Archiv für den Monat Oktober 2014

[MANGA] Orange Lipstick von Rokuroichi

Autor: Rokuroichi
Taschenbuch:  146 Seiten
ISBN: 978-3770481613
Preis: 7,00 EUR

Story:
Die schüchterne, unsichere Chizuru ist von der Schönheit ihrer neuen Mitschülerin Kanae vollkommen geblendet. Als sich das Mädchen auch noch ihrer Clique anschließt, scheint ein Traum in Erfüllung zu gehen, doch es gelingt ihr einfach nicht, auf Kanae zuzugehen. Während sich ihre Freundinnen schnell mit Chizurus Schwarm anfreunden, gelingt es dieser nicht über ihren Schatten zu springen, und mit Kanae anzubandeln, aus Angst dadurch ihre Gefühle zu verraten. Erst als die beiden Mädchen allein einkaufen gehen und sich allmählich näher kommen, scheint sich das Blatt zu wenden …

Neben der Hauptgeschichte enthält der Band noch die Kurzgeschichten „ Bitte halte dein Herz verschlossen“ und „Ich weiß nicht, ob das Liebe ist“. Während es in der ersten Geschichte um die Liebe zwischen Azo und Kiwako geht, die quasi wie Schwestern aufwachsen, handelt „Ich weiß nicht, ob das Liebe ist“ von Rio und Yui, deren Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird, als Rio ihrer Freundin ihre Liebe gesteht.

Eigene Meinung:
Mit „Orange Lipstick“ legt EMA einen weiteren Yuri Einzelband vor, der aus der Feder der Mangaka Rokuroichi stammt, die bereits mehrere Girls Love Mangas in Japan veröffentlicht hat, zumeist handelt es sich um explizitere Werke. „Orange Lipstick“ ist der erste Manga von Rokuroichi, der einen Weg nach Deutschland findet.

Inhaltlich bietet „Orange Lipstick“ nur bedingt etwas Neues – die Geschichte ähnelt der von gängigen Girls Love Mangas wie „Girl Friends“, „Cherry Lipstick“ und „Girls Love“. Den Leser erwarten die typischen Mädchenthemen, die gerade in Yuri Mangas besonders häufig vorkommen – Highschool, neue Schülerin, Mode- und Schminktipps. Es ist fast ein wenig einfallslos, dass die meisten Mangas dieses Genres immer auf diese altbewehrten Grundthemen zurückgreifen. Sicherlich gibt es auch im Boys Love Genre wenig Neues, aber da sind die Grundthemen doch etwas breiter gefächert und präsentieren dem Leser auch mal erwachsene Charaktere.
„Orange Lipstick“ hingegen wartet mit einer niedlichen, einfachen Liebesgeschichte auf, die für Chizuru und Kanae im Bett endet. Wirklich mehr Inhalt gibt es leider nicht, von niedlichen Einkaufsszenen und fast schon stalkerhaften Ausbrüchen seitens Chizuru einmal abgesehen. Eine wirkliche Geschichte entwickelt sich nicht, so dass man als Leser die Handlung nur bedingt nachvollziehen kann. Lediglich in den beiden Kurzgeschichte wird es interessanter, gerade „Ich weiß nicht, ob das Liebe ist“ ist gut gelungen, wenngleich etwas kurz geraten.

Charakterlich bleiben Chizuru und Kanae stereotyp und langweilig – Kanae ist die begehrte Freundin, die ein wenig wie eine Mary Sue daherkommt, da sie dem Leser perfekt erscheint. Chizuru ist so hilflos und unsicher, dass man nur bedingt Sympathien aufbringen kann, zumal sie auch durch ihre stalkerhafte Züge nicht überzeugen kann. Man weiß einfach wenig mit ihr anzufangen. Alle sin allem bleiben die Figuren blass und ungreifbar, was es dem Leser erschwert sich mit ihnen zu identifizieren.

Rokuroichis Zeichnungen sind optisch ganz hübsch (wenn man von den anatomischen Problemen mit den Gesichtern der Charaktere absieht), allerdings sind die Figuren zu kindlich und jung geraten. Gerade bei den Sexszenen schrammt „Orange Lipstick“ doch leicht an der Grenze des Erträglichen vorbei. Die Zeichnerin hat das Mangaschema „Big Eyes – Small Mouth“ perfekt umgesetzt, was dafür sorgt, dass die Figuren immer wie Grundschüler aussehen, was den Erotikgehalt des Mangas ebenfalls unpassend erscheinen lässt.

Fazit:
Alles in allem ist „Orange Lipstick“ ein Werk, das nur bedingt überzeugen kann und deutliche Schwächen hinsichtlich der Handlung, der Charaktere und der Zeichnungen aufweist. Rokuroichis Werk ist zu gleichförmig und bietet wenig Neues, es fällt schwer mit den Figuren warm zu werden und die Zeichnungen sind eindeutig zu kindlich geraten. In Anbetracht der Tatsache, dass es nur wenig Girls Love in Deutschland gibt, werden Fans des Genres an diesem Manga nur schwer vorbeikommen, nichtsdestotrotz zählt „Orange Lipstick“ zu den Werken, die man nicht unbedingt gelesen haben muss. Man verpasst nichts, was es nicht schon in anderen Mangas (wesentlich besser) gegeben hat.

