Archiv für den Monat Juli 2014

[ANTHOLOGIE] Gleich, Liebes, gleich ist das Essen fertig von Jannis Plastargias (Hrsg.)

Autor: div, Jannis Plastargias (Hrsg.)
Taschenbuch: 232 Seiten
ISBN: 978-3942223805
Preis: 15,90 EUR

Inhalt:
Die queere Anthologie enthält 16 erotische Kurzgeschichten, nebst passenden Rezepten, die sich den Themen Essen und kulinarische Genüsse, Lust, Liebe und Hass widmen. Seien es Geschichten um vergangene Sommerbeziehungen, die große Liebe oder tragische Erinnerungen, Krankheiten und verhasste Ehemänner – „Gleich, Liebes, gleich ist das Essen fertig“ enthält eine bunte Mischung Kurzgeschichten von Autoren, die mal erotisch, mal tragisch oder verspielt das Thema umgesetzt haben.

Folgende Geschichten sind enthalten:
„Fleisch-Lust“ von Silke Porath
„Use somebody – Süße Früchte“ von Ines Schmidt
„Unintended – Ungewollt“ von Andrea Bienek
„No Milk today“ von Brigitte Münch
„Das Omlette“ von Ines Schmidt
„Früchte der Erkenntnis“ von Börje Schweizer3
„Salim vor Leif“ von Jannis Plastargias
„Von Porridge and Roast“ von Levi Frost
„Die Verkostung“ von Justin C. Skylark
„Der Engel auf der Fensterbank“ von Jana Walther
„Vom Nachtisch, der nicht auf der Karte stand“ von Claudia Schuster
„Dinner & Show“ von Devin Sumaro
„Der Zwieback-Trick“ von Thomas Pregel
„Die Küstenstraße“ von Raik Thorstad
„Wintermandeln, Mädchenkörper“ von Nino Delia
„Fallobst am Tresen“ von Gabriel Wolkenfeld
„Spargelcremesuppe Deluxe“ von S. A. Urban
„Mörderisches Dessert“ von Christina Stöger

Eigene Meinung:
Die Anthologie „Gleich, Liebes, gleich ist das Essen fertig“ erschien 2014 im Größenwahn Verlag und ist bereits die zweite ihrer Art. Der Frankfurter Autor und Herausgeber Jannis Plastargias sammelte schon einmal queere Kurzgeschichten, die in der Anthologie „Liebe und andere Schmerzen“ im Jahr 2013 erschienen ist. Einmal mehr versucht er, gemeinsam mit den teilnehmenden Autoren, eine breite Palette queerer Themen abzudecken – schwul, lesbisch, transgender, aber auch hetero und die vielen Schattierungen der Liebe, die sich nicht genau festlegen können und wollen. Dies wird mit dem allgemeinen Thema Essen und Trinken gewürzt und ergibt eine mal lustvolle, mal dramatische, mal romantische Mischung.

Inhaltlich erhält der Leser daher eine vielfältige Zusammenstellung, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Wer es erotisch und leidenschaftlich mag, wird ebenso auf seine Kosten kommen, wie diejenigen, die tiefgründige, dramatische und nachdenkliche Kost bevorzugen. Dabei wird es nie langweilig, da die Anthologie ausgewogen ist und die Geschichten gut zusammenpassen. Dass dabei die Erotik nicht im Vordergrund steht (etwas, was bei vielen Gay Anthologien leider der Fall ist), ist in meinen Augen durchweg positiv und zeigt, dass schwullesbische Geschichten mehr sein können, als bloße Erotikstories. Gerade die Kurzgeschichten „Von Porridge and Roast“ von Levi Frost, „Die Küstenstraße“ von Raik Thorstad, „Spargelcremesuppe Deluxe“ von S. A. Urban und „Salim vor Leif“ von Jannis Plastargias sind wirklich toll und überzeugen gänzlich ohne Kitsch, Romantik und Erotik. Doch auch die heißeren Stories können überzeugen, da es nie zu plakativ erotisch wird und zu extrem zur Sache geht. Alles bleibt in einem angenehmen Rahmen, der der Anthologie die passende Würze verleiht. Lediglich die Mischung könnte ausgewogener sein – überwiegen doch die schwulen Kurzgeschichten deutlich. So sind doch fast ein Dutzend Geschichten dem Gay Genre zuzuordnen, während es nur drei lesbische Vertreter gibt, der Rest spiegelt transgender oder heterosexuelle Themen wider.

Neben den normalen Kurzgeschichten hat jeder Autor noch ein Rezept beigesteuert, das inhaltlich zu den jeweiligen Beiträgen passt und durchaus nachgekocht werden kann.

Stilistisch ist es ebenso bunt, wie inhaltlich, je nachdem welchen Geschmack man als Leser hat. Ob nun locker und erotisch, wie in den Geschichten von Ines Schmidt und Justin C. Skylark, oder lyrisch und getragen wie bei Jana Walther und Gabriel Wolkenfeld, oder detailverliebt und ausdrucksstark, wie die Beiträge von Raik Thorstad und Levi Frost – die Anthologie bietet Abwechslung und zeigt, wie unterschiedlich die Autoren schreiben. Dadurch erhält man einen guten Querschnitt durch die aktuelle GLBT-Autorenszene und entdeckt mitunter einige Perlen, die einem davor noch unbekannt waren. Allein deswegen loht sich der Griff nach „Gleich, Liebes, gleich ist das Essen fertig“ – die Anthologie bietet einen tollen Überblick und macht in einigen Fällen definitiv Lust auf mehr.

Fazit:
Mit „Gleich, Liebes, gleich ist das Essen fertig“ ist Jannis Plastargias eine tolle, bunt gemischte und abwechslungsreiche Anthologie geglückt, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hat (was aufgrund der enthaltenen Rezepte sogar doppelt belegbar ist). Ob nun romantisch, dramatisch oder erotisch – die 18 Kurzgeschichten sind durchweg lesenswert und machen Lust auf mehr. Die Inhalte sind so verschieden, wie die Stile – lediglich die Tatsache, dass die meisten Kurzgeschichten im Gay Bereich angesiedelt sind, trübt die Begeisterung ein wenig. Dennoch lohnt es sich, einen Blick in „Gleich, Liebes, gleich ist das Essen fertig“ zu werfen – sie bietet mehr als so manch andere GLBT Anthologien auf dem Markt, da es nicht nur um Erotik geht. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Bodyguard – Spezialauftrag Liebe von Corinna Bach

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Autor: Corinna Bach
Taschenbuch: 300 Seiten
ISBN: 978-3864432828
Preis: 12,90 EUR

Story:
Das erste Aufeinandertreffen des reichen Niklas und des Personenschützers und Türstehers Ruben stand unter keinem guten Stern. Daher ist weder der eine, noch der andere begeistert, als Ruben von Niklas‘ Vater als Bodyguard angeheuert wird, um den jungen Studenten zu schützen. Seitdem Niklas Augenzeuge eines Mordes wurde, erhält er nicht nur Drohbriefe, sondern erlebt die blutige Tat immer wieder in seinen Träumen. Da Ruben sich das lukrative Angebot nicht entgehen lassen will, raufen sich die beiden zusammen. Schnell lernen sie sich besser kennen und der junge Bodyguard muss seine Meinung revidieren: Niklas ist nicht der arrogante Schnösel, für den er ihn gehalten hat. Als er bemerkt, dass der Student seine Homosexualität verdrängt und mehr als einmal auf Rubens Annäherungen anspringt, wachsen die beiden noch enger zusammen.

