Archiv für den Monat November 2015

Die Unschuld des Lehrers von Mayu Shinjo

Autor: Mayu Shinjo
Taschenbuch: 192 Seiten
ISBN: 978-3-8420-1736-8
Preis:  6,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der feminine, schüchterne Mamiya hat als Lehrer einen denkbar schlechten Stand: seine Kollegen nehmen ihn ebenso wenig ernst, wie seine Schüler, er kann sich weder durchsetzen, noch ist er in der Lage Unterrichtsstoff zu vermitteln. Zu allem Überfluss kann er sich vor Annäherung seitens der meist männlichen Schüler (und Kollegen) kaum retten, so dass er öfters in unangenehmen Situationen gerät. In einem solchen Moment lernt er den neuen Schüler Minato kennen, der ihn nicht nur vor einigen zudringlichen Schülern rettet, sondern sich auch noch als Bekannter entpuppt, dem er einst Nachhilfe gab. Minato hat nicht nur die feste Vorstellung seinen Lehrer ins Bett zu bekommen, um herauszufinden, warum er Mamiya nicht vergessen kann, er hält auch die hartnäckigen Verehrer fern, die Mamiya zumeist Schwierigkeiten machten. Lediglich an Mamiyas schwulem Kollegen Tsukioka beißt er sich fast die Zähne aus, da dieser die seltsame Beziehung zwischen Lehrer und Schüler für sich zu nutzen weiß …

Eigene Meinung:
Mit dem Manga „Die Unschuld des Lehrers“ wagt sich die Shojo und Smut-Mangaka Mayu Shinjo erstmals an einen Boys Love Manga. Während ihre bisherigen Werke eher weibliche Charaktere ins Zentrum rückten, die zumeist erst sexuelle Erfahrungen machen (u.a. „Kaikan Phrase“, „Virgin Crisis“), steht im vorliegenden Werk ein junger Lehrer im Mittelpunkt, der jedoch ähnlich den Heldinnen ihrer bisherigen Werke keinerlei Erfahrungen hat und noch Jungfrau ist.

Es fällt schwer sich in „Die Unschuld des Lehrers“ hineinzufinden. Es gibt keine wirkliche Handlung, da die Geschichte von den Charakteren vorangetrieben wird, sprich einen wirklichen roten Faden sucht man vergeblich. Auch ist Mamiya nicht wirklich ernst zu nehmen, da er komplett wie eine Frau denkt, handelt und fühlt. Er ist überhaupt nicht lebensfähig, macht sich zumeist lächerlich und kann sich nicht durchsetzen. Er scheint den Begriff Uke fast neu zu definieren, so schwächlich und naiv kommt er daher. Auch Minato kann man nur schwer ernst nehmen: er vereint all die Eigenschaften in sich, die Mamiya abgehen; ist stark, intelligent, ein absoluter Musterschüler, der es nicht gewohnt ist zurückgewiesen zu werden. Sein Interesse an Mamiya wird nur ansatzweise erklärt – vordergründig möchte er mit ihm ins Bett, um Antworten für seine Amok laufenden Gedanken und Gefühle zu finden. Das wirkt jedoch ebenso an den Haaren herbei gezogen, wie Tsukiokas Erpressungsversuche und Mamiyas Unfähigkeit. Alle Figuren agieren absolut unrealistisch und unverständlich, was den Leser eher verwirrt als unterhält.
Das trifft auch auf viele der Szenen zu, hauptsächlich auf die vielen erotischen Passagen, die in einer hohen Anzahl vorkommen. Im Grunde besteht der Manga fast nur aus expliziten Sequenzen, abgelöst von seltsamen Dialogen, die kaum nachvollziehbar sind. Mayu Shinjo hat ein seltsam krudes Werk geschaffen, bei dem weder die Figuren noch die Handlung überzeugen können. Gerade Vielleser des Boys Love Genres werden wenig mit den stereotypen, sehr mangahaften Charakteren und der unlogischen Geschichte anfangen können.

Zeichnerisch ist „Die Unschuld des Lehrers“ durchaus nicht schlecht, insofern man schwache, mädchenhafte Uke mag und keine Probleme mit expliziten Szenen hat. Mayu Shinjo merkt man ihre Ursprünge im Shojo-Genre an – Mamiya ist sehr mädchenhaft und hat wenig männliche Attribute, sowohl optisch als auch charakterlich. Auch sonst setzt sie auf weiche Gesichtszüge und eine shojo-hafte Aufmachung, sprich man sollte ihren Stil mögen, wenn man sich für diesen Manga interessiert. Ansonsten bietet die Mangaka stilistisch dem Leser wenig Neues – männlicher Seme und mädchenhaften Uke.

Fazit:
Alles in allem ist „Die Unschuld des Lehrers“ vor allem Fans der Mangaka zu empfehlen, insofern diese kein Problem mit dem Boys Love Genre haben. Versierte Yaoi-Leser werden dem Manga nur wenig abgewinnen können. Sowohl die verworrene Handlung, als auch die haarsträubenden Charaktere sind zu unlogisch und unrealistisch, um zu überzeugen. Daher ist „Die Unschuld des Lehrers“ nicht empfehlenswert.

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Carlsen Sommerprogramm 2016

Hallo in die Runde,

ich bin arg spät dran, da Carlsen sein neues Programm bereits vor einer knappen Woche bekanntgegeben hat. Aber wie sagt man so schön: besser spät als nie. Deher gibt es jetzt hier die angekündigten Titel des Mangaverlags. Zugegeben, die Aussichten sind etwas mager, dennoch will ich sie euch nicht vorenthalten:

  • Let’s do it dental! (OT: “Haisha Nante Kirai Da”) von Kyoko Aiba – Einzelband im Mai für 6,99 €
  • 10 Dance! von Sato Inoue – 2+ Bände ab Juni für je 7,99 €
  • Wild Rock von Kazusa Takashima – Neuauflage im GTB-Format ab August für je 7,95 €

Das Tokyopop Programm wird demnächst ebenfalls vorgestellt.

