Archiv für den Monat Mai 2016

[ROMAN] Elfenprinz – Verrat von Ray van Black


Autor: Ray van Black
Taschenbuch: 360 Seiten
ISBN: 978-1-310970528
Preis: 2,99 EUR (ebook) / 12,30 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der Elf Elyon hat nahezu sein ganzes Leben in einem Turm verbracht und von der Welt außerhalb seines Zimmers geträumt. Als eines Nachts ein Fremder auftaucht und ihn kurz darauf mit einigen Männern aus der Einsamkeit befreit, kann Elyon sein Glück kaum fassen. Delavar schenkt ihm nicht nur die Freiheit und zeigt ihm die Stadt, er lässt sich auf den naiven Elyon ein, beantwortet dessen Fragen und beschützt ihn vor den Gefahren, die überall lauern. Schon bald empfindet der junge Elf mehr für seinen Retter, ohne zu ahnen, das Delavar seine eigenen Pläne verfolgt …

Eigene Meinung:
„Verrat“ ist der zweite Band der „Elfenprinz“-Reihe von Ray van Black. Die Bücher erscheinen im Eigenverlag und können unabhängig voneinander gelesen werden, da in jedem Buch ein anderer Prinz im Mittelpunkt steht. Lediglich als Nebenfiguren können die Charaktere anderer Romane in Erscheinung treten.

Aus diesem Grund fällt der Einstieg ein wenig schwer, denn wer darauf gehofft hat, dass die Geschichte von Telyrs und Nathraen fortgeführt wird, wird enttäuscht – Ray van Black konzentriert sich auf ein gänzlich anderes Pärchen. Leider kommt man als Leser wesentlich schlechter in die Handlung, als es in „Verführung“ der Fall war. Das liegt zum einen an der recht seltsamen Grundidee, zum anderen an den vielen Logiklücken, die sich von Anfang bis Ende durch die Geschichte ziehen. Da kann Elyon plötzlich ohne Probleme den Schutzschild des Zimmers durchdringen (obwohl das davor nur zu einer bestimmten Zeit möglich war) und der Fliehende wird von den Wachen sofort als Prinz identifiziert, obwohl er doch vor Jahrzehnten als tot erklärt wurde. Auch sonst war die Geschichte dieses Mal sehr inkonsistent, die Intrigen nur schwer nachvollziehbar und die Charaktere unheimlich kindisch und naiv. Gerade Elyons Naivität war mit der Zeit wirklich nervend, zumal er Dinge tut, die absolut idiotisch sind. Mal will er unbedingt auf ein Schiff, weil er noch nie dort war und Delavar fast schon bedrängt, dann setzt er absichtlich die Bibliothek in Brand, weil er seine Kräfte ausprobieren will und hofft sogar auf ein Lob von Delevar! Spätestens da konnte man den Helden nicht mehr ernst nehmen – Naivität schön und gut, aber Elyon wurde extrem kindisch und nervend dargestellt. Dementsprechend befremdlich waren die Erotikszenen, da man Elyon nicht als Erwachsenen sieht, sondern als 10 bis 12-jährigen Jungen.

Auch Delevar war in sich völlig unlogisch aufgebaut. Einerseits Weiberheld und durch und durch heterosexuell, dennoch schläft er mit Elyon, weil … warum wird leider nicht so ganz klar. Auch sonst hat einen extrem sprunghaften Charakter – man weiß nicht auf welcher Seite er steht, allerdings ist dieser Punkt nicht mysteriös oder spannend, sondern mitunter recht enervierend. Das liegt auch daran, das er extrem schnell seine Meinung ändert und man seinen Stimmungsumschwung fast nicht mehr nachvollziehen kann.

Auch sonst gibt es unheimlich viele Füllszenen, die nichts mit der Geschichte zu tun haben – unsinnige Aktionen in der Stadt, unglaubwürdige Reaktionen seitens Delevar und eine Menge Szenen, in denen sich die Figuren näherkommen sollen, obwohl sie eigentlich nicht zueinander passen. Es wird mehrfach deutlich, dass Delevar keinerlei Interesse an Männern hat, Elyon dementsprechend harsch zurückweist und versucht sich von ihm fernzuhalten. Elyon klammert sich jedoch wie ein verzogenes Kind an seinen Retter, was mit der Zeit immer schwerer nachzuvollziehen ist. Leider trifft das auf die meisten Szenen des Buches zu.

Stilistisch ist „Elfenprinz – Verrat“ in Ordnung – Ray van Black hat einen flüssigen Stil, der durch schöne Beschreibungen besticht. Leider fehlen trotz allem die wirklich bildhafte Darstellung der Stadt, das Miterleben der Abenteuer, in die Elyon stolpert und das flirrende Leben der Elfen. Einzig die Beschreibungen rund um den Palast der Sonnenelfen waren sehr stimmungsvoll, auch wenn sich hier mitunter die meisten Logiklücken tummelten.
Auch die Dialoge konnten dieses Mal nicht überzeugen – zu kindisch war Elyon dargestellt, zu wechselhaft Delevar. Die Gespräche zwischen ihnen waren nur schwer nachvollziehbar, was dafür gesorgt hat, dass sich das Buch ungemein in die Länge zog.

Fazit:
Leider markiert „Verrat“ einen Tiefpunkt der „Elfenprinz“-Reihe. Ray van Black kann leider nicht an die solide Geschichte des ersten Bandes anknüpfen, was an den unglaubwürdigen Charakteren, den vielen Logiklücken und dem unrealistischen Handlungsbogen liegt. Schade – es wäre besser gewesen, den ersten band fortzusetzen, anstatt mit Elyon und Delevar ein neues Pärchen einzuführen. Leider nicht zu empfehlen.

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[NEWS] QUEER gelesen Nachlese

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Hallo ihr Lieben,

wie ihr vielleicht wisst, organisiere ich zusammen mit meiner Frau das schwullesbische Lesefestival „QUEER gelesen“. Heute ging auf der Homepage des Lesefestivals die Nachlese online – ein Bericht über die Lesungen 2016 in der Bar jeder Sicht mit einer Menge Fotos und zum Ende dem Lesungstermin 2017. Wir würden uns freuen, euch auch im kommenden Jahr wieder begrüßen zu dürfen – in den nächsten Wochen und Monaten wird sich nicht nur entscheiden, wer 2017 in Mainz lesen wird, wir werden auch auf einigen Veranstaltungen zu Gast sein, um das Lesefestival vorzustellen.

So sind wir am kommenden Samstag (04.06.2016) auf dem CSD Wiesbaden, Ende Juli (23.07.2016) höchstwahrscheinlich auf dem CSD in Mainz. Dort werden wir auch die Bücher unserer „Blind-Date-with-a-Book“-Aktion im Gepäck haben und dort verkaufen.

Mehr Informationen zum Lesefestival 2017 findet ihr in regelmäßigen Abständen hier oder auf der Homepage von „QUEER gelesen“.

