Archiv für den Monat August 2015

[ROMAN] Herzberührer von Jobst Mahrenholz

Autor: Jobst Mahrenholz
Taschenbuch:  380 Seiten
ISBN: 978-3944737546
Preis: 5,99 EUR (ebook) | 13,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Lucas Leben läuft nach seiner Laufbahn als Fernsehkoch und der Trennung des Halbjapaners Shiro in halbwegs gemäßigten Bahnen: mit dem Erwerb eines alten Klosters in den italienischen Apenninen steigt er nicht nur in die Hotelbranche ein und heuert auch eine neue Chefköchin an, um seine Ausbildung fortzusetzen. Allerdings bringt das Auftauchen von Daniele, Shiros neuem Partner, Unruhe in Lucas Leben, ebenso die Tatsache, dass der Halbjapaner verschwunden ist. Als dieser einige Tage später mehr tot als lebendig vor dem Hotel liegt, stürzt Luca in ein Wechselbad der Gefühle. Schnell macht er Daniele als Schuldigen für Shiros Zustand aus, doch je mehr Zeit er mit ihm verbringt, desto offensichtlicher wird, dass mehr hinter den Ereignissen steckt.

Neben diesen Problemen kämpft er mit der Ankündigung seiner Schwester Rebecca, unbedingt in seinem Hotel zu heiraten und seinen Gefühlen gegenüber seines Bruders Lorenzo. Und auch sonst geht es drunter und drüber: auch seine Freunde haben mit ihren Problemen zu kämpfen und Luca hat alle Hände voll zu tun, um nicht selbst von den vielen Ereignissen überschwemmt zu werden …

Eigene Meinung:
Der Roman „Herzberührer“ ist der zweite Teil der „Il Gusto di Lauro“-Duologie von Jobst Mahrenholz und schließt direkt an den Vorgänger „Lucas Rezepte“ an. Einmal mehr entführt der Autor den Leser nach Italien und spinnt die Geschichte um Luca, seine Familie und seine Freunde weiter und bringt viele offene Punkt zu einem Ende. Dabei wird es dieses Mal ein wenig kriminalistischer, da Luca teilweise in einen unschönen Missbrauchsfall hineinstolpert.

Inhaltlich ist „Herzberührer“ ebenso spannend und mitreißend, wie „Lucas Rezepte“. Allerdings nehmen die Probleme, mit denen sich Luca herumschlagen darf in diesem Buch eine ganz andere Qualität an. Der junge Koch muss sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Menschen und Ereignisse herumschlagen, und dabei versuchen jedem gerecht zu werden. Dass er nicht immer Erfolg hat, ist logisch und menschlich, doch gerade das macht die beiden Bücher so lesenswert. Die Geschichten und Charaktere sind authentisch und nachvollziehbar, Luca kein Superheld, dem alles gelingt, was er anpackt. Daher dauert es auch, bis er die richtigen Entscheidungen trifft, um beispielsweise Daniele oder Shiro wirklich zu helfen. Der eingebaute Kriminalfall ist durchaus spannend und sorgt für einen ungewöhnlichen Handlungsbogen, den man so nicht erwartet hat. Dennoch ist er überzeugend in die Rahmenhandlung eingepasst, so dass man der Auflösung entgegenfiebert und den Roman nur schwer aus der Hand legen kann.
Nichtsdestotrotz ist „Herzberührer“ kein typischer Krimi – der Schwerpunkt liegt nach wie vor auf Lucas Entwicklung mit all ihren Erfolgen, Fehlern und Irrtümern. Daher ist Jobst Mahrenholz‘ Roman in meinen Augen ein Entwicklungsroman, wenngleich Luca im Grunde schon erwachsen ist.

Auch die Charaktere machen ein großes Plus des Buches aus – Luca ist ein Hauptcharakter, den man mal mag, mal für seine Naivität und seine mangelnde Sensibilität gegen die nächste Wand klatschen möchte. Doch genau das macht ihn so realistisch und lebendig. Man versteht seine Gedankengänge, weiß warum er tut, was er tut und wie es um seine Gefühle bestellt ist. Dementsprechend nah ist man ihm – die Geschichte ist ja auch aus seiner Sicht erzählt.