Liebe Grüße,
Juliane

[MANGA] Kuroneko von Aya Sakyo

Autor: Aya Sakyo
Taschenbuch:  226 Seiten
ISBN: 9783-7704-8857-5
Preis: 6,49 EUR (ebook) | 7,50 EUR (Taschenbuch)
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Story:
0,001% der Weltbevölkerung kann eine Katzengestalt annehmen – der schwarze Kater Shingo ist einer von ihnen. Probleme hat er dadurch nicht: er streunt nachts durch die Gegend und ist einem hübschen Mann nicht abgeneigt, insofern dieser ihm gefällt. Tagsüber arbeitet er aushilfsweise für eine Firma, die Kulissen für Filmstudios baut und die dem sein Jugendfreund Masato als Juniorchef arbeitet. Shingos überschaubares Leben ändert sich, als der Schauspieler Sagami während der Dreharbeiten zu seinem aktuellen Film auf ihn aufmerksam wird und den brüsken Mann verführt. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden eine Sexbeziehung bei der Shingo erstmals das Zepter aus der Hand geben muss, immerhin entpuppt sich Sagami als Leopard, der ihm körperlich weit überlegen ist. Als die Dreharbeiten schließlich enden, scheinen sich die Wege der beiden Katzen zu trennen, doch schon bald wird Sagami klar, dass er Shingo nicht gehen lassen will und auch der schwarze Kater registriert, dass ihn die Begegnung mit dem Schauspieler verändert hat …

Eigene Meinung:
Mit der hocherotischen, mehrbändigen Reihe „Kuroneko“ legt EMA die populärste Mangaserie von Aya Sakyo vor, die in Japan bereits mehrere, in sich abgeschlossene Einzelbände und Spin-Offs umfasst. Hinter der Mangaka verbirgt sich Ayane Ukyo, die in Deutschland für Smut Mangas wie „Desire © Max“ und „S.P.Y.“ verantwortlich ist. Unter ihrem Pseudonym für Boys Love Mangas liegen bei EMA die Oneshots „Lass es uns tun“ und „Liebesskizzen“ vor.

Aya S ist Programm – wer ihre bisher erschienen Oneshots kennt, der weiß, dass es hocherotisch zugeht und sich die Charaktere nahezu jedes Kapitel im Bett vergnügen dürfen. „Kuroneko – Spiel mit mir“ ist da keine Ausnahme: in erster Linie geht es um Sex in allen Stellungen und Variationen. Dabei wird nichts zensiert oder ausgeblendet, so dass der Leser wirklich alles mitbekommt – vom erotischen Spiel im Bett bis zum leidenschaftlichen Intermezzo im Badezimmer. Inhaltlich bleibt der Manga daher eher flach, denn die erotischen Aktionen stehen eindeutig im Vordergrund, gefolgt von ein bisschen Drama, Liebesgeschichte und Beziehungskrise. Dennoch kann Aya Sakyo unterhalten, insofern man mit Erotik keine Probleme hat, denn während sich im Laufe der Zeit durchaus mehr zwischen Shingo und Sagami entwickelt, wird auch die Handlung ein wenig dreidimensionaler. Zuviel sollte man dennoch nicht erwarten – auch bei den Folgebänden steht die Erotik zwischen den Katzen im Zentrum. In diesem Zusammenhang ist die Altersangabe des Verlages (ab 16) eher mit Vorsicht zu genießen. Bei den expliziten Einblicken, Erotikszenen und Details wäre eine Altersfreigabe ab 18 passender gewesen.

Die Charaktere sind recht stereotyp gehalten: Shingo ist impulsiv, brüsk und ordnet sich ungern unter, wenngleich er sich mit der passiven Rolle im Bett schnell anfreundet; Sagami ist beherrschter, kontrollierter und stärker. Die beiden ergänzen sich gut, wenngleich sich zunächst nur eine sexuelle Beziehung zwischen ihnen entspinnt. Obwohl auch Aya Sakyo die üblichen Boys Love Klischees bedient bieten die Figuren und ihre Diskrepanzen kurzweilige Unterhaltung.

Zeichnerisch bietet Aya Sakyo einen schwulen Erotikmanga auf hohem Niveau. Sie hat einen sehr detailverliebten, aufwendigen, soliden Stil, der sich in anatomisch korrekten Männern und viel Dynamik niederschlägt. Man merkt, dass sie bereits eine Menge Erfahrung hat und ihr Metier beherrscht – seien es Hintergründe, Bewegungen und ungewöhnliche Perspektiven: die Mangaka weiß wie sie ihre Charaktere in Szene zu setzen hat. Auch ihre farbigen Illustrationen sind sehr ansprechend und können überzeugen.

Fazit:
„Kuroneko – Spiel mit mir“ ist ein hocherotischer Boys Love Mangas der durch einen aufwendigen, soliden Zeichenstil und sympathische Charaktere besticht. Wer eine tiefgründige Handlung und spannende Wendungen hofft, ist hier falsch – in „Kuroneko – Spiel mit mir“ geht es um Sex in allen Variationen. Wer schwule Erotik mag, wird auf seine Kosten kommen, alle anderen sollten vorab einen Bick hineinwerfen.

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[ROMAN] Wir sind unsichtbar von Maike Stein

Autoren: Maike Stein
Taschenbuch:  192 Seiten
ISBN: 978-3-8415-0309-1
Preis: 7,99 EUR (ebook) | 8,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Die 16-jährige Valeska hatte vor einiger Zeit ihr Coming-Out und kämpft mit den Spätfolgen ihrer Entscheidung: Ihre Mutter scheint sie zu verachten, hat sie Leska doch zu ihrem Ex-Mann gebracht, der mit der Homosexualität seiner Tochter besser umgehen kann. Fortan gestalten sich Valeskas wöchentliche Treffen mit ihrer Mutter als schwierig, doch in ihrer besten Freundin Rina hat sie eine unerschütterliche Stütze an ihrer Seite. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als sie auf einer Party beim Flaschendrehen ihre Mitschülerin Inken küssen soll. Bereits während des Kusses wird offensichtlich, dass Inken Leskas Liebe für Mädchen teilt. Die beiden beginnen eine Beziehung, auf Inkens Wunsch hin halten sie die Sache geheim. Fortan ist ihre Zweisamkeit von der Angst vor Entdeckung und beständiger Unsicherheit geprägt, ein Zustand, der gerade Leska zusetzt.

Als Leska endlich erfährt, warum Inken so vehement dagegen ist ihre Liebe öffentlich zu machen, ist das junge Mädchen entsetzt … und entschließt sich zu einem folgeschweren Racheakt an Inkens ehemaliger Schule.

