Archiv für den Monat April 2016

[ROMAN] Pilsken und Pailletten von Kai Brodersen

Pilsken und Pailletten
Autor: Kai Brodersen
Taschenbuch:  328 Seiten
ISBN: 978-3945934371
Preis: 5,99 EUR (eBook) | 12,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Nach einer bewegten Vergangenheit im Showbiz ist Jens Nobbe in Hagen sesshaft geworden. Von einem seiner „väterlichen Freunde“ hat er ein kleines Büdchen und eine sanierungsbedürftige Villa gerbt und pendelt zwischen seinem alten Leben als Travestiekünstler, Callboy und Star, und seiner neuen Identität als unbescholtener Kioskbesitzer. Seine Welt gerät aus den Fugen, als er eines Nachts den Leiter der Sparkasse, in Korsett und Strapsen hinter seinem Büdchen angekettet vorfindet. Trotz unguten Gefühls helfen Nobbe und dessen bester Freund Rudi Völzgen dem Mann und bringen ihn nach Hause. Am nächsten Tag wird der Sparkassendirektor tot  aufgefunden und die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen. Nobbe und Rudi gehen ebenfalls den Spuren nach, die es nach dem Mord an dem Filialleiter gibt und stoßen dabei nicht nur auf eine groß angelegte Erpressungsreihe, Nobbe gerät selbst ins Visier des Mörders.

Eigene Meinung:
Mit dem amüsanten Krimi „Pilsken und Pailletten“ legt Kai Brodersen sein Debüt beim Deadsoft Verlag vor. Die Geschichten um Jens Nobbe sind als Reihe konzipiert, sprich eine Fortsetzung dürfte noch dieses Jahr erscheinen.

Die Geschichte wartet mit ungewöhnlichen Hauptfiguren und einigen überraschenden Wendungen auf, die den Krimi sehr spannend und authentisch machen. So skurril und seltsam Nobbes Abenteuer zu Beginn wirken, sie sind in sich schlüssig und bauen logisch aufeinander auf. Sicher, der Leser muss sich zunächst Nobbe (Büdchenbesitzer und ehemaliger Travestiekünstler), Rudi (ein Einbrecher, der hin und wieder seine Fähigkeiten austestet) und Kevin (bekannter Pornostar im schwulen Milieu) gewöhnen, denn sie sind als Hobbydetektive ein wenig gewöhnungsbedürftig. Doch sobald man sich auf die drei einlässt und sich richtig in Hagen Vorhalle mit all den schrägen Bewohnern hineindenkt, fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen. Das liegt vor allem an dem tollen Lokalkolorit, denn Kai Brodersen weiß wovon er spricht – Hagen Vorhalle wirkt ungeheuer lebendig und real, so dass man sich das Büdchen und die übrigen Örtlichkeiten sehr gut vorstellen kann. Auch die übrigen Sachen wurden genau recherchiert, so dass „Pilsken und Pailletten“ in diesem Punkt überzeugen kann.
Der Kriminalfall wirkt ein wenig chaotisch. Man braucht eine Weile, um den Hinweisen zu folgen und den Schuldigen zu finden – da das Buch aus Nobbes Perspektive erzählt wird, passt das jedoch, da dieser nur bedingt das Zeug zum Amateurdetektiv hat. Die meiste Zeit stolpert er recht durch die Angelegenheit, des Öfteren helfen ihm seine Freunde oder der Zufall um auf die richtige Spur zu kommen. Dennoch gibt es einige Punkte, die man nur schwer nachvollziehen kann, ganz besonders die Sache mit dem Entschlüsseln des Geheimcodes wird dem Leser nicht ganz klar. Auch hemmt die eingebaute Liebesgeschichte zwischen Nobbe und Kevin das Voranschreiten der Handlung und sorgt dafür, dass ein Teil der Spannung verlorengeht.

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dennoch sehr sympathisch und authentisch. Jens Nobbe ist in einigen Punkten ganz die Diva, die er einst auf der Bühne war. Er ist von sich selbst überzeugt, legt viel Wert auf seine Erscheinung und hat Probleme damit, zu seinem Alter zu stehen. Hin und wieder ist er etwas barsch und ungerecht, doch alles in allem kann man sich gut mit ihm identifizieren. Auch Rudi und Kevin sind sehr sympathisch – Rudi dank seiner gutmütigen, loyalen Art, Kevin durch seinen klaren Verstand und seine teils bösen Kommentare. Zusammen mit dem Kriminalinspektor, der Rudi bereits kennt und Nobbe eher skeptisch gegenübersteht, und den vielen kleineren und größeren Persönlichkeiten, die in „Pilsken und Pailletten“ zum Tragen kommen, ist Kai Brodersen ein lebendiges Buch gelungen, das Lust auf mehr macht.

Kai Brodersen hat einen sehr schönen, flapsigen Stil, der gut zu Nobbe und seinem Naturell passt. Es macht Spaß die Geschichte um den Büdchenbesitzer zu lesen und dem Verbrecher auf die Spur zu kommen. Sehr schön sind mitunter die Beschreibungen der Umgebung, ebenso die Dialoge. Lediglich bei den Actionszenen kommt man nicht immer mit, aber da diese sich in Grenzen halten, fällt das nicht negativ ins Gewicht. Auch Erotik sucht man in „Pilsken und Pailletten“ vergeblich, denn der Autor blendet lieber aus, anstatt die entsprechenden Szenen auszuformulieren – was dem Buch zugutekommt. Ausufernde Sexszenen hätten einfach nicht gepasst.

Fazit:
„Pilsken und Pailletten“ ist ein gelungener Krimi-Auftakt, der Lust auf mehr macht. Kai Brodersen entwirft ungewöhnliche und authentische Charaktere, deren Lebensweg man gerne weiterverfolgt. Dank des flüssigen und angenehmen Schreibstils und des tollen Lokalkolorits lohnt sich „Pilsken und Pailletten“ für alle die ungewöhnliche Krimis schätzten. Wer unsicher ist, sollte einen Blick in die Leseprobe werfen. Zu empfehlen.

