Archiv für den Monat Februar 2016

[ROMAN] Nur drei Worte von Becky Albertalli

Autor: Becky Albertalli
Taschenbuch:  320 Seiten
ISBN: 978-3551556097
Preis: 11,99 EUR (eBook) | 16,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Story:
Seit Monaten tauscht sich Simon via Mail mit dem geheimnisvollen Blue aus, von dem er nur weiß, dass er an seine Schule geht und ebenfalls schwul ist. So schreiben sie sich nicht nur die intimsten Dinge, Simon entwickelt auch Gefühle für seinen mysteriösen Gesprächspartner, der ihn besser versteht als jeder andere. All das droht zu enden, als eines Tages Simons Mitschüler Martin per Zufall über den Mailverkehr stolpert und die Gelegenheit ergreift Simon zu erpressen. Martin hat nämlich ein Auge auf Abby geworfen, die mit Simon befreundet ist. Notgedrungen lässt dieser sich darauf ein, doch als die Verkupplungsversuche scheitern, geht Martin mit seinem Wissen auf unschöne Art und Weise an die Öffentlichkeit. Plötzlich ist Simon nicht nur geoutet und darf sich mit seinen Freunden, seiner Familie und seinen Mitschülern herumschlagen, er will auch endlich Blue kennenlernen, in den er sich verliebt hat …

Eigene Meinung:
Mit „Nur drei Worte“ veröffentlicht Carlsen das beliebte Jugendbuch „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli, die als Psychologin mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeitet und mehrere Jahre eine Gruppe für Kinder mit abweichender Gender-Identität geleitet hat. „Nur drei Worte“ ist das Debüt der Autorin.

Die Geschichte dreht sich vollkommen um Simon und seine kleineren und größeren Probleme. Das umfasst Simons schulischen Alltag, seinen Freundeskreis, seine Familie und natürlich den Mailverkehr mit Blue, der ein zentrales Handlungselement ist. Becky Albertalli gelingt es schon auf den ersten Seiten zu fesseln, da sie sehr authentische, sympathische Charaktere entwirft. Man kann sich sehr schnell mit Simon identifizieren, der nicht geoutet ist und ausgerechnet von dem nerdigen Martin unter Druck gesetzt wird. Die Tatsache, dass er mit der Zeit Gefühle für Blue entwickelt, hat einen besonderen Reiz, da sich Simon nicht in Äußerlichkeiten verliebt, sondern seinen Gesprächspartner auf einer vollkommen anderen Ebene kennenlernt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Mails immer intimer und direkter werden, denn auch Blue scheint an Simon interessiert zu sein, wenngleich er ein Treffen stets ablehnt.
Neben dem Mailverkehr, spielt auch Simons erzwungenes Coming-Out eine große Rolle, denn natürlich ist es interessant, wie seine Familie und seine Freunde darauf reagieren. Hier gelingt es Becky Albertalli einmal mehr die einzelnen Charaktere sehr realistisch und nachvollziehbar in Szene zu setzen: seien es Simons Eltern und Schwestern, seine Freunde Leah, Abby und Nick: sie reagieren teils witzig, teils überrascht, aber niemals wirklich aufgesetzt. Auch webt Becky Albertalli aktuelle Probleme und Jugendthemen in die Geschichte ein, beispielsweise Facebook, WhatsApp und die damit verbundenen Probleme, denn Simon wird via Tumblr geoutet.

Positiv ist auch, dass sich Becky Albertalli nicht nur auf die LGBT-Komponente stürzt, sondern auch allgemeine Dinge anschneidet, die für Simon eine Rolle spielen: seine Freunde, allen voran Leah, die sich teilweise von ihm zurückzieht, Abby, die neu in die Stadt gezogen ist und als Schwarze in einer anderen Gegend wohnt und Nick, der einerseits von Leah angehimmelt wird, aber selbst in Abby verliebt ist. Es ist angenehm, dass es nicht nur um Simon geht, sondern auch die vielen anderen Charaktere beleuchtet werden. Das macht „Nur drei Worte“ so mitreißend und sorgt dafür, dass man sich mit den vielen Figuren identifizieren kann. Das trifft auch auf Charaktere wie Martin zu, denn selbst wenn er derjenige ist, der Simon erpresst, so ist er doch sympathisch, sobald man ihn näher kennenlernt.

Stilistisch legt Becky Albertalli ein wundervolles Coming-of-Age Jugendbuch vor, das den Nerv der jugendlichen Leser trifft. Sie hat eine sehr schöne, schlichte Sprache, die sich gut lesen lässt und die gewählte Ich-Perspektive sorgt dafür, dass man sich sehr gut mit dem Helden identifizieren kann. Die Kapitel wechseln zwischen Simons Leben und den chaotischen Ereignissen, und dem Mailverkehr mit Blue. Letzterer ist sehr schön umgesetzt, da er weder kitschig noch aufgesetzt wirkt, sondern einfach nur zu zwei 17-jährigen Jungs passt, die sich auf diese Art näherkommen.

Fazit:
„Nur drei Worte“ ist ein wundervoller, sehr authentischer Coming-of-Age Roman, der durch realistische Charaktere und eine stilistisch ansprechende Umsetzung besticht. Becky Albertallis Debüt bietet inhaltlich zwar nichts Neues, doch das stört nicht, da man mit den Charakteren mitfiebern kann und gerade Simon schnell ins Herz schließt. Wer Jugendbücher mag, sollte einen Blick riskieren, ebenso Jugendliche ab 14, die offen für das Thema LGBT sind. Sehr zu empfehlen.

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[BLOGTOUR] Sunford – Homosexualität um 1900

Blogtour

Heute macht die Blogtour zu „Sunford – Verführung eines Gentleman“ endlich Station bei mir. Ich darf mich mit dem faszinierenden Thema „Homosexualität um 1900“ beschäftigen. Natürlich ließen sich damit mehrere Bücher füllen (hat man übrigens auch getan – „Das andere Berlin“ beispielsweise), dennoch will ich wenigstens einen kleinen Einblick in die Thematik geben. Aufgrund der Tatsache, dass „Sunford“ ein schwuler, historischer Roman ist, konzentriere ich mich vorwiegend auf die männliche Homosexualität – die lesbische Geschichte um 1900 ist einen eigenen Artikel wert 😉

England:
Bereits im 16. Jahrhundert stand in England die Todesstrafe auf Sodomie (in diesem Fall analer Geschlechtsverkehr zwischen zwei Männern), festgeschrieben durch den 1533 geschlossenen Buggery Act. Erst 1871 wurde die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe Coupleumgewandelt, das Gesetz an sich jedoch selten angewandt, da sich Sodomie nur schwer nachweisen ließ.
Im Jahr 1885 wurde der Criminal Law Amendment Act verabschiedet, der Mädchen und Frauen vor Prostitution und Bordellen schützen sollte. Der von Henry Labouchere kurzfristig eingereichte Artikel 11 stellte jedoch alle homosexuellen Akte (gross indecency – grobe Unzucht) zwischen Männern (auch der Versuch solcher Handlungen) unter Strafe. Das Strafmaß belief sich auf zwei Jahre Zuchthaus (mit oder ohne Zwangsarbeit). Die recht schwammige Formulierung „gross indecency“ sorgte dafür, dass jegliches homosexuelles Verhalten unter Strafe gestellt wurde, selbst wenn kein analer Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte.