Doch das endet schnell, als Niklas entführt wird und der Fall immer größere Ausmaße annimmt. Ruben ist fest entschlossen zu helfen, egal wie ungern sein Intimfeind Börde ihn in der Nähe der Tatorte sehen will …

Eigene Meinung:
Mit „Bodyguard – Spezialauftrag Liebe“ geht der Romance und Krimi/Thriller Verlag „Sieben“ neue Wege, erschien doch erstmals ein Gay Romance Titel im Sommerprogramm 2014. Die Autorin Corinna Bach ist hierbei keine Unbekannte, verbirgt sich hinter dem Pseudonym doch Brunhilde Willtraut, die unter dem Namen Laurent Bach auch für den Bruno Gmünder Verlag schreibt und deren Krimi-Reihe um Privatdetektiv Bocquillon erst kürzlich in die zweite Runde ging.

„Bodyguard“ wandert zu Beginn auf bekannten, fast schon klischeehaften Pfaden – ein unglückliches erstes Treffen, eine offene Abneigung der beiden Hauptcharaktere zueinander und natürlich Rubens Auftrag ausgerechnet Niklas zu beschützen. Diese Grundlage ist nicht neu und kommt für den Leser nicht sonderlich überraschend. Das ändert sich jedoch schnell, als die Autorin in die Tiefe geht und den Kriminalfall aufrollt. Spätestens ab dem Moment, wo Niklas entführt wird, hält der Roman eine sehr hohe Spanungskurve, die dafür sorgt, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Es wird zunehmend komplexer und vielschichtiger und schon bald ist nicht nur den Charakteren klar, dass der Fall deutlich über einen gewöhnlichen Mordfall hinausgeht. Es geht Schlag auf Schlag und Corinna Bach lässt nur wenig Zeit zum Luftholen.
Positiv ist auch, dass eindeutig der Kriminalfall im Zentrum steht. Sicherlich kommt auch die Romantik nicht zu kurz und Fans von schwuler Erotik kommen zumindest in zwei bis drei kürzeren Szenen auf ihre Kosten, doch Corinna Bach legt ihren Schwerpunkt eindeutig auf den spannenden Kriminalfall und die damit verbundene Auflösung. Damit hebt sie sich angenehm von den Gay Romance Titeln heraus, die zu sehr auf die Beziehung der Charaktere eingehen oder zu viele Erotikszenen einbauen. Dadurch ist der Titel auch für den ein oder anderen männlichen Leser interessant, insbesondere wenn man Krimis mag.

Die Charaktere sind allesamt sympathisch und lebendig. Sie haben ihre Ecken und kannte, egal ob es Rubens Trägheit und Faulheit ist, Niklas Arroganz oder Inspector Bördes Homophobie. Sie interagieren gut miteinander und fügen sich perfekt in die Handlung ein. Bis auf die Szene mit der toten Katze, in der Ruben doch arg gut schauspielert und dem Leser so gar nichts von den wahren Hintergründen preisgibt (dabei wird die Szene teilweise aus seiner Perspektive geschrieben), verhalten sich die Figuren logisch und nachvollziehbar. Das gilt auch für die Gegner und die Nebenfiguren, die einen passenden Rahmen für Ruben, Niklas und Co bilden.
Stilistisch merkt man, dass „Bodyguard“ nicht das erste Buch der Autorin ist. Corinna Bach hat einen sehr flüssigen, fesselnden Stil, der sich sehr gut lesen lässt. Ihr gelingen sowohl die Actionszenen, als auch die Streitgespräche und Erotikszenen. Dabei trägt sie glücklicherweise nicht zu dick auf, sondern begnügt sich mit kurzen Erläuterungen oder blendet an passenden Stellen ab. Auch die Details und Umgebungsbeschreibungen von Freiburg und Umgebung sind gut umgesetzt und lassen die Stadt beim Lesen lebendig werden.
Das sie ein Faible für Frankreich hat merkt man ebenfalls, spielt die Geschichte doch teilweise im Elsass und wartet mit französischen Gegner auf. Damit bleibt sie sich treu, sielen doch „Mord auf Französisch“ und „Die zehn Plagen“ (Bruno Gmünder) ebenfalls in Frankreich).

Fazit:
Mit „Bodyguard – Spezialauftrag Liebe“ ist dem Sieben Verlag ein guter Wurf im Gay Romance Genre gelungen, dem hoffentlich weitere Bücher folgen werden. Corinna Bach verknüpft Krimi, Action und Romantik, wobei letztere glücklicherweise niemals zu prominent in den Vordergrund rückt, sondern genug Platz für die Ermittlungsarbeit, die Aufklärung und die Charakterentwicklung lässt. In Kombination mit den sympathischen Charakteren und dem soliden Schreibstil ist Bodyguard – Spezialauftrag Liebe“ ein lohnenswertes Buch für Fans schwuler Krimiliteratur und Gay Romance Liebhaber. Es bleibt zu hoffen, dass es bald weitere Gay Romane im „Sieben Verlag“ gibt, am besten von Corinna Bach. Bis dahin kann man sich mit den Krimis um Bocquillon über Wasser halten. Es lohnt sich garantiert.

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[ROMAN] Gayngels von Kay Monroe

Autor: Kay Monroe
Taschenbuch: 124 Seiten
ISBN-13: 978-3945118153
Preis: 8,46 EUR

Story:
Um den steigenden Bedarf an Schutzgeistern zu decken, ist man in Cal’a’el – der Stadt der Engel – dazu übergegangen auch menschliche Seelen aufzunehmen und zu Schutzengeln auszubilden. Zu diesen gehören auch Lysander und Yeremiah, die beide im Kindesalter gestorben sind und zeitgleich im Himmel eintreffen. Von Anfang an haben die beiden Jungen ein enges Verhältnis zueinander, das bald in tiefe Liebe umschlägt. Eniki, Engel der Visionen, hat dies frühzeitig vorhergesehen und ist alles andere als begeistert von der Entwicklung, hegt er doch selbst ein gesteigertes Interesse an Lysander, der in ihm ungeahnte Gefühle weckt.