Eigene Meinung:
Der kurze Roman „Wir sind unsichtbar“ stammt von Maike Stein, die für die Hörbuchfassung des Märchens „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ verantwortlich ist und das Jugendbuch „Tagebücher lügen nicht“ geschrieben hat, in dem es um Valeskas Bruder Tim geht. Bei Magellan erschien zudem ihr Mysterythriller „Du oder sie oder beide“.

Mit „Wir sind unsichtbar“ legt Maike Stein eines der ersten deutschen, lesbisches Jugendbücher vor. Während es zumindest im schwulen Jugendbuchbereich einige Veröffentlichungen gibt („Die Mitte der Welt“, „Ihr mich auch“, „Adrian Mayfield“, die Werke von David Levithan), sieht es im lesbischen Bereich recht mager aus, daher ist es erfreulich, dass Oetinger dem Buch eine Chance eingeräumt hat. Inhaltlich legt Maike Stein eine gut lesbare Geschichte vor, in der es um erste Liebe, Akzeptanz, Offenheit und Respekt geht. Allerdings geht es zwischenzeitlich doch recht schnell, denn auf den knapp 200 Seiten passiert eine Menge. Gerade zum Ende hin rasen die Ereignisse und mitunter wünscht man sich, die Autorin hätte sich mehr Zeit gelassen. Immerhin wird es erst ab der zweiten Hälfte wirklich spannend, als die Geheimnisse um Inken gelüftet werden und Rina zum Kampf gegen Homophobie bläst. Am Ende hätte man gerne mehr über den Ausgang der Protestaktion erfahren, die lediglich am Rande Erwähnung findet. Auch bei den ernsten Themen (Mobbing, Homophobie) wünscht man sich ein wenig mehr Tiefgang, immerhin bieten sie Stoff für mehr Drama und einer kritischeren Auseinandersetzung mit dem Thema. Sicher „Wir sind unsichtbar“ ist ein Jugendbuch und der Schwerpunkt liegt auf Leska und ihre Sichtweise, doch insgesamt fehlen mir einfach Dialoge und Erklärungen.

Dennoch ist die Geschichte in sich schlüssig und gut lesbar. Das liegt vor allem an den sympathischen Charakteren, mit denen man sich sofort identifizieren kann. Besonders Leska mit ihrer impulsiven, treuen Offenheit schließt man schnell ins Herz, ebenso Rina, die für ihre Freundin durchs Feuer gehen würde und Inken, die man sehr gut verstehen kann. Auch die übrigen Nebenfiguren wie Valeskas Eltern und ihre Klassenkameraden sind toll in Szene gesetzt und können überzeugen. Es macht Spaß die Jugendlichen zu begleiten und zu sehen, wie sie im Angesicht der Probleme zusammenhalten.

Stilistisch ist „Wir sind unsichtbar“ gelungen – Maike Stein hat einen schönen, leicht lesbaren, flüssigen Schreibstil und bemüht sich um Abwechslung. Aus diesem Grund gibt es nicht nur Einträge auf Leskas Coming-Out Blog, sondern auch kurze Einblicke in Inkens Gedanken- und Gefühlswelt. Letztere versteht man erst im Laufe der Zeit, mitunter denkt man sogar in eine falsche Richtung, was ihre Ängste anbelangt. Ansonsten ist es der Autorin gelungen, ihrer jungen Heldin eine passende Stimme zu geben und sie lebendig zu gestalten. Der Leser fühlt mit Valeska, versteht ihre Sorgen und Probleme und wünscht ihr ein Happy End. Maike Stein trifft die aktuelle Jugendsprache, so dass „Wir sind unsichtbar“ Jugendlichen ab 14 zu empfehlen ist.

Fazit:
„Wir sind unsichtbar“ ist ein gelungener, lesbischer Jugendroman, dem ein paar weitere Seiten und eine ausführlichere Ausarbeitung der ernsten Themen gut getan hätten. Nichtsdestotrotz macht die Lektüre Spaß, was vor allem an den sympathischen Charakteren und dem soliden, flüssigen Schreibstil liegt. Wer auf der Suche nach lesbischen Jugendbüchern ist, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Es lohnt sich!

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[SACHBUCH] Tadzios Brüder: Der schöne Knabe in der Literatur

Herausgeber: Guido Fuchs
Taschenbuch:  260 Seiten
ISBN: 978-3940078421
Preis: 26,95 EUR (Taschenbuch)
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Inhalt:
Der Untertitel des Sachbuches „Der schöne Knabe in der Literatur“ weist bereits auf den Inhalt des Buches hin – eine umfangreiche Textsammlung, in denen die außergewöhnlich schönen Jungen auftauchen und umschrieben werden. Dabei wird der Leser durch alle möglichen Zeitepochen von den Klassikern bis zur modernen Belletristik geführt und lernt längst vergessene und wohlbekannte Autoren kennen.
Nach einer sehr umfangreichen und interessanten Einleitung, in dem Herausgeber Guido Fuchs einen ausführlichen Einblick in die Thematik gewährt, folgen Textbeispiele diverser Autoren, von Hermann Hesse über Thomas Mann, Theodor Fontane, Rainer Maria Rilke bis hin zu Astrid Lindgren und Johann Wolfgang von Goethe. Anstatt die Beispiele zeitlich zu ordnen, wählt der Herausgeber eine Unterteilung nach Inhalt und Thema der Ausschnitte: „Begegnung“, „Betrachtung“, „Erinnerung“, „Erwählung“, „Erscheinung“, „Beziehung“, „Verheissung“, „Verbeugung“, „Verschwendung“, „Versuchung“, „Veränderung“ und „Verwandlung“.

Eigene Meinung:
Das Sachbuch „Tadzios Brüder – Der schöne Knabe in der Literatur“ erschien 2015 als edle Hardcoverausgabe mit Lesebändchen im Monika Fuchs Verlag und umfasst knapp 260 Seiten, von denen fast 40 die Quellenangaben umfassen. Jedes Kapitel wird mit einem passenden Gemälde oder Bild untermalt, ebenso befinden sich einige weitere ausgewählte Fotografien bekannter Statuen in der Einleitung des Buches und am Ende. Mit knapp 27 Euro bewegt sich der Band im oberen Preissegment, jedoch ist er aufgrund seines Inhaltes und der schönen Aufmachung durchaus sein Geld wert.