Der erste große Skandal, der im später 19. Jahrhundert die englische Bevölkerung erschütterte, war der Cleveland-Street-Skandal, bei dem 1889 ein Bordell für Männer in der Cleveland Street in London entdeckt wurde. Da sexuelle Handlungen zwischen Männern verboten waren, drohte den Kunden nicht nur eine strafrechtliche Verfolgung durch die Polizei, sondern auch gesellschaftliche Ächtung. Zu Beginn verliefen die Ermittlungen noch ohne die Aufmerksamkeit der Presse – die meisten Botenjungen, die in dem Bordell arbeiteten, wurde mit geringen Strafen belegt, die meisten Kunden kamen straffrei davon. Der Skandal nahm erst größere Züge an, als Ernest Perke, Herausgeber der radikalen Wochenzeitung The North London Press darüber berichtete und erstmals andeutete, dass mehrere Adelige in die Affäre verwickelt seien (darunter laut Gerüchten sogar Prinz Albert Victor, der Zweite in der britischen Thronfolge), beispielsweise der nach Südfrankreich geflohene Lord Arthur Somerset.
Wilde_BosieIm Nachhinein hatte der Skandal vor allem die Vorstellung gefördert, dass Homosexualität besonders in aristokratischen Kreisen verbreitet sei und dass Jugendliche der unteren Schichten verdorben werden.

Bereits 6 Jahre später folgte ein noch größerer Skandal – die Prozesse um Oscar Wilde. Vom Marquis of Queensberry im Juli 1985 als Sodomit bezeichnet, strebte Wilde eine Verleumdungsklage gegen den Vater seines Freundes und Liebhabers Lord Alfred Douglas an. Im folgenden Prozess wurde nicht nur der Marquis of Queensberry freigesprochen, man erhob Anklage wegen grober Unzucht gegen den britischen Autoren, als sich herausstellte, dass Wilde mit jungen Männern aus der Unterschicht sexuellen Umgang pflegte, darunter auch männlichen Prostituierten. In einem zweiten Verfahren wurde er am 25. Mai 1895 zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Nach seiner Entlassung war Wilde gesellschaftlich und gesundheitlich ruiniert und floh nach Paris, wo er am 30. November 1900 starb.

Homosexuelle Handlungen blieben in England bis 1967 strafbar, erst dann wurde der Criminal Law Amendment Act aufgehoben. Neben Oscar Wilde wurde auch der britische Mathematiker und Kryptoanalytiker Alan Turing wegen grober Unzucht verurteilt und unterzog sich einer chemischen Kastration, die ihn wahrscheinlich in den Selbstmord trieb. Erst 2013 wurde er von Elisabeth II. rehabilitiert.

Deutschland:
Auch in Deutschland standen homosexuelle Handlungen zwischen Männern seit 1872 unter Strafe, nachdem Karl Heinrich Ulrichs als einer der ersten Vorkämpfer für die Rechte der Homosexuellen ab 1865 erfolglos gegen den §175 vorgegangen war. Unter Strafe standen widernatürliche Handlungen, die mit Gefängnis oder der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte geahndet wurden. In den folgenden Jahrzehnten kämpften unterschiedliche Mediziner (u.a. Magnus Hirschfeld, Arzt und Gründer des Wissenschaftlich-humanitäres Komitees) und Politiker gegen den §175. Mehrere Skandale, wie die Harden-Eulenburg-Affäre, bei der prominente Mitglieder des Kabinetts von Kaiser Wilhelm II. zwischen 1907-1909 vor Gericht standen, brachten jegliche Aktionen gegen den Unzuchts-Paragraphen jedoch zum Scheitern. Auch die Taten homosexueller Serienmörder wie Fritz Haarmann und dessen Verhandlung 1924 verhinderten die Aufhebung des umstrittenen Paragraphen.

Dennoch entwickelte sich Berlin ab Mitte des 19. Jahrhunderts als wichtigste Metropole, in der Homosexuelle relativ frei und sicher leben konnten. Die Stadt wurde international bekannt und Der Eigeneunzählige Homosexuelle, die vor der Verfolgung im eigenen Land flüchteten, reisten nach Deutschland. Der bekannteste von ihnen ist der englische Schriftsteller Christopher Isherwood, der mit dem Buch „Leb wohl Berlin“ seine Erlebnisse in Berlin niederschrieb. Es existierten nicht nur mehrere Bars, Clubs und Treffpunkte, die teilweise sogar von der Polizei geschützt und überwacht wurden (im Eldorado in der Motzstraße trafen sich Transvestiten, Transsexuelle und voyeuristische Touristen, Mediziner und Journalisten, die von der Polizei begleitet wurden), sondern auch mehrere Magazine, Vereinigungen und homosexuelle Organisationen, die offen für die Rechte Homosexueller kämpften. Unter Magnus Hirschfeld entstand 1919 auch der Film „Anders als die Anderen“, der erstmals Homosexualität zum Thema hatte und sie nicht in einem negativen Licht darstellte.

Erst mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten änderte sich das offene, ungezügelte Leben der Homosexuellen in Deutschland, was zur Schließung der Berliner Clubs und Bars und zur Einstellung der vielen Zeitschriften führte, die sich mit schwuler und lesbischer Liebe beschäftigten. Ab 1933 begann die systematische Verfolgung Homosexueller.

Frankreich:
Als eines der ersten Länder weltweit wurde Homosexualität in Frankreich bereits 1791 legalisiert, indem die Anti-Sodomie-Gesetze abgeschaffte wurden. Mit dem Code Napoléon 1804 und Code pénal impérial 1810 gewährte Frankreich erstmals absolute Straffreiheit gegenüber Homosexuellen, solange dabei die Rechte Dritter nicht verletzt werden. Das Gesetz wurde von französischen Enzyklopädisten und Vertreter der Aufklärung wie Voltaire, Montesquieu, Mably, Morelly und Condorcet vorangetrieben.
Gesellschaftlich waren Homosexuelle nichtsdestotrotz gesellschaftliche Außenseiter, da die gesellschaftliche Akzeptanz fehlte, doch im warVergleich zu England (und teilweise Deutschland) konnten Homosexuelle ihre Neigung relativ offen ausleben. Aus diesem Grund flüchteten mehrere Homosexuelle aus England nach Frankreich (Lord Arthur Somerset, Oscar Wilde)

USA:
Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika war Homosexualität verboten und wurde bis 1873 in einigen Bundesstaaten mit dem Tod bestraft. Ansonsten drohten je nach Bundesstaat mehrjährige Haftstrafen, da jeder Staat sein eigenes Strafgesetz besaß. Dennoch bildeten sich im ausgehenden 19. Jahrhunderts erste schwule Clubs und Treffpunkte, in New York gab es mit der Bowery sogar einen schwulen Distrikt, in dem sich homosexuelle Männer im Geheimen treffen konnten. In dieser Zeit wurde für Homosexuelle auch der Begriff Fairies geprägt, da dieser zumeist sehr extravagant gekleidet waren. Nichtsdestotrotz wurden Homosexuelle verfolgt und waren zumeist gezwungen ihre Neigungen im Geheimen auszuleben. Teils lebten Männer gebildeter Gesellschaftsschichten in gleichgeschlechtlichen Freundschaften zusammen, bei Frauen prägte sich der Begriff Boston Marriage. Dies änderte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts, das Gesetz gegen sexuelle Perversionen wurde erst ab 1962 schrittweise abgeschafft.

