Archiv für den Monat Oktober 2015

EMA Sommerprogramm 2016

Bereits vor einigen Tagen hat EMA sein neues Programm angekündigt – endlich habe ich es geschafft, mir einen Überblick zu verschaffen, welche Mangas im kommenden Frühjahr/Sommer nach Deutschland kommen. Viele Überraschungen gibt es nicht – dass die Kuroneko-Reihe fortgeführt wird, war irgendwie zu erwarten, die anderen beiden Oneshots sind ganz nett, wobei mit Kyou Kitazawa zumindest eine neue Mangaka nach Deutschland kommt. Hier die obligatorische Übersicht der neu angekündigten Mangas:

110 – Keine Nummer unter diesem Anschluss von Kyou Kitazawa (Original: 110 – Ban wa uketsukemasen!)
Kuroneko – Fang mich! Von Aya Sakyo (Orginal: Kuroneko Kareshi no Aishikata)
Kuroneko – Streichel mich! Von Aya Sakyo (Original: Fukigen Kareshi no nadamekata)
Kuroneko – Zeigs mir! Von Aya Sakyo (Original: Nekoka Kareshi no ayashikata)
Love Fever von Papiko Yamada

[AUSWERTUNG] Gewinnspiel Brunhilde Witthaut

Hallo ihr Lieben,

Kommen wir endlich zum großen Nachklang der Special Week mit Brunhilde Witthaut und dem Leserinterview inkl. der Auswertung des Gewinnspiels. Insgesamt haben sich 15 Leute am Gewinnspiel beteiligt und einige tolle Fragen geschickt. Brunhilde und ich bedanken uns bei allen Teilnehmern. Bevor wir die glücklichen Gewinner bekanntgeben, kommen wir erst einmal zu Brunhildes Antworten:

Bianca: Schreibst du an mehreren Projekten gleichzeitig, je nach Laune und Einfällen an dem einen oder an dem anderen? Oder beginnst du einen neue Roman erst, wenn der andere beendet ist?
Ich schreibe hin und wieder an mehreren Projekten, die aber nicht gleichrangig sind. An einem Roman, der bald abgegeben werden soll, schreibe ich recht konzentriert, aber gleichzeitig kümmere ich mich z.B. auch um Exposé und Leseprobe eines anderen Stoffes für meine Agentin. Sie muss ja verkaufen und kann nicht warten, bis ich mit meinem aktuellen Roman fertig bin. 40-50 Seiten kann man immer mal gut dazwischenschieben.

Sarah: Du hast gleich mit eine Gay Geschichte gestartet? Habe ich das richtig gelesen? Wie kam es dazu? Hast du schon immer gerne solche Geschichten gelesen?
Ich habe mit historischen Romanen begonnen und bin dann zum Gay Crime gekommen. Wie es dazu kam? Nun, in meinem historischen Roman „Des Teufels Schreiber“ ging es um einen Serienmörder, der historisch belegt schwul war. Dem konnte ich also keine Geliebte andichten. Ich musste mich mit der Thematik auseinandersetzen und entdeckte, dass die Gefühle zweier Männer füreinander jetzt nicht viel anders sind als bei einem Hetero-Paar. Das Thema hat mich fasziniert, sodass ich mir vorgenommen haben: jetzt entwerfe ich einen schwulen Helden in meinem Lieblingsland. So wurde Claude Bocquillon geboren. Ein Held für schwule Männer, der aber auch den Damen gefällt. Die Leserinnen mögen es dann ja auch ganz gern ein wenig romantisch und leidenschaftlich, deshalb habe ich meine Gay Romance-Geschichten entwickelt. Ich selbst lese kaum Gay Romance.

Sebastian: Wo holst du dir die Inspiration für deine Romane?
In Frankreich. Da liegt unter jedem Stein eine Geschichte. Das bezieht sich auf die Gay Krimis und meine historischen Romane.
Alle anderen Themen schöpfe ich aus dem prallen Leben, aus sozialen Umständen, aus Fernsehdokumentationen usw. und aus Erlebnissen. Zum Beispiel wurde ich auf dem Montmartre in Paris von zwei Roma-Mädchen angebettelt. Danach schrieb ich den Romantic-Thrill „Montmartre Blues“, in der es um eine junge Rumänin geht, die sich in einen reichen Pariser verliebt.

Ramona: Liebe Brunhilde, du bist ja vor allem in historischen Gefilden und im Krimibereich unterwegs. Gibt es noch ein anderes Genre, das du als Autorin unbedingt noch entdecken möchtest?
Ja, ich möchte gern noch einen Thriller schreiben. Er wird in Kanada spielen, so viel weiß ich schon, und es geht um die Natives, also Indianer. Mir fehlt nur die Zeit, ein dickes englischsprachiges Sachbuch zu entziffern, das ich für den Thriller benötige.

Monja: Wie bist du dazu gekommen, gerade im Genre Gay zu schreiben? Das ist ja immer noch nicht so häufig zu finden, wie die meisten anderen Charaktere und sicher schwerer zu etablieren (was ich nicht verstehe).
Ich verstehe auch nicht, warum „normale“ Verlage keine schwulen Geschichten verlegen (in denen Erotik und Sex überhaupt nicht im Mittelpunkt stehen). Wie ich dazu gekommen bin, habe ich auf Sarahs Frage erklärt.

Chris McKay: Du schreibst offenbar an mehreren Projekten gleichzeitig. Wenn du an einem Krimi schreibst, bevorzugst du dann, dass die anderen zeitgleichen Projekte ein völlig anderes Thema/Genre haben? Oder ist es dir lieber, wenn parallel laufende Projekte im gleichen Genre angesoedelt sind?
Es ist schwierig für mich, an zwei Krimis gleichzeitig zu schreiben. Da kommt es dann schon mal vor, dass ich Namen verwechsle und im schlimmsten Fall sogar Alibis der beiden Fälle mische und durcheinanderwerfe 🙂

Hattest du schon mal eine Schreibblockade und wenn ja, wie bist du damit umgegangen?
Eine Blockade – so will ich das nicht nennen. Manchmal muss ich mich etwas regenerieren. Ich merke, dass sich der Schreibflow nicht einstellt, dass alles etwas zäh fließt. Oft handelt es sich dabei um den Übergang von einer Szene in eine andere. Ich finde dann den Absprung nicht. Dann setze ich zwei, drei Tage aus, denke aber immer an die Situation. Und dann – peng, kommt der zündende Gedanke und es geht weiter.

Wie wichtig sind für dich das Feedback der LeserInnen und der Kontakt zu ihnen, z.B. über SocialMedia?
Das Feedback macht 50 % der Freude aus. Die anderen 50 % Freude entsteht beim Schreiben selbst. Ich freue mich über jede Meinung, sachliche Kritik und schöne Rezensionen. Ich bin aber jetzt nicht der Jäger, der LeserInnen auf Facebook sammeln geht. Lieber lasse ich den Leser von selbst auf mich zukommen.

Anna: Was würdest du tun, wenn du deinen Charakteren tatsächlich einmal begegnen würdest?
Also, vor Gilles de Rais würde ich wegrennen (Des Teufels Schreiber).
Claude, Julian und Frederic würde ich um den Hals fallen (Krimis), Zac und Liam würde ich High Five geben und mit ihnen durch Schwulenkneipen ziehen (Vancouver Dreams). Mit Ruben und Niklas würde ich einen Kaffee trinken, mit denen bin ich nie so recht warm geworden (Bodyguard).

Julia: Mit welcher deiner Figuren kannst Du dich am meisten identifizieren und warum?
Gute Frage. Mit jeder. Das liegt einfach daran, dass man als Autor bei jeder Figur in die Tiefe gehen muss. Man steckt schließlich in ihr, berichtet aus ihrer Perspektive. Da ist es egal, ob es der Held oder der Bösewicht ist. Ich mag auch meine Schurken. Es gibt natürlich Figuren, die einem einfach nicht so liegen, aus welchen Gründen auch immer. Das hat man sich jedoch selbst eingebrockt und man muss beharrlich daran arbeiten, dass die Figur authentisch wird.