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[BIOGRAFIE] Ein gutes Leben ist die beste Antwort von Friedrich Dönhoff

Autor: Friedrich Dönhoff
Taschenbuch:  176 Seiten
ISBN: 978-3257069020
Preis: 19,99 EUR

Story:
Gerald B. Rosenstein, genannt Jerry, ist 86 Jahre alt und einer der letzten Zeitzeugen des Holocausts. Als 15-jähriger Jude überlebten sein Vater und er mit viel Glück Auschwitz und fanden zusammen mit Jerrys Mutter in den USA eine neue Heimat. In San Francisco erkämpfte er sich zudem finanzielle und sexuelle Freiheit, hatte er es doch aufgrund seiner Homosexualität nicht immer leicht. Er blickt auf ein bewegtes Leben hinter sich, das er gemeinsam mit dem Autoren Friedrich Dönhoff aufarbeitet, als sie 2013 mit dem Auto die Städte und Orte aufsuchen, in denen Jerry seine Kindheit und Jugend verbracht hat …

Eigene Meinung:
Mit der Biografie „Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ legt der Diogenes Verlag das Portrait eines beeindruckenden Mannes vor: eine Lebensgeschichte, die unter die Haut geht. Friedrich Dönhoff, Autor und Begleiter des 86-jährigen Jerry Rosenstein, verfasste bereits mehrere Biographien und schrieb den Bestseller „Die Welt ist so, wie man sie sieht – Erinnerungen an Marion Dönhoff“. Zudem ist er für deine Kriminalromane um den jungen Kommissar Sebastian Fink bekannt.

Zwischen Jerry Rosenstein und dem 45-jährigen Friedrich Dönhoff liegen zwei Generationen, als sich die beiden kennenlernen und 2013 gemeinsam von Amsterdam (wo Jerry in direkter Nachbarschaft mit Anna Frank lebte) aus die Orte bereisten, in denen Jerry aufgewachsen ist. Dabei berichtet Jerry Rosenstein, wie er als Jude in Deutschland, später Holland, aufwuchs und nach und nach die Auswirkungen von Hitlers Übernahme und seinem selbsterklärten Krieg gegen die „Nicht-Arier“ miterlebte. Auch von seinen Erlebnissen in Auschwitz, dem mühsamen Weg ins Leben zurück und dem Neustart in Amerika erzählt er und gibt dem Leser einen Einblick in eine unvorstellbar grausame, menschenverachtende Zeit und in das schwierige Leben danach. Es ist bewundernswert, dass Jerry Rosenstein nie seinen Lebensmut verloren hat, sich entschieden hat, glücklich zu sein und bereit ist, zu vergeben.

Seine Geschichte ist berührend und erschütternd, aber auch lebensbejahend und aufmunternd, denn Jerry Rosenstein hat sich nie unterkriegen lassen – egal ob als Jude im Dritten Reich oder als Homosexueller im Amerika der 50er/60er Jahre. Er hat seine eigene Antwort gefunden: ein gutes Leben zu führen, das nur ihm gehört und sich selbst nie zu verraten.

Friedrich Dönhoff begleitet den Holocaust-Überlebenden auf seiner Reise, hört zu und schreibt einen Teil von Jerrys Erzählungen auf. Daher wechseln sich im Buch die beiden Zeitebenen ab – mal begleitet man die beiden Freunde auf ihrem Weg durch Amsterdam, Darmstadt oder Bensheim, mal berichtet Jerry aus der Zeit des Holocausts, seinen Erlebnissen in den unterschiedlichen Lagern und Auschwitz. Hierbei wird nicht explizit beschrieben, welche unvorstellbaren Grausamkeiten die Menschen erleiden mussten, sondern nur einige Dinge herausgegriffen, die Jerry wichtig waren. Auf diesem Weg lernt man ihn sehr genau kennen, wenngleich er zum Leser immer eine gewisse Distanz wahrt und nie zu viel von seinen Gefühlen offenbart.

Dennoch sind gerade die Passagen, die sich Jerrys Vergangenheit widmen, sehr dicht und tiefgehend. Man kann sich zwar immer noch nicht vorstellen, wie extrem die damalige Zeit gewesen ist, doch man bekommt einen Eindruck der Ereignisse, der erschreckend genug ist. Den Rest kann man in unzähligen Sachbüchern nachlesen, in „Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ geht es um Jerrys Leben. Dementsprechend intensiv erlebt man die schrecklichen Ereignisse aus seiner Sicht, was den Vorteil hat, dass man den Roman schwer aus der Hand legen kann und zeitgleich den Nachteil, dass die Passagen aus der Gegenwart den Lesefluss fast ein wenig stören.

Wie wichtig diese Biografie ist, zeigt sich am Ende des Buches, als eine Frau auf Jerry Rosenstein zutritt und fragt, ob es Auschwitz wirklich gegeben hat. „Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ ist ein Buch gegen das Vergessen und bietet einen Einblick in ein außergewöhnliches Leben.

Teilweise hätten die Einblicke in Jerrys Vergangenheit umfangreicher ausfallen können, doch die Kürze der einzelnen Passagen und der geringe Gesamtumfang der Biografie, fallen nicht weiter ins Gewicht. Friedrich Dönhoffs klare, präzise und doch einfühlsame Sprache geht unter die Haut und sorgen dafür, dass man lange über Jerrys Leben und die Botschaft, die am Ende des Buches mitschwingt, nachdenkt. Positiv ist, dass der Autor nur erzählt und schildert, nicht wertet oder gar seine eigene Meinung präsentiert. So muss sich der Leser selbst entscheiden, wie er Jerry Rosensteins Biografie zu werten hat und welchen Nutzen er nach dem Lesen für sich aus dem Roman zieht.

Fazit:
„Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ ist ein sehr bewegendes, tiefgründiges Buch, das zum Nachdenken anregt und das man unbedingt lesen sollte. Mit viel Feingefühl erzählt Friedrich Dönhoff die Geschichte von Jerry Rosenstein, einem der letzten Überlebenden des Holocausts. Ein beeindruckendes, lebensbejahendes Zeitportrait, das berührt. Zu empfehlen.

Diese Rezension erschien zuerst auf dem Rezensionsportal “Splashbooks“.

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[ARTBOOK] Kleiner Schmetterling und mehr

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Autor: Hinako Takanaga
Taschenbuch: 96 Seiten
ISBN: 978-3842010239
Preis: 24,95 EUR

Inhalt
Das Artbook „Kleiner Schmetterling und mehr“ kommt mit einem schönen Schutzumschlag, inklusive silbernem Prägedruck daher und bietet Fans der Künstlerin Hinako Takanaga eine Auswahl ihrer bekannten Aquarellillustrationen.