Inhaltlich bietet sich dem Leser eine beeindruckende, sehr umfangreiche Sammlung verschiedenster Textausschnitte, die sich dem schönen Knaben als Protagonisten, Nebenfigur oder flüchtiger Erscheinung widmen. Beginnend im späten 18. Jahrhundert reichen die Passagen und Beispiele bis in die heutige Zeit. Guido Fuchs fördert ein Phänomen zu Tage, das in der heutigen Belletristik kaum noch vertreten ist, da es im Laufe der Zeit verloren ging. Teils mag das an den heutigen Konventionen liegen, teils gilt es als verpönt (gerade als Mann) über einen schönen Knaben zu sprechen, denn damals war es bis zu einem gewissen Grad kein Problem, eine derartige Erscheinung sehr blumig in Worte zu packen. So ist es interessant zu sehen, dass nahezu alle großen Dichter und Autoren derartigen Jünglingen einen Platz in ihren Werken einräumten, ohne dass jemand daran Anstoß nahm. Erst Oscar Wilde, dessen Umschreibungen von Bosie denen der großen Schriftsteller nicht unähnlich waren, scheint dem Thema aufgrund des Prozesses und seiner Homosexualität einen negativen, fast schon schwulen Beigeschmack gegeben zu haben; ein Stempel der Männern heutzutage schnell aufgedrückt wird, wenn von schönen, engelsgleichen Knaben gesprochen wird. Das diesen Umschreibungen keinerlei sexuelle oder erotische Komponente zugrunde liegt, wird in dabei den Hintergrund gestellt. Aus diesem Grund verzichtet der Herausgeber vollkommen auf jegliche Textpassagen und Umschreibungen, die einen schwulen, erotischen oder sexuellen Kontext haben, worauf auch im Vorwort hingewiesen wird. In „Tadzios Brüder“ geht es nicht um die Knaben, die man in der modernen schwulen Literatur finden mag, sondern um die unantastbaren, schönen Kinder und Jugendlichen, die man von der Ferne zwar lieben und bewundern darf, aber nicht verletzen und beschmutzen soll.

Stilistisch erwartet den Leser eine große Bandbreite unterschiedlicher Stile, Genre und Gattungen, je nach Alter des Textes. Natürlich wird auf die Originaltexte Wert gelegt, so dass sie aus heutiger Sicht fehlerhaft (die Rechtschreibung war nun einmal gänzlich anders), schwülstig und sehr blumig wirken, teilweise vielleicht sogar schwer zu verstehen sind. Außerdem sind die Beschreibungen der hübschen Knaben dem Leser mit der Zeit fast zu viel, da sich die Ausschnitte ähneln und sich die Wortwahl der Autoren wiederholt. Daher ist das Buch nur bedingt dazu geeignet, in einem Rutsch gelesen zu werden, sondern vielmehr ein schönes Nachschlagewerk, zu dem man immer wieder greift. Zudem entdeckt man möglicherweise neue (alte) Autoren für sich, deren Werke man bisher nicht auf dem Schirm hatte.

Fazit:
„Tadzios Brüder“ ist eine sehr schöne Textsammlung zum Thema „Der schöne Knabe in der Literatur“ und bietet Liebhabern klassischer Romane einen Fundus an überraschend vielseitiger Texten und Passagen unterschiedlicher Art. Guido Fuchs hat eine beeindruckende Sammlung erstellt, die über mehrere Epochen reicht, unterschiedliche Stilrichtungen und Genre abdeckt und bekannte und unbekannte Autoren präsentiert, ohne jemals in einen (schwul) erotischen Subkontext abzurutschen. Für hektisches Durchlesen ist „Tadzios Brüder“ nicht geeignet, es empfiehlt sich mehr Zeit mitzubringen, um die Fülle an Texten über schöne Knaben wirklich genießen zu können. Zu empfehlen!

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[MANGA] Deep Throat von Hana Umezawa

Autor: Hana Umezawa
Taschenbuch: 196 Seiten
ISBN: 978-3-8420-1666-8
Preis:  6,95 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Seitdem der Schreiner Yodo seine Heimat in den Bergen verlassen hat, ist er auf der Suche nach einer Braut. Als ihm der Auftrag übertragen wird ein Piratenschiff zu reparieren, lernt er Teo kennen – schön, geheimnisvoll und absolut begehrenswert. Sein Traum hat nur einen Schönheitsfehler: Teo entpuppt sich als Mann, der keine Scheu davor hat, sich jedem Mann auf dem Schiff anzubieten. Yodo ist nicht nur entsetzt, er setzt alles daran Teo von seiner Liebe zu überzeugen, selbst wenn er den jungen Mann dafür erst einmal zurückweisen muss …

Eigene Meinung:
„Deep Throat“ stammt aus der Feder Hana Umezawas, die in Japan bereits mehrere Boys Love Mangas veröffentlicht hat und durch die 12-bändige Reihe „Ai to Yokubou wa Gakuen de“ bekannt geworden ist. Der vorliegende Manga ist auf zwei Bände angelegt und stellt das Debüt der Mangaka im deutschsprachigen Raum dar.

Inhaltlich bietet „Deep Throat“ leicht fantastische Boys Love Kost, die auf einem Piratenschiff spielt, jedoch nur wenig aus der Grundidee macht. So wird Teos Vergangenheit und seine Herkunft zwar irgendwann aufgegriffen, jedoch recht unspektakulär zu Ende geführt. Der Handlungsbogen scheint nur dazu zu dienen Yodo und Teo wirklich zusammenzubringen, die eigentlichen Hintergründe werden nur am Rande beleuchtet und recht schnell beendet. Das trifft leider auch auf das Schiff und die Besatzung zu, mit Ausnahme des Kapitäns und des Navigators, der in Band 2 im Zentrum steht. Sämtliche Nebenfiguren sind eher Staffage, als wirklich wichtig, so dass sowohl das Piratenthema, als auch die Geschichte an sich aufgesetzt wirkt.

Überraschend ist jedoch, dass „Deep Throat“ fast keine erotischen Szenen enthält, immerhin ist die Mangaka für ihre expliziten Werke bekannt. Gerade „Ai to Yokubou wa Gakuen de“, das an einer Schule spielt in der junge Männer entsprechende Sex-Dienste erlernen, ist recht eindeutig und explizit.