Liebe Grüße,
Juliane

[ZITATE-FREITAG] Mord auf Französisch

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich einen Krimi im Gepäck, der mich unheimlich begeistert hat. Erstmal habe ich Claude Bocquillon beim ersten schwullesbischen Lesefestival „QUEER gelesen“ kennengelernt, als Brunhilde Witthaut alias Laurent Bach aus „Mord auf Französisch“ gelesen hat. Recht schnell hab ich den ersten Band der Krimi-Reihe verschlungen und mir natürlich auch die Folgebücher besorgt. Inzwischen bin ich ein ziemlicher Fan der Reihe und fiebere dem 4. Band entgegen, der hoffentlich nicht mehr allzulange auf sich warten lässt. Wer mehr über Brunhilde erfahren will, sollte sich mal bei den Special Weeks umsehen – die vierte Special Week fand mit ihr statt 🙂

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meine Rezension

Verdattert sagte Claude: „Er hat geschrieben, er hätte sich und seiner Verlobten nie eingestanden, dass er schwul ist? Das ist absurd. Er war bisexuell.“

„Genau“, bestätigte Madame Melot. „Sicher, das mag er ihr verschwiegen haben, aber sie hätte ohnehin nie etwas bemerkt. Er hat beschlossen, nichts zu sagen, weil er es nicht für nötig hielt. Es war gut so, wie es war, glauben Sie mir.“

Claude senkte den Kopf. Madame Melot beugte sich vor uns sah ihm in die Augen.

„Sie haben ihn geliebt, nicht wahr?“

„Mord auf Französisch“, S. 26 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

Er ging auf den Badeplatz, stieg die Böschung hinab. Dornen zerkratzten seine nackten Waden, denn er hatte nur eine Radlerhose und ein T-Shirt an. Als er an Ort und Stelle angekommen war, stemmte sich eine Gestalt auf einer Felsbank aus dem Fluss. Wasser spritzte, Tröpfchen liefen an der Brust des etwas gleichaltrigen Mannes herab und blieben an den Brusthaaren hängen. Dezente Muskeln bedeckten seinen Körper, der trotzdem geschmeidig und beweglich wirkte. Sein fast schonunverschämt attraktives Aussehen bewirkte, dass Claudes Mund trocken wurde und er sich verlegen räusperte.

„Mord auf Französisch“, S. 45-46 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Das gibt es doch nicht!“

Als Claude diese Worte hörte, stellten sich seine Nackenhaare auf. Gendarm Bertin stellte vor: „Das ist Claude Bocquillon, unser hiesiger Möchtegern-Privatdetektiv.“

Da begann Lambert zu lachen. Er legte den Kopf zurück, sodass Claude all seine blendend weißen Zähne sehen konnte.

„Nein, das glaube ich nicht! Ein Privatdetektiv, unser hübscher, schwuler Claude!“

Bertins Mund sprang auf, er schaute Lambert ungläubig an, dann schwenkte sein Blick von Claudes Kopf bis hinunter zu dessen Füßen. Lambert prustete immer noch.

„Gib dir keine Mühe, du bist nicht mein Typ“, sagte Claude zu Bertin und stellte das Rad zur Seite.

„Mord auf Französisch“, S. 55 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

Bertins Augen glitzerten. „Ich habe dich bisher in Schutz genommen, aber treib es nicht zu weit.“

Mit zusammengepressten Lippen nickte Claude. „Zu Befehl, Monsiuer le Gendarm. Ich habe sowieso schon alles gehört, was ich hören wollte.“

Als Claude wieder in den Schankraum treten wollte, verstellte Bertin ihm den Weg. „Wieso glaubst du an einen Mord. Nur wegen des Abschiedsbriefes?“

„Und wieso glaubst du an einen Selbstmord. Nur wegen des Abschiedsbriefes?“, gab er zurück. „Du kanntest Pascal von klein auf. Hat er das verdient? Ich habe schon ein paar blaue Flecke für Pascal eingesteckt, und du? Du sitzt auf deinem Arsch.“

„Mord auf Französisch“, S. 86 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Hast du etwas erfahren?“

„Nein.“ Er schlug den Kaffee aus, den Amélie für ihn aufgebrüht hatte. Das fehlte noch, dass er mit seinem alten Kumpel einen auf gemütlich machte.

„Aber ich“, sagte Lambert. „Ich habe die Verbindungsnachweise erhalten. Ich hätte mir denken können, dass du diese Anrufer alle schon durch hast.“

„Und? Gibt es etwas Neues?“

„Nein, bei den Anrufern nicht. Aber sag mir mal, woher du diese zwei Seiten Gutachten hast, die du in den Briefkasten gesteckt hast?“

„Wenn ich das mal wüsste. Die Seiten steckten in meinem Briefkasten, heute Morgen. Ich habe keine Ahnung, warum der Unbekannte mir mehr Vertrauen schenkt als der Polizei.“

Amélie grinste. Lambert schnaubte abfällig.

„Mord auf Französisch“, S. 128 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Du kennst diesen Hund, diesen schwarz-weißen. Er war am Fluss beim Picknickplatz. Vor dort kennst du ihn, nicht wahr?“, rief Claude.

Julien wurde blass, der Motor starb, denn er vergaß die Kupplung zu treten.

„Claude, ich …“, stammelte er.

„Gib endlich zu, dass du mit Pascal dort warst!“, forderte Claude, immer noch empört. Da schwieg Julien und presste seine Hände um das Lenkrad, so fest, dass die Knöchel weiß wurden. „Ja, ich war da.“

Claudes Herz tat weh, unwillkürlich griff er sich an die Brust.

„Hast du ihn …?“ Er konnte nicht aussprechen, was er vermutete.

„Nein!“, entgegnete Julien erregt. „Das habe ich nicht. Das hätte ich niemals tun können. Ich wollte ihn nicht verlieren.“

„Mord auf Französisch“, S. 191 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

„Mon Dieu“, flüsterte Julien und streichelte Claude über das Haar. „Mensch, was machst du nur für Sachen“, gab er sich burschikos, obwohl sein Herz anscheinend ohne Takt in seiner Brust umher hüpfte.

„Hat er gerade was von Verhaften gesagt?“, nuschelte Claude.

Julien nickte und schluckte zittrig. Claude spürte seine weiche Haut und legte den Kopf fester gegen sein Herz, damit er es schlagen hören konnte. Die warme Welle nahm ihm die Sinne. Es wurde wieder einmal dunkel, er erkannte die Veränderung in ihm, doch dieses Mal wehrte er sich nicht. Alles war gut. Amélie lebte, Julien war bei ihm. Er fühlte nicht mehr, wie seine Freundin ihm Ohrfeigen versetzte und rief: „Claude, Claude! Verdammt, ruf einen Krankenwagen, er hat Verbrennungen dritten Grades auf dem Rücken. Und eine Schusswunde.“

„Mord auf Französisch“, S. 234 (c) Laurent Bach / Bruno Gmünder

Ich hoffe, ich habe euch neugierig auf Claude Bocquillon gemacht. Wir sehen uns zitate-technisch nächste Woche wieder. Mal schauen, welches Buch ich dann in petto habe 😀