 

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[ZITATE-FREITAG] Maurice

Hallo ihr Lieben,

auf Wunsch meiner Frau Tanja habe ich mir dieses Mal den Klassiker „Maurice“ vorgenommen und auf schöne Zitate quergelesen. Es ist ein tolles Buch, das man wirklich gelesen haben sollte, denn E.M. Forster hat ein wundervolles Werk geschrieben, das 1987 auch mit Hugh Grant und Rupert Graves verfilmt wurde. Wer also historische Romane mag sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen – vielleicht helfen euch meine ausgewählten Zitate ja weiter. Diese stammen aus meiner alten btb-Ausgabe, sprich die Zitate sind noch in der alten Rechtschreibung gehalten.

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meine Rezension

Sie fingen an, sich hin und wieder zu sehen. Durham lud ihn zum Mittagessen ein, und Maurice erwiderte die  Einladung, aber nicht zu schnell. Eine ihm fremde Vorsicht war am Werk. In kleinen Dingen war er immer vorsichtig gewesen, aber dies hier lag auf einer ganz anderen Ebene. Er war auf der Hut, und alles, was er während jenes Herbsttrimesters tat, könnte man sehr gut in einer Sprache schildern, mit der man einen Kampf beschreibt. Er wagte sich auf kein schwieriges Gelände vor. Er spähte sowohl Durhams Schwächen als aus seine Stärken aus. Und vor allem trainierte er seine eigenen Kräfte und möbelte sie auf.

„Maurice“, S. 41 (c) E.M.Forster / btb Verlag

„Durham, ich liebe dich.“

Sein Freund lachte bitter.

„Doch … immer schon …“

„Gute Nacht, gute Nacht.“

„Ich sage dir doch, es ist so … ich bin gekommen, um es dir zu sagen … genau in der gleichen Weise wie du …, ich bin schon immer wie die Griechen gewesen, ich habe es nur nie gewußt.“

„Diese Behauptung mußt du ein wenig erläutern.“

Sofort ließen ihn die Worte im Stich. Er konnte nur reden, wenn man ihn nichts fragte.

„Maurice“, S. 78 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Sie lagen Seite an Seite, ohne sich zu berühren. Kurz darauf sagte Clive: „Hier ist es auch nicht viel besser. Ich gehe jetzt wieder.“

Maurice war nicht traurig darüber, denn er fand keinen Schlaf, und er hatte Angst, Clive könne das Klopfen seines Herzens hören und die Ursache dafür ahnen.

„Maurice“, S. 137 (c) E.M.Forster / btb Verlag

„Ich bin normal geworden – wie andere Männer, ich weiß auch nicht wie, nicht mehr, als ich vor meiner Geburt weiß. Das ist jenseits aller Vernunft, und es geschieht gegen meinen Willen. Frag mich, was du willst. Ich bin gekommen, um dir zu antworten, denn ich konnte in meinem Brief nicht auf Einzelheiten eingehen. Aber ich habe dir den Brief geschrieben, weil es stimmte.“

„Weil es stimmte, sagst du?“

„Weil es stimmte! Es war und es ist die Wahrheit.“

„Du behauptest, daß du dich nur für Frauen interessierst, nicht für Männer?“

„Ich interessiere mich für Männer im eigentlichen Sinn des Wortes, Maurice, und das wird immer so bleiben.“

„Und das kommt einfach so, ganz plötzlich?“

„Maurice“, S. 150-151 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Aber als er in sein Bett zurückging, ertönte ein leises Geräusch, ein Geräusch so nahe, daß sein eigener Körper es hätte verursacht haben können. Er schien innerlich zu knistern und zu brennen, und er sah, wie das Ende der Leiter im Mondlicht schwankte. Der Kopf und die Schultern eines Mannes tauchten auf, verhielten einen Augenblick, ein Gewehr wurde äußerst sorgfältig an das Fenstersims gelehnt, und jemand, den er kaum kannte, kam auf ihn zu und kniete neben ihm und flüsterte: „Sir, haben Sie mich gerufen? … Sir, ich weiß … ich weiß“ und berührte ihn.

„Maurice“, S. 228 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Aber während er prahlte, rückte sein Arm dem von Maurice näher. Sie verdienten eine solche Liebkosung – es war ein seltsames Gefühl. Worte schwanden dahin, um plötzlich erneut aufzutauchen. Es war Alec, der sich vorwagte.

„Komm mit mir.“

Maurice wich plötzlich zur Seite, und ihrer beider Muskeln spannten sich. Jetzt waren sie ineinander verliebt, und sie wußten es.

„Schlaf diese Nacht mit mir. Ich kennen einen Ort.“

„Ich kann nicht, ich habe eine Verabredung“, sagte Maurice, und sein Herz schlug heftiger.

„Maurice“, S. 271 (c) E.M.Forster / btb Verlag

Ich hoffe, dass ihr dadurch genauso viel Lust auf „Maurice“ habt, wie ich – ehrlich gesagt, würde ich liebend gern das Buch noch einmal lesen oder zumindest den Film schauen (was ich vielleicht heute Abend machen werde). Nächste Woche findet die Special Week mit Tanja Meurer statt, daher wird es Zitate aus ihrem neusten Roman „Die Seelenlosen“ geben – seid gespannt.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Männerbündnis von Sylvia Pranga