Die ersten knapp 20 Seiten sind ihrem romantischen Boys Love „Kleiner Schmetterling“ gewidmet, dessen Charaktere auch das Cover zieren. Enthalten sind alle bekannten Farbillustrationen, die zu dem dreibändigen Manga entstanden, ebenso eine zweiseitige Charaktererklärung mit Informationen zu den Figuren und den Hintergründen der Geschichte. Im folgenden Teil finden die Bilder zu „Ohne viele Worte“ einen Platz – auch hier sind nahezu alle Zeichnungen zu dem Manga versammelt, ebenso gibt es eine einseitige Charakterübersicht mit einigen knappen Informationen. Die restlichen Seiten sind den vielen Illustrationen gewidmet, die Hinako Takanaga für ihre Einzelbände zeichnete, darunter u. a.   „Des Teufels Geheimnis“, „K.O. vor Glück“, „Punkt der Umkehr“.

Der letzte Teil bietet gerade den deutschen Fans etwas Neues, sind doch auf knapp 30 Seiten diverse Romanillustrationen zu finden. Mitunter kennt man die Bilder von den Novels „Operation Liebe“, die meisten anderen Werke sind in Deutschland recht unbekannt.

Dem Illustrationsteil schließt sich ein Interview mit der Zeichnerin an, in dem sie Fragen über ihren Werdegang, ihre Vorlieben und ihren Arbeitsalltag beantwortet, sowie einen kurzen Specialmanga zu „Kleiner Schmetterling“, in dem man Kojima und Nakahara auf der Highschool kennenlernt. Eine Illustrationsübersicht mit kurzen Kommentaren rundet das Artbook ab.

Eigene Meinung
Mit dem ersten Artbook der Boys Love Künstlerin Hinako Takanaga bringt Tokyopop eine schöne Zusammenstellung ihrer bekanntesten Werke heraus und erfüllt damit den Wunsch der deutschen Fans nach den im Jahr 2013 in Japan erschienen Artbooks. Wer Tankanagas Topmanga „Verliebter Tyrann“ vermissen sollte, braucht nur auf das zweite Artbook zu warten, das sich vollkommen Souichi und Morinaga widmet und ebenfalls bei Tokyopop erscheint.

Das vorliegende Artbook ist sowohl inhaltlich als auch von der Aufmachung her gelungen. Wer die Mangas von Hinako Takanaga mag und ihre feinen, durchscheinenden Illustrationen schätzt, wird um „Kleiner Schmetterling und mehr“ definitiv nicht herum kommen und sollte auch nach dem zweiten Artbook schauen. Beide Artbooks lohnen sich und bieten einen guten Überblick über ihr Schaffen und ihre Entwicklung.

Tokyopop überzeugt mit einer gelungenen Aufmachung, einem guten Druck und gutem, festen Papier. Lediglich das Interview mit Hinako Takanaga ist sehr klein gedruckt, so dass es etwas mühsam ist, die kleinen Buchstaben zu lesen.

Fazit:
Wer Hinako Takanaga mag, sollte sich diese Artbook nicht entgehen lassen. „Kleiner Schmetterling und mehr“ überzeugt durch tolle Bilder und eine schöne Aufmachung. Ein Muss für Fans.

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EMA – Sommerprogramm 2015

Der Mangaverlag EMA hat unterdessen sein Sommerprogramm 2015 bekannt gegeben – und wie es aussieht können sich Boys Love Fans auf einige neue Ankündigungen freuen, ebenso wurden auch die Fans der lesbischen Comics mit einem Wunschtitel bedacht, wenngleich der angekündigte Manga wohl eher nur Andeutungen enthält.

Girls Love (Mystery)
Akuma no Riddle von Yun Kouga & Sunao Minakata – 2+ Bände ab Mai

Boys Love
Café Men!
(OT: “Cafe Otoko”) von Ryo Takagi – Einzelband im September
Hide and Seek (OT: “Himegoto Asobi”) von Yaya Sakuragi – 3 Bände ab Juni
Koitomo!? von Yuu Moegi – Einzelband im April
Liebe unter einem Dach (OT: “Hatsukoi”) von Kakine – Einzelband im April
Shut up and sleep with me (OT: “Dakasete kurenai ka?”) von Makoto Tateno – Einzelband im August

[ROMAN] Paranormal Investigations 3 – Hoffnung von Ally Blue

Autor: Ally Blue
Taschenbuch:  232 Seiten
ISBN: 978-3942451260
Preis: 9,50 EUR

Story:
Nachdem das PCPI-Team die Vorfälle an der High School mit einem blauen Auge überstanden hat, versuchen sie mit Geistertourismus in einem alten Hotel ein wenig Geld in die Kasse zu bekommen. Just in dem Moment tritt die Besitzerin eines in den Bergen gelegenen Gasthauses auf Bo Broussard, Leiter der BCPI, zu. Sie berichtet von seltsamen Vorfällen, die erschreckende Ähnlichkeiten zu den Dimensionsportalen aufweisen, mit dem es die Gruppe bereits zu tun hatte und die Sam mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten wieder verschließen kann.

Gemeinsam beschließen sie die Gruppe zu splitten – während André, Cecil und David bei den Touristen bleiben, brechen Bo, Sam und Dean in die Berge auf, um die Sichtungen zu untersuchen. Schnell stoßen sie auf erste Hinweise und müssen feststellen, dass es sich wirklich um die gefährlichen Tore in die Anderswelt handeln könnte. Zudem erfahren sie, dass einer der Angestellten vor Monaten verschwunden ist …

Eigene Meinung:
Ally Blues Romanreihe „Paranormal Investigations“ geht in die dritte Runde. Nach den Romanen „Sehnsucht“ und „Hoffnung“ veröffentlichte der deutsche Cursed Verlag mit „Hoffnung“ den dritten Band der beliebten Gay Romance Reihe, der nächste Roman soll bereits im Oktober 2014 erscheinen. Insgesamt umfasst die Reihe bisher 5 Bände, zudem hat die Autorin etliche Kurzgeschichten verfasst, die sich den verschiedenen Charakteren widmen.

