Archiv für den Monat Juni 2015

[ROMAN] Jonathan@Bruns_LLC von Bianca Nias

Autor: Bianca Nias
Taschenbuch: 280 Seiten
ISBN: 978-3944737713
Preis: 5,99 EUR (eBook) / 12,95 EUR (Taschenbuch)

Story:
Nachdem die Familie Bruns den ersten Übergriff der gegnerischen Gestaltwandler abwehren konnte und sich der Wolf Devon als Spitzel hinter die feindlichen Linien einschleust, beginnt für Jonathan die Zeit des Wartens. Nicht nur wird die Bedrohung von Shirkou Soran, der an der Spitze ihrer Gegner steht, größer, Jonathans Instinkte drängen in dazu seinen Bruder Tajo herauszufordern, um dessen Rudel zu übernehmen. Zu allem Überfluss betritt auch noch der kleine, eher schwächliche Löwe Luke die Bildfläche, der etwas in Jonathan anspricht, was dieser in all dem Chaos nicht gebrauchen kann. Obwohl sein Herz an Devon hängt, lässt er sich auf Luke ein und kann sich schon bald nicht mehr von ihm fernhalten …

Eigene Meinung:
Mit „Jonathan@Bruns_LLC“ geht Biance Nias‘ Gestaltwandlerreihe in die zweite Runde. Dieses Mal stellt sie Tajos Bruder Jonathan in den Mittelpunkt, der bereits beim ersten Teil einen eigenen kleinen Nebenstrang erhalten hat. Ihm zur Seite stellt sie den unsicheren, jungen Löwen Luke, der zusammen mit Jon auch in der Kurzgeschichte „Lion’s Basic Instinct“ die Hauptrolle spielt. Fans von Devon müssen sich hingegen bis zum vierten Teil er Reihe gedulden – erst dann erzählt die Autorin, was aus dem schwarzen Wolf wird.

Die Geschichte setzt dort an, wo sie in „Tajo@Bruns_LLC“ aufgehört hat: die Gruppe befindet sich in Afrika und hat gerade den ersten Angriff der Schergen Shirkou Sorans überstanden. Es verspricht daher spannend weiterzugehen, doch bereits nach wenigen Seiten zeigt sich, dass Bianca Nias sich weniger um das Fortschreiten der Handlung interessiert, sondern vielmehr die Beziehung zwischen Jon und Luke ins Zentrum rückt. Anstatt Action und einer spannenden Geschichte, die mehr über die Hintergründe Shirkou Sorans offenbart, erwarten den Leser eher Drama, Beziehungskisten und jede Menge Erotik. Das mag Fans erotischer Liebesgeschichten freuen, Leser, die auf eine Fortführung der eigentlichen Geschichte, das Enthüllen von Geheimnissen und mehr Action hoffen, werden leider enttäuscht. So gern man die Entwicklung der Beziehung zwischen Jon und Luke beiwohnt, so sehr vermisst man die Spannung aus Teil 1. Leider mischen sich auch ein paar Logiklücken ein, über die man beim Lesen stolpert.

Einmal mehr können die Charaktere überzeugen, sind gut durchdacht und durchweg sympathisch. Jon ist ein interessanter und liebenswerter Protagonist, den man bereits im ersten Band ins Herz geschlossen hat. Auch Luke mag man, obwohl er sehr passiv ist und selten aktiv in Erscheinung tritt. Hin und wieder wünscht man sich, dass der kleine Löwe ein wenig präsenter ist und nicht nur die Rolle devoten Liebhabers annimmt, sondern über sich hinauswächst – etwas, was er zum Ende des Buches unter Beweis stellen darf. Jon und Luke funktionieren gut miteinander, sind ein sympathisches Paar, dessen Weg man gerne mitverfolgt.
Auch die Nebenfiguren wissen zu gefallen, kommen jedoch dieses Mal nur am Rande vor. Gerade liebgewonnene Figuren aus „Tajo@Bruns_LLC“ kommen in der Fortsetzung nur am Rande vor, was sehr schade ist. Dafür betreten neue Charaktere die Spielfläche, u.a. Marcs Freund Daniel und Rick, die beide im dritten Band der Reihe „Daniel@Bruns_LLC“ eine große Rolle spielen.

Stilistisch legt Bianca Nias erneut ein solides, gut geschriebenes Buch vor, in das man schnell hineinkommt und liest. Sowohl die actionreicheren Szenen, als auch die Dialoge sind gelungen und machen Spaß – wer ausführliche, gut geschriebene Erotik mag, kommt ebenfalls auf seine Kosten, denn die Autorin schafft es Sexszenen abwechslungsreich zu umschreiben und nicht immer dieselben Worte zu verwenden. Hochliterarische Kost darf man bei „Jonathan@Bruns_LLC“ nicht erwarten, doch der Schreibstil ist flüssig und abwechslungsreich, so dass man den Roman sehr schnell liest.

Fazit:
Bianca Nias legt mit „Jonathan@Bruns_LLC“ eine solide Fortsetzung ihrer Gestaltwandler-Reihe vor, die mit sympathischen Charakteren und einem soliden Schreibstil besticht. Inhaltlich ist die Geschichte um Jon und Luke deutlich schwächer, da die eigentliche Handlung kaum vorangetrieben wird, sondern die Beziehungskisten und Erotikszenen im Vordergrund stehen. Wer Romane dieser Art mag, wird bei „Jonathan@Bruns_LLC“ auf seiner Kosten kommen, Fans der spannenden Thriller-Handlung können nur auf die Fortsetzung „Daniel@Bruns_LLC“ bauen, in der er hoffentlich wieder mehr um Shirkou Soran gehen wird.