Auch die Nebenfiguren sind toll und sehr gefühlvoll in Szene gesetzt. Einige treten dieses Mal spürbar in den Hintergrund (Shiro), da sie keinen solch großen Platz in Lucas Leben einnehmen, andere werden eingehender beleuchtet und bekommen mehr Raum (Fabio, Jack). Gerade Jack mausert sich hierbei zum absoluten Lieblingscharakter des Buches: er ist zynische, direkt, witzig und nie um eine Antwort verlegen. Jede Szene, in der er vorkommt, ist ein wahres Fest und man wünscht sich, dass Jobst Mahrenholz ihm irgendwann ein eigenes Buch widmet: verdient hätte er es allemal. Auch Daniele, der wahrlich kein stereotyper Charakter ist, sondern psychisch nicht ganz gesund ist, ist überzeugend und sehr eindringlich in Szene gesetzt.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln: Jobst Mahrenholz hat einen tollen, sehr eindringlichen Stil, der hervorragend zu den Figuren und den Geschichten rund um Luca passt. Ihm gelingen sowohl dynamische Gespräche, als auch eindrucksvolle Beschreibungen- ganz gleich ob es sich um die italienische Landschaft, das Kochen, Lucas Gefühle oder die Hintergründe der Figuren handelt. Dank der großen Wortschatzes des Autors und seinem Gefühl für Sprache wird „Herzberührer“ nie langweilig und kann von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen.

Fazit:
Auch mit der Fortsetzung gelingt Jobst Mahrenholz ein kleines Meisterwerk. „Herzberührer“ ist ein wundervolles, intensives und lebensbejahendes Lesevergnügen, das lange nachwirkt. Seien es die einzelnen Episoden, die lebendigen Charaktere oder der realistische, intensive Schreibstil: der Autor weiß, wie man Geschichten erzählt. Man darf gespannt sein, welchem Thema er sich als nächstes zuwendet, denn bisher lohnen sich all seine Werke. Wer „Il Gusto di Lauro“ kennt und mag, sollte sich auf jeden Fall „Der linke Fuß des Gondoliere“ zulegen – allen Nichtkenner sei die Reihe wärmstens ans Herz gelegt!

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[ROMAN] Lucas Rezepte von Jobst Mahrenholz

Autor: Jobst Mahrenholz
Taschenbuch:  388 Seiten
ISBN: 978-3944737379
Preis: 5,99 EUR (ebook) | 13,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Für Luca Lauro geht ein langgehegter Traum in Erfüllung, als er endlich seine Ausbildung zum Koch im Restaurant seiner Familie antreten darf. Schnell wird klar, wie talentiert er ist und wie sehr ihm das Kochen am Herzen liegt. Einziger Wehrmutstropfen ist die Ankündigung seines Vaters, dass ein weiterer Auszubildender eingestellt wird: der Halbjapaner Shiro, der in Lucas Alter ist. Trotz gewisser Vorbehalte freunden sich die beiden an und schon bald entwickelt sich mehr zwischen Shiro und dem jüngsten Sprössling der Lauros. Im katholischen Italien ein Unding und als die Beziehung der beiden jungen Männer auffliegt, kommt es zum Bruch zwischen Luca und seiner Familie und der gemeinsamen Flucht mit Shiro nach Genova. Dort bauen sich die beiden ein neues Leben auf – Shiro nimmt eine Stelle als Barkeeper an, Luca arbeitet sich von seiner Stelle als Aushilfskoch, über seine Arbeit als exklusiver Caterer zu seiner eigenen Kochshow hoch, die ihn schlagartig zum jüngsten und beliebtesten Fernsehkoch Italiens macht. Doch das Leben ist ein beständiges Auf und Ab und vielen Änderungen unterworfen – was Luca immer wieder am eigenen Leib erfährt, und weder bei seinem Geliebten, noch bei neuen wie alten Freunden Halt macht …

Eigene Meinung:
Der Roman „Lucas Rezepte“ ist der erste Teil der Duologie „Il Gusto di Lauro“ von Jobst Mahrenholz und gleichzeitig das Debüt des Autors. Die Geschichte um Luca Lauro und seine Freunde wird in „Herzberührer“ fortgesetzt, der ebenfalls im deadsoft Verlag erschienen ist. Seiner Vorliebe für Italien frönt Jobst Mahrenholz auch in seinem aktuellen Roman „Der linke Fuß des Gondoliere“.