Nadin: Wenn du in deinem Leben etwas ändern könntest, würdest du es tun und wenn ja was oder sagst du dein Leben gefällt dir so wie es jetzt ist?
Ich würde alles wieder so machen außer einer Sache: ich würde mindestens 10 Jahre eher mit dem Schreiben anfangen, um die vielen Ideen umzusetzen. Schreiben ist einfach toll. Ach ja,und ich würde mir 10 Jahre eher einen spanischen Windhund, einen Galgo, aus dem Tierschutz zulegen. Jetzt mit über 50 Jahren so eine Rennmaschine zu haben, ist nicht immer ganz einfach.

Könntest du dir vorstellen die Geschichte Niklas und Ruben aus „Bodyguard – Spezialauftrag: Liebe“ fortzusetzen?
Nein, das kann ich mir nicht so gut vorstellen. Die beiden leben in Deutschland, tja, Pech. Da werden meine Finger steif. Ich kann am besten schreiben, wenn meine Figuren Franzosen sind oder in Kanada wohnen. Bei Zac und Liam könnte ich mir eher eine Forsetzung vorstellen.

Steffi: Gibt es evtl. mal eine Fortsetzung zu „Bodyguard“?
Nein, wie schon bei Nadine erklärt. Nur Claude ist mir so ans Herz gewachsen, dass irgendwann ein vierter Band erscheinen wird.

Auf was für eine (bisher ungestellte) Frage hat Brunhilde Witthaut schon immer mal in einem Interview antworten wollen?
„Verdienen Sie viel Geld mit Ihren Büchern?“ – Auf diese Frage würde ich antworten, dass sich viele Leser falsche Vorstellungen vom Einkommen eines Autors machen. Aber über Geld spricht man ja nicht …

Steffen: Woher kommt Ihr großes Interesse als Frau am Schreiben homoerotischer Themen und Charaktere und wie gern lesen Sie selbst Bücher dieser Thematik?
Die zweite Hälfte ist leicht zu beantworten. Ich lese kaum Bücher mit schwuler Thematik, außer Sachbücher zu Recherchezwecken. Das mag seltsam erscheinen. Ich lese aber auch kaum historische Romane, obwohl ich welche schreibe. Ich mache das Lesen eines Buches nicht von einem Genre abhängig, sondern vom Stil und vom Thema.
Nun zu Teil eins: Ich habe als Autorin Interesse an vielfältigen und abwechslungsreichen Figuren. Ein schwuler Detektiv ist eine Facette, die ich gern vielen Lesern vorstellen möchte. Es geht mir überhaupt nicht um Homoerotik (ich schreibe gar nicht gerne erotische oder Sexszenen), sondern um die Frage, inwieweit die Homosexualtität das Leben eines Menschen beeinflusst. Wie sind die Umstände, wie reagieren andere Personen, wie geht die Familie mit dem Thema um usw. Manchmal geht es ums Coming out, manchmal um die aufkeimende Liebe, aber ich gebe der Beziehungsebene immer eine Spannungsebene bei, in denen die Helden sich bewähren müssen. In einer Rezension von „Mord auf Französisch“ kannst du etwas lesen, was mir sehr gut gefällt: „Andererseits beschäftigen ihn allgemeinmenschliche Dinge wie die Sehnsucht nach Geborgenheit, Liebe und Freundschaft, Fragen nach der Heimat und nach der eigenen Verortung im Leben. Bach stellt den schwulen Protagonisten darin vor allem als ‚normalen‘ Menschen dar und dafür können wir ihm dankbar sein.“

Welche inneren Emotionen spielen sich in Ihnen ab, wenn Sie einen Krimi schreiben, wo sie vielleicht eine geliebte Person „morden“ müssen, weil die Geschichte dies erfordert?Diesen Fall hatte ich bisher wohl noch nicht. Aber das Gefährden einer netten Figur ist eigentlich gar nicht so schwer zu ertragen. Manchmal gefällt es mir sogar und ich frage mich: welchen Sympathieträger bringen wir denn dieses Mal in Schwierigkeiten? Wenn es zur Geschichte gehört, muss diese Geschichte eben erzählt werden. Da kann man nichts machen 🙂
Ansonsten kommt es immer auf meine Tagesform an. Wird die Geschichte tragisch, rollen dann schon mal ein paar Tränchen.

Wie erfolgt Ihr Versinken in einer fremden Zeit und Welt, wenn Sie sich eines historischen Themas annehmen?
Danke für diese schönen Fragen 🙂
Ich liebe historische Themen, schon als Kind konnte ich mich für entfernte Zeiten begeistern. Man lernt so viel daraus für die Gegenwart und die Zukunft.
Wenn ich schreibe, bin ich gedanklich voll in der Historie. Wenn ich an der Tastatur sitzen, kann ich den Geruch riechen, die Farben der Gewänder sehen und höre die Lastenkräne der Katheralbauten knarren. Das geht automatisch, es ist in mir drin. Ich stecke in der Figur meines Helden, der dann allerdings die gleichen Probleme hat wie die Figuren der Gegenwart. Es geht immer um elementare Dinge wie Schuld, Liebe, Hass, Ehre, ums Überleben und um die Durchsetzung der Ziele, egal ob gestern oder heute.

Uwe: Wie findest du die Handlungsorte für deine Romane? Sind sie vor den Charakteren da, besuchst du sie selbst?
Ich glaube, das findet sich gleichzeitig. Ich sehe die Figuren fast immer im Zusammenhang mit der Region. Hin und wieder kann ich ein bisschen variieren, z B. Habe ich beim „Bodyguard“ ein wenig überlegt, wohin ich ihn verpflanze. Die historischen Orte sind dagegen zwangsläufig mit den Figuren verbunden. Gilles de Rais kann nur in der Bretagne agieren, der Kamisardenkrieg (Die Rebellenbraut) kann sich nur in den Cevennen abspielen.
Wenn eben möglich, besuche ich die Orte meiner Geschichten. So war ich im letzten Urlaub in Nizza (Doppelter Tod, von Michelle Cordier, ab Dezember im Handel.) Die Cevennen (Claude Bocquillon) sind ohnehin mein liebstes Urlaubsziel. Sie sind wild, sonnig, warm und dazu karg und historisch gebeutelt. Einfach vielseitig.

Emmi: Ich finde die Buchcover gelungen. Wenn ich es richtig verstanden habe, bestimmst du als Selfpublisher selber, wie das Cover werden soll. Wie sieht das bei deinen Verlagbüchern aus? Hast du da auch Einfluss auf das Aussehen?
Bei Verlagsbüchern hat der Autor oder notfalls seine Agentur meist kein oder nur ein geringes Mitspracherecht. Aber in der Regel einigt man sich „in der Mitte“. Bisher hatte ich das Glück, dass all meine Cover recht ordentlich sind.

Pierre: Woher kommt die Inspiration, Gay-Romance Bücher zu schreiben?
Wie schon angegeben, geht es nicht um gay oder nicht gay, sondern um eine fesselnde oder berührende Geschichte mit normalen Menschen, die eben schwul sind. Ich lege vorab das Thema fest, um das es gehen soll. Klar, eine Beziehung muss her, dazu kommt eine äußere Bedrohung, die als Katalysator für die Beziehung dient. Dann entwerfe ich passende Figuren. Die Inspiration kommt durch das Anlegen dieser Puzzle-Teilchen. Man fängt mit den Ecken an, fertigt den Rahmen, und je mehr Teile zusammenpassen, umso mehr Inspiration finde ich beim Anblick des halb fertigen Bildes. Am Ende läuft alles wie geschmiert.

Danke für eure Fragen, die von eurem Interesse zeugen. Ich hoffe, ihr bleibt meinen Geschichten treu und wir „lesen“ uns bald wieder. Im Dezember geht es mit einem Nizza-Krimi weiter. Aber: keine Gay-Geschichte dieses Mal.

Hier die Gewinner des Leserinterviews

3. Platz

3. Platz – Steffen Marciniak

2. Platz

2. Platz – Monja Freeman

1. Platz

1. Platz – Julia Raschke

Herzlichen Glückwunsch!
Alle Gewinner melden sich bitte bei mir mit Angabe ihrer Adresse und Signierwunsch (Brunhildewird die Bücher für euch signieren und euch direkt zuschicken).

