Archiv für den Monat Februar 2015

[ANKÜNDIGUNG] Special Week mit Raik Thorstad

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In der kommenden Woche ist es soweit – die Special Week auf Like a Dream geht in die zweite Runde. Dieses Mal dreht sich die zweite Special Week rund um Raik Thorstad, die mit ihren Romanen „Zenjanischer Lotus“, „Leben im Käfig“ und „Nach der Hölle links“ bekannt geworden ist. Ab Montag werden nicht nur ihre aktuellen Bücher vorgestellt, es gibt auch ein Charakterinterview mit Steffen und Alexander aus „Zerrspiegel“, ebenso durfte die Autorin Like a Dream Rede und Antwort stehen. Zum Schluss wartet ein Gewinnspiel auf, bei der es signierte Bücher zu gewinnen gibt, ebenso dürfen die Fans zu Wort kommen und Fragen an Raik und ihre Charaktere richten.

Hier ein Überblick, was euch erwartet:
02.03.2015: Rezension „Zerrspiegel“
03.03.2015: Charakterinterview mit Steffen und Alexander
04.03.2015: Rezension „[3517] Anno Domini“
05.03.2015: Interview Raik Thorstad
06.03.2015: Gewinnspiel

Raik und ich wünschen euch viel Vergnügen 🙂

[ROMAN] Des Teufels Schreiber von Brunhilde Witthaut

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Autor: Brunhilde Witthaut
Taschenbuch:  400 Seiten
ASIN: 978-3864434525
Preis: 14,90 EUR

Story:
Frankreich 1440: Nachdem Laurent sein Dasein als frommer Mönch auf recht extreme Weise ein Ende gesetzt hat, ergattert er zufällig den Posten eines Schreibers bei dem geachteten und reichen Ritter Gilles de Rais. Im Auftrag des italienischen Priesters Prelati, einem Vertrauten de Rais, soll Laurent ein altes Grimoire abschreiben und die unleserlichen Teile wieder verständlich machen. Geblendet von de Rais Macht, dem Wissen, das in dessen Bibliothek schlummert und dem Traum mit Hilfe alchemistischer Bücher Blei in Gold zu verwandeln, beginnt Laurent mit der anspruchsvollen Aufgabe.

Doch schon bald erreichen ihn Gerüchte, dass immer wieder Kinder verschwinden und de Rais mit dem Teufel im Bunde stehen soll. Als sich das Buch immer schwerer übertragen lässt und er von Prelatis‘ Bemühungen erfährt de Rais von seinem inneren, blutdurstigen Dämon zu befreien, verlegt sich Laurent darauf Wahrsagungen zu schreiben, die auf Gerüchten und Ereignissen basieren, die Laurent zufällig in Erfahrung bringt. Schon bald verstrickt er sich immer tiefer in Probleme, denn de Rais beginnt an Laurents Prophezeiungen zu glauben – und gibt damit dem jungen Mann eine Macht in die Hand, die dieser nur schwer einschätzen kann …

Eigene Meinung:
Der historische Roman „Des Teufels Schreiber“ stammt von Brunhilde Witthaut, die unter Pseudonym schwule Krimi und Gay Romance Bücher verfasst hat. So zeigt sie sich für die „Claude Boqcuillon“-Reihe bei Gmünder verantwortlich (unter dem Namen Laurent Bach), ebenso schrieb sie als Corinna Bach „Bodyguard – Spezialauftrag Liebe“ für den Sieben Verlag. Mit „Des Teufels Schreiber“ erfüllte sie sich einen Herzenswunsch – ein Buch über den mittelalterlichen Massenmörder Gilles de Rais. Auch im vorliegenden Roman gibt es einen schwulen Nebenplot zwischen Gilles de Rais und dem Magier Fransesco Prelati, der ungefähr so viel Aufmerksamkeit erhält wie die Liebesgeschichte zwischen Laurent und der jungen Loan, die sich für den Tod ihres Sohnes an de Rais rächen will.

Inhaltlich hält sich die Autorin recht genau an die historischen Begebenheiten. Sie achtet darauf ihre Handlung in die Monate vor de Rais‘ Verhaftung anzupassen, verknüpft geschichtliche Begebenheiten mit dem Aufbau ihrer Geschichte. So sind viele Dinge, die Laurent vorhersagt oder mit Hilfe des Grimoires mitbestimmt, tatsächlich so geschehen, insbesondere der Überfall auf die Kirche am Pfingstsonntag 1440, der de Rais letztendlich das Genick bricht. Dennoch gestattet sie sich die ein oder andere künstlerische Freiheit, was sich ganz besonders an der Beziehung zwischen de Rais und Prelati zeigt, ebenso am Charakter des Magiers. Während die Aufzeichnungen beweisen, das Prelati ein grausamer, skrupelloser Mann gewesen ist, hat der Leser in „Des Teufels Schreiber“ einen sanften, liebenswerten Charakter vor Augen, der unter den Ereignissen zugrunde geht. Dies kann man natürlich ankreiden, doch es sollte klar sein, dass Brunhilde Witthaut an dieser Stelle mit den Gegebenheiten spielt und sie so abändert, dass sie zu ihrer Geschichte passen.
Diese plätschert am Anfang stark dahin, so dass man seine Mühe hat, in die Geschichte einzutauchen und sich auf die Figuren einzustellen. Die Handlung springt zu oft zwischen den Charakteren hin und her, mitunter sind Passagen enthalten, die nur wenig zum Buch beitragen. Dazu gehört leider auch die Liebesgeschichte zwischen Loan und Laurent, die der Geschichte spürbar den Schwung nimmt. Sie scheint nur enthalten zu sein, weil sie für den Sieben Verlag da sein muss. Das betrifft insgesamt auch Loan, die im Grunde überflüssig erscheint, was man daran merkt, dass sie zwischendurch gut 150-200 Seiten nicht auftaucht und für die eigentliche Handlung rund um das Grimoire überhaupt nicht mehr zum Tragen kommt.

Allgemein tut man sich schwer mit den Charakteren zurechtzukommen. Weder Laurent noch Loan sind wirklich sympathisch und gut nachvollziehbar. Bei Laurent liegt das an seinem Egoismus, seiner Arroganz und dem Unwillen, etwas zu unternehmen, obwohl er über de Rais‘ Machenschaften Bescheid weiß. Er ist durch und durch unsympathisch, so dass man ihm am Ende nicht einmal sein Happy End gönnt. Auch Loan kann nicht überzeugen – sie springt zu sehr hin und her, ihre Person ist einfach zu undurchsichtig und ihr Rachefeldzug wirkt irgendwie aufgesetzt. Auch kann man einige ihrer Reaktionen nicht nachvollziehen, ebenso Laurents Entscheidungen.
Es ist seltsam, dass dem Leser Prelati und de Rais mit am sympathischsten sind, wenn man bedenkt, welche Grausamkeiten sie verbrochen haben. Dennoch liegen Brunhilde Witthaut die beiden Männer und deren homosexuelle Beziehung mehr, als der eigentliche Protagonist.

Stilistisch gibt es nur wenig zu bemängeln – Brunhilde Witthaut hat einen soliden, sehr ausgereiften Schreibstil. Leider hat man das Gefühl, dass sie ihr Können nicht ganz ausschöpft, wenn man „Des Teufels Schreiber“ mit anderen Werken aus ihrer Feder vergleicht. Sie mag bei den Beschreibungen der Landschaft und der Menschen auftrumpfen und überzeugen, doch so recht springt der Funke nicht über. Zudem hüpft sie dieses Mal zu sehr in den Perspektiven. Der Leser bekommt vier Hauptperspektiven präsentiert (Loan, Laurent, de Rais und Prelati), ebenso die Sichtweise etlicher Nebenfiguren (der Bischoff, de Rais‘ Cousin, etc.). Mitunter wechseln die Perspektiven innerhalb weniger Sätze und auch wenn diese mit Sternchen hervorgehoben sind, fällt es zunehmend störend ins Gewicht. Man kann sich schwer auf eine Person konzentrieren, zumal die Geschichte nicht unbedingt kontinuierlich erzählt wird. Hier wäre es zwingend notwendig gewesen, sich auf wenige Figuren zu konzentrieren, um diese besser kennenzulernen.
Leider schleichen sich zum Ende hin auch zunehmend Rechtschreibfehler ins Buch, was sehr schade ist.

Fazit:
„Des Teufels Schreiber“ ist ein spannenden, ambitioniertes Buchprojekt, das leider nicht komplett überzeugen kann. Am meisten schaden die Figuren Laurent und Loan dem Buch, da diese zu ungreifbar und unsympathisch sind, und man ihre Beweggründe und Reaktionen nur schwer nachvollziehen kann. Die künstlerische Freiheit, die sich Brunhilde Witthaut bei der Bearbeitung des historischen Grundthemas nimmt, ist Geschmackssache, doch es gelingt ihr ihre Charaktere mit den realen Persönlichkeiten zu verknüpfen und eine eigene Geschichte zu schreiben, die sich eng an die historischen Begebenheiten hält. Da es dennoch stilistische Mängel gibt und das Ende doch sehr übereilt erscheint, kann ich nicht mehr als 3 Sterne geben. Schade, da hätte man mehr herausholen können.

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Kazé goes Boys Love

Hallo in die Runde,

zwar ist es noch etwas früh für die neuen Programmankündigungen der Mangaverlage, doch das hält Kazé Mange nicht davon ab eine komplett neue Schiene zu starten. Nachdem sie bisher nur die 2-bändige Mangaserie „Trau dich!“ herausgebracht hat, wurden nun gleich 5 Einzelbände angekündigt, sie unter dem Begriff 5 Shades of Pink auf den deutschen Markt kommen sollen. Unter den Zeichnern befinden sich alte Der BodyguardBekannte, aber auch einige Mangakas, die bisher noch nicht in Deutschland debütiert haben.

Hier die Übersicht des neuen Programms:

Der Bodyguard (Oktober 2015, 6,95 €)
Seinen besten Freund Chihiro – Erbe einer sehr reichen Familie – als Bodyguard zu beschützen, ist eine Sache. Das kann Akira gut. Aber sich selbst vor Chihiros Gefühlen zu schützen, geschweige denn vor seinem eigenen Gefühlschaos, das ist was anderes …

Konbini-kunKonbini-kun (November 2015, 6,95 €)
Weil er auf Jungs steht, hat Hiroshi an seiner Schule nicht wirklich viel zu lachen gehabt. Am Ende wurde das Mobbing so schlimm, dass er die Schule abbrach und sich nur mehr in seinem Zimmer verkroch. (‘;ω;‘) Nach einjähriger Isolation ziehen seine Eltern die Reißleine und besorgen ihm einen Job im Laden seines Onkels. Dort kommt er allerdings auch nicht wirklich zurecht. Hiroshis Schüchternheit bringt seinen aufbrausenden Kollegen Kohei nämlich regelmäßig auf die Palme. Aber wer weiß, vielleicht ist Hiroshi doch noch irgendwie Catch my HeartSelbstvertrauen einzuflößen …

Catch my Heart (Dezember 2015, 6,95 €)
Der gut aussehende, aber schräge Senri trifft an der Schule seines kleinen Bruders zufällig auf seinen ehemaligen Lover Yohei. Früher war der ein hundsmiserabler Schüler, aber inzwischen hat er es offenbar zum Kunstlehrer gebracht. Senri staunt nicht schlecht, dass aus Yohei doch noch etwas geworden ist. Als er die Leidenschaft von damals spürt, beschließt er, seine alte Liebe neu zu verführen …

Friends & LoversFriends & Lovers (Januar 2016, 6,95 €)
Arima ist ein Bücherwurm, der besonders auf Boys-Love-Manga steht. Theoretisch kennt er sich dank der Liebeslektüre also bestens mit der Materie aus. Aber praktisch gesehen hat er keine Erfahrung. Als er den bisexuellen Stylisten Shiiba kennenlernt, bietet sich die Gelegenheit, das Gelesene in die Tat umzusetzen. Sein anfängliches Bauchkribbeln entwickelt sich schon bald in ein Schwert und Bogenregelrechtes Gefühls-Erdbeben.

Mit Schwert und Bogen (Februar 2016, 6,95 €)
Der warmherzige Meio aus dem Kendo-Club und der angriffslustige Shuya aus dem Bogenschieß-Club sind ein Liebespaar. Aber weil Shuya immer so hochnäsig ist, hat Meio sich vorgenommen, ihm endlich mal die Hosen runterzuziehen und klarzustellen, wer hier das Sagen hat. Also lädt er Shuya  zu sich in den Kendo-Club ein, wo er bereits eine kleine Überraschung für seinen Freund vorbereitet hat …

Man darf gespannt sein, wie sich das Programm von Kazé zukünftig entwickelt und welche Mangas demnächst noch angekündigt werden.

[ROMAN] Ein Lied von Traurigkeit von Kathrin Schachtschabel

Autor: Kathrin Schachtschabel
Taschenbuch:  152 Seiten
ASIN: B00SFIW9H6
Preis: 2,99 EUR

Story:
Für den knapp 60-jährigen Opernsänger Jürg Moretti bricht eine Welt zusammen, als er nach einer ärztlichen Routineuntersuchung die Hiobsbotschaft Lungenkrebs erhält. Man macht ihm Hoffnungen die Sache gut zu überstehen, da die Krankheit früh entdeckte wurde und es gute Heilungschancen gibt. Allerdings bedeutet dies für Jürg vorerst keine Auftritte mehr, ebenso muss er sich das Rauchen abgewöhnen. Es seinem Lebensgefährten Volker und dem Freundeskreis zu erzählen fällt ihm noch schwerer, da er selbst Angst vor der Zukunft hat. Als er endlich dem Krebs den Kampf ansagt und die Operation verhältnismäßig gut übersteht, türmen sich weitere Probleme vor Jürg auf: Kann er je wieder singen? Wird seine Beziehung zu Volker die Belastung überstehen? Und hat er überhaupt eine Chance auf ein normales Leben?

Eigene Meinung:
„Ein Lied von Traurigkeit“ stammt von der deutschen Autorin Kathrin Schachtschabel, die sowohl im Kinder- und Jugendbuchbereich unterwegs ist, als auch Romane für Erwachsene veröffentlicht. Das vorliegende Buch fand, trotz positiven Feedbacks, kein Verlagsinteresse, so dass die Autorin es 2015 im Selfpublishing herausbrachte. Einen Einblick in den Entstehungsprozess von „Ein Lied von Traurigkeit“ ist geplant und soll 2015 ebenfalls als eBook erscheinen.

Mit knapp 150 Seiten ist „Ein Lied von Traurigkeit“ eher einer Novelle und dementsprechend schnell lässt sich die Geschichte von Jürg Moretti lesen. Eingebettet zwischen zwei kurzen Passagen aus Sicht der Ärztin, lernt man Jürg kennen und erfährt seinen Leidensweg von Anfang bis Ende. Schon nach den ersten Seiten ist klar, dass das Buch für Jürg kein gutes Ende nimmt – zu offensichtlich ist die unterschwellige Botschaft, die zwischen den Zeilen mitschwingt. Daher ist das Buch nur bedingt für Leute geeignet, die sich schon einmal gegen Krebs zur Wehr setzen mussten, oder sogar jemanden verloren haben, denn Kathrin Schachtschabel nimmt kein Blatt vor den Mund. Schonungslos beschreibt sie den Verfall ihres Protagonisten, das ewige Auf und Ab je nachdem in welchem Stadium sich Jürg befindet. Man kann vermuten, dass die Autorin selbst Erfahrungen mit der Thematik gemacht hat und diese in ihrem Roman verarbeitet. Aus diesem Grund sind die Figuren sehr realistisch und greifbar, die Geschichte berührend und einprägsam. Dass sie sich einen schwulen Opernsänger ausgesucht hat, mag verwundern, doch es gelingt ihr sehr gut, sich in Jürg Moretti hineinzuversetzen und alles aus seiner Perspektive zu erzählen.

Aufgrund der Beziehung zwischen Volker und Jürg erinnert das Buch durchaus an „Im Zimmer wird es still“ von Jana Walther, die sich ebenfalls für die Thematik Krebs entschieden hat, sich jedoch in diesem Zusammenhang darauf konzentriert das Zusammenspiel ihrer Figuren darzustellen. Kathrin Schachtschabel lässt diesen Aspekt nur am Rande mitschwingen, da sie einen anderen Schwerpunkt gewählt hat. Dies ist nicht unbedingt verkehrt, doch mit der Zeit vermisst man die Interaktion der Charaktere, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Jürg todkrank ist.

Stilistisch ist „Ein Lied von Traurigkeit“ zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch mit der Zeit kann man sich problemfrei hineindenken. Die Novelle ist aus Jürgs Sicht geschrieben, so dass man vorwiegend seine Gedanken, Gefühle und Sorgen mitbekommt. Man erhält einen tiefen Einblick in seine Welt, seine Träume und Wünsche. Man erfährt hautnah, was ihm Musik bedeutet und wieviel ihm am Singen liegt. Kathrin Schachtschabel bringt diesen Punkt ebenso überzeugend zu Papier, wie die Beziehung zwischen Jürg und Volker. Die Darstellung des Krankheitsverlaufs und der vielen Maßnahmen, die ergriffen werden um den Opernsänger zu retten, sind ebenfalls gut dargestellt.

Fazit:
„Ein Lied von Traurigkeit“ ist eine emotionale, ergreifende und tiefgründige Geschichte, die noch lange nachwirkt. Die Thematik Krebs ist sicherlich nicht angenehm und es fällt schwer den Protagonisten auf seinem Weg zu begleiten. Doch Kathrin Schachtschabel gelingt es zu berühren und mit ihren liebenswerten, realistischen Charakteren zu überzeugen. Wer „Im Zimmer wird es still“ mochte, dem wird auch „Ein Lied von Traurigkeit“ gefallen – es ist ein kleines, stilles Werk, das sich zu lesen lohnt.

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[ROMAN] Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums von Benjamin Alire Sáenz

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Autor: Benjamin Alire Sáenz
Taschenbuch:  348 Seiten
ISBN: 978-3522201926
Preis: 16,99 EUR
Bestellen: Amazon

Story:
Der 15-jährige Mexikaner Aristoteles, kurz Ari, ist ein Einzelgänger, kann nicht gut mit Worten umgehen, wird von Selbstzweifeln geplagt und vermisst seinen Bruder, der im Gefängnis sitzt und den seine Familie totschweigt. Im Gegenzug dazu ist der gleichaltrige Dante offen, selbstsicher, weiß wie man sich ausdrückt und hat eine Vorliebe für Kunst und Poesie. Als die beiden unterschiedlichen Jungen sich im Schwimmbad kennenlernen, entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihnen, die nicht einmal abreißt, als Dante für mehrere Monate nach Chicago zieht und schließlich bemerkt, dass er homosexuell ist und sich zu Ari hingezogen fühlt …

Eigene Meinung:
„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ stammt aus der Feder des mexikanischen Autors Benjamin Alire Sáenz, der u. a. Kreatives Schreiben an der texanischen Universität in El Paso unterrichtet, das an der Grenze zu Mexiko liegt und auch Handlungsort des vorliegenden Jugendbuches ist.

Der Roman spielt Ende der 80er Jahre in El Paso und greift unterschiedliche Themen auf, die der Autor sehr überzeugend in Szene setzt: das Erwachsenwerden zweier Jungen, Homosexualität, Familiengeheimnisse, Nachwirkungen des Vietnamkrieges (Aris Vater ist Kriegsveteran) und Selbstfindung. Glücklicherweise wirkt das Buch an keiner Stelle überladen, da Benjamin Alire Sáenz die meisten Probleme sehr gefühlvoll angeht und sich mit Erklärungen Zeit lässt. So braucht Ari sehr lange, um zu begreifen, was er wirklich will und auch seine Eltern machen es ihm nicht leicht, wenn es darum geht langgehütete Familiengeheimnisse offen zu legen. Dafür sind gerade die Gespräche zwischen Ari und Dante sehr lebendig, und das obwohl sie eher knapp gehalten sind. Der Autor hat ein Händchen dafür Dinge auf den Punkt zu bringen, was auch daran liegt, dass Ari kein Händchen für Worte hat und seine eigenen Gefühle nur schwer verstehen kann.

Neben der gut erzählten Geschichte, die vor allem durch wunderschöne, poetische Dialoge und Aris Kampf mit sich selbst besticht, können auch die Charaktere überzeugen. Ari und Dante sind sehr realistisch und verhalten sich wirklich so, wie Jugendliche in dem Alter: mal glücklich, mal leidend, unsicher, widersprüchlich und unberechenbar. Sie stehen an der Schwelle zum Erwachsensein, ohne wirklich zu verstehen, was das bedeutet und ohne etwas gegen die Veränderungen ausrichten zu können, denen sie unterworfen sind.
Da das Buch aus Aris Sicht erzählt ist, sieht man die Welt durch seine Augen, erlebt, was er erlebt und lernt ihn dabei kennen. Er betrachtet seine Umgebung eher nüchtern und ist nur selten in der Lage anderen seine Gedanken und Gefühle mitzuteilen. Dies sorgt dafür, dass es kaum Beschreibungen gibt und man sich Aris Welt nur bedingt vorstellen kann, doch es passt zu seiner spröden, unsicheren Natur.
Im Gegenzug dazu ist Dante offener und lebensfroher, was man an seinen Worten merkt und der Art, wie er mit Problemen umgeht. Natürlich lernt man ihn dank Ari auf eine eher nüchterne Art kennen, doch man schließt ihn ebenso schnell ins Herz, wie den Erzähler der Geschichte.
Neben den beiden Jungs bleiben dem Leser auch die Eltern in Erinnerung, die maßgeblich dazu beitragen, dass die Geschichte zum Ende hin noch die ein oder andere unerwartete Wendung nimmt. Sowohl Dantes Eltern, als auch Aris sind sehr sympathisch du liebenswert, wenngleich natürlich beide Familien mit ihren Dämonen zu kämpfen haben. Besonders Aris Mutter ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, da sie es ist, die Ari den Stoß in die richtige Richtung gibt.

Stilistisch ist „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, was an der klaren, schlichten Sprache des Autors liegt. Mit knappen Sätzen, wenig Beschreibungen und kurzen, einfachen Dialogen, gelingt es dem Leser nicht sofort einzusteigen. Erst nach einer Weile ist man in der Geschichte und begreift, warum der Stil so kurz und prägnant gehalten ist: Er entspricht Ari, der sich nicht gut ausdrücken kann und oftmals keine Worte findet. Benjamin Alire Sáenz hat sich seinem Protagonisten komplett angepasst, was dafür sorgt, dass man sich vollkommen in Ari hineinversetzen kann, seine Ängste und Sorgen versteht und die Ereignisse aus seinen Augen sieht.
Dies ist unheimlich gut gelungen, da der Autor Platz für das Wesentliche schafft und sich nicht mit langen Umschreibungen aufhält. Er kommt direkt zur Sache, da die Dialoge das wichtigste Element des Romans sind. Sie vermitteln die Handlung und machen „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ zu einem besonderen Jugendbuch.

Fazit:
„Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ ist ein gelungenes, sehr tiefgängiges Jugendbuch über Offenheit, Selbstfindung und Akzeptanz, das vor allem durch ausgefeilte Dialoge und eine ruhige, in sich stimmige Geschichte besticht. Benjamin Alire Sáenz ist ein wundervolles Buch über das Erwachsenwerden zweier Jungen gelungen, die unterschiedlicher nicht sein können und doch die Geheimnisse des Universums auf ihre ganz eigene Art entdecken. Der Stil mag recht schlicht sein, doch er passt perfekt zu Ari und lässt ihn dem Leser noch lebendiger erscheinen.

Wer ungewöhnliche Jugendbücher zum Thema Homosexualität sucht, sollte sich „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ nicht entgehen lassen – es lohnt sich.

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