Um sich nicht vollkommen zu verlieren und Lysander aus Cal’a’el zu verbannen, sucht er Luzifer auf und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt ein. Im Austausch für Lysanders Jungfräulichkeit, will der Herrscher der Unterwelt den Jungen zu sich holen. Als Lysander und Yeremiah jedoch schon vorher ihre Lust füreinander entdecken, gerät Enikis Plan komplett aus den Fugen …

Eigene Meinung:
„Gayngels“ stammt von der Autorin Kay Monroe, die bereits einige Gay Romance Bücher veröffentlicht hat, sich zumeist aber eher im Selfpublisher-Bereich tummelte. Der Main Verlag verlegte ihren Gay Fantasy „Gayngels“ 2014. Aufgrund der Länge ist das Büchlein eher eine Novelle, als ein ganzer Roman, umfasst das gedruckte Buch doch knapp 124 Seiten.

Von der Grundidee her, ist „Gayngels“ gar nicht mal so uninteressant. Die Idee menschliche Seelen zu Schutzengeln auszubilden ist eine schöne Basis und auch einige andere Ansatzpunkte, wie die Flügel von Lysander und Yeremiah, können durchaus überzeugen. Leider baut die Autorin diese Punkte nur grob aus, oder widmet ihnen kaum Beachtung. Das mag an der Kürze der Geschichte liegen, doch irgendwie hatte ich mehr erwartet – hinsichtlich der Arbeit als Schutzengel, der Zusammenhänge zwischen Himmel und Unterwelt und den Auswirkungen der fehlenden Schutzengel. Stattdessen konzentriert sich Kay Monroe fast ausschließlich auf Lysander und Yeremiah Beziehung und ihre wachsende Zuneigung, und auf Enekis Eifersucht und seinen Verrat. Sicherlich ist das der wichtigste Handlungsstrang und steht daher im Zentrum, aber eine Geschichte lebt auch durch das Umfeld. „Gayngels“ wirkt leider sehr blass und konsistenzlos, da die Welt der Engel nicht lebendig erscheint und für den Leser nicht nachvollziehbar ist. Die vielen Ideen, die die Autorin hat, werden lediglich in den Raum geworfen, aber nicht miteinander verbunden. Einzig die Erotikszenen sind ausführlich beschrieben, was in diesem Zusammenhang noch störender auffällt.

Auch die Figuren kommen nicht über die typischen stereotypen Gay Charaktere hinaus, wobei auch noch erschwerend hinzukommt, dass die meisten wie Mangafiguren wirken. Sie sind daher weder real noch greifbar, handeln mitunter unlogisch und wirken sehr aufgesetzt und unnatürlich. Gerade die beiden Hauptfiguren können so gar nicht überzeugen, da sie irgendwie seelenlos erscheinen. Als Leser lernt man fast nur die optische Hülle kennen, da sich Lysander und Yeremiah nur aufgrund der Äußerlichkeiten ineinander zu verlieben scheinen. Selten wird auf ihre inneren Werte Bezug genommen, stattdessen wird x-fach erwähnt, wie atemberaubend schön Lysander ist oder wie sehr diesem Yeremiahs Körper gefällt.
Einzig Eneki und Luzifer bieten ein wenig mehr Raum und auch Platz für Charakterentwicklung, doch leider vertieft Kay Monroe diesen Teil der Geschichte nicht. Ehrlich gesagt, war ich am Ende mehr an den beiden interessiert, als das Happy End von Lysander und Yeremiah zu lesen. Es ist schade, dass dieser Handlungsstrang in einigen Nebensätzen abgeschlossen wird, wo doch vorher durchaus einige Passagen aus Enekis Sicht erzählt wurden. Hier hätte man definitiv punkten und eine Szene zwischen Eneki und Luzifer einbauen können.

Die größte Schwäche des Buches ist jedoch Kay Monroes Stil, der viele der bereits erwähnten Punkte zusätzlich untermauert. Dazu zählen die Charaktere und der mangelnde Tiefgang. Natürlich erwartet man bei einem Gay Fantasy keine hochliterarische Kost, doch ein bisschen mehr hätte es schon sein können – mehr Inhalt, mehr Gefühl (damit ist nicht Erotik gemeint, sondern das Knistern zwischen den Charakteren), mehr Beschreibungen. „Gayngels“ wirkt seltsam flach und unausgegoren und der Schreibstil der Autorin macht es leider nicht besser. Einige Sätze hören sich seltsam an oder sind falsch aufgebaut, die Dialoge wirken haarsträubend (gerade die Gespräche der Engel im Alltagsjargon – zumindest ich stelle mir wirklich Engel ein wenig erhabener vor) und gerade die Spitznamen, die sich Lysander und Yeremiah verpassen, sind zumindest für mich zu viel des Guten (ich persönlich möchte während des Sexes nicht als Baby angesprochen werden).
An dieser Stelle muss ich auch auf den, in meinen Augen, unmöglichen Satz des Buches hinweisen, der das Lesen zusätzlich erschwert. Die fette, kursive Schrift, wenn Michael redet, kann man ja noch irgendwie akzeptieren, aber der Dialogaufbau ist wirklich schrecklich. Man weiß nie genau, wer spricht, da die Absätze nicht stimmen und man gerade bei längeren Gesprächen total durcheinander kommt. Hier hätte der Verlag spätestens im Satz eingreifen müssen und das Ganze in eine lesbare Form bringen müssen. So ist das leider ein ziemliches Manko, über das ich als Vielleser einfach nicht hinwegkomme. Vielleicht ist es als eBook besser lesbar, als Print muss man sich auf einige Schwierigkeiten einstellen.

Fazit:
Alles in allem ist „Gayngels“ nicht zu empfehlen. Gerade Leser, die realistische und in sich schlüssige Geschichten oder lebendige, gut ausgearbeitete Charaktere mögen, sollten sich eher nach anderen Gay Fantasy Büchern umschauen. So interessant einige Grundideen sind, so oberflächlich sind sie ausgearbeitet, so dass der Reiz an der Schutzengelthematik spätestens ab der Hälfte verloren geht. Ob mehr Seiten dem Roman wirklich geholfen hätten, ist schwer zu sagen, doch es mangelt an Spannung, Charakterentwicklung und Beschreibungen der Hintergrundwelt. Auch Kay Monroes gewöhnungsbedürftiger Stil und der seltsame Satz des Buches machen es schwer, sich auf „Gayngels“ einzulassen. Schade, hier wurde eine Menge Potenzial verschenkt.