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[MANGA] Wonderland Love von Ryo Takagi

Autor: Ryo Takagi
Taschenbuch: 194 Seiten
ISBN: 978-3-7704-8359-4
Preis: 7,50 EUR

Story:
Zehn Jahre lang haben sich der weiße und der rote König des Wunderlands nicht mehr gesehen, seitdem sich ihre Väter zerstritten und das gemeinsame Bündnis beendet haben. Für Kohaku brach eine Welt zusammen, als Akaza nicht zu seiner Krönungszeremonie erschienen ist, denn dort wollte er dem roten König seine Liebe gestehen. Dementsprechend enttäuscht und verletzt ist er und kann während gemeinsamer Ratssitzungen wegen eines schwarzen Loches im Himmel, nicht über seinen Schatten springen und auf Akaza zugehen. Dennoch kann sich Kohaku der Anziehungskraft des roten Königs nicht entziehen und schon bald kommen sich die beiden näher. Nachdem sie das jahrelange Missverständnis geklärt haben, treten neue Probleme auf: ihre Länder sind noch immer verfeindet, weswegen sie ihre Beziehung geheim halten müssen …

Eigene Meinung:
Mit „Wonderland Love“ erscheint ein Spinoff zu Ryo Takagis Oneshot „Wonderland Date“, der bereits bei EMA erschienen ist. Dieses Mal stehen der weiße und der rote König im Zentrum des Mangas, die in der Geschichte um Arisu und Rihito lediglich am Rande erwähnt werden. Dafür wird auf die beiden Protagonisten aus „Wonderland Date“ nicht eingegangen, lediglich das „Loch im Himmel“ durch das Arisu ins Wunderland gerät, findet Erwähnung.

Inhaltlich bietet Ryo Takagi gewohnte Boys Love Kost, die in den üblichen Bahnen verläuft: ein Missverständnis, jahrelange Abstinenz und ein Zusammenfinden, bei dem sich die Hintergründe aufklären. Viel Abwechslung erwartet den Leser nicht, auch als die beiden zusammen sind und sich vor den Augen ihrer Familien und Bediensteten verstecken müssen. Ansonsten konzentriert sich die Mangaka nur auf die Beziehung zwischen Kohaku und Akaza und lässt alle anderen interessanten Aspekte außen vor. Man erfährt nicht, wie die Verhandlungen bezüglich des Lochs im Himmel ausgehen und welche Maßnahmen ergriffen werden. Dieser Punkt wird einfach vergessen und kommt nicht mehr zum Tragen. Er scheint einzig dafür da zu sein, die beiden Könige zusammen zu führen, spielt aber ansonsten keine Rolle. Damit verschenkt sie nicht nur Potenzial, der Manga wird auch unlogisch und inkonsistent. Da wäre es besser gewesen, Kohaku und Akaza hätten sich im Wald wiedergesehen, der zwischen den Schlössern liegt.

Die Charaktere entsprechen ebenfalls den üblichen Klischees: Kohaku ist der unsicherer, verletzte Uke, Akaza der selbstsichere, undurchschaubare Seme. Bereits nach wenigen Seiten weiß man, wie die Beziehung der beiden abläuft und wer welchen Part übernimmt. Das macht die Geschichte sehr vorhersehbar und langweilig, da die Figuren nicht einmal für Spannung und Überraschungen sorgen. Dieses „Problem“ findet man jedoch häufig bei Werken der Mangaka, so dass es niemanden überraschen sollte.

Zeichnerisch ist „Wonderland Love“ Geschmackssache – wie schon in „Wonderland Date“ besticht Ryo Takagis Stil durch laaaange Oberkörper und Gliedmaßen, so dass die Charaktere oftmals sehr unproportioniert wirken. Das merkt man besonders bei den erotischen Szenen, von denen es im Laufe der Zeit eine Menge gibt. Lediglich die Gesichter sind anatomisch korrekt und sind sehr detailliert ausgearbeitet. Dem Rest, gerade den Hintergründen, wird weniger Zeit gewidmet, so dass „Wonderland Love“ ein wenig schluderig wirkt.

Fazit:
„Wonderland Love“ ist ein weiterer Teil der „Alice im Wunderland“ – Serie von Ryo Takagi, wenngleich es sich dieses Mal kaum Bezüge zu der Original Geschichte gibt. Stattdessen legt sie einen recht flachen, vorhersehbaren 08/15 – Boys Love Manga vor, der nicht so recht überzeugen kann. Die Charaktere sind stereotyp, bei den Zeichnungen gibt es gravierende anatomische Schwächen, die sich seit Jahren in Ryo Takagis Stil gehalten haben. Somit ist „Wonderland Love“ nur etwas für Hardcore-Fans der Mangaka und diejenigen, die nahezu alle deutschen Veröffentlichungen besitzen müssen.

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[ANKÜNDIGUNG] Captive Prince Book 3

Hallo ihr Lieben,

ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich ein totaler Fan von C. S. Pacats „Captive Prince“ Reihe bin und seit ungefähr 2 Jahren sehnsüchtig auf Band 3 warte. Die ersten Bände habe ich verschlungen und mich wie verrückt gefreut, als die deutsche Übersetzung bei Heyne angekündigt wurde – der erste Gay Fantasy in einem Großverlag! Natürlich habe ich mir „Der verschollene Prinz“ schon geholt – eine Rezension zur deutschen Ausgabe folgt noch – und freue mich auf Band 2 („Duell der Prinzen“), der an meinem Geburtstag erscheinen wird. Wer meine Meinung zur englischen Ausgabe wissen will, kann hier meine Rezensionen finden:

Band 1 | Band 2

Nichtsdestotrotz werde ich mir den Abschluss der Trilogie direkt am Erscheinungstag auf englisch holen. Und passenderweise hat C. S. Pacat heute auf ihrem Blog den Veröffentlichungstermin bekannt gegeben:

http://freece.livejournal.com/71582.html

Ich freu mich drauf und lege jedem die Reihe ans Herz, der Fantasy, Intrigen und intelligente, authentische Charaktere mag 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Tajo@Bruns_LLC von Bianca Nias

Autor: Bianca Nias
Taschenbuch: 606 Seiten
ISBN: 978-3944737461
Preis: 5,99 EUR (eBook) / 12,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Den Informatiker Marc erwartet sein erster großer Auftrag: Die Aufsetzung eines Sicherheitssystems für die Firma Bruns_LLC, die sich in Reinhardswald niederlassen will. Marc soll sogar vor Ort die Einrichtung der Computer übernehmen und von dort aus die Server und Rechner sichern. Im Grunde ein Traum, wäre da nicht der gut aussehende Tajo Bruns, der ihm vollkommen den Kopf verdreht. Bereits in der ersten Nacht landen die beiden miteinander im Bett und kommen sich im Laufe der Zeit immer näher. Doch Tajo hütet ein Geheimnis: er ist es Gestaltwandler und der Anführer eines kleinen Löwenrudels, zu dem auch seine Schwester Keyla und sein Bruder Jonathan gehört. Zusammen helfen und unterstützen sie Gestaltwandler, die in Not oder in Gefangenschaft geraten sind.