Nachdem Band 2 mit einer spannenden, temporeichen und dynamischen Handlung aufwarten konnte, hat man bei „Hoffnung“ leider das Gefühl in den Keller zu fallen. Ally Blue legt einen sehr mauen Roman vor, der nicht einmal an den Auftaktband „Sehnsucht“ herankommt, sondern weit schlechter ist. Das liegt vor allem an der nicht existenten Spannung, die über fast 100 Seiten in die Länge gezogen wird und an einem Finale, das einen absolut unbefriedigt zurücklässt. Während der Leser bereits nach der zweiten Sichtung und den Beschreibungen weiß, was es mit den Ereignissen in den Bergen auf sich hat, tappen die Figuren komplett im Dunkeln. Es wirkt als hätte die Autorin absichtlich alles zurückgehalten, um die dürftige Spannungskurve halbwegs zu halten, ansonsten wäre dem Roman bereits nach 100 Seiten die Luft ausgegangen. Dennoch lässt es sowohl die Figuren, als auch die gesamte Geschichte unglaubwürdig und gestelzt wirken, und die Erklärungen wirken einfach nur lahm und einfallslos. Da hatte man ja mitunter als Leser bessere Ideen, wenn man sich die Sache mit dem verschwundenen Mitarbeiter und seiner Kollegin in Erinnerung ruft.

Größtes Manko sind die häufigen und ausführlichen Sexszenen, die dieses Mal in so häufig vorkommen, dass man schnell die Lust verliert. Die Beziehung zwischen Sam und Bo und ihre Bettaktivitäten stehen deutlich im Zentrum der Geschichte, was eine Erklärung dafür ist, weswegen man vergeblich nach Action und Spannung sucht. Nichts gegen Erotik, aber bei der Masse macht es echt keinen Spaß mehr – Ally Blue hätte vielleicht auf die übernatürliche Komponente verzichten und sich auf einen reinen Sexroman beschränken sollen, da weiß man als Leser wenigstens, worauf man sich einlässt. Dann müssen die Charaktere auch nicht ihre Videoaufnahmen und Fotos auswerten, die sie zuhauf machen und kaum durchgehen – wozu auch?

Auch die Charaktere lassen zu wünschen übrig. Sam und Bo sind langweilig, drehen sich nur noch um sich selbst und ihre Beziehung und entwickeln sich kaum weiter. Sam ist zumeist verunsichert, fällt mal in die eine mal in die andere Richtung und ist meiner Meinung nach zu handzahm. Er lässt einfach zu viel mit sich machen und die Schwierigkeiten, die seine übernatürliche Gabe mit sich bringt (was der Klappentext ja impliziert), tauchen so gar nicht auf.
Am unsympathischsten bleibt Bo, der die meiste Zeit zickig, kindisch und nervend reagiert, sei es darum seine Kollegen an seinen Gedanken und Mutmaßungen teilnehmen zu lassen (warum sollten wir über die Vorkommnisse reden, wenn wir auch fi… können?), oder wenn es darum geht zu Sam als Partner zu stehen (Hauptsache Sam ist rund um die Uhr spitz und lässt sich besteigen).

Einzig Dean wird dem Leser sympathischer. Seine lockere, offene Art schließt man schnell ins Herz, ebenso seinen Mut zu seinen Freunden zu stehen. Leider fehlen dieses Mal Cecil, David und André, die in den vorherigen Bänden eine wichtige Funktion einnahmen und für Abwechslung und Lebendigkeit sorgten. Auch die übrigen Figuren sind nur bedingt gut in Szene gesetzt, grade die Übeltäterin am Ende wirkt plakativ und böse, weil es halt einen bösen Gegner geben muss, egal ob ihre Handlungen passen, oder nicht.
Das Zirkulieren des Bandes um Sam und Bo hat weder der Geschichte, noch die Figuren gut getan.

Stilistisch liefert Ally Blue solide, gut geschriebene Kost, die durchaus zu gefallen weiß. Gerade die Beschreibungen sind gut umgesetzt, was natürlich auch auf die Erotikszenen zutrifft, die jedoch zu ausführlich daherkommen und im Laufe der Zeit den Schwung aus der Handlung nehmen. Dadurch wird „Hoffnung“ schnell langweilig und zieht sich die meiste Zeit ziemlich.

Fazit:
„Paranormal Investigations 3 – Hoffnung“ markiert den bisherigen Tiefpunkt der Serie, da der Roman weder mit seiner Geschichte, noch mit den Charakteren überzeugen kann. Ally Blue setzt auf Sex, Kitsch und Beziehung und man fragt sich, warum sie sich überhaupt die Mühe gemacht hat, eine paranormale Handlung auszudenken. Wer wissen will, wie sich Bos und Sams Beziehung weiterentwickelt, wird in „Hoffnung“ eine Antwort finden, ansonsten hoffe ich, dass es in Band 4 endlich wieder um die spannenden Fälle und die Hintergründe zu den Dimensionsportalen geht und nicht um Sex, Sex und Sex.

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[MANGA] Therapie: Liebe von Makoto Tateno

Autor: Makoto Tateno
Taschenbuch:  194 Seiten
ISBN: 978-3770482597
Preis: 7,50 EUR

Story:
Nachdem der Internist Misawa die Liebe des Praktikanten Tono zurückgewiesen hat, geht letzterer seinem Freund aus dem Weg und arbeitet überall mit, wo eine helfende Hand gebraucht wird. Als er eines Tages auf einen unhöflichen, jungen Mann trifft, der sich von eine komplizierten Bruch seines Armes erholt, ahnt Tono nicht, welche Folgen diese Begegnung für ihn hat. Erst als sich der Patient als Ichii, Sohn des Direktors der Klinik entpuppt und speziell nach Tono als Pfleger fragt, kommen eine Menge Probleme auf Tono u. Ichii ist keineswegs so friedlich wie erhofft, sondern setzt alles daran Tono entweder auf die alme zu bringen, oder ihn zu verführen. Zu spät erkennt Tono, dass sich hinter Ichiis Verhalten mehr verbirgt, als es den Anschein hat, und dass er sich den Arm nicht bei einem Unfall gebrochen hat …

Eigene Meinung:
Nachdem der junge Praktikant Tono in dem Einzelband „Diagnose: Liebe“ am Ende der Geschichte „leer“ ausging, da dessen große Liebe Misawa mit seinem Kollegen Kazami zusammenkam, interessierten sich etliche Fans dafür, wie die Geschichte mit Tono weiterging. Grund genug für Makoto Tateno dem sympathischen jungen Mann einen eigenen Manga inklusive Happy End zu widmen und so entstand „Therapie: Liebe“ als Spin-Off zu „Diagnose: Liebe“.