Liebe Grüße,
Juliane

[MANGA] Caste Heaven von Chise Ogawa


Autor: Chise Ogawa
Taschenbuch:  220 Seiten
ISBN: 978-3-8420-2382-6
Preis: 6,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
An Azusas Schule herrscht ein bizarres Kastensystem. In unregelmäßigen Abständen müssen sie die Schüler auf die Suche nach Karten machen, die die neue Rangordnung innerhalb der Klasse festlegen. Der King bzw. die Queen kennzeichnen demnach die Schüler, die das Sagen haben, der Joker wird automatisch zum Target, der von den Angehörigen der unterschiedlichen Kasten offen gemobbt und erniedrigt werden darf. Für Azusa ändert sich sein Leben, als er sein Freund Karino ihn hintergeht und er seinen Platz als King einbüßt. Während Karino als neuer King offen Rache übt, gibt er Azusa doch eine Möglichkeit, sich vor den teils auch sexuellen Übergriffen seiner Mitschüler zu schützen – er soll ihm zu Willen sein, wann immer Karino will. Für Azusa, dem es schwerfällt sich unterzuordnen, ein schier unmögliches Angebot, dass er jedoch bald annehmen muss, um nicht vollkommen unterzugehen …

Eigene Meinung:
Mit dem Boys Love Manga „Caste Heaven“ präsentiert Tokyopop die japanische Mangaka Chise Ogawa erstmals in Deutschland. Mit ihren psychologischen und düsteren Geschichten hat sie sich in Japan sowohl im Shojo- als auch im Yaoi-Genre einen Namen gemacht und debütiert mit einem ihrer bekanntesten Werke in den hiesigen Gefilden.

Inhaltlich legt Chise Ogawa ein gewöhnungsbedürftiges Werk vor, denn das Kastensystem ist logisch nicht wirklich tragbar. Es fällt recht schnell auf, wie sehr es das Leben der Schüler beeinflusst und in welch negative Bahnen es Jungen wie Mädchen lenkt. Dass sich keiner dagegen auflehnt und auch die Lehrer nichts davon mitbekommen, erscheint mir gänzlich unvorstellbar. Niemand lässt sich in eine Rolle oder Position zwingen, nur weil eine Karte dies vorgibt (vor allem binnen eines Tages in seiner Einstellung komplett wechseln), und kein Lehrer würde diese Spielchen übersehen. Targets werden systematisch fertiggemacht – verbal und körperlich bis hin zu Vergewaltigungen. Dies würde keiner Lehrkraft verborgen bleiben, insbesondere wenn sie das Verhalten der Mitschüler untereinander von einem Tag auf den anderen grundlegend ändert.
Auch sonst bleiben die Regeln des Spiels recht dunstig – wer sie veranstaltet, weiß man nicht, ebenso wenig welchen Sinn die Initiatoren verfolgen. Dennoch folgen alle Schüler dem Spiel wie Lemminge, was durchaus einige psychologisch, interessante Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt. Dennoch bleibt das Grundkonstrukt nicht in sich schlüssig, was das Lesevergnügen merklich schmälert, vor allem da es im ersten Band fast nur um die sexuelle Nötigung und Unterwerfung Azusas geht.

Die Charaktere sind unterschiedlich wie Tag und Nacht – Azusa stammt aus einer sozial schwachen Familie, ohne Rückhalt und Unterstützung, Karino ist Sohn eines Politikers und hat ebenfalls mit den strengen Regeln seiner Herkunft zu kämpfen. Die übrigen Figuren – gerade die Mädchen, die wie Staffage wirken – bleiben sehr blass. Meistens sind es Mitläufer, die ohne zu zögern tun, was der King verlangt und Recht und Unrecht nicht einmal in Frage stellen. Einzig die Beziehung der Figuren Kuze und Atsumu, der früher einmal die Rolle des Targets innehatte, werden zum Ende hin wichtiger und etwas eingehender behandelt.

Stilistisch legt Chise Ogawa einen schönen Manga vor, der die Emotionen der Charaktere gut widerspiegelt, da sich alle Facetten der menschlichen Gefühlswelt in den Gesichtern der Figuren widerspiegeln: Dominanz, Angst, Unsicherheit und Lust. Darüber hinaus sind ihre Zeichnungen recht Boys Love-typisch, sprich hübsch anzusehen. Die Konzentration liegt stark auf den männlichen Charakteren und der expliziten Erotik, die es in „Caste Heaven“ in nahezu jedem Kapitel gibt.

Fazit:
„Caste Heaven“ bietet eine durchaus interessante, psychologisch düstere Geschichte, die jedoch auf sehr fragwürdigen Hintergründen basiert. Es fällt schwer, das Kastensystem als gegeben anzunehmen, da sich kaum einer auflehnt oder die Sache hinterfragt. Stattdessen stehen Gewalt, Unterdrückung und sexuelle Nötigung an der Tagesordnung, was auch die Figuren ein wenig unglaubwürdig erscheinen lässt. Trotzdem lohnt es sich, die Geschichte weiterzuverfolgen, allein um herauszufinden, welche Ziele Chise Ogawa verfolgt. Im Zweifelsfall sollte man einen Blick in die Leseprobe werfen.

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[ROMAN] Highspeed Love von Chris P. Rolls

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Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 250 Seiten
ISBN: 978-3-958180741
Preis: 3,99 EUR (ebook)
Bestellen: Amazon

Story:
Für den Motocrosser Cole gibt es nur rein Ziel: seinen ärgsten Konkurrenten Miles besiegen und den Titel an sich zu reißen. Sein Vorhaben gerät ins Wanken, als sein Mechaniker nach einem Schlaganfall ausfällt und er einen neuen auswählen muss. Seine Entscheidung fällt ausgerechnet auf Miles Zwillingsbruder Maxwell, dem man nachsagt vor Jahren das Motorrad seines Bruders manipuliert und einen schweren Unfall verursacht zu haben. Von seinen Teamkollegen skeptisch beäugt, beginnt Maxwell mit seiner Arbeit und sorgt dafür, dass Coles Maschinen tatsächlich besser werden und dem Rennfahrer die ersten Siege bescheren. Dennoch bereitet Maxwells Anwesenheit Cole zunehmend Probleme, denn seine wachsenden Gefühle für seinen Mechaniker drohen sein bestgehütetes Geheimnis zu enthüllen: seine Homosexualität.

Eigene Meinung:
Chris P. Rolls ist eine der bekanntesten deutschen Gay Romance Autoren und blickt auf eine beeindruckende Anzahl veröffentlichter Bücher zurück. Im Gegensatz zu den meisten anderen Romanen von ihr, ist das Buch „Highspeed Love“ nicht im Selbstverlag erschienen, sondern bei Forever, dem eBook-Label von Ullstein. Hier erschien auch der Gay Romance „Böse Jungs“ von Susann Julieva.