Die Charaktere bieten versierten Boys Love Lesern nichts Neues, sind sogar noch unrealistischer und unglaubwürdiger, als so manch andere Figuren. Yodo ist wahnsinnig naiv und unreif, was ihn mit der Zeit zu einem anstrengenden Protagonisten macht. Er ist recht nervig, da er kaum etwas auf die Reihe bekommt. So scheint er an Bord des Schiffes keinerlei feste Aufgabe zu haben (was jedoch auf die gesamte Besatzung zutrifft – dem Leser bleibt schleierhaft, was die Crew eigentlich den ganzen Tag hindurch macht), auch sonst erfährt man nicht viel über ihn. Teo auf der anderen Seite ist ein so extremer Uke, sprich feminin, zart gebaut und schwach, dass er nahezu sämtliche Klischees erfüllt. Allgemein sind die Charaktere sehr klischeehaft und entsprechen fast vollständig ihren zugedachten Rollen. Einzig Yodo fällt durch seine Naivität aus der Position des kühlen Semes.

Stilistisch ist Hana Umezawa Geschmackssache. Sie hat einen sehr kantigen, anatomisch nicht immer korrekten Stil, der nur bedingt überzeugen kann. Die Männer wirken teilweise unästhetisch, gerade Teo mit seinem weiblichen, zarten Körper. Auch an die Gesichter muss man sich erst gewöhnen, da sie sehr unförmig sind und mitunter stark verzeichnet wirken. Insgesamt erinnert der Stil der Mangaka ein wenig an eine Mischung aus Ryo Takagi, die ähnlich lange Oberkörper und Gliedmaße einsetzt, und Sakuya Fujii, deren Zeichnungen ähnlich fehlerbehaftet sind.

Fazit:
„Deep Throat“ ist ein Boys Love Manga, der im Piraten-Genre angesiedelt ist und durch eine krude Handlung, stereotype Charaktere und gewöhnungsbedürftige Zeichnungen besticht. Er bietet zwar kurzweilige Unterhaltung, kann jedoch aufgrund seiner mangelnden Charakterentwicklung und eines roten Handlungsfadens nicht überzeugen. Wer spannende Boys Love Abenteuer mit fantastischem Einschlag sucht, sollte sich anderweitig umsehen.

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[ROMAN] Drahtseiltänzer von S.B. Sasori

Autoren: S.B. Sasori
Taschenbuch:  280 Seiten
ISBN: 978-3734761218
Preis: 3,99 EUR (ebook) | 9,99 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Der junge Seiltänzer Ciro lebt mit seinem Bruder Marco von der Hand in den Mund – die kleinen Auftritte bringen gerade so viel Geld, um im Sommer über die Runden zu kommen; allerdings nicht die Wintermonate. Einziger Lichtblick ist Costa, ein reicher Firmenchef, der die Artisten für mehrere Feiern bucht. Sein Interesse gilt besonders Ciro, allerdings bevorzugt er dessen weibliche Seite Chiara, die für die staunenden Betrachter über die Drahtseile balanciert, da eine Frau mehr Geld einbringt. Über Marco arrangiert Costa schließlich ein wöchentliches Treffen mit Chiara und bezahlt den Brüdern dafür eine kleine Wohnung. Ciro ist mit der Situation nicht wirklich glücklich, doch ihm fehlt es an Alternativen, insbesondere da Marco die einzige Familie ist, die er noch hat und seine homosexuelle Neigung gepaart mit seinem Wunsch ab und zu eine Frau zu sein, auf keinerlei Verständnis und Gegenliebe stoßen.

Ciros tristes Leben beginnt sich zu verändern, als der deutsche Schüler Noah seine Ferien in der kleinen italienischen Stadt verbringt, in der Ciro und Marco leben. Noah, der erst vor kurzem ein unschönes Coming-Out hinter sich hatte, ist sofort Feuer und Flamme für Ciro, der sich ebenfalls in den jungen Mann verguckt. Doch ihr kurzes Glück währt nur kurz, denn viel zu schnell entdeckt Noah Ciros andere Seite, was beide Männer vollkommen aus dem Konzept bringt …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Drahtseiltänzer“ legt S.B. Sasori endlich die vollständige Geschichte von Ciro und Noah vor, die einige bereits in Auszügen aus der deadsoft Anthologie „Yep – Warum nicht anders?“ kennen, wo ein Teil des Romans als Kurzgeschichte erschien. Diese hatte nicht nur ein offenes Ende, sondern bot auch viel Potenzial für eine längere Erzählung, so dass die Autorin die Grundidee zu einem Roman ausbaute. „Drahtseiltänzer“ erschien im Eigenverlag und ist in sich abgeschlossen.

Inhaltlich geht die Autorin ungewöhnliche Wege, denn bei den Figuren handelt es sich nicht um die typischen, schwulen Jugendlichen, und auch die Geschichte an sich läuft in anderen Bahnen. Natürlich steht die Romantik und die dramatische Liebesgeschichte zwischen Ciro und Noah im Zentrum, doch Ciros weibliche Seite und sein Faible diese hin und wieder auszuleben, sorgen für Abwechslung und Überraschungen. Eine klare Aussage, in welche Richtung sich Ciro bewegt, wird der Leser in dem Roman jedoch nicht finden, denn Begriffe wie Transsexualität oder Transvestitismus kommen überhaupt nicht zur Sprache, wenngleich Ciro per Definition am ehesten zu letzterem gehört. Dies ist jedoch auch nicht wirklich wichtig, da sich die Autorin auf das die Charaktere konzentriert und auf die inneren und äußeren Probleme. Dazu gehören Ciros Selbstzweifel- und hass ebenso wie Noahs Unsicherheit, Fragen und dem hin und her zwischen Faszination und Schrecken. Von außen sorgen Costa, der für die Illusion einer hübschen Begleiterin alles tun würde, und Marco, der seinen Bruder vorwiegend nutzt, um sein Leben einfacher zu gestalten und zu gewalttätigen Aktionen neigt, für Schwierigkeiten. In diesem Zusammenhang ist es schade, dass S.B. Sasori einige Fragen zum Ende hin unbeantwortet lässt: die Sache mit Costa wird nur teilweise geklärt, ebenso vermisst man eine klare Aussprache zwischen Ciro und seinem Bruder. Allgemein geht es am Ende fast zu schnell – nach all dem Drama, das Ciro und Noah durchstehen müssen, wäre es schön gewesen, wenn mehr Dinge geklärt worden wären.