Die Geschichte entwickelt sich in den üblichen Bahnen und bietet Fans des Genres wenig Neues – lediglich die Hintergründe um Ichiis Verletzung sorgen für ein bisschen Dynamik, ebenso Tonos Gefühle für Misawa und die Probleme, die er hat, wenn er seine alte Flamme sieht oder mit ihm spricht. Dennoch sollte man nicht zu viel erwarten _ Makoto Tateno liefert eine soliden, gut lesbaren Einzelband ab, der jedoch schnell in Vergessenheit gelegt, kaum dass man den Manga beendet hat.

Charakterlich bleibt sich die Zeichnerin treu – Tono ist ein liebenswerter, gutmütiger Kerl, den man schnell ins Herz schließt und dem man ein Happy End wünscht. Ichii auf der anderen Seite ist schwer greifbar. Er ist verzogen, führt sich immer wieder kindisch und egozentrisch auf und geht mit seinen Launen nicht nur Tono auf die Nerven, sondern auch dem Leser. Sicher wird es am Ende irgendwie erklärt, doch das reicht nicht, um sein gesamter Verhalten zu entschuldigen. Er fällt einfach zu oft hin und her, ist mal der große Verführer, mal das verängstigte Kind. So recht passt das nicht zusammen.

Wer Misawa und Kazami aus „Diagnose: Liebe“ mochte, bekommt die beiden in diesem Manga in einer Nebenrolle zu sehen, allerdings wird ihre Beziehung zueinander nicht weiter vertieft. Sie tauchen am Rande auf und unterstützen Tono. Weitere Nebenakteure gibt es nicht, da sich die Mangaka vorwiegend auf Tono und Ichii konzentriert.

Stilistisch liefert Makoto Tateno gewohnt gute, solide Kost ab. Den Leser erwarten sichere, dynamische Zeichnungen, stimmungsvolle Panele und schöne Hintergründe. Natürlich sind Tatenos Zeichnungen hin und wieder ein wenig flüchtig geraten, s dass sich kleinere Fehler einschleichen, doch insgesamt ist „Therapie: Liebe“ durchaus gelungen. Leser, die bereits andere Mangas der Künstlerin kennen, werden mitbekommen, wie ähnlich die Figuren diversen Charakteren ihrer anderen Werke sind. Mit der Zeit zeigt sich, dass Makoto Tatenos Stil schnell langweilt, da er optisch kaum Abwechslung bietet und sich die Figuren sowohl optisch als auch charakterlich zu sehr ähneln. Das macht ihre Werke leider schnell langweilig.

Fazit:
„Therapie: Liebe“ ist ein netter Boys Love Manga für zwischendurch, der sich vorwiegend an die Leser richtet, die bereits „Diagnose: Liebe“ kennen und mögen. Makoto Tateno besticht durch hübsche, aber auch sehr monotone Zeichnungen, angenehme Charaktere und einer geradlinig verlaufenden Handlung. Wer auf der Suche nach einer hübschen Yaoi-Geschichte ist, macht mit „Therapie: Liebe“ sicherlich nichts falsch, nichtsdestotrotz gibt es wesentlich interessante Werke auf dem deutschen Markt.

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[NOVELLE] Riley Bacon: Feuer & Flamme von T. C. Jayden

Autor: T. C. Jayden
Taschenbuch:  81 Seiten
ASIN: B00O9OVXKY
Preis: 0,99 EUR (eBook)

Story:
Die Gefühlswelt des 16-jährigen Riley Bacon steht Kopf, seitdem er erkannt hat, dass er schwul ist und darüber hinaus auch noch Gefallen an seinem besten Freund Liam findet. Das macht den gemeinsamen, zweiwöchigen Camping-Ausflug nicht leichter, insbesondere da sich Riley ein Bett mit Liam teilen darf und die beiden normalerweise keinerlei Geheimnisse voreinander haben. Als die Situation schließlich eskaliert und Riley sein Outing gehörig in den Sand setzt, trifft er auf den Joel, der seine verwirrten Gefühlswelt endgültig durcheinander bringt. Und während Riley sich in sein erstes amouröses Abenteuer stürzt, wird die Kluft zwischen ihm und Liam immer größer …

Eigene Meinung:
Wer bei „Riley Bacon: Feuer &Flamme“ auf einen Roman hofft, ist an dieser Stelle falsch, handelt es sich doch lediglich um eine Kurzgeschichte von T. C. Jayden, die für die Fans des Romans „Kalte Ketten“ entstand. Dementsprechend trifft man in dieser Novelle auf alte Bekannte wieder, die auch in dem BDSM-Roman eine Rolle spielten. Im Zentrum steht einmal mehr Riley Bacon, dieses Mal wird jedoch dessen Vergangenheit und seine Freundschaft zu Liam beleuchtet.

Aus diesem Grund ist „Riley Bacon: Feuer & Flamme“ eher etwas für Fans von „Kalte Ketten“, wenngleich die Novelle auch für sich stehen und komplett ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. T. C. Jayden hat keine Fortsetzung geschrieben (wenngleich wohl eine in Arbeit ist), sondern ein Extra für Fans, das die Figuren Riley und Liam besser beleuchten soll. Dies gelingt dem Autor auch, denn es ist durchaus interessant die beiden als Jugendlichen zu begleiten, während sie erstmals mit einem etwas ernsteren Problem konfrontiert werden. Dadurch erhalten die altbekannten Charaktere mehr Tiefgang – gerade Liam rückt ein wenig stärker ins Zentrum und man kann seine Persönlichkeit besser greifen. Lediglich Riley kann man nach der Lektüre nur bedingt erfassen (insbesondere wenn man seine Persönlichkeit in „Kalte Ketten“ im Hinterkopf hat), da man sich fragt, warum er sich in „Kalte Ketten“ für Kjell entscheidet. Immerhin kommt er aus recht zerrütteten Verhältnissen und hat sichtlich unter seinem gewalttätigen Vater zu leiden.
Nichtsdestotrotz macht es Spaß die Novelle zu lesen, wenngleich man nichts bahnbrechend Neues erwarten darf. „Riley Bacon: Feuer &Flamme“ ist solide, gut geschriebene Kost, die von dem sommerlich-leichten Feeling und von Rileys chaotischer Gefühlswelt profitiert.

Wie erwähnt ist die Novelle gut geschrieben und bietet den Fans von Gay Romance eine schöne Geschichte, in der es durchaus auch ein wenig erotischer zur Sache geht. T. C. Jayden hat einen sehr angenehmen, flüssigen Stil, der den Leser schnell in den Bann zieht und dafür sorgt, dass man die Geschichte in einem Rutsch liest. Wer gut geschriebene Kurzgeschichten und Novellen sucht, ist hier an der richtigen Adresse.

Fazit:
Wer „Kalte Ketten“ mochte, dem wird garantiert auch „Riley Bacon: Feuer &Flamme“ gefallen. T. C. Jayden liefert eine schön geschriebene Novelle ab, die Lust auf mehr macht und die die Wartezeit zur Fortsetzung ihres Debüts überbrücken soll. Auch Leser, die „Kalte Ketten“ nicht kennen, können hier bedenkenlos zugreifen – die Novelle um Riley und Liam bietet lockerleichte, erotische Unterhaltung und eignet sich perfekt, um für eine kurze Zeit abzutauchen. Zu empfehlen.

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[MANGA] Punch Up + Yaizu Brothers von Shuiko Kano

Autor: Shiuko Kano
Taschenbuch: 164 Seiten
ISBN: 978-3842010031
Preis: 6,95 EUR

Story:
Der Band enthält die Kapitel 13 und 14 von „Punch up“, sowie einige Sonderkapitel und den Manga „Erstklassiger, mittlerer Sohn“, der thematisch zu dem Manga „Yaizu Brothers“ (OT: „Aniki Joutou“), der bislang jedoch noch nicht in Deutschland erhältlich ist.

In den beiden Kapiteln zu „Punch up“ steht die Beziehung des Architekten Motoharu zu dem jungen Bauarbeiter Kota im Zentrum. Die beiden sind seit längerem ein Paar und lieben sich heiß und innig. Doch Motoharu ist nicht immer leicht zu nehmen, sei es wenn es darum geht sich um Kota zu kümmern, als dieser krank wird, oder wenn es um kleine Aufmerksamkeiten und Geschenke geht …

In „Erstklassiger, mittlerer Sohn“ geht es um die verzwickte Beziehung zwischen dem 25-jährigen Go und dem 15-jährigen Gaku, der sich in Go verliebt hat, nachdem dessen Bruder Ryusei ihn zurückgewiesen hat. Dabei ist gerade Gakus Ausdauer im Bett das größte Problem, ebenso Gos mangelndes Selbstvertrauen und Naivität …

Eigene Meinung:
Wie bereits erwähnt ist Shiuko Kanos Einzelband „Punch up + Yaizu Brothers“ ein Manga, der sich vorwiegend an Fans von „Punch up“ richtet, da hier die letzten beiden Kapitel von Motoharu und Kota enthalten sind, die die 4-bändige Mangareihe abschließen. Die Geschichte über Gaku und Go ist in sich zwar abgeschlossen und auch ohne großartige Vorkenntnisse lesbar, doch man merkt deutlich, dass es sich bei „Erstklassiger, mittlerer Sohn“ lediglich um den Spin-Off einer separaten Serie handelt. Sicherlich stehen dort eher Ryusei und der älteste Sohn der „Yaizu Brothers“ im Zentrum, doch es wäre nicht schlecht gewesen, wenn Tokyopop zunächst die beiden Mangas rund um diese Figuren herausgebracht hätte.

Inhaltlich erwartet den Leser nichts Neues – wer Punch up“ kennt, weiß in welche Richtung die einzelnen Kapitel liefen und dass es vorwiegend um Sex und explizite Erotik geht. Dementsprechend heftig geht es zur Sache, so dass die Altersempfehlung ab 18 auf jeden Fall gerechtfertigt ist. Insgesamt sind die beiden Kapitel eher ein kleines Gimmick für die Fans – Szenen aus Motoharus und Kotas Zusammenleben und ihrer Beziehung zueinander.
Auch die Geschichte um Go und Gaku bietet nichts Neues, wenngleich das Thema Altersunterschied und sexuelle Erfahrungen zumindest ein guter Aufhänger für mehr ist. Leider gibt es jedoch auch hier nicht unbedingt tiefgründige Kost, doch das erwartet man bei der Zeichnerin auch nicht. Ihre Werke sind Hardcore Yaoi Mangas und dementsprechend stehen der Sex zwischen den Figuren und alles, was damit zusammenhängt im Vordergrund.

„Punch up + Yaizu Brothers“ ermöglicht dem Leser ein Wiedersehen mit geliebten und bekannten Charakteren, aber auch das Kennenlernen neuen Figuren. Motoharu und Kota haben sich nicht verändert – der Architekt ist pervers und versaut wie eh und je, Kota mal schüchtern, mal etwas wilder, ganz wie man es gewohnt ist. Sie geben ein witziges Pärchen ab, das man trotz der flachen Handlung gerne begleitet.

Go und Gaku sind durchaus interessant und sympathisch, doch hier wird das Potenzial zwischen den beiden kaum ausgenutzt. Sie bleiben ein wenig blass und ungreifbar, insbesondere da sie sich recht mangahaft verhalten. Dennoch macht es Spaß die beiden zu begleiten und ihre Geschichte mitzuverfolgen.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln. Shiuko Kano hat einen sehr detailverliebten Stil, der sich gerade bei den expliziten Szenen zeigt. Anatomie und Perspektiven liegen ihr, ebenso die Darstellung nackter Männerkörper. Man merkt deutlich wie sehr sich die Zeichnerin gesteigert hat, wenn man „Punch up + Yaizu Brothers“ mit ihrem alten Werk „Play Boys Blues“ vergleicht.

Fazit:
„Punch up + Yaizu Brothers“ ist ein schöner Yaoi-Einzelband, der durch viel Erotik, solide Zeichnungen und sympathische, durchgeknallte Figuren besticht. In erster Linie ist der Manga für Fans der Zeichnerin und Leser von „Punch up“ geeignet, da er die letzten Kapitel der Geschichte von Motoharu und Kota beinhaltet. Wer auf Hardcore Yaoi steht, nichts gegen explizite Sexszenen hat oder einfach mal Shiuko Kano antesten will, kann durchaus zu „Punch up + Yaizu Brothers“ greifen – dennoch ist es besser, die Mangas zu kennen, die in diesem Band fortgeführt oder beendet werden.

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[NOVELLE] Ballroom – Melodie der Sehnsucht von Carol Grayson

Autor: Carol Grayson
Taschenbuch:  92 Seiten
ISBN: 978-3945033487
Preis: 9,90 EUR

Story:
Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges, ändert sich das Nachtleben in Berlin. Immer häufiger werden Lokale und Clubs kontrolliert, Verbote ausgesprochen oder von Offizieren und Soldaten besucht. Dies trifft auch das „Le Chalet“, in dem der französische Gigolo und Eintänzer Claude Duval arbeitet, der als Ausländer sowieso einen schweren Stand hat. Als ihm eines Abends Ulrich von Eisenau, Offizier der Luftwaffe, begegnet, ahnt er nicht, wie sehr die se Bekanntschaft sein Leben auf den Kopf stellen wird. Schnell finden die beiden ungleichen Männer zueinander, doch die Zeiten sind rau, brutal und gefährlich – insbesondere für eine homosexuelle Liebe.

Eigene Meinung:
Die Autorin Carol Grayson ist im deutschen Gay Romance Bereich keine Unbekannte. Aus ihrer Feder stammen unzählige Romane und Novellen, die ursprünglich im FWZ Verlag, unterdessen im Brighton Verlag erschienen sind. Mit knapp 80 Seiten fällt „Ballroom – Melodie der Sehnsucht“ eher in den Novellenbereich, was das Büchlein für knapp 10,- Euro verhältnismäßig teuer macht.

Aufgrund des geringen Umfangs ist dem Leser von Anfang an klar, dass es sich nicht um eine tiefgründige, realistische und gut ausgearbeitete Handlung handelt – für ein derartiges Thema reichen manchmal 500 Seiten nicht, immerhin bietet das Berlin der End-30er einen sehr interessanten Schauplatz und der 2. Weltkrieg ist sowieso ein Thema, dass sich nicht auf wenigen Seiten abhandeln lässt. Dennoch schafft es die Autorin leider nicht wenigstens einen Teil dessen zu erfüllen, was man sich als Leser vorstellt, wenn man den Klappentext liest – nämlich von einer unmöglichen Liebe und deren Ergebnis in den Wirren des 2. Weltkriegs zu berichten.
Zu schnell, zu episodenhaft und zu wenig ausführlich wird die Geschichte um Claude und Ulrich erzählt – es mangelt an Tiefgang, Logik und einer sensiblen Abhandlung des Themas. Sicherlich habe ich nicht mit einer intensiven Auseinandersetzung der Themen Homosexualität, 2. Weltkrieg und die Ängste und Sorgen der Bevölkerung gerechnet, doch wenigstens die zwischenmenschlichen Zusammenhänge, insbesondere die Liebe der beiden Hauptfiguren, hätte man wesentlich deutlicher und intensiver herausarbeiten können. Es geht zu schnell voran – kaum haben sie sich kennenglernt, und Claude den Tanzunterricht von Ulrichs kleiner Schwester übernommen, steigen sie in eine heimliche Affäre ein, ohne dass man als Leser mitbekommen hat, an welcher Stelle sich Claude und Ulrich überhaupt näher gekommen sind. Es kommt weder Spannung, noch Gefühl auf – „Ballroom – Melodie der Sehnsucht“ bleibt recht oberflächlich und kann inhaltlich leider nicht überzeugen, selbst wenn man das Thema 2. Weltkrieg außen vorlässt.

Auch die Charaktere, ihre Gedanken und Gefühle bleiben eher im Hintergrund und kommen nur selten zum Tragen. Man kann sich weder mit Claude, noch mit Ulrich oder den vielen Nebenfiguren identifizieren. Dazu lernt man niemanden gut genug kennen, was sehr schade ist. Carol Grayson hat durchaus einige interessante Figuren geschaffen, doch sie bleiben zweidimensional und platt. Mehr Seiten und die Konzentration auf die beiden Hauptfiguren hätten dem Buch gut getan. Zwar hätten dann einige Nebenfiguren weiter zurücktreten müssen, aber vielleicht hätte man auf diesem Weg den Protagonisten mehr Tiefe und Lebendigkeit verleihen können.