Die Geschichte handelt von Luca und seinen Freunden und deckt rund drei Jahre im Leben des jungen Kochs ab. Man lernt ihn im Schoß seiner Familie kennen, die für ihn zu Beginn des Buches alles bedeutet du begleitet ihn auf seinem schwierigen Weg nach Genova und in ein eigenständiges selbstbestimmtes Leben. Dabei beleuchtet Jobst Mahrenholz das ewig Auf und Ab im Lucas Leben, seinen Werdegang, seine Gefühle und die Fehler, die er im Laufe der Zeit macht. Insgesamt ist „Lucas Rezepte“ ein klassischer, authentischer Entwicklungsroman: Luca muss erwachsen werden und einen Platz im Leben finden – mal gelingen ihm Dinge, da er sehr einnehmen und charismatisch sein kann, mal scheitert er dank seiner direkten, mitunter aggressiven Art. Ihm zur Seite steht Shiro, wenngleich dieser immer wieder eigene Wege geht: die monatelange Reise nach Japan, seine Arbeit als Barkeeper und später Clubbesitzer.

Jobst Mahrenholz legt hierbei keine Liebensgeschichte inklusive Beziehungsdrama vor, sondern konzentriert sich auf die Entwicklung der Charaktere und die unterschiedlichen Probleme, denen sich Luca und seine Freunde stellen müssen. Dabei scheut er sich auch nicht vor tiefgängigeren Themen wie Partnerwechsel, Bruderliebe und dem Bruch mit der Familie, was den Leser zum Nachdenken anregt. Natürlich spielt auch die Liebe zwischen Luca und Shiro eine Rolle, doch sie trägt nicht die komplette Handlung, sondern ist nur ein kleiner Teil davon. Das merkt man auch daran, dass der Autor glücklicherweise auf explizite Erotikszenen verzichtet, sie lediglich kurz zusammenfasst, was perfekt zur Atmosphäre des Buches passt.

Neben der realistischen Geschichte können auch die Figuren überzeugen: Luca und seine Freunde sind sehr authentisch und lebendig. Der Leser kann sich von Anfang an hervorragend mit den Figuren identifizieren und versteht ihre Gedanken und Gefühle. Natürlich lernt man Luca am besten kennen – immerhin wird die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, doch auch Shiro, Lucas Familie, Jack und Lorenzo bekommen genügend Raum, um sich weiterzuentwickeln. Natürlich legt Luca den größten Sprung hin – innerhalb des ersten Romans wird sowohl stärker und selbstbewusster, als auch sturer und unsensibler. Er ist im Grunde permanenten Änderungen unterworfen, da er sich verschiedenen Problemen entgegenstellen muss. Ein Pluspunkt ist hierbei, dass Jobst Mahrenholz nicht nur positive Charaktere erschafft, sondern jeder der Protagonisten auch seine dunklen bzw. schlechten Seiten hat. Sie sind nicht perfekt, sondern menschlich und dadurch greifbar. Sie handeln logisch, mal durch Gefühle geleitet, mal fast schon berechnend. All das macht „Lucas Rezepte“ spannend und mitreißend, obwohl es sich „nur“ um einen soapigen Entwicklungsroman eines italienischen Kochs handelt.