Literatur:
Adrian Mayfield“-Trilogie (Floortje Zwigtmann)
Maurice“ (E.M. Foster)
Die Brüder“ (2. Teil der „Brückenbauer“-Reihe, Jan Guillou)
Eine Welt dazwischen“ / „In einem Leben wie diesem“ (Aline Sax)
Ein Mann aus bestem Hause“ (Anne Perry)
Das andere Berlin – Die Erfindung der Homosexualität: Eine deutsche Geschichte 1867 – 1933“ (Robert Beachy)
„Der Imoralist“, „Die Ringeltaube“ (André Gide)
Die Werke von Walt Withman
Die Werke von Karl May

Damit komme ich auch schon ans Ende meines kurzen Einblicks in das spannende Thema „Homosexualität um 1900“. Und natürlich kann man auch heute wieder ein Print-Exemplar von „Sunford“ gewinnen. Wer seine Chancen erhöhen will, sollte bei den anderen Blogtour-Teilnehmern vorbeischauen – bis zum 3. März 2016; 23.59 Uhr könnt ihr die Fragen der anderen Blogger zu den jeweiligen Themen beantworten und so eure Chancen erhöhen. Bitte denkt daran neben eurem (Nick)Namen auch eure Mailadresse zu hinterlassen. Danke.

Hier meine Frage:
Homosexualität wird heutzutage weitestgehend akzeptiert. Wie schätzt ihr die Entwicklung und den heutigen Stellenwert gleichgeschlechtlicher Liebe im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahrhunderten ein?

Hier nochmal die einzelnen Stationen:

21.2. lesenliebentraeumen.blogspot.de – Buchvorstellung
22.2. juliassammelsurium.blogspot.de – Figuren
23.2. beatelovelybooks.blogspot.de – Setting
24.2. bambinis-buecherzauber.blogspot.de – Interview
25.2. ulla-liebt-buecher.blogspot.de – Edwardianische Zeit
26.2. likeagaydream.wordpress.com – Homosexualität um 1900
27.2. sanarkai-weltderbuecher.blogspot.de – Historische Gay Romance
28.2. lesekatzen.blogspot.de – Protagonisteninterview

Teilnahmebedingungen:
Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
Teilnahme am Gewinnspiel ab 18 Jahren oder mit Erlaubnis des Erziehungsberechtigten.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Für den Postversand wird keine Haftung übernommen, Versand nur innerhalb Deutschlands, Österreich und Schweiz.
Die Adressen werden nur für den Versand ermittelt.

Viel Glück an alle Teilnehmer.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Das Monster des Prinzen von Savannah Lichtenwald

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Autor: Savannah Lichtenwald
Taschenbuch:  244 Seiten
ISBN: 978-3736885636
Preis: 4,99 (eBook) | 10,90 (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Philips Leben ist seit der Mittelstufe die Hölle – gedemütigt, verfolgt und geschlagen versucht er die Tage in der Schule zu überstehen, ohne seinem Peiniger David und dessen Freunden in die Arme zu laufen. Hauptgrund für den tiefsitzenden Hass seiner Mitschüler ist Philips Homosexualität. Erst als die Schulzeit vorüber ist und seine Mitschüler ihre eigenen Wege gehen, kann sich Philip ein normales Leben aufbauen, wenngleich er die tiefsitzende Angst und die Minderwertigkeitskomplexe nie abschütteln kann. Er bleibt in der Stadt und übernimmt das Café seiner Mutter.

Währenddessen verläuft Davids Leben nicht so rosig – es verschlägt ihn nach Holland und in die USA. Dort landet er nicht nur im Gefängnis, er muss auch erkennen, dass er selbst schwul ist und was es bedeutet, wie ein Monster behandelt zu werden. Für David wird nicht nur klar, was er Philip angetan hat, für ihn steht fest, dass er all die schlimmen Dinge, die ihm wiederfahren, verdient hat. Zurück in Deutschland gelingt es ihm daher nicht, die Kurve zu kriegen – einmal mehr rutscht er in einen Sumpf aus Drogen, Gewalt und Hoffnungslosigkeit ab. Der Wunsch sich bei Philip zu entschuldigen, treibt ihn schließlich zurück in seine Heimatstadt und nach über sechs Jahren treffen sich die beiden ungleichen Männer wieder …

Eigene Meinung:
„Das Monster des Prinzen“ stammt von Savannah Lichtenwald und erschien im Eigenverlag. Die Autorin hat bereits mit der „At home“ – Reihe und „Zwei Herzen sind ein Universum“ auf sich aufmerksam gemacht, schlägt dieses Mal jedoch einen härteren Ton an.

Die Geschichte setzt in der Schulzeit von Philip und David ein, die für beide nicht sonderlich rosig ist: Philip wird von seinen Mitschülern gemobbt und auf unterschiedliche Art fertiggemacht, David hat mit seinem trunksüchtigen Vater zu kämpfen, dem mehr als einmal die Hand ausrutscht. Nach der Schule verlieren sich die beiden aus den Augen und entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen weiter: David muss erkennen, was es heißt unterdrückt und verachtet zu werden, Philip baut sich ein eigenes Leben auf, bleibt jedoch nicht von Enttäuschungen bewahrt. Erst als die beiden Männer einander wiedertreffen und sich nach und nach nähern, können sich beide weiterentwickeln und einander helfen. Während Philip seinem ehemaligen Erzfeind zurück ins Leben begleitet, will David Phil vor jeglichen Gefahren beschützen und ihm sein Selbstwertgefühl zurückgeben. Beiden Männern steht ein langer Weg bevor, denn sowohl ihre gemeinsame Schulzeit, als auch die sechs Jahre werfen einen Schatten auf ihre wachsende Beziehung. So dauert es lange, bis sie sich ihre Gefühle gestehen und gemeinsam gegen die düsteren Schatten der Vergangenheit ankämpfen können.
Dementsprechend dramatisch und erschütternd ist „Das Monster des Prinzen“. Savannah Lichtenwald legt ein schonungsloses, teils recht heftiges und intensives Buch vor, bei dem der Leser die Protagonisten hautnah kennenlernt und die unterschiedlichen Wandlungen der Figuren direkt miterlebt. Sicherlich bleibt das Buch nicht vor Klischees gefeit, mitunter ist es arg dramatisch in Szene gesetzt (gerade Davids Vergangenheit) und auch die ein oder andere Logiklücke fällt dem Leser ins Auge, doch insgesamt fiebert man mit den Charakteren. Schön ist, dass sich die Charaktere nur langsam annähern und die Beziehung zwischen David und Philip authentisch und nachvollziehbar beschrieben ist.

Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein – Philip ist der Loser und Schwächling, der kaum Selbstwertgefühl hat und zumeist klein beigibt; David ist in der Schule der Prinz, dem alle folgen und der sich Respekt notfalls mit den Fäusten erkämpft, was ihn sehr unsympathisch macht. Erst nach und nach ändert sich David, denn während er unterwegs ist, ist er gezwungen über sich und sein Leben nachzudenken und sich selbst kennenzulernen. Auch Philip muss mehrere Wandlungen durchleben, bis er als gestärkte Person hervorgehen kann. Dementsprechend legt Savannah Lichtenwald ein Buch vor, das sich auf die Entwicklung der Charaktere konzentriert und von deren Entscheidungen vorangetrieben wird. Das mag Geschmackssache sein, bietet dem Leser jedoch einen guten Einblick in die Herzen der beiden Männer.
Die übrigen Charaktere kommen nur am Rande vor und wirken ein wenig blass – gerade Davids ehemaliger Freundeskreis bleibt zu sehr im Hintergrund. Hier hätte man durchaus noch etwas in die Tiefe gehen können, gerade als sich einer der Gruppe ebenfalls in einen Mann verliebt.

