zentrum von „Highspeed Love“. Letzterer entspinnt sich durch den Verdacht auf Sabotage innerhalb mehrerer Teams, was während der Saison mehrere Unfälle zur Folge hat. Die Auflösung wirkt zwar ein wenig flach, der Schuldige fast ein wenig zu klischeehaft, doch Chris P. Rolls baut Spannung auf und bietet dem Leser mehr als eine typische Liebesgeschichte mit Erotik. Gerade hinsichtlich der erotischen Szenen hält sich Chris P. Rolls zurück – zwar gibt es Sexszenen, doch sie bestimmen nicht den Hauptteil der Handlung, zumal Cole und Maxwell lange brauchen, um so weit zu sein.

Die Charaktere sind sympathisch und gut nachvollziehbar – Cole ist ein angenehmer Protagonist, den man schnell ins Herz schließt. Er hat seine Ecken und Kanten, doch man kann seine Einstellung gut nachvollziehen. Fast noch interessanter ist Maxwell, der zu Beginn sehr geheimnisvoll und wortkarg daherkommt und lange braucht um aufzutauen. Die beiden Charaktere passen auf jeden Fall gut zusammen – die Atmosphäre zwischen ihnen stimmt.
Auch die Nebenfiguren bieten einige interessante Persönlichkeiten, allen voran Coles Manager, der sich wirklich beeindruckend für seinen Schützling in die Bresche wirft und dabei nicht einmal vor dessen Vater halt macht. Miles bleibt leider ein wenig blass, wenngleich er zum Ende hin ein wenig stärker ins Zentrum rückt. Ein wenig befremdlich finde ich die Meinung seines Bruders Maxwell, dass Miles ebenfalls schwul sein muss, weil sie eineiige Zwillinge sind – meines Wissens nach wird Homosexualität nicht vererbt, weswegen ich an diesem Punkt immer wieder ins Stolpern kam.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Chris P. Rolls hat einen angenehm lesbaren, flüssigen Schreibstil, der den Leser schnell in seinen Bann zieht. Aus Coles Sicht wird die Geschichte erzählt, was dafür sorgt, dass man sich recht schnell mit dem Rennfahren identifizieren kann und die adrenalingetränkten Rennen genauso intensiv miterlebt, wie seinen Kampf gegen die Gefühle, die er für Maxwell entwickelt. Man merkt zudem, dass sich die Autorin mit dem Motorcross auseinander gesetzt hat – sie verwendet Fachbegriffe, achtet auf korrekte Abläufe und die viele Feinheiten hinsichtlich Presse, Sponsoren und innerhalb der verschiedenen Teams. Dadurch wirkt „Highspeed Love“ realistisch – man denkt sich einfach in Coles Welt ein.

Fazit:
„Highspeed Love“ ist ein gelungener Gay Romance, der mit einer guten Mischung aus Action, Spannung und Liebesgeschichte aufwartet. Dank der sympathischen Charaktere und der langsam wachsenden Beziehung zwischen Cole und Maxwell macht die Lektüre Spaß und bietet kurzweilige Unterhaltung. Wer Chris P. Rolls Bücher kennt und mag, sollte sie den Roman nicht entgehen lassen, wer einmal in das Genre hineinschnuppern will, ist ebenfalls an der richtigen Adresse. Bis auf ein paar kleine Schnitzer (Auflösung der Krimi-Handlung, Homosexualität bei eineiigen Zwillingen) zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 23. Mai 2016 in 4 Sterne, Alltagsroman, Drama, Gay, Rezensionen und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Hey,

    von der Thematik finde ich das Buch wirklich sehr ansprechend und was ich bisher von der Autorin gelesen habe, hat mir auch ganz gut gefallen (auch wenn es bei mir nie zur vollen Punktzahl gereicht hat). Was mich hier zögern lässt, ist vor allem die Seitenzahl. Ich komme mit so dünnen Büchern oder gar Kurzgeschichten oft nicht klar, weil mir immer etwas fehlt. 250 Seiten ist da schon echt Untergrenze.

    Was die These mit der Homosexualität von eineiigen Zwillingen angeht, musste ich echt Schmunzeln. In „Mecklenburger Winter“ gab es auch schon so komische Thesen wann/bei wem Homosexualität auftritt. Da ging es nicht um Zwillinge, aber es las sich ebenso seltsam.

    • Also ich finde das bei Highspeed Love die Seitenzahl in Ordnung ist – es geht vorwiegend um den Sport, das Thema Sabotage und die Geheimnisse, die in der Vergangenheit der beiden Charaktere liegen. Klar hat man schon recht schnell eine Idee, was passiert ist, aber es ist schön, zu lesen, wie genau alles von statten ging. Die Liebesgeschichte entwickelt sich sehr langsam und gut nachvollziehbar. Das passt schon, auch das Ende ist gut umgesetzt.

      Laut Amazon sind es 288 Seiten. Da ich persönlich auch eher die längeren Romane von Chris mag, kann ich dein Zögern verstehen – hierbei stört es aber nicht, dass es keine 400-600 Seiten sind. Das hätte „Highspeed Love“ nur künstlich aufgebläht. Hier passt der Umfang zur erzählten Geschichte.

      Hm – an die These bei „Mecklenburger Winter“ erinnere ich mich gar nicht mehr …

      • Ja, das kann gut sein, dass die Seitenzahl zum Thema passt. Manche Sachen lassen sich nicht ewig „ausschlachten“ und das soll ja auch gar nicht sein. Nur habe ich bisher kaum gute Erfahrungen mit dünnen Bücher gemacht und irgendwann weiß man dann einfach, dass es einem eben nicht liegt.

        In „Mecklenburger Winter“ wurde die Aussage in den Raum gestellt, dass alle homophoben Menschen selbst verkappte Schwule sind. Das muss natürlich nicht die Meinung der Autorin sein, ist klar, aber ich fand das schon sehr…. mutig so was zu schreiben. Ich glaube, wenn man das tatsächlich mal untersuchen würde, käme man da zu ganz anderen Schlüssen.

      • Naja, so ganz aus der Luft gegriffen, ist diese Aussage nicht. Es ist tatsächlich oftmals so, dass verkappte Schwule die schlimmsten Homophoben sind. Ob das wissenschaftlich erwiesen ist, weiß ich nicht, aber man liest das öfters mal. Ob das wirklich stimmt, keine Ahnung, aber hin und wieder trifft es wohl zu.

        Musst du selbst probieren – bei 3,99 kannst du ja nicht viel falsch machen. Aber wenn du echt nur nach der Länge gehst, entgehen dir wirklich ein paar Perlen, die eher kurz gehalten sind.

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