Archiv für den Monat Juli 2015

[ROMAN] Rush – Nur du und ich von Nyrae Dawn

Autor: Nyrae Dawn
Taschenbuch: 259 Seiten
ISBN: 978-3902972675
Preis: 4,99 EUR (ebook) | 12,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Brandon Chases Leben dreht sich fast ausschließlich um Football – er spielt seit er ein kleines Kind ist, hat ein entsprechendes Stipendium ergattert und einer Profi-Karriere steht nichts im Weg. Einzig die Tatsache, dass er schwul ist und sich in seinen Jugendfreund Alec verliebt hat, trübt seine Zukunftsaussichten. Selbst als er Alec verlässt und sich die beiden anderthalb Jahre nicht sehen, kann Brandon seine große Liebe nicht vergessen. Als er einen schweren Unfall mit anschließender Herz-OP hat, kehrt Alec ohne zu Zögern an Brandons Seite zurück, um ihm in der schweren Zeit zur Seite zu stehen. Obwohl beide wissen, dass eine Beziehung keine Zukunft hat, kommen sich die beiden näher als jemals zuvor – und werden vor die Entscheidung gestellt, sich weiterhin zu verstecken und zu verleugnen, oder ihrer Liebe eine Chance zu geben …

Eigene Meinung:
Der New Adult Roman „Rush – Nur du und ich“ stammt von der Autorin Nyrae Dawn, die in den USA und in Deutschland für ihre romantischen Liebesromane bekannt ist. So erschien bei Romance Edition auch ihre „Games“-Reihe (Charade, Facade, Masqerade), für die sie auch hierzulande recht bekannt geworden ist. „Rush“ ist hierbei ihr erster Ausflug ins Gay Genre.

Inhaltlich legt Nyrae Dawn einen soliden Roman vor, bei dem man jedoch viel Zeit und Geduld mitbringen muss, um seinen Weg ins Buch zu finden. Gerade der Einstieg gestaltet sich zäh und unerwartet langwierig, da man nur wenig zu den Charakteren erfährt. So nah man an Alec und Brandon ist – immerhin wird Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der beiden jungen Männer geschildert – es fehlen eine Menge Hintergrundinfos. Diese bekommt man zwar nach und nach, mitunter aber erst nach über 100 Seiten, so dass man sich die Zusammenhänge mühsam zusammensammeln muss. So unschön Info-Dumps sind, bei „Rush“ wären einige klärende Flashbacks schön gewesen, um die Zusammenhänge zu begreifen. Aus diesem Grund ist es ein wenig mühsam, das Buch in einem Rutsch zu lesen, allerdings sind längere Pausen ebenfalls nicht ratsam, da man den Inhalt recht schnell vergisst, wenn man das Buch längere Zeit aus der Hand legt.

Die Thematik Sport und Homosexualität behandelt Nyrae Dawn dennoch recht intensiv und sensibel. Mitunter nerven die vielen Wiederholungen und Brandons Unsicherheiten, doch es ist verständlich, dass es jemandem, der sich nur über Sport definiert, schwer fällt sich zu outen und zu dem zu stehen, den man liebt. Dennoch zieht sich die Geschichte im Mittelteil stark, zumal sich die Geschichte zu sehr auf Brandon konzentriert – man erfährt fast alles über seine Ängste, Sorgen und Probleme, was er studiert oder wie er sich seine Zukunft vorstellt. Von Alec hingegen erfährt man in einem Nebensatz lediglich, was er studieren will. Welche Ziele er verfolgt bleiben ebenso unklar, wie seine Ambitionen und Wünsche. Man hat das Gefühl, dass sie Brandon nur über den Football definiert und Alec nur über Brandon. So schön seine Liebe zu dem Footballer ist, die Autorin hätte dem Charakter ruhig mehr Tiefgang und Eigenschaften verleihen können. Das ganze Buch dreht sich fast ausschließlich um Brandons Probleme und Sorgen, wodurch sie eine Menge Potenzial verschenkt. Zudem steigert das nicht gerade die Sympathie gegenüber Brandon, da es nur um ihn zu gehen scheint, seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und der Footballer schnell unsensibel und egoistisch wirkt.

Wie bereits angesprochen sind die Charaktere nur bedingt sympathisch – die Autorin legt einfach zu viel Gewicht auf Brandon, so dass Alec und dessen Entwicklung ein wenig leidet. Dennoch kann man die beiden Männer gut verstehen und ihre Gedankengänge nachvollziehen. Allerdings dauert es eine Weile, bis man sich mit den beiden angefreundet hat, denn sie wirken teilweise schrecklich inkonsistent. Das trifft auch auf die Nebenfiguren zu, die man mitunter nur schwer nachvollziehen kann. Sei es Alecs beste Freundin, oder Brandons jüngerer Bruder – teilweise versteht man einige Aktionen und Reaktionen der beiden nicht. Womöglich liegt das an den holprigen Dialogen, die ebenfalls sehr inkonsistent sind.

Stilistisch ist Nyrae Dawn Geschmackssache – die einen mögen ihren Stil, andere kommen damit überhaupt nicht klar. Ich gehöre zu letzteren, denn mir machten sowohl die Beschreibungen, als auch die Dialoge große Schwierigkeiten. Gerade die Gespräche sind sehr holprig, mitunter springen die Charaktere urplötzlich zwischen den Themen, so dass man den roten Faden nur schwer verfolgen kann. Ob das an der deutschen Übersetzung liegt, kann ich schwer beurteilen, doch „Rush“ liest sich leider alles andere als flüssig und solide. Möglicherweise sind Nyrae Dawns andere Romane flüssiger und in sich runder, „Rush“ kann stilistisch leider nicht punkten.

Fazit:
„Rush – Nur du und ich“ ist ein schwules Drama, das nur teilweise überzeugen kann. Zum einen sind die Charaktere recht inkonsistent und handeln nicht immer schlüssig, zum anderen sorgt der Schreibstil dafür, dass man dem roten Faden nur bedingt folgen kann. Auch inhaltlich kann „Rush“ trotz guter Grundlagen und einer sensiblen Behandlung des Themas nicht ganz überzeugen – dafür geht es zu wirr durcheinander und die Gewichtung der Schwerpunkte ist nicht immer geglückt. Schade – hier hätte Nyrae Dawn mehr rausholen können …

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[ROMAN] Böse Jungs von Susann Julieva

Autor: Susan Julieva
Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN: 978-3734754098
Preis: 4,99 EUR (ebook) | 11,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon – aktuell gibt es das eBook für nur 2,99 EUR 

Story:
Der introvertierte, kühle Nerd James ist seit einer Ewigkeit in seinem besten, heterosexuellen Freund Casey verliebt. Alles ändert als er den Draufgänger der Uni Danny Rizzo kennenlernt, der Interesse an Casey zeigt und damit für ein heilloses Durcheinander sorgt. Plötzlich ist James Freund doch nicht so hetero, wie gedacht; allerdings wird schnell klar, dass der junge Mann für Rizzo eher Mittel zum Zweck ist: Er will lieber James für sich gewinnen. Als Casey erkennt, dass er Danny keine Chancen hat, versucht er sich an einer Beziehung mit James – allerdings hat dieser unterdessen auch Rizzo besser kennengelernt und kann sich der Anziehung des „Bad Boys“ kaum entziehen. Zudem scheint Rizzo der einzige zu sein, der James auffangen kann, wenn er sich seiner düsteren Vergangenheit stellt …

Eigene Meinung:
Der Roman „Büse Jungs“ erschien erstmals unter dem Titel „Triangle“ auf dem englischsprachigen Markt, der mit der Co-Autorin Romelle Engel entstanden ist. Erst nachdem der Ullstein – eBook-Ableger „feelings“ Interesse an einer deutschen Ausgabe des Romans zeigte, übersetzte Susann Julieva das Buch für die deutschen Leser.

Die Geschichte um James, Casey und Rizzo mag auf den ersten Blick wie eine typische Dreiecks-Beziehungskiste anmuten, doch sie weiß durchaus zu unterhalten und mitzureißen. Trotz der soapigen Elemente, des hohen Dramagehaltes und der erotischen Szenen, ist die Geschichte überraschend tiefgründig und bietet dem Leser mehr als ein reines Liebesdrama. Susann Julieva erzählt die Handlung aus drei Perspektiven und sorgt damit für eine gewisse Dreidimensionalität, die dafür sorgt, dass man alle Hauptcharaktere kennenlernt. Man versteht nach und nach die Gründe und Hintergedanken und muss immer wieder gefasste Meinungen revidieren, wenn man mehr erfährt. Zudem scheut sich Susann Julieva nicht vor Themen wie Bisexualität, Asexualität, Probleme mit der Familie und Misshandlung. All das wird in das komplizierte Beziehungschaos eingebaut und sorgt für Abwechslung und Dynamik. Dadurch wird es mitunter arg dramatisch, doch wer Romane mag, in denen die Charaktere eine Weile mit sich und ihrer Umwelt kämpfen, und das ein oder andere aus ihrer Vergangenheit bewältigen müssen, wird bei „Böse Jungs“ voll auf seine Kosten kommen.