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[ROMAN] Soulmates – Ruf der Freiheit von J.L. Langley

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Autor: J.L Langely
Taschenbuch: 286 Seiten
ISBN-13: 978-3942451291
Preis: 8,95 EUR

Story:
Ein blutiger Angriff, der eigentlich seinem Freund Chayton gegolten hat, kostet Remington fast das Leben. Lediglich seine Wandlung in einen Werwolf rettet ihn vor dem sicheren Tod, sorgt jedoch für einen Haufen neuer Probleme, die sein Leben zusätzlich durcheinander wirbeln. Zum einen muss er lernen seine neuen Kräfte zu kontrollieren, zum anderen hat er zunehmend Probleme sich in der Nähe des Privatdetektivs Jake aufzuhalten, da er sich stark zu diesem hingezogen fühlt. Auch seine familiären Schwierigkeiten verschlimmern sich drastisch: sein gewalttätiger Vater Dirk entwickelt sich zunehmend zu einer Gefahr für Sterling, Remis kleinen Bruder und übt immer mehr Druck auf Remi aus, der alles daran setzt seinen Bruder zu schützen. In seiner Verzweiflung bittet er Jake und dessen Partner Rhys um Hilfe.

Als die beiden Detektive versuchen etwas Handfestes gegen Remis Vater zu finden, stoßen sie auf eine alten Überfall, bei dem Remington nur knapp mit dem Leben davon gekommen ist, während dessen Freund Billy ums Leben kam. Schnell wird klar, dass die damaligen Ermittlungen nicht sauber liefen, doch die Zeit läuft ihnen davon. Zum einen wird Dirk schon bald auf Jakes und Rhys‘ Arbeit aufmerksam, zum anderen entpuppt sich Remi als Omega, eine sehr seltene Art von Werwolf, die innerhalb des Rudels für Probleme sorgt, und Jake sowohl dazu berechtigt, als auch dazu zwingt ein eigenes Rudel zu gründen …

Eigene Meinung:
„Ruf der Freiheit“ (engl. „With Caution“) ist der zweite Roman der „Soulmates“-Reihe von J.L. Langley und schließt weitestgehend direkt an „Ruf des Schicksals“ an. So werden der eigentliche Angriff und die Verwandlung von Remi in der Geschichte um Keaton und Chay abgehandelt, so dass es ratsam ist, den Band vorher zu lesen, wenn man alle Zusammenhänge wissen möchte. Dennoch kann man „Ruf der Freiheit“ auf ohne größere Probleme separat lesen – J.L. Langley erklärt alle Hintergründe, so dass man nicht unbedingt den ersten Band gelesen haben muss, um der Handlung folgen zu können.

Zu „Ruf der Freiheit“ gibt es zudem einige kostenfreie Kurzgeschichten, die sich um Sterling und Rhys drehen, die in diesem Band die wichtigsten Nebenfiguren sind.

Inhaltlich bietet „Ruf der Freiheit“ besser durchdachte, spannendere und in sich logischere Kost, als der Vorgängerroman. J.L. Langley hat sich um eine schlüssige, und gut nachvollziehbare Handlung bemüht, in der es nicht nur um Sex geht, sondern in der auch der Krimiplot und die Vergangenheit der Figuren Platz haben. Auch die Werwolfthematik wird besser eingebaut, insbesondere durch die Rudelbildung um Jake, Remis Omegawolf-Natur und die daraus folgenden Probleme. Zum ersten Mal scheinen die Figuren nicht nur Werwölfe zu sein, um die beiden Protagonisten als Gefährten zusammen zu bringen und ihre gesteigerte Libido zu erklären, sondern um es aktiv in die Handlung einzubauen. Dadurch ist der zweite Band wesentlich besser gelungen und in sich logischer, als „Ruf des Schicksals“, wo die Handlung fast nur auf Erotik und Sex hinauslief. Zwar findet der Leser auch in diesem Buch eine Menge Erotik, mitunter auch solche, die in die BDSM Richtung geht, doch es nimmt bei weitem nicht die Hälfte des Buches ein. Stattdessen beschränkt sich J.L. Langley auf eine Handvoll Szenen, was der Spannung und dem Lesefluss zugutekommt.

Neben dem Inhalt sind auch die Charaktere besser durchdacht und tiefgründiger gestaltet. Insbesondere Remi mit seiner unschönen Vergangenheit lernt man als Leser sehr gut kennen und man kann sich gut in ihn hineinversetzen. Auch Jake mit seinen kleinen und großen Marotten ist nicht uninteressant, ebenso Rhys und Sterling, die den beiden Hauptfiguren immer wieder den Rang ablaufen. Hinzukommen die Nebenfiguren in Form von Jakes Freundeskreis, die einen guten Rahmen bilden und die Charaktere, die der Leser bereits aus Band 1 kennt. Alles in allem sind die Charaktere in „Ruf der Freiheit“ interessanter und stimmiger aufgebaut und wirken nicht so aufgesetzt, wie Chay und Keaton.

Stilistisch bleibt sich J.L. Langley treu – wie schon in Band 1 erwartet den Leser ein einfacher, aber gut lesbarer, flüssiger Stil. Da die Erotik nicht so stark vertreten ist, wie in Band 1, hat man seltener den Wiederholungseffekt, der sich bei ähnlichen Redewendungen immer wieder einschleicht. Zudem kann J.L. Langley beweisen, dass sie auch Actionszenen schreiben kann und es durchaus versteht Spannung aufzubauen. Sicherlich hätten einige Szenen ausführlicher sein können, doch es liest sich dennoch gut und ist ein schöner Roma für zwischendurch.

Fazit:
Mit „Ruf der Freiheit“ ist J.L. Langley eine wesentlich bessere und in sich logischere Fortsetzung ihrer „Soulmates“-Reihe gelungen. Die Handlung ist spannender und nicht so sexlastig, die Figuren sind tiefgründiger und hinterlassen einen bleibenden Eindruck beim Leser. Das Buch kommt zwar nicht an andere Gay Fantasy Romane wie „Staub und Stolz“ oder „Zenjanischer Lotus“ heran, doch es weiß zu unterhalten und macht aufgrund der eingebauten Werwolfthematik Lust auf mehr. Wer „Ruf des Schicksals“ mochte, dem wird auch die Geschichte um Remi und Jake gefallen, wem Band 1 zu sexlastig war, sollte den zweiten Roman der Reihe zumindest anlesen. Es lohnt sich durchaus einen Blick zu riskieren.