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Autor: Sylvia Pranga
Taschenbuch:  300 Seiten
ISBN: 978-3-864435-90-4
Preis: 6,99 EUR (eBook) | 12,90 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Allen Widrigkeiten zum Trotz sind John und Calum ein Paar – wenn auch im Geheimen, denn solange Calums Scheidung am Laufen ist, wollen sich die beiden noch nicht outen. Während die beiden ihre Beziehung neu definieren, ist Diane alles andere als glücklich damit, Calum und ihre Söhne verloren zu haben. Sie setzt alles daran ihren Noch-Ehemann zurückzugewinnen und schreckt dabei auch vor unschönen Mitteln nicht zurück. Zeitgleich ist Robin, Calums Ex-Geliebter, am Boden zerstört, weil er einfach so abserviert wurde. In seinem Schmerz und Zorn will er Diane alles über Calum und John erzählen (die er zufällig beim Kuss beobachtet hat), gerät jedoch an Dianes schmierigen Freund Brian, der etwas ganz anderes im Sinn hat, als er erfährt, dass die beiden Männer ein Paar sind. Da John Millionär und Bestsellerautor ist, plant er Calum zu entführen und ein entsprechendes Lösegeld zu erpressen – und Robin darf ihn bei seinem perfiden Plan unterstützen …

Eigene Meinung:
Der im Sieben Verlag erschienene Roman „Männerbündnis“ setzt Sylvia Prangas Gay Romance „Männerbande“ fort und zeigt, wie es mit Calum und John weitergeht, nachdem sie zueinander gefunden haben. Wer wissen will, wie es Johns Freundin Julie ergeht, kann ihre Geschichte inzwischen in „Kleeblatt und Kilt“ nachlesen. Das Buch erschien ebenfalls beim Sieben Verlag.

Die Geschichte schließt nahtlos an die Ereignisse des ersten Bandes an, weswegen es besser ist „Männerbündnis“ erst dann zu Hand zu nehmen, wenn man den vorherigen Teil bereits kennt. Zwar kann man die Bücher auch getrennt voneinander lesen, doch einige Punkte bleiben unklar oder schwer nachvollziehbar. Die Fortsetzung ist im Großen und Ganzen gelungen – dank Brian und dessen perfiden Plan wird es sogar actionreicher und spannender, wenngleich die Aktion fast ein wenig übertrieben wirkt. Aber darüber kann man hinwegsehen, zumal auch andere Dinge behandelt werden: Calums und Johns beginnende Beziehung, Dianes Versuche ihren Mann zurückzugewinnen, Calums Söhne, die ebenfalls mit einigen Problemen zu kämpfen haben und Johns Schreibblockaden, die ihm die Arbeit erschweren. Auch wird die Geschichte nicht nur aus Calums und Johns Perspektive erzählt – Robin und Diane bekommen ebenfalls ein wenig Platz um ihre Sichtweise zu schildern. Das ist durchaus spannend, gerade Robins Perspektive ist nicht uninteressant, sorgt jedoch dafür, dass Calum einiges an Sympathien einbüßt, denn wirklich fair hat er sich gegenüber seines Liebhabers nicht verhalten.
Wem im ersten Band die Erotik zu kurz vorkam, darf sich freuen – „Männerbündnis“ ist durchaus expliziter, was sich in einigen längeren Sexszenen zwischen Calum und John zeigt.

Die Charaktere sind in sich rund und durchaus sympathisch. Sylvia Pranga konzentriert sich dieses Mal nicht nur auf Calum und John, sondern versucht auch den übrigen Figuren mehr Leben einzuhauchen. Das gelingt ihr bei Calums Söhnen sehr gut, da diese eine größere Rolle einnehmen. Auch Diane lernt man besser kennen, ebenso Robin und Brian. Leider fällt dafür Julie fast vollständig weg, ebenso bleibt John dieses Mal verhältnismäßig blass, da er erst zum Ende hin wirklich aktiv werden darf. Das ist ein bisschen schade, doch da man die übrigen Charaktere dafür umso besser kennenlernt, fällt es nicht weiter ins Gewicht. Außerdem hatte er in „Männerbande“ den stärkeren Part, da der erste Teil vorwiegend aus seiner Sicht erzählt wurde und sein Leben beleuchtet hat. Einzig zu Robin würde man gerne mehr erfahren, da sein Schicksal weitestgehend offen bleibt.

Stilistisch kann Sylvia Pranga durchweg überzeugen. Sie hat einen soliden, flüssigen Schreibstil, der dafür sorgt, dass man das Buch problemfrei binnen weniger Tage lesen kann. Der Leser kann sich problemfrei mit den Figuren identifizieren, aus deren Sicht die Ereignisse geschildert sind. Schön ist, dass sich die Autorin Zeit nimmt und auch die vielen kleinen Randthemen beleuchtet, die (in diesem Fall) Calums Leben ausmachen: die laufende Scheidung, seine Probleme mit Diane, die Sorgen seiner Söhne). Es ist schön, dass man dieses Mal ein wenig mehr über den Mann erfährt, der in Band 1 lediglich als Love Interest des Hauptcharakters daherkommt. Das rundet die Geschichte positiv ab.

Fazit:
„Männerbündnis“ ist eine schöne Fortsetzung von Sylvia Prangas „Männerbande“, die sich Fans des ersten Teils nicht entgehen lassen sollten. Die Geschichte wirkt an einigen Stellen  zwar ein wenig an den Haaren herbeigezogen, ist jedoch spannender und actionreicher. Auch ihr Schreibstil kann überzeugen – es macht Spaß den Roman zu lesen, zumal man mehr über die Nebenfiguren erfährt und Calum einen größeren Part in der Handlung einnimmt. Wer „Männerbande“ mochte, sollte einen Blick in die Fortsetzung riskieren – sie ist zwar ein wenig schwächer als der erste Teil, lohnt sich aber.

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[ANKÜNDIGUNG] Special Week: Tanja Meurer

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Die letzte Special Week liegt eine Weile zurück – was vor allem am Bloggeburtstag lag. Dennoch wird es Zeit einen neuen Autoren vorzustellen – die Wahl fiel dieses Mal auf meine Frau Tanja Meurer, die inzwischen mehrere Veröffentlichungen vorweisen kann, die zur thematischen Ausrichtung des Blogs passen. Ich freue mich schon sehr auf das Special kommende Woche und hoffe, ihr seid ebenso gespannt wie ich. Angekündigt wurde die Special Week ja bereits während des Bloggeburtstages, lediglich der Zitate-Freitag fehlte in der damaligen Ankündigung.