Stilistisch legt Savannah Lichtenwald einen soliden, flüssig geschriebenen Roman vor. Man kann problemlos in die Geschichte eintauchen, die abwechselnd aus Philips und Davids Sicht erzählt wird. Der Autorin gelingen sehr intensive Beschreibungen und Dialoge, die den Leser berühren und mitfiebern lassen. Hin und wieder wird sie ein wenig zu dramatisch, doch dadurch hält sie die Spannung hoch, da David und Philip ein langer Weg bevorsteht, bis sie die größten Probleme überstanden haben.

Fazit:
„Das Monster des Prinzen“ ist ein intensiver, sehr dramatischer Entwicklungsroman, der zwei völlig unterschiedliche Charaktere zusammenführt, die sich ursprünglich feindlich gegenüberstanden. Dank der guten Charakterzeichnung und des fesselnden Stils geht die Geschichte von Philip und David unter die Haut, wenngleich einige Szenen zu dramatisch daherkommen. Dennoch lohnt sich „Das Monster des Prinzen“, insbesondere wenn man dramatische Romantik mag und sich an den kleineren Logiklücken nicht stört. Reinschauen.

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[AKTION] Bloggeburtstag

Banner Bloggeburtstag

Am 29.03.2016 feiert der Rezensionblog „Like a Dream“ seinen 15. Geburtstag! Grund genug ihn ausgiebig zu feiern und die letzten 15 Jahre Revue passieren zu lassen. Ihr wollt wissen, wie die Seite entstand, welche Berichte die ersten waren und wie sich das Gesicht der Seite in den letzten Jahren verändert hat? Dann habt ihr im März 2016 die Gelegenheit. Euch erwarten Infos zum Blog, der Betreiberin und der Hintergründen, mehrere Gewinnspiele (ich schnüre tolle Pakete zusammen!) und eine ganz besondere Überraschung, die ich jedoch erst zum Ende des Bloggeburtstages verrate.

Seid gespannt!

Damit ihr wisst, was auf euch zukommt, gibt es jetzt schon eine Übersicht der geplanten Aktionen und Berichte 🙂

01.03 => Start des Geburtstags-Monat
02.03 => 15 Jahre – ein Rückblick / Like a Dream Statistik
04.03 => Über mich
06.03 => meine Projekte (Messen + Romane)
08.03 => Bericht über Rezensionen / Kritik
10.03 => Remake 1. Mangarezension
12.03 => Faszination Manga
13.03 => Bergfest – Gewinnspiel
14.03 => Remake 1. Buchrezension
16.03 => Faszination schwule Literatur / Slash
18.03 => Homepagelayouts – vom Portal zum Blog
20.03 => Bloginterview durch „Ich liebe Fantasybücher“
22.03 => Autoren / Leser über Like a Dream
24.03 => Dankessagung an Verlage / Autoren / Helfer
26.03 => Special Weeks
28.03 => Überraschung 😀
29.03 => Geburtstagsgewinnspiel

Ich freue mich, wenn ihr mich durch den Monat begleitet und mit mir feiert.

Liebe Grüße,
Juliane

Blogtour-Ankündigung „Sunford“

Hallo ihr lieben,

ab morgen findet eine Blogtour zu Celia Janssons Debüt „Sunford – Verführung eines Gentleman“ statt. Auch bei mir macht die Blogtour Station – am 26.02.2016 darf ich über das spannende Thema „Homosexualität im 19. Jahrhundert schreiben. Aber auch sonst erwarten euch einige tolle Berichte, also schaut vorbei. Auf jedem Blog könnt ihr eine Printausgabe von Sunford gewinnen, sprich jeden Tag habt ihr die Chance auf ein Exemplar des Buches.

Blogtour

Hier die einzelnen Stationen:

21.2. lesenliebentraeumen.blogspot.de – Buchvorstellung
22.2. juliassammelsurium.blogspot.de – Figuren
23.2. beatelovelybooks.blogspot.de – Setting
24.2. bambinis-buecherzauber.blogspot.de – Interview
25.2. ulla-liebt-buecher.blogspot.de – Edwardianische Zeit
26.2. likeagaydream.wordpress.com – Homosexualität um 1900
27.2. sanarkai-weltderbuecher.blogspot.de – Historische Gay Romance
28.2. lesekatzen.blogspot.de – Protagonisteninterview

Wir freuen uns auf euch 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Tanz ins Flutlicht von Lina Kaiser


Autor: Lina Kaiser
Taschenbuch:  276 Seiten
ISBN: 978-3940611437
Preis: 9,99 (eBook) | 16,95 (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Aller Umstände zum Trotz sind Katinka und Emilia ein Paar geworden und könnten glücklich sein. Doch der Alltag holt sie beide schnell ein: das Abitur steht an, es gilt ihre Beziehung geheim zu halten (da Katinka ein Outing auf alle Fälle und Anfeindungen ihrer Mitschüler vermeiden will) und die jeweiligen familiären Probleme sorgen ebenfalls für Spannungen. Als Emilia auf ein Outing drängt, um bösen Gerüchten zuvor zu kommen, ist Katinka endgültig überfordert. In ihrer Panik trifft sie etliche falsche Entscheidungen, die dafür sorgen, dass sich die beiden jungen Frauen immer wieder voneinander entfernen. Als auch noch Britta aus Berlin zurückkehrt, die Frau, die Katinka immer bewundert und verehrt hat, und Emilia in Arvid einen glühenden Verehrer findet, wird ein Keil zwischen das Paar getrieben, der für ihre Beziehung das Ende bedeuten könnte …

Eigene Meinung:
„Tanz ins Flutlicht“ setzt dort an, wo Lina Kaisers Debüt „Im Abseits der Lichter“ endete: die beiden Mädchen sind ein Paar, was beide vor gänzlich neue Probleme stellt: Outing, Zusammenhalt und Erwachsenwerden. Auch die Fortsetzung erschien beim Butze Verlag.

Wie erwähnt führt Lina Kaiser die Geschichte nahtlos weiter. Der Leser begleitet Katinka, die sich noch immer nicht vollkommen mit ihrer homosexuellen Identität angefreundet hat und sich schwer damit tut, sich anderen gegenüber zu offenbaren. So bringt sie zwar das Outing innerhalb ihrer Familie halbwegs über die Bühne, will jedoch nicht in der Schule darüber reden oder sich zu ihrer Sexualität bekennen. Dies treibt nach und nach einen Keil zwischen Emilia und sie, was den Hauptteil des Buches ausmacht. Katinka hat leider die Eigenart die Dinge zu zerdenken und sich alle möglichen Horrorszenarien auszumalen, die sie von einem Outing Abstand nehmen lassen. Das ist durchaus sehr plausibel und nachvollziehbar geschrieben und Katinkas Ängste sind gewiss nicht aus der Luft gegriffen, doch mit der Zeit nervt ihre Feigheit immens. Dass ihre Homosexualität ein offenes Geheimnis ist, darauf kommt sie nicht einmal, dabei gibt es so viel Hinweise und Andeutungen seitens ihrer Mitschüler, dass man sich fragt, warum Katinka das nicht registriert. Dementsprechend zieht sich der Mittelteil – es dauert einfach viel zu lange, bis Katinka den Mund aufmacht und sich zur Wehr setzt. Warum Emilia das die ganze Zeit mitmacht, anstatt selbst das Ruder in die Hand zu nehmen, ist mir ebenso schleierhaft. So wirkt die Handlung ein wenig konstruiert, da sie nur um Katinka und ihre Probleme und Sorgen aufgebaut wird, während alle anderen brav ihrem Wunsch folgen und schweigen. Dabei wäre es nur logisch, wenn Emilia sich selbst outet und den ersten Schritt macht, wenn sie damit keine Probleme hat. Und selbst wenn sie Katinka nicht bloßstellen will, hätte sie ja auch verschweigen können, dass diese ihre Freundin ist.

