Archiv für den Monat April 2015

[AKTION] Blogger schenken Lesefreude 2015

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Hallo ihr Lieben,

es ist endlich soweit – „Blogger schenken Lesefreude“ startet anlässlich des Welttags des Buches am 23.04.2015. Natürlich habt ihr auf Like a Dream die Chance einen Gay Romance Roman zu gewinnen – dieses Mal könnt ihr für den Roman „Schärfer als Wasabi“ von Verena Rank in den Lostopf hüpfen. Bis zum 30.04.2015 könnt ihr diesen Beitrag kommentieren – ich freue mich über Meinungen und Anregungen zum Blog, gerne auch Kritik, auch wenn der Gewinner per Losverfahren ermittelt wird.

Sportstudent Nick ist sexy und ehrgeizig. Er genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Freunde in seiner Wohngemeinschaft und in der Uni. Als der attraktive Halbjapaner Katsuro in die WG einzieht, ist Ärger vorprogrammiert. Der neue Mitbewohner scheint in allem perfekt zu sein: Er hat den Schwarzgurt in Karate, ist klug und höflich und zu allem Übel verliebt sich Nicks beste Freundin Vanessa in ihn. Alle finden Katsuro toll – bis auf Nick. Die beiden geraten immer heftiger aneinander, doch streiten ist gar nicht so einfach, wenn die Luft vor Spannung geradezu knistert und plötzlich ungeahnte Gefühle ins Spiel kommen …

Jetzt wünsche ich euch viel Glück und wer sich auch für Urban Fantasy interessiert, sollte einen Blick auf meinen Autorenblog werfen – dort verlose ich meinen Roman „Nachtschatten – Unantastbar„. Zudem gibt es auf dem Autorenblog von Tanja Meurer die lesbische Steampunk-Novelle „Rauhnacht“ zu gewinnen.

Viel Glück.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz von Andrea Conrad

Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz

Autor: Andrea Conrad
Taschenbuch:  200 Seiten
ISBN: 978-3863613198
Preis: 14,90 EUR

Story:
Der Jude Richard und der SA-Angehörige Heinrich lernen sich im Mainzer Umland im Jahr 1933 unter denkbar ungünstigen Umständen kennen: Heinrich erwischt Richard mit dem Auto und verletzt das Bein des jungen Juden so schlimm, dass dieser nie wieder richtig laufen können wird. Während Richards Genesung lernen sich die beiden besser kennen und schon bald entwickelt sich aus ihrer Freundschaft mehr. Als die Glocken Sturm läuten und sich die Situation für die Juden in Deutschland verschlimmert, steckt Heinrich in einer Zwickmühle fest: als Mitglied der SA sollte er die Juden ebenso hassen wie sein Sturmführer Siegfried, der ihm mit seinen drakonischen Maßnahmen das Leben schwermacht. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: er liebt Richard und schätzt dessen Familie sehr. Als sich die Lage zuspitzt, drängt er Richard Deutschland zu verlassen, doch diesem fällt es schwer seiner Heimat den Rücken zu kehren und Heinrich zurückzulassen …

Eigene Meinung:
Der im Himmelsstürmer Verlag erschienene Roman „Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz“ stammt von der Binger Autorin Andrea Conrad und stellt ihr Debüt dar. Er erschien 2013 und wurde mit dem Roman „Späte Rache“ fortgesetzt, der in den 50er Jahren spielt und die Geschichte von Heinrich und Richard fortführt.

Andrea Conrad hat sich kein einfaches Thema für ihr Debüt gesucht – der zweite Weltkrieg ist auch ohne das Thema Homosexualität nicht einfach und erfordert viel Recherchearbeit, um die Zeit mit all ihrem Schrecken, den sozialen Problemen und den gesellschaftlichen Abgründen darzustellen. Eine Liebesgeschichte zwischen einem SA-Angehörigen und einem Juden glaubhaft und nachvollziehbar darzustellen ist daher ein Akt, der nicht einfach zu bewerkstelligen ist. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass der Autorin dieses Kunststück nur teilweise gelingt und viele Aspekte und Hintergrundereignisse zugunsten der Liebesgeschichte zwischen Heinrich und Richard auf der Strecke bleiben. Das mag Geschmackssache sein, doch es fällt durchaus störend ins Gewicht, dass viele historische Fakten nicht ganz stimmig sind. Das beginnt bei Kleinigkeiten, wie die Tatsache, dass Richards Familie zwar ein Weingut besitzt, aber scheinbar keine Mitarbeiter, die bei der täglich anfallenden Arbeit helfen, Heinrichs seltsame Beweggründe in Deutschland zu bleiben und endet bei den etwas übertriebenen Darstellungen, was die Flucht der Familie betrifft. Natürlich wurde die Situation für die Juden in Deutschland schlimmer – aber 1933 konnte sie noch problemfrei aus Deutschland fliehen. Erst später wurden die Maßnahmen im Zuge der Massenvernichtung verschärft und eine Flucht war nur noch auf solch kompliziertem Wege möglich, wie es in „Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz“ beschrieben wird.
Dadurch ist die Geschichte nicht wirklich logisch aufgebaut, denn oftmals legt die Autorin die Konzentration zu sehr auf die beiden Hauptcharaktere und deren Beziehung. Viele Aspekte werden nicht behandelt oder nur grob zusammengefasst, sei es Heinrichs Training unter seinem Sturmführer, die historischen Ereignisse oder Richards Arbeit auf dem Weingut. Demzufolge kommt auch kaum Spannung auf, da das gesellschaftliche und soziale Umfeld kaum beleuchtet wird und die Gefahr, die das beginnende Nazi-Regime bedeutet, für den Leser nicht greifbar ist.

Auch die Charaktere sind nicht immer nachvollziehbar. Richard ist sehr verweichlicht, fast schon mädchenhaft. Seine Art geht einem im Laufe der Zeit auf den Geist, weil er einfach zu inaktiv bleibt und kaum selbst das Ruder in die Hand nimmt. Da sind dessen Schwester Silke und sogar sein Bruder Samuel schon sympathischer und wesentlich greifbarer. Es ist schade, dass Richard ein so schwacher Charakter geworden ist, der sich zumeist retten oder treiben lässt. Aus diesem Grundnimmt man ihm auch die Liebe für Heinrich nur schwer ab, da es mehr wirkt, als passe er sich einfach er Situation an und hänge sein Fähnchen nach dem Wind.
Im Gegenzug dazu hat man bei Heinrich das Problem, deine Beweggründe nicht verstehen zu können. Allen voran die Tatsache, dass er in Deutschland bleibt, obwohl er seinen Vater hasst, das System verabscheut, einen Juden liebt und für seine Homosexualität bereits halb am Pranger stand. Das Geld, das ihm der Adelstitel seiner Familie einbringt, erscheint mir kein ausreichender Grund zu sein, sich seinem Vater so unterzuordnen und Richard und dessen Schwester allein gen England ziehen zu lassen. Ab der Hälfte fragt man sich auf jeder Seite (!), warum er sich nicht den Geschwistern anschließt und Deutschland ebenfalls verlässt! Es gibt einfach keinen glaubhaften Grund, weswegen er zurückbleiben sollte.

Auch stilistisch bereitet „Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz“ Probleme. Andrea Conrad hat einen sehr gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, mit dem man nur teilweise zurechtkommt. Am schwersten wiegen die unendlich vielen Perspektivwechsel, teilweise binnen weniger Sätze und Abschnitte. Immer wieder fliegt man aus der Geschichte, weil die Handlung urplötzlich aus einer anderen Sichtweise beschrieben wird und die Autorin die Gefühlswelt einer anderen Figur in den Vordergrund stellt. Im Grunde wäre dies nicht schlimm, wenn kapitelweise eine andere Person im Zentrum steht, aber hier wird so oft gewechselt, dass man mitunter keine Ahnung mehr hat, wer was denkt und fühlt. Zudem nimmt sie Spannung raus, indem sie schon vorher offenbart, wer für die ein oder andere Katastrophe verantwortlich ist.

Fazit:
„Gefährliche Liebe unter dem Hakenkreuz“ ist ein engagiertes und ambitioniertes Projekt von Andrea Conrad, das jedoch nicht überzeugen kann und die Zeit des beginnenden dritten Reiches nur unzulänglich näherbringt. So spannend und faszinierend die Grundidee ist, 200 Seiten sind einfach nicht ausreichend, um eine derartige Geschichte glaubhaft und logisch zu erzählen. Es mangelt an Tiefgang, historischer Genauigkeit und Tiefgang, ebenso wenig kann man die Charaktere nachvollziehen. Schade …

 

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Carlsen Programm Herbst/Winter 2015/16

Hallo in die Runde,

nachdem Tokyopop bereits den größten Teil seines Mangaprogramms angekündigt hat, hat Carlsen nachgezogen und die Lizenzen seines Herbst/Winter 2015/16 Programms bekanntgegeben. Wirkliche Überraschungen gibt es auch hier nicht, schön und interessant klingt jedoch die Bekanntgabe des 3-bändigen Mangas „Lupus in Fabula“ von Kamineo, die durch ihr Werk „Alpha²“ bereits Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Fans von Kazusa Takashima bekommen dafür endlich Nachschub: In Form eines alten Werkes der Mangaka. Mit Killy Hachida schicken sie zudem eine neue Zeichnerin ins Rennen.

Hier die Übersicht:

  • Lupus in Fabula von Kamineo, 3 Bände, ab März, € 7,95
  • Hot Dog (OT: Inu mo Arukeba Fallin‘ Love) von Kazusa Takashima, Einzelband, Oktober 2015, € 7,95
  • Warum bist du nur so heiss? (OT: Nande Sonna ni Kawaii no) von Killy Hachida, Einzelband, Januar 2016, € 6,95

Tokyopop Programm August – November 2015

Hallo ihr Lieben,

heute sind die letzten Boys Love Mangas bei Tokyopop angekündigt worden – Zeit also sie auch hier auf dem Blog zu präsentieren. Dieses Mal sind keine großartigen Überraschungen oder Highlights dabei (wenngleich einige Titel sich oftmals im Wünsche-Thread wiederfanden), dafür ist eine neue Eigenproduktion (aus Österreich) geplant. Man darf gespant sein, wie der Einzelband von Nightmaker ist und wie die übrigen Mangas sind.

Hier die Übersicht:

  • Fading Colors von Nightmaker, Einzelband, im August 2015, € 6,95
  • T x S von Noboru Takatsuki, bisher zwei Bände, ab Oktober 2015, € 6,95
  • Die Unschuld des Lehrers (OT: Kyoushi no Junjou Seito no Yokubou) von Mayu Shinjo, bisher ein Band, ab Oktober 2015, € 6,95
  • Das Funkeln des Augenblicks (OT: Kira kira no hibi) von Waka Sagami, Einzelband, im September 2015, € 6,95
  • Deep Throat (Hana Umezawa), bisher zwei Bände, ab August 2015, € 6,95
  • Auf keinen Fall Liebe! (OT: Koi nante shinai) von Akino Shiina, Einzelband, im November 2015, € 6,95

[ROMAN] Sehnsucht nach uns von Isabel Shtar

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Autor: Isabel Shtar
Taschenbuch:  463 Seiten
ISBN: 978-3944686264
Preis: 14,95 EUR

Story:
Landei Bruno kommt zum Studium nach Hamburg und erlebt erstmals die pulsierende Großstadt hautnah. Alles ist neu, aufregend und anders – und so möchte er auch sein Leben offensiver und ehrlicher gestalten und seine Homosexualität nicht mehr verstecken. Schnell findet er Kontakt und Unterstützung bei der Schwulen-Lesben-Gruppe der Uni, die Bruno nur zu gerne in den Club „Sweet Dreams“ mitnehmen, um ihn in die schwule Szene einzuführen. Zudem lernt er beim Schwimmen den gutaussehenden Gideon kennen und freundet sich mit ihm an, wobei er erstmals Probleme hat seine neuerwachte Libido im Zaum zu halten. Als er Gideon schließlich mit dessen besten Freund Freddy bei seinem ersten Besuch im „Sweet Dreams“ entdeckt, stürzt Bruno in ein Wechselbad der Gefühle: Gideon ist zwar schwul, jedoch mit dem heißesten Schwulen der Szene liiert. Dass der Schein trügt, erfährt Bruno erst nach und nach und als er schließlich mit Gideon zusammenkommt, beginnen die Probleme erst. Und diese beinhalten nicht nur die üblichen Beziehungskrisen, sondern auch Brunos verkorkste Familie, Gideons Vergangenheit und Freddys zunehmend exzessives Rumgeficke innerhalb der Hamburger Schwulenszene …

Eigene Meinung:
Der Gay Romance „Sehnsucht nach uns“ stammt aus der Feder der Autorin Isabel Shtar, die auf Fanfiction.de bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht hat. Der 460-seitige Roman erschien 2013 beim Cursed Verlag und ist in sich abgeschlossen.

Der Roman begleitet den jungen Bruno über die Jahre seines Studiums hinweg, bis hin zu seinem ersten Referendariat an einem Gymnasium. In dieser Zeit wird sein Leben gehörig auf den Kopf gestellt, er lernt in Gideon die Liebe seines Lebens kennen und muss sich etlichen Problemen und Schwierigkeiten stellen, die ihn während der Handlung reifen lassen und aus dem unsicheren Landei einen starken, erwachsenen Mann machen. Dementsprechend steht die Beziehung zwischen Bruno und Gideon zwar im Zentrum, doch Isabel Shtar beschränkt sich nicht darauf, die beiden Charaktere zusammen zu bringen, wie es in Gay Romanen recht oft der Fall ist. Stattdessen entwickelt sie die Geschichte weiter und setzt den beiden Verliebten ein Problem nach dem anderen vor, die sie mal allein, mal zusammen meistern müssen. Seien es familiäre Probleme, eigene Charakterschwächen, unerwartete Ereignisse und tragische Verluste – die Autorin macht es ihren Charakteren wirklich nicht leicht ihr Leben zu meistern.

Genau darum geht es in Isabel Shtars Roman – um Zusammenhalt und Unterstützung, Vertrauen und Liebe. Natürlich werden etliche Dinge im Zeitraffer erzählt – immerhin überbrückt die Autorin mehr als fünf Jahre – doch das stört nicht weiter. Die pickt sich die interessanten Passagen heraus, beleuchtet verstärkt das Verhältnis zwischen Gideon und Bruno, und versucht dabei nah an der Realität zu bleiben. So extrem die Probleme erscheinen, die sie Bruno aufbürdet, es wirkt nie übertrieben, denn zumeist passiert im realen Leben alles auf einmal. Dadurch gewinnt die Geschichte eine eigene Dynamik, die schnell mitreißt und bei der der Leser nicht weiß, wohin die Reise führt.

Die Charaktere sind gut durchdacht, wirken lebendig und handeln realistisch. Man kann sich sehr gut in Bruno hineinversetzen, versteht seine Gedanken und Gefühle und baut eine starke Bindung zu ihm auf. Es dauert zwar ein wenig, bis man mit dem (teils extrem) naiven Landei warm wird, aber sobald man sich auf ihn eingelassen hat, kommt man nicht mehr von ihm los. Er ist stark, loyal, ehrlich und verantwortungsbewusst.
Im Gegensatz dazu ist Gideon schwerer zu begreifen, insbesondere man ihn zu Beginn nur aus Brunos verliebter Sicht kennenlernt. Erst nach und nach lernt man den jungen Mann kennen, der durchaus nicht immer ehrlich zu Bruno ist und mehr als einmal sein Vertrauen missbraucht. Dennoch kann man ihn verstehen und es ist wohl das erste Mal in einem Gay Romance, dass das Thema Untreue und offene Beziehung so direkt mit eingearbeitet wird.
Auch die übrigen Charaktere können überzeugen – sei es Freddys witzige, offene Art, Brunos chaotischer, anarchistischer Vater, seine kühle Mutter oder Brunos lesbische Freundinnen. Sie geben einen passenden Rahmen und sorgen immer wieder für witzige Situationen oder unerwartete Überraschungen.

Stilistisch ist „Sehnsucht nach uns“ Geschmackssache. Man braucht zu Beginn ein wenig, um mit dem lockerleichten, flapsigen Schreibstil der Autorin zurecht zu kommen, doch wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, merkt man, wie gut die Wortwahl der Autorin zu Brunos Charakter und seinen Gedanken passt. Seien es witzige, komische Zwischensequenzen, spritzige Dialoge oder traurigen, dramatischen Szenen – Isabel Shtar trifft den Nerv und damit auch den Leser. Man lacht und weint mit Bruno, fiebert mit ihm mit und erlebt hautnah, wie er erwachsen wird. Auf eine seltsame Art und Weise ist „Sehnsucht nach uns“ fast ein Entwicklungsroman, wenngleich es sich natürlich nicht um ein Jugendbuch handelt. Dafür sind die Erotikszenen zu explizit, wenngleich Isabel Shtar immer wieder den Zeitraffer ansetzt und die Sexszenen nicht zu ausführlich gestaltet.

Fazit:
Wem der Einstieg in Isabel Shtars Roman „Sehnsucht nach uns“ gelungen ist und wer keine Probleme mit dem leichten, unverblümten Schreibstil der Autorin hat, bekommt eine interessante Geschichte geboten, die über die stereotypen Grenzen des Gay Romance Genres hinausgeht, da Brunos und Gideons Geschichte nicht damit endet, das sie zusammenkommen. Stattdessen führt Isabel Shtar die Handlung weiter und erzählt fesselnd von Liebe, Vertrauen und innerer Stärke. Wem die üblichen Gay Romance Romane zu langweilig und eintönig sind und wer Geschichten mag, in dem die Geschichte nicht mit dem Zusammenkommen der beiden Protagonisten endet, ist bei „Sehnsucht nach uns“ gut beraten. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Paranormal Investigations 4 – Nähe von Ally Blue

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Autor: Ally Blue
Taschenbuch:  236 Seiten
ISBN: 978-3-95823-005-7
Preis: 9,50 EUR

Story:
So hat sich Sam seinen wohlverdienten Urlaub mit Bo in einem Strandhaus am Golf nicht vorgestellt. Statt heimeliger Zweisamkeit und Ruhe nistet sich das Team der BCPI nach wenigen Tagen bei ihnen ein, da sie das nahegelegene Fort Medina unter die Lupe nehmen müssen. Natürlich kann sich Bo nicht aus den Ermittlungen heraushalten, egal wie sehr Sam ihn darum bittet. Zudem wird Bo im Laufe der Zeit immer aggressiver und unberechenbarer, leidet unter seltsamen Träumen und hat regelmäßig wiederkehrende Aussetzer, die sich keiner erklären kann. Für Sam steht fest, dass alles mit dem Fort zusammenhängt, doch es ist nahezu unmöglich Bo von seinem Verdacht zu berichten und ihn davon überzeugen, sich aus der Sache herauszuhalten …

Eigene Meinung:
Die Gay – Reihe „Paranormal Investigations“ von Ally Blue geht in die vierte und damit vorletzte Runde, wenn man die beiden Spin-offs zur Serie, die sich zum einem um Bos Sohn Adrian und zum anderen um den offenherzigen Dean drehen, nicht mit einrechnet. Erneut stehen Sam, Bo und ihre Beziehung zueinander im Zentrum, was natürlich in mehr erotischen Szenen mündet, als der Leser verkraften kann. Denn leider ist der Sex in allen möglichen Stellungen und Situationen so ziemlich das einzige, das im Buch vorhanden zu sein scheint. Natürlich bleibt dadurch alles andere auf der Strecke: die Charaktere, die Spannung und natürlich auch die Geschichte. Zwar dreht es sich alles irgendwie um die Dimensionsportale, doch auch dieses Mal erfährt der Leser nichts Neues darüber. Stattdessen fragt man sich, ob Ally Blue überhaupt ein Konzept hatte, als sie dieses Element im ersten Band eingebaut hat, denn sie dreht sich beständig im Kreis, lässt die Wesen der anderen Seite sporadisch auftauchen, schmeißt ihnen zumeist Bo als Opfer vor und lässt ihre Figuren nichts entdecken oder herausfinden, da die Portale genauso schnell verschwinden, wie sie auftauchen. Stattdessen konzentriert sie sich auf die Beziehung von Sam und Bo, deren Probleme einfach nur ermüdend sind und die Handlung überhaupt nicht vorantreiben.

Am meisten stört in diesem Zusammenhang, dass die Charaktere nicht miteinander reden. Was in Band 2 und 3 bereits störend auffiel, treibt einen in „Nähe“ in den Wahnsinn. Die gesamte Handlung wird nur dadurch auf 240 Seiten gestreckt, weil Sam nicht mit Bo reden will, um diesen nicht zu reizen, und auch bei seinen Freunden nicht die Klappe aufmacht, was Bos Verhalten und dessen Alpträume betrifft. Nachdem in Band 1 aus eben diesem Grund ein Mitglied er BCPI ums Leben kam, sollte man davon ausgehen, dass Sam seine Eindrücke und Gedanken mit den anderen teilt – vergeblich. Sam behält die wichtigen Infos für sich, dreht sich mit seinen Gedanken im Kreis und wiederholt sich dabei ständig. Selbst als er Dean einweiht, schiebt dieser es auf eine absolut krude, an den Haaren herbeigezogene Erklärung, die überhaupt nicht passt. Da haben sie tagtäglich mit übernatürlichen Dingen zu tu, und sie versuchen ernstlich Bos Verhalten logisch zu erklären! Hier merkt man ganz eindeutig, dass die Autorin alles daran gesetzt hat, die Geschichte um jeden Preis zu strecken und dabei nicht davor zurückschreckt ihre eigenen Charaktere vollkommen „out-of-character“ zu präsentieren. Eine andere Erklärung gibt es für Sams nervendes, mädchenhaftes Verhalten und Bos plötzliche Gelüste für harten Sex und BDSM nicht.

Es verwundert nicht, dass das Finale binnen weniger Seiten abgehandelt ist und die Erklärungen ebenso weit hergeholt wirken, wie die Deans Vermutungen bezüglich Bos geistiger Umnachtung. So schlägt man das Buch am Ende frustriert zu und ärgert sich über die Zeit, die man mit „Paranormal Investigations“ zugebracht hat, denn leider markiert nun nicht nur Band 3 den Tiefpunkt der Reihe, sondern auch Band 4. Allzu viele Hoffnungen sollte man also nicht auf den letzten Teil der Reihe setzen.

Stilistisch hält sich „Paranormal Investigations – Nähe“ im soliden Maß. Ally Blue kann durchaus schreiben, weiß sowohl wie man die Umgebung beschreibt, als auch wie man die erotischen Szenen in Szene setzt. Dafür hapert es deutlich, wenn es um Spannung, Action und unheimliche Dinge geht. Da kommt einfach kein passendes Flair auf. Gerade die Kampfszenen werden einfach nur runtererzählt und sind schon vorbei, kaum dass sie begonnen haben. Im Gegenzug dazu sind die Sexszenen ausgedehnt und füllen Dutzende Seiten. Das mag einigen gefallen, doch es ist einfach zu viel des Guten. Inzwischen nimmt man „Paranormal Investigations“ nicht einmal mehr die Bezeichnung Gay Paranormal ab, da es letztendlich sowieso nicht um die Geistererscheinungen und die Fälle des BCPI geht, sondern nur um Sam und Bos Beziehungskisten nebst unendlich langer Sex-Abende. Ally Blue wäre besser damit bedient, die übernatürliche Komponente zu streichen und nur noch schwule Erotik zu schreiben – da weiß der Leser wenigstens, was ihn erwartet.

Fazit:
Mit „Paranormal Investigations – Nähe“ ist es Ally Blue leider gelungen ein ähnliches schlechtes Buch zu schreiben, wie mit dem dritten Band der Reihe. Das Portalthema ist unterdessen komplett zur Farce mutiert, ähnlich die mysteriösen Fälle des BCPI und die nicht schwulen Randfiguren. Alles konzentriert sich auf Sam und Bo, deren Beziehung und Sexabenteuer, die sich zur Genüge im vorliegenden Band wiederfinden. Wer schwule Erotik mag, dem wird „Nähe“ gewiss gefallen, wer Gay Paranormal Romane und lebendige Charaktere sucht, ist bei „Paranormal Investigations“ unterdessen an der falschen Adresse.

 

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[MANGA] You & me, etc. von Kyugo

9783551741684

Autor: Kyugo
Taschenbuch:  178 Seiten
ISBN: 978-3-551-74168-4
Preis: 7,95 EUR

Story:
Seit einem schweren Unfall, bei dem Keita seinem besten Freund Iku das Leben rettete und selbst schwer verletzt wurde, hat Keita das Baseballspielen aufgeben müssen, obwohl er einer der Besten war. Für Iku steht fest, dass er an allem die Schuld trägt und geht daher seinem Freund aus dem Weg. Doch so leicht lässt sich Keita von Ikus ruppiger, unnahbarer Art nicht verreiben, immerhin will er inzwischen mehr, als nur Freundschaft …
Neben der Geschichte um Iku und Keita enthält der Manga noch die Kurzgeschichten: „Die Kirschblüten-Pilgerschaft“, bei dem es um den Schüler Suga geht, der zufällig mitbekommt, dass der Musterschüler Fujishiro mit einem Lehrer zusammen ist, und „Schönes neues Morgen“, in dem der Autor Kuwahara eines Tages über den Sohn seines Mentors stolpert, der ohne einen Yen in der Tasche nach Tokyo gekommen ist. Widerwillig nimmt er Akira auf und erfährt, dass dessen Vater gestorben ist und er im Haus seiner Stiefmutter nur bedingt erwünscht ist …

Eigene Meinung:
Der Kurzgeschichtenband „You & me, etc.“ stammt aus der Feder Kyugos, die auch für den Thriller „Acid Town“ verantwortlich ist, der ebenfalls bei Carlsen erschien. Der vorliegende Manga ist ihr Debüt und zeitgleich ihr erster Test im Boys Love Genre und findet in dem Einzelband „Undeniable“ seine Fortsetzung.

Inhaltlich präsentiert die Autorin drei unterschiedliche Boys Love Kurzgeschichten, in denen es um Freundschaft, Vertrauen und Liebe geht. Dabei steht die Beziehung der Figuren nur partiell im Mittelpunkt, gerade „Die Kirschblüten-Pilgerschaft“ ist nicht wirklich im Boys Love Genre angesiedelt, auch wenn es natürlich leichte Andeutungen im Nebenplot gibt. Auch werden Fans von expliziter Erotik enttäuscht sein – Kyugo bietet eher leichte Boys Love Unterhaltung, bei der es kaum über Küsse hinausgeht. Das ist nicht weiter schlimm, da es eine nette Abwechslung zu den vielen Titeln darstellt, bei denen es mehr zur Sache geht. Außerdem wirken die Geschichten realistischer und die Charaktere authentischer, da sie nicht ganz dem typischen Mangaklischee entsprechen. So sind Iku und Keita normale Jugendliche, entsprechen nicht den stereotypen Seme und Uke, die man normalerweise in Boys Love Mangas findet. Daher stört es den Leser nicht weiter, dass die Figuren nicht gleich miteinander ins Bett fallen, sondern alles etwas langsamer und ruhiger angehen.
Insgesamt sind die Charaktere in sich sehr stimmig und logisch aufgebaut. Sie entwickeln sich teilweise weiter und als Leser hat man keinerlei Probleme sich mit ihnen zu identifizieren. So leicht und unscheinbar die Charaktere und die Geschichte sind – sie können unterhalten und wissen zu gefallen.

Zeichnerisch bewegt sich „You & me, etc.“ auf einem durchgängig hohen Niveau. Kyugo hat einen sehr schönen, schlichten Zeichenstil, der durch realistische Charaktere und gut ausgearbeitete Hintergründe besticht. Ihr gelingt es angenehm erwachsene Figuren zu zeichnen, bei denen sie ebenfalls auf die üblichen Klischees verzichtet und sich an die Realität hält. Auch Anatomie, Dynamik und ungewöhnliche Perspektiven sind kein Problem für sie, so dass „You & me, etc.“ ein gelungener Manga ist, der sich allein schon von der Aufmachung her lohnt.

Fazit:
„You & me, etc.“ ist ein gelungener Einzelband, der mehr Wert auf die Charaktere und leichte Unterhaltung legt, als auf Sex und übermäßige Mangaklischees. Dank der soliden, schlichten Zeichnungen und der angenehmen Athmosphäre der Kurzgeschichten legt Kyugo einen schönen Manga vor, den sich Fans der Mangaka oder auch Liebhaber realistischer Geschichten nicht entgehen lassen sollten. Gerade die realistische Aufarbeitung der Geschichten macht „You & me, etc.“ so lesenswert.

 

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[MANGA] Citrus von Saburouta

Autor: Saburouta
Taschenbuch:  168 Seiten
ISBN: 978-3-8420-1185-4
Preis: 6,95 EUR

Story:
Nachdem Yuzus Mutter neu geheiratet hat, ändert sich das Leben der Highschool Schülerin dramatisch – ihre neue Schule ist eine reine Mädchenschule und in ihrem neuen Zuhause erwartet sie ihre neue Stiefschwester Mei, mit der sich bereits an ihrem ersten Schultag zusammenrasselt. Denn während Mei das Sinnbild einer perfekten, braven und ordentlichen Schülerin ist, bevorzugt Yuzu auffällige Klamotten, lackierte Fingernägel und ist nie um einen Kommentar verlegen. Dennoch versucht Yuzu alles, um sie mit Mei anzufreunden und das Beste aus ihrer momentanen Situation zu machen. Dabei erwischt sie ein Fettnäpfchen nach dem nächsten – so erwischt sie Mei und ihren Klassenlehrer beim Knutschen hinter der Schule und entdeckt, dass die stoische Mei durchaus gegen ihre eigenen Dämonen kämpft. Richtig problematisch wird es aber erst, als Mei Yuzu küsst und damit Letztere in ein wahres Gefühlschaos stürzt.

Eigene Meinung:
Mit „Citrus“ von Saburouta wagt sich Tokyopop nach einiger Zeit wieder an einen Yuri-Manga, der jedoch unter der Romance-Schiene „I love Shojo“ des Verlags erschein und daher auch mit einer hübschen Shojo-Card als Gimmick daherkommt. Der Manga erschien ab 2012 im Magazin Yuri Hime des Verlags Ichijinsha.

Die Geschichte ist recht locker und unterhaltsam gestaltet und wartet im ersten Band mit keinerlei großen Überraschungen auf. Die Handlung plätschert ein wenig unmotiviert vor sich hin: Yuzu und Mei lernen sich kennen und versuchen beide das Beste aus der gegebenen Situation zu machen. Dabei kommt es immer wieder zu Reibereien, da die Mädchen vollkommen unterschiedlich sind oder es zu Missverständnissen kommt. Darunter fallen auch Küsse, die zumeist von Mei ausgehen, jedoch nie auf Gefühlen beruhen, sondern eher dazu dienen, Yuzu zum Schweigen zu bringen oder sie zu verunsichern. Dies überträgt sich auf den Leser, denn man weiß nicht so Recht, wohin Saburouta mit der Geschichte eigentlich will. Es ist am Anfang keine wirkliche Liebesgeschichte vorhanden, so dass Meis Aktionen eher Unverständnis hervorrufen und viele Szenen, in denen die beiden Protagonisten auf Tuchfühlung gehen irgendwie unglaubwürdig sind. Zum Ende hin gesteht sich Yuzu zumindest ein, sich verliebt zu haben, so dass man darauf hoffen kann, dass die Fortsetzung ein wenig mehr Romance und Shojo-Ai enthält.

„Citrus besticht durch typische Manga-Figuren. Yuzu ist das wilde, naive und chaotische Mädchen, das sich nur schwer an die strengen Gebräuche ihrer neuen Schule gewöhnt, Mei ist das komplette Gegenteil von ihr: still, introvertiert, schwer durchschaubar. Da die Geschichte aus Yuzus Sicht erzählt wird, identifiziert man sich jedoch schnell mit der Heldin und kann problemfrei in die Handlung eintauchen.
Die übrigen Charaktere bleiben zumeist außen vor – Yuzus‘ Mutter kommt kaum um Tragen, Meis Großvater spielt ebenfalls eher eine untergeordnete Rolle. Ihren neuen Stiefvater lernt Yuzu erst gar nicht kennen (wie auch immer Yuzus Mutter geheiratet hat oder warum Yuzu ihre Schwester nicht schon auf der Hochzeit kennengelernt hat – es wird nicht erklärt), so dass die gesamte Rahmenhandlung unrealistisch wirkt und man zumindest ein wenig Logik vermisst.

Einzig bei den Zeichnungen kann Saburouta punkten – „Citrus“ besticht durch schöne Illustrationen, sowohl was die Farbseiten anbelangt, als auch bei den normalen Mangaseiten. Saburouta hat einen angenehmen, niedlichen Zeichenstil, der besonders bei den hübschen Mädchen zum Tragen kommt. Sie hat eine Vorliebe für Details, wie Kleidung, Schmuck und Frisuren, ebenso konzentriert sie sich vorwiegend auf die Gesichter der Mädchen. Männer und ältere Menschen gelingen ihr dementsprechend eher weniger. Dennoch stimmt die Optik – „Citrus“ macht allein von den Zeichnungen einiges her.

Fazit:
„Citrus“ ist ein Yuri-Manga, der durch solide, hübsche Zeichnungen und liebenswerte Charaktere besticht. Inhaltlich ist Saburoutas Mangareihe steigerungsfähig, insbesondere da es eine Menge Logiklücken gibt, die störend ins Gewicht fallen und die Liebesgeschichte zwischen Yuzu und Mei sehr künstlich wirkt und nur schwer nachvollziehbar ist. Vielleicht gibt sich das in den kommenden Bänden – bisher kann „Citrus“ nur bedingt überzeugen. Yurifans sollten dennoch einen Blick riskieren, gibt es doch auf dem deutschen Markt nur wenige Mangas dieses Genres.

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[AKTION] Blogger schenken Lesefreude 2015

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Hallo ihr Lieben,

auch dieses Jahr findet die tolle Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ statt und einmal mehr möchte ich mich mit „Like a Dream“daran beteiligen. Dieses Mal habe ich mich für den Roman „Schärfer als Wasabi“ von Verena Rank entschieden, den ihr am 23.04.2015 bei mir gewinnen könnt:

Sportstudent Nick ist sexy und ehrgeizig. Er genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Freunde in seiner Wohngemeinschaft und in der Uni. Als der attraktive Halbjapaner Katsuro in die WG einzieht, ist Ärger vorprogrammiert. Der neue Mitbewohner scheint in allem perfekt zu sein: Er hat den Schwarzgurt in Karate, ist klug und höflich und zu allem Übel verliebt sich Nicks beste Freundin Vanessa in ihn. Alle finden Katsuro toll – bis auf Nick. Die beiden geraten immer heftiger aneinander, doch streiten ist gar nicht so einfach, wenn die Luft vor Spannung geradezu knistert und plötzlich ungeahnte Gefühle ins Spiel kommen …

Was genau ihr dafür tun müsst, erfahrt ihr am 23.94. – dem Welttag des Buches. Also haltet in den kommenden Wochen die Augen offen.

Liebe Grüße,
Juliane

[ROMAN] Der linke Fuß des Gondoliere von Jobst Mahrenholz

Autor: Jobst Mahrenholz
Taschenbuch:  264 Seiten
ISBN: 978-3-944737-99-7
Preis: 12,95 EUR

Story:
Cece, Sohn eines Gondelbauers und Leo, dessen Vater einer der angesehensten Gondoliere ist, sind schon von Kindesbeinen an miteinander befreundet. Ihre eingeschworene Gemeinschaft wird durch Pirro komplettiert, der sich die beiden ganz gezielt als Freunde aussucht, als er in ihre Klasse kommt. Die drei wachsen gemeinsam auf und während Cece tatsächlich das Handwerk eines Bootsbauers erlernt und Leo Gondoliere wird, ist Pirro ein Träumer, der sich schließlich in einem Gewürzladen verdingt. Zudem entwickelt Pirro starke Gefühle für Cece, die dieser auch erwidert – sehr zum Verdruss von Leo, der mit der Beziehung seiner besten Freunde scheinbar nichts anfangen kann. Erst nach und nach wird klar, dass sich hinter Leos Verhalten mehr verbirgt und auch Pirro das ein oder andere Geheimnis hat …

Eigene Meinung:
„Der linke Fuß des Gondoliere“ ist der dritte Roman von Jobst Mahrenholz, dessen Duologie „Il gusto di Lauro“ sein Debüt markierte. Alle Romane erschienen im deadsoft Verlag und spielen in Italien, da der Autor einen engen Bezug zu diesem Land hat. So ist es nicht verwunderlich, dass Figuren und Handlungsorte aus „Lucas Rezepte“ und „Herzberührer“ im vorliegenden Roman einen kurzen Gastauftritt bekommen.

Wie schon in der „Il gusto di Lauro“-Reihe legt Jobst Mahrenholz einen Entwicklungsroman vor, in dem es um die Hauptfiguren, deren Schicksale und Lebenswege geht. Eine wirklich allumfassende Rahmengeschichte gibt es daher nicht, da sich „Der linke Fuß des Gondoliere“ vollkommen auf die Freundschaft und die Liebe der drei Protagonisten konzentriert. Intensiv und authentisch berichtet Jobst Mahrenholz von drei grundverschiedenen Männern, ihren Träumen, ihrem Erwachsenwerden und der Weiterentwicklung ihrer Freundschaft zu Liebe. Dass er dabei auch heiklere Themen wie Asexualität und Bigamie anschneidet, verleiht dem Roman einen unerwarteten Tiefgang, doch der Autor widmet sich diesen Aspekten mit dem nötigen Respekt und der passenden Sensibilität. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Autor auf ausufernde erotische Szenen verzichtet und entsprechende Sequenzen abblendet, was überhaupt nicht negativ ins Gewicht fällt – im Gegenteil. Sexszenen hätten dem Roman durchaus geschadet, da sie nicht zu  „Der linke Fuß des Gondoliere“ gepasst hätten.

Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet, wirken lebendig und authentisch. Der Leser lernt Cece, Leo und Pirro sehr intensiv kennen, wird mit ihnen erwachsen und erlebt den ein oder anderen Schicksalsschlag. Dabei werden die Ereignisse in zwei Zeitebenen komplett aus Ceces Sicht erzählt, weswegen der Leser zu ihm eine besondere Beziehung aufbaut. Man lernt den jungen Italiener im Laufe der Geschichte sehr intensiv kennen und kann sich problemfrei mit ihm identifizieren. Das bedeutet nicht, dass man sich den anderen beiden Männern weniger stark verbunden fühlt – im Gegenteil: auch Leo und Pirro wachsen einem mit der Zeit ans Herz und bestechen durch eine Lebendigkeit und Individualität, die man in vielen Gay Romanen vermisst. Man fragt sich automatisch, ob Jobst Mahrenholz reale Vorbilder für seine Protagonisten hat, oder ob nicht einige der Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen.

Stilistisch lässt „Der linke Fuß des Gondoliere“ nichts zu wünschen übrig. Jobst Mahrenholz hat einen sehr angenehmen, lockeren Schreibstil, der wunderbar zur Geschichte passt. Nicht nur seine Charaktere wirken lebendig – auch Venedig mit seinen Kanälen und Brücken ist plastisch und sehr realistisch beschrieben. Man spürt auf jeder Seite das italienische Flair und merkt, wie sehr dem Autor Land und Leute am Herzen liegen. Sei es das Handwerk der Bootsbauer oder der Gondoliere, Jobst Mahrenholz gelingt es beides sehr ausführlich und glaubwürdig darzustellen. Hinzu kommt auch, dass er Gefühle und Gedanken perfekt beschreiben und mühelos die Ängste und Sorgen seiner Charaktere offenlegen kann. Sein intensiver Schreibstil fesselt von Anfang an und obwohl man bereits nach dem Prolog weiß, wie das Buch endet, kann man es nur schwer aus der Hand legen.

Fazit:
„Der linke Fuß des Gondoliere“ ist ein wundervolles, intensives Meisterwerk, das sich angenehm aus der breiten Masse der Gay Literatur heraussticht und mit authentischen Charakteren und einem stimmungsvollen Schreibstil punkten kann. Wer stille, authentische Gay Romane sucht und sich nicht vor heikleren Themen scheut, die Jobst Mahrenholz anspricht, dem sei der Entwicklungsroman „Der linke Fuß des Gondoliere“ wärmstens empfohlen.

 

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