[ROMAN] Durchgeknallt im Märchenwald von Barbara Meering

Autor: Barbara Meering
Taschenbuch: 164 Seiten
ISBN: 978-3939727217
Preis: 6,90 EUR

Story:
Es waren einmal…
Schneewittchen ohne ihren Prinzen, Rapunzel ohne Haare und Gretel ohne Hänsel.
Zickenkrieg im Märchenwald, eine zarte Liebe unter Frauen, die üblichen Giftmord-Anschläge mit überraschenden Wendungen, und Zivilisierungsversuche an den sieben Zwergen.
So ein Auszug aus dem Klappentext.

Eigene Meinung:
Die Rezeptur ist bekannt und denkbar einfach. Man nehme ein paar Grimm-Prinzessinnen/ Protagonistinnen und führe sie auf ihrer Flucht vor ihrem jeweiligen persönlichen Nemesis in der Verwalterhütte eines Herrn Wolf zusammen, dessen etwas verwilderte Arbeiter – sieben an der Zahl – in einer Silbermiene schürfen.

Schneewittchen, Rapunzel, Hänsel und Gretel, Brüderchen und Schwesterchen, Rotkäppchen, Die sieben Raben, Das Tapfere Schneiderlein, Tischlein deck‘ dich, Die Bremer Stadtmusikanten und Rumpelstilzchen finden sich in der Mixtur wieder.
Protagonistin Witta (Schneewittchen) ist Prinzessin, auf dem College, so hochnäsig, dass es reinregnet und hat kaum mehr Verstand und Seele als eine Schaufensterpuppe. Ständig erinnert sie in ihrer zickigen Art an Cher, die Protagonistin aus „Clueless“, aber es lassen sich auch haufenweise anderer Querverbindungen zu amerikanische Streifen in dem Stil ziehen. Wenigstens war ich die meiste Zeit versucht, sie mit den gedruckten Buchstaben zu erschlagen.
Punzel (Rapunzel) ein wegen des Mietrückstands und mangelnder sexueller Alternativen geflohener Punk (eine Punkette), die ihr Haar für die Flucht aus dem Turm ihres weiblichen Vormunds Frau Gothél gebraucht hat. sie sieht punkig aus, ist es aber eher nicht.
Gretel (der Hänsel – dank seiner etwas schrägen sexuellen Gelüste – abhandengekommen ist) gehört zu einer Gang und ist im Wald mittelmäßig aufgeschmissen weil sie den Orientierungssinn einer „einäugigen blinden Fledermaus“ (sorry wegen des Zitats aus „Tanz der Vampire“) besitzt. Letzte im Bund der Weiberwirtschaft ist Lina, die ihren Nemesis bereits erledigt hat. Lina dürfte aus dem Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ letztere sein. Sie ist der einzig mysteriöse Charakter und – in Andeutungen – die wahrscheinlich mächtigste Hexe im gesamten Umfeld.

Die anderen Gestalten tragen zum schwergänigen, zähen Teil des Buches bei- Alle Zwerge haben zwar sehr klar gezeichnete Eigenheiten die sie zu den üblichen Bauarbeitern/ Tagelöhnern machen, aber in ihrer Gesamtheit sind sie leider extrem stereotyp. Das trifft auch auf die Gegnerinnen zu. Frau Gothél (Punzels Albtraum im Kleid) und Edelgard (Wittas Stiefmama) sind austauschbar. Nur dass sie eine sich in Sack und Leinen und die andere in Prada und Gucci – sorry – TS (Tapferes Schneiderlein) zu kleiden Pflegt.
Einzige Überraschung – die Pfefferkuchenhaus-Hexe (Hänsels feuchter Traum).

Alles in allem klingt die Zusammenstellung krude, was sie letztlich trotz des bekannten Verlaufs von „Schneewittchen“ noch immer ist.
Witta bleibt an der sexy blonden Punkette hängen, was auch in den Szenen zwischen dem Sex sehr deutlich wird (und Hut ab vor der Ausdauer mit der die Mädels sich in Wittas Bett wälzen). Gretel und Lina verlieben sich ineinander, obwohl vorher immer deutlicher wird, dass Lina und ihr „Bruder“ eine stark inzestuöse Beziehung pflegten.
Und Hänsel als einzige „Hete mit Happy End“ bekommt sein Hexchen.
Das stolze Umdenken der zickigen Witta zu einer klugen jungen Frau geschieht beim hochhackigen Showdown auf dem sonnenbeschienen Platz vor der Verwalterhütte von einem Ansatz zum nächsten.

Das Buch hat mit 163 Seiten, dem Daumenkino und dem Großdruck eigentlich gar nicht so viel Platz, aber dennoch zieht es sich immer, wenn es um die Zwerge geht und die Kalauer noch weiter abflachen.

Das Cover zeigt Punzel und Witta, aber so stellt man sie sich beide anhand der Beschreibungen nicht vor (insbesondere das Cabrio nicht). Wie alle Accessoires aus Wittas beständen ist auch der Wagen weiß. Punzel hat eigentlich nur noch einen Stoppelkopf (Kahlschlag) mit Stirnfransen und von Wittas Kleidchen wird in den ausufernden Kostümbeschreibungen auch nichts erwähnt. Dennoch sind die Illus gut gemacht.
Wegen der Zeichnungen, Lina und dem Stoppelkopf noch 1,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 11. Oktober 2014 in 1 Stern, Comedy, Fantasy, Lesbian, Novelle, Rezensionen und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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