Archiv für den Monat Juni 2014

[ROMAN] Mörderischer Anpfiff von Jo Stephan

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Autor: Jo Stephan
Taschenbuch: 229 Seiten
ISBN-13: 978-9963523498
Preis: 12,99 EUR

Story:
So hat sich der schwule Friseur Maximilian seinen ersten Einsatz als Zeugwart beim Fußballspiel seiner neuen Wahlheimat Pfenningen, in der Nähe von Augsburg, nicht vorgestellt. Noch vor dem Anpfiff stolpert er über die Leiche des Schiedsrichter Gerhard Nadlinger, den meisten bekannt als der „geile“ Gerd. Die Polizei tappt im Dunkeln und als er zufällig Gerds Halbschwester Geli kennenlernt, beschließen die beiden die Suche nach dem Mörder selbst in die Hand zu nehmen.
Dem chaotischen Duo schließen sich zudem noch Maximilians Ex Henning an, die schwule Clique rund um den schrillen, extrovertierten Alfie und Gelis skurrile und exzentrische Oma Edith. Schnell wird die Mörderjagd zu einem chaotischen Durcheinander und niemand glaubt wirklich an den Erfolg der illustren Runde. Erst als plötzlich Anschläge auf Geli und Max verübt werde, bemerken sie, dass sie dem Täter tatsächlich auf der Spur sind …

Eigene Meinung:
Seit Anfang 2013 versorgt der Bookshouse Verlag die Leserschaft mit einem breitgefächerten Verlagsprogramm, das nahezu alle Genres umfasst. Mit „Mörderischer Anpfiff“ von Jo Stephan wagt man sich an ein weiteres Werk mit schwulem Helden, nachdem „Schattengrenzen 2 – Der Rebell“ von Tanja Meurer bereits mit einem homosexuellen Hauptcharakter aufwartete. Während „Der Rebell“ im Mystery-Thriller Genre angesiedelt ist, handelt es sich bei „Mörderischer Anpfiff um einen witzigen, lockeren Krimi, der die Auflösung des eigentlichen Kriminalfalls eher an zweiter Stelle setzt und sich mehr auf die Figuren konzentriert.

Inhaltlich sollte man daher keinen ausgereiften Krimi erwarten, bei dem man miträtseln- oder fiebern kann. Das liegt vor allem an der skurrilen Mischung und den schrägen Charakteren, die schnell von dem eigentlichen Inhalt ablenken. So stolpern Max und seine Freunde einfach durch die Handlung, wissen selten, was zu tun ist und kommen dem Täter eher durch Zufall auf die Spur. Leider ist gerade dieser Punkt sehr unausgegoren, da man nicht so recht versteht, wann und wo sie den Mörder aufschrecken und was genau den Täter dazu bringt, zu solch rabiaten Mitteln zu greifen (die Angriffe auf Geli und Max sind wirklich übertrieben). Gegen Ende fügt sich alles irgendwie zusammen, doch wirklich zufrieden ist man als Leser nicht. Die große Enthüllung wirkt zu aufgesetzt, die Hintergründe zu unlogisch, um den Tathergang und das Motiv nachvollziehe zu können.
Schade ist auch, dass es kaum echte Ermittlungsarbeit gibt. Viele Gespräche mit Zeugen oder Freunden des Opfers werden in einer kurzen Rückblende zusammengefasst, anstatt sie dem Leser aktiv zu beschreiben. Spätestens an diesem Punkt merkt man, dass „Mörderischer Anpfiff“ kein richtiger Krimi ist, da das passende Flair fehlt.

Auch sollten sich Fans von schwuler Romantik und Erotik im Vorfeld klar sein, dass es sich bei „Mörderischer Anpfiff“ nicht um eine Liebesgeschichte oder ein Beziehungsdrama handelt. Das Buch ist ein witziger Krimi mit mehreren schwulen Helden. Das ist auf der einen Seite durchaus schön, weil Jo Stephan in eine andere Richtung geht und die Handlung nicht um eine Liebesgeschichte oder Erotik aufbaut wie es bei Gay Romance oft der Fall ist, doch ein wenig mehr hätte es durchaus sein können. Potenzial wäre durch Max und Henning da gewesen, aber vielleicht gibt es in der Fortsetzung mehr. Immerhin lief das Buch unter dem Reihentitel „schwarz, schwul & cool“, sprich es dürften weitere Bände folgen.