Die Charaktere sind gut gezeichnet, ganz besonders Ciro, dem in seinem Leben wahrlich wenig Gutes widerfahren ist. Man versteht seine Ängste und Sorgen, kann sich gut in ihn hineinversetzen und leidet mit ihm, wenn es um seine teils geliebte, teils verhasste weibliche Seite Chiara geht. Zumeist wirkt er ein wenig schwach, doch dieser Punkt passt gut zu seinem Charakter, da ihm nur wenig Verständnis entgegengebracht wurde und die meisten eher Abscheu vor seinen Neigungen empfanden. Noah ist im Gegenzug dazu recht behütet aufgewachsen, wenngleich das Schicksal auch bei ihm hart zugeschlagen hat: der Verlust seines kleinen Bruders und sein verkorkstes Coming-Out. Dementsprechend sicher ist Noah im Umgang mit anderen Jungs und Männern, und kann sich recht schnell auf Ciro einschließen, wenngleich er dessen kleines Geheimnis fast zu schnell akzeptiert. Dennoch ist auch er gut nachvollziehbar und in sich schlüssig, so dass man sich auch sehr gut mit ihm identifizieren kann.

Auch die Nebenfiguren sind gut gelungen, hin und wieder bleiben sie jedoch zu blass. Gerade Marcos Gedanken und Beweggründe kann man nur schwer begreifen. So erfährt der Leser weder warum er mit Ciro geflohen ist, noch weshalb er so lange mit seinem Bruder durchs Land reist. Man versteht ihn einfach nicht. Costa ist da schon besser gelungen, ebenso Noahs Familie.

Stilistisch legt S.B. Sasori gewohnt solide Kost vor – sie hat einen sehr eindringlichen, angenehmen Schreibstil, der von Anfang an zu fesseln weiß und einen sehr tiefen Einblick in die Gefühlswelten der Charaktere offenbart. Man ist den Figuren sehr nahe, kann jede Handlung nachvollziehen und leidet mit ihnen. Auch die Beschreibungen der Umgebung sind gut gelungen und er gelingt ihr das italienische Flair einzufangen. Einzig die Erotikszenen sind mitunter etwas gewöhnungsbedürftig, da die Autorin auf gängige Termini verzichtet und den Akt ein wenig anders in Szene setzt. Das ist nicht negativ auszulegen – die Erotik wirkt in „Drahtseiltänzer“ ansprechender als in manch anderem Gay Romance Roman.

Fazit:
„Drahtseiltänzer“ ist ein interessanter, gut geschriebener Roman, der mit einer ungewöhnlichen Grundidee und entsprechend einzigartigen Charakteren aufwartet. Wer Ciro und Noah bereits aus der Anthologie „Yep – Warum nicht anders?“ kennt und auf eine Fortsetzung gewartet hat, sollte sich S.B. Sasoris Roman nicht entgehen lassen. Ebenso sei das Buch Lesern ans Herz gelegt, die die üblichen klischeehaften Geschichten haben sind und sich nicht davor scheuen, etwas Neues zu wagen. „Drahtseiltänzer“ loht sich trotz einiger kleinerer Schwächen und bietet spannende und dramatische Unterhaltung. Lesenswert.

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[MANGA] Fading Colors von Nightmaker

Autoren: Nightmaker
Taschenbuch:  168 Seiten
ISBN: 978-3842010543
Preis: 3,99 EUR (ebook) | 6,95 EUR (Hardcover)
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Story:
In der Welt der Katzenmenschen besteht eine feste Hierarchie: Reinblüter, sprich einfarbige Katzen stehen an der Spitze; Gefleckte, sprich mehrfarbige gehören zur untersten Gesellschaftsschicht, die zumeist verachtet und gehasst wird. Der junge Kater Alik gehört zu den gefleckten und hat es seit jeher nicht leicht. Schwieriger wird es für ihn, als er während einer Flucht den Reinblüter Tavis über den Haufen rennt und sein Handy verliert. Darauf sind einige prekäre Bilder, die Tavis‘ Neugier wecken. Bei ihrem nächsten Aufeinandertreffen erhält Alik zwar sein Handy wieder, doch Tavis entpuppt sich als unerwartet hartnäckig, möchte er doch die Welt des Gefleckten kennenlernen. Ohne es verhindern zu können, hat Alik einen neuen Begleiter und lernt Tavis während ihrer Streifzüge besser kennen. Dabei erkennt er, dass nicht alle Reinblüter so hasserfüllt sind, wie er dachte und dass Tavis noch ein unschönes Geheimnis umgibt …

Eigene Meinung:
Mit dem Manga „Fading Colors“ legt die deutsche Mangaka Nightmaker ihr Debüt bei Tokyopop vor. Dabei hat sie sich für das beliebte Boys Love Genre und Catboys entschieden, die sie in einem Einzelband zu einer kurzweiligen Geschichte verwebt.

Inhaltlich bietet „Fading Colors“ mehr, als man auf den ersten Blick denkt. Die Hintergrundgeschichte ist nicht uninteressant, gerade was die Welt der Katzenmenschen anbelangt und die fellveränderten Drogen, die am Rande eine große Rolle spielen. Allerdings verschenkt Nightmaker hier einiges an Potenzial, da viele Dinge nur oberflächlich behandelt werden. Die Hauptkonzentration des Mangas liegt auf dem Anfreunden und Näherkommen von Alik und Tavis, die natürlich über die allgemeinen Unterschiede und Unterschiede ihrer Rassen erhaben sind. Dabei entwickelt sich nach dem ersten Kennenlernen die Beziehung der Beiden fast zu schnell, da sie binnen kürzester Zeit miteinander im Bett landen. Wenigstens verzichtet die Mangaka auf allzu ausufernde Liebesgeständnisse, doch es fehlt das wirkliche Ausarbeiten der Probleme, die die beiden haben müssten. Sicher, es kommt zu rassistisch gefärbten Angriffen (sowohl seitens der Gefleckten gegenüber Tavis, als auch seitens der Reinblüter), aber diese werden schnell beigelegt oder abgewendet. Auch das Ende und die Aufklärung von Tavis‘ Geheimnis kommt ein wenig schnell und wird zu leicht abgearbeitet. Das ist sehr schade, da man mit mehr Seiten mehr Tiefgang hätte liefern können.