Alle anderen bekommen Anfang kommendes Jahr eine neue Chance – im Januar gibt es die nächste Special Week, dann dürft ihr euch auf Paul Senftenberg und seine Werke freuen. Bis dahin wünschen Brunhilde und ich euch alles Gute.

Vielen Dank an alle Teilnehmer, Brunhilde Witthaut für die tolle Unterstützung, die Geduld und natürlich die Bereitstellung der Gewinne 🙂

Bis zum nächsten Mal,
Juliane

[ROMAN] Mami, warum gibt es hier nur Männer von Volker Surmann

Autoren: Volker Surmann
Taschenbuch:  288 Seiten
ISBN: 978-3442482078
Preis: 7,99 EUR (ebook) | 8,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Helmer, Mitte 50, schwul und Hotelier des Gay Resorts Rainbow Inn auf Sardinien, hat für seine homosexuelle Gästeschar selten freundliche Gedanken übrig. Zumeist verachtet er die Arroganz, Oberflächlichkeit und Sturheit der schwulen Urlauber, die während ihres Aufenthalts weder (Bio)Frauen, noch Kinder sehen und am liebsten unter sich bleiben wollen. Diese Regel wird kurzerhand in den Wind geschossen als die betrogene Ehefrau Ilka mit ihren zwei Kindern Thea und Felix nach einer Autopanne im Rainbow Inn strandet und von Helmer kurzerhand aufgenommen wird. Sofort macht sich Unruhe unter den Schwulen breit. Während Ilka versucht so schnell wie möglich einen Rückflug zu buchen, erkunden die Kinder die Anlage und freunden sich mit dem Transvestiten Olga an.

Als der erste Rückflug erst drei Tage später möglich ist, quartiert Helmer die kleine Familie in seinem Hotel ein und sorgt damit für ein unvergleichliches Chaos unter seinen Gästen – plötzlich müssen die Schwulen aufpassen, den Playroom abzusperren und beim Stelldichein im nahen Kakteenwald vor neugierigen Kindern auf der Hut zu sein. Auch Ilka hat mit der Situation zu kämpfen, denn neben den verbalen Angriffen seitens der schwulen Stammbelegschaft, drängt auch ihr Noch-Ehemann Dennis darauf, dass sie zu ihm zurückkommt …

Eigene Meinung:
Der Roman „Mami, warum sind hier nur Männer?“ stammt aus der Feder Volker Surmanns, der fast 20 Jahre lang als Kabarettist und Comedian auf der Bühne stand, Beiträge für das Satiremagazin „Titanic“ und Kolumnen für das queere Hauptstadtmagazin „Siegessäule“ verfasste und inzwischen mehrere Bücher herausgebracht hat. Nachdem er 2010 mit seinem Roman „Die Schwerelosigkeit der Flusspferde“ mit dem Comedybusiness abrechnete, widmet er sich mit seinem neusten Werk der schwulen Szene, die ebenfalls einige Breitseiten einstecken muss.

Die Inhaltszusammenfassung deutet bereits darauf hin, welches Genre Volker Surmann mit dem Roman „Mami, warum sind hier nur Männer?“ anstrebt: Trockene, teils absurde Situationskomik bestimmt die Geschichte, die aus mehreren Perspektiven erzählt wird. Seien es Helmer, Ilka, Thea oder Felix – nahezu jeder kommt zu Wort und darf die Ereignisse aus seiner Sicht schildern. Dabei bleibt kein Auge trocken, denn Volker Surmann lässt kein Klischee und keine krude Situation aus, um sowohl Ilka, die beiden Kinder und die schwulen Gäste ins Schwitzen zu bringen. Dabei bietet die Grundidee nicht einmal viel Handlungsspielraum: eine junge Familie landet in einem Gay Resort und wirbelt die sardische Idylle kräftig durcheinander. Viel Spannung, Action und Überraschungen darf man nicht erwarten, dafür kann man auf etliche Lacher und witzige Szenen hoffen, so dass beim Lesen kein Auge trocken bleibt.
Dennoch sei gesagt, dass es Volker Surmann nicht nur um Comedy und seichte Unterhaltung geht, sondern auch ernste Themen angesprochen werden: Schwulen- und Heterohass, Rassismus (insbesondere innerhalb der schwulen Gemeinschaft), Arroganz und Ungerechtigkeit. Dabei wird das schwule Leben in all seinen Facetten vorgestellt: ob Transvestit, SM-Freaks, Pärchen oder Single im Jagdmodus, Twinks oder die alternde Gemeinde: nahezu alles findet einen Platz in „Mami, warum sind hier nur Männer?“. Es ist ein buntes Sammelsurium an Skurrilität, Klischees und unverblümter Offenheit, das in seiner Gesamtheit einfach nur zu unterhalten weiß.

Ein großes Plus machen hierbei die unterschiedlichen Charaktere aus, die allesamt unheimlich authentisch und greifbar beschrieben sind. Sei es der stoffelige Helmer, der am liebsten seine Gäste vor die Tür setzen will, die stets gutgelaunte Olga, die mit ihren Auftritten für Stimmung sorgt und bei den Kindern ein Stein im Brett hat, oder Ilka nebst Nachwuchs, die einfach wunderbar zu den schwulen Gästen des Rainbow Inns passen. Volker Surmann haucht ihnen Leben ein und überzeugt mit lebendigen Dialogen und nachvollziehbaren Reaktionen. Sei es Felix‘ Naivität, wenn es um die schwulen Männer geht, Theas präpubertäres Verhalten, wenn es darum geht ihren Bruder vor Anfeindungen zu schützen oder die kurzen Einblicke in die Gedanken der unterschiedlichen Gäste: es macht einfach Spaß, die Figuren zu begleiten.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln: Volker Surmann hat einen lockeren, flapsigen Schreibstil, der perfekt zur Geschichte und den Charakteren passt. Gerade die Dialoge sorgen für den ein oder anderen Lacher, ebenso die Beschreibungen des Hotels und der nahen Umgebung. Es macht einfach Spaß „Mami, warum sind hier nur Männer?“ zu lesen und das Aufeinandertreffen zweier grundverschiedener Welten zu beobachten. So vorhersehbar die Handlung an einigen Stellen auch sein mag, der Autor schafft es dennoch hervorragend zu unterhalten und gibt Einblicke in eine Welt, die normalerweise nur „Eingeweihte“ zu Gesicht bekommen.

Fazit:
„Mami, warum sind hier nur Männer?“ ist ein witziger, sprachlich gelungener Unterhaltungsroman, bei dem kein Auge trocken bleibt. Die Charaktere sind authentisch und überzeugend in Szene gesetzt, die Handlung mag vorausschaubar sein, kann jedoch durch unerwartet ernste Passagen punkten. Wer witzige Romane voller Situationskomik und skurrilen Figuren mag, sollte sich Volker Surmanns Buch nicht entgehen lassen. Allerdings sollte man auf Lektüre während der Zugfahrt verzichten – den ein oder anderen Lacher kann man sich nämlich nicht verkneifen. Zu empfehlen!

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[ROMAN] Klang des Lebens von Sarah Madison

Autor: Sarah Madison
Taschenbuch: 232 Seiten
ISBN: 978-3-95823-021-7
Preis: 6,49 EUR (eBook) | 8,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der Jahrhunderte alte Vampir Alex will seinem Leben als seelenloser Unsterblicher den Rücken kehren und erwirbt ein altes, renovierungsbedürftiges Haus mitten im Nirgendwo. Dort will er möglichst wieder menschlich werden und entsagt daher dem Schlaf im Sarg nahezu vollständig, da dieser ihn zwar stark und jung macht, gleichzeitig aber auch grausam und unmenschlich. Zusammen mit einem Rudel Werwölfe, mit denen er sich angefreundet hat, bewältigt er die Flucht vor seinem vampirischen Ex, der Alex Sehnsüchte nicht nachvollziehen kann. Im Gegenzug gestattet er den Wölfen bei Vollmond auf seinem Grundstück zu jagen.