Entsprechend der Geschichte, die stark auf die Charaktere zugeschnitten ist, sind diese gut ausgearbeitet und überzeugend in Szene gesetzt. Man kann sich sowohl in James, als auch in Casey und Rizzo hineinversetzen, wobei die Handlung vorwiegend um James aufgebaut ist. Es geht um in erster Linie um seine Gefühle und seine Vergangenheit, wenngleich auch Rizzo und Casey in dieser Beziehung ausreichend beleuchtet werden. Daher sind dem Leser alle drei Hauptfiguren sympathisch und wachsen mit der Zeit ans Herz. Dass nicht jedem Casey mit seiner sprunghaften Art ans Herz wächst, ist verständlich, doch er macht auf seine Art die größte Wandlung durch und wird in seinem Leben wohl mehr Problemen gegenüberstehen, als James und Rizzo. In diesem Punkt hätte ich mir fast mehr zu Casey gewünscht, wenngleich ich verstehe, dass seine Entwicklung nur bedingt zu einem Gay Romance passt.

Stilistisch legt Susann Julieva eine solide, tiefgründige Geschichte vor, die von Anfang an zu fesseln weiß. Es gelingt ihr jeden Charakter überzeugend zu beschreiben und passend in Szene zu setzen. Mitunter ist es an einigen Stellen zu dramatisch geraten, doch dafür sind die Dialoge, die Beschreibungen und die erotischeren Szenen (die glücklicherweise sehr ansprechend geschrieben sind) sehr gelungen – Susann Julieva hat einen stimmigen, gut lesbaren und mitreißenden Schreibstil, der gut zum Roman und den Figuren passt.

Fazit:
„Böse Jungs“ ist eine gelungene Dreiecksgeschichte, der es gelingt den drei Charakteren gerecht zu werden und trotz einiger Längen Spannung aufzubauen. Neben dem guten, fesselnden Schreibstil und den sympathischen Figuren kann auch die dramatische Handlung überzeugen. Wer dramatisch, emotionale Geschichten mag und kein Problem mit Soap Opera Elementen hat, sollte „Böse Jungs“ eine Chance geben. Es lohnt sich.

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[ANTHOLOGIE] Zusammen finden

Cover

Autoren: Bianca Nias, Chris P. Rolls, Jobst Mahrenholz, J. Walther, Juliane Seidel, Justin C. Skylark, Karolina Peli, Moritz Berg, Paul Senftenberg, Raik Thorstad, Rosha Reads, S.B. Sasori, Schännieh Dunkelstrauch, Susann Julieva, Tanja Meurer
Taschenbuch: 300 Seiten
ASIN: B01255UN22
Preis: 5,99 EUR (ebook) | 10,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Heute habe ich keine Rezension in petto, sondern will euch die Benefiz-Anthologie „Zusammen finden“ vorstellen, die für eine schwer erkrankte Autorin entstand und ihr ein wenig Lebensfreude, Mut und Mobilität geben soll. Dem Aufruf der Autorin Jana Walther („Benjamins Gärten“, Phillips Bilder“), die für dieses Projekt verantwortlich ist, folgten 15 deutsche Autoren. Den Leser erwarten insgesamt 13 Gay-Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ich selbst in der Anthologie mit einer Kurzgeschichte vertreten bin, erwartet euch an dieser Stelle keine Rezension, sondern kurze Teaser aller enthaltenen Geschichten, die hoffentlich Lust auf mehr machen.

Tanja Meurer – Hunger

Auf dem Flur vor ihrer Tür blieb er stehen. Etwas kribbelte in seinem Nacken. Das unangenehme Ziehen kannte er. Zumeist fühlte es sich so an, wenn ihn jemand anstarrte. Hinter ihm knackte der Schlüssel im Schloss. Das Fräulein hatte abgeschlossen. All seine Freunde, ausgenommen Konrad, der auf ihn wartete, gingen die Treppe hinunter. Ein kalter Hauch streifte Heinrichs Wange. Der Geruch nach ungewaschenem Mann umfing ihn. Hinter sich fühlte er einen warmen Körper, der ihn nicht berührte. Gänsehaut bildete sich auf seinen Armen. Sein Herzschlag beschleunigte sich und pumpte Hitze durch seine Adern. Hinter ihm stand jemand! Er fuhr herum.

Schännieh Dunkelstrauch – Zwischen Sojafleisch und Pinot noir

Jeden Samstag kam er zum Einkaufen hierher. Beinahe sogar immer um die gleiche Uhrzeit und jedes Mal maß er Finn mit heimlichen Blicken. Seit etwas über einem Jahr ging das bereits so und für Finn war es inzwischen schon fast schon eine Art allwöchentliches Date geworden, auf das er sich immer wieder aufs Neue freute, und das, obwohl sie bislang noch nie auch nur ein einziges Wort gewechselt hatten. Lediglich das ein oder andere schüchterne Lächeln hatten sie bisher aus der Entfernung getauscht, doch dabei war es stets geblieben.

Chris P. Rolls – Die Anmut von Gras

Meine Füße jucken in den Lederschuhen, der Stoff der Hose kratzt. Nur zu gut erinnere ich mich an das Gefühl sonnenprickelnder Wärme auf der Haut. Das Bouquet des Sommers lag permanent in der Nase: der schwere, süße Duft unzähliger Blüten, der herb würzige von Heu, der unvergleichliche Geruch von trocknenden Badesachen. Staub in der Nase, sandige Erde zwischen den Zehen, das Kitzeln kleiner Steinchen, das Streicheln langer Grannen an Hüfte und Handflächen. Auf dich übte jedes dieser gräsernen Meere stets eine besondere Anziehungskraft aus. Inmitten der Bewegung verlor sich der Horizont, verschwamm die Welt. Brachflächen und Getreidefelder, sie lockten dich zielsicher hinein. Du bist hineingerannt, noch ehe dein Fahrrad, achtlos abgestellt, den Boden berührte. Dein Lachen lockte mich mit hinein. Keuchend versuchte ich an dir dranzubleiben, wenn du jauchzend die Spur wechseltest, während ich brav in der Traktorspur blieb und bei jeder umgeknickten Ähre insgeheim meinen Vater schimpfen hörte. Mit einem Köpper verschwandest du in den Wellen aus Ähren und Halmen. Nichts konnte dich stoppen.

Jobst Mahrenholz – Charlys Chip

Er, den ich suche, fläzt lasziv auf den hölzernen Stufen. Der schmale Körper ist schwarzbraun gestreift, durch Erde und Moor. Ein Faun. Sein intensiver Duft lässt mich die Augen schließen. Dichtes Haar hängt in dicken filzigen Strähnen in sein Gesicht. Ein Schurz aus Fuchsfell schützt seine Lenden. Er strahlt mir entgegen. Ein siegesgewisses Lächeln blitzt auf. „Endlich …“, sagt er, als ich ihm gegenüberstehe. „… Ich dachte schon, du tust es nie.“ „Es ist verboten …“, sage ich zaghaft, als er geschmeidig auf mich zukommt. Da lacht er mich aus. „Wer sagt sowas?“, will er wissen. Seinem Atem entströmt das Aroma wilder Beeren. „Alle sagen das“, versichere ich ihm.

Juliane Seidel – Zwillingsmond

Bei den Göttern! Nazar zwang sich zur Ruhe. Er versuchte die bohrenden Blicke auszublenden, um sich ganz auf den Zauber zu konzentrieren. Sein Kopf schmerzte vor Anstrengung, doch endlich fühlte er das leichte Prickeln, das von den Magielinien ausging. Widerwillig öffneten sie sich vor ihm. Er wollte gerade die Hand nach der Macht ausstrecken und den Zauber intonieren, als ihn ein unterdrücktes Lachen ablenkte. Dieser kurze Augenblick der Unaufmerksamkeit genügte, um die Verbindung zu den Magielinien zu verlieren.