Die Charaktere entsprechen den üblichen Stereotypen: Alik ist zumeist auf Krawall gebürstet, ein Straßenkämpfer und um jüngere Gefleckte besorgt; Tavis ist der Junge aus gutem Hause, der in einer anderen Welt lebt und kaum etwas vom harten Leben auf der Straße weiß. Beide sind extrem gegensätzlich, was natürlich für Spannungen zwischen ihnen sorgt und eine passende Grundlage liefert, um die beiden Catboys zusammen zu bringen. Versierten Boys Love Lesern bietet sich wenig Neues: Nightmaker hält sich an die üblichen Genrefestlegungen.
Ansonsten lernt man die übrigen Nebenfiguren kaum kennen. Die meisten sind nur da, um die Geschichte voranzutreiben, oder bilden den Rahmen für Alik und Tavis, um passend handeln zu können.

Stilistisch ist „Fading Colors“ durchaus gelungen – Nightmaker hat einen soliden Stil, der jedoch verbesserungswürdig ist. Hin und wieder kommen die Figuren ein wenig steif daher, insbesondere bei den Actionszenen wirken die Katzenmenschen recht schablonenhaft. Auch sind die Gesichter ein wenig gewöhnungsbedürftig, gerade bei der Frontalansicht stimmen die Gesichtszüge selten und wirken verzeichnet. Am wenigsten können die anderen Figuren überzeugen: seien es die Kinder, Tavis‘ Eltern oder die übrigen Nebencharaktere – sie wirken alle unsauber und seltsam. Gerade ältere Menschen liegen Nightmaker überhaupt nicht, was man ganz besonders an Tavis‘ Vater merkt. Hier zeigen sich die Schwächen des Mangastils der Künstlerin.

Fazit:
„Fading Colors“ ist ein netter Boys Love Manga, der eine Menge Potenzial nach oben hat, jedoch nur wenig wirklich ausreizt. Das liegt vorwiegend an den stereotypen Charakteren und der Tatsache, dass natürlich die Beziehung zwischen Tavis und Alik im Vordergrund stehen muss, anstatt die Grundidee auszubauen. Auch stilistisch ist Nightmakers Debüt verbesserungswürdig, doch es ist auch hier Potenzial vorhanden, dass es auszubauen gilt. Wer Catboys und Boys Love mag, sollte einen Blick riskieren, ebenso Leser, die gerne deutsche Mangaka unterstützen.

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[ROMAN] Das Ende von Eddy von Édouard Louis

Autoren: Édouard Louis
Taschenbuch:  208 Seiten
ISBN: 978-3100022776
Preis: 16,99 EUR (ebook) | 18,99 EUR (Hardcover)
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Story:
Schon von klein auf ist Eddy anders als die übrigen Kinder des ärmlichen Dorfes in der Picardie, in der echte Männer von der Schule abgehen, Frauen abschleppen und saufen. Er hat nicht nur eine hohe Stimme, sondern auch einen tänzelnden Gang und ist es gewohnt seine Worte mit ausholenden Gesten zu unterstreichen. Bereits in der Schule wird ihm dies zu Verhängnis, denn er ist schnell zum Schwulen degradiert – lange bevor er überhaupt weiß, was dieses Wort bedeutet. Die Auswirkungen bekommt er direkt zu spüren, mal in verbaler, mal in körperlicher Gewalt. Für ihn steht fest, dass er alles daran setzen will, um nicht schwul zu sein – lieber arbeitsloser Fabrikarbeiter mit krankem Rücken und Alkoholproblem, als der Außenseiter des Dorfes zu sein. Doch so leicht lässt sie seine Natur nicht abändern …

Eigene Meinung:
Mit „Das Ende von Eddy“ erschien 2013 das Debüt des damals erst 20-jährigen Édouard Louis, das deutliche autobiografische Züge aufweist. Bis heute verkaufte sich der Bestseller über 200.000 mal in Frankreich, in Deutschland erschien der Roman bei Fischer. Auf sehr direkte und unverblümte Art und Weise berichtet der Autor von seiner Kindheit in der französischen Provinz und was es heißt dort als homosexueller Junge zu leben.

Die Geschichte des jungen Eddy nimmt einen schon auf den ersten Seiten gefangen – schon früh in die Rolle des Außenseiters gedrängt, versucht er sein Leben auf verschiedene Weisen zu meistern: Anpassung an das Leben der übrigen Menschen eines Dorfes, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Männer gehen frühzeitig von der Schule ab, arbeiten in der Fabrik, heiraten und produzieren einen Stall Kinder; Frauen werden Verkäuferinnen, Friseure oder Altenpflegerinnen, heiraten möglichst jung und bringen die Kinder zu Welt, um nicht als frigide oder lesbisch zu gelten. So sehr man die Gutbürgerlichen um ihr Geld beneidet, so sehr verachtet man sie; Armut ist der ewige Begleiter, zusammen mit Gewalt und Brutalität, die erschreckend alltäglich daherkommt und ebenso akzeptiert und toleriert wird wie Rassismus und Fremdenhass.
Das Eddy allein wegen seiner hohen Stimme, seiner Mimik und Gestik kaum eine Chance hat, wird schnell deutlich: in den Augen seiner Familie und der übrigen Bewohner ist er schwul, weil er sich auffallend weiblich verhält und heult, sobald man ihn schlägt. Es braucht lange bis Eddy erkennt, dass er sich nicht anpassen kann und lieber aus diesem Leben fliehen möchte, um anderswo sein Glück zu suchen. Bis es soweit ist durchlebt der Leser zusammen mit Eddy die Hölle, denn die gesamte Kindheit und Jugend von Angst, Selbsthass und Abneigung geprägt, die ihm von allen Seiten entgegenschlägt. Hinzukommt die Armut, in der die Familie lebt und die zeigt, wie schlecht es mitunter einigen Menschen heute noch geht: teils gibt es nichts zu essen, Ärzte sind verpönt und wer in der Schule mitarbeitet, degradiert sich selbst zum Außenseiter. Das Leben des einfachen Arbeiters ist hart, der Weg jedoch vorherbestimmt, sobald man in die Provinz hineingeboren wird: es ist ein beständiger Kreislauf, den man kaum durchbrechen kann.

