[ROMAN] Sehnsucht nach uns von Isabel Shtar

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Autor: Isabel Shtar
Taschenbuch:  463 Seiten
ISBN: 978-3944686264
Preis: 14,95 EUR

Story:
Landei Bruno kommt zum Studium nach Hamburg und erlebt erstmals die pulsierende Großstadt hautnah. Alles ist neu, aufregend und anders – und so möchte er auch sein Leben offensiver und ehrlicher gestalten und seine Homosexualität nicht mehr verstecken. Schnell findet er Kontakt und Unterstützung bei der Schwulen-Lesben-Gruppe der Uni, die Bruno nur zu gerne in den Club „Sweet Dreams“ mitnehmen, um ihn in die schwule Szene einzuführen. Zudem lernt er beim Schwimmen den gutaussehenden Gideon kennen und freundet sich mit ihm an, wobei er erstmals Probleme hat seine neuerwachte Libido im Zaum zu halten. Als er Gideon schließlich mit dessen besten Freund Freddy bei seinem ersten Besuch im „Sweet Dreams“ entdeckt, stürzt Bruno in ein Wechselbad der Gefühle: Gideon ist zwar schwul, jedoch mit dem heißesten Schwulen der Szene liiert. Dass der Schein trügt, erfährt Bruno erst nach und nach und als er schließlich mit Gideon zusammenkommt, beginnen die Probleme erst. Und diese beinhalten nicht nur die üblichen Beziehungskrisen, sondern auch Brunos verkorkste Familie, Gideons Vergangenheit und Freddys zunehmend exzessives Rumgeficke innerhalb der Hamburger Schwulenszene …

Eigene Meinung:
Der Gay Romance „Sehnsucht nach uns“ stammt aus der Feder der Autorin Isabel Shtar, die auf Fanfiction.de bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht hat. Der 460-seitige Roman erschien 2013 beim Cursed Verlag und ist in sich abgeschlossen.

Der Roman begleitet den jungen Bruno über die Jahre seines Studiums hinweg, bis hin zu seinem ersten Referendariat an einem Gymnasium. In dieser Zeit wird sein Leben gehörig auf den Kopf gestellt, er lernt in Gideon die Liebe seines Lebens kennen und muss sich etlichen Problemen und Schwierigkeiten stellen, die ihn während der Handlung reifen lassen und aus dem unsicheren Landei einen starken, erwachsenen Mann machen. Dementsprechend steht die Beziehung zwischen Bruno und Gideon zwar im Zentrum, doch Isabel Shtar beschränkt sich nicht darauf, die beiden Charaktere zusammen zu bringen, wie es in Gay Romanen recht oft der Fall ist. Stattdessen entwickelt sie die Geschichte weiter und setzt den beiden Verliebten ein Problem nach dem anderen vor, die sie mal allein, mal zusammen meistern müssen. Seien es familiäre Probleme, eigene Charakterschwächen, unerwartete Ereignisse und tragische Verluste – die Autorin macht es ihren Charakteren wirklich nicht leicht ihr Leben zu meistern.

Genau darum geht es in Isabel Shtars Roman – um Zusammenhalt und Unterstützung, Vertrauen und Liebe. Natürlich werden etliche Dinge im Zeitraffer erzählt – immerhin überbrückt die Autorin mehr als fünf Jahre – doch das stört nicht weiter. Die pickt sich die interessanten Passagen heraus, beleuchtet verstärkt das Verhältnis zwischen Gideon und Bruno, und versucht dabei nah an der Realität zu bleiben. So extrem die Probleme erscheinen, die sie Bruno aufbürdet, es wirkt nie übertrieben, denn zumeist passiert im realen Leben alles auf einmal. Dadurch gewinnt die Geschichte eine eigene Dynamik, die schnell mitreißt und bei der der Leser nicht weiß, wohin die Reise führt.

Die Charaktere sind gut durchdacht, wirken lebendig und handeln realistisch. Man kann sich sehr gut in Bruno hineinversetzen, versteht seine Gedanken und Gefühle und baut eine starke Bindung zu ihm auf. Es dauert zwar ein wenig, bis man mit dem (teils extrem) naiven Landei warm wird, aber sobald man sich auf ihn eingelassen hat, kommt man nicht mehr von ihm los. Er ist stark, loyal, ehrlich und verantwortungsbewusst.
Im Gegensatz dazu ist Gideon schwerer zu begreifen, insbesondere man ihn zu Beginn nur aus Brunos verliebter Sicht kennenlernt. Erst nach und nach lernt man den jungen Mann kennen, der durchaus nicht immer ehrlich zu Bruno ist und mehr als einmal sein Vertrauen missbraucht. Dennoch kann man ihn verstehen und es ist wohl das erste Mal in einem Gay Romance, dass das Thema Untreue und offene Beziehung so direkt mit eingearbeitet wird.
Auch die übrigen Charaktere können überzeugen – sei es Freddys witzige, offene Art, Brunos chaotischer, anarchistischer Vater, seine kühle Mutter oder Brunos lesbische Freundinnen. Sie geben einen passenden Rahmen und sorgen immer wieder für witzige Situationen oder unerwartete Überraschungen.

Stilistisch ist „Sehnsucht nach uns“ Geschmackssache. Man braucht zu Beginn ein wenig, um mit dem lockerleichten, flapsigen Schreibstil der Autorin zurecht zu kommen, doch wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, merkt man, wie gut die Wortwahl der Autorin zu Brunos Charakter und seinen Gedanken passt. Seien es witzige, komische Zwischensequenzen, spritzige Dialoge oder traurigen, dramatischen Szenen – Isabel Shtar trifft den Nerv und damit auch den Leser. Man lacht und weint mit Bruno, fiebert mit ihm mit und erlebt hautnah, wie er erwachsen wird. Auf eine seltsame Art und Weise ist „Sehnsucht nach uns“ fast ein Entwicklungsroman, wenngleich es sich natürlich nicht um ein Jugendbuch handelt. Dafür sind die Erotikszenen zu explizit, wenngleich Isabel Shtar immer wieder den Zeitraffer ansetzt und die Sexszenen nicht zu ausführlich gestaltet.

Fazit:
Wem der Einstieg in Isabel Shtars Roman „Sehnsucht nach uns“ gelungen ist und wer keine Probleme mit dem leichten, unverblümten Schreibstil der Autorin hat, bekommt eine interessante Geschichte geboten, die über die stereotypen Grenzen des Gay Romance Genres hinausgeht, da Brunos und Gideons Geschichte nicht damit endet, das sie zusammenkommen. Stattdessen führt Isabel Shtar die Handlung weiter und erzählt fesselnd von Liebe, Vertrauen und innerer Stärke. Wem die üblichen Gay Romance Romane zu langweilig und eintönig sind und wer Geschichten mag, in dem die Geschichte nicht mit dem Zusammenkommen der beiden Protagonisten endet, ist bei „Sehnsucht nach uns“ gut beraten. Zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 14. April 2015 in 4 Sterne, Alltagsroman, Comedy, Drama, Gay, Rezensionen und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Oh das Buch hört sich gut an^^ muss ich mal reinschaun. Hab schon viel Gutes von der Autorin gehört.

  1. Pingback: [ALLGEMEIN] Leserückblick 2015 | Like a Dream

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