Als Tajo während eines Rettungseinsatzes im Irak gefangen genommen wird, wenden sich dessen Geschwister an Marc, um Tajo zu finden und zu befreien. Schon bald steckt der junge Informatiker mitten in einem Krieg unter den Gestaltwandlern und gerät als einfacher Mensch zunehmend in Gefahr …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Tajo@Bruns_LLC“ erschien im Deadsoft Verlag der Auftakt der Tetralogie um die Gestaltwandler Tajo, Jonathan und dessen Freunde. Die Autorin Bianca Nias rückt in jedem Teil einen anderen Gestaltwandler und dessen Partner ins Zentrum, ohne den roten Faden aus den Augen zu verlieren. Neben den Einzelbänden gibt es noch die separate Kurzgeschichte „Lion’s Basic Instinct“, die zeitlich nach dem 2. Band angesiedelt ist.

Die Geschichte um die Gestaltwandler sind durchaus interessant, gerade die Hintergrundgeschichte rund um den nahenden Krieg sorgen für Action und Spannung. Natürlich steht die Beziehung zwischen Tajo und Marc im Vordergrund des Romans, dennoch beschränkt sich die Handlung nicht nur darauf, ob sich die beiden kriegen. Dass sie ein Paar werden steht außer Frage, denn man weiß schon von Anfang an, wie sich die Sache zwischen ihnen entwickeln wird. In diesem Punkt ist „Tajo@Bruns_LLC“ ziemlich vorhersehbar, was die Rahmenhandlung glücklicherweise wettmacht. Sehr schön ausgearbeitet ist in diesem Zusammenhang das Leben der Gestaltwandler. Bianca Nias hat sich über Löwen informiert, da sie dessen Verhalten und Instinkte mit in die Geschichte einbaut und damit ihre Gestaltwandler realer und greifbarer macht. Tajo und seine Freunde verwandeln sich nicht nur, weil es stylisch wirkt. Das ganze Konzept ist logisch und verständlich aufgebaut, da die Autorin das Verhalten der Tiere berücksichtigt, ganz gleich ob es sich um Löwen, Panther, Wölfe oder Bären handelt.

Die Charaktere sind ebenfalls gelungen, insbesondere die unterschiedlichen Gestaltwandler. Es macht Spaß Bianca Nias Welt kennenzulernen und mit den unterschiedlichen Figuren auf Jagd zu gehen. Wer nun glaubt, dass Marc als gewöhnlicher Mensch nur schwer mit den Löwen mithalten kann, irrt sich – der Informatiker mausert sich mit der Zeit zusehends und entwickelt sich zu einem sehr starken und wichtigen Charakter, der Tajo durchaus ebenbürtig ist. Auch den Alphalöwen schließt man mit der Zeit ins Herz – er ist treu, stark und weiß genau, wie man seiner Rolle als Anführer gerecht wird. Die beiden Männer passen gut zusammen.
Hin und wieder stehlen jedoch die Nebenfiguren den beiden Helden die Show, insbesondere wenn es um Tajos jüngeren Bruder Jonathan geht, der ebenfalls das Zeug zum Alpha hat und nach Tajos Verletzung ungewollt dessen Position übernimmt. Auch Keyla ist dem Leser sehr sympathisch, ebenso die beiden Bären, die sich der Gruppe anschließen und der Werwolf Devon, der sich als Spion in die Reihen der Gegner einschleust.

Stilistisch bietet Bianca Nias solide geschriebene Kost, die den Leser binnen weniger Seiten in die Welt der Gestaltwandler zieht. Sowohl die Kampfszenen, als auch die Dialoge und Erotikszenen sind sehr gut und stimmungsvoll umgesetzt. Letztere kommen vielleicht ein wenig zu inflationär vor, immerhin scheinen Tajo und Marc über etliche Seiten hinweg nicht aus dem Bett zu kommen, was die Geschichte ein wenig hemmt. Erotik schön und gut, aber auch hier ist weniger mehr.
Dennoch liest sich „Tajo@Bruns_LLC“ flüssig und man freut sich auf die Fortsetzung der Geschichte mit „Jonathan@Bruns_LLC“.

Fazit:
„Tajo@Bruns_LLC“ ist ein gelungener Auftaktband von Bianca Nias Gestaltwandler-Reihe. Dank der spannenden Rahmenhandlung, der liebenswerten Charaktere und des spritzigen Schreibstils taucht man schnell in die Welt von Tajo, Marc und seinen Freunden ein und freut sich auf weitere Abenteuer mit den Löwen, Großkatzen und Wölfen. Wer Gestaltwandler mag und Erotik nicht abgeneigt ist, sollte die Reihe auf jeden Fall lesen – sie bietet eine überraschende Abwechslung zu den üblichen Werwolf-Romanen, die es auf dem deutschen Markt gibt.

 

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[MANGA] Shiny Stary von Nanami

Autor: Nanami
Taschenbuch: 192 Seiten
ISBN: 978-3-8420-1210-3
Preis: 6,95 EUR

Story:
Seit seinem Debüt in der schwulen Pornobranche geht es für Hikaru steil bergauf – er hat eine Menge Fans, ist gefragt und seine DVDs tummeln sich zumeist an der Spitze des Rankings. Seine Welt gerät ins Wanken, als eines Tages der Newcomer Masaya die Bildfläche betritt und mit Hikaru zusammen einen Porno drehen will. Allerdings will Masaya auf jeden Fall die dominante Rolle übernehmen, was für Hikaru nicht in Frage kommt – sein Vertrag enthält sogar eine entsprechende Klausel, dass er derartige Angebote ablehnen kann. Zwischen den beiden entbrennt rasch ein Machtkampf, der schließlich in einer Wette mündet: Hikaru akzeptiert die Rolle des passiven Parts in einem gemeinsamen Porno, wenn Masayas Debüt auf Platz eins oder zwei des internen Rankings landet …

Eigene Meinung:
Der Manga „Shiny Star“ stammt von der japanischen Mangaka Nanami und ist ein Spin-Off zu dem, bei Toykopop erschienen Manga „Porno Superstar“. Dieses Mal steht der schwule Pornodarsteller Hikaru im Zentrum der Geschichte, das Idol des Hauptcharakters aus „Porno Superstar“. Dieser taucht zusammen mit seinem Freund Asaoka am Ende des Mangas in einem kurzen Special kurz auf, ansonsten bleiben die Figuren aus dem One-Shot außen vor.