Die Flucht ins Exil gestaltet sich jedoch als schwieriger als gedacht, denn gänzlich abgeschieden liegt Alex‘ neue Bleibe nicht – zum einen erhält er regelmäßig Besuch von einem roten Kater, zum anderen freundet er sich mit dem Tierarzt der nahen Ortschaft an: Tate. Als auch noch die erste Vollmondnacht den Werwölfen zum Verhängnis wird, da einer der Wölfe von einem unbekannten Tier angegriffen und schwer verletzt wird, überschlagen sich die Ereignisse. Denn in ihrer Not fällt Alex nur Tate ein, der der Schwerverletzten helfen kann …

Eigene Meinung:
Der Roman „Klang des Lebens“ stammt von Sarah Madison, die bereits mehrere Gay Romance Geschichten veröffentlicht hat. Unter dem Titel „Crying for the Moon“ erschien das Buch bereits 2011 und erzählt einen in sich abgeschlossenen Handlungsbogen.

Von der Grundidee her ist „Klang des Lebens“ gar nicht mal uninteressant – Vampire, die Macht, Jugend und Schönheit erhalten, wenn sie regelmäßig in einem Sarg schlafen, dafür jedoch ihre Menschlichkeit und ihre Seele aufgeben. Die zu blutrünstigen Monstern werden, wenn sie sich selbst verlieren, dafür jedoch die besonderen Fähigkeiten erhalten, die das Vampirdasein im Allgemeinen mit sich bringt. Vor diesem Hintergrund baut Sarah Madison die Geschichte von Alex auf, der sich diesem Zwang nicht mehr unterwerfen will und den üblichen Riten der Vampire abschwört, um wieder menschlich zu werden. Dass er sich dafür mit Werwölfen zusammentut ist ein weiterer Punkt, der die Geschichte aus der breiten Masse hervorhebt, wenngleich die ewige Feindschaft zwischen Vampiren und Werwölfen auch hier angesprochen wird.

So spannend die Grundlagen klingend, so unspektakulär baut die Autorin die Geschichte um Alex und seine wölfischen Freunde auf. Anstatt Alex‘ Kampf gegen seine Natur und eventuell gegen seinen Ex, der diese Macht nicht aufgeben will, genauer und detaillierter zu beschreiben, entpuppt sich die Geschichte als typische Liebesgeschichte zwischen Tate und Alex. Sicherlich – solch eine Lovestory gehört zu einer Gay Romance, doch dass nahezu alle tollen Grundideen nicht ausgebaut oder eingewoben werden, enttäuscht den Leser doch ziemlich. Was hätte man nicht alles machen können, insbesondere als klar wird, dass auch das Werwolfrudel nicht dem üblichen Standard entspricht? Es hätte so viele Handlungsbögen gegeben, die man hätte einbauen können, mehr Spannung und Action, um wirklich zu unterhalten. Stattdessen dümpelt die Geschichte über die Hälfte vor sich hin, nahezu episch wird beschrieben, welche Reparaturen Alex in seinem neuen Domizil vornimmt und auch Tate darf sich ordentlich in Szene setzen. Dass sich dieser am Ende nicht als Mensch entpuppt, sondern ebenfalls das ein oder andere Geheimnis hat, kommt zwar nicht überraschend, doch darauf hätte man auch verzichten können. Dass die Autorin damit eine gewaltige Logiklücke erschafft, lässt sich nämlich nicht ignorieren. Wenn man bedenkt, dass Tate von einem Rudel Werwölfe umzingelt ist, die über besonders ausgefeilte Sinne verfügen, ist es einfach nur seltsam, dass nur einer der Wölfe mitbekommen hat, dass sein Geruch seltsam ist und er kein Mensch sein kann …

Die Charaktere wirken insgesamt ein wenig blass, da auch hier nicht die Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die die Grundidee bietet. Alex wirkt die meiste Zeit ein wenig hilflos und unsicher, obwohl er genug Lebenserfahrung haben dürfte; Tate kommt zu offensichtlich mit den Werwölfen klar, die sich plötzlich in der Stadt tummeln. Ihre Aktionen und Dialoge wirken ein wenig aufgesetzt, was vor allem daran liegt, dass ihnen der Tiefgang fehlt. Sie sind arg schablonenhaft geraten, was auch dafür sorgt, dass man sich nur schwer mit ihnen identifizieren und mitfühlen kann.

Dafür sind die Nebenfiguren ganz gut gelungen und sehr sympathisch, insbesondere die Werwölfe Nick und Peter, die dem eigentlichen Pärchen recht schnell den Rang abliefen. Das liegt vor allem daran, dass sie selbst ein Paar sind und mit diversen Problemen zu kämpfen haben, die ihre Beziehung mit sich bringt. Dabei wird ihnen fast mehr Platz eingeräumt, als Tate und Alex, weswegen es schade ist, dass über die beiden Werwölfe nicht mehr herausgekommen ist.

Stilistisch ist „Klang des Lebens“ solide und gut geschrieben. Sarah Madison hat einen gefälligen, leicht lesbaren Stil. Das betrifft ganz besonders die Beschreibungen der Gegend (nur manchmal ist es einfach zu viel, da es die Geschichte ausbremst) und des Hauses, so dass sich der Leser alles fast bildlich vorstellen kann. Dafür hapert es ein wenig an den Dialogen und den Actionszenen, die nicht nur recht spärlich vorhanden, sondern auch nur schwer nachvollziehbar sind. Dennoch liest sich „klang des Lebens“ sehr schnell und man hätte problemfrei 200-300 weitere Seiten gelesen, wenn die Handlung dafür spannender und komplexer gewesen wäre.

Fazit:
„Klang des Lebens“ wartet mit tollen Grundideen und einer soliden Rahmenhandlung auf, die jedoch nur marginal zu einer spannenden, abwechslungsreichen Geschichte entwickelt wird. Die Handlung bleibt spannungsarm und langatmig, die Charaktere oberflächlich und unspektakulär. Es ist sehr schade, dass Sarah Madison so viel verschenkt hat, denn mit mehr Seiten und einem besseren Konzept hätte man einiges aus der Grundidee herausholen können. So ist „Klang des Lebens“ nur Lesern zu empfehlen, die sich an der Unlogik und den umfangreichen, unwichtigen Beschreibungen nicht stören. Im Bedarfsfall einen Blick in die Leseprobe werfen und dann entscheiden.

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[ROMAN] Granatapfelrot von Ines Schmidt

Autor: Ines Schmidt
Taschenbuch: 220 Seiten
ISBN: 978-3957710550
Preis: 17,99 EUR (eBook) | 21,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der Tod der demenzkranken Jakobine, kurz Jake, reißt ein tiefes Loch in Davids Leben. Schon immer war es seine Aufgabe sich um seine kleine Schwester zu kümmern, insbesondere da sie Glasknochen besaß und in jungen Jahren an einer Frühform der Demenz erkrankte. An ihrer Beerdigung nimmt auch Jakes fester Freund Josh teil, seines Zeichens Weltenbummler und Dokumentarfilmer, der von David in die Staaten zurückgeschickte wurde, als sich der Zustand seiner Schwester verschlechterte. Bereits auf dem Friedhof entwickelt sich eine seltsame Spannung zwischen ihnen, die in einem unbedachten Kuss seitens David gipfelt und beide Männer in ein Chaos der Gefühle stürzt. Während David seinen Ausrutscher vergessen will und jegliche Aussprache abbiegt, ist Josh nicht bereit alles zu vergessen. Um David auf andere Gedanken zu bringen und Antworten zu finden, schlägt er eine Biketour durch die Dolomiten vor.
Als David den Vorschlag akzeptiert und mit Josh aufbricht, ahnt keiner der beiden, was ihn am Ende der Reise erwartet und wie sehr sich ihr Leben verändern wird …

Eigene Meinung:
Der Roman „Granatapfelrot“ erschien im Größenwahn Verlag und ist das Debüt der Autorin Ines Schmidt, die bereits einige Kurzgeschichten in den Größenwahn-Anthologien „Gleich Liebes, gleich ist das Essen fertig“ und „Heartbeatclub“ herausgebracht hat. Das Buch erschien im Hardcoverformat und als eBook im Oktober 2015.