Stilistisch legt Jobst Mahrenholz ein beeindruckendes, gut geschriebenes Debüt vor. Er hat einen sehr klaren, direkten Stil, der sich gänzlich auf Luca und seine Entwicklung konzentriert und alles aus dessen Sicht beschreibt. Der Autor weist dabei großes sprachliches Geschick und einen hohen Wortschatz auf, zudem hat man das Gefühl Fano, Genova und die italienische Küche hautnah zu erleben. Die Beschreibungen der Städte sind ebenso lebendig, wie die über das Kochen, so dass man unwillkürlich Fernweh verspürt und geneigt ist irgendwann al nach Italien zu reisen und den Spuren von Luca und Shiro zu folgen.

Fazit:
„Lucas Rezepte“ ist ein wundervoller schwuler Entwicklungsroman, der sowohl mit einer authentischen Geschichte, als auch mit lebendigen, realistischen Figuren punkten kann. Jobst Mahrenholz hat einen sehr soliden, schlichten Schreibstil, der dem Leser die Sonne Italiens näher bringt und die Lust aufs Leben (und Kochen) weckt. Wer ernste, realistische Romane sucht, der sollte sich „Lucas Rezepte“ nicht entgehen lassen. Er ist eine willkommene und gelungene Abwechslung zu den Gay Romance Büchern, die den deutschen Markt fluten. Uneingeschränkt zu empfehlen.

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[ROMAN] Das Geheimnis von Pine Shadow von Josh Lanyon

Autor: Josh Lanyon
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-3-86787-848-7
Preis: 9,99 EUR (ebook) | 14,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nach dem nervenaufreibenden Kriminalfall, in den der schwule Buchhändler und Autor Adrien English in „Tödliche Schatten“  hineingestolpert ist, versucht dieser auf der Ranch seiner verstorbenen Großmutter zur Ruhe zu kommen. Auch will er sich dort von dem attraktiven Detective Riordan lösen, mit dem er seit den Ermittlungen rund um den Tod seines alten Schulfreundes eine komplizierte Beziehung führt. Zudem will er in der Abgeschiedenheit der Ranch an seinem neuen Buch arbeiten. Allerdings machen ihm der Fund einer Leiche, das Hanffeld seines verschwundenen Verwalters und eine archäologische Ausgrabung auf seinem Grundbesitz einen Strich durch die Rechnung. Schon bald befindet er sich ungewollt im nächsten Kriminalfall und gerät ins Visier des Mörders. Als Riordan ebenfalls auf der Pine Shadow Ranch auftaucht, beginnen beide zu ermitteln und kommen damit unwillkürlich nicht nur dem Täter näher – auch ihre Beziehung zueinander festigt sich …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Das Geheimnis von Pine Shadow“ geht Josh Lanyons Adrien English-Reihe in die zweite Runde. Inhaltlich setzt der Band direkt an „Tödliche Schatten“ an, wenngleich man die Bücher auch getrennt voneinander lesen kann. Dennoch ist es empfehlenswert die Reihe kontinuierlich zu lesen, da zumindest die Beziehung zwischen Adrien und Riordan auf den Ereignissen von Band 1 aufgebaut wird und sich weiterentwickelt.

Der Schwerpunkt liegt trotz allem auf dem Kriminalfall und den Ereignissen auf der Pine Shadow Ranch. Einmal mehr stolpert Adrien ungewollt in die Ereignisse und darf sich selbst auf die Suche nach er Wahrheit machen, da die Polizei seinen Aussagen nur begrenzt Glauben schenkt. Riordan greift ihm hierbei unter die Arme, wenngleich er nicht begeistert davon ist, dass Adrien sich in Gefahr begibt. Dabei kommen sich die beiden endlich näher, weswegen Fans von schwuler Erotik im zweiten Teil eher auf ihre Kosten kommen, als in „Tödliche Schatten“. Josh Lanyon legt mehr Wert darauf die Beziehung zwischen Adrien und Riordan voranzureiben und weiterzuentwickeln, als noch im ersten Teil, wo vieles lediglich angedeutet wurde. Dennoch dreht sich die Handlung hauptsächlich um die Vorfälle auf Adriens Land, die damit einhergehenden Ermittlungen und die Suche nach der Wahrheit. Insgesamt ist die Geschichte komplexer aufgebaut, die Hintergründe zu den Morden vielschichtiger und für den Leser nicht so leicht durchschaubar. Während man in „Tödliche Schatten“ recht schnell eine Vermutung bezüglich des Täters hatte, dauert es in der Fortsetzung fast bis zum Finale, bevor man auf den Täter kommt und die Zusammenhänge begreift. Daher ist „Das Geheimnis von Pine Shadow“ wesentlich spannender als Adriens erstes Abenteuer, so dass man den Band nur schwer aus der Hand legen kann.