Die Geschichte erinnert ein wenig an „Haru wo Deita Ita“ von Youka Nitta, in dem es ebenfalls um Porno-Darsteller geht, die sich ineinander verlieben. Allerdings geht es bei „Shiny Star“ weniger explizit zur Sache, da sie darauf verzichtet die Arbeit von Hikaru und Masaya zu deutlich zu zeigen. Stattdessen konzentriert sie sich auf die Beziehung der beiden und den Konkurrenzkampf, der zwischen ihnen entbrennt. Hinzu kommt Hikarus Vergangenheit und das Geheimnis rund um sein Debüt, den einzigen Porno, in dem er die passive Rolle spielte. Damit bietet der Manga durchaus einige interessante Ansätze, die in den folgenden Bänden hoffentlich genauer ausgeführt werden. Es ist ganz angenehm, dass Masaya und Hikaru innerhalb des ersten Bandes noch nicht miteinander ins Bett fallen, da das die Spannung zwischen den beiden erhöht.

Auch die Charaktere sind nicht so stereotyp, wie in manch anderem Manga. Sowohl Hikaru, als auch Masaya sind dominant und aktiv, so dass so keiner in die passive Rolle passt. Dennoch wirken die Figuren ein wenig blass, insbesondere Masaya, der eigentlich nicht schwul ist. Dieser Aspekt fällt doch ein wenig störend ins Gewicht, da kein heterosexueller Mann sich einfach so in die schwule Pornobranche begibt, weil er sich in einen Darsteller verguckt. Das wirkt arg an den Haaren herbeigezogen und macht den Charakter unglaubwürdig.
Hikaru ist durch seine Vergangenheit durchaus interessant, dennoch hofft man, dass im nächsten band mehr über seine Persönlichkeit offenbart wird. Die Mangaka gibt zu wenig preis, so dass die Figuren nur bedingt überzeugen können.

Nanami hat einen recht stereotypen, massenkonformen Stil, dem es nicht gelingt aus der breiten Masse herauszustechen. Dabei sind ihre Charaktere durchaus hübsch anzusehen, wenngleich sie hin und wieder etwas steif und konstruiert wirken. Es mangelt an Dynamik und Perspektiven, die auflockern und Abwechslung bieten, so dass „Shiny Star“ stilistisch betrachtet fast ein wenig langweilig ist. Das macht den Manga nicht unbedingt schlecht, doch es gelingt ihm optisch nicht in Erinnerung zu bleiben.

Fazit:
Alles in allem ist „Shiny Star“ ein netter Manga für zwischendurch, der mit einer interessanten Grundstory und annehmbaren Zeichnungen punkten kann. Die Charaktere sind nur bedingt glaubwürdig, gerade Masaya nimmt man seine „schwule Seite“ nicht wirklich ab. Wer „Haru wo Deita Ita“ inhaltlich mochte, dem könnte auch „Shiny Star“, allerdings sollte man nicht den Tiefgang von Youka Nittas bekanntestem Werk erwarten. Nanami muss erst noch zeigen, wie tiefgründig und komplex sie eine Geschichte erzählen kann – Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.

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[ROMAN] Wintergeboren – Unantastbar von Chris P. Rolls

Unantatsbar

Autor: Chris P. Rolls
Taschenbuch: 606 Seiten
ISBN: 978-1502489210
Preis: 6,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Taschenbuch)

Story:
Die Barbaren aus dem eisigen Jundra halten Einzug in das Land Lingar, in dem die Menschen in Frieden miteinander leben. Ohne Rücksicht auf Verluste und keinem ehrhaften Kampf abgeneigt drängen die Jundra in das sonnige, grüne Land vor, das ihnen ihr Feuergott als Geschenk versprochen hat. Zu den Kriegern gehört auch der unbesiegbare Kystra, der mit einem kleinen Heer den Weg nach Lingar gefunden hat und unter den jundrischen Kriegern als Wiedergeburt des Feuergottes gilt.

Eines Tages ändert sich Kystras Schicksal, als ihm ein Rihjaldar, ein junger Botenreiter des hohen Lords, in die Arme reitet und er ihn gefangen nimmt. Mit dem Ziel aus ihm einen Sklaven zu machen, versucht er Dalan auf verschiedene Art zu brechen, doch der Rihjaldar hält jeder Drohung und jedem Versuch der Erniedrigung stand und behauptet sich gegen Kystra. Grund hierfür ist die Tatsache, dass der Heerführer Dalan berührt hat, ein Frevel in den Augen der Lingaran, da alle Rihjaldar unantastbar sind und nicht berührt werden dürfen. Für Dalan bedeutet die Rückkehr zu seinem Volk den Tod, so dass er sich nach und nach mit seinem Leben in Kystras Heer arrangieren muss. Dafür erkämpft er sich nicht nur einen festen Platz unter den Kriegern, er entfacht auch verstärkt Kystras Interesse, der bald mehr für Dalan empfindet.

Während der Krieg fortschreitet und Lingar vereinnahmt, entwickelt sich zwischen Kystra und Dalan eine wechselhafte Beziehung und schon bald stoßen sie auf Hinweise, dass sich hinter dem Feldzug gegen Lingar mehr verbirgt und dass es zwischen beiden Ländern eine Verbindung geben muss …

Eigene Meinung:
Mit dem Fantasy-Roman „Wintergeboren – Unantastbar“ legt die bekannte Gay Romance Autorin Chris P. Rolls ihr bis dato umfangreichstes Werk vor. Auf über 600 Seiten entführt sie den Leser in die Fantasywelt Jundra und Lingar, erzählt von deren Göttern, den verschiedenen Glaubensrichtungen und alten Legenden. Die Geschichte um Dalan und Kystra ist im vorliegenden Roman noch nicht abgeschlossen – 2016 sollen ihre Abenteuer in „Feuergeboren“ fortgeführt werden, denn zum Ende hin bleiben etliche Fragen offen.