Inhaltlich erwartet den Leser eine schön geschriebene, romantische Geschichte über zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die einen schweren Verlust zu verarbeiten haben: den Tod der geliebten Schwester beziehungsweise verständigen Freundin. Wobei die Beziehung zwischen Josh und Jake nur teilweise nachvollziehbar ist, denn es mutet ein wenig seltsam an, dass sich Josh in die Staaten zurückzieht und sich mitunter neue Sexpartner sucht, während seine Freundin in Deutschland im Sterben liegt. Von diesem Punkt abgesehen ist „Granatapfelrot“ in sich stimmig und sehr gefühlvoll in Szene gesetzt. Ines Schmidt lässt sich und ihren Figuren Zeit sich zu entwickeln und einander neu kennenzulernen. Teilweise zieht sich dadurch die Handlung ein wenig, da David und Josh lange brauchen, bis sie die angespannte Situation zwischen sich klären, doch da die Autorin immer wieder Rückblenden und Erinnerungen an die Vergangenheit einwebt, fällt das kaum störend ins Gewicht. Auf diese Art lernt man die beiden Protagonisten sehr gut kennen und fühlt mit ihnen.
Lediglich die Rahmenhandlung, die im ersten und letzten Kapitel des Buches Einblicke in das gemeinsame Leben der beiden Männer gibt, wirkt ein wenig fehl am Platz. Zwar klärt Ines Schmidt damit einige offene Punkte, doch gleichzeitig wirft sie neue Fragen auf. Auch wirkt Jakobs Rolle als „Chronist“ der beiden ein wenig seltsam, da gerade die Abschnitte aus Davids Sicht zu intim sind, um vom Ziehsohn der beiden niedergeschrieben worden zu sein.

Die Charaktere sind sehr schön umgesetzt, wirken authentisch und realistisch. Ines Schmidt hat ein Händchen für glaubhafte Figuren, die nicht dem gängigen Klischee entsprechen. Das betrifft sowohl die beiden Hauptfiguren, als auch Nebencharaktere wie Jake (die eine sehr große Role einnimmt und überraschend lebendig gezeichnet ist, obwohl sie tot ist), Davids Eltern und Joshs Familie. Sie sind alle in sich schlüssig und nachvollziehbar. Natürlich stehen David und Josh im Zentrum, die sich über ihre Zukunft Gedanken machen, und dafür mit der Vergangenheit abschließen müssen. Dabei stehen natürlich Fragen nach Konvention, Sitte und Anstand im Zentrum, aber auch danach, ob man sich als Mann mittlerer Jahre überhaupt noch auf solch eine Liebe einlassen sollte. Gerade Davids Kampf mit sich selbst ist sehr schön umrissen, ebenso Joshs Sorge, wie ein Verräter zu wirken, wenn er sich auf den Bruder seiner verstorbenen Freundin einlässt. Mitunter hätte Ines Schmidt diesen Konflikt noch vertiefen können, denn schlussendlich finden David und Josh doch recht schnell zueinander, wenn man die äußeren Umstände bedenkt (wenige Wochen nach der Beerdigung). Dieser Punkt macht „Granatapfelrot“ dann doch ein wenig klischeehaft, da er recht vorhersehbar ist und die Geschichte (wenn man sie herunterbricht) nur vom Zusammenfinden und der Liebe zweier Männer erzählt, die sich nach Jakes Tod näherkommen.

Stilistisch legt Ines Schmidt ein gut geschriebenes, solides Debüt vor, das gut zur Geschichte und den Figuren passt. Der puzzleartige Erzählstil, der nicht chronologisch läuft, ist einmal etwas anderes und sorgt dafür, dass trotz einiger Längen keine Langeweile aufkommt. Die Idee Yoshs Perspektive im Briefformat zu erzählen, ist gut und stimmig umgesetzt. Diese Passagen zählen zu den Highlights des Buches, denn sie sind wesentlich schöner, als Davids Erinnerungen und Erzählungen. Letztere sind deswegen nicht schlecht, nur schleichen sich gerade hierbei einige stilistische Mängel ein. Gerade die Dialoge wirken teilweise ein wenig aufgesetzt und lassen sich schwer nachvollziehen. Hier hätte man mehr rausholen können, denn gerade bei den Gesprächen zwischen David und Josh kommt die Geschichte ins Stocken, da sie die beiden nicht voranbringen. Zu oft weicht David aus oder die Aussprache wird anderweitig unterbrochen. Das ist schade, da man als Leser das Gefühl hat, absichtlich hingehalten zu werden.

„Granatapfelrot“ kommt in einem sehr schönen, edel aufgemachten Hardcover daher wie die meisten Romane des Größenwahn Verlags. Die hohe Qualität hat ihren Preis – stolze 21,90€ kostet das Printbuch; das eBook ist mit 17,99€ ebenfalls recht hochpreisig.

Fazit:
Trotz der genannten Kritikpunkte ist „Granatapfelrot“ ein gelungenes Debüt, das mit authentischen Charakteren, einer ruhigen, romantischen Geschichte und einem schönen Schreibstil aufwarten kann. Hin und wieder hätte Ines Schmidt mehr in die Tiefe gehen können, denn viele Dinge werden recht oberflächlich behandelt. Letztendlich handelt es sich bei „Granatapfelrot“ um eine ruhige Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, die zwar nicht verboten, aber unangebracht ist. Wen der recht hohe Preis nicht abschreckt, sollte einen Blick riskieren – es lohnt sich.

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[BRAINDEAD] Chuck Tingle

Auf meinem Uralt-Privatblog bei Livejournal gab es sie schon einmal: die „Braindead“-Einträge, die sich mit skurrilen und seltsamen Begebenheiten beschäftigen, die mir im Laufe der Zeit über den Weg gelaufen sind. Damals ging das über vibrierende Wimperntusche bis hin zum Verslashen alter Filmhelden (einen Eintrag, den ich demnächst auch hier präsentieren werde). Bei einer gestrigen Diskussion mit Freunden, bei der mir die Bücher eines amerikanischen Autors (und deren abstruse Titel“) gezeigt wurden, stand fest, dass ich diese Kategorie hier wiederbelebe, gemünzt auf den queeren Bereich.

Ich will mitnichten über Autoren, Bücher oder andere Dinge herziehen, sondern einfach mal aufzeigen, welch extreme und skurrile Auswüchse das Gay Genre inzwischen aufweist. Für den ersten Eintrag darf daher Chuck Tingle herhalten, der mit seinen Covern, Buchtiteln und Klappentexten bewiesen hat, dass man mich noch immer schocken kann.

Chuck Tingle hat inzwischen Dutzende Bücher auf den Markt gebracht, die meisten Geschichten sind zwischen 30 und 50 Seiten lang und konzentrieren sich nur bedingt auf den üblichen Gay (Romance) Markt. Stattdessen frönt der Erotikautor eher der Leidenschaft möglichst abstruse Geschichten mit noch abstrusen Titeln hinter einem eher seltsam anmutenden Cover zu packen. Das Konzept ist nicht unbekannt, da in den USA derartigen Romane im Hetero-Erotik-Genre (u.a. die Romane von Christie Sims) recht populär sind, was wohl an den haarsträubenden Buchtiteln, nebst selbstgemachtem Cover liegen dürfte. Auch Chuck Tingle, seiner Angabe nach Tae-Kwon-Do-Meister und Meister erotischer Massagen, bastelt seine Cover am heimischen PC selbst. Hier eine Auswahl der „schönsten“ Buchcover, deren Titel eine Menge versprechen:

Die Titel sind da wirklich Programm, denn es geht um Sex zwischen Mensch und Dinosaurier / Einhorn / Bigfoot / Gegenstand (American Diner, Flugzeug (!!)) / XXX. Hauptsache es werden mindestens 2 der folgenden Begriff eingebaut: Sex / Butt / Gay / Pounded / Ass und Unicorn / Dinosaurier (Art egal) / Bigfoot /Living:

„Space Raptor Butt Invasion”
„My Billionaire Triceraptops Craves My Gay Ass”
„Taken By the Gay Unicorn Biker”
Angry Man Pounded By The Fear Of His Latent Gayness Over A Dinosaur Transitioning Into A Unicorn” (mein persönlicher Liebling!)
„Pounded In The Butt By My Book „Pounded In The Butt By My Own Butt“”
„Glazed By The Gay Living Donuts“

Auch die Buchbeschreibungen sprechen für sich (Bsp: „Gay T-Rex Law Firm: Executive Boner“, Quelle: 20min):
Als Donny sich einen Job in der weltbesten T-Rex-Anwaltskanzlei angelt, ist er außer sich vor Freude. Doch nach nur einem Tag wird ihm bewusst, dass seine Arbeit mehr involviert, als nur Akten zu sortieren. Donny macht den Deal seines Lebens und findet sich vertraglich daran gebunden wieder, an einem T-Rex-Gangbang teilzunehmen, welcher der Bezeichnung ‹Dinosaur Bones› eine ganz neue Bedeutung gibt.