Die Autorin siedelt die Geschichte in einem interessanten Metier an: dem professionellen Motorsport, einer von Männern dominierten Welt. Frauen haben da kaum eine Chance, Homosexualität wird zumeist ebenfalls totgeschwiegen, wie man es leider auch bei anderen sehr dominanten Sportarten vorfindet (Baseball, Eishockey, Fußball). Dementsprechend hält Cole seine sexuelle Neigung geheim und versucht sich nach außen hin nichts anmerken zu lassen. Dieser Konflikt ist dank seiner wachsenden Gefühle für Cole einer der Dreh- und Angelpunkte der Geschichte. Die Männer kommen sich logischerweise näher – zunächst auf freundschaftlicher Basis, später geht ihre Beziehung durchaus tiefer. Neben der gut ausgebauten, nachvollziehbaren Liebesgeschichte zwischen Cole und Maxwell, stehen auch die Motorcross-Rennen und damit einhergehend ein kleinerer Krimiplot im Zentrum von „Highspeed Love“. Letzterer entspinnt sich durch den Verdacht auf Sabotage innerhalb mehrerer Teams, was während der Saison mehrere Unfälle zur Folge hat. Die Auflösung wirkt zwar ein wenig flach, der Schuldige fast ein wenig zu klischeehaft, doch Chris P. Rolls baut Spannung auf und bietet dem Leser mehr als eine typische Liebesgeschichte mit Erotik. Gerade hinsichtlich der erotischen Szenen hält sich Chris P. Rolls zurück – zwar gibt es Sexszenen, doch sie bestimmen nicht den Hauptteil der Handlung, zumal Cole und Maxwell lange brauchen, um so weit zu sein.

Die Charaktere sind sympathisch und gut nachvollziehbar – Cole ist ein angenehmer Protagonist, den man schnell ins Herz schließt. Er hat seine Ecken und Kanten, doch man kann seine Einstellung gut nachvollziehen. Fast noch interessanter ist Maxwell, der zu Beginn sehr geheimnisvoll und wortkarg daherkommt und lange braucht um aufzutauen. Die beiden Charaktere passen auf jeden Fall gut zusammen – die Atmosphäre zwischen ihnen stimmt.
Auch die Nebenfiguren bieten einige interessante Persönlichkeiten, allen voran Coles Manager, der sich wirklich beeindruckend für seinen Schützling in die Bresche wirft und dabei nicht einmal vor dessen Vater halt macht. Miles bleibt leider ein wenig blass, wenngleich er zum Ende hin ein wenig stärker ins Zentrum rückt. Ein wenig befremdlich finde ich die Meinung seines Bruders Maxwell, dass Miles ebenfalls schwul sein muss, weil sie eineiige Zwillinge sind – meines Wissens nach wird Homosexualität nicht vererbt, weswegen ich an diesem Punkt immer wieder ins Stolpern kam.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Chris P. Rolls hat einen angenehm lesbaren, flüssigen Schreibstil, der den Leser schnell in seinen Bann zieht. Aus Coles Sicht wird die Geschichte erzählt, was dafür sorgt, dass man sich recht schnell mit dem Rennfahren identifizieren kann und die adrenalingetränkten Rennen genauso intensiv miterlebt, wie seinen Kampf gegen die Gefühle, die er für Maxwell entwickelt. Man merkt zudem, dass sich die Autorin mit dem Motorcross auseinander gesetzt hat – sie verwendet Fachbegriffe, achtet auf korrekte Abläufe und die viele Feinheiten hinsichtlich Presse, Sponsoren und innerhalb der verschiedenen Teams. Dadurch wirkt „Highspeed Love“ realistisch – man denkt sich einfach in Coles Welt ein.

Fazit:
„Highspeed Love“ ist ein gelungener Gay Romance, der mit einer guten Mischung aus Action, Spannung und Liebesgeschichte aufwartet. Dank der sympathischen Charaktere und der langsam wachsenden Beziehung zwischen Cole und Maxwell macht die Lektüre Spaß und bietet kurzweilige Unterhaltung. Wer Chris P. Rolls Bücher kennt und mag, sollte sie den Roman nicht entgehen lassen, wer einmal in das Genre hineinschnuppern will, ist ebenfalls an der richtigen Adresse. Bis auf ein paar kleine Schnitzer (Auflösung der Krimi-Handlung, Homosexualität bei eineiigen Zwillingen) zu empfehlen.

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[ROMAN] Duell der Prinzen von C.S. Pacat

Das Duell der Prinzen von CS Pacat
Autor: C.S Pacat
Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN: 978-3-641-15522-3
Preis: 9,99 EUR (ebook)
Bestellen: Amazon
Rezension zum englischen Original (5 Sterne)

Story:
Um einen Krieg zwischen den verfeindeten Ländern Vere und Akielos zu verhindern, ist Damen, hinter dem sich eigentlich Prinz Damanios von Akielos verbirgt, gezwungen mit Laurent, dem Thronfolger des Landes Vere zusammenzuarbeiten. Gemeinsam werden sie von Laurents Onkel an die südliche Grenze geschickt, um das Land gegen Eindringlinge zu verteidigen. Damen wird schnell klar, dass der gegenwärtige Regent in keiner Weise das Wohl seines Neffen im Sinn hat. Alles deutet darauf hin, dass Laurent auf dem Weg in den Süden getötet werden soll, was dem nahenden Krieg neue Nahrung geben würde. Während Laurent alle Hände voll zu tun hat, die Intrigen seines Onkels abzuwehren und sich auf seine Art der Unterstützung der Nachbarländer zu versichern, versuchte Damen aus den Männern, die Laurents Heer begleiten, eine funktionierende Einheit zu machen. Inmitten der harten Kämpfe, komplexen Intrigen und detaillierten Planungen kommen sich die beiden Prinzen unweigerlich näher. Aus Respekt wird Freundschaft und letztendlich kann sich Damen der Anziehungskraft Laurents nicht mehr verwehren …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Duell der Prinzen“ erschien Anfang 2016 der zweite Band der Erfolgsreihe „Captive Prince“ von C.S. Pacat – dieses Mal jedoch nur als eBook. Leider scheint der dritte Roman, der noch am Ende des Buches mit dem Titel „Rückkehr des Prinzen“ angekündigt wurde, nicht mehr als Einzelband zu erscheinen. Stattdessen wurde ein Sammelband, der alle drei Bücher enthalten soll für den Januar 2017 von Heyne angekündigt.

„Duell der Prinzen“ setzt dort an, wo Band 1 endete und führt die Geschichte um Damen und Laurent spannend weiter. C.S. Pacat gelingt es das Potenzial der Geschichte um ein Vielfaches zu steigern und den Vorgängerroman in mehrfacher Hinsicht zu übertreffen. Die Handlung besticht erneut durch komplexe Intrigen, doppelbödige Elemente und eine so vielschichtige Handlung, dass man wirklich konzentriert bei der Sache bleiben muss, um alle Andeutungen und Hinweise zu verstehen. Dabei werden auch offene Punkte vom ersten Band aufgegriffen oder einige Ereignisse präsentieren sich urplötzlich in einem neuen Licht, so dass die Geschichte immer logischer und in sich schlüssiger wird. Dadurch fesselt auch der zweite Band der Reihe von der ersten bis zur letzten Seite und es fällt schwer das Buch zur Seite zu legen.
Die Autorin baut einmal mehr auf eine intrigenreichen Geschichte, die dieses Mal auch von einigen Kampf – und Actionenszenen unterbrochen wird, da es erstmals auch zu Schlachten kommt. Dadurch wirkt „Duell der Prinzen“ wesentlich dynamischer und interessanter als Band 1, der sich vorwiegend im Palast abgespielt hat und wo Damens „Spielwiese“ auf wenige Zimmer beschränkt war. Sicherlich gibt es auch im zweiten Band viele Beschreibungen und Hintergrundinformationen (so erfährt man durch Damen endlich mehr über den Staatstreich seines Bruders und die Hintergründe zu seiner Degradierung zum Sklaven), aber es gibt auch mehr Action, so dass die Geschichte ausgewogener geworden ist.