Die Charaktere sind trotz ihrer Schwächen gut nachvollziehbar: Katinka ist die unsichere Heldin, die sich eher versteckt und nur selten für jemanden Partei ergreift; Emilia ist sehr introvertiert und hält sich ebenso zurück, wenn es darum geht eine Entscheidung umzusetzen. Die beiden sind damit zwar nachvollziehbar, denn sie dürften dem typischen Jugendlichen entsprechen, der sich schwer tut, eigene Entscheidungen zu treffen und erwachsen zu werden, sympathisch sind sie dem Leser aber nur bedingt. Gerade Katinka möchte man immer wieder schütteln und darauf hinweisen, dass sie weder für ihre Freundin, noch für ihre Freunde eine Hilfe und Stütze ist. Zwischendurch wünscht man ihr sogar, von Emilia sitzengelassen zu werden, denn im Grunde hat Katinka mehr Unterstützung seitens ihrer Familie und ihrer Freunde, als so manch anderer.

Die übrigen Charaktere sind wesentlich sympathischer – Katinkas Freund Milan kommt zwar etwas kurz, dafür kann man seine Auftritte aber besser genießen, dafür lernt man endlich Britta kennen, die in Band 1 nur am Rande erwähnt wird. Und man interessiert sich, wie die Sache für Arvid endet, denn seine Geheimnisse bieten Potenzial für eine eigene Geschichte.

Stilistisch kann „Tanz ins Flutlicht“ auf jeden Fall punkten. Lina Kaiser hat einen sehr schönen, aufwendigen und soliden Stil, der eine besondere Nähe zu den Charakteren aufbaut. Das Buch ist aus Katinkas Sicht geschrieben, dementsprechend intensiv lernt man sie, ihre Gedanken und Gefühle kennen. Dabei gelingt es Lina Kaiser nicht nur die Gefühle perfekt zur Sprache zu bringen und umzusetzen, Katinka wird im Laufe des Buches auch erwachsen. Dieser Reifeprozess ist der Autorin sehr gut gelungen – man erlebt Katinkas Weiterentwicklung direkt mit und kann sich daher sehr gut mit ihr identifizieren (auch wenn man sie immer wieder belehren möchte).

Fazit:
„Tanz ins Flutlicht“ ist eine gelungene Fortsetzung von „Im Abseits der Lichter. Lina Kaiser hat einen schönen Coming-of-Age Roman geschaffen, der hin und wieder seine Längen hat und dessen Heldin dem Leser nur bedingt sympathisch ist, die man aber dennoch irgendwie verstehen kann. Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln, so dass man das Buch allen ans Herz legen kann, die bereits Lina Kaisers Debüt mochten oder sensible, realistische Jugendromane schätzen. Reinschauen.

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[ROMAN] Jetzt sind wir jung von Julian Mars

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Autor: Julian Mars
Taschenbuch:  328 Seiten
ISBN: 978-3959850384
Preis: 9,99 (eBook) | 14,99 (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Ein Jahr ist es her, seit Martin Felix verlassen hat und letzterer hat lange gebraucht um den Verlust zu überwinden und in sein Leben zurückzufinden. Doch als er seinen Ex-Freund erneut in Hamburg sichtet, schwemmt alles wieder an die Oberfläche: das abrupte Ende einer zwei-jährigen Beziehung, gepaart mit brennender Sehnsucht und der Angst vor einer Aussprache. Um sich dafür zu wappnen, nimmt Felix den Rat seines Freundes Gabriel an und beginnt sich die Vergangenheit von der Seele zu schreiben: seine Jugend mit einer depressiven Mutter und einem egozentrischen, arbeitswütigem Vater, das Entdecken seine sexuellen Identität, seine regelmäßigen Besuche in Darkrooms und seinen Hang zu brutalerem, wenn nicht erniedrigendem Sex. Erst als er Martin kennenlernt, fängt sich Felix und sein Leben wird in ruhigere Bahnen gelenkt. Allerdings kann der sozial engagierte Student Felix‘ geheime Sehnsucht nach Darkrooms und anonymen Sex nicht gänzlich ersticken …

Eigene Meinung:
„Jetzt sind wir jung“ ist das Romandebüt von Julian Mars und erschien 2015 im Albino Verlag, der auf eine lange Tradition zurückblickt und sowohl jungen Nachwuchsautoren, als auch Klassikern der schwulen Literatur ein Zuhause geben möchte. Mit „Jetzt sind wir jung“ hat der Verlag ein fesselndes Coming-of-Age Debüt veröffentlicht, das Lust auf mehr macht.

Inhaltlich bekommt der Leser einen klassischen Entwicklungsroman geboten, in dem man den jungen Felix kennenlernt, der sich die meiste Zeit durchs Leben treiben lässt und seine sexuelle Identität voll und ganz auslebt – in Darkrooms und durch anonymen Sex. Zudem entdeckt er seinen Hang zu etwas brutaleren Spielarten, was er mit dem Kellner Sebastian auslebt, zu dem er ein seltsames Verhältnis entwickelt und von dem er sich nur mühsam losreißen kann. Sein unruhiges Leben ändert sich erst, als er während eines HIV-Tests Martin kennenlernt und mit diesem zusammenkommt. Plötzlich entdeckt Felix, wie es ist mit jemandem zu schlafen, den man liebt und der diese Gefühle erwidert. Und wie es ist die dunkle Seite zu unterdrücken, die man jahrelang in Bars und Clubs rausgelassen und befriedigt hat.
Julian Mars gelingt ein beeindruckendes Werk, das den Leser tief in das Innenleben seines Protagonisten blicken lässt und die Abgründe offenlegt, die dafür sorgen, dass Felix nicht zur Ruhe kommt. Dabei spielt seine Homosexualität ebenso eine Rolle, wie seine verkorkste Familie. Einzig seine Freunde geben ihm Halt, wenn er droht gänzlich abzudriften: seine Kindheitsfreundin Emilie, der schwule Zyniker Gabriel und seine Schwester Anna. Diese sind ebenso schonungslos ehrlich, wie der Autor, denn „Jetzt sind wir jung“ ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Julian Mars nimmt kein Blatt vor den Mund – gerade wenn es um Felix‘ „Abenteuer“ im Darkroom oder seinen Treffen mit Sebastian geht: es geht recht explizit zur Sache. Doch dies passt durchaus zum Buch, denn all diese direkte und offene Art macht „Jetzt sind wir jung“ sehr authentisch und in sich schlüssig. Einzig das Ende wirkt ein wenig aufgesetzt, wenn man Martins Beweggründe erfährt und die Wahrheit für sein Weggehen kennenlernt. Doch das mag Geschmackssache sein.

