[ROMAN] Die Seelenlosen von Tanja Meurer


Autor: Tanja Meurer
Taschenbuch: 704 Seiten
ISBN: 978-3945569023
Preis: 8,99 EUR (eBook) | 16,00 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der im Krieg schwer verwundete Gwenael Chabod wird in der freien Handelsstadt Valvermont zum neuen Commandante der Stadtwachen ernannt. In sein Aufgabengebiet fallen fortan ungeklärte Fälle, ebenso obliegt ihm der Oberbefehl über alle ansässigen Garnisonen. Noch bevor er sein Amt überhaupt offiziell antreten kann, stolpert er in einen Kriminalfall, der ungeahnte Größen annimmt: Fleischpuppen – von Magiern kontrollierte Leichen – machen die Straßen unsicher und eine brutale Mordserie erschüttert die Stadt, bei der schwangere Frauen bei lebendigem Leib zerrissen werden. Gemeinsam mit neuen Gefährten – dem Dieb Jaleel, der Wäscherin Marianne, dem Magus Shion und einer Hand voll Soldaten der Südgarnison versucht Gwenael den Schuldigen auf die Spur zu kommen und herauszufinden, was sich hinter den grausamen Verbrechen verbirgt. Dabei fallen nicht nur Parallelen zu einer 30 Jahre alten Mordserie auf, auch Gwenaels langjähriger Liebhaber Orin und seine Familie, der er vor Jahren den Rücken kehrte, scheinen in die Vorfälle verwickelt zu sein …

Eigene Meinung:
Mit „Die Seelenlosen“ legt der Incubus Verlag nachlängerer Durststrecke einen neuen Roman vor – dieses Mal sicherte man sich die Steam-Fantasy-Reihe „Die Stadt der Maschinenmagie“ von Tanja Meurer, die Steampunk-Fans bereits durch ihren Kurzroman „Rauhnacht“ bereits bekannt sein dürfte. Darüber hinaus veröffentlichte die Autorin im Bookshouse Verlag und bei Deadsoft. „Die Seelenlosen“ ist der erste Band der Reihe und endet mit einem Cliffhanger.

Der Leser wird von Anfang an in die Handlung hineingerissen, denn Tanja Meurer gewährt dem Leser erst nach und nach Einblicke in ihre Fantasy-Welt Äos. Diese befindet sich mitten im Wandel, denn die Zeit der dampfbetriebenen Maschinen und Erfindungen ist angebrochen. Vom Flair her erinnert Valvermont an den Barock (Pluderhosen und Wams für die Herren, Reifröcke und Korsetts für die Damen), verknüpft mit den technischen Neuerungen eines späteren Zeitalters. Hinzukommen die typischen Fantasyrassen: Elfen, Orcs, Zwerge, Trolle und einige selbstkreierte Geschöpfe; ebenso findet man Magier und Priester, die auf ihre Art Magie wirken können. Das mag auf den ersten Blick sehr überladen wirken, doch der Genremix funktioniert, da es Tanja Meurer gelingt eine sehr homogene, logische Welt aufzubauen. Die unterschiedlichen Aspekte greifen ineinander und harmonieren, so das Äos und Valvermont sehr lebendig und authentisch wirkt.

In diese Welt lässt sie die Figuren agieren und konfrontiert sie mit einem grausamen, sehr blutigen Verbrechen, das wesentlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint. Dementsprechend lange braucht Tanja Meurer um Gwenael und seine neuen Gefährten durch das spinnennetzartige Labyrinth aus Hinweisen und Ereignissen, Verdächtigen und Zeugen zu führen. Der Leser ist auf Schritt und Tritt dabei und erfährt nach und nach, welche düsteren Geheimnisse die Stadt verbirgt, welche mächtigen Wesen sich dort herumtreiben und welche politischen und geschichtlichen Hintergründe Valvermont zu dem gemacht haben, was es ist. Dabei gelingt es Tanja Meurer trotz der Fülle an Informationen und Erklärungen stets Spannung zu erzeugen. Nur hin und wieder flaut die Kurve ein wenig ab, doch schon wenige Seiten später ist man so gefesselt, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann.
Ein wenig ärgerlich ist, dass das Buch mit einem fiesen Cliffhanger endet, ebenso vermisst man eine Stadtkarte, um die Wege der Helden besser nachvollziehen zu können. Zudem sollte man erwähnen, dass „Die Seelenlosen“ kein typischer Gay Romance ist – im Gegenteil. Zwar ist Gwenael schwul und mit der Zeit bahnt sich etwas zwischen ihm und dem Dieb Jaleel an, doch das ist bei weitem nicht der Handlungsschwerpunkt. Ihre Beziehung wird am Rande abgehandelt, das Hauptaugenmerk liegt bei der Aufklärung des Verbrechens – und das ist auch gut so!

Ein großer Pluspunkt sind die fantastisch ausgearbeiteten, sehr lebendigen Charaktere. Tanja Meurer erschafft Figuren mit Ecken und Kanten, anstatt strahlender Helden. So ist Gwenael durch seine Kriegsverletzung stark gehandicapt, Jaleel wird seine Neugierde immer wieder zum Verhängnis und die Wäscherin Marianne kommt manchmal etwas arg forsch daher. Auch die übrigen Charaktere haben ihre Macken – seien es Säufer, unsaubere Gesellen oder sehr kühle, in sich gekehrte Wesen: sie entsprechen überhaupt nicht den üblichen Konventionen, insbesondere wenn sie als Gruppe zusammenarbeiten, um die Verbrechen aufzuklären. Doch genau das macht den unglaublichen Reiz an „Die Seelenlosen“ aus – die liebenswerten Charaktere, die man schnell ins Herz schließt.

Stilistisch gibt es wenig zu beanstanden – Tanja Meurer hat einen ungemein ausschweifenden, detaillierten Schreibstil. Zu Beginn mag das ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, doch sobald man in die Welt eingetaucht ist und die Charaktere kennengelernt hat, schätzt man die vielen Erklärungen und die ausführlichen Beschreibungen. Man hat Bilder im Kopf – von Valvermont, der technisierten Welt und den handelnden Charakteren; man erlebt die Ereignisse hautnah und ist immer direkt beim Geschehen. Da die Geschichte aus Gwenaels und Jaleels Perspektive erzählt wird, lernt man diese Figuren am besten kennen, was deren Einstellungen, ihre Charaktereigenschaften und Gefühle mit einschließt.

Fazit:
„Die Seelenlosen“ ist ein fantastischer, mitreißender und süchtig machender Steam-Fantasy-Roman, der keine Wünsche offenlässt. Er bietet sowohl Spannung, Action, einen komplexen Kriminalfall und authentische Charaktere, als auch eine zarte Liebesgeschichte und eine Prise schwuler Erotik. Fans von realistischen schwulen Geschichten sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren, ebenso Fantasy- und Steampunkfans, die kein Problem mit schwulen Helden haben. Tanja Meurers erster Band der „Stadt der Maschinenmagie“-Reihe macht definitiv Lust auf mehr und es bleibt zu hoffen, dass man nicht allzu lange auf die Fortsetzung warten muss. Zugreifen! Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 3. Mai 2016 in 5 Sterne, Fantasy, Gay, Krimi, Rezensionen, Special Week und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

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