Hier die einzelnen Stationen der Special Week:

02.05. Rezension: “9 mm – Schweiß und Blut”
03.05. Rezension: “Die Seelenlosen”
04.05. Charakterinterview Gwenael und Jaleel
05.05. Rezension: “Rauhnacht”
06.05. Zitate-Freitag „Die Seelenlosen“
07.05. Interview Tanja Meurer
08.05. Gewinnspiel – Leserinterview

Tanja und ich freuen uns auf die Special Week mit euch und wünschen schon jetzt viel Vergnügen 🙂

[ROMAN] Haus aus Kupfer von Jobst Mahrenholz


Autor: Jobst Mahrenholz
Taschenbuch:  244 Seiten
ISBN: 978-3-945934-78-4
Preis: 4,99 EUR (eBook) |11,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Nach dem Tod des großen Lu trifft die Großfamilie Pedetti im Stammsitz des italienischen Clans ein, um sich gebührend vom ehemaligen Familienoberhaupt zu verabschieden. Giacomo trifft der Verlust seines Großvaters am meisten, stand er Lu doch näher als manch anderer. Dennoch freut er sich auf das Wiedersehen mit seiner Cousine Felia, mit der ihn eine Menge verbindet. Zu aller Überraschung taucht jedoch (gegen den Willen seiner Eltern) Felice auf, denn Felia hat sich dazu entschieden fortan als Mann zu leben und sich einer entsprechenden Hormonbehandlung zu unterziehen. Während in der konservativen Familie Chaos ausbricht und Felices Entscheidung diskutiert wird, ist Giacomo neben den Hausangestellten der Pedettis der Einzige, der Felice so akzeptiert wie er ist. Schnell kommen sich die beiden näher und nicht nur Felice entwickelt sich während der Beerdigung weiter, auch Giacomo wird im Laufe der Zeit erwachsener, insbesondere als er sich seiner Gefühle gegenüber Felice im Klaren wird.

Eigene Meinung:
Der Roman „Haus aus Kupfer“ stammt aus der Feder von Jobst Mahrenholz und erschien 2016 im deadsoft Verlag. Erstmals wagt sich der Autor an ein Trans-Thema heran und bietet dem Leser einen sehr eindringlichen, tiefgründigen Einblick in das Thema Transsexualität. Leser der Reihe „Il Gusto di Lauro“ werden in Giacomo den Nebencharakter Jack wiedererkennen – „Haus aus Kupfer“ spielt jedoch einige Jahre vor den Büchern um Luca Lauro.

Einmal mehr präsentiert Jobst Mahrenholz einen sehr eindringlichen, tiefgängigen Roman, der ein sensibles, nur selten beachtetes Thema aufgreift – Transsexualität. Sehr eindrucksvoll und in sich stimmig erzählt er von Felices Problemen, sowohl innerhalb seiner Familie, als auch mit sich selbst. Giacomo, als zweiter Erzähler, sorgt auf seine Art für passenden Ausgleich, denn er akzeptiert Felice nicht nur, er verliebt sich auch in ihn. Dadurch gibt es zusätzliche Spannungen zwischen die Figuren, wenngleich die beiden mit ihrer Beziehung nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Neben den Problemen, die mit Felices Entscheidung einhergehen, sorgt auch Lus Tod für Zündstoff innerhalb der Familie – die Frage nach dem Nachfolger der Kupfer-Dynastie, mit denen die Pedettis reich geworden sind, die verschiedenen Machtkämpfe und Streitigkeiten, um sich einen möglichst guten Platz innerhalb des Unternehmens zu sichern. Dazu kommen die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die für fünf Tage aufeinandertreffen – denn mehr Zeit beleuchtet Jobst Mahrenholz in seinem Roman „Haus aus Kupfer“ nicht. Das ist auch nicht notwendig, denn in dieser kurzen Zeit gelingt es ihm ein klassisches Familiendrama aufs Papier zu bringen und jeder Figur gerecht zu werden.

Die Charaktere sind, wie bei Jobst Mahrenholz nicht anders zu erwarten, tiefgründig, authentisch und liebevoll ausgearbeitet. Das ist auch notwendig, da die Geschichte vollkommen von den Figuren getragen wird, allen voran Giacomo und Felice, aus deren Sicht „Haus aus Kupfer“ erzählt wird. Man merkt, dass sich der Autor ausführlich mit der Thematik Transsexualität beschäftigt hat, denn gerade Felice ist sehr gut in Szene gesetzt. Man kann seine Sorgen, Ängste und Probleme nachvollziehen und sich leicht mit ihm identifizieren. Auch Giacomo gewinnt mit seiner offenen, unvoreingenommenen und direkten Art schnell die Herzen der Leser. Es macht Spaß ihn zu beobachten und die Familie durch seine Augen kennenzulernen.
Auch die Nebenfiguren wirken lebendig und handeln in sich schlüssig. Jeder Charakter hat seine eigenen Sorgen und Probleme, Ecken und Kanten. Sie sind nicht nur bloße Staffage um Giacomo und Felice, sondern reale Persönlichkeiten, die ihre Meinung haben und diese vertreten – seien es Felices Eltern, die um ihr Ansehen bangen, Ettore, der seinem Bruder Giacomo vor allem Hass entgegenbringt oder die schroffe Zita, die ihr eigenes Päckchen zu tragen hat. Jobst Mahrenholz beleuchtet auch die übrigen Pedettis, gibt ihnen Platz sich zu entwickeln und ihre Meinung zu äußern. Der Leser lernt den Familienclan, nebst interner Probleme sehr gut kennen und begleitet nicht nur Felice und Giacomo dabei, wie sie über sich hinauswachsen.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Jobst Mahrenholz hat einen fesselnden, eindringlichen Stil, der den Leser zu Herzen geht. Man kann sich gut mit den Charakteren identifizieren, erlebt an Giacomos Seite die Beerdigung des großen Lus und die großen und kleinen Familiendramen. Zu Beginn mag das Springen in Giacomos Kindheit ein wenig verwirren, ebenso die vielen Figuren, die im ersten Kapitel auftauchen, doch daran gewöhnt man sich schnell. Alles in allem ist Jobst Mahrenholz einmal mehr über sich hinausgewachsen und legt ein ungemein berührendes Buch vor, das zum Nachdenken anregt und noch lange nachhängt.