Die authentischen und lebendigen Charaktere sind die große Stärke des Romans. Man kann sich gut in sie hineinversetzen und erlebt den Roman so hautnah. Dabei ist Felix der typische Anti-Held, denn seine Einstellung stößt dem Leser oftmals auf. Gleichzeitig fragt man sich zwangsläufig, wie viel vom Autor in der Hauptfigur steckt.
Sehr schön sind die Nebencharaktere, allen voran Gabriel, dessen scharfe Zunge und zynische Art die Geschichte mehr als einmal auflockern, ebenso Emilie und Anna, die beide Felix unterstützen, selbst wenn dieser es selten wirklich registriert. Auch Martin kann überzeugen, wenngleich er ein wenig blasser erscheint als die übrigen Figuren.

Stilistisch legt Julian Mars ein beeindruckendes, witziges und kluges Werk vor – er hat einen fesselnden, sehr ausgereiften und unverblümten Schreibstil, der dafür sorgt, dass man das Buch schwer aus der Hand legen kann. Die Beschreibungen sind sehr bildlich, allen voran Felix‘ Gedanken und die Gefühle, mit denen er sich plagt. Darüber hinaus spricht der Autor allgemeine Probleme an und regt zum Nachdenken an, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen oder mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Er versteht es subtil auf Dinge hinzuweisen, die man registrieren und überdenken, aber genauso gut ignorieren kann. Das Lesevergnügen wird dadurch in keiner Weise geschmälert.

Fazit:
„Jetzt sind wir jung“ ist ein gelungener, fesselnder Coming-of-Age Roman, der durch authentische, lebendige Charaktere und einen mitreißenden Schreibstil besticht. Julian Mars legt einen schönen Roman vor, den man nur schwer zur Seite legen kann und präsentiert mit Felix einen Anti-Helden, den man trotz seiner Art ins Herz schließt. Wer „Die Mitte der Welt“ mochte, dem dürfte auch „Jetzt sind wir jung“ gefallen, allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass es in Julian Mars‘ Debüt wesentlich expliziter und direkter zur Sache geht – für Jugendliche ist das Buch daher nichts. Alle anderen sollten einen Blick riskieren, es lohnt sich.

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[ROMAN] Harfenzorn von Tina Alba

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Autor: Tina Alba
Taschenbuch: 240 Seiten
ISBN: 978-3939727996
Preis: 2,99 EUR (eBook) | 9,80 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Die Rache der Dunkelelfen löscht Silbersangs Clan nahezu vollständig aus. Nur er ist vom Clan der Hainhüter übrig, deren Aufgabe es ist den Götterstein zu bewachen und den Nithyara den Weg zu ihren Göttern offen zu halten. Verantwortlich für das Leid und einen grausamen Fluch, der der Welt der Nithyara einen ewigen Winter beschert, ist Rauchläufer, mit dem ihn mehr als Freundschaft verband. Da Einsamkeit für einem Nithyara auf längere Sicht der Tod bedeutet, macht sich Silbersang zusammen mit dem Nachtschleicher und Götterboten Frostfeuer auf gen Norden, wo er auf Hilfe hofft. Dort haben Mitternacht, Anführerin eines Clans, und der Kundschafter Sternenglanz durch Visionen erfahren, was geschehen ist. Sie nehmen Silbersang nicht nur bei sich auf, sie entdecken in ihm auch den einzigen Nithyara, der den schrecklichen Fluch brechen kann …

Eigene Meinung:
Der Fantasy-Roman „Harfenzorn“ ist der erste Band der Trilogie um die Nithyara und deren Schicksal. Bereits vor einigen Jahren erschien mit „Feuersänger“ ein Werk von Tina Alba, das die Welt und die Geschichte des Zwielicht-Elfen-Volkes thematisierte. Leser des alten Romans wird Silbersang bereits ein Begriff sein, ist er in „Feuersänger“ doch der zweite Hauptcharakter. Da das im Blitz Verlag erschienene Buch auch bei Machandel neu aufgelegt werden soll, kann man davon ausgehen, dass die Geschichte um Feuersänger in den kommenden beiden Bänden behandelt wird.

In „Harfenzorn“ lernt der Leser die Welt der Nithyara kennen, eines elfenähnlichen Volkes, das stark auf seinen Götterglauben baut und die eine sehr starke Bindung zueinander haben. Dies drückt sich darin aus, dass Nithyara einander brauchen, um ihr Seelenfeuer am Brennen zu halten und ohne die Nähe zu einem anderen irgendwann sterben würden. Mit diesem Hintergrund erzählt Tina Alba die Geschichte des jungen Silbersangs, der von seinem Freund Rauchläufer betrogen wird und einen Weg finden muss, den schrecklichen Fluch zu brechen, den er indirekt mit zu verantworten hat. Auf seinem Weg findet er in Mitternacht und ihrem Clan neue Freunde, in Sternenglanz jemanden, der ihm schnell mehr bedeutet, als die übrigen Nithyara. Nach und nach begreift Silbersang, welche Aufgabe vor ihm liegt und was er opfern muss, um den Fluch des Winters aufzuheben und den Nithyara neue Hoffnung zu schenken.
Inhaltlich erzählt Tina Alba eine interessante, spannende Geschichte, die Comicfans jedoch stark an „Elfenwelt“ von Wendy Pini erinnert: die Namen der Charaktere, der Zusammenhalt und der starke Götterglaube. Es ist offensichtlich, was die Autorin inspiriert hat. Auch einige Logiklücken fallen mit der Zeit negativ ins Gewicht – so ist das Dorf der Hainhüter zu Beginn des Buches zwei Wochen von Mitternachts Clan entfernt, später ist es nur noch eine Woche und kurz vor dem Finalkampf schaffen die Nithyara es binnen weniger Tage dorthin. Auch ist es schade, dass Sternenglanz zwar am Anfang als zweiter Hauptcharakter eingeführt wird, später jedoch kaum noch Beachtung findet und für die Handlung keine nennenswerte Rolle spielt. Bleibt zu hoffen, dass ihm in den nächsten Bänden mehr Platz eingeräumt wird.

Die Charaktere sind interessant gestaltet: Silbersang ist sympathisch, allerdings braucht er nach den Ereignissen zu Beginn ein bisschen, um sich zu fangen. Es dauert, bis er sein Selbstmitleid hinter sich lässt und aktiver wird. Sternenglanz ist dem Leser in der Hinsicht sympathischer, da man ihn von Anfang an ins Herz schließt. Umso bedauerlicher ist es, dass er zum Ende hin kaum zum Tragen kommt. Das Schicksal erleidet auch Mitternacht, die zwar von den Göttern auserwählt wurde, jedoch nur wenig zur Handlung und den Ereignissen beiträgt, außer dass sie ihren Clan in den Kampf führt.

Die übrigen Figuren bleiben recht blass, was vor allem an den fremdartigen Namen liegt: Sternenglanz, Sternenwind, Sonnenwende, Abendstern, Vollmond … mit der Zeit kann man die Charaktere kaum noch auseinander halten, insbesondere wenn sich die Namen ähneln. Zudem kann man nicht anhand ihrer Namen mal sagen, ob die Figuren männlich oder weiblich sind, was die Zuordnung zusätzlich erschwert.