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[ROMAN] Soulmates – Ruf des Schicksals von J.L Langely

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Autor: J.L Langely
Taschenbuch: 262 Seiten
ISBN-13: 978-3942451284
Preis: 8,95 EUR

Story:
Schon als Kind träumt der Werwolf Chayton von seiner Gefährtin; der Frau, die die andere Hälfte seiner Seele ausmacht und ihn vervollständigt. Als eines Tages der Wildhüter des Reservats, in dem Chay und sein Rudel leben, mit einem verletzten Wolf in seiner Tierarztpraxis auftaucht, weiß Chay sofort, dass er seine Gefährtin gefunden hat. Allerdings entpuppt sich die vermeintliche Frau als Mann: Keaton. Dieser ist nicht nur weiß und alles andere als indianischer Abstammung, er hat auch das ein oder andere Problem mit seiner Familie, die ihn aufgrund seiner Homosexualität aus seiner Heimat Georgia vertrieben hat.

Obwohl Keaton davor zurückschreckt, einen Gefährten zu haben, der eigentlich heterosexuell ist, kann er sich der Anziehung nicht lange widersetzen und die beiden werden ein Paar. Damit beschwören sie jedoch zunehmend Ärger hervor, da nicht nur Chays Familie und Freunde seine plötzliche Homosexualität gespalten reagieren, sondern auch Anschläge auf Keatons Leben verübt werden …

Eigene Meinung:
„Ruf des Schicksals“ ist der erste Band der „Soulmates“ (engl. „With/Without“)-Reihe der amerikanischen Autorin J.L. Langley, der im Original unter dem Titel „Without Reservation“ erschienen ist. Die Reihe wird mit dem Roman „Ruf der Freiheit“ (engl. „With Caution“) fortgesetzt, in dem Chaytons Freund Remington und dessen Gefährte Jake im Mittelpunkt stehen. Der dritte Band der Reihe („With Abandon“) ist Keatons Bruder Aubrey gewidmet, und soll noch dieses Jahr bei Cursed Side erscheinen. Zusätzlich gibt es noch eine Reihe kostenloser Kurzgeschichten, die die Autorin für ihre Fans geschrieben hat.

Die Geschichte ist recht unspektakulär, bietet Fans fantastischer und erotischer Literatur jedoch solide Kost. Das Hintergrundkonzept der Werwölfe ist nicht unbedingt neu, aber gut durchdacht und in sich logisch aufgebaut. Als Leser erfährt man wie die Werwölfe zusammenleben, wie die Rudel aufgebaut sind und wie das Konzept der Gefährten funktioniert. Allerdings konzentriert sich die Autorin zu sehr auf die Erotik und den sexuellen Bettsport zwischen Chay und Keaton. Ich habe nichts gegen einige entsprechend ausformulierte Szenen, aber wenn das Buch zur Hälfte aus nichts anderem besteht, dann ist da definitiv etwas schiefgelaufen. Man hätte das Buch locker um 100 Seiten kürzen können, wen man die Erotikszenen minimiert und nicht jeden Akt voll ausformuliert hätte. Stattdessen hätte sich J.L. Langley mehr auf die Handlung konzentrieren sollen, denn die kommt zumeist zu kurz, wirkt gehetzt und in einigen Punkten unlogisch und nicht nachvollziehbar. Gerade die Auflösung wirkt an den Haaren herbeigezogen. Es ist schade, dass die Rahmenhandlung nicht besser durchdacht wurde. „Ruf des Schicksals“ wirkt dadurch leider unausgegoren, die Geschichte scheint vielmehr ein notwendiges Übel zu sein, um die Erotikszenen miteinander zu verbinden.

Die Figuren leiden ebenfalls unter der Erotik und der zusammengestückelten Handlung, sprich wirkliche Charakterentwicklung kann man nicht erwarten. Keaton legt seine Bedenken gegenüber Chay recht schnell ab, während sich dieser ebenfalls sehr flink von seinen bisherigen Vorstellungen und seiner Heterosexualität löst. Sicherlich wird dieser Aspekt durch den Gefährtenstatus und ihr Werwolfdasein erklärt, doch irgendwie hätte man hier durchaus noch mehr Konflikte einbauen können. Auch die Probleme mit Chays Freunden und seinem Rudel sind schnell behoben, sogar die Anschläge auf Keaton werden nebenbei aufgeklärt, so dass es fast unmöglich ist, den Figuren mehr Tiefgang zu verleihen. Das ist schade, insbesondere da ihre Werwolfnatur nur dann zum Tragen kommt, wenn es sich um die erotische Komponente zwischen ihnen dreht.

Stilistisch ist „Ruf des Schicksals“ solide und lässt sich leicht lesen. Wirklich hochliterarische Kost darf man nicht erwarten, doch es gibt auch keine Stellen, über die man stolpert. J.L. Langley hat einen einfach zu lesenden, flüssigen und abwechslungsreichen Stil, was sich gerade bei den erotischen Szenen zeigt. Egal wie oft Chay und Keaton miteinander im Bett landen, J.L. Langley versucht sich nicht zu wederholen oder dieselben Phrasen zu benutzen. Dennoch kommen einige Sätze und Satzteile häufiger vor, was jedoch bei der Masse an Erotik kein Wunder ist.

Fazit:
„Ruf des Schicksals“ ist ein netter Gay Romance Roman für zwischendurch, der jedoch nicht dauerhaft in Erinnerung des Lesers bleibt. Sowohl die Handlung als auch die Charaktere bleiben zu unausgegoren und blass, die unzähligen Erotikszenen sorgen dafür, dass sich keinerlei Spannung und Dynamik aufbauen kann. J.L. Langley hat ihre Schwerpunkte definitiv falsch gesetzt und lässt viele gute Ansätze und Ideen ungenutzt verstreichen. Wer kein Wert auf eine tiefgründige Story legt und vorhersehbare Liebesgeschichten mit viel Erotik mag, kann einen Blick riskieren. Viel mehr sollte man allerdings nicht erwarten …

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[NOVELLE] Wiedersehen mit Mark von Celia Jansson

Autor: Celia Jansson
Taschenbuch: 64 Seiten
ASIN: B00EWQ1LHE (eBook)
Preis: 2,99 EUR

Story:
Der Tod des Lehrers „Mücke“ führt Daniel in sein Heimatdorf zurück und zu einem Treffen mit seinen ehemaligen Klassenkameraden, mit denen er eher schlechte Erinnerungen verbindet. Unter ihnen befindet sich auch Mark, den er vor Beginn des letzten Schuljahres während der Sommerferien kennengelernt hat, als dieser mit seiner Familie in dieselbe Straße zieht. Für Daniel, der einen zweiwöchigen Hausarrest abzusitzen hat und nur morgens das Haus verlassen darf, ist die zarte Freundschaft zu Mark etwas Besonderes. Leider wird aus seien Gefühlen bald mehr und schließlich begeht er einen unbeholfenen Annäherungsversuch, der für lange Zeit etwas Wichtiges zwischen ihnen zerstört …

Eigene Meinung:
Die Novelle „Wiedersehen mit Mark“ stammt aus der Feder von Celia Jansson und erschien im Eigenverlag als eBook. Mit einem Umfang von 64 Seiten ist die Geschichte überschaubar und bietet gut geschriebene und leicht nachvollziehbare Unterhaltung.