Die Charaktere sind sehr sympathisch und authentisch. Man schließt Adrien mit all seinen Macken schnell ins Herz und kann sich gut mit ihm identifizieren. Er ist ein toller Hauptcharakter, der nicht so ganz den typischen Krimihelden entspricht. Auch Riordan, den man endlich besser kennenlernt, ist ein toller Charakter, der Adrien gut ergänzt. Sicherlich kommt er sehr launenhaft rüber, mitunter wirkt er sogar ein wenig ungerecht, doch da das Buch aus Adriens Sicht geschrieben ist und er teilweise eine recht verblendete Perspektive hat, kann man das problemfrei ausblenden. Auf jeden Fall macht es Spaß die beiden bei ihren Ermittlungen zu begleiten und dabei zu beobachten, wie sie einander endlich näher kommen.

Auch die übrigen Charaktere sind gut in Szene gesetzt – seien es die leicht homophoben, ländlichen Bewohner der Stadt nahe der Ranch, die Studenten und Professoren der Ausgrabungsstätte oder Adriens Jugendfreunde. Sie sind sehr authentisch, gut nachvollziehbar und handeln logisch. Sie passen perfekt zur Geschichte und den Ereignissen.

Einmal mehr das Buch auch stilistisch überzeugen. Josh Lanyon hat einen flüssigen, gut lesbaren und spannenden Schreibstil und verfügt über einen guten Sinn für Humor. Sowohl die Dialoge, als auch die Beschreibungen oder die Actionszenen sind toll und atmosphärisch umgesetzt, so dass man sich gut in Adrien hineindenken kann und die Gegend bildlich vor Augen hat. Es macht einfach Spaß das Buch zu lesen und man freut sich bereits auf den nächsten Band, der hoffentlich noch dieses Jahr bei Gmünder erscheinen wird.

Fazit:
Auch der zweite Band der „Adrien English“ Reihe verspricht spannendes, gut geschriebenes Lesevergnügen und ist ein Muss für alle Krimifans. „Das Geheimnis von Pine Shadow“ bietet Spannung, Humor und ein bisschen was fürs Herz, da Josh Lanyon endlich auch die Beziehung zwischen Adrien und Riordan weiterentwickelt. Wem „Tödliche Schatten“ gefallen hat, der wird auch die Fortsetzung mögen und sich im Anschluss nach dem dritten Band sehnen. Sehr zu empfehlen!

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[ROMAN] Tödliche Schatten von Josh Lanyon

Autor: Josh Lanyon
Taschenbuch: 192 Seiten
ISBN: 978-3-86787-776-3
Preis: 9,99 EUR (ebook) | 14,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Nie hätte der schwule Buchhändler und Krimiautor Adrien English damit gerechnet einmal Zeuge polizeilicher Ermittlungen zu sein. Doch als sein alter Schulfreund und Angestellter Rob brutal ermordet wird, ist er für den gutaussehenden Detective Riordan und dessen Partner Chan einer der Hauptverdächtigen, da er sich am Abend zuvor heftig mit Rob gestritten hat. Um seine Unschuld zu beweisen, beginnt er auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen und erhält dabei unverhofft Unterstützung von Riordan. Doch Adriens Suche nach dem Mörder bleiben von diesem nicht unbemerkt und schon bald befindet sich der junge Mann in Lebensgefahr …

Eigene Meinung:
Der Roman „Tödliche Schatten“ erschien erstmals 2000 in den USA und markiert den Auftakt der sechsbändigen „Adrian English“-Reihe. Zeitgleich ist das vorliegende Buch das Debüt von Josh Lanyon, der inzwischen mehrfach ausgezeichnet wurde. Zu seinen Preisen zählen der Lambda Literary Award, der Eppie Award und der USABookNews Award. Deutschen Lesern dürfte der Autor vor allem durch seinen Krimi „Eine Leiche taucht ab“ bekannt sein, der 2014 im Incubus Verlag erschienen ist.