Man sieht, es gibt keinerlei Grenzen – Chuck Tingle lässt keine noch so kruden Wünsche offen (Sex mit einem American Diner – kein Problem!). Ob man darüber lachen oder weinen soll, dass sie die Kurzromane wesentlich besser verkaufen, als die „normalen“ Gay Bücher bleibt jedem selbst überlassen. Ebenso die Tatsache, dass sogar deutschen Medien Chuck Tingle einen Bericht wert ist, während seriöse Gay Romane keines Blickes gewürdigt werden.

Zumindest sorgen die Romane für einige Lacher und bleiben unfreiwillig im Gedächtnis. Nur ob man sich gleich die nächste Ausgabe von „Gaygent Brontosaurus: The Butt Is Not Enough“ für 2,99€ besorgt, ist fraglich – mir persönlich reichen die Klappentexte und die teilweise extrem genialen Amazon-Rezensionen, doch sollte sich jemand an Chuck Tingle wagen, so freue ich mich auf Rückmeldungen 🙂

Man soll ja für alles offen sein …

Hier ein paar Infoseiten und natürlich die Homepage von Chuck Tingle:

http://www.amazon.de/Chuck-Tingle/e/B00SF2MTYK/ref=ntt_athr_dp_pel_1
https://en.wikipedia.org/wiki/Chuck_Tingle
http://www.chucktingle.com/

 

[NOVELLE] Berlin Blues von Susann Julieva

Autor: Susann Julieva
Taschenbuch: 110 Seiten
ISBN: 978-3958493827
Preis: 2,99 EUR (eBook) | 5,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
James und Danny sind nach dem Tod von James Mutter und den Wirren ihrer Liebe zueinander nach Berlin gezogen, um sich dort gemeinsam ein Leben aufzubauen. Unterstützt werden die beiden Studenten von Dannys Vater Grazzo, der ihnen kostenfrei ein Luxusappartment überlässt. Doch das Leben zu zweit ist bei weitem nicht so perfekt, wie gedacht: James stürzt sich in sein Studium und versucht den Verlust seiner Mutter mit Arbeit zu ersticken; Danny will sich als Musiker profilieren und aus dem Schatten seines Vaters heraustreten, der eine lebende Legende ist. Umso erfreuter ist er, als er Bekanntschaft mit Gabriel macht, einem aufstrebenden Jungmusiker, der musikalisch perfekt mit Danny harmoniert.

Eifersucht seitens James ist nur der Anfang, denn als die Tage kürzer werden und er erkennt, dass er erstmals Weihnachten ohne seine Mutter feiert, nimmt seine Depression und Introvertiertheit neue Züge an. Während sie die beiden jungen Männer immer weiter voneinander entfernen und nur schwer zueinander finden, schlägt James vor Weihnachten dieses Jahr nicht zu feiern. Doch sie haben die Rechnung ohne ihre Freunde und Grazzo gemacht, die nichts Besseres zu tun haben, als sie während der Feiertage zu besuchen und zum Umdenken zu bringen …

Eigene Meinung:
Die weihnachtliche Novelle „Berlin Blues“ erschien im Dezember 2013 unter dem Titel „Home for the Holidays – A Triangle Christmas Short Story“ in den USA und führt den Roman „Böse Jungs“ („Triangle“) fort, in dem erzählt wird wie James und Danny zueinander fanden und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben. Fast zwei Jahre später präsentiert Susann Julieva ihren Fans nun die deutsche Ausgabe der Novelle und zeigt, wie es den beiden Jungs in Berlin ergeht.

Inhaltlich setzt die Autorin direkt an den Ereignissen aus „Böse Jungs“ an und nimmt auch deutlich Bezug dazu, da es vorwiegend um James Probleme geht, mit dem Verlust seiner Mutter und den vielen schlimmen Ereignissen in seiner Heimat zurechtzukommen. Sei es Caseys Unfall, die Gewalt seines Stiefvaters oder der Tod seiner Mutter – die vielen unschönen Erinnerungen begleiten James noch immer. Problematisch ist hierbei, dass er nicht gelernt hat, darüber zu reden und sich selbst verbietet Danny mit seinen Sorgen und Gedanken zu belasten. So frisst er die meisten Dinge in sich hinein, während sein Freund fast schon hilflos daneben steht und nur teilweise weiß, was los ist und wie er reagieren soll. Zudem treibt Danny natürlich auch seine musikalische Karriere voran, findet neue Freunde und hat immer weniger Zeit für James, da ihre Zeitpläne zu unterschiedlich sind.
Die daraus resultierenden Probleme machen den Löwenanteil an „Berlin Blues“ aus, neben James‘ Trauer – und Problembewältigung. Diese Mischung ist durchaus interessant, insbesondere Gabriels Auftauchen, was für zusätzlichen Zündstoff sorgt, doch es mangelt ein wenig an Tiefgang. Das meiste wird sehr schnell runtererzählt, oftmals fehlt eine intensivere Ausarbeitung der ernsten Themen. Susann Julieva verschenkt einiges an Potenzial, denn im Grunde hätte sie mit James‘ Problemen ein ganzes Buch füllen können. So bleibt leider alles ein wenig oberflächlich. Nichtsdestotrotz wird man gut unterhalten, was nicht zuletzt an den liebenswerten Charakteren und dem guten Schreibstil der Autorin liegt.

Die Charaktere sind wie schon bei „Böse Jungs“ liebenswert und gehen dem Leser zu Herzen. Haupterzähler ist einmal mehr James, wenngleich es auch einige Szenen gibt, die aus Dannys Sicht erzählt werden, was auch seine Gedanken und Gefühle deutlich macht. Ein wenig schade ist, dass Danny dennoch eher eine untergeordnete Rolle spielt, da es durchaus Szenen gibt, die man sich aus dessen Sichtweise gewünscht hätte (u.a. die Aussprache mit Grazzo), doch James ist nun einmal Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Er ist noch immer wie in „Böse Jungs“, ändert sich jedoch allmählich und beginnt sich seiner Vergangenheit zu stellen. Die beiden jungen Männer harmonieren die meiste Zeit gut miteinander, der Verlust der rosaroten Brille ist nur realistisch, denn in jeder Beziehung zieht irgendwann er Alltag ein.
Die Nebenfiguren sind ein großer Pluspunkt, denn ohne sie, wäre „Berlin Blues“ nur halb so interessant. Seien es Andie und Grazzo, die das Paar zu Weihnachten heimsuchen (nebst einiger anderer Freunde), oder Casey, der zumindest einen kurzen Gastauftritt bekommt – die Nebencharaktere sind liebenswert und geben den Jungs einen passenden Rahmen um zu agieren.

Stilistisch kann Susann Julieva ebenfalls punkten. Sie hat einen sehr schönen, flüssigen und gut lesbaren Stil, der dafür sorgt, dass man die Novelle schwer aus der Hand legen kann. Sie versteht es sowohl aus James‘, als auch aus Dannys Perspektive zu schreiben, hat ein Händchen für Drama und ansprechende Erotik und spart auch nicht mit feinem Humor an der passenden Stelle. Man liest ihre Werke sehr gerne und ist gespannt auf weitere Romane und Novellen (u.a. soll in einem ihrer nächsten Werke Gabriel im Zentrum stehen).