Der Inhalt ist nicht unbedingt neu, allerdings ist die Herangehensweise der Autorin sehr schön und gut umgesetzt. Die Charaktere sind realistisch, gut nachvollziehbar und handeln logisch. Als Leser kann man sich gut in Daniel hineinversetzen, aus dessen Sicht die Novelle erzählt wird. Aufgrund des geringen Umfangs darf man nicht von einer ausgefeilten, tiefgründigen Handlung ausgehen, doch das stört überhaupt nicht. „Wiedersehen mit Mark“ ist von der Länge her optimal, da es sich um eine leichte Sommerliebe handelt, die dem Leser einen kurzen Einblick in Daniels Leben und seine Freundschaft zu Mark gewährt. Mehr wäre in diesem Zusammenhang zu viel gewesen und hätte vom eigentlichen Inhalt, der Grundidee und Daniels Gefühlswelt abgelenkt. Auch die Tatsache, dass Celia Jansson ihre Geschichte offen enden lässt, bietet nicht nur Platz die eigene Fantasie spielen zu lassen, sondern auch die Möglichkeit einer Fortsetzung.

Auch stilistisch gibt es wenig zu bemängeln. Celia Jansson hat einen sehr schönen, feinen Schreibstil, der ein wenig an die Bücher von Jana Walther und Paul Senftenberg erinnert. Das mag auch an der Thematik erste Liebe und Sommergefühle liegen, doch wer Bücher der oben genannten Autoren kennt, dem werden weitere Gemeinsamkeiten „Wiedersehen mit Mark“ auffallen.
Celia Jansson hat „Wiedersehen mit Mark“ in zwei zeitliche Abschnitte unterteilt: die Gegenwart, in der sich Mark und Daniel auf der Beerdigung von Herrn Mücke wiedersehen, und die Rückblende, in der der Leser erfährt, was zwischen den beiden vorgefallen ist. Die Geschichte ist hierbei komplett aus Daniels Sicht erzählt, weswegen man Mark nur bedingt kennenlernt. Er bleibt leider ein wenig blass, was auch daran liegt, dass zwischen den beiden jungen Männern viele unausgesprochene Worte bleiben und man nur mit Daniels Gedanken konfrontiert wird.

Nichtsdestotrotz lohnt es sich die Novelle zu lesen. „Wiedersehen mit Mark“ ist eine schöne Geschichte, die sich mehr auf die Darstellung von Gefühlen und dem Inenleben von Daniel auseinandersetzt. Einige weitere Themen (Coming-Out, Religion, Mobbing) werden gestreift, jedoch nicht vertieft. Vielleicht widmet sich die Autorin noch einmal den beiden Figuren und erzählt eine längere Geschichte, in der sie mehr auf die Umwelt von Daniel und Mark eingehen kann.

Fazit:
„Wiedersehen mit Mark“ ist eine schöne, in sich stimmige Novelle für Liebhaber ruhiger, stiller Geschichten, die ohne Schnörkel, Erotik und ausufernde Beschreibungen daherkommt. Celia Jansson hat einen schönen, stimmungsvollen Schreibstil, der zu der kurzen Erzählung passt und Daniel sehr gut in Szene setzt. Obwohl die Novelle eine optimale Länge hat und an keiner Stelle zu kurz oder zu gehetzt daherkommt, wäre es dennoch schön, zu erfahren, wie es mit Daniel und Mark weitergeht. Egal wie – es lohnt sich die Autorin im Blick zu haben, vielleicht gibt es ja bald Umfangreicheres von ihr zu lesen.

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[COMIC] Eros/Psyche von Maria Llovet

Autor: Maria Llovet
Taschenbuch: 144 Seiten
ISBN-13: 978-3842010093
Preis: 12,00 EUR

Story:
Als Sara auf dem Mädcheninternat Rose aufgenommen wird, ist sie am Ziel ihrer Träume. Sie genießt die Zeit auf der Rose, egal welch düsteren Legenden und Geheimnisse sich um die Schule ranken, und wie hart die Strafen sind, wenn die Mädchen die Regeln brechen. Der Hauptgrund ist Silje, die als Schlüsselschülerin am längsten dort ist und nahezu jede Prüfung als Beste abschließt. Zwischen Sara und Silje entwickelt sich schnell eine tiefe Freundschaft, die schon bald in die zarten Anfänge einer Liebe übergeht, da die beiden Mädchen viele Gemeinsamkeiten haben.

Doch Saras Glück ist nur von kurzer Dauer, denn Silje verheimlicht ihr etwas, was eng mit dem Geheimnis der Schule verwoben ist und ein Schicksal für Sara bereithält, dem diese nicht mehr entkommen kann.

Eigene Meinung:
Der Einzelband „Eros/Psyche“ stammt von Maria Llovet, die mit ihrem Partner, dem Künstler Jesus Orellana in Barcelona lebt. Im Jahre 2012 gewann sie mit „Eros/Psyche“ den “Bronze Award of the 6th international Manga Award”, welcher ihr vom japanischen Außenminister überreicht würde. Die Graphic Novel erschien 2011 in Frankreich und Spanien, 2014 veröffentlichte sie Tokyopop in deutscher Sprache.

Die Geschichte ist ungewöhnlich und nicht leicht zu verstehen. Um „Eros/Psyche“ nachvollziehen zu können, muss man die Zwischentöne des Comics erkennen du deuten können, da sich die Künstlerin nicht mit einer leichten und logisch aufgebauten Geschichte begnügt. Stattdessen ist der Leser gezwungen sich selbst Gedanken zu machen und seine eigenen Interpretationen vorzunehmen. Das ist durchaus spannend und fordernd, da es angenehm aus dem Einheitsbrei heraussticht und in vielen Punkten andere Wege geht, aber auch sehr anstrengend. So ist es ratsam die Graphic Novel in einem Rutsch zu lesen und Pausen zu vermeiden, da man ansonsten schnell aus der Handlung „fliegt“. Rund hierfür ist die seltsame Erzählweise ist, gepaart mit den skurrilen Grundideen und dem Mangel an Informationen, die dafür sorgen, dass man nie genau weiß, worum es eigentlich geht. Über das Mädcheninternat Rose erfährt man nur wenig, auch wie die Mädchen dorthin kommen und was aus ihnen wird, wen sie die Schule verlassen, wird nicht beleuchtet. Obwohl für Sara zum Ende hin die Rätsel gelöst werden, tappt der Leser noch im Dunkel.