Trotz der inhaltlichen Kritik liest sich das Buch schnell, was an den skurrilen und exzentrischen Charakteren und der Situationskomik liegt. Allerdings muss man spätestens nach der Hälfte zugeben, dass es einfach zu viel des Guten war. Hier hat man versucht zwanghaft komisch und witzig zu sein, was leider nur bedingt geglückt ist. Sicherlich – die Charaktere sind schillernd, jeder hat einige tolle Charakterzüge, die in Erinnerung bleiben; aber es überrollt den Leser einfach. Alfie ist unsagbar anstrengend und egozentrisch, Edith zwar witzig und nicht auf den Mund gefallen, aber leider zu überspitzt dargestellt und damit die meiste Zeit unglaubwürdig. Selbst Max‘ Art ist nur schwer zu nehmen und Henning bleibt zu blass, um wirklich hervor zu stechen. Lediglich Geli ist halbwegs normal dargestellt und nachvollziehbar.

Stilistisch ist „Mörderischer Anpfiff“ gut geschrieben. Jo Stephan hat einen flüssigen Schreibstil und versteht es die unterschiedlichen Figuren in Szene zu setzen. Gerade Edith mit ihrer schnodderigen und unverblümten Sprache weiß zu gefallen, ihre Kommentare sind durch ihre schonungslos ehrliche Art witzig und unterhaltsam. Auch die Dialoge sind gut umgesetzt – es macht Spaß die Streitereien und Diskussionen zu lesen und die Charaktere auf diesem Weg kennen zu lernen.
Wer den Autor kennt, hinter dem sich eine Autorin aus dem Romantik/Erotik-Genre verbirgt, erkennt auch den eingebauten Insider wieder. Damit sind nicht nur die Beschreibungen und Fotografien von Augsburg gemeint, die den Roman abrunden, sondern die Szene, in der Max und Geli eine erotische Lesung besuchen. Ob das dem Leser gefällt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen.

Fazit:
„Mörderischer Anpfiff“ ist ein unterhaltsames Buch für zwischendurch, das besonders Fans skurriler Figuren und von Situationskomik begeistern dürfte. Wer einen echten Krimi sucht, ist hier ebenso falsch, wie Fans von Gay Romance bzw. von Romanen mit schwulem Thema. Die meisten Figuren sind zwar schwul, allerdings auf eine klischeehafte und übertriebene Art, die teilweise ein seltsames Bild vermittelt. Im Zweifelsfall einen Blick in die Leseprobe werfen.

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[ROMAN] Daniel und Ismael von Jana Walther

Autor: Jana Walther
Taschenbuch: 120 Seiten
ISBN-13: 978-1481838191
Preis: 6,50 EUR

Story:
Auf der Flucht vor der Familienfeier und der damit verbundenen Verwandtschaft, stolpert Daniel über den gleichaltrigen Ismael, der sich ebenfalls vor einer derartigen Feierlichkeit in Sicherheit gebracht hat. Die beiden lernen sich kennen und besonders Daniel verfällt dem schüchternen Jungen, den er mehr als einmal mit seinem alten Fotoapparat festhält. Allerdings gehört Ismaels Familie einer streng religiösen Gemeinschaft an, die nicht einmal Fotos, Spiegel und Beziehungen außerhalb der Gruppierung akzeptiert, von homoerotischen Neigungen ganz zu schweigen. Trotz allem kommen sich Daniel und Ismael näher und stehen plötzlich vor einer neuen Herausforderung.

Neben der titelgebenden Geschichte „Daniel und Ismael“ enthält das Buch noch die Kurzgeschichten:
„Black-eyed“
„The boys of summer“
„Eine Wohnung in der Stadt“
„Der Junge“
„Der schönste Engel der Welt“
„Der Engel auf der Fensterbank“

Eigene Meinung:
„Daniel und Ismael“ ist ein Kurzgeschichtenband der Autorin Jana Walther, die bereits mit ihren Romanen „Im Zimmer wird es still“, „Benjamins Gärten“ und „Phillips Bilder“ auf sich aufmerksam gemacht hat. Nun hat die Autorin eine Sammlung ihrer Kurzgeschichten und Novellen im Eigenverlag herausgebracht, die einmal mehr zeigen, wie vielseitig sie. Die titelgebenden Geschichte macht hierbei nur die Hälfte des 110-seitigen Buches aus, und enthält weitere Kurzgeschichten der Autorin, die mitunter vorab als eBook veröffentlicht wurden, oder in Anthologien erschienen sind.