Stilistisch muss man sich an Tina Albas poetischen, verspielten Stil gewöhnen, der nur bedingt zur Sprache der gängigen Fantasyromane passt. Das mag nicht unbedingt schlecht sein – die Autorin hat einen angenehmen, flüssigen Stil, der durchaus zu fesseln weiß. Hin und wieder kommt die Welt jedoch ein wenig blass daher – es fehlen Beschreibungen der Umgebung und der Welt der Nithyara, ebenso vermisst man wirkliche Hintergrunderklärungen. Tina Alba kratzt lediglich an der Oberfläche der Welt, die sie erschaffen hat – so weiß man lediglich dass es neben den Nithyara Dunkelelfen und deren helles Pendant gibt, aber ob auch andere Wesen die Welt bevölkern bleibt im Dunklen. So wirkt „Harfenzorn“ leider insgesamt ein wenig farblos, da einfach nur die Geschichte erzählt, aber nicht die Fantasywelt beleuchtet wird. Schade – da hätte man mehr draus machen können.

Fazit:
„Harfenzorn“ ist ein interessanter Einstieg in Tina Albas Fantasytrilogie um die Nithyara, der trotz einiger Schwächen Lust auf mehr macht. Dank der interessanten Grundidee rund um das Volk der Nithyara und dem angenehmen Schreibstil, lohnt sich das Buch für alle, die ungewöhnliche Fantasy mögen und eine Geschichte genießen wollen, in der es nicht nur um Erotik und Liebe geht. Wer neugierig geworden ist, sollte auf jeden Fall einen Blick in die Leseprobe werfen.

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[ROMAN] Captive Prince 3 – Kings Rising von C.S. Pacat

Autor: C.S. Pacat
Taschenbuch:  368 Seiten
ISBN: 978-0-698154322
Preis: 11,83 EUR (eBook) | 14,25 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Damens Geheimnis ist enthüllt, als sein bester Freund Nikandros ihn in Ravenel erkennt und sich seine wahre Identität als Prinz Damianos von Akielos wie ein Lauffeuer durch Laurents Truppen verbreitet. Dennoch beschließt Damen sein Versprechen gegenüber dem Prinzen von Vere zu halten und das Heer von Laurents Onkel in eine Falle zu locken. Der Plan scheitert fast, da Laurent nicht auftaucht um mit seinen Männern dem Kampf die entscheidende Wendung zu bringen. Während seine Gefolgsleute von Verrat sprechen, ahnt Damen, dass mehr dahinter steckt, denn die Intrigen, die Laurents Onkel gesponnen hat, sind weitreichender als gedacht. Als er zudem erfährt, dass dieser das Chaos genutzt hat, um nach Akielos zu reisen und seinen Bruder Kastor aufzusuchen, wird ein schrecklicher Verdacht Gewissheit.

Um Vere und Akielos aus den Händen der Usurpatoren zu befreien, schließen sich Laurent und Damen zusammen und ziehen gen Süden, um mit vereinten Kräften gegen Kastor und Laurents Onkel in die Schlacht zu ziehen. Doch der Weg ist steinig und Laurents Onkel hat noch einige Trümpfe in der Hand, die einen direkten Kampf fast unmöglich machen. Zudem sorgen ihre wachsenden Gefühle füreinander für leichte Unruhen innerhalb ihrer Armee, denn noch immer sind die beiden Länder miteinander verfeindet …

Eigene Meinung:
Drei Jahre mussten C.S. Pacats Fans auf das große Finale der „Captive Prince“ Reihe warten – jetzt endlich erschien mit „Kings Rising“ der langersehnte dritte Band einer Trilogie, die einst als Original Fiction auf ihrem Blog begann und im Laufe der Zeit eine sehr umfangreiche Fanbase gewinnen konnte. Nachdem sich der australische Verlag Penguin Books die Rechte an Damen und Laurent sicherte und die Bände neu auflegte, wurden die Rechte weltweit verkauft. In Deutschland erscheint die Trilogie bei Heyne – „Der verschollene Prinz“ und „Das Duell der Prinzen“ sind bereits erschienen, der dritte Band wird hoffentlich noch dieses Jahr herauskommen.

Ohne Umschweife führt C.S. Pacat die Geschichte um Damianos fort, der von seinem Bruder Kastor verraten und als Sklave an das verfeindete Vere verkauft wurde. Voller Spannung erfährt der Leser, welche Auswirkungen Damens Offenbarung hat und in welchem Maße Laurents Onkel seine Intrigen gesponnen hat, um seine Macht über Vere zu festigen. Wie immer sind gerade diese Ränkespiele und überraschenden Wendungen das, was „Captive Prince“ so besonders macht und die Trilogie aus der breiten Masse gängiger High Fantasy Romane heraushebt. Wer epische Schlachten und ausführliche Kämpfe mag, wird auch in „Kings Rising“ nicht fündig werden, denn C.S. Pacat löst die Probleme auf anderem Weg, ohne Blutvergießen und Bürgerkrieg. Das mag einige enttäuschen, doch es passt zu Laurent und seinem Onkel, denn selbst wenn Damen der Hauptcharakter ist und die Zukunft seines Landes ebenfalls auf der Kippe steht, so geht es doch in erster Linie um das Ringen um den Thron von Vere. Angenehm ist dabei, dass auch Laurent an seine Grenzen stößt, was seine geplanten Intrigen betrifft und dass er teilweise eher durch einen glücklichen Zufall als Sieger aus dem ein oder anderen Kampf hervorgeht. Es macht den Charakter menschlicher, nimmt ihm ein wenig das kalte Kalkül und die Unantastbarkeit.
Fans romantischer und erotischer Literatur werden ebenfalls auf ihre Kosten kommen, denn endlich vertieft sich die Beziehung zwischen Damen und Laurent, was durchaus in einigen expliziteren Szenen mündet, die bisher nur angedeutet oder in Sonderkapiteln dargestellt wurden.

Die Charaktere sind, wie schon in den vorherigen Büchern, sehr gut ausgearbeitet. Damen hat sich durchaus weiterentwickelt, da die Zusammenarbeit mit Laurent seinen Verstand schärft und es ihm immer leichter fällt hinter die Intrigen zu blicken. Hin und wieder schlägt zwar dennoch seine rohe Natur durch, die von Kampf, Ehre und Stolz geprägt ist, doch insgesamt hat er sich im Laufe der Zeit stark weiterentwickelt. Gleiches trifft auf Laurent zu, der erstmals lernt Vertrauen zu fassen und sich nicht mehr allein gegen seinen Onkel zur Wehr setzen muss. Mitunter wirkt er zwar zu jung, um all das zu beherrschen, was ihm C.S. Pacat zugedacht hat, doch in Anbetracht seiner Vergangenheit, nimmt man ihm seinen scharfen Verstand und seine Fähigkeiten durchaus ab. Leider bleiben die übrigen Charaktere dieses Mal ein wenig blass: Laurents Leibwache spielt keine größere Rolle mehr, Kastors Motive bleiben ein wenig unausgereift und sogar Laurents Onkel scheint nicht die Stärke und Macht zu haben, wie in Band 2. Das stört zwar nicht beim Lesen und mindert das gelungene Finale nicht, aber es fällt auf.