Fazit:
„Haus aus Kupfer“ ist ein wundervoller, authentischer und sehr eindringlicher Coming-of-Age- Roman über das Thema Transsexualität und die damit einhergehenden Familienprobleme, erste Liebe und das Sich-Selbst-Finden. Mit beeindruckenden Worten präsentiert Jobst Mahrenholz seine Figuren und lässt die Familie Pedetti lebendig werden. Wer realistische Romane liebt sollte sich „Haus aus Kupfer“ nicht entgehen lassen, ebenso sollten Fans von Jack aus „Il gusto di Lauro“ zugreifen – es macht einfach Spaß Jacks Vergangenheit kennenzulernen. Sehr zu empfehlen.

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[ZITATE-FREITAG] Mami, warum sind hier nur Männer

Hallo ihr Lieben,

da ich heute Abend bei der Lesung von Volker Surmann aus „Mami, warum sind hier nur Männer“ in Mainz (QUEER gelesen) dabei sein werde, ist es irgendwie logisch, das ich mir dieses Buch für den heutigen Zitate-Freitag ausgesucht habe. Da das Buch ungemein lustig ist und von Situationskomik lebt, fiel es mir echt schwer, passende Zitate rauszusuchen, denn im Grunde könnte man das halbe Buch zitieren, so amüsant ist Volker Surmanns Roman. Ich hoffe euch gefällt meine Auswahl und ihr seid ein bisschen neugierig, auf Helmer, Ilka, Olga und die Kids 🙂

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meine Rezension

Ich hasse Schwule. Ich dachte, bevor Sie das hier als irgendein emotionales Toleranzgeschwafel missdeuten, stell ich das lieber klar. Schwule gehören zu den nervtötendsten Zeitgenossen unter der Sonne. Ich weiß das, ich betreibe ein Gay-Resort auf Sardinien.

Als Gott überlegte, welche Kreaturen er nach Schlange, Schwan und Schweinchen noch so schöpfen konnte, hat er die Schwulen geschöpft. Er wird sich etwas dabei gedacht haben. Die Wege des Herrn sind unergründlich, die Wege der Herren indessen äußerst vorhersehbar.

„Mami, warum sind hier nur Männer“, S. 5 (c) Volker Surmann / Goldmann Verlag

„Ich bin Teenager“, beharrte Thea.

„Ach nee?“, blaffte ich sie an. „Weil du neulich stolze eleventeen geworden bist?“

Superschwüppi schnappte derweil ein paar Mal nach Luft, fing sich wieder und zischte uns zu: „Check-out ist um elf“, und machte die Biege. Beim Wörtchen „Check-out“ atmeten ein paar Männer im Raum hörbar auf.

Draußen vorm Speisesaal sah ich Schwüppi aufgeregt mit seinem Chef gestikulieren. Hatte was von Ausdruckstanz. Gerade mimte er einen sterbenden Schwan, der von einem Wolf zerfleischt wurde.

„Mami, warum sind hier nur Männer“, S. 21 (c) Volker Surmann / Goldmann Verlag

Boris wimmerte. Wobei man nicht wusste, ob es wegen der Stacheln war oder weil Raphael neben ihm zeterte wie ein zorniger Racheengel. „Kannst du nicht wenigstens mal im Urlaub deinen Schwengel bei dir behalten?“, fauchte er seinen Lover an. „Hätte ich mir ja denken können! Wir hatten eine Abmachung! Offene Beziehung hin oder her, aber im Urlaub möchte ich dich exklusiv! Nur wir beide und Shirley!“

Zum Glück konzentrierte Andreas sich voll und ganz auf Boris‘ Kaktusrücken, ansonsten hätte er mein schadenfrohes Grinsen sicher gesehen und laut losgeprustet.

„Mami, warum sind hier nur Männer“, S. 49 (c) Volker Surmann / Goldmann Verlag

Ein Geräusch lenkte mich ab. Es war eine Art Brummen, das der Seewind zu uns auf die Terrasse trug.

„Hören Sie das auch?“

Es klang nicht unheilvoll, aber ich konnte es nicht zuordnen. Es war, als wenn ein Schwarm übergewichtiger Hummeln sich auf einen gemeinsamen Ton einigte … Kammerton A. Dann wehte Melodiefetzen zu uns rüber.

„Was ist das?“, fragte ich.

„Ach, fragen Sie mich nicht“, seufzte Helmer und schaute auf seine Uhr, als könnte die eine Erklärung liefern.

„Mami, warum sind hier nur Männer“, S. 58-59 (c) Volker Surmann / Goldmann Verlag

Der Zeitpunkt, ab wann Felix dem, nennen wir es mal Liebesspiel beiwohnte, ließ sich perfekt rekonstruieren. Als erstes schaltete er nämlich das Neonlicht an.

„Und was habt ihr gemacht?“

„Wir haben uns erschreckt!“, berichtete Ruben. „Thijs ist hochgesprungen!“

„Ik denk, ich hab sogar geschrien … eein betje.“

„Die entscheidende Frage stellte Helmer: „Und Felix? Was hat er gesagt?“

„De Jongen?“, sagte Ruben. „Der hat gefragt; ‚Gibt’s hier auch Lego?‘“

„Mami, warum sind hier nur Männer“, S. 131 (c) Volker Surmann / Goldmann Verlag

O shit!