Natürlich kommen sich Damen und Laurent endlich näher, wenngleich von einer romantischen Liebesbeziehung keine Rede sein kann. Stattdessen bekommt man von C.S. Pacat eine realistische und glaubwürdige Beziehung präsentiert, die im Grunde nicht gut enden kann – etwas, was beide Protagonisten wissen. Dennoch spürt man das Knistern zwischen Laurent und Damen, die Gefühle, die beide füreinander entwickeln und die in einer gemeinsamen Nacht enden.

Neben der komplexen Handlung können einmal mehr die Figuren überzeugen. Laurent und Damen entwickeln sich im Laufe der Ereignisse weiter, und werden endlich zu Kampfgefährten und Freunden, die einander respektieren. Damen lernt im Laufe der Zeit Laurent besser kennen und verstehen, und ist bald der einzige, der Laurents uneingeschränktes Vertrauen genießt. Zudem vertieft sich sein Interesse an Laurent, der Damens Gefühle sogar teilweise erwidert.
Auch Laurent wird im Laufe der Zeit greifbarer, was daran liegt, dass er sich Damen gegenüber öffnet und immer wieder einen Blick auf seine wahre Natur gewährt. Natürlich ist er für Damen und damit auch für den Leser zumeist undurchsichtig, seine Aktionen nur schwer nachvollziehbar, doch er taut während der Reise zur Grenze spürbar auf.

Auch die Nebenfiguren sind starke, in sich logisch handelnde Persönlichkeiten. C.S. Pacat führt eine Vielzahl interessanter Charaktere ein, wobei auch alte Bekannte einen kürzeren oder längeren Auftritt bekommen. Jord und Orlant, die Damen im Palast bewacht haben, nehmen einen größeren Part ein, während der 13-jährige Nicaise nur am Rand auftaucht. Mit Aimeric taucht eine neue Figur auf, die im Laufe der Handlung eine wichtige Rolle spielt und auch die Herrscher der Südreiche von Vere bekommen ein wenig mehr Gewichtung. Alles in allem geben sie Laurent und Damen einen passenden Rahmen, um sich zu entwickeln und die Geschichte voranzutreiben.

Stilistisch ist „Duell der Prinzen“ gut gelungen und mitreißend umgesetzt. C.S. Pacats Schreibstil ist sehr komplex, sie nutzt gerne ungewöhnliche Wörter und Beschreibungen, was den Charme ihrer Schreibstils ausmacht. Die deutsche Übersetzung wirkt dieses Mal flüssiger und passender, wenngleich sie noch immer nicht die Eleganz des englischen Originals einfangen können. Leser, die des englischen mächtig sind, sollten vielleicht testweise in die englische Leseprobe schnuppern, bevor sie sich für die deutsche oder englische Fassung entscheiden.

Fazit:
Mit „Duell der Prinzen“ schließt C.S. Pacat an den Erfolg des ersten Bandes an und führt die Geschichte um Laurent und Damen überzeugend und intrigenreich fort. Dank der komplexen Handlung und der vielschichtigen Charaktere gehört „Captive Prince“ zurzeit zu den besten Gay Fantasy Reihen, die es auf dem Markt gibt. Da Heyne sich für eine preiswerte Gesamtausgabe der Reihe entschieden hat und Band 3 nicht mehr separat veröffentlichen wird, fällt es schwer den zweiten Band zu empfehlen – wer „Captive Prince“ kennenlernen möchte, sollte am besten bis 2017 warten, wer Band 1 mochte ebenfalls. Insbesondere da „Duell der Prinzen“ mit einem bösen Cliffhanger endet.

Die Rezension zu „Captive Prince 2 – Prince’s Gambit“ (englisches Original) kann man hier nachlesen.

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[ZITATE-FREITAG] Haus aus Kupfer

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich ein Buch präsentieren, das mich auf eine Art und Weise beeindruckt hat, wie es nur sehr wenigen Büchern gelingt. Ich habe Jobst Mahrenholz‘ Werke mit „Der linke Fuß des Gondoliere“ lieben und schätzen gelernt – „Haus aus Kupfer“ hat mich jedoch so tief berührt, dass das Buch inzwischen zu meinem absoluten Favouriten (neben „Adrian Mayfield“, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, „Bruder“ und „Die Bücherdiebin“) gehört. Wie schon bei „Tänzer & Schatten“ hätte ich am liebsten das gesamte Buch zitiert – doch man muss sich ja beschränken 😉


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meine Rezension

»Okay! Versuch dir vorzustellen, du trägst eine Zahnspange, ja?«

Ich nickte, während ich an der Zigarette zog. »Felia war meine Zahnspange«, erklärte Felice. »Sie hat mein ganzes Leben lang versucht, mich in Form zu pressen. Damit ich perfekt bin. So, wie die Gesellschaft mich haben will. Ebenmäßig. Sie mein Leben lang zu tragen hat geschmerzt, gedrückt, mich eingeschränkt. Ich habe mich hässlich und fremd mit ihr gefühlt. Nun bin ich sie los, und die Schmerzen hören auf. Da ist kein Fremdkörper mehr, nichts, was versucht, mich in eine Form zu pressen. Da bin nur noch ich. Vielleicht etwas schief gewachsen, nicht ganz so perfekt. Doch ich bin es.«

„Haus aus Kupfer“, S. 53 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

»Und Lu?«, fragte ich betroffen.

»Ich hab mich doch verabschiedet.«

»Was ist mit dem Mut?«, bohrte ich weiter. »Wäre das nicht eine ganz gute Übung, mal etwas Mut zu zeigen?«

»Ich bin eine Belastung«, erwiderte er mit gesenktem Blick.

»Du bist eine Bereicherung, Felice!«

»Das ist Quatsch, Giaco, und das weißt du auch.« Er lächelte traurig, schwang sich zur Seite und erhob sich. »Ich denke drüber nach, okay?«

„Haus aus Kupfer“, S. 88 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

»Felia hat er immer sehr gemocht«, versicherte er mir mit unstetem Blick.

»Ja? Und?«

»Aber Felice findet er richtig klasse.«

»Wie meinst du das?«

»Genau so, wie ich’s sage.«

»Wie kommst du darauf?«

»Weil ich ihn … kenne … verdammt. Und weil ich das mitbekomme.« Er strich sich durchs Haar und sah mich direkt an, betroffen dabei. »Weil ich nicht blind bin, darum.«

Und in dem Moment begriff ich, was er mir da eigentlich offenbart hatte, über Giacomo.

