[ROMAN) Das Vermächtnis des Unbekannten von Marc Weiherhof

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Autor:
Marc Weiherhof
Taschenbuch:  220 Seiten
ISBN: 978-3863613884
Preis: 15,50 EUR

Story:
Silvan Becker hat alles, was man sich wünschen kann – Geld, Erfolg und zwei entzückende Kinder, die ihm alles bedeuten. Er ist beliebt, wird von der High Society geschätzt und auch die Presse schätzt den sympathischen Geschäftsmann. Lediglich ein fester Partner fehlt in seinem Leben und als den Maler Jan kennenlernt, scheint er am Ziel zu sein. Leider entpuppt sich die vermeintlich große Liebe als Profikiller der mexikanischen Mafia, dessen Auftrag es ist Silvans Kinder zu entführen. Als die beiden tatsächlich verschwinden, setzt Silvan alles daran, sie zurückzuholen – und legt sich dabei nicht nur mit dem Don des mexikanischen Verbrechersyndikats an, sondern schafft sich auch einen Feind, der noch für etliche Probleme sorgt …

Eigene Meinung:
„Das Vermächtnis des Unbekannten“ ist der Debütroman des Autors Marc Weiherhof und erschien im Sommer 2014 beim Himmelsstürmer Verlag. Inzwischen sind weitere Projekte i Arbeit, im Frühjahr 2015 soll mit „Der Pakt“ der zweite Roman des Autors erscheinen.

Inhaltlich wird der Roman als Sex & Crime beworben, sprich es geht etwas actionreicher und spannender zur Sache. Leider geht mit der ganzen Spannung und Dynamik auch eine gewaltige Portion Unlogik einher, die das Lesevergnügen deutlich schmälert. Sei es die Tatsache, dass Silvan von jetzt auf gleich gegen Profikiller, Berufsverbrecher und Soldaten ankommt, ohne im Vorfeld eine entsprechende Ausbildung absolviert zu haben, oder auch die vielen Unstimmigkeiten innerhalb der Persönlichkeiten der Charaktere. Die Geschichte wirkt unrund, unstimmig und an einigen Stellen arg an den Haaren herbei gezogen. Man kann viele Aktionen und Dinge nicht mehr nachvollziehen, was natürlich der Spannung abträglich ist.

Insgesamt wirkt „Das Vermächtnis des Unbekannten“ sehr wie ein Hollywood-Selbstjustiz-Krimi, in der der Familienvater alles daran setzt, um seine Kinder aus den Fängen des Bösen zu befreien. Das ist vielleicht kein schlechtes Grundthema und hätte spannend und facettenreich aufgebaut werden können, doch leider gelingt es dem Autor nicht die Geschichte kontinuierlich zu erzählen und einen fesselnden Spannungsbogen zu beschreiten. Zu oft stolpert man über die Unstimmigkeiten und Plotlöcher, über die man wirklich nicht mehr hinwegsehen kann.

Neben der unausgegorenen Handlung sind die Charaktere eines der Negativpunkte des Buches – sie sind zum größten Teil unglaubwürdig, unrealistisch und ungreifbar. Allen voran Silvan, der eher wie eine Gary Sue anmutet, da er zu perfekt daher kommt und ihm nahezu alles gelingt: er ist der erfolgreiche Geschäftsmann, der tolle Familienmensch, der beliebte Arbeitgeber und großzügiger Spender. Es gibt nahezu nichts, was er nicht kann, so dass er natürlich auch mehrfach gegen Profikiller und Berufsverbrecher besteht und von einem Softie zu Rambo mutiert, um seine Kinder zu retten. Ich sehe ja ein, dass man in Extremsituationen über sich hinauswächst, aber bei Silvan wurde das doch arg übertrieben. Selbst als er verprügelt und verletzt ist, gelingt es ihm noch seine Widersacher auszumerzen. Hier wurde eindeutig zu dick aufgetragen: Silvan fehlen menschliche Schwächen, denn niemand ist so perfekt. Dafür handelt er mitten im Buch ziemlich out-of-character, als er sich auf seine Art an Jan rächt.
Auch die anderen Figuren sind leider nicht besser – Jan, der seinen Beruf als Profikiller leid ist und sich gegen Silvan entscheidet, obwohl er sich in diesen verliebt. Greiner ist ebenfalls so eine Figur, die nur bedingt logisch handelt und zu oft Dinge tut, die ein Ex-Elite-Soldat mit Sicherheit nicht getan hätten. Die Kinder sind niedlich, mit der Zeit aber ein wenig nervig, insbesondere da sie scheinbar keinerlei Trauma von der Entführung davontragen und viel zu schnell in ihr gewohntes Leben zurückfallen. Dies trifft auch auf Silvan zu, der binnen kürzester Zeit zum Tagesgeschäft zurückkehrt, was (nach allem, was er getan und erlebt hat), nun wirklich unverständlich ist.

Stilistisch liefert Marc Weiherhof gewöhnungsbedürftige Kost. Das liegt vor allem daran, dass er einen sehr direkten, zusammenfassenden Schreibstil hat. Sowohl die Actionszenen, als auch die Dialoge und Beschreibungen sind stark gekürzt und lassen keine wirkliche Atmosphäre aufkommen. Einzig die etwas statisch verfassten Erotikszenen sind ausführlicher gehalten, was jedoch in diesem Buch eher störend auffällt. Man kann sich einfach nicht in die Figuren hineindenken, kann viele Dinge nicht nachvollziehen und kommt bei aller Action kaum noch hinterher. Marc Weiherhof hätte sein Hauptaugenmerk mehr auf den Kriminalfall legen und sich eigehender mit der Entführung beschäftigen sollen, um Spannung aufzubauen. So verschenkt er eine Menge und kann letztendlich leider nicht überzeugen.

Fazit:
„Das Vermächtnis des Unbekannten“ kommt leider nicht an die Erwartungen heran, die man aufgrund der Reihe „Sex & Crime“ an das Buch stellt. Die Handlung ist zu sehr an den Haaren herbeigezogen, die Charaktere sind zu unglaubwürdig und der Schreibstil zu hölzern und stockend, um den Roman wirklich genießen zu können. Schade – aus dem Thema hätte man mehr machen können. Leider nicht zu empfehlen.

 

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Veröffentlicht am 19. Dezember 2014 in 1 Stern, Gay, Krimi, Rezensionen und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

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