[ROMAN] Mehr als das von Patrick Ness

mehr als das

Autor: Mehr als das
Taschenbuch: 512 Seiten
ISBN: 978-3570162736
Preis: 17,99 EUR

Story:
Der 17-jährige Seth sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben – sein jüngerer, geistig labiler Bruder Owen steht im Zentrum der Aufmerksamkeit seiner Eltern und seine große Liebe Gudmund musste auf eine andere Schule wechseln, nachdem die Beziehung zwischen Seth und ihm bekannt geworden ist. Doch sein Versuch sich im Meer zu ertränken, endet für Seth anders als erwartet: er wacht vor dem Haus auf, in dem er vor knapp 10 Jahren mit seiner Familie gelebt hat, in einer vollkommen leeren Welt, in der es nichts mehr gibt außer ihm.

Vollkommen auf sich gestellt, ergründet er nach und nach seine ganz persönliche Hölle, in der er sowohl von den schönsten, als auch von den schlimmsten Erinnerungen träumt. Als Seth auf den 12-jährigen Thomasz und die gleichaltrige Regine trifft, die von dem seltsamen Unding gejagt werden, erfährt er nach und nach mehr über die Welt und kommt mit seinen neuen Freunden einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur …

Eigene Meinung:
Der Jugendroman „Mehr als das“ stammt von dem bekannten, amerikanischen Autor Patrick Ness, der bereits mit seinem Jugendbuch „Sieben Minuten nach Mitternacht“ für Furore gesorgt und mehrere Preise abgeräumt hat. Das Buch erschien erstmals 2013 unter dem Titel „More Than This“ und geht mehr in die Richtung dystopisches Jugendbuch, das sich dem Leser als eine Mischung aus „Matrix“ und „Inception“ präsentiert.

Dementsprechend düster und unheimlich ist das Ausgangsszenario, mit dem Patrick Ness seinen Helden Seth konfrontiert – einer schmutzigen, verstaubten Welt, in der es nichts gibt: keine Menschen, keinen Strom und mit Ausnahme einiger Tiere keinerlei Leben. Erst nach und nach erfährt man mehr, entdeckt zusammen mit Seth diese seltsam fremdartige Stadt und spekuliert ähnlich wie er, was überhaupt vorgefallen ist. Erst als Regine und Tomasz auftauchen und viele Dinge etwas klarer werden, erkennt man, was wirklich passiert und wo Seth überhaupt gelandet ist. Dennoch verzichtet Patrick Ness auf umfangreiche Erklärungen oder weitreichende Erläuterungen, um die gesamten Hintergründe aufzurollen. Sein Ziel ist es nicht eine actiongeladene, spannungsintensive Abenteuergeschichte, wenngleich er nicht an Kampfszenen mit dem Unding und einer Menge unheimlicher Szenen spart. Stattdessen begleitet der Leser Seth auf einer Reise zu sich selbst, begleitet ihn auf seinen Weg sich und seine Umwelt komplett neu zu definieren. Dazu gehören sowohl seine Träume als auch die Gespräche mit Regine und Tomasz.

Damit geht „Mehr als das“ fast schon in die philosophische Richtung und regt zum Nachdenken an, zumal man sich zum Ende hin (trotz Erklärungen) nicht sicher sein kann, ob Seth die Wahrheit erfahren hat, oder ob sich hinter all dem mehr verbirgt. Patrick Ness präsentiert dem Leser keine Antworten auf dem Silbertablett – weswegen sein Buch durchaus abgeschlossen ist, aber dennoch offen endet – man muss sich seine eigenen Gedanken machen.

Die Charaktere, die Patrick Ness in seinem Buch zum Leben erweckt sind die typischen Jugendlicher unserer heutigen Zeit. Seth ist hierbei eher ein in sich gekehrter Junge, der sich teilweise nicht so gut ausdrücken kann, teilweise eher das schlechte in einem Menschen sieht. Dennoch ist er authentisch und gut nachvollziehbar. Auch seine Homosexualität ist gut eingebunden und wirkt weder künstlich noch aufgesetzt. Sie ist auch nicht Mittel zum Zweck, sondern gehört zu Seth.
Auch das schwarze Mädchen Regine mit ihrer manchmal etwas brüsken Art und der aufgeweckte Pole Tomasz, der selten den Mund halten kann, sind tolle Charaktere, die einen guten Gegenpol zu Seth abgeben. Sie passen gut in das Gesamtkonzept und sind dem Leser sehr sympathisch, wenngleich Tomasz manchmal etwas älter wirkt, als er eigentlich ist.

Das Unding ist ein toller Kontrahent, den man allerdings nur schwer greifen kann. Über ihn erfährt man nur wenig. Zumeist sind es eher Vermutungen, die die Existenz des seltsamen Lebewesens erklären. Er steht sinnbildlich durchaus für das Geheimnis, dem Seth, Regine und Tomasz auf die Spur kommen, ohne dass es näher erläutert wird. Wie schon bei den Hintergründen muss sich der Leser zum Unding seine eigenen Gedanken machen.

Stilistisch lässt sich „Mehr als das“ gut lesen. Patrick Ness hat einen sehr schönen, flüssigen Schreibstil, mit dessen Hilfe man schnell einen Einstieg in den Roman findet. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, egal ob es um eine blutige Kampfszene geht, oder um die Beziehung zwischen Seth und Gudmund, ohne dabei explizit zu werden. Das meiste passiert zwischen den Zeilen, so dass sich der Leser seinen Teil denken kann. Auch die Dialoge und die Beschreibung der Orte und Hintergründe sind gut gelungen, ebenso die Traumsequenzen, in denen Seth seine Vergangenheit noch einmal durchlebt. Der authentische, jugendnahe Schreibstil passt gut zu Seth, aus dessen Sicht „Mehr als das“ geschrieben ist. Gerade zum Ende hin fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Fazit:
„Mehr als das“ ist ein ungewöhnlicher, düsterer Jugendroman, der zum Nachdenken anregt und nicht zu allen Fragen eine passende Antwort liefert. Dies ist jedoch nicht schlimm, sondern passt gut zu den authentischen Figuren und der dystopischen Handlung, die zu Recht an „Matrix“ und „Inception“ erinnert, ohne diese zu kopieren. Dank seines mitreißenden Schreibstils liest sich der Roman schnell und obgleich das Ende in sich stimmig ist, möchte man gerne mehr als das, mit Seth, Regine und Tomasz mehr erleben, mehr sehen und mehr herausfinden. Ein empfehlenswertes Jugendbuch, das Lust auf mehr macht.

Diese Rezension erschien zuerst auf dem Rezensionsportal „Splashbooks„.

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Veröffentlicht am 7. Oktober 2014 in 5 Sterne, Alltagsroman, Drama, Fantasy, Gay, Jugendbuch, Rezensionen und mit , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

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