„Haus aus Kupfer“, S. 111-112 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Also erzählte ich sie ihm, meine Version. Und während ich das tat, betrachtete er mich wieder, mit diesem unergründlichen Giaco-Blick seiner tiefgrünen Augen. Er versank in den meinen, verharrte dort und stürzte mich in eine kleine Verwirrung.

Als ich endete, hob er leicht den Kopf. Vorsichtig strichen seine Finger über meine Lippen.

»Vergiss das alles«, sagte er leise. Er seufzte.

Und dann küsste er mich. Kühle, feuchte Lippen legten sich sanft auf die meinen. Zart und sinnlich.

„Haus aus Kupfer“, S. 131 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Felices erstes Mal.

Tatsächlich war es das: Felices erstes Mal.

Zum ersten Mal als – ich.

Sanft strichen meine Hände über Giacos Brust, entdeckten ihn behutsam. Er sehnte sich nach mehr, spürte ich.

Noch vor Stunden war da vor allem Angst gewesen. Es gab so vieles, was ich ihm nicht geben konnte. Nicht mit diesem Körper. Ich war – unvollkommen. Doch nun …

„Haus aus Kupfer“, S. 170 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

»Na, beim Blondieren gegen die Tür gelaufen?«, wollte er wissen. Sein humorloses Lachen zeigte, was er von mir hielt, mittlerweile. Klar, ich hatte ihm in die Suppe gespuckt.

»Oberflächlich, wie gehabt«, erwiderte ich lächelnd, nachdem wir uns gesetzt hatten. »Aber das mit den Haaren, Aldo, das ist tatsächlich extra für dich.«

Nun schaute er sichtlich irritiert in die Runde.

»Ich dachte mir«, erklärte ich so, dass es alle hören konnten, »… mit dieser simplen Äußerlichkeit einfach mal von Felice abzulenken. Damit er wenigstens für einen Moment das Gefühl hat, hier nicht die Dauerrolle des Aussätzigen übernehmen zu müssen.«

„Haus aus Kupfer“, S. 195 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Dann betrachtete ich mich im Spiegel. Das Make-up hatte etwas gelitten. Da musste ich nachbessern. Die blonden Haare, sie gefielen mir. Ich fand das erotisch. Meine Zunge fuhr lüstern über die Lippen, meine Augen halb geschlossen. Plötzlich musste ich loslachen.

Mein Äußeres stand für einen neuen Abschnitt in meinem Leben. Kein Lu mehr. Dafür viel Felice. Nicht Giaco – Jack! Wow, nicht übel. Das Lachen ging in ein Grinsen über. Es gefiel mir wirklich.

„Haus aus Kupfer“, S. 214 (c) Jobst Mahrenholz / deadsoft Verlag

Mit diesen Zitaten mache ich euch hoffentlich neugierig auf dieses tolle Werk, bei dem es um Transexualität, Akzeptanz und Toleranz geht. Ich kann es auf jeden Fall jedem ans Herz legen ❤

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Blutzoll der Wölfe von Alegra Cassano

 

Autor: Alegra Cassano
Taschenbuch:  Band 1: 440 Seiten | Band 2: 384 Seiten
ISBN: Band 1: 978-3945934272 | Band 2: 978-3945934319
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Morgans Leben scheint beendet, als der Wolfswandler Waydar mit seinem Rudel in das Dorf des jungen Mannes kommt und ihn als Blutzoll fordert. Doch während die anderen ausgewählten Menschen schnell von den übrigen Wölfen gefressen werden, verzichtet Waydar darauf Morgan zu jagen, da der junge Mann starke Anziehungskraft auf ihn ausübt. Schon bald sind Gefühle im Spiel, denn nicht nur Waydars Interesse an Morgan wächst, dieser fühlt sich ebenfalls zu dem Wolf hingezogen. Allerdings beginnen damit die Probleme, denn Waydar ist auf dem Weg zu seiner eigenen Hochzeit mit der ältesten Tochter der Silberfelle – ein Bündnis, das von seinem eigenen Vater bereits vor Jahren geschlossen wurde. Zudem erwachen in Morgan Kräfte, die schnell zeigen, dass in ihm das Erbe eines Bestadors schlummert, des einzigen Wesens, das in der Lage ist einen Wolfswandler zu töten …

Eigene Meinung:
Mit den ersten beiden Romanen zu „Blutzoll der Wölfe“ legt Alegra Cassano den Auftakt ihrer Gestaltwandler-Fantasy-Reihe vor, die den Leser bereits nach wenigen Seiten in den Bann zieht. Derzeit arbeitet die Autorin am dritten Buch der Reihe, in der es Morgan und Waydar über das Meer in ein unbekanntes Land führt. Wer abgeschlossene Geschichten bevorzugt, sollte vor dem Lesen mindestens die ersten beiden Bände kaufen, denn die Handlung von Band 1 geht nahtlos in Band 2 über und wird weitestgehend abgeschlossen.

Inhaltlich erwartet den Leser eine sehr komplexe, intrigenreiche Geschichte, die ungemein fesselnd ist und sich dadurch angenehm von den üblichen Gay Fantasy Romanen abhebt. Die Autorin fordert damit den Leser heraus, hellwach zu sein und selbst mitzudenken, denn eine simpel gestrickte Liebesgeschichte, in der es nur darum geht, dass Morgan und Waydar zusammenkommen, gibt es hier nicht. Während er Anfang der Geschichte noch recht seicht anmutet, wird es spätestens mit dem Auftauchen von Waydars zukünftiger Braut und ihrem Clan, dem Rudel um Waydars ehemaligen Lehrmeister Alasar und der Nebenhandlung zu Morgans Vater spannender und komplexer. Alegra Cassano baut eine Menge Seitenstränge ein und wirft etliche Fragen auf, die erst nach und nach beantwortet werden. Das liegt zum einen an der Vielzahl verschiedener Charaktere, die im Laufe der knapp 800 Seiten auftauchen, zum anderen an den vielschichtigen Hintergründen. Zudem folgt sie dem Motto: „Keine Aktion ohne Reaktion“, denn viele Dinge, die die Handlung vorantreiben, passieren nachdem die Figuren agiert haben. Hin und wieder passt sie jedoch diese Aktionen der Handlung an, da einige Charaktere unlogisch handeln und Dinge tun, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Glücklicherweise halten sich derartige Schnitzer in Grenzen, so dass man trotzdem mitfiebert- und rätselt.

Schade ist ein wenig, dass man so wenig über die Fantasywelt von Morgan und den Wolfswandlern erfährt. Es wäre schön gewesen, mehr von dem Land zu erfahren, den Wesen, die dort leben und den Gesetzen außerhalb der Wölfe. Doch gerade die Menschen und ihre Probleme kommen ein wenig kurz. Vielleicht kommt ja im dritten Band mehr zu den unterschiedlichen Ländern und dem großen Ganzen der Welt (Lebewesen, Gesetze etc.).