Die Geschichte beginnt ein wenig schleppend, da man eine Weile braucht, bis man in Chris P. Rolls Welt eingetaucht ist und die unterschiedlichen Glaubensrichtungen und damit einhergehenden Motivationen der Charaktere nachvollziehen kann. Zudem wird gerade im ersten Drittel sehr viel Zeit für die Beziehung zwischen Kystra und Dalan aufgewandt, so dass man nur wenig vom Krieg und den damit verbundenen Schlachten mitbekommt. Dies wird zwar später noch erklärt und macht nach und nach Sinn, nimmt jedoch am Anfang Schwung aus der Geschichte. So schön es ist, dass sich die Autorin Zeit lässt, um ihre beiden Protagonisten langsam zu entwickeln und nichts überstürzt (was sich auch daran zeigt, dass es verhältnismäßig wenig erotische Szenen im Buch gibt), es fehlt die Würze der Hintergrundgeschichte, um Spannung aufzubauen. Dies geschiert nämlich erst im letzten Teil des Romans, wenn endlich einige Geheimnisse gelüftet werden und die Charaktere endlich auf die Intrigen, Kämpfe und Hintergründe reagieren müssen. Ab diesem Punkt wird es auch spannend und fesselnd, doch leider gelingt es Chris P. Rolls die Spannungskurve nicht zufriedenstellend zum Ende zu führen. Zu abrupt kommt das Ende, zu zusammenfassend wirkt das Buch zum Ende hin. Sicherlich – es gibt noch einen zweiten Band, der hoffentlich all die Dinge aufgreift, die in „Wintergeboren“ zu kurz gekommen sind, doch nachdem gerade Dalans Sklavenstand und Kystras Versuche ihn zu brechen so viel Platz eingenommen haben, wirkt die Auflösung und der Abschluss zu rasch und überstürzt. Chris P. Rolls hat die Gewichtung falsch gelegt, denn man hätte den Anfang locker um etliche Seiten kürzen und den Krieg inklusive aller Intrigen und Hintergründe (die dank der unterschiedlichen Kulturen und Religionen durchaus spannend sind) etwas tiefgehender behandeln können.

Die Charaktere sind gut beschrieben und wachsen dem Leser rasch ans Herz. Dalan und Kystra sind interessante, liebenswerte Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. So wächst Dalan mit der Zeit über sich hinaus und wird für Kystras Heer immer wichtiger, während der Krieger seine sanften Seiten entdeckt und seine wahre Stärke außerhalb von blutigen Schlachten findet. Die beiden Charaktere harmonieren gut miteinander und sind einander ebenbürtig, was ihre Beziehung glaubhaft macht.
Auch den Nebenfiguren räumt Chris P. Rolls ein wenig Platz ein und gibt ihnen teilweise eine eigene Geschichte. Gerade Dyrok und Jalak, Kystras Eingeschworene bekommen einen kleinen Nebenplot, der teilweise fast interessanter ist, als der von Dalan und Kystra. Leider wird dieser nur am Rand beleuchtet, doch vielleicht macht gerade das den großen Reiz aus. Dafür lernt man andere Krieger aus Kystras Heer und später auch weitere Lingaraner kennen, die durchaus Potenzial für weitere spannende Geschichten zu haben.

Stilistisch legt Chris P. Rolls gewohnt solide Kost vor. Sie beherrscht ihr Handwerk, erzählt die Geschichte spannend und abwechslungsreich, wenngleich die Beschreibungen der Pferde und die Szenen mit ihnen mitunter ein wenig langatmig sind. Ein wenig verwirrend sind zu Beginn die Perspektivwechsel, da die Geschichte abwechselnd aus Dalans und Kystras Sicht erzählt wird. Hin und wieder kommt man durcheinander, da nicht immer kenntlich gemacht wird, aus welchem Blickwinkel die Handlung gerade erzählt wird. Dennoch liest sich „Wintergeboren“ flüssig und weiß zu unterhalten.

Fazit:
„Wintergeboren – Unantastbar“ ist ein interessanter Gay Fantasy, der mit einer interessanten Hintergrundwelt und liebenswerten Charakteren punkten kann. Der Anfang ist ein wenig schleppend, da sich Chris P. Rolls ausschließlich auf die Beziehung zwischen Kystra und Dalan konzentriert und dadurch Spannung einbüßt. Im Laufe der Zeit gibt sich das glücklicherweise und aufgrund der vielen offenen Fragen, wartet man gespannt auf die Fortsetzung „Feuergeboren“. Wer Chris P. Rolls flüssigen Schreibstil und ihre längeren Geschichten mag, sollte zugreifen, ebenso Fans dicker Fantasy-Schwarten. Es lohnt sich.

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[MANGA] Schlaflose Nächte von Kotetsuko Yamamoto

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Autor: Kotetsuko Yamamoto
Taschenbuch: 196 Seiten
ISBN: 978-3-8420-1300-1
Preis: 6,95 EUR

Story:
Der 18-jährige Rikiya Higuchi ist schwul, schüchtern und hatte noch nie einen Partner. Um seinem Single-Dasein endlich Lebewohl sagen zu können, meldet er sich auf einer Onlineplattform an und lernt dort Yuji kennen, der sich überaus interessiert zeigt. Das Treffen mit diesem endet jedoch in einem Desaster, da Yuji lediglich darauf aus ist, einen Porno mit dem unerfahrenen Rikiya zu drehen. Rikiyas Versuche sich zu befreien, scheitern und in seiner Not beschwört er unabsichtlich den Dämon Endo herauf, der seinen Peiniger und dessen Freunde in die Flucht schlägt. Rikiyas Freude währt nur kurz, denn Endo nistet sich ohne zu zögern bei ihm ein, da er selbst vor seiner Verlobten aus dem Reich der Dämonen geflohen ist. Rikiya bleibt nichts anderes übrig, als sich mit dem launischen, verfressenen Dämon und dessen geflügelten Begleiter zu arrangieren, zumal Endo ihm einen Wunsch gewährt hat: Rikiyas Sehnsucht nach einem festen, liebevollen Freund zu erfüllen …

Eigene Meinung:
Die Mangaka Kotetsuko Yamamoto ist in Japan keine unbekannte Größe innerhalb des Boys Love Genres. Mit ihren mal witzigen, mal dramatischen Alltagsstories hat sie sich schon seit einer Weile einen festen Platz innerhalb der Szene gesichert, deren bekanntestes Werk „Honto Yajuu“ darstellt. Mit „Schlaflose Nächte“ erscheint die 3-bändige Geschichte um Rikiya und Endo bei Tokyopop in deutscher Sprache und markiert das Debüt der Mangaka auf dem hiesigen Mangamarkt.

Die Geschichte beginnt recht stereotyp, nimmt jedoch ab dem zweiten Kapitel eine andere Richtung an und entwickelt sich anders, als die üblichen Boys Love Mangas. Es kommt verhältnismäßig wenig Romantik und Erotik vor, da sich die Künstlerin eher auf die Handlung und die Beziehung der beiden Charaktere konzentriert. In den Folgebänden kommt es zudem zu mehr Tiefgang, da sie die Geschichte rund um die Dämonenwelt, Endos störrische Verlobte und einen Machtkampf unter den hochrangigen Dämonen (zu denen auch Endo gehört) aufbaut. Sicherlich ist ihr mit „Schlaflose Nächte“ kein erzählerisches Meisterwerk, doch es weiß zu unterhalten und die Handlung bleibt in Erinnerung. Man merkt, dass Kotetsuko Yamamoto ihren Schwerpunkt nicht nur auf Romantik und Beziehungsdramen inklusive expliziter Erotikszene legt, sondern auch interessante, fantastischere Geschichten zu erzählen weiß.