Die Charaktere sind interessant und ebenso ungewöhnlich wie die Geschichte. Aus diesem Grund passen Sara und Silje gut zum Gesamtbild und bilden den perfekten Rahmen. Ihre Beziehung und Freundschaft zueinander ist gut nachvollziehbar, auch die Liebesgeschichte der beiden wird gefühlvoll und realistisch in Szene gesetzt, ohne dass die Zeichnerin zu dick aufträgt oder gar kitschig wird.
Lediglich die Nebenfiguren bleibe ein wenig blass, aber das passt durchaus zur Handlung, da auf die Mitschülerinnen ebenso wenig eigegangen wird, wie auf die Welt außerhalb der Schule. Es bleibt den Lesern überlassen, wie er diesen Aspekt interpretiert und für sich umsetzt.

Stilistisch hebt sich Maria Llovet angenehm von den gängigen Mangas ab. Im Grunde ist es an dieser Stelle falsch, „Eros/Psyche“ als Manga zu bezeichnen, denn bis auf die Tatsache, dass der Comic schwarz/weiß gehalten ist, hat Maria Llovets Werk wenig mit einem japanischen Comic gemein. Die Zeichnungen sind härter und klarer, es gibt keinerlei aufwendige Hintergründe oder detailverliebte Figuren. Maria Llovet hat einen sehr klaren, strikten Stil, der sich durch harte schwarz/weiß Flächen, realistische Figuren und eine lebendige Mimik und Gestik auszeichnet.

Fazit:
„Eros/Psyche“ ist eine ungewöhnliche Graphic Novel, die sich in vielen Punkten von den gängigen Comics und Mangas unterscheidet. Sowohl die Story, als auch die Figuren sind ungewöhnlich und nicht leicht zu verstehen, da der Leser zwischen den Zeilen lesen muss, um den Sinn des Comics zu erfassen. Auch die realistischen, sehr klaren Zeichnungen sind Geschmackssache, insbesondere wenn man Mangas gewöhnt ist.

Wer Probleme mit ungewöhnlichen Geschichten hat und solchen, die nicht kontinuierlich laufen, sollte um „Eros/Psyche“ einen Bogen machen. Alle anderen, die offen für etwas Neues sind und keine Scheu vor ungewöhnlichen Comics haben, sollten Maria Llovets Werk eine Chance geben. Es lohnt sich.

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[ROMAN] Stubentiger wider Willen von Chris T. Kat

Autor: Chris T. Kat
Taschenbuch: 254 Seiten
ISBN-13: 978-3942451253
Preis: 8,95 EUR

Story:
Nachdem der fünf Jahre jüngere Frischling der Firma Andrew dem schwarzen Gestaltwandler Jim den begehrten Chefdesignerposten vor der Nase wegschnappt, kocht Jim vor Wut. Nicht nur fühlt er sich von seinem Freund und Geschäftsführer Marshall übergangen, er muss fortan auch Andrew zuarbeiten. Um sich seinen Frust von der Seele zu laufen, stromert er abends als Kater durch die Gegend. Der Zufall will es, dass er von einem Gewitter direkt auf Andrews Terrasse getrieben wird, wo er von dessen Sohn Tony aufgegabelt wird. Der Junge verliebt sich sofort in Jims Katzenform und tauft diesen Mr. Frosty, und obwohl Jim es nicht will, taucht er immer bei der Familie auf. Nach und nach lernt er Andrew und Tony besser kennen, erfährt von den vielen Problemen, die der alleinerziehende Vater hat und freundet sich schließlich auch als Jim mit Andrew an.

Als Tony erkennt, dass Jim und Mr. Frosty dieselbe Person sind, beginnen für den jungen Grafiker die ersten Probleme. Hinzukommen Jims wachsende Gefühle für Andrew. Die schon bald für weiteres Chaos sorgen …

Eigene Meinung:
„Stubentiger wider Willen“ ist der erste Roman von Chris T. Kat, der auf dem deutschen Markt erschienen ist. Erstmals kam die Geschichte um Jim und Andrew unter dem Titel „Purrfect Match“ 2012 bei Dreamspinner Press heraus, bei dem weitere Romane der Autorin vorliegen.

Die Geschichte bietet eine gute, interessante Grundidee, aus der man durchaus eine Menge hätte machen können. Leider konzentriert sich die Autorin fast ausschließlich auf die Probleme von Andrew und Tony, als Jims Fähigkeiten die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen. Dadurch verschenkt sie das meiste Potenzial, da das Gestaltwandeln und die Schwierigkeiten, die diese Fähigkeit mit sich bringen, kaum behandelt werden. Stattdessen darf sich der Leser zum Beispiel mit Tonys Schulproblemen, Andrews ehemaliger Beziehung und die kleineren und größeren Schwierigkeiten, die der Umzug in eine neue Stadt für Andrew und seinen Sohn mit sich bringt, auseinandersetzen. Zudem scheint der übernatürliche Aspekt irgendwann komplett wegzufallen (insbesondere nachdem Andrew von der Fähigkeit seines Freundes erfahren hat), was Jim mehr und mehr zum Statisten abstempelt, der dafür da ist, die Geschichte zu erzählen, anstatt sie mitzubestimmen.
All diese Punkte sorgen dafür, dass Jims Gabe des Gestaltwandelns für die Autorin eher Mittel zum Zweck gewesen ist, um die beiden Hauptfiguren zusammen zu bringen. Für die Geschichte ist dieser Punkt überhaupt nicht relevant – man hätte diesen übernatürlichen Aspekt ebenso gut streichen können, ohne, dass sich die Handlung grundlegend verändert hätte. Das was „Stubentiger wider Willen“ wirklich interessant hätte machen können, spielt keine nennenswerte Rolle mehr.

Die Charaktere sind ebenfalls recht stereotyp geraten. Erstaunlicherweise ist Jim am blassesten von allen, obwohl das Buch aus seiner Sicht geschrieben ist. Das liegt vor allem an den oben erwähnten inhaltlichen Schwächen. Man erfährt zwar grob, was in seinem Inneren passiert und wie es um seine Gefühle bestellt ist, doch sein Leben und seine Vergangenheit bleibt verhältnismäßig blass. Damit ist auch das Gestaltwandeln gemeint. Wer darauf hofft, Hintergründe zu erfahren, oder mit irgendwelchen Schwierigkeiten konfrontiert wird, die diese Gab mit sich bringt, hofft vergeblich. Dafür wird öfters Jims Aussehen (schwarz, fast zwei Meter groß) zu einem Problem, insbesondere als er über eine Beziehung zu Andrew nachdenkt.