Irgendwann lernt man „Mami!“-Rufe zu differenzieren. Mami-guck-mal, Mami-Drama, Mami-hilf!, Mami-ich-hab-was-Schimmes-gemacht-trau-mich-aber-nicht-es-zu-sagen, Mami-nerv und so weiter. Obwohl Mami-nerv kann jedes „Mami!“ sein.

In diesem Moment wurde die Mami jedoch knallrot, da Felix ausgerechnet mitten in ihre Masturbationsfantasie hineinstolperte.

„Mami, warum sind hier nur Männer“, S. 139 (c) Volker Surmann / Goldmann Verlag

Olga wandte sich an Felix und Thea. „Und nächstes Mal, liebe Kinder, erkläre ich euch den Unterschied zwischen Twinks, Hunks, Bears und Chasern.“

„Schluss jetzt!“, befahl Helmer energisch.

„Jetzt will ich’s aber wissen“, forderte ich. Obwohl mir allmählich die Ohren schlackerten, wenn Olga loslegte, hatte ich Spaß an diesen Debatten. „Vorausgesetzt die Antwort ist jugendfrei.“

„Ist sie nicht“, warf Helmer ein. Olga hörte nicht auf ihn.

„Mami, warum sind hier nur Männer“, S. 212 (c) Volker Surmann / Goldmann Verlag

Soweit von mir – nächstes Woche steht „Maurice“ von E.M. Foster auf dem Programm, ein Wunsch von Tanja. Seid gespannt.

Liebe Grüße,
Juliane

[ANKÜNDIGUNG] QUEER gelesen 2016

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es keine neue Rezension, da ich noch einmal auf ein Projekt von mir hinweisen möchte, das ich bereits während des Bloggeburtstages erwähnt habe: QUEER gelesen. Morgen ist es soweit: das schwullesbische Lesefestival startet und bietet ein tolles, vielfältiges Programm, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet, wenn ihr aus der näheren Umgebung kommt.

(c) Volker Surmann

Neben bekannten Schriftstellern wie dem mehrfach ausgezeichneten T.A. Wegberg, der im Gay-Romance-Bereich bekannten Chris P. Rolls und Judith Hüller, deren witzige lesbische Romane im Carlsen Verlag erschienen sind, stellen auch Autoren aus dem Rhein-Main-Gebiet ihre aktuellen Bücher vor. Zu Gast sind unter anderem Tanja Meurer, die aus ihrem neuen Fantasy-Roman „Die Seelenlosen“ lesen wird, und Nino Delia, die ihr lesbisches Märchen „Als die Mädchen zu Wölfen wurden“ vorstellen wird. Die Zuhörer erwartet eine bunte Mischung aus humorvollen und dramatischen Alltagsgeschichten, fantastischen und märchenhaften Stoffen, Thrillern und Krimis.

Zur Auftaktveranstaltung am Freitag, 22. April, konnten die Organisatoren den Berliner Autor und Kabarettisten Volker Surmann gewinnen, der ab 20 Uhr in der „Bar jeder Sicht“ aus seinem Roman „Mami, warum sind hier nur Männer?“ lesen wird. Das vollständige Programm ist im Internet unter www.queer-gelesen.de zu finden.

Unterstützt wird das Festival von verschiedenen Verlagen, der Bar jeder Sicht und dem CSD Wiesbaden. Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei, Spenden sind jedoch gern gesehen.

Veranstaltungsort:
Bar jeder Sicht
Hintere Bleiche 29
55116 Mainz

Schaut einfach mal in das Programm auf der Homepage des Lesefestivals rein, oder blättert durch das Programmheft –  wir freuen uns auf euch.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Der Liebhaber meines Mannes von Bethan Robert


Autor: Bethan Robert
Taschenbuch:  368 Seiten
ISBN: 978-3-453-35780-8
Preis: 8,99 EUR (eBook) | 8,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Es ist der glücklichste Tag in Marions Leben, als der Bruder ihrer besten Freundin ihr endlich einen Heiratsantrag macht. Seit Jahren ist sie in Tom verliebt, ignoriert sowohl seine kühle Zurückhaltung, als auch die Tatsache, dass der junge Polizist seine Zeit am liebsten mit Patrick Hazlewood verbringt – einem intelligenten und freundlichen Museumskurator, mit dem sich auch Marion angefreundet hat. Obwohl sie ihr bestes tut, das Offensichtliche zu ignorieren, kann sie den Verdacht nicht abschütteln, dass Tom und Patrick mehr verbindet als bloße Freundschaft. Als die beiden Männer zusammen nach Venedig reisen, trifft Marion eine folgenschwere Entscheidung …

Eigene Meinung:
Bethan Roberts‘ „Der Liebhaber meines Mannes“ erschien erstmals 2012 und wurde stark von E.M. Fosters Leben und seiner Freundschaft zu einem verheirateten Polizisten inspiriert. Der Roman gewann mehrere Preise und kam 2013 beim Kunstmann Verlag auf den deutschen Markt. Es ist der dritte Roman aus ihrer Feder.

Die Handlung spielt sich auf zwei Zeitebenen ab – zum einen in den 50er Jahren, zu einer Zeit, in der Homosexualität in Groß-Britannien noch strafbar war, zum anderen Ende des 20. Jahrhunderts. Man lernt die Lehrerin Marion kennen, deren große Liebe aus Jugendtagen in Erfüllung geht, als Tom ihr einen Heiratsantrag macht. Dass ihre Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, will sie nur schwer akzeptieren, denn Tom ist in Patrick Hazlewood verliebt – was von diesem ebenso innig erwidert wird. Aufgrund der gesellschaftlichen Konventionen ist es jedoch für beide Männer undenkbar, gemeinsam glücklich zu werden und ihre Treffen und Zusammenkünfte zwingen sie zu großer Vorsicht und Heimlichkeit. Als Marion nach und nach erkennen muss, was vor ihrer Nase geschieht, entscheidet sie sich zu einem Schritt, der nicht nur Patricks Leben zerstört, sondern auch ihr eigenes.
Erst dreißig Jahre später sieht sie eine Möglichkeit, ihren Fehler wieder gutzumachen. Sie stöbert Patrick auf, der aufgrund mehrerer Schlaganfälle gelähmt und ein Pflegefall geworden ist und nimmt ihn zu sich und ihrem Mann Tom. Doch beide Männer schweigen – Patrick kann nicht mehr sprechen, für Tom kommt eine Aussprache zu spät. Er zieht sich gänzlich zurück, was Marion in die Zwangslage versetzt, sich um Patrick zu kümmern. Für sie wird es zu einer späten Lebensaufgabe, die Männer, die sie einst trennte, wieder zu vereinen.