Mit einer enormen sprachlichen Wucht und eine unverblümten, verbalen Brutalität erzählt der Autor die Geschichte von Eddy. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, scheut sich nicht vor intimen Details aus seinem Leben und schont den Leser in keiner Weise. Man ist gleichermaßen schockiert, getroffen und berührt, denn Édouard Louis gibt Einblicke in die vollkommen fremde Welt der tiefsten Provinz. Positiv ist, dass er den Dialekt und die Sprache der Arbeiter perfekt wiedergibt, was den Unterschied zwischen den Menschen der Picardie und dem Ich-Erzähler deutlich macht. So sind die Worte seiner Eltern zumeist kursiv gehalten, ebenso die Dialoge der übrigen Bewohner des Dorfes. Schon optisch hebt sich die Sprache der Arbeiterklasse dem von Eddy bzw. dem Erzähler ab, der sich wesentlich besser und gepflegter auszudrücken vermag. Dennoch geling es dem Autoren vollkommen neutral und wertungsfrei zu beschreiben: so schrecklich und brutal die Schüler, Bewohner und Menschen auch sind, die Eddy zusetzen, sie wirken realistisch und sind nicht übertrieben bösartig. Auch verzichtet er auf versteckte Anklagen und greift niemanden direkt an, was auch nicht zu „Das Ende von Eddy“ gepasst hätte. Édouard Louis trifft die richtigen Töne und überzeugt mit sprachlicher Genauigkeit, einem direkten Stil und einer erschütternden Direktheit, was Erniedrigung, Gewalt und Brutalität betrifft.

Fazit:
Édouard Louis‘ „Das Ende von Eddy“ ist ein sprachgewaltiges, fesselndes Meisterwerk, das zu Recht den Pierre Guénin-Preis, der besonderes Engagement gegen Homophobie auszeichnet, erhalten hat. Mit klaren Worten und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen erzählt der Autor von einer Kindheit, die durch Intoleranz, Hass und Angst geprägt ist, und zeichnet eine Gesellschaft, die für viele kaum mehr existiert. Ein Muss für anspruchsvolle Leser, die nach Lektüre fernab von Romantik und Beziehungsklischees suchen. Zu empfehlen.

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[MANGA] Shut up and sleep with me von Makoto Tateno

Autor: Makoto Tateno
Taschenbuch: 194 Seiten
ISBN: 978-3-7704-8635-9
Preis: 6,49 EUR (eBook) | 7,50 EUR (Taschenbuch)
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Story:
Die Ladengeschäfte S-Kurogane und S-Shirogane liegen direkt nebeneinander und sind bekannt für ihren ausgefallenen Silberschmuck. Dem Namen entsprechend steht S-Kurogane eher für härtere Designs mit Totenköpfen und Kreuze, während S-Shirogane für seine weichen, verspielten Designs berühmt ist. Das Konzept schlägt sich sogar auf die Belegschaft und die Designer der Schmuckstücke nieder – hell und dunkel. Während Yuko der Chefdesigner von S-Kurogane ist, arbeitet der sanfte Haruka für den hellen Konterpart du entwickelt verschlungene, feine Designs. Die beiden sind Kontrahenten und Freunde gleichermaßen, allerdings entwickelt sich schon bald mehr zwischen den beiden, denn sie teilen die Leidenschaft füreinander. Allerdings gibt es da ein Problem: beide sind im Bett aktiv und keiner mag sich mit dem Part des Uke zufrieden geben. Als der Chef der Ladenkette auftaucht und Yuto sich an ihn heranmacht, ahnt er nicht, was er damit auslöst …

Neben der Hauptgeschichte befindet sich noch der Kurzmanga „Shut up and make me cry“ in Makoto Tatenos Werk, in dem es um So Nishiyama geht, Angestellter bei S-Kurogane, der gerade von seiner Frau verlasen wurde und Trost bei einer ungewöhnlichen Person findet.

Eigene Meinung:
„Shut up and sleep with me“ ist ein weiterer One-Shot von Makoto Tateno, die durch ihre unzähligen Boys Love Mangas bekannt geworden ist, insbesondere durch ihre Reihen „Yellow“ und „Blue Sheep Dream“. Der vorliegende Manga erschien in Deutschland bei EMA.

Inhaltlich bietet Makoto Tateno eine recht vorhersehbare Shonen-Ai Geschichte inklusive leichter Erotikelemente und stereotyper Charaktere. Die Grundlagen wirken sehr konstruiert, da die Läden so schwarz und weiß sind, dass es sich das Konzept der Geschäfte bis auf die Belegschaft erstreckt: in S-Kurogane arbeiten vorwiegend Leute mit dunklem Haar und düsterer Kleidung, in S-Shirogane findet man dafür blondes Haar und weiße Klamotten. Dass die beiden Chefdesigner ein Auge aufeinander geworfen haben ist recht schnell klar, ebenso wie die Geschichte weitergeht und endet. Daher bietet „Shut up and sleep with me“ dem Leser leider nichts Neues oder Überraschendes, sondern die üblichen Klischees des BL Genres.

Dementsprechend schnell vergisst man den Manga wieder, da weder der Inhalt, noch die Figuren dauerhaft im Gedächtnis bleiben. Letztere sind ebenso klischeehaft wie die Handlung: Yuto ist ein durchschnittlicher, naiver Typ, der sich leicht an der Nase herumführen lässt und an dem etliche Dinge vorbeigehen. Sein Konterpart Haruka ist da wesentlich intelligenter und weiser, was sich auch gegenüber des Besitzers der Ladenkette zeigt. Die übrigen Figuren bleiben leider ebenso blass wir die Hauptfiguren – man erfährt nur wenig über sie. All das macht „Shut up and sleep with me“ zu einem mittelmäßigen Werk, das nur für Fans geeignet ist, die wirklich alles von Makoto Tateno im Regal stehen haben wollen.

Stilistisch ist „Shut up and sleep with me” solide, aber man merkt, dass es sich nur um ein Zwischenwerk der Künstlerin handelt. So routiniert sie nach all den Veröffentlichungen ist, die Zeichnungen wirken an einigen Stellen recht schlampig. Auf Details (außerhalb des Schmucks) wird weitestgehend verzichtet; auch die Hintergrundbilder halten sich in Grenzen. Die Figuren sind kein Problem für sich – Anatomie und Perspektiven stimmen, aber die Charaktere ähneln sich stark und lassen sich nur mit Hilfe der Haare und Klamotten auseinanderhalten.

Fazit:
„Shut up and sleep with me” ist einer der schlechteren Mangas von Makoto Tateno, der eher für Fans der Mangaka geeignet ist. Versierten Boys Love Lesern wird weder die Handlung überzeugen noch die Charaktere gefallen, da alles sehr klischeehaft und stereotyp gehalten ist. Makoto Tateno hat schon wesentlich bessere Mangas und One-Shots auf den Markt gebracht. Daher rate ich von einem Kauf eher ab.

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