Fazit:
„Berlin Blues“ ist eine gelungene Fortsetzung der „Bösen Jungs“, dem jedoch die Kürze zum Verhängnis wird. Die Thematik ist ein wenig oberflächlich ausgearbeitet, hin und wieder werden die Ereignisse zu stark zusammengefasst und zu sprunghaft erzählt. Nichtsdestotrotz ist die Novelle unterhaltsam und stilistisch sehr gut geschrieben umgesetzt. Fans von „Böse Jungs“ können sich über ein Wiedersehen mit allen Charakteren freuen und sich auf weitere Romane freuen – wenngleich dann James und Danny nicht mehr im Zentrum stehen. Für mich sehr gute 3 Sterne, mit Hang zu 4, doch da die Novelle nicht an „Böse Jungs“ heranreicht (der ich 4 Sternchen gegeben habe), bleibt es bei dieser Bewertung und einer Leseempfehlung an die Fans von James & Co.

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[ROMAN] Two Boys kissing von David Levithan

Autoren: David Levithan
Taschenbuch:  288 Seiten
ISBN: 978-3737351850
Preis: 12,99 EUR (ebook)14,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Eine Kleinstadt mitten in Amerika, unterschiedliche schwule Jugendlich, mal mit festem Partner, mal auf der Suche, mal geoutet, mal heimlich ihrer Sexualität nachgehend. Ryan ist auf der Suche nach der großen Liebe und trifft auf einem Schwulenball den gleichaltrigen Avery; Peter und Neil sind seit einem Jahr zusammen und stellen sich den alltäglichen Problemen, die eine Beziehung mit sich bringt; Cooper treibt sich heimlich auf Dating- und Sex Apps herum, da niemand weiß, dass er schwul ist und Tariq lebt es offen aus, wird jedoch Opfer mehrerer Schläger, die ihn ins Krankenhaus prügeln. Die brutale Aktion ist der Auslöser für Craigs und Harrys Versuch als erstes schwules Paar den Weltrekord im Dauerküssen zu brechen – obwohl sie sich vor ein paar Wochen getrennt haben. Nichtsdestotrotz planen sie mit Hilfe ihrer Freunde und Harrys Familie den Weltrekordversuch und setzen ihn an einem Samstag in die Tat um. Während die Welt auf ihre Aktion aufmerksam wird und sich immer mehr Menschen online und offline für die beiden interessieren, regen sich auch negative Stimmen und schüren Hass und Verachtung. Doch die beiden Jungs sind fest entschlossen, ein Zeichen zu setzen …

Eigene Meinung:
David Levithan ist einer der bekanntesten amerikanische Jugendbuchautoren unserer Zeit. Zu seinen bekanntesten Romanen gehören „Will & Will“ (der in Zusammenarbeit mit John Green entstand), „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ und sein Debüt „Noahs Kuss“, in dem er bereits einen schwulen Hauptcharakter präsentierte. Auch in seinen anderen Romanen baut er immer wieder homosexuelle Jugendliche ein und macht sie auf diesem Weg quasi salonfähig, denn noch immer sind schwule oder lesbische Figuren im Jugendbuchmarkt eine Seltenheit. „Two Boys kissing“ basiert teilweise auf wahren Ereignissen (der Weltrekordversuch fand 2010 wirklich statt, wie man im Nachwort erfährt) und besticht durch eine ungewöhnliche Erzählperspektive und lebendige Charaktere.

Der Inhalt von „Two Boys kissing“ ist weitaus vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheint – wer glaubt, der Weltrekordversuch von Craig und Harry stünde im Zentrum, irrt sich. Stattdessen werden verschiedene Facetten des jugendlichen, schwulen Lebens beleuchtet und mit den früheren Generationen in Einklang gebracht. Sei es ein Pärchen, das länger zusammen ist (Neil und Peter), Liebe auf den ersten Blick (Ryan und Avery) oder der einsame Einzelgänger, der sein Glück im Internet sucht und nach einem ungewollten Coming-Out aus seinem Elternhaus flüchtet (Cooper), David Levithan deckt verschiedenen Geschichten ab und führt sie teilweise durch Harry und Craig wieder zusammen. Dabei ist die Erzählstimme am verblüffendsten gewählt, denn die Jugendlichen werden von einer Gruppe Geister beobachtet, die zumeist an Aids starben und sich an ihre Jugend und ihr Leben erinnern. Das mag seltsam und verrückt klingen, doch es funktioniert! Dem Autor gelingt es die Geschichte auf eine vollkommen neue Art zu erzählen und gewährt dem Leser Einblicke in eine Generation, die für Gleichberechtigung auf die Straße ging, gegen den tödlichen HIV-Virus, Unverständnis, Hass und Angst kämpfen musste. Aus diesem Grund ist „Two Boys kissing“ nicht nur für jugendliche Leser ein Muss, auch Erwachsene können sich mit den Erinnerungen der Geister identifizieren und diese nachempfinden. David Levithan gelingt ein beeindruckender Spagat zwischen mehreren Generationen und Denkweisen. Er erschafft ein Buch, das wesentlich tiefgängiger ist, als es auf den ersten Blick erscheint, und regt zum Nachdenken und Diskutieren an.

Die Charaktere sind, wie auch bei seinen anderen Romanen, sehr authentisch, gut nachvollziehbar und sehr lebendig. Seien es Craig und Harry, die eigentlich kein Paar mehr sind, sich jedoch noch immer zueinander hingezogen fühlen, oder Avery und Ryan, die sich erst kennenlernen und so manches Geheimnis voneinander entdecken müssen, die Jugendlichen sind sehr realistisch und in sich schlüssig in Szene gesetzt. Ähnlich wie John Green hat er ein Händchen dafür Figuren zu erschaffen, die der heutigen Jugendkultur entsprechen und macht sie auf diesem Weg für ältere Generationen nachvollziehbar. Jugendliche Leser werden sich problemfrei in einem der jungen Hauptcharaktere wiederfinden, Erwachsene werden sich an ihre eigene Jugend zurückerinnern. Gleichzeitig lernt man die jeweils andere Generation kennen und verstehen, was dieses Buch in gewisser Weise so besonders macht.

Stilistisch mag „Two Boys kissing“ zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, doch man gewöhnt sich schnell an die seltsame Erzählperspektive. Bereits nach wenigen Seiten fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen, da man sich von den unterschiedlichen Episoden der Jugendlichen mitreißen lässt und sowohl wissen will, ob der Weltrekordversuch gelingt, als auch ob Cooper nach dem Streit mit seinen Eltern noch einmal die Kurve bekommt. Auch die Einblicke, die die Geister in ihr altes Leben gewähren, sind sehr gut umgesetzt und passen in die puzzleartige Handlung. Dabei zeigt sich, dass David Levithan zu Recht einer der bekanntesten Jugendbuchautoren ist, denn sein Stil entspricht der Sprache der heutigen Jugend und trifft damit den Nerv. Er scheut sich nicht davor, Dinge direkt anzusprechen, wenngleich er Erotik- und Sexszenen nie ausführlich zu Papier bringt.

Fazit:
„Two Boys kissing“ ist ein wundervoller, authentischer und wichtiger Roman, der jedem ans Herz gelegt sei, der sich für realistische Geschichten und Charaktere interessiert. David Levithan gelingt ein spannendes, intelligentes und tiefgründiges Jugendbuch, das mehr zu bieten hat als die typischen „Boys meets Boy“ Geschichten. Dank der unterschiedlichen Episoden und der ungewöhnlichen Erzähler deckt er ein breites Spektrum unterschiedlicher Geschichten ab und regt zum Nachdenken an. Sein solider, flüssiger Schreibstil ist ebenfalls ein Pluspunkt, der dafür sorgt, dass man „Two Boys kissing“ nur schwer aus der Hand legen kann. Alles in allem ein empfehlenswerter Roman, der in jedes Buchregal gehört!