Inhaltlich präsentiert Jana Walther ihren Fans eine bunte Mischung, die sich schwer auf einen Nenner herunterbrechen lässt. Sie streift viele verschiedene Themen, gibt einen Einblick in die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und bietet mal leichte, mal dramatische, mal ernste Kost. Dabei ist die Geschichte „Daniel und Ismael“ am weitesten ausgereift, der Leser hat hierbei zumindest die Möglichkeit die beiden Hauptfiguren besser kennen zu lernen und ihre Entwicklung mitzuverfolgen. Die anderen Kurzgeschichten sind zwar interessant und bieten gute Ansätze, doch bei einigen vermisst man den Tiefgang und die besondere Atmosphäre, die den Erzählungen von Jana Walther zu eigen sind. Das macht die einzelnen Kurzgeschichten der Anthologie nicht unbedingt schlecht, aber sie erreichen nicht das Potenzial die längeren Romane der Autorin aufweisen können. Hin und wieder möchte man mehr erfahren, das Leben der Figuren weiterverfolgen, anstatt das Gefühl zu haben, dass man nur einen Bruchteil der eigentlichen Geschichte erfahren hat. Das ergeht einem insbesondere bei den zusammengehörenden Erzählungen „The boys of summer“ und „Eine Wohnung in der Stadt“, die in ihrer Art und Hintergrundidee ein wenig an den Roman „Der Klub der Ungeliebten“ erinnern. Vielleicht gibt es ja bald mal eine komplette Ausarbeitung der beiden Kurzgeschichten – als Leser möchte man durchaus mehr über Julian und Jen erfahren.

Die Charaktere der einzelnen Geschichten sind sehr realistisch und gut nachvollziehbar. Jana Walther hat ein Händchen für überzeugende Figuren, die nie gekünstelt oder aufgesetzt wirken. Das betrifft auch Nebenfiguren (insbesondere weibliche), die den beiden männlichen Hauptfiguren erst den passenden Rahmen verleihen. Auch das Zusammenspiel zwischen Jen und Julian in „The boys of summer“ und „Eine Wohnung in der Stadt“ klappt und zeigt, dass die Autorin auch weibliche Figuren nachvollziehbar und passend in Szene setzen kann.

Stilistisch bietet Jana Walther gewohnt solide und sehr stimmungsvolle Kost. Auch wenn die Kurzgeschichten inhaltlich ein wenig seichter sind, so erwartet die Fans doch der gewohnt gute und belletristische Schreibstil, der die Autorin angenehm aus der breiten Masse heraus stechen lässt. Dazu gehört sowohl der beschreibende, fast schon nüchterne Stil, als auch die unverblümte und direkte Art, mit der die Autorin ihre Erzählungen in Worte kleidet. Wirklich kitschige Romantik wird man hier vergeblich suchen, ebenso wenig werden die einzelnen Geschichten durch übermäßig viel Erotik oder Sex aufgebauscht. Sicherlich kommen sich die jeweiligen Hauptfiguren auch körperlich näher, doch Jana Walther geht dabei nie zu sehr ins Detail oder lenkt von der eigentlichen Handlung ab. Dies macht ihre Kurzgeschichten und auch Romane sehr stilvoll und atmosphärisch, so dass Fans der Autorin auf jeden Fall einen Blick in die gelungene Kurzgeschichtensammlung werfen sollten.

Fazit:
„Daniel und Ismael“ ist eine schöne Kurzgeschichtensammlung der Autorin Jana Walther und ein Muss für ihre Fans und Liebhaber realistischer und atmosphärischer Literatur. Die einzelnen Erzählungen kommen zwar nicht an ihre längeren Romane heran, bieten jedoch abwechslungsreiche und schön geschrieben Kost, die zeigen wie flexibel die Autorin arbeitet. Wer keine Lust hat, sich die einzelnen Anthologien zu kaufen und die zeit bis zu Jana Walthers neuem Buch überbrücken will, sollte sich das kleine Büchlein zu Gemüte führen. Es lohnt sich.

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[MANGA] Bride of the Fox Spirit von Rihito Takarai und Miryu Masaya

Autor: Rihito Takarai / Miryu Masaya
Taschenbuch: 228 Seiten
ISBN-13: 978-3842010000
Preis: 7,95 EUR

Story:
Shin ist auf dem absoluten Tiefpunkt seines Lebens angekommen – er ist arbeitslos, hat keine Wohnung und sein Vermögen beläuft sich auf ein paar Yen, die nicht mal ausreichen, um sich etwa zu essen zu kaufen. Als er in einem Schrein eine Essensspende an den Fuchsgott findet, schlägt er sich den Magen voll und bedankt sich mit den Worten, dass er mit Freuden die Braut eines Fuchsgottes werden würde. Sein Versprechen wird ernster genommen als ihm lieb ist, als plötzlich der Fuchsgott Ginrei vor ihm steht und sