[BIOGRAFIE] Ein gutes Leben ist die beste Antwort von Friedrich Dönhoff

Autor: Friedrich Dönhoff
Taschenbuch:  176 Seiten
ISBN: 978-3257069020
Preis: 19,99 EUR

Story:
Gerald B. Rosenstein, genannt Jerry, ist 86 Jahre alt und einer der letzten Zeitzeugen des Holocausts. Als 15-jähriger Jude überlebten sein Vater und er mit viel Glück Auschwitz und fanden zusammen mit Jerrys Mutter in den USA eine neue Heimat. In San Francisco erkämpfte er sich zudem finanzielle und sexuelle Freiheit, hatte er es doch aufgrund seiner Homosexualität nicht immer leicht. Er blickt auf ein bewegtes Leben hinter sich, das er gemeinsam mit dem Autoren Friedrich Dönhoff aufarbeitet, als sie 2013 mit dem Auto die Städte und Orte aufsuchen, in denen Jerry seine Kindheit und Jugend verbracht hat …

Eigene Meinung:
Mit der Biografie „Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ legt der Diogenes Verlag das Portrait eines beeindruckenden Mannes vor: eine Lebensgeschichte, die unter die Haut geht. Friedrich Dönhoff, Autor und Begleiter des 86-jährigen Jerry Rosenstein, verfasste bereits mehrere Biographien und schrieb den Bestseller „Die Welt ist so, wie man sie sieht – Erinnerungen an Marion Dönhoff“. Zudem ist er für deine Kriminalromane um den jungen Kommissar Sebastian Fink bekannt.

Zwischen Jerry Rosenstein und dem 45-jährigen Friedrich Dönhoff liegen zwei Generationen, als sich die beiden kennenlernen und 2013 gemeinsam von Amsterdam (wo Jerry in direkter Nachbarschaft mit Anna Frank lebte) aus die Orte bereisten, in denen Jerry aufgewachsen ist. Dabei berichtet Jerry Rosenstein, wie er als Jude in Deutschland, später Holland, aufwuchs und nach und nach die Auswirkungen von Hitlers Übernahme und seinem selbsterklärten Krieg gegen die „Nicht-Arier“ miterlebte. Auch von seinen Erlebnissen in Auschwitz, dem mühsamen Weg ins Leben zurück und dem Neustart in Amerika erzählt er und gibt dem Leser einen Einblick in eine unvorstellbar grausame, menschenverachtende Zeit und in das schwierige Leben danach. Es ist bewundernswert, dass Jerry Rosenstein nie seinen Lebensmut verloren hat, sich entschieden hat, glücklich zu sein und bereit ist, zu vergeben.

Seine Geschichte ist berührend und erschütternd, aber auch lebensbejahend und aufmunternd, denn Jerry Rosenstein hat sich nie unterkriegen lassen – egal ob als Jude im Dritten Reich oder als Homosexueller im Amerika der 50er/60er Jahre. Er hat seine eigene Antwort gefunden: ein gutes Leben zu führen, das nur ihm gehört und sich selbst nie zu verraten.

Friedrich Dönhoff begleitet den Holocaust-Überlebenden auf seiner Reise, hört zu und schreibt einen Teil von Jerrys Erzählungen auf. Daher wechseln sich im Buch die beiden Zeitebenen ab – mal begleitet man die beiden Freunde auf ihrem Weg durch Amsterdam, Darmstadt oder Bensheim, mal berichtet Jerry aus der Zeit des Holocausts, seinen Erlebnissen in den unterschiedlichen Lagern und Auschwitz. Hierbei wird nicht explizit beschrieben, welche unvorstellbaren Grausamkeiten die Menschen erleiden mussten, sondern nur einige Dinge herausgegriffen, die Jerry wichtig waren. Auf diesem Weg lernt man ihn sehr genau kennen, wenngleich er zum Leser immer eine gewisse Distanz wahrt und nie zu viel von seinen Gefühlen offenbart.

Dennoch sind gerade die Passagen, die sich Jerrys Vergangenheit widmen, sehr dicht und tiefgehend. Man kann sich zwar immer noch nicht vorstellen, wie extrem die damalige Zeit gewesen ist, doch man bekommt einen Eindruck der Ereignisse, der erschreckend genug ist. Den Rest kann man in unzähligen Sachbüchern nachlesen, in „Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ geht es um Jerrys Leben. Dementsprechend intensiv erlebt man die schrecklichen Ereignisse aus seiner Sicht, was den Vorteil hat, dass man den Roman schwer aus der Hand legen kann und zeitgleich den Nachteil, dass die Passagen aus der Gegenwart den Lesefluss fast ein wenig stören.

Wie wichtig diese Biografie ist, zeigt sich am Ende des Buches, als eine Frau auf Jerry Rosenstein zutritt und fragt, ob es Auschwitz wirklich gegeben hat. „Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ ist ein Buch gegen das Vergessen und bietet einen Einblick in ein außergewöhnliches Leben.

Teilweise hätten die Einblicke in Jerrys Vergangenheit umfangreicher ausfallen können, doch die Kürze der einzelnen Passagen und der geringe Gesamtumfang der Biografie, fallen nicht weiter ins Gewicht. Friedrich Dönhoffs klare, präzise und doch einfühlsame Sprache geht unter die Haut und sorgen dafür, dass man lange über Jerrys Leben und die Botschaft, die am Ende des Buches mitschwingt, nachdenkt. Positiv ist, dass der Autor nur erzählt und schildert, nicht wertet oder gar seine eigene Meinung präsentiert. So muss sich der Leser selbst entscheiden, wie er Jerry Rosensteins Biografie zu werten hat und welchen Nutzen er nach dem Lesen für sich aus dem Roman zieht.

Fazit:
„Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ ist ein sehr bewegendes, tiefgründiges Buch, das zum Nachdenken anregt und das man unbedingt lesen sollte. Mit viel Feingefühl erzählt Friedrich Dönhoff die Geschichte von Jerry Rosenstein, einem der letzten Überlebenden des Holocausts. Ein beeindruckendes, lebensbejahendes Zeitportrait, das berührt. Zu empfehlen.

Diese Rezension erschien zuerst auf dem Rezensionsportal “Splashbooks“.

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Veröffentlicht am 29. Oktober 2014 in 5 Sterne, Biografie, Drama, Gay, Historischer Roman, Rezensionen und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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