Andrew als zweiter Hauptcharakter ist ein wenig besser ausgearbeitet, auch wenn er oftmals unrealistisch reagiert und für meinen Geschmack zu „nah ans Wasser gebaut“ ist. Am Ende des Buches ist sich der Leser nicht mehr sicher, wer mehr Tränen vergossen hat – er oder sein Sohn Tony. Dieser ist glücklicherweise gut gelungen und portraitiert einen sechsjährigen Jungen, der mit der Schule und Mobbing zu kämpfen hat zumeist glaubwürdig. Hin und wieder verhält er sich nicht ganz seinem Alter entsprechend, insbesondere wenn es um die Beziehung zwischen Jim und Andrew geht.

Stilistisch ist „Stubentiger wider Willen“ gut geschrieben und liest sich schnell und flüssig. Die Geschichte wird aus Jims Sicht erzählt, so dass man sich gut mit dem Charakter identifizieren und auf ihn einlassen kann. Angenehm ist, dass sich Chris T. Kat mit Erotik zurückhält – bis auf eine ausführlichere Szene wird abgeblendet, so dass der Roman nicht durch übermäßig viele, detaillierte Sexszenen in die Länge gezogen wird. Für den Leser ist dies ganz angenehm, da sich die Autorin mehr auf die Geschichte konzentriert.

Fazit:
„Stubentiger wider Willen“ ist ein netter Gay Romance Roman für zwischendurch, der leider einiges an Potenzial verschenkt, da Chris T. Kat die falsche Gewichtung legt. Es wird zu viel Wert auf Andrew und Tony gelegt, Jims besondere Fähigkeiten finden leider kaum Erwähnung. Dadurch ist „Stubentiger wider Willen“ leider nur bedingt zu empfehlen, denn im Großen und Ganzen erwartet den Leser nur eine 08/15-Liebesgeschichte, die sehr einseitig aufgebaut ist. Schade, aus der Grundidee hätte man mehr machen können …

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[MANGA] Calling von Kano Miyamoto

Autor: Kano Miyamoto
Taschenbuch: 194 Seiten
ISBN-13: 978-3551756428
Preis: 6,95 EUR

Story:
Der schüchterne und unsichere Keigo verliebt sich auf den ersten Blick in den geheimnisvollen Shiki, den er in einer Kneipe an der Bar entdeckt. Trotz seiner Scheu spricht er Shiki an, muss jedoch feststellen, dass dieser nicht schwul ist und keinerlei Interesse an Keigo hat. Dennoch kommen sich die beide näher, als Keigo den betrunkenen Shiki nach Hause bringt. Doch ihre aufkeimende Freundschaft steht unter einem schlechten Stern, scheint Shiki doch einer geheimen Polizeieinheit anzugehören, die gegen Terroristen und gefährliche Kriminelle ermittelt.

„Night Call“, die zweite Geschichte des Mangas, dreht sich um den jungen Asaoka, der sich freiwillig bei der Polizei meldet und als einer von Shikis Freunden ebenfalls Mitglied der Anti-Terror-Sonderabteilung werden möchte. Allerdings muss er dafür eine ungewöhnliche Aufnahmeprüfung absolvieren, die beinhaltet, mit einem der Ausbilder zu schlafen. Als sich dieser als männlich entpuppt, gerät Asaoka in einen Gewissenskonflikt.

In der letzten Kurzgeschichte „Golden Rain“ steht der junge Kaoru im Zentrum, der eine Videothek eröffnet und sich mit Inoue, dem Inhaber des benachbarten Takoyakishops anfreundet. Außerdem ist da noch der stille Junge von der anderen Straßenseite, der selten sein Zimmer verlässt und Kaoru beobachtet. Nach und nach lernt Kaoru den Jungen kennen und stolpert über ein unschönes Geheimnis …

Eigene Meinung:
Der Boys Love Manga „Calling“ ist der erste Band einer dreibändigen Reihe, die mit den Mangas „Nowhere „ und „Eden“ fortgesetzt wird. Inhaltlich dreht sich Miyamoto Kanos Werk um die Mitglieder der Anti-Terroreinheit, insbesondere um Shiki und Asaoka. Letzterer steht in Band zwei und drei im Zentrum der Handlung, da sich die Mangaka auf seine Beziehung zu dem Ausbilder TJ konzentriert und Asaoka mit einer kriminellen und gefährlichen Gang in Kontakt kommt.

Inhaltlich ist „Calling“ ein gelungenes Werk, das Lust auf mehr macht. Der erste Band kratzt zwar bei der eigentlichen Geschichte rund um die Anti-Terror-Einheit lediglich an der Oberfläche, doch man wird dennoch gut unterhalten und lernt die wichtigen Figuren kennen. Im zweiten Band „Nowhere“ geht Miyamoto Kano schließlich in die Tiefe und baut eine spannende, interessante Geschichte auf, bei der auf der einen Seite die Polizeieinheit, auf der anderen die Beziehung zwischen Asaoka und TJ beleuchtet wird. Shiki tritt ab hier nur noch am Rande auf, doch das fällt nicht stärker ins Gewicht, da ein großer Teil seiner Geschichte bereits in „Calling“ erzählt wird.

Die Charaktere sind sympathisch und gut nachvollziehbar. Shiki kommt zu Beginn sehr geheimnisvoll daher, seine wahre Persönlichkeit lernt der Leser erst später kennen. Asaoka ist manchmal ein bisschen zu unsicher und schwächlich, doch das ändert sich glücklicherweise im Laufe der Zeit. Auch die übrigen Figuren können überzeugen, insbesondere TJ, der im ersten Band nur einen kurzen Auftritt hat, später immer wichtiger wird.

Zeichnerisch ist „Calling“ auf hohem Niveau. Miyamoto Kano hat einen realistischen Zeichenstil, der relativ schlicht und einfach daherkommt. Die Mangaka verliert sich selten in überbordende Details, sondern konzentriert sich auf ihre Figuren und deren Emotionen. Diese fängt sie sehr gut ein und kann sowohl Shiki, als auch Keigo, Asaoka und TJ gut in Szene setzen. Zudem bereiten ihr ältere Menschen und eine gewisse Eigendynamik der Personen keine Probleme. Miyamoto Kano ist routiniert und weiß, was sie tu, und diese Sicherheit spürt man als Leser, auch wenn die Zeichnerin nicht mit Details und aufwendigen Designs beeindrucken kann.

Fazit:
Nach der zweibändigen Reihe „Sleeping Moon“ legt Carlsen eine sehr schöne, atmosphärische und gut umgesetzte neue Kurzserie von Miyamoto Kano vor. „Calling“ ist ein gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht und Fans stillerer und realistischer Boys Love Mangas begeistern dürfte. Dank der gut nachvollziehbaren Charaktere und der schnörkellosen Zeichnung ist „Calling“ auf jeden Fall einen Blick wert. Zu empfehlen.

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