Bethan Roberts ist ein sehr authentischer, sensibler Roman geglückt, der in ruhigen Bahnen verläuft und vorwiegend durch die unterschiedlichen, sehr realistischen Figuren lebt – Marion ist eine stille, unterwürfige Frau, die selten aus dem Schatten anderer hervortritt und sich wirklich für eine Sache einsetzt. Sie entspricht ganz dem Frauenbild der 50er Jahre und weiß dementsprechend nicht, wie sie auf Toms „Andersartigkeit“ reagieren soll. Tom selbst wirkt innerlich zerrissen – zum einen ist er Polizist, was seiner geheimen, illegalen Beziehung zu Patrick eine gewisse Explosionskraft verleiht, zum anderen liebt er Patrick. Dennoch versucht er ein Bild aufrecht zu erhalten, das von der Allgemeinheit akzeptiert wird, ohne gänzlich von Patrick zu lassen. Dieser Zwiespalt zerstört ihn systematisch. Als dritter im Bunde wirkt Patrick in vielfacher Hinsicht fremdartig, was daran liegt, dass er gebildeter und wohlhabender daherkommt. Er kommt aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht als Tom und lebt seine Homosexualität zwar nicht offen aus, aber mit einem gewissen Stolz.
Die Dreiecksbeziehung zwischen Marion, Tom und Patrick ist sehr gut umgesetzt und passt zum zeitlichen Hintergrund. Bethan Roberts ist ein beeindruckendes Zeitportrait gelungen, das den Leser berührt und dafür sorgt, dass man mit den Figuren mitleidet.

Die Geschichte wird sowohl aus Marions Sicht, als auch aus Patricks erzählt. Dabei ist besonders Marions Perspektive ungewöhnlich, denn sie richtet sich mit ihren Worten direkt an Patrick (in der zweiten Person), immerhin schreibt sie ihre Version auf, als sie diesen pflegt. Im Gegenzug dazu ist Patricks Sichtweise in Tagebuchform gehalten und spielt damit direkt in den 50er Jahren. Die beiden wechseln sich ab, was dem Roman eine gewisse Dreidimensionalität verleiht und dafür sorgt, dass man beide sehr gut nachvollziehen und verstehen kann. Die Autorin zeigt, dass beide Protagonisten vor allem ihre Liebe zu Tom eint. Dieser bleibt als einziger ohne Stimme und ist dadurch ein wenig diffus und geheimnisvoll – man weiß nicht genau, was Toms Gedanken sind und wie er die Ereignisse erlebt hat. Stattdessen lernt man ihn nur durch Marions und Patricks Augen kennen, die ihn zum Objekt ihrer Liebe machen. Einzig die Tatsache, dass Tom dadurch mitunter sehr kalt wirkt – sowohl gegenüber Marion als auch Patrick, stört beim Lesen etwas. Es gelingt Bethan Roberts nicht ganz die Gefühle der Figuren zu transportieren. Auch vermisst man unweigerlich die dreißig Jahre und fragt sich, was die Charaktere in dieser Zeit gemacht haben.

Fazit:
„Der Liebhaber meines Mannes“ ist ein sensibler, authentischer und nachdenklich stimmender Roman, der durch eine tolle Sprache, nachvollziehbare Charaktere und ein sehr gelungenes Zeitpanorama der 50er Jahre besticht. Wer ruhigere, ernstere Themen bevorzugt und nicht unbedingt ein kitschiges Happy End braucht, sollte sich Bethan Roberts‘ „Der Liebhaber meines Mannes“ nicht entgehen lassen. Bis auf kleinere Abzüge ist es ein beeindruckendes Werk, das lange nachhallt. Zu empfehlen.

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[BLOGGEBURTSTAG] Auswertung Gewinnspiele

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Hallo ihr Lieben,

es wird Zeit die 13 Buchpakete an den Mann bzw. die Frau zu bringen, die e sim Rahmen des Bloggeburtstags zu gewinnen gab. Insgesamt gab es 41 (!!) Bücher zu gewinnen, die mir von diversen Verlagen gesponsert wurden. Aus diesem Grund wurden die Pakete an 2 Tagen verlost – am 13.03.2016 und am 29.03.2016. Insgesamt haben über 40 Leute mitgemacht – ich bedanke mich für die vielen Teilnehmer und die lieben Kommentare. Letztendlich hat der Zufallsgenerator über die Gewinner entschieden.

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Gewinnspiel 13.03.216

  • Paket 1 – Jessy
  • Paket 2 – Alexandra Bergmann
  • Paket 3 – Sarah
  • Paket 4 – Jenny
  • Paket 5 – Annika Faiss

Gewinnspiel 29.03.2016

  • Paket 1 – samenature
  • Paket 2 – Ines Heindl-Beck
  • Paket 3 – Brigitte Böhm
  • Paket 4 – Kumo Maaß
  • Paket 5 – kittys411
  • Paket 6 – Jenny Siebentaler
  • Paket 7 – Angelika
  • Paket 8 – Gerd Duerner

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner!
Diejenigen, die dieses Mal leider kein Glück hatten, sollten meinen Blog im Auge behalten – schon im Mai findet die nächste Special Week mit Tanja Meurer statt, bei der am letzten Tag wie immer Bücher verlost werden.