Die Charaktere sind witzig, sympathisch und können durchaus punkten. Natürlich entsprechen sie in vielen Punkten dem üblichen Mangastereotypen, dennoch lässt sich „Schlaflose Nächte“ sehr gut lesen. Zuweilen fragt man sich, warum er so schnell nachgibt und sich von dem Dämonen so herumschubsen lässt, doch damit kann sich der Leser arrangieren. Leider erfährt man im ersten Band nur recht wenig von Endo und den Dämonen, was für einige längen sorgt. Hier hätte die Zeichnerin durchaus ein wenig straffen können und die Charaktere besser in Szene setzen können, denn auch Rikiya bleibt ein wenig auf der Strecke.

Zeichnerisch bietet „Schlaflose Nächte“ dem Leser einen eher schlichten, skizzenhaft anmutenden Stil, der nicht jedermanns Geschmack ist. Kotetsuko Yamamoto Zeichnungen passen durchaus zu den Charakteren und sind auch für die etwas skurrile Geschichte geeignet, dennoch mag nicht jeder die einfachen Zeichnungen der Charaktere und die Gleichförmigkeit, die bei den Figuren herrscht. Die meisten Figuren ähneln sich sehr stark, Unterscheidungen sind am ehesten an den Haaren möglich, teilweise auch anhand von Mimik und Augen. Dennoch bringt sie die Szenen dynamisch und sehr actionreich zu Papier.

Fazit:
„Schlaflose Nächte“ von Kotetsuko Yamamoto bietet eine spannende, witzige Geschichte, die sich angenehm von den üblichen Boys Love Mangas abhebt und zu unterhalten weiß. Den Charakteren mag es an Tiefgang fehlen und auch die Zeichnungen sind nicht jedermanns Geschmack, dennoch macht das Lesen Spaß und man ist auf die Fortsetzung und die Hintergründe gespannt. Wer Comedy Mangas mit einer ordentlichen Portion Fantasy mag und nur bedingt Wert auf Erotik liegt, ist mit „Schlaflose Nächte“ an der richtigen Adresse. Reinschauen.

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[ROMAN] Big Blind – Alles im Spiel von Tim Spohn

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Autor: Tim Spohn
Taschenbuch: 236 Seiten
ISBN: 978-1-511593083
Preis: 2,99 EUR (eBook), 7,99 EUR (Taschenbuch)

Story:
Der schwule, gutherzige Student David lebt in einer queeren WG, die er sich mit dem lesbischen Pärchen Sinem und Vicky, dem Punk Freddy und Drag Queen Berkan alias Eve Angelical teilt. Während der Suche nach einem neuen Mitbewohner für die durchgeknallte WG, stößt David auf den Weltenbummler Kai, der im Gegensatz zu David und seinen Freunden heterosexuell ist. Dennoch zieht er kurz darauf in die WG ein und wird schon bald ein fester Bestandteil der chaotischen Truppe. Problematisch wird es erst, als sie David in ihn verliebt und die Stimmung in der WG immer mehr zu kippen droht. Da hilft auch kein One Night Stand, der ihn im Anschluss zu verfolgen scheint die guten Ratschläge seiner Freunde, die ihm mit guten Ratschlägen zur Seite stehen wollen …

Eigene Meinung:
Mit dem sommerlichen, leichten Roman „Big Blind – Alles im Spiel“ veröffentlichte Tim Spohn eine weitere Geschichte im Self Publishing. Nachdem er mit dem ersten Band „Der Fluch des Noah Lindt“ – Trilogie eher fantastische Wege einschlug, präsentiert er nun einen alltäglichen Roman, der zwar ebenfalls in Berlin, jedoch in einem ganz anderen Umfeld spielt. Lediglich hin und wieder glaubt man kurze Überschneidungen zu entdecken, beispielsweise die Fabrikanlage, in der David und seine Freunde wohnen, und die stark an die Bruchbude von Noah erinnert, in der im „Faustus-Institut“ gegen Dämonen kämpfen darf.

Im Zentrum stehen die queeren Mitbewohner der WG und dessen Freunde, die alle ihre eigenen kleinen und großen Probleme haben: Sinem und ihr Cousin Berkan wollen sich nicht vor ihrer türkischen Familie outen, Freddy kämpft gegen seine konservativen Eltern, die ihn von seinen Geschwistern fernhalten möchten und Davids bester Freund Nick kämpft gegen den Fluch des Alters. Im Gegenzug dazu ist das einzige Problem, mit dem sich David herumschlagen muss, sein ewiges Single-Dasein und ein stark ausgeprägtes Helfersyndrom, das dafür sorgt, dass er seinen Freunden stets zur Seite steht und von dem auch Kai profitiert, als er ohne Zimmer dasteht. Später werden noch seine Gefühle für Kai ein Problem, da David glaubt bei dem heterosexuellen Mann keine Chance zu haben. Dieser Konflikt und die sich entwickelnde Beziehung zwischen David und Kai sind der zweite Handlungsschwerpunkt. In diesem Zusammenhang geht es bei „Big Blind“ ein wenig expliziter zur Sache, sprich David und Kai landen durchaus miteinander im Bett.
Alles in allem ist die Geschichte jedoch sehr flach, bietet nur wenige Höhepunkte und ist ziemlich vorhersehbar. „Big Blind“ ist eher eine Soap Opera, die durch die Charaktere lebt, als dass es eine spannende oder dramatische Handlung gibt, bei der man mitfiebert.

Die Charaktere sind sehr realistisch und authentisch beschrieben. Da das Buch aus Davids Sicht geschrieben ist, hat man recht schnell einen Draht zu ihm und erlebt die Ereignisse hautnah. Auch die Nabenfiguren sind gut umgesetzt, die Probleme der anderen WG-Mitbewohner machen den Roman plastischer und lebendiger. Die Geschichte dreht sich nicht nur um David, sondern auch um die Nebenfiguren, was durchweg positiv ist. Allerdings laufen Charaktere wie Berkan und Freddy dem eigentlichen Helden der Geschichte den Rang ab, da man mehr Interesse daran hat, herauszufinden, wie es Berkan und Sinem mit ihrer türkischen Großfamilie ergeht und was aus Freddy wird. So sympathisch David ist und so sehr man ihm ein Happy End gönnt, im Laufe der Zeit wachsen einem die übrigen Figuren mehr ans Herz. Vielleicht plant der Autor ja irgendwann eine Fortsetzung, mit Schwerpunkt auf einer anderen Figur der queeren WG (was eine schöne Reihe werden könnte).

Stilistisch ist Tim Spohns Schreibstil Geschmackssache. „Big Blind“ liest sich flüssig, allerdings sind die Sätze und Passagen dieses Mal sehr umgangssprachlich geraten. Was bei „Das Faustus-Institut“ bereits auffiel, ist im vorliegenden Gay Romance verstärkt vorhanden und stört mitunter den Lesefluss. So sehr es zu Davids (Ich-)Perspektive passt, es liest sich teilweise schleppend, zumal sich einige Sätze ein wenig gestelzt anhören. Das mag nicht jedem gefallen, insbesondere da sich dieses Mal mehr Fehler eingeschlichen haben.

Fazit:
„Big Blind“ ist ein netter Gay Romance für zwischendurch, der vorwiegend mit lebendigen, sympathischen Charakteren punkten kann. Inhaltlich hätte es mehr sein können, ebenso gibt es einige stilistische Mängel. Wer ein Werk von Tim Spohn lesen will, sollte zum „Faustus-Institut“ greifen, da dieses wesentlich spannender und interessanter ist. Leser die Romane mit expliziteren Szenen mögen, sind mit „Big Blind“ wahrscheinlich glücklicher – in dieser Beziehung passiert in „Big Blind“ einfach mehr.

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[MANGA] Love Monster von Junta Mio

1007

Autor: Junta Mio
Taschenbuch: 196 Seiten
ISBN: 978-3-8420-1260-8
Preis: 6,95 EUR

Story:
Der “Love Monster” enthält drei Kurzgeschichten, die unterschiedliche Pärchen ins Zentrum stellen. Die titelgebende Geschichte handelt von dem Studenten Akira, der seinem Kindheitsfreund Itsuki Nachhilfe gibt. Dass Letzterer dies gar nicht nötig hat, ahnt Akira ebenso wenig, wie die Gefühle, die Itsuki dem Studenten entgegenbringt.

In „Love Hunter“ geht es um Itsukis Freund Ryo, der ein Auge auf den gleichaltrigen Keigo geworfen hat. Um ihn für sich zu gewinnen, mimt er den schwachen, schüchternen Jungen, eine Masche auf die der gutherzige Keigo sofort hereinfällt und Ryo schließlich näher kommt.

“Love Attack” handelt von Sota, dessen größter Traum es ist sich eine hübsche Krankenschwester als Freundin zu angeln. Allerdings scheitern seine Bemühung an Minami, Sohn eines angesehenen Krankenhausdirektors, der sich in Sota verliebt hat und ihm eine ungewöhnliche Wette vorschlägt: Sota soll Zeit mit ihm verbringen und wenn er sich in ihn verliebt, sein fester Freund werden – wenn nicht, stellt Minami ihm mehrere hübsche Krankenschwestern vor. Sota ist begeistert und nimmt die ungewöhnliche Wette an …

Eigene Meinung:
„Love Monster“ stammt aus der Feder der japanischen Mangaka Junta Mio und markiert ihr deutsches Debüt. In Japan ist die Zeichnerin bereits durch viele One Shots und Kurzserien im Boys Love und Shojo Genre bekannt geworden, Tokyopop hat nun einen ihrer beliebten Einzelbände ins Programm aufgenommen.

Die einzelnen Kurzgeschichten bieten Viellesern des Boys Love Genres nur wenig Neues. Junta Mio setzt auf Altbewehrtes – Highschoolschüler, die typischen Bishonen, eine romantische, mit Drama und einem Hauch Erotik gewürzte Liebesgeschichte und eine Prise Comedy. Der Manga bietet dem Leser daher nette Unterhaltung für Zwischendurch, allerdings ist das auch alles. Die Kurzgeschichten sind zu gleichförmig und stereotyp, um wirklich zu fesseln und bieten nur wenig Abwechslung vom üblichen Einheitsbrei, so dass man sie relativ schnell wieder vergisst.

Das trifft auch auf die Figuren zu, denn diese bleiben recht stereotyp und handeln vorhersehbar. Gerade die Protagonisten aus „Love Monster“ entsprechen den üblichen Klischees: Akira ist klein, mädchenhaft und schmächtig, Itsuki groß, intelligent und männlich. Das Ergebnis der Geschichte ist dem Leser daher bereits am Anfang klar und wartet nicht mit irgendwelchen Überraschungen auf. Auch die anderen beiden Mangas und deren agierende Protagonisten können nicht überzeugen. Es ist schade, dass die Mangaka hier nichts Neues versucht, wenngleich die vorliegenden Geschichten durchaus ihre Fans haben dürften.

Stilistisch liefert Junta Mio solide Kost. Sie hat einen gefälligen, angenehm weichen Zeichenstil, der gut zu den Geschichten und den Figuren passt. Ihr gelingen sowohl die romantischen Szenen, als auch die, in denen es mehr zu Sache geht: sowohl hinsichtlich von Action, als auch im erotischen Bereich. Einige der Jungs sehen zwar ein wenig zu mädchenhaft aus, doch daran gewöhnt man sich mit der Zeit. Junta Mio zeichnet eben auch Shojo-Mangas, wie man an den niedlichen, filigranen Zeichnungen sehen kann.

Fazit:
„Love Monster“ ist ein netter Boys Love Manga für zwischendurch, der allerdings nur mit den hübschen, filigranen Zeichnungen punkten kann. Sowohl die Geschichten, als auch die Charaktere sind sehr klischeehaft und bieten Viellesern keinerlei Abwechslung. So ist „Love Monster“ nur Lesern zu empfehlen, die auf leichte, romantische Geschichten Wert legen und keine Probleme mit stereotypen Charakteren haben. Allen anderen wird Junta Mios Manga zu flach und unspektakulär sein.

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[ROMAN] Späte Rache von Andrea Conrad

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Autor:
Andrea Conrad
Taschenbuch: 189 Seiten
ISBN: 978-3863614188
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 15,50 EUR (Taschenbuch)

Story:
Knapp 15 Jahre sind seit dem zweiten Weltkrieg vergangen, und Heinrich und Richard haben sich in Mainz ein gemeinsames Leben aufgebaut. Trotz des hohen Risikos durch den Paragraphen 175 leben sie gemeinsam in einem kleinen Haus inklusive Fotogeschäft, das von Heinrich betrieben wird. Nach außen hin sind sie lediglich Freunde; keiner ahnt, dass ihre Wohnungen miteinander verbunden sind. Allerdings läuft ihr gemeinsames Leben längst nicht so idyllisch – während Heinrich sich mehr und mehr in seiner Fotografie verliert und darüber seinen Partner vergisst, freundet sich Richard mit seiner Referendarin Ruth an, die sich schon bald in ihn verliebt. Immer häufiger kommt er zwischen den beiden Männern zum Streit und als auch noch Siegfried aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, geraten beide in das Visier des ehemaligen Soldaten. Denn Heinrichs ehemaliger Vorgesetzter hat mit beiden noch eine Rechnung offen und setzt alles daran einen Schwachpunkt im Leben der Beiden zu finden …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Späte Rache“ setzt die Autorin Andrea Conrad ihren Roman „Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz“ rund 15 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg fort. Im Mittelpunkt steht einmal mehr die Beziehung zwischen Heinrich und Richard, allerdings müssen sich die beiden Männer dieses Mal eher ihren eigenen Problemen stellen, anstatt es mit einem “übermächtigen Gegner“ zu tun zu bekommen.

Die Geschichte spielt Mitte der 50er Jahre, während der Konrad-Adenauer-Zeit. Die schlimmsten Überbleibsel des Krieges sind verschwunden, die Menschen berappen sich allmählich wieder und der Alltag kehrt zurück. Auch für Heinrich und Richard ist eine ruhige Zeit angebrochen, allerdings leben sich die beiden mit jeder Seite weiter auseinander. Aussprachen gibt es nicht, immer wieder wird gesagt, dass sie dringend miteinander reden müssen, jedoch kommt es in „Späte Rache“ nicht wirklich dazu. Stattdessen werden die Wochen zusammengefasst, bis der nächste Streit kommt oder Siegfried einen erneuten kurzen Auftritt hat.
Dies ist eines der großen Mankos am Buch: es passiert nichts. Die Handlung wird nur durch die Tatsache vorangetrieben, dass Heinrich und Richard nicht miteinander reden. Siegfried taucht auf und bedroht Heinrich, dieser schweigt. Richard wird von dem rachsüchtigen Mann angefahren, anstatt eines Gesprächs kommt es zum nächsten Streit (obwohl Richard blutend vor Heinrich steht). Immer wieder werden die Figuren um eine Aussprache gebracht, nur damit Siegfried länger die dunkle Gefahr im Hintergrund bleiben kann. Mit der Zeit nervt dieser Aspekt ungemein, ebenso wie die Tatsache, dass sich Heinrich und Richard vornehmen, sich miteinander auszusprechen und man im nächsten Absatz in einem Nebensatz erfährt, dass es (mal wieder) nicht geklappt hat.

Hinzu kommen eine Menge Logiklöcher, die dieses Mal zahlreicher vorhanden sind, als in „Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz“. Ganz besonders das Ende wirkt absolut an den Haaren herbei gezogen und unglaubwürdig. Samuels Plan (der nicht wirklich diesen Begriff verdient) um Siegfried auszuschalten ist einfach nur paradox. Inzwischen hat dieser so viele Straftaten begangen (Erpressung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Drohung), dass man sich wirklich wundert, warum sie ihn auf eine solch unsinnige Art zur Strecke bringen. Es passt einfach gar nicht zusammen und man fragt sich, wozu man überhaupt knapp 200 Seiten gelesen hat, wenn das Buch auf solch seltsame Art und Weise endet.

Auch die Figuren können da nichts retten – Heinrich und Richard bleiben ungemein blass, obwohl die Geschichte zu 80 aus ihrer Sicht erzählt wurde. Mitunter sind sie wirklich unsympathisch, da es ihnen nicht gelingt miteinander zu reden. Gerade Richard, der sich im Laufe der Geschichte Ruth zuwendet, wird von Seite zu Seite fremdartiger und agiert immer seltsamer. Auch Heinrich bekleckert sich dahingehend nicht mit Ruhm. Zudem fragt man sich zwangsläufig, ob die beiden außer Ernst keine weiteren Freunde haben. Während Siegfried einen Kollegen nach dem nächsten um Hilfe bittet, wirken Heinrich und Richard wirklich verloren, da sie kaum einen Ansprechpartner haben. Sicherlich ist da Ruth (die jedoch auch nicht wirklich liebenswert daherkommt) und Richards Schwester Silke, aber ansonsten gibt es da kaum Leute, mit denen sich die beiden treffen.

Stilistisch ist „Späte Rache“ Geschmackssache – die unendlich vielen Perspektivwechsel mitten in den Absätzen erschweren das Lesen ungemein und sind gravierende Stilfehler. Das ist bereits im ersten Band aufgefallen und zieht sich leider auch durch die Fortsetzung. Andrea Conrad hat dabei eigentlich ein gutes Gefühl für Sprache und Beschreibungen, lediglich am Ausdruck, Stil und den Grundlagen hapert es. Was auch negativ auffällt sind dieses Mal die Erotikszenen. Wären diese dem Genre entsprechend in schwuler Richtung vorhanden, würde dies gar nicht auffallen, jedoch beschreibt die Autorin recht explizit den Akt zwischen Siegfried und einer Hure. Das ist im Grunde nicht schlimm, hat in einem Gay Roman jedoch nichts zu suchen, insbesondere wenn die Szenen zwischen Heinrich und Richard stets abgeblendet werden. Das wirkt extrem unpassend in einem schwulen Roman.

Fazit:
Auch mit „Späte Rache“ kann Andrea Conrad leider nicht überzeugen. Die Geschichte zieht sich ungemein, die Charaktere bleiben sehr blass und unnahbar und das unglaubwürdige, chaotische Ende setzt dem Ganzen die Krone auf. Zusammen mit dem mittelmäßigen Schreibstil, der durch viele grammatikalische Fehler und Perspektivsprünge besticht, möchte man das Buch am liebsten nach dem ersten Drittel aus der Hand legen. Schade – die Thematik bietet viele Ansatzmöglichkeiten und Optionen, doch leider wird davon nur wenig ausgeschöpft. Wem „Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz“ gefallen hat, der sollte einen Blick riskieren, alle anderen sollten nach anderer Lektüre Ausschau halten.

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