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[ANTHOLOGIE] In seiner Hand

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Autoren: Nino Delia, Cecil Dewi, Levi Frost, Lasar Herzberg, Florian Höltgen, Annette Juretzki, Peter Nathschläger, Marina Pátek, Björn Petrov, Leann Porter, Thomas Pregel, Dennis Stephan, Devin Sumarno, Raik Thorstad, Jana Walther, Romy Wolf
Taschenbuch:  312 Seiten
ISBN: 978-3-945569054
Preis: 6,99 EUR (ebook)12,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Schwule Erotik – mal zart, mal hart; mal leidenschaftlich, mal verspielt. Dies ist das Motto der Anthologie „In seiner Hand“ in der der Incubus Verlag 19 Kurzgeschichten gesammelt hat, die sich vorwiegend um die schönste Nebensache der Welt drehen. Von Alltagsgeschichten und Drama über historische Episoden, Fantasy und Sci-Fi ist wirklich alles dabei. Einige Autoren sind gleich mit zwei Geschichten vertreten (u.a. Jana Walther und Cecil Dewi), andere sind im Gay Genre noch gänzlich unbekannt.

Die teilnehmenden Autoren sind:
Nino Delia, Cecil Dewi, Levi Frost, Lasar Herzberg, Florian Höltgen, Annette Juretzki, Peter Nathschläger, Marina Pátek, Björn Petrov, Leann Porter, Thomas Pregel, Dennis Stephan, Devin Sumarno, Raik Thorstad, Jana Walther und Romy Wolf.

Eigene Meinung:
Mit „In seiner Hand“ erschien die zweite Anthologie des Incubus Verlags und dieses Mal ging der Herausgeber Ulrich Hawighorst in die Vollen – schwule Erotik in allen denkbaren Facetten war gesucht, ganz gleich ob fantastisch, dramatisch oder historisch: in der Anthologie sollten möglichst unterschiedliche Geschichten und Erzählungen zu finden sein.

Dieses Vorhaben ist durchaus geglückt, denn die Anthologie enthält eine überraschend breite Palette verschiedener Projekte und Kurzgeschichten, die sich mit dem Thema beschäftigen, ohne auf platte und gleichförmige Art und Weise den Akt zwischen Mann und Mann zu beschreiben. Mal zu zweit, mal mit mehreren Leuten, dann wieder unter Zuhilfenahme von Spielzeugen, oder auch mal in Richtung Tentakelsex – dem Leser wird einiges geboten. Wer nun denkt, dass es wirklich nur um Flüssigkeitsaustausch geht, er irrt sich – die Kurzgeschichten bieten überraschend viel Inhalt und Charakterentwicklung. Diese Tatsache, dass man als Leser eher nackte Tatsachen erwartet hat, ist ein gewaltiger Pluspunkt der Anthologie. Auch der Umstand, dass die Autoren Erotik nicht unbedingt mit Sex gleichsetzen, sondern auch mit den Zwischentönen, Worten und Andeutungen spielen ist sehr angenehm, da es dadurch nie langweilig wird.

Die gelungensten Geschichten stammen in meinen Augen von Marina Pátek (hinter der sich eine bekanntere Jugendbuchautorin verbirgt), die ins ferne Peru des 16. Jahrhundert entführt, Cecil Dewi, deren Geschichte „Sturm“ wundervoll geschrieben und sehr mitreißend ist, und Leann Porter, die eine Fantasiewelt entwirft, zu der man gern mehr erfahren möchte und zu der es hoffentlich irgendwann weitere Romane und Geschichten gibt. Auch Peter Nathschläger und Florian Höltgen legen tolle Geschichten vor, die sowohl anregend sind, als auch Lust auf mehr machen.

Insgesamt sind die Ideen zumeist ungewöhnlich, die Autoren warten mit tollen Handlungen und spannenden Charakteren auf und haben den ein oder anderen Clou am Ende, der definitiv Lust auf mehr macht. Und immer wieder wünscht man sich als Leser eine Fortsetzung, denn mitunter enden die Geschichten offen oder bieten Spielraum für mehr. Vielleicht wird es irgendwann mit der ein oder anderen Kurzgeschichte weitergehen – es wäre wünschenswert, da man als Leser einfach Lust auf mehr hat.

Stilistisch bewegen sich alle Geschichte auf einem hohen Niveau. Platte Erotik und lieblose 08/15-Sexszenen wird man hier glücklicherweise nicht finden. Jede Kurzgeschichte ist gut geschrieben, die Autoren verstehen auf jeden Fall ihr Handwerk. Sicherlich sind einige Autoren Geschmackssache, doch bei einer Anthologie hat man selten das Glück zu 100% mit der Auswahl zufrieden zu sein. „In seiner Hand“ gelingt es locker mit 90% der Geschichten zu begeistern und auch wenn man bei einigen Geschichten den Inhalt recht schnell vergisst, bleibt er bei anderen doch auch Tage nach Beendigung des Buches noch im Gedächtnis.

Auch die Aufmachung des Buches ist sehr ansprechend – das Cover ist optisch sehr beeindruckend, der Schriftzug auf den zweiten Blick mehr als eindeutig. Es spiegelt den Inhalt auf gekonnt subtile Art und Weise wieder und gehört mit zu den schönsten, die der Incubus Verlag zu bieten hat.

Fazit:
„In seiner Hand“ ist eine gelungene, sehr gut geschriebene und hochkarätige Anthologie, die sich der Thematik Sex und Erotik sehr subtil und überraschend vielfältig nähert. Die Geschichten sind so bunt wie die Autoren, die Ideen so breitgefächert wie es Ulrich Hawighorst in seinen einleitenden Worten verspricht. Fans schwuler Erotik sollten auf jeden Fall zugreifen, ebenso Leser, die auf eine facettenreiche Anthologie und unterschiedliche Stilrichtungen Wert legen. Der Incubus Verlag legt eine tolle Sammlung erotischer Kurzgeschichten vor, die Lust auf mehr machen und bei denen man einige neue Talente entdeckt. Zu empfehlen.

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[GEWINNSPIEL] Brunhilde Witthaut

SW-Brunhilde

Mit dem obligatorischen Gewinnspiel endet die Special Week rund um die Autorin Brunhilde Witthaut leider schon und ich hoffe, ihr seid neugierig auf ihre Romane und Novellen. Deswegen verlosen wir mit freundlicher Unterstützung der Autorin und der Verlage Sieben und Bruno Gmünder 3 tolle Pakete mit signierten Büchern.

Dafür müsst ihr lediglich eine Mail an Koriko@gmx.de schicken und mindestens eine Frage an Brundhilde oder an einen ihrer Charaktere stellen. Ihr dürft euch jede Figur rauspicken, die ihr schon immer mal löchern wolltet (sprich ihr könnt auch gerne jemanden aus ihren anderen Romanen wählen), allerdings stellt bitte nicht mehr als drei Fragen, damit sie genug Zeit hat, euch zu antworten.

Alle Fragen, die im Laufe in den kommenden 10 Tagen gestellt werden, werden bei der Gewinnerbekanntgabe beantwortet und als Leserinterview auf diesem Blog präsentiert.

Eure Fragen könnt ihr bis zum 21.10.2015 25.10.2015 an die oben genannte Mailadresse schicken (bitte im Betreff „Gewinnspiel Brunhilde Witthaut“ angeben) – sie werden gesammelt und an den Autoren weitergeleitet. Unter allen Teilnehmern verlose ich nach Zufallsprinzip folgende Buchpakete:

1. Platz: „Gay Crime“ – Paket (bestehend aus Band 1-3 der „Claude Bocquillon“-Reihe)
2. Platz: „Gay Romance“ – Paket (bestehend aus „Bodyguard“ und „Vancouver Dreams“)
3. Platz: „Gay Historical“ – Paket (bestehend aus „Des Teufels Schreiber“ und „Das Lilienschwert“ (eBook))

Ich bedanke mich bei Brunhilde Witthaut und den Verlagen für die Bereitstellung der Gewinne.

Hinweise:
1. Brunhilde freut sich über Kommentare, Anmerkungen und Feedback zu seinen Werken (oder auf eine Antwort zu ihrer Frage im Interview), sprich ihr könnt gerne einige Worte an ihn richten 🙂
2. Solltet ihr das ein oder andere Buch bereits besitzen, sagt mir in der Mail Bescheid – ich versuche beim Auslosen Rücksicht darauf zu nehmen, damit niemand Bücher doppelt bekommt.

Brunhilde und ich sind gespannt auf eure Fragen, Ideen und Antworten – die Gewinner und das Leserinterview werden am 25.10.2015 01.11.2015 auf diesem Blog präsentiert. Wir freuen uns auf eure Teilnahme.

Viel Glück!