Ein großer Pluspunkt sind die unterschiedlichen Charaktere, die im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen. Die Autorin konzentriert sich nicht auf Morgan und Waydar, sondern beleuchtet nach und nach alle relevanten Figuren bzw. lässt sie selbst zu Wort kommen. Erst dadurch gelingt es Alegra Cassano die komplexe Geschichte nachvollziehbar zu erzählen, denn die Menge an Ereignissen, die ineinander greifen und für die ein oder andere Überraschung sorgen, wären ansonsten für den Leser kaum in Einklang zu bringen. Dazu muss man schon alle Figuren und deren Beweggründe kennen und ihre Aktionen direkt miterleben. Hin und wieder handeln die Charaktere zwar unlogisch, doch alles in allem kann man die einzelnen Protagonisten sehr gut nachvollziehen. Auch wachsen sie dem Leser ans Herz – ganz besonders Nebencharaktere wie Bastor oder Dood.

Stilistisch legt Alegra Cassano ein solide geschriebenes Werk vor, das durch einen hohen Wortschatz und tolle, sehr umfangreiche Beschreibungen besticht. Die Perspektive springt zwischen den Figuren, sprich die Autorin nutzt eine auktoriale Erzählweise um die Geschichte zu erzählen. Das ist wichtig, denn nur so kann man die Handlungen der Charaktere nachvollziehen. Wer es gewohnt ist, Bücher zu lesen, die aus Sicht einer Figur geschrieben sind, wird anfangs eventuell Probleme haben, doch man findet sich schnell ein und lässt sich gefangen nehmen. Ein weiterer Pluspunkt ist auch, dass Alegra Cassano auf übermäßig viele erotische Szenen verzichtet – natürlich schlafen Morgan und Waydar immer mal wieder miteinander, doch Sexszenen sind eher kurz gehalten, werden teilweise sogar ausgeblendet, da sich die Autorin vollkommen auf die Geschichte konzentriert.

Fazit:
„Blutzoll der Wölfe“ ist ein solider, gut geschriebener Fantasy-Roman, der durch eine sehr komplexe, gut durchdachte Handlung und eine Vielzahl lebendiger Charaktere besticht. Alegra Cassano ist ein wundervoller, fesselnder Auftakt gelungen, den Fans aufwendiger und verstrickter Handlungsbögen auf jeden Fall lesen sollten. Da beide Bände ursprünglich zusammengehören, sprich „Butzoll der Wölfe“ aufgrund des Umfangs getrennt wurde, sollte man Band 2 griffbereit haben, wenn man den ersten Teil ausgelesen hat. Es lohnt sich auf jeden Fall der Geschichte um Waydar und Morgan eine Chance zu geben. Zu empfehlen!

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[ROMAN] Die Schwimmbad-Bibliothek von Alan Hollinghurst

Schwimmbadbibliothek
Autor: Alan Hollinghurst
Taschenbuch: 496 Seiten
ISBN: 978-3-959850360
Preis: 9,99 EUR (eBook) |14,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der junge Adelige William Beckwith genieß sein Leben in vollen Zügen: Partys, erotische Exzesse und ohne finanzielle Sorgen lebt
der schwule Mann im London der 80er Jahre in den Tag hinein. Erst als er dem alten Lord Nantwich auf einer Toilette das Leben rettet, ändert sich sein Leben Stück um Stück. Der ehemalige Kolonialbeamte bittet den jungen Mann nämlich darum, seine Memoiren zu schreiben und übergibt Will einige seiner Tagebücher und Aufzeichnungen. Obwohl Will weniger daran interessiert ist, liest er sich doch in Nantwichs Leben ein und taucht in die damalige Zeit ein, in der Homosexualität noch strafbar war. Gleichzeitig lernt er den jungen Bodybuilder Phil kennen und lieben, und beginnt eine lose Beziehung mit ihm.

Eigene Meinung:
Der Roman „Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst erschien bereit 1988 und zählt zu den Klassikern der schwulen Literatur. Mit seinem Debüt gewann der Autor unter anderem den „Somerset Maugham Award“ und „E. M. Forster Award of the American Academy of Arts and Letters“. Auch Hollinghursts spätere Werke brachten ihm weitere Preise ein und fast durchweg positive Kritiken, weswegen er zu den bedeutendsten modernen, englischsprachigen Schriftstellern gehört.

Inhaltlich legt der Autor einen kritischen Gesellschaftsroman vor, bei dem eher die Charaktere und deren Vergangenheit und die schwule Subkultur der 80er Jahre im Zentrum stehen. Er spielt zu einer Zeit, in der Aids noch keine große Rolle spielte und konzentriert sich fast vollständig auf die schwule Szene Londons. Das fällt ganz besonders an dem Punkt auf, dass es keinerlei weibliche Figuren gibt. Außer Williams Schwester, die nur am Rand erwähnt wird, kommt keine Frau vor. Man hat fast das Gefühl, als würde der Hauptcharakter das weibliche Geschlecht überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen, sondern sich rein auf die Männer der Schöpfung konzentrieren. An seiner Seite lernt der Leser das schwule London der 80er Jahre kennen und taucht ein in eine recht schamlose, zügellose Welt ein, denn William lässt wahrlich nichts anbrennen. Finanziell abgesichert, treibt er ohne Ziel durchs Leben und macht sich mit seiner Einstellung nicht nur Freunde. Erst als Nantwich in sein Leben tritt und ihn bittet seine Memoiren zu schreiben, ändert sich Maxwell ein wenig.

Nantwichs Tagebucheinträge lassen nicht nur Will einen Blick in die Vergangenheit werfen – in eine Zeit, in der Homosexualität strafbar war und mit Zuchthaus geahndet wurde. Man erfährt mehr über Nantwichs Schulzeit und seine Arbeit in Afrika, die Gefahren, die mit seinen Vorlieben einhergingen und ihn schließlich sogar ins Gefängnis bringen. Dass der alternde Beamte Will aus gutem Grund ausgewählt hat, wird erst am Ende deutlich und offenbaren eines der Grundthemen des Romans: Homophobie. Diese kommt sowohl in der Vergangenheit (Nantwichs Inhaftierung und der gesellschaftliche Skandal), als auch in Williams Gegenwart (z. B. der Angriff der Rechten auf Will) zum Tragen.

Die Charaktere wirken sehr authentisch – William ist nicht unbedingt der sympathische Held, mit dem man mitfiebert, da er mitunter recht arrogant und überheblich daher kommt. Dennoch machen ihn diese Ecken und Kanten menschlich, zumal er Potenzial bietet, sich im Laufe der Geschichte weiterzuentwickeln. Nantwich bleibt die meiste Zeit ein Buch mit sieben Siegeln, da seine Beweggründe recht schleierhaft bleiben und man seine Tagebuchauszüge eher bruchstückhaft serviert bekommt. Die übrigen Figuren bilden den passenden Rahmen für Wills Entwicklung und machen mitunter die schwule Szene erst lebendig: Wills bester Freund James, der schüchterne Phil, die Herren des Clubs – ganz gleich ob sie homosexuell sind oder nicht. Es ist spannend diese Charaktere durch Wills Augen zu sehen, ihre Aktionen und Reaktionen.