Bitte meldet euch via Mail mit eurer Anschrift bei mir. Aufgrund des schwullesbischen Lesefestivals QUEER gelesen, das ich organisiere, werde ich erst Anfang Mai dazu kommen, die Pakete zu verschicken. Danke für euer Verständnis.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Paranormal Investigations – Liebe von Ally Blue

Autor: Ally Blue
Taschenbuch:  206 Seiten
ISBN: 978-3-95823-031-6
Preis: 6,49 EUR (eBook) | 8,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Sam und Bo haben es endlich geschafft – sie werden von ihren Freunden akzeptiert und leben offen ihre Liebe füreinander auf. Einzig Bos Exfrau Janine legt den beiden Männern regelmäßig Steine in den Weg, ganz besonders wenn es um die Bos Kinder Dean und Adrian geht. Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu, als in Janines Haus seltsame Dinge geschehen und Adrian erste Anzeichen einer psychokinetischen Begabung zeigt. Während Janine nichts davon wissen will, wächst Bos Sorge um seine Söhne, denn in seinem unkontrollierten Zorn ist Adrian theoretisch in der Lage, Portale zu öffnen und den schrecklichen Kreaturen den Weg zu ebnen, denen sich das Team von BCPI immer wieder stellen musste. Sam, der Adrians Begabung teilt, beginnt diesen zu unterrichten, doch Janine setzt alles daran, die Kinder endgültig von Sam und Bo zu trennen …

Eigene Meinung:
Der Roman „Liebe“ markiert das Ende der 5-bändigen „Paranormal Investigations“-Reihe von Ally Blue, wenn man von den beiden Spin-Offs absieht, die sich um Dean und Adrian drehen. Die Romane erschienen komplett im Cursed-Verlag und beenden den Zyklus um Sam und Bo.

Inhaltlich schließt „Liebe“ grob an die Ereignisse der vorherigen Bände an, liefert jedoch keinerlei Erklärungen oder Antworten auf offene Fragen. Stattdessen entwickelt Ally Blue eine eigenständige Geschichte, verknüpft sie jedoch einmal mehr mit der altbekannten Portal-Thematik, die ebenso verworren und diffus bleibt, wie in den letzten Romanen. Es ist sehr schade, dass auch der Finalband der „Paranormal Investigations“- Reihe keine offenen Punkte zum Abschluss bringt und stattdessen einen lauwarmen Aufguss der üblichen Handlungselemente nebst Höhepunkten bietet. Einziger Pluspunkt: Sam und Bo reden endlich offen miteinander (wer Band 4 gelesen hat, weiß, wie enervierend es ist, wenn die Figuren ihr Wissen für sich behalten) und es kommt erstaunlich wenig Sex vor. Während die letzten beiden Bände vor Erotik nur so strotzten, fallen Sam und Bo in „Liebe“ nur wenige Male übereinander her. Das kommt der Handlung zugute, denn Ally Blue konzentriert sich mehr auf Adrian und dessen Probleme, ebenso die Sorgerechtsstreitigkeiten zwischen Janine und Bo. Dennoch kommt die Geschichte nicht wirklich in Fahrt – die Handlung tröpfelt vor sich hin, Spannung fehlt zumeist und das Ende wirkt dermaßen überstürzt (und kitschig), dass man das Buch leider nur frustriert beiseitelegen kann. Wer hofft, dass die Autorin endlich an Band 2 anknüpft und mehr zu den Portalen verrät, wird automatisch enttäuscht – Ally Blue scheint sich keine Gedanken über das Thema gemacht zu haben.

Charakterlich bekommt der Leser die üblichen Stereotypen präsentiert – Sam ist ein ziemliches Weichei, was vor allem daran liegt, dass er oftmals zugunsten Bos auf seine eigene Meinung zu verzichten scheint und sich mit Vorliebe hinter die Schusslinie zurückzieht; mit seinem Partner Bo wird man nur langsam warm, da er trotz aller Vorzüge recht arrogant und egoistisch daherkommt. Am schlimmsten ist jedoch Janine, die das weibliche Hassbild in einem Gay Romance Roman ist – gemein, überheblich, boshaft. Sie scheint kaum positive Eigenschaften zu haben, erst am Ende taut sie ein wenig auf, was jedoch aufgesetzt und nicht realistisch wirkt. Adrian ist im Gegenzug dazu eigentlich ganz sympathisch, wäre er nicht so perfekt! Er scheint binnen weniger Wochen das zu meistern, was Sam erst nach Monaten, wenn nicht Jahren hinbekommen hat, ist superintelligent und wirkt sehr erwachsen. Das geht dem Leser mit der Zeit doch auf den Nerv, da er gar nicht wie ein normales Kind wirkt (von seinen Ausbrüchen einmal angesehen).

Das größte Manko ist jedoch die deutsche Übersetzung – ich weiß nicht, ob am letzten Band eine andere Übersetzerin saß, doch die Geschichte liest sich noch hölzerner und stockender, als zuvor. Man hat viele Probleme mit Ally Blues Stil, einige Sätze wirken, als seien sie 1:1 vom englischen ins deutsche übernommen worden, ohne sich über Sprachrhythmus und sprachliche Eigenheiten Gedanken zu machen. Es liest sich einfach unrund, was man besonders bei langen Sätzen merkt – die holpern extrem und machen teilweise überhaupt keinen Sinn.

Fazit:
Leider kann auch der letzte Band von „Paranormal Investigations“ nicht überzeugen, was zum einen an der langweiligen, vorhersehbaren Geschichte, zum anderen an der wirklich holprigen, unprofessionellen Übersetzung liegt. Weder kann man sich in die Charaktere hineinversetzen, noch bekommt man endlich Antworten zur Portalfrage geliefert – ein schwaches Finale, das nur in einer Sache punkten kann: Ally Blue verzichtet auf übermäßige Sexszenen. Schade, um die interessante Idee und den ursprünglichen Paranormal-Ansatz (von dem man ab Band 3 nur noch wenig mitbekommt). Wie gut, dass es vorbei ist …

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