Inhaltlich bietet Josh Lanyon einen soliden, spannenden Krimi, der mit sympathischen Charakteren und einem gut durchdachten Handlungsbogen trumpfen kann. Es macht Spaß dem Mörder auf die Spur zu kommen und zusammen mit Adrien herauszufinden, welche Motive es für den Mord an Rob gab. Diese sind gut durchdacht und in sich schlüssig – Josh Lanyon bemüht sich um einen logischen, nachvollziehbaren Plot und verzichtet auf Logiklücken, Plotsprünge und charakterliche Superhelden. So ist Adrien zwar Krimiautor, aber eben kein Detektiv, was dafür sorgt, dass er öfters mal in eine Sackgasse läuft und sich auf diesem Weg immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Dennoch ist er ungemein sympathisch, so dass der Leser ihn schnell ins Herz schließt. Riordan bleibt im ersten Teil noch ein wenig blass, die meisten Hintergrundinfos zu ihm bleiben noch im Dunkeln. Zwar lernt man ihn ganz gut kennen, doch da er der raubeinige, introvertierte und skeptische Cop ist, hat an mitunter Schwierigkeiten ihn zu fassen. Dieser Punkt macht ihn jedoch noch reizvoller und zum perfekten Gegenpol zu Adrien, was sich zumeist in ihre Gespräche niederschlägt.

Auch die Nebenfiguren sind sympathisch und lebendig – allen voran Adriens Mutter Lisa, oder die Autorengruppe, die sich regelmäßig bei Adrien trifft. Josh Lanyon gelingt es schillernde und individuelle Persönlichkeiten zum Leben zu erwecken und jedem das passende Maß Aufmerksamkeit zu schenken. Genau dieser Punkt macht „Tödliche Schatten“ so lesenswert – sowohl die Figuren, als auch die Geschichte wirken authentisch und in sich schlüssig. Der Krimi verläuft in klassischen, ruhigen Bahnen, die Figuren wirken nicht überboostet, sondern normal und realistisch.

Stilistisch bietet Josh Lanyon gut geschriebene Krimikost mit einem guten Gespür für Spannung, Action und Humor. Letzteres zeigt sich in Adriens zynischen Beikommentaren (die Romane sind alle aus seiner Sicht geschrieben), seinen Gedanken und in den Dialogen mit Riordan. Auf diesem Weg lockert der Autor die Geschichte immer wieder auf, was der Spannung glücklicherweise keinen Abbruch tut – im Gegenteil. „Tödliche Schatten“ bleibt unterhaltsam und gerade im letzten Drittel fällt es schwer den Roman aus der Hand zu legen. Positiv ist zudem, dass der Autor auf allzu lange Erotikszenen oder kitschige Romantik verzichtet und sich stattdessen eher auf den eigentlichen Mordfall und die dazugehörigen Ermittlungen konzentriert. Daher werden Erotik- und Romance-Fans nur bedingt auf ihre Kosten kommen.

Fazit:
„Tödliche Schatten“ ist ein gelungener, lesenswerter Krimi, der Lust auf mehr macht. Dank der gut durchdachten, logischen Handlung und der sympathischen, authentischen Charaktere sei Josh Lanyons Auftaktband seiner „Adrian English“-Reihe jedem Fan schwuler Krimis ans Herz gelegt. Der Autor hat einen lebendigen Schreibstil und weiß zu fesseln. Wer Romane im Stil der „Claude Bocquillon“-Reihe von Laurent Bach mag, sollte sich „Tödliche Schatten“ nicht entgehen lassen. Bleibt zu hoffen, das Gmünder die gesamte Reihe auf dem deutschen Markt herausbringt – mit „Das Geheimnis von Pine Shadow“ ist bereits der zweite Band erhältlich. Zu empfehlen.

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