Stilistisch legt Alan Hollinghurst ein beeindruckendes Werk vor. Wer eher leichte Unterhaltung gewohnt ist, wird am Anfang Schwierigkeiten haben, sich auf den belletristischen und gehobenen Stil einzulassen. Der Autor hat eine sehr feine, direkte Sprache, die sich besonders in den Dialogen und Beschreibungen zeigt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, ist direkt und bringt die Geschichte mit einer gewissen sprachlichen Eleganz zu Papier. Explizite Szenen werden direkt umschrieben, ohne platt und aufgesetzt zu wirken. Hin und wieder wirken einzelne Passagen allerdings zu ausufernd, so dass der Leser schnell den Bezug zur Geschichte verliert.

Fazit:
„Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst ist ein interessanter, gesellschaftskritischer Roman, der durch die Figuren, die sprachliche Finesse und den gelungenen Einblick in die schwule Subkultur der 80er Jahre lebt. Der Autor gewann zurecht Preise für dieses bemerkenswerte Debüt, da es verschiedene Probleme (auch innerhalb der schwulen Szene) anspricht und damit zum Nachdenken anregt. Wer gehobene Literatur bevorzugt und sich nicht vor einigen ausufernden Szenen scheut, sollte einen Blick riskieren. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Indianer im Kopf von Corinna Behrens

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Autor: Corinna Behrens
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3940611451
Preis: 9,99 EUR (eBook) | 16,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Als der alte Pfarrer der Gemeinde in Ruhestand geht und das evangelische Pastorenpärchen Huber vorgestellt wird, gerät Jackies Leben gehörig aus den Fugen. Nicht nur verliebt sie sich fast auf den ersten Blick in Mirjam Huber, ihr Mann scheint ihr nur wenig Sympathie entgegen zu bringen. Dementsprechend problematisch wird ihr Arbeitsverhältnis, denn sie arbeitet in der evangelischen Verwaltung, was bedeutet, dass sie permanent auf der Hut sein muss. Zu allem Überfluss sieht sie nach einer gemeinsamen Meditation (inkl. traditionellem Kiffen) mit ihrer spiritistischen Freundin Monika immer wieder Spirit Hawk und die alte Indianerin Mahpea, ganz besonders wenn es um Mirjam und deren Mann geht. Nur was haben ihre Träume und Visionen wirklich zu bedeuten?

Eigene Meinung:
Mit dem humorvollen Romane „Indianer im Kopf“ legt der Butze Verlag einen weiteren lesbischen Liebesroman vor. Dieses Mal stammt es aus der Feder Corinna Behrens, deren erste Romane im Eigenverlag erschienen sind.

Der Roman verspricht eine amüsante, chaotische Handlung und ungewöhnliche Charaktere, was die Autorin teilweise auch halten kann. Auf den ersten Blick wirkt das Setting dennoch außergewöhnlich, denn die Geschichte der gläubigen Jackie in Kombination mit dem spiritistischen Glauben der Indianer ist zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Dennoch kommt man recht schnell in die Handlung und freundet sich mit den unterschiedlichen Charakteren der kleinen Gemeinde an. Es macht Spaß Jackie zu begleiten, während sie tunlichst um Fettnäpfchen herummanövriert und versucht sich in die geänderten Bedingungen (neuer Pfarrer, ihre Liebe zu einer verheirateten Frau) klarzukommen. Dabei wird schnell klar, dass sie ein ziemlicher Feigling ist – weder steht sie zu ihrer Sexualität, noch lehnt sie sich gegen Ungerechtigkeiten auf, denn zumeist verkriecht sie sich oder kuscht vor den Leuten, die sie niedermachen. Mit ihren dreißig Jahren wirkt sie daher eher wie ein Kind, was nur bedingt glaubwürdig daherkommt. Ihre Feigheit zieht sich leider durch den Großteil der Handlung, was mit der Zeit doch ermüdend ist, da man fast zu lange darauf wartet, dass Jackie endlich aktiv wird. Besonders im letzten Viertel, wo noch ein kleiner Thriller eingebaut wird, wünscht man sich wirklich, die Heldin würde schneller schalten.

Was ebenfalls ein wenig schwer im Magen liegt, ist die Tatsache, das einmal mehr die Männer die Antagonisten sind – etwas, was in lesbischen Romanen sehr oft vorkommt (neben der neidischen Ex oder zickigen Kolleginnen). In diesem Fall ist Pfarrer Huber gleich so klischeehaft böse, dass man nur genervt den Kopf schüttelt. Das trifft auch auf seinen „Komplizen“ zu, was „Indianer im Kopf“ einen faden Beigeschmack gibt.

Dennoch sind die Charaktere liebenswert gestaltet – gerade Jackie schließt man schnell ins Herz, wenngleich sie zum Ende hin aufgrund ihrer Feigheit doch einige Sympathiepunkte einbüßt. Mirjam kommt leider ein wenig blass daher, da sie fast ausschließlich auf ihre Opferrolle reduziert ist. Es ist schade, dass ihr der Tiefgang fehlt und sie ihr Schicksal nicht selbst in die Hand nimmt. Sie ist einfach zu passiv. Dafür kann Monika bereits nach wenigen Seiten von sich und ihrer leicht abgehobenen Art überzeugen. Es macht Spaß die Passagen mit ihr zu lesen, insbesondere wenn es um ihre Meditation und die Sessions geht, in der sie mit den Geistern der Indianer kommuniziert.
Wie bereits erwähnt haben nahezu alle Männer (selbst der alte Pfarrer, der wie ein Vater für Jackie ist) einen recht negativen Touch. Huber ist natürlich der Schlimmste – arrogant, frauenfeindlich und gewalttätig. Einerseits gibt es (wahrscheinlich) solche konservativen Kirchenmänner, andererseits wirkt es hier einfach zu dick aufgetragen. Er ist der klassische „Bösewicht“, der keinerlei positive Eigenschaften zu haben scheint.

Stilistisch ist „Indianer im Kopf“ durchaus gelungen – Corinna Behrens hat einen angenehmen, lebendigen Stil, der den Leser einen direkten Einblick in Jackies Gedanken- und Gefühlswelt ermöglicht. Man merkt, dass die Autorin Ahnung von dem hat, was sie beschreibt – sowohl von Frauenfußball (Jackie spielt aktiv in einer Mannschaft), als auch was die Arbeit innerhalb der evangelischen Kirche anbelangt. Auch die Verknüpfung zur indianischen Kultur ist gelungen. Wer einen lockeren, humorvollen Schreibstil mag, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Fazit:
„Indianer im Kopf“ ist ein schöner, humorvoller Roman für Zwischendurch, der mit einem schönen Schreibstil und einer ungewöhnlichen Story punkten kann. Leider muss man einige Abstriche in Kauf nehmen, die das Lesevergnügen trüben – zum einen Jackies Feigheit, die die Geschichte zusätzlich in die Länge zieht, zum anderen die Tatsache, dass die Herren der Schöpfung fast komplett negativ rüberkommen. Das mag nicht jeden stören, mir missfiel es jedoch mit der Zeit. Dennoch sollte man dem Buch eine Chance geben, denn die Mischung ist auf jeden Fall innovativ und letztendlich bekommt man eine solide Liebesgeschichte präsentiert. Reinschauen.

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