Stilistisch ist „Ballroom – Melodie der Sehnsucht“ ebenfalls Geschmackssache. Die vielen Sprünge in der Geschichte und zu den verschiedenen Charakteren machen es schwer, sich auf die Novelle einzulassen. Die knappe Erzählweise, teils sehr dialoglastig, teils ohne wirkliche Beschreibungen der Gedanken- und Gefühlswelten, sorgt ebenfalls dafür, das man nur mühsam vorankommt. Es ist schade, dass oftmals aus Sicht von anderen Figuren erzählt wird, anstatt sich auf Claude und Ulrich zu konzentrieren, deren Gedanken, Sorgen und Gefühle im Grunde am interessantesten sind. So erfährt man eine Menge über die anderen Angestellten des „Le Chalet“, aber nur wenig über die Protagnisten. Probleme und Schwierigkeiten werden ebenfalls schnell abgehandelt, teils sind die Lösungen ein wenig unlogisch, zu sehr vom Zufall abhängig gemacht und nicht immer nachvollziehbar geschildert.

Fazit:
All das sorgt dafür, dass man „Ballroom – Melodie der Sehnsucht“ leider nicht empfehlen kann. Es ist schade, dass Carol Grayson aus der Idee nur eine Novelle gemacht hat, ist sie doch zu kurz, um dem Thema den Tiefgang und die Komplexität zu geben, dass es verdient hätte. Leider können weder die Geschichte, noch die Charaktere und ihre Beziehung zu einander, oder der recht sprunghafte, flache Schreibstil überzeugen, so dass das dünne Büchlein nur etwas für Fans der Autorin ist. Schade.

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[MANGA] P.B.B. – Play Boys Blues von Shiuko Kano

Autor: Shiuko Kano
Taschenbuch: 212 Seiten
ISBN: 978-3842010048
Preis: 6,95 EUR

Story:
Das Leben als Host ist nicht leicht – selbst dann nicht, wenn man, wie Junsuke Nummer eins des Clubs ist und sich vor weiblichen Avancen kaum retten kann. Grund hierfür ist Junsukes Mitbewohner Shinobu Hishiya, ehemalige Nummer eins und Frauenschwarm, der unterdessen als Bauarbeiter arbeitet. Zwischen den beiden kracht es immer wieder, da Junsuke schon seit einer Weile in Shinobu verliebt ist, dieser jedoch niemanden an sich heranlässt. Dennoch gibt sich Junsuke nicht so leicht geschlagen und setzt alles daran Shinobu für sich zu gewinnen. Doch selbst als die beiden miteinander schlafen und sich endlich näher kommen, sind sie weit weg von einer richtigen Beziehung, kann Shinobu doch selten treu sein und ist Junsuke nach wie vor ein Host, der teilweise auch die Nächte mit seinen Kundinnen verbringt.

Eigene Meinung:
Der Boys Love Manga „Play Boys Blues“ stammt aus der Feder des bekannten und beliebten Yaoi-Mangaka Shiuko Kano, von der in Deutschland bereits der Manga „Punch up“ erschienen ist, der ein Spin-Off der vorliegenden Mangareihe darstellt. So ist es nicht verwunderlich, dass Motoharu und Kota, Protagonisten aus „Punch up“ auch in „Play Boys Blues“ den ein oder anderen Kurzauftritt haben und umgekehrt. Zudem veröffentliche Tokyopop den Einzelband „Punch up + Yaizo Brothers“ der Zeichnerin. „Play Boys Blues“, kurz „P.B.B.“ erschien erstmals 2003 bei Biblos, und wurde 2007 von Libre Publishing übernommen.

Inhaltlich bietet sich dem Leser die übliche Boys Love Kost, wobei es dieses Mal deutlich expliziter zur Sache geht. Shiuko Kano nimmt kein Blatt vor den Mund bzw. lässt kein Kapitel ohne seitenlange Sexszene davonkommen – „Play Boys Blues“ ist zu Recht FSK 18, immerhin geht es zwischen Junsuke und Shinobu recht hart zur Sache. Die Beziehung der beiden wirkt ein wenig verwirrend, im Grunde ist es ein ewiges Hin und Her, das zumeist im Bett endet. Dadurch ist „PBB“ etwas flach geraten und bieten inhaltlich nichts wirklich Neues. Darüber hinaus ist der Seitenaufbau, ebenso wie die Szenerien und Dialoge manchmal etwas irreführend und chaotisch, so dass man der ohnehin dürftigen Geschichte nur teilweise folgen kann. Man hat seine Probleme, dem Geschehen zu folgen und den Ablauf nachzuvollziehen.

Die Charaktere sind durchaus sympathisch, aber sehr mangahaft und übertrieben. Gerade Shinobu ist manchmal übertrieben fröhlich und aufgedreht, so dass man ihn nur schwer nachvollziehen kann. Auch Junsuke handelt nicht immer logisch, so dass man auch bei ihm hin und wieder Probleme hat, seine Aktionen und Beweggründe zu verstehen. Im Laufe des Mangas gibt sich das, insbesondere als sich die Zeichnerin mehr auf die Beziehung und das Zusammenleben der Beiden konzentriert. Bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Bänden diese Punkte vertieft werden und beide Charaktere ein wenig mehr Dreidimensionalität bekommen.

Die Zeichnungen von Shiuko Kano sind gewöhnungsbedürftig und definitiv Geschmackssache. Man merkt ihnen deutlich das Alter an, immerhin erschienen die ersten Kapitel 2003 bei Biblos. Dementsprechend sind die ersten Seiten recht fehleranfällig – gerade die Anatomie, die Gesichter und die Perspektiven stimmen nicht immer. Erst im Laufe der Zeit bessert sich die Künstlerin spürbar und wird sicherer. Das erkennt man gut in „Punch up“, das wesentlich später auf den japanischen Markt kam.

Fazit:
„Play Boys Blues“ ist ein netter Boys Love Manga für zwischendurch, der am ehesten Fans härterer Kost ansprechen dürfte. Shiuko Kano liebt Sexszenen und erotische Sequenzen, dementsprechend häufig kommen diese in ihren Mangas vor. Eine wirklich spannende, eigehende Handlung gibt es noch nicht (vielleicht kommt das ja in den kommenden Bänden), und auch die Charakterentwicklung lässt zu wünschen übrig. Wer Hardcore Yaoi mag und wem bereits „Punch up“ gefallen hat, sollte zugreifen. Shiuko Kanos Werke sind nicht umsonst vom Verlag ab 18 empfohlen.

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