Stilistisch legt C.S. Pacat gewohnt solide und sehr gut geschriebene Kost vor. Sie hat ein Händchen für Beschreibungen, Dialoge und Actionszenen und achtet auf kleine Details, um die Welt lebendig zu machen, in der „Captive Prince“ spielt. Trotz der langen Pause findet man sich schnell wieder zurecht und kann das Buch nur schwer aus der Hand legen. Die englische Sprache ist leicht verständlich, so dass auch deutsche Leser mit guten Englischkenntnissen keine Probleme haben, der Handlung zu folgen. Wer des englischen mächtig ist, sollte sowieso zu den Originalromanen greifen, da die deutsche Übersetzung von Heyne die Atmosphäre teils stark beeinträchtigt.

Fazit:
Das Warten auf „Captive Prince 3 – Kings Rising“ hat sich voll und ganz gelohnt. C.S. Pacat legt ein gelungenes Finale ihrer High Fantasy Reihe vor, das durch tolle Charaktere, spannende Wendungen und einen mitreißenden Schreibstil besticht. Über einige kleinere Unstimmigkeiten bei den Figuren und bei einigen logischen Punkten kann man durchaus hinwegsehen, bietet die Geschichte als Ganzes doch ein spannendes Lesevergnügen. Und wer am Schluss des letzten Bandes noch nicht genug hat, sollte die Augen offenhalten – die Autorin hat jüngst einen Epilog und zwei weitere Kurzgeschichten angekündigt, die noch im Laufe des Jahres erscheinen sollen.

Wer Gay Fantasy im Stil von „Staub und Stolz“ mag, sollte sich diese Trilogie nicht entgehen lassen – sie gehört zu dem Besten, was aktuell auf dem schwulen Literaturmarkt zu finden ist. Unbedingt empfehlenswert.

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[ROMAN] Café der Nacht von Susann Julieva

Autor: Susann Julieva
Taschenbuch:  328 Seiten
ISBN: 978-3944737249
Preis: 6,99 EUR (eBook) | 13,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Zwanzig Jahre ist es her, seit das legendäre Café der Nacht seine Pforten schloss und der Münchner Künstlerszene ein beliebter Treffpunkt verloren ging. Die Bewohner der Pension oberhalb des Cafés und die Stammgäste zerstreuten sich – der Barkeeper Maxim, der in der skurrilen Künstlerwelt eine Heimat gefunden hat, kehrt in sein verhasstes Elternhaus zurück. Als Kritiker macht er sich einen Namen, bis ihn eines Tages ein seltsamer Brief erreicht: die ehemalige Besitzerin Dela vermacht ihm das Café der Nacht.

Ohne zu Zögern reist Maxim zurück nach München und stellt sich damit seiner eigenen Vergangenheit: dem Leben in der Pension, seiner Arbeit zwischen all den unterschiedlichen Künstlern und seiner heimlichen Liebe Dean Monroe, ein begnadeter Schauspieler, der viel zu jung verstarb. Während er versucht dem Rätsel des Briefes und dem Café der Nacht auf die Spur zu kommen, schließt er nicht nur mit seiner Vergangenheit ab, er stößt auch auf ein Geheimnis, das ihn in seinen Grundfesten erschüttert …

Eigene Meinung:
Der Coming-of-Age Roman „Café der Nacht” erschein 2013 im deadsoft Verlag und markiert das Verlagsdebüt von Susann Julieva, die deren Roman „Böse Jungs“ im Ullstein Imprint Forever erschienen ist. Aufgrund des offenen Endes ist eine Fortsetzung mit dem Titel „Café Bohème“ geplant, die Ende 2016 erscheinen soll.

Bei „Café der Nacht“ handelt es sich um einen sehr intensiven, stimmungsvollen Gay Coming-of-Age Roman, der den Leser von Anfang an in die fremdartige und schillernde Welt des „Café der Nacht“ mitnimmt. Gemeinsam mit Maxim, der aus der kalten Villa seines Vaters geflohen ist, lernt man die Künstler und das Nachtleben der Münchner Straßen kennen und begleitet ihn auf seinem Weg, sich ein neues Zuhause aufzubauen. Parallel zu dem Erzählstrang, der die Geschichte des Cafés der Nacht aus der jugendlichen Sicht des Protagonisten erzählt, lernt man einen älteren Maxim kennen, der von der Nachricht, das Café zu erben, überrascht wird und beschließt sich seiner Vergangenheit zu stellen. Abwechselnd berichtet Susann Julieva von den Ereignissen der Vergangenheit und der Gegenwart, die sich zum Ende hin durchaus aufeinander zu bewegen und kreuzen, und von einer vollkommen authentischen Liebe, die fernab der üblichen Klischees liegt. Dementsprechend sensibel geht sie mit Maxims Gefühlen um und verzichtet vollständig auf erotische Szenen, die in dieser Geschichte auch fehl am Platz gewesen wären. Das Ergebnis ist ein komplexer, sehr intensiver Roman über Liebe, Vertrauen, Weiterentwicklung und Hoffnung. Zudem ist „Café der Nacht“ eine Hommage an die Künstlerszene und Kleinkunstbühnen, an die Bohème Cafés und die schillernden Männer und Frauen, die sich darin bewegen.

Dementsprechend gut sind die Charaktere ausgearbeitet, die dem Leser im Café der Nacht begegnen – seien es Maxim, Monroe oder Dela, die verrückten Künstler, die sich dort tummeln und in der Pension leben oder die Angestellten, die den Cafébetrieb am Leben halten. Man lernt nicht nur Maxim kennen, der als schüchterner, unsicherer junger Mann erstmals das fremde Terrain des Cafés betritt, oder Monroe, dessen Ausnahmetalent ihn ins Zentrum des allgemeinen Interesses rückt, sondern auch die Nebencharaktere und deren Schicksale. Susann Julieva beleuchtet alle Figuren, was den Roman ungemein dreidimensional und greifbar macht. Man fiebert mit Delas Problemen mit, hofft darauf, dass der Barkeeper Rufus sein Glück findet und dass Hummelig sein Varieté zum Erfolg führt.

Stilistisch legt Susann Julieva ein verspieltes, poetisches Werk vor, das durch eine verschnörkelte und lebendige Sprache besticht. Binnen weniger Seiten ist man in der Geschichte, wenngleich man sich zunächst an den ausufernden Schreibstil gewöhnen muss. Doch spätestens nach dem ersten Kapitel kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen, da man vollkommen in die fremdartige Welt des „Cafés der Nacht“ eintaucht. Hin und wieder schleichen sich einige Längen ein, insbesondere der Mittelteil zieht sich ein wenig, doch man wird mit tollen Beschreibungen und einer sehr gefühlvollen Liebesgeschichte belohnt. Ein wenig verwirrt die Tatsache, dass man das Buchzeitlich nicht genau einordnen kann – teilweise glaubt man in den Goldenen zwanziger Jahren zu sein, dann wieder in der aktuellen Zeit. Das fällt jedoch nicht störend ins Gewicht, da der Roman dennoch zu fesseln weiß und man sich mit Freuden von der Atmosphäre des „Cafés der Nacht“ verzaubern lässt.

Fazit:
„Café der Nacht“ ist ein wundervoller, sehr intensiver Coming-of-Age Roman, der den Leser in die schillernde Welt der Künstler, Schauspieler und Musiker entführt und eine angenehm authentische Liebesgeschichte erzählt. Sowohl die Charaktere, als auch Susann Julievas aufwendiger, poetischer Schreibstil können überzeugen und machen Lust auf mehr. Hoffentlich müssen die Leser nicht allzu lange auf die Fortsetzung „Café Bohème“ warten – man freute sich auf ein Wiedersehen mit Maxim und den schrulligen Künstlern. Sehr zu empfehlen.

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