Bianca Nias & Susann Julieva – Der Werwolf von Nebenan

Was zum Teufel ist los mit mir? Ich schließe die Wohnungstür und lehne mich für einen Moment dagegen, um mich zu sammeln. Die Art, wie Lorenz mich angesehen hat, brennt und vibriert in mir. Hellwache graublaue Augen, verwirrt und offensichtlich von mir fasziniert. Ich konnte seinen Puls in der Halsschlagader pochen sehen. So verletzlich. Mit einer einzigen Bewegung könnte ich ihn in Stücke reißen. Manche Menschen spüren instinktiv, dass Wandler gefährlich sind, aber er ist völlig ahnungslos. Sein Körper sendet eine ganze Woge von Pheromonen aus, ohne, dass er es überhaupt merkt. Und da ist etwas an seinem Duft, das mich ganz kirre macht. Als ich dicht vor ihm stand, war ich kurz davor, an ihm zu schnuppern. Seine Haut riecht unvergleichlich, maskulin und herb – und dann diese köstliche Vanillenote. Ich will seinen Geruch inhalieren, an seiner empfindsamen Nackenpartie, wo das Aftershave nichts überdeckt. Mit der Zunge aufreizend langsam über seine Haut lecken, ihn schmecken … Mann, der Gedanke turnt mich ganz schön an. Meine Wolfsseite lechzt auf einmal wie ausgehungert nach Sex. Für einen Moment ist der Trieb fast überwältigend. Nein, verdammt! Das steht außer Frage. Viel zu wahrscheinlich, dabei enttarnt zu werden.

S. B. Sasori – Rabendieb

Falk Graustein hat den Kopf in den Nacken gelegt, sieht in den bedrohlich dunklen Himmel. Völlig in Gedanken versunken. Die Grimmigkeit ist verschwunden. Wenn überhaupt, wirkt sein Blick traurig. „Guten Morgen“, grüße ich gewohnt freundlich. „Tut mir leid, dass ich spät dran bin.“ Er fährt zusammen, als hätte ich ihn aus dem tiefsten Traum gerissen. „Arne!“ Er hat mich noch nie mit Namen angesprochen. Ich wusste gar nicht, dass er ihn kennt. Ein verwirrtes Lächeln erhellt sein Gesicht für geschlagene drei Millisekunden. Die braunen Augen leuchten in einer Wärme, die ich diesem Mann nie zugetraut hätte. Dann versinkt seine Miene in zum Himmel passende Finsternis. Für einen winzigen Moment stand ein völlig anderer Mensch vor mir. Er schnippt die Asche von der Zigarette und sieht mir zu, wie ich ihn anstarre. Ich rette mich mit einem Lächeln, eile an ihm vorbei und bin froh, als ich die Tür zwischen uns schließen kann.

Rosha Reads . Sehnsucht ist ein subtiles Gefängnis

Verdammt, ist das eng! Obwohl ich meine Lippen fest aufeinanderpresse, entkommt mir ein Stöhnen. „Was?“, fragst du und deine Stimme klingt beinahe ängstlich. Ja, was wohl? Deine Frage und der Blick in deine besorgten Augen machen die Situation auch nicht einfacher für mich. Ich atme tief durch und verkneife mir jeglichen Kommentar. Es gibt Momente, in denen man am besten gar nicht spricht. Beim Sex zum Beispiel. Oder wenn man die Hand in den Eingeweiden eines Autos eingeklemmt hat. So geil ein Achtzylinder auch ist, beim Wechseln des Keilrippenriemens ist der verbaute Motorraum die Hölle. Man bräuchte die zierlichen Hände einer chinesischen Hebamme, um dort einigermaßen arbeiten zu können.

Justin C. Skylark – Dylan & Thor – on the road – ein Zwischenspiel

Jimmys Fragen ebbten nicht ab. „Was treibt dich in diese Gegend? Mit einem Wohnmobil?“ „Wir machen Urlaub“, entgegnete Dylan. Er verfolgte genau, wie sich Jimmy zwischen den Beinen wusch. Der nasse, nackte Körper erregte ihn. „Und der Typ mit dem Bart und den langen Haaren ist dein Freund?“ „Wieso?“ Jimmy stellte das Wasser aus. Er griff sich ein Handtuch und trocknete sich ab. Er trug silberne Ketten, ein paar Fingerringe. Seine Arme und Leisten waren tätowiert. Sein schwarzes Haar war nass. Er rubbelte es trocken, sodass es in Strähnen von seinem Kopf abstand. „Er sah nicht so aus, als hätte er es begrüßt, dass wir uns unterhalten.“ „Ach, weißt du, es ist nicht immer einfach mit ihm.“

Jana Walther & Moritz Berg – Nie vergessen – Non dimenticato mai

Ich betrachte seine Augen, die in einem besonderen Braunton leuchten, eine Farbe, die mich schon vor so vielen Jahren in seinen Bann gezogen hat. Auch dieses strahlende Lächeln erkenne ich wieder. Es ist dasselbe wie früher. Ich bin mir sicher, dass er es ist!
Der Junge war damals schon hier gewesen. Inzwischen ist aus ihm ein Mann geworden, doch in seinen Augen schimmert noch immer der kindliche Ausdruck des Jungen, dem ich einst hier begegnet bin.
Diese Augen haben mich vor Jahren bis in meine Träume verfolgt und Gefühle in mir ausgelöst, mit denen ich zu jener Zeit noch nichts anzufangen wusste.

Raik Thorstad – Das steinerne Bild

Da liegt er, hemmungslos, nackt, lang ausgestreckt neben mir. Dein Steingott. Er, mit dem unser Streit begann.
Meine Hand zuckt nach oben, um den Laptop zu schließen, aber du packst meinen Arm. Deine Finger graben sich tief in mein Handgelenk.
„Sieh genau hin“, raunst du mir brüchig zu. „Ich bitte dich, sieh einfach einmal richtig hin. Nur für einen verdammten Moment.“
Ich kann gar nicht anders, obwohl ich viel lieber weglaufen möchte. Du hast mich ausgetrickst. Das ist mir jetzt klar. Ich habe nicht für eine Installation maßgenommen, ich bin selbst das Kunstwerk. Ich neben diesem perfekten Mann, der …

Paul Senftenberg – Liebe ohne Namen – Oscar Wilde (1997)

Auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise befindet sich das von Jacob Epstein gestaltete und einem fliegenden Engel getragene Grab von Oscar Wilde, der sich zu einer Zeit, als Homosexualität noch als Sodomie bezeichnet wurde, schwanken sah zwischen der Liebe zu seiner Frau und seinen beiden Kindern und jener zu Männern, im Speziellen zu dem wesentlich jüngeren Lord Alfred Douglas, den er Bosie nannte. Inmitten der Bigotterie des viktorianischen England stand Wilde zu seiner Neigung und musste dafür teuer bezahlen. Ein Zitat aus Wildes Gedicht „The Ballad of Reading Gaol“, das seine Zeit im Gefängnis thematisiert und auf dem Grab zu lesen ist, nimmt Bezug auf Männer mit einem Doppelleben, wie es der Autor selbst führte: „And alien tears will fill for him/Pity’s long-broken urn/For his mourners will be outcast men/And outcasts always mourn.“

Karolina Peli – Von Liebe, Anhänglichkeiten und Fluchten

Jan ging dabei der Gesichtsausdruck von Enno nicht aus dem Kopf. Warum hatte Enno ihn so entsetzt angesehen? Warum fragte er: Seit wann und wieso?
Jan betrachtete dabei Camille, wie dieser mit dem Rücken zu ihm am Küchentresen stand und Fleisch klein schnitt. Sein Blick glitt dabei über dessen Figur. Gerade lange Beine, schmale Hüften und dazu diese bis über die Schultern fallenden lockigen Haare. Hätte er es nicht besser gewusst, könnte man auf den ersten Blick meinen … Jan fing an, schallend zu lachen.
„Ich glaube zu wissen, was Enno zu diesem entsetzten Blick veranlasst hat. Und warum er so herumstotterte. Der hielt dich auf den ersten Blick für eine Frau. Wenn er genauer hingeguckt hätte, wäre ihm aufgefallen, das ich einen Kerl im Arm hielt.“
Er konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen. Ja, das konnte durchaus so gewesen sein. Enno hatte das gesehen, was er sehen wollte. Und hatte nicht lange darüber nachgedacht. Camille wackelte mit den Hüften. „Und das bedeutet jetzt?“

Ich hoffe, dass ich euch die Anthologie ein wenig schmackhaft machen konnte – wie ihr seht haben wir für jeden Geschmack etwas dabei. Das eBook findet ihr in allen großen Onlineshops, die Printausgabe wird in nächster Zeit erscheinen. Bis dahin könnt ihr das eBook auf Amazon bestellen. Wir freuen uns über eure Unterstützung.

[ROMAN] Der verschollene Prinz von C.S. Pacat

Autor: C.S Pacat
Taschenbuch: 322 Seiten
ISBN: 978-3-453-31608-9
Preis: 9,99 EUR (ebook) | 12,99 EUR (Taschenbuch)
Rezension zum englischen Original (5 Sterne)

Story:
In einem Staatsstreich übernimmt Kastor, der Bastard Königs Theomedes, das Land Akielos und tötet nicht nur seinen Vater, sondern setzt auch seinen jüngeren Bruder Damanios, den rechtmäßigen Thronerben gefangen. Da sein Hass auf Letzteren so groß ist, entscheidet sich Kastor gegen einen schnellen Tod und degradiert seinen Bruder zum Sklaven Damen. Zusammen mit ausgebildeten Lustsklaven wird er ins verfeindete Vere gebracht, und dort dem königlichen Prinzen Laurent als Pet zum Geschenk gemacht. Damen bleibt keine andere Wahl, als sich auf den intrigenreichen Hofstaat und die gefährlichen Spielereien des undurchsichtigen Laurent einzulassen und sein Schicksal vorerst anzunehmen. Immerhin hasst jeder Veretianer Prinz Damianos, der in einer alles entscheidenden Schlacht vor sechs Jahren Laurents älteren Bruder und Thronerben getötet hat. Insbesondere Laurent hasst Akielos und die Barbaren, die dort leben.

Für Damen bricht eine schwere Zeit an, in der er sich nicht nur gegen die gefährlichen Intrigen zwischen Laurent und seinem Onkel, dem derzeitigen Herrscher in Vere, erwehren muss, sondern auch lernt was es heißt ein Sklave zu sein. Zudem hofft Damen auf den Tag, an dem er endlich fliehen und nach Akielos zurückkehren kann, um Kastor zur Rede zu stellen und seinen Platz auf dem Thron einzunehmen …

Eigene Meinung:
„Captive Prince“ startete zunächst in C.S. Pacats Blog als fortlaufende Geschichte. Aufgrund der steigenden Fanzahlen und des positiven Feedbacks, die die Autorin im Laufe der Zeit erhielt, erschienen 2013 die ersten beiden Bände der geplanten Trilogie im Eigenverlag als eBook und Taschenbuch. Trotz vorheriger Online-Veröffentlichung, wurden die Bücher rasch als Geheimtipp gehandelt, was im Frühjahr 2013 das Interesse einiger Agenten und Verlage nach sich zog und schließlich darin endete, dass Penguin Books sich die Rechte an der Trilogie sicherte. Zudem wurden die Rechte der Serie weltweit verkauft – in Deutschland erschien nun „Der verschollene Prinz“ bei Heyne, „Duell der Prinzen“ soll im Januar 2016 auf den Markt kommen. Für englischsprachige Fans ist das Finale für den 02.02.2016 angekündigt.

Die Geschichte ist von Anfang an spannend, startet die Autorin doch direkt im Geschehen und fesselt den Leser so bereits auf den ersten Seiten. In einigen Punkten erinnert „Der verschollene Prinz“ ein wenig an „Staub und Stolz“ von Cecil Dewi, wobei hier durchaus etliche Unterschiede zwischen den Büchern existieren. Zu Beginn verwirren die vielen fremd klingenden Namen und Länder, obwohl die Autorin im Vorfeld alle wichtigen Figuren kurz vorstellt, doch mit der Zeit gewöhnt man sich an die vielen schillernden Persönlichkeiten und die Fantasyländer Vere und Akielos, die so unterschiedlich sind, wie Tag und Nacht.

C.S. Pacat hat eine durchaus interessante Welt erschaffen (von der ich mir durchaus eine Landkarte gewünscht hätte), die im Großen und Ganzen logisch und in sich schlüssig ist. Lediglich an einigen Stellen (insbesondere das Pet-System in Vere, das nur gleichgeschlechtliche Paare erlaubt – ein Bestandteil der Handlung, der in der deutschen Ausgabe nahezu komplett verloren geht) wirken die Erklärungen ein wenig schwammig und inkonsistent oder es mangelt schlicht und ergreifend an weiterführenden Informationen. Das mag durchaus daran liegen, dass alles aus Damens Sicht erzählt wird, und dieser dank seiner Gefangenschaft im königlichen Palast in Vere, nur wenig von der Außenwelt mitbekommt, aber mit der Zeit ermüden die wiederholenden Beschreibungen des Zimmers und seiner Umgebung. Einzig die vielen Intrigen zwischen Laurent und seinem Onkel, die mit der Zeit wie ein kompliziert aufgebautes Schachspiel anmuten und sich Damen und dem Leser in ihrer Komplexität erst nach und nach präsentieren, sorgen für Spannung und Dynamik. Sie machen die große Stärke des Buches aus. C.S. Pacat versteht es gekonnt mittels Dialogen und kleinen Hinweisen Spannung aufzubauen und erst im Laufe der Zeit die einzelnen Figuren und deren Beweggründe zu enthüllen. Damen, der eine wesentlich einfachere und ehrlichere Lebensweise gewohnt ist, fällt es natürlich schwer, durch dieses Geflecht zu sehen und wird schnell zu einer Schachfigur, die sich erst zum Ende hin befreien kann, wenngleich er damit unfreiwillig seinen Platz an Laurents Seite festigt.

Positiv sei an dieser Stelle hervorzuheben, dass C.S. Pacat weitestgehend auf erotische Szenen verzichtet. Die Autorin spielt zwar mit Klischees des Genres (was vielleicht daran liegt, dass sie aus dem Fanfiction-Bereich kommt), nutzt diese jedoch für unerwartete Wendungen in der Handlung, anstatt flachen Sexszenen. Es gibt zwar einige kurze Sequenzen, doch diese werden glücklicherweise nicht ausgedehnt oder gar romantisiert. Genau das findet man in „Der verschollene Prinz“ nämlich nicht – Romantik und Liebe. Es mag sich bei C.S. Pacats Roman um ein homoerotisches Werk handeln, doch die Autorin konzentriert sich glücklicherweise komplett auf die Intrigen und die Interaktionen zwischen Damen und Laurent. Dabei ist auf keiner Seite wirklich Liebe im Spiel – Damen bevorzugt Frauen und nimmt nur selten Männer mit ins Bett, Laurent wirkt vollkommen asexuell. Wer also auf einen Vertreter des boomenden Gay Romance Genre hofft, wird enttäuscht. „Der verschollene Prinz“ ist intrigenreiches High Fantasy, bei dem zumindest im ersten Band keine Liebesgeschichte vorkommt. Dafür nimmt sich die Autorin Zeit für ihre Figuren. Die Beziehung zwischen Damen und Laurent entwickelt sich sehr langsam, nachvollziehbar und glaubhaft, was am Ende des ersten Bandes in widerwilligem Respekt füreinander und einen Anflug von Vertrauen endet.

Neben der intrigenreichen, komplexen Geschichte können auch die Figuren überzeugen. Damen ist ein sympathischer Held, der mehr als einmal aufgrund seines Stolzes und seiner hitzigen Natur in Schwierigkeiten gerät. Man kann seine Gedanken und Gefühle sehr gut nachempfinden, insbesondere da er eher ein Kämpfer ist und höfischen Gepflogenheiten (gerade die elitäre, gehobene Art der Vere) nur wenig abgewinnen kann. Das bedeutet nicht, dass er sich rein auf seine körperlichen Attribute verlässt – Damen weiß durchaus zu reden, ist diplomatisch und versucht das Beste aus einer Situation zu gewinnen.
Ihm entgegen steht Laurent, der kühle, undurchsichtige und strenge Thronanwärter Veres, der die Menschen Akielos’ mehr als alles andere hasst. Seine Beweggründe und Gedanken bleiben dem Leser verborgen, da Damen den jungen Mann nur schwer begreifen kann. Erst im Laufe der Geschichte rückt Laurent ein wenig mehr in den Fokus und mausert sich nach und nach durch seine geschickten Intrigenspiele und seine diplomatischen Fähigkeiten zu einem extrem interessanten Charakter. Er ist der ideale Gegenpart zu Damen und in gewisser Weise ergänzen sie sich.
Auch die übrigen Charaktere sind gut durchdacht und keinesfalls blass. Veres aktueller Herrscher ist ein faszinierender Charakter – nach außen hin freundlich und wohlmeinend, aber ebenfalls ein Meister des Intrigenspiels und (wie Damen erst spät feststellt) bei weitem nicht so nett, wie er vorgibt. Nicaise, der junge Pet des Herrschers weiß ebenfalls zu überzeugen und sorgt in vielen Szenen für Spannung und Action. Zusammen mit den Wachen, einigen Sklaven und Pets, die Damen im Laufe der Zeit kennenlernt, ergibt sich eine schöne Mischung unterschiedlicher Figuren, die Damen und Laurent einen passenden Rahmen verleihen.

Wer das englischsprachige Original kennt, weiß, dass C.S. Pacat einen schönen, leicht lesbaren Schreibstil hat, an den man sich jedoch zu Beginn erst gewöhnen muss. Sie hat einen Hang für schwierige Worte und Begriffe, die gerade deutschen Lesern ein wenig mehr abverlangen, um der Geschichte zu folgen. Das fällt besonders in den Dialogen auf oder wenn die einzelnen Intrigen aufgeschlüsselt werden. Dennoch möchte ich an dieser Stelle jedem die englische Edition von „Captive Prince“ ans Herz legen. Denn leider muss ich an dieser Stelle anfügen, dass die deutsche Übersetzung C.S. Pacats feinem, sinnlichen Stil überhaupt nicht gerecht wird. Die Ausgabe von Heyne strotzt vor modernen Begriffen, platten Dialogen und unpassenden Begriffen, so dass die Atmosphäre des Originals fast vollständig zerstört wird. Es ist äußerst schade, dass diese tolle Geschichte eine solch schluderige Übersetzung erhalten hat, die weder zu „Captive Prince“ noch zu einem High Fantasy passt.

Fazit:
Mit „Der verschollene Prinz“ legt C.S. Pacat einen spannenden, gut durchdachten Start der „Captive Prince“ Trilogie vor, der Lust auf mehr macht. Sowohl die facettenreiche Geschichte, als auch die interessanten Figuren und die Fantasyreiche Akielos und Vere können überzeugen und geben den perfekten Rahmen für einen High Fantasy Roman, in dem er nicht um Kriege und Weltenrettung geht, sondern um Intrigen und Machtspiele. Lediglich die deutsche Übersetzung sorgt dafür, dass ich diesem Buch (das im Original von mir 5 Sterne erhalten hat) lediglich schwache 4 Sterne geben kann. Wer „Staub und Stolz“ mochte und wer nach guter homoerotischer High Fantasy sucht, in der es nicht um Beziehungskisten und erotische Liebesabenteuer geht, sollte sich daher die Originalausgabe zulegen – die deutsche Version enttäuscht leider auf ganzer Linie. Schade.

Die Rezension zu „Captive Prince 1“ (englisches Original) kann man hier nachlesen.

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[ROMAN] Herz nach Maß von Claire Thompson

Autor: Claire Thompson
Taschenbuch: 225 Seiten
ISBN-13: 978-3944686202
Preis: 8,95 EUR

Story:
Kurz vor dem Burn-Out zieht der junge Börsenmakler Will die Reißleine und krempelt sein Leben um. Dazu gehört, dass er sich jobtechnisch eine Auszeit nimmt und ein altes, renovierungsbedürftiges Haus auf dem Land, wo er endlich zur Ruhe kommen will. Um die Küche auf Vordermann zu bringen, engagiert er den Handwerker Jack, der ihn bereits innerhalb kürzester Zeit fasziniert und für den Will bereit ist, sein ruheloses Leben ohne festen Partner aufzugeben. Doch Jack ist durch und durch hetero, Witwer und hat zwei erwachsene Söhne, die fast so alt sind, wie Will. Trotz all der Dinge, die dagegen sprechen, versucht Will sein Glück und freundet sich mit Jack an. Im Laufe der Zeit entspinnt sich schließlich eine sonderbare Beziehung zwischen den beiden Männern, denn Jack ist nicht so abgeneigt, wie Will gedacht hat, immerhin hat der Handwerker in seiner Jugend eine tiefgehende Erfahrung mit seinem besten Freund gemacht …

Eigene Meinung:
„Herz nach Maß“ stammt von der Autorin Claire Thompson und erschien 2014 beim Cursed Verlag. Die Autorin ist in den USA eine bekannte Erotikautorin, die sowohl Hetero als auch Gay Romane veröffentlicht, größtenteils mit BDSM Einschlag. „Herz nach Maß“ ist der erste Roman der Autorin, der in Deutschland erschienen ist.

Inhaltlich geht es recht ruhig und bedächtig zur Sache – der vorliegende Roman konzentriert sich vollkommen auf die wachsende Beziehung zwischen Will und Jack. Dementsprechend räumt die Autorin ihren beiden Figuren viel Zeit ein, um sich kennenzulernen und einander näherzukommen. Dabei geht sie auf beide Figuren ein, erzählt die Geschichte mal aus Wills Sicht, mal aus Jack und lässt Letzterem genügend Platz, um sich mit dem Thema Homosexualität zu befassen. Glücklicherweise verzichtet sie darauf die Charaktere binnen weniger Kapitel miteinander ins Bett hüpfen zu lassen, sondern lässt gerade Jack eine Menge Zeit, um sich mit seinen Gefühlen auseinander zu setzen und sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Dadurch ist „Herz nach Maß“ gut nachvollziehbar und bietet Fans ruhiger, stiller Liebesgeschichte einen schönen, angenehm lesbaren Roman, der von der Handlung her überzeugen kann. Sicherlich hätte man hier und da die Geschichte noch vertiefen oder auch weiterführen können (gerade hinsichtlich des Coming-Outs des Witwers), doch insgesamt bietet Claire Thompson eine gefühlvolle und sensible Aufarbeitung der Thematik.

Dank der ruhigen Herangehensweise sind auch die Charaktere gut gelungen und in sich schlüssig. Will ist der typische, extrovertierte Schwule, der von einem Partner zum nächsten hüpft, wenig Sinn für Liebe und feste Partnerschaften hat und erst zur Ruhe kommt, als sein Körper ihn dazu zwingt. Jack ist in vielen Punkten das genaue Gegenteil: ruhig, in sich gekehrt, jemand, der seine Probleme zerdenkt und in vielerlei Dingen zwischen den Fronten steht. Beide Charaktere ändern sich im Laufe der Geschichte – sie ergänzen einander und erden sich in gewisser Weise gegenseitig.

Stilistisch bietet „Herz nach Maß“ solide Kost. Claire Thompson hat einen schönen, sicheren Schreibstil, der gut zur eher ruhigen Handlung passt und auf allzu viele Schnörkel verzichtet. Sowohl die Beschreibungen der Umgebung und des Hauses, als auch die Dialoge und inneren Monologe der Figuren sind gut gelungen und bringen dem Leser das Umfeld und die Charaktere näher. Gerade Jack lernt man im Laufe der Zeit sehr gut kennen und man versteht seine Gefühle und Bedenken. Da Claire Thompson zwischen den Perspektiven ihrer Charaktere wechselt, kann man sich gut mit beiden Figuren identifizieren, was dem Roman eine gewisse Dreidimensionalität verleiht. Auch Liebhaber gut geschriebener Erotik werden auf ihre Kosten kommen – Claire Thompson findet das richtige Maß und baut nicht zu viele explizite Szenen ein, die den Lesefluss hemmen könnten.

Fazit:
„Herz nach Maß“ ist ein solide geschriebenes, ruhiges Buch mit sympathischen, realistischen Hauptcharakteren und einem überzeugenden Handlungsbogen. An einigen Stellen hätte sich die Autorin weiter vorwagen können und die Beziehung der beiden noch weiter voranbringen können, doch insgesamt ist „Herz nach Maß“ gut gelungen. Wer ruhige Liebegeschichten ohne Action und Dramatik mag und Bücher liebt, in denen es nur um die Beziehung zweier Männer geht, der ist mit Claire Thompsons Werk gut beraten. Mehr als das, sollte man aber nicht erwarten …

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[MANGA] Bloody Mary von Akaza Samamiya

Autor: Akaza Samamiya
Taschenbuch: 168 Seiten
ISBN: 978-3-8420-1256-1
Preis:6,95 EUR

Story:
Während sich der Vampir Bloody Mary nach dem Tod sehnt, jedoch weder Feuer, Pflöcke und heilige Symbole sein Ende bedeuten, will der Priester Ichiro Rosario di Maria leben. In Anbetracht der Tatsache, dass nahezu jeder Vampir nach seinem Blut lechzt und ihn tot sehen will, ist es nicht so einfach, die Nächte durchzustehen. Da hilft auch nicht die Tatsache, dass er einer der mächtigsten Exorzisten sein soll, da in ihm das Erbe der Marias schlummert. Doch gerade dieses Erbe veranlasst Bloody Mary den jungen Priester aufzusuchen und um seinen Tod zu bitten. Für Ichiro öffnen sich neue Perspektiven und er bietet dem Vampir einen Deal an: Bloody Mary soll ihn vor Vampiren beschützen, bis er genug über den Exorzismus in Erfahrung gebracht hat, um Mary zu töten. Dabei ahnt er nicht, dass es Menschen gibt, die verhindern wollen, dass Ichiro jemals den Exorzismus erlernt und mehr über die dunklen Geheimnisse seines Erbes in Erfahrung bringt …

Eigene Meinung:
„Bloody Mary“ stammt von der Mangaka Akaza Samamiya, die mit dem 2-bändigen Manga „Vogelkäfig Syndrom“ in Deutschland bekannt geworden ist. Dieses Mal versucht sich die Künstlerin an einem düster-fantastischen Setting und entführt den Leser in die Welt der Vampire.

Die Grundidee ist nur bedingt etwas Neues, bietet jedoch eine Menge Potenzial für Spannung, Mysterien und Dramatik, da zum Ende des ersten Bandes etliche Fragen aufgeworfen werden, die mehr versprechen als die üblichen Vampirgeschichten. Zudem sind die Charaktere interessant und es macht Spaß das ungleiche Paar Ichiro und Mary zu begleiten. Allzu viel Charakterentwicklung darf man im ersten Band nicht erwarten, doch es zeichnet sich ab, dass man noch viele Geheimnisse entdecken kann. Inwieweit „Bloody Mary“ dem Boys Love Genre zugordnet werden kann (was Tokyopop ja mit ihrer Genreeinteilung impliziert), bleibt abzuwarten – Band 1 bietet den Boys Love Fans kaum mehr als Andeutungen, wenn überhaupt. Da der Verlag bereits in der Vergangenheit häufig das Label Boys Love auf Shojo Mangas gepackt hat, sollte man bei „Bloody Mary“ nicht zu viel erwarten.

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere sympathisch und wissen durchaus zu gefallen – Ichiro wirkt sehr kühl und unnahbar, Mary zumeist recht kindlich und verzweifelt. Dadurch ist letzterer der mächtige Vampir nur schwer abzunehmen, insbesondere da man nichts über ihn und seine Vergangenheit erfährt. Es bleibt zu hoffen, dass Akaza Samamiya in den kommenden Bänden Licht ins Dunkel bringt und die Geheimnisse um Bloody und Ichiros Erbe offenbart. Gerade der junge Priester könnte an Reife und Stärke gewinnen, denn auch er bleibt relativ blass.

Zeichnerisch gibt es wenig zu beanstanden. Akaza Samamiya hat einen sehr schönen, feinen Stil, der fast ein wenig ätherisch wirkt. Sowohl die Männer, als auch die rauen sind sehr filigran gezeichnet, die typischen Bishonen/Bishojo. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf den Figuren, Hintergründe kommen daher eher spärlich vor, ebenso wirklich Actionszenen. Akaza Samamiya ist vorwiegend im Shojo Genre zuhause, dementsprechend sind auch ihre Zeichnungen, gleich ob farbig oder schwarzweiß, eher mangahaft gehalten und bestechen durch einige SDs und Chibis.

Fazit:
„Bloody Mary“ ist ein schöner Einstieg in Akaza Samamiyas neustes Werk. Der Manga besticht durch eine interessante Geschichte, die eine Menge Fragen aufwirft und wunderschöne Zeichnungen. Die Figuren sind zwar noch etwas blass, haben aber durchaus Potenzial und könnten der Handlung einige spannende Wendungen bescheren. Ob Akaza Samamiya die offenen Möglichkeiten nutzt und ob „Bloody Mary“ tatsächlich ins Boys Love Genre passt, bleibt abzuwarten – Vampirfans, Shojo-Liebhaber und Freunde von unheimlicher Mystery sollten einen Blick riskieren.

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[ROMAN] Im Endkeis von Peter Nathschläger

Autor: Peter Nathschläger
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3-945569016
Preis: 11,95 EUR

Story:
Seltsame Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und kündigen eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes an: Mitte der 60er Jahre verschwinden über Nacht sämtliche Einwohner der kleinen, südfranzösischen Stadt Mont Ceret, 40 Jahre später stößt der französische Ermittler Rousseau auf eine Leiche in der Kirche der Ortschaft und auf verstörende Dokumente, die ihn nach Sibirien führen. Zeitgleich trifft der junge Musikstudent Leon auf den seltsamen, wilden Russen Ivo, der mehr zu sein scheint als ein Mensch. Nach einer kurzen, heftigen Affäre, zieht es Letzteren zurück nach Russland, denn dort wartet sein Schicksal auf ihn. Leon bleiben lediglich winzige Hinweise und Erinnerungen, zudem drei grausam ermordete Männer, die nachweislich mit Ivo unterwegs waren. Als er zufällig Rousseaus Bekanntschaft macht, beschließen beide Ivo zu folgen, denn sie erhoffen sich Antworten für all die seltsamen Vorfälle, die die Welt heimsuchen: eine neue Trenddroge, die die Ärzte vor ein Rätsel stellt, merkwürdig geschlechtslose Wesen, die Ivo jagen und eine Sekte, die im Hintergrund die Fäden zieht.

Auf ihrem Weg lernen sie die handfeste Olga kennen, die sie bereitwillig unterstützt und stoßen auf einen unvorstellbaren Komplott, der bereits 1908 in Tunguska, Sibirien seinen Anfang nahm und eine nahende Katastrophe, die nur einer abwenden kann: Ivo.

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Endkreis“ wagt sich er Incubus Verlag erstmals an einen mystischen Thriller. Verfasst wurde der Roman von Peter Nathschläger, der bereits etliche Bücher bei Himmelstürmer, Männerschwarm und AAVAA herausgegeben hat.

Inhaltlich präsentiert Peter Nathschläger einen seltsam konfusen Thriller, den man nur schwer greifen kann und der sich stark auf das Thema Engel und Apokalypse konzentriert. Damit handelt es sich bei „im Endkreis“ nur teilweise um einen Thriller, stattdessen überwiegt spätestens ab dem ersten Drittel die Mystery-Komponente, sprich man sollte den fantastischen Elemente gegenüber offen sein. Selbst dann ist die Geschichte sehr konfus und wirr aufgebaut, von Rückblenden und Perspektivwechseln durchzogen und eher dezentral zu Papier gebracht. Man braucht eine Weile, um einen Einstieg in die Handlung zu finden und sich mit den verschiedenen Figuren zu identifizieren. Auch die Tatsache, dass die Handlung wie eine Mischung aus „Akte X“, „Die purpurnen Flüsse“, „Gods Army“ und „Wolfen“ wirkt, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, da es an Innovation und Ideenreichtum mangelt.

So verknüpft der Autor so viele unterschiedliche Konzepte und Ideen, dass man den Überblick verliert und man das Gefühl hat, dass hier zu viel eingebaut wurde. Sinnvoller wäre es gewesen sich auf wenige Aspekte zu konzentrieren und diese überzeugend auszuarbeiten, anstatt die Handlung mit unendlich viele kleinen Seitensträngen zu füttern. Denn genau diese kleinen Handlungsbögen sind mitunter unlogisch und werfen Fragen auf, die nicht beantwortet werden: Seien es die österreichischen Ermittler, die zu auskunftsfreudig sind und der Presse Hinweise geben, die kein Polizist preisgeben würde; die Dogenopfer, deren Verbleib nie aufgeklärt wird oder die Tatsache, dass jeder mit dem Begriff Schamane etwas anfangen kann und in Ivo einen erkennt – Peter Nathschläger verzettelt sich, beschreibt einige Ereignisse extrem ausufernd (Bahnunfall), während er andere zu stark kürzt und zusammenfasst (das Finale!).

Leider können auch die Charaktere nur wenige Sympathiepunkte für sich gewinnen – gerade Ivo ist ein sehr inkonsistenter Held, über den man zu wenig erfährt. Der Leser lernt ihn nur oberflächlich kennen, da man nichts von seinen Gedanken und Gefühlen mitbekommt. Dieses Problem teilt er sich jedoch mit allen anderen Figuren: Leon ist noch blasser, zum Ende hin fällt es schwer, seine Rolle in der ganzen Sache zu akzeptieren; Rousseau ist ebenfalls schwer zu nehmen, wird jedoch von allen Charakteren am eingehendsten thematisiert. Die übrigen Figuren treiben vorwiegend die Handlung voran, allen voran Olga, die Ivo, Len und Rousseau den Weg nach Tanguska erleichtert oder Rosseaus Kollege Herve, der die Gruppe von Frankreich aus unterstützt.

Insgesamt ist die dezentrale Erzählperspektive dafür verantwortlich, dass der Leser nur schwer in die Handlung eintauchen und sich nur teilweise mit den Figuren identifizieren kann. Peter Nathschlägers Wahl, die Handlung aus Sicht eines allwissenden Erzählers zu erzählen, ist nicht unbedingt die Beste gewesen. Anstatt dem Leser die Figuren, ihre Gefühle und Gedanken näher zu bringen, ergeht er sich in unendlichen Beschreibungen, die schnell langweilen und das Buch recht zäh und langatmig machen. Auch die Dialoge sind eher schleppend und lockern selten die Handlung auf. Ansonsten muss man den Stil des Autors mögen, denn er ist teilweise extrem überbordend und detailverliebt, teilweise zu kurz gefasst. Gerade Erklärungen rund um die Charaktere und deren Aktionen sind mitunter zu kurz gehalten, was dem Leser eine Identifikation erschwert.

Fazit:
Alles in allem konnte mich der Thriller „Im Endkreis“ nicht überzeugen. Die Handlung wirkt zu konstruiert, abstrakt und von einigen bekannten Filmen und Serien kopiert, die Charaktere sind dank des dezentralen Schreibstils Nathschlägers zu unnahbar und unsympathisch. Dabei ist die Grundidee nicht einmal schlecht, doch leider hapert es an der Ausführung – schade „Im Endkreis“ versprach Spannung und Action, sorgt jedoch eher für Langweile und offene Fragen. Wer interessiert ist, sollte vorab in die Leseprobe schauen – die Wirkung der Geschichte steht und fällt mit Peter Nathschlägers Schreibstil.

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[ROMAN] Soulmates – Ruf der Leidenschaft von J.L Langely

Autor: J.L Langely
Taschenbuch: 328 Seiten
ISBN-13: 978-3958230132
Preis: 9,50 EUR

Story:
Seit Aubrey denken kann, steht für ihn die Familie und die Leitung des Geschäfts an erster Stelle, insbesondere nachdem sein Bruder Keaton nach seinem Coming-Out abgehauen ist und woanders sein Glück gefunden hat. Für Aubrey bedeutet das seine eigene Homosexualität zu verstecken, um in der Geschäftswelt bestehen zu können und seine Eltern nicht zu enttäuschen. Seine Vorsätze geraten ins Wanken, als er auf Bitten seines Bruders hin, den jungen Werwolf Matt bei sich aufnimmt. Schnell wird klar, dass Matt nicht nur schwul ist, sondern Aubreys Gefährte. Hin und her gerissen zwischen Verantwortungsgefühl, Pflichtbewusstsein und seiner neu erwachten Leidenschaft, kann Aubrey nicht von Matt lassen. Unter der Voraussetzung absolutes Stillschweigen zu bewahren, werden die beiden ein Paar, doch gerade Matt fällt es schwer zu verstecken, was er für Aubrey empfindet. Als Letzterem Drohungen zugespielt werden und jemand Matts Leben bedroht, muss sich Aubrey entscheiden …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Ruf der Leidenschaft“ legt der Cursed Verlag den dritten Band der „Soulmates“ Reihe von J.L. Langley vor. Die ersten Bände „Ruf des Schicksals“ und „Ruf der Leidenschaft“ handeln ebenfalls von Werwölfen und ihren Gefährten – Aubreys Bruder Keaton ist einer der Protagonisten des ersten Bandes der Reihe. Neben den Romanen gibt es in den USA etliche Kurzgeschichten zu den einzelnen Pärchen, um die Wartezeit zum vierten Band zu überbrücken.

Inhaltlich legt J.L. Langley einen soliden Gay Romance Roman vor, in dem es vorwiegend um die Beziehung von Aubrey und Matt geht. Dementsprechend romantisch und erotisch wird es im Laufe der Zeit, wenngleich sich die Sexszenen dieses Mal definitiv im Rahmen halten. Während gerade Band 1 sehr sexlastig war, hält sich die Autorin in „Ruf der Leidenschaft“ spürbar zurück und konzentriert sich darauf, zunächst eine Beziehung zwischen Aubrey und Matt aufzubauen. Dies ist im Grund in Ordnung, nimmt aber mehr als die Hälfte des Buches ein und sorgt dafür, dass die actionhaltigen Elemente, wie die Bedrohung von Matt, erst recht spät zur Sprache gebracht werden. Das ist schade, da es in der ersten Hälfte an Spannung mangelt und die Geschichte erst zum Ende an Fahrt aufnimmt. Im Vergleich zum zweiten Band, in dem der Krimiplot für Abwechslung und Action sorgte, ist „Ruf der Leidenschaft“ daher ein wenig schwächer. Auch fehlt dem Leser die Welt der Werwölfe, da das Thema dieses Mal nur angeschnitten wird, anstatt dass man weitere Informationen zu Rudeln, Gesetzen und Regeln erfährt. Bis auf die Sache mit den Gefährten, gibt es für den Leser dieses Mal nichts Neues.

Wie bereits erwähnt liegt der Schwerpunkt des Romans auf den Charakteren, die man mit all ihren Eigenarten, Stärken und Schwächen kennenlernt. Dementsprechend ist die Rahmenhandlung stark auf die Figuren zugeschnitten, so dass man viel über Aubrey und Matt erfährt. Hierbei ist es für den Leser spannend, Aubrey besser kennenzulernen, da dieser im ersten Band der Antagonist war und den meisten nicht unbedingt in guter Erinnerung geblieben ist. Bei ihm ist zudem die größte Charakterentwicklung festzustellen, da er sich spürbar ändert, nachdem Matt in sein Leben tritt. Dieser ist im Vergleich zu Aubrey recht blass und kann nur selten aus dem Schatten seines Geliebten heraustreten. Er verhält sich recht vorhersehbar, fast schon langweilig, ist jedoch kein unsympathischer Charakter.

Die Nebenfiguren können ebenfalls überzeugen – seien es Aubreys Eltern, Boskie oder Carson. Sie bilden einen passenden Rahmen, sorgen für spannende Nebenplots und stiften zusätzliche Verwirrung. Auch Tara, Aubreys Freundin und Verlobte, heimst etliche Sympathiepunkte ein, da sie eine erfrischende Abwechslung zu den überwiegend schwulen Männern bietet. Lediglich Matts Freunde und Familie bleiben ein wenig außen vor, was jedoch erst im Nachhinein auffällt.

Stilistisch legt J.L. Langley einen gut geschrieben Roman vor, der durch einen flüssigen, abwechslungsreichen Stil besticht. Die Autorin versteht ihr Handwerk, gerade wenn es um Gefühle, Beziehungsdramen und Erotikszenen geht. Auch die Dialoge sind gut umgesetzt, lediglich die Actionszenen funktionieren nicht immer. Dennoch ist „Ruf der Leidenschaft“ gut geschrieben und weiß mit der Zeit zu fesseln.

Fazit:
„Ruf der Leidenschaft“ ist eine gelungene Fortsetzung der „Soulmates“-Reihe und bietet Fans von J.L. Langley solide geschriebenen Lesestoff. Inhaltlich reicht die Geschichte zwar nicht an Band 2 heran, doch da die Autorin auf allzu viele Erotikszenen verzichtet, ist der Roman dennoch besser als der Auftaktband der Reihe. Die Charaktere sind sympathisch, die Beziehung zwischen Aubrey und Matt entwickelt sich langsam und zum Ende hin kommt zumindest ein wenig Spannung auf. Daher erhält der Band schwache 4 Sterne von mir.

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[MANGA] Hide and Seek von Yaya Sakuragi

Autor: Yaya Sakuragi
Taschenbuch: 194 Seiten
ISBN: 978-3-7704-8633-5
Preis: 7,50 EUR

Story:
Der alleinerziehende Vater Tanihara lebt ein eher überschaubares, langweiliges Leben. Er unterhält einen Tante-Emma-Laden, kümmert sich um seine kleine Tochter Chi und lässt sich selten ernsthaft auf Beziehungen ein. Das ändert sich, als sich Chi eine Erkältung fängt und Tanihara Doktor Saji kennenlernt, der trotz seines stoischen, emotionslosen Gesichtsausdrucks als Kinderarzt praktiziert und in seinem Laden Süßigkeiten und Kinderspielzeug gekauft hat. Taniharas Neugier ist geweckt, insbesondere als Saji ihm offen gesteht homosexuell zu sein und der Ladenbesitzer genau in sein Beuteschema fällt. Als sie kurz darauf miteinander ins Bett fallen, muss Tanihara sich eingestehen, dass ihm der Sex mit Saji außerordentlich gut gefällt. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden eine seltsame Beziehung, die schon bald Taniharas laxe Lebenseinstellung über den Haufen wirft …

Eigene Meinung:
Mit dem 3-bändigen Manga „Hide and seek“ veröffentlicht EMA einen Wunschtitel der Zeichnerin Yaya Sakuragi, die in Deutschland durch ihre Werke „Lieber Lehrer“ und „Teatime Lovin‘“ bekannt geworden ist. Der vorliegende Manga ist ein Spin-Off der Serie „Yume Musubi Koi Musubi“, die es aufgrund des kindlichen Aussehens des Hauptcharakters bisher leider nicht nach Deutschland geschafft hat.

Der Manga handelt von der Beziehung des Ladenbesitzers Tanihara zu dem Arzt Saji; zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Tanihara wenig für Beziehungen und feste Partner übrig hat und sehr locker in den Tag hineinlebt, legt Saji Wert auf gegenseitigen Respekt und ist daher wesentlich ernster, direkter und bodenständiger. Durch diese Unterschiede entwickelt sich eine unterhaltsame Rahmenhandlung, da Tanihara erstmals auf eine Person trifft, die er nur schwer einschätzen kann und beide Männer die Grenzen des jeweils anderen austesten. Zudem erwartet den Leser im Laufe der Zeit die eine oder andere Überraschung, da Yaya Sakuragi darauf verzichtet, die Geschichte allzu geradlinig zu erzählen. Das hebt den Manga, trotz alltäglicher Handlung, ein wenig aus der breiten Masse heraus und sorgt dafür, dass man „Hide and Seek“ nicht so schnell vergisst, wie andere Boys Love Mangas.

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere der Hauptgrund, warum man „Hide and Seek“ nicht so schnell aus der Hand legen kann. Sie sind recht individuell und entsprechen nur teilweise den üblichen Boys Love Charakteren. Dank seiner laxen, gelangweilten und launischen Art ist Tanihara in keiner Form mit den typischen „Uke“ der gängigen BL Mangas zu vergleichen – er weiß genau was er will, versucht es in erster Linie seine Neugier zu befriedigen und kennt dabei keinerlei Hemmungen. Saji im Gegenzug ist eher ruhig, bodenständig und zumindest nach außen hin emotionslos – nicht unbedingt der starke, fordernde Seme, der in der Beziehung „die Hosen anhat“. Dieser Bruch mit den Klischees kommt „Hide and Seek“ in vielerlei Hinsicht zu Gute und sorgt für Spannung.

Optisch ist „Hide and Seek“ gut gelungen, insofern man den recht klobigen, kantigen Stil der Mangaka mag. Auch sollte man darüber hinwegsehen, dass die Zeichnungen manchmal etwas steif und emotionslos wirken. Das liegt vor allem an den harten Gesichtszügen und langen Gliedmaßen, die nicht so ganz zum restlichen Körper passen. Doch daran gewöhnt man sich schnell, so dass man über anatomische Schwächen schnell hinwegsehen kann. Zudem kommen Fans expliziterer Mangas auf ihre Kosten: Yaya Sakuragi gibt sich unerwartet freizügig, denn es geht mehr als einmal etwas heftiger zur Sache.

Fazit:
„Hide and Seek“ ist ein gelungener Boys Love Manga, der in erster Linie mit ungewöhnlichen Hauptfiguren und einer interessanten Liebesgeschichte punkten kann. Yaya Sakuragis Zeichnungen sind zwar Geschmackssache, doch sobald man sich an ihren kantigen Stil gewöhnt hat, kann man den Manga nur schwer aus der Hand legen. Wer ungewöhnliche Geschichten und Charaktere mag, sollte zugreifen – es lohnt sich.

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[NOVELLE] Summer Boys von Jennifer Wolf


Autor:
Jennifer Wolf
Taschenbuch: 84 Seiten
ASIN: B00Y2DZRNQ
Preis: 1,49 EUR (eBook)

Story:
Seit zwei Jahren ist Ian heimlich in Fynn verliebt. Da er sich bisher weder geoutet, noch mit seiner besten Freundin Karin über das Thema Homosexualität gesprochen hat, fehlt ihm ein richtiger Gesprächspartner. Lediglich bei einer Flirt-App traut er sich ehrlich zu sein und lernt schon bald jemanden kennen, dem er sich verbunden fühlt. Sein mühsam aufgebautes Kartenhaus droht in sich zusammenzufallen, als Katrin ihn zu einem Wochenende am See einlädt: mit ihrem festen Freund Marc und dessen bestem Kumpel Fynn. So entpuppen sich die beiden Tage für Ian als Himmel und Hölle zugleich …

Eigene Meinung:
Dass sich inzwischen auch größere Verlag an Gay Romance versuchen, ist dem Leser des Genres nicht verborgen geblieben. So verwundert es nicht, dass Carlsen Bittersweet die sommerlich leichte Novelle „Summer Boys“ von Jennifer Wolf als E-Short herausgebracht hat. Sie erschien parallel zu anderen kürzen Novellen, die allesamt 80-100 Seiten umfassen und vorwiegend im Romance Genre angesiedelt sind. Für die Autorin ist es der erste Schritt im Gay Bereich, da ihre bisherigen Bücher eher im Urban Fantasy und Romantasy angesiedelt sind.

Aufgrund der Kürze von „Summer Boys“ kann der Leser leider keinen Tiefgang erwarten, ebenso wenig wurde die Handlung mit all ihren Konsequenzen erzählt. So ist bereits nach wenigen Seiten klar, wie die Geschichte ausgehen wird und was es mit der Flirt-App auf sich hat. Jennifer Wolf legt eine lockerleichte Sommerromanze vor, in deren Zentrum Jugendliche stehen, die sich zum ersten Mal ernsthaft verlieben. Dass Ians Angebeteter ein Junge ist, stellt den Helden der Geschichte vor arge Probleme, doch es verwundert schon, dass er nicht einmal mit seiner besten Freundin darüber sprechen will. Stärker fällt die Tatsache ins Gewicht, dass er nichts von Fynn zu wissen scheint. Dass sein Angebeteter offen schwul ist und seine Sexualität nicht versteckt, wird im Laufe der Geschichte klar und wirft zwangsweise die Frage auf, wieso es Ian innerhalb von zwei Jahren nicht geschafft hat, dies bei seinem Schwarm zu bemerken. Trotz dieser Logiklücken lässt sich „Summer Boys“ gut lesen und überrascht mit einigen (wenn auch übertriebenen) Wendungen, mit denen man nicht gerechnet hat.

Die Charaktere spiegeln die Facetten der typischen Jugendlichen wieder: Ian ist unsicher und introvertiert, aber auch neugierig und liebenswert; Fynn ist offenherzig, loyal und lebensfroh. Die beiden ergänzen einander sehr gut, wenngleich es ein wenig dauert, bis die beiden wirklich aufeinander zu gehen. Das ist nicht schlimm, immerhin handelt es sich um Teenager, die erst noch herausfinden müssen, wo sie im Leben stehen und welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann. Das trifft auch auf die Nebenfiguren zu – Katrin und ihr Freund Marc sind ebenfalls noch nicht ganz gefestigt, da sie sich zum ersten Mal einer Beziehung befinden. Dennoch wirken beide erwachsener, als Ian und Fynn, die sich sichtlich bemühen, das Richtige zu tun und dabei übersehen, dass sie einander verletzen.

Insgesamt passt Jennifer Wolfs Stil zur Geschichte – er ist leicht zu lesen und besticht durch kurze Sätze. Die Autorin verzichtet auf allzu viel Drama und Tiefgang, ebenso werden Leser, die es explizierter mögen, nur bedingt auf ihre Kosten kommen. Jennifer Wolf legt eher eine alltägliche Coming-Out Novelle für Jugendliche vor, als eine Geschichte für Erwachsene. Das ist nicht schlimm – es ist schön einmal wieder etwas leichtere und unkompliziertere Kost zu lesen, wenngleich die Alltagssprache der Jugendlichen nicht jedermanns Sache ist.

Fazit:
„Summer Boys“ ist eine nette Gay Romance Novelle für Zwischendurch, die durch eine lockerleichte Geschichte und sympathische, wenngleich manchmal leicht unlogisch handelnde) Charaktere besticht. Insgesamt sind 84 Seiten jedoch zu wenig, um der „Summer Boys“ den notwendigen Tiefgang zu geben und das Thema Coming-Out und Homosexualität mit der Sensibilität zu behandeln, das es verdient hat. Aufgrund der kleineren Logiklücken, die sich eingeschlichen haben, gebe ich Jennifer Wolfs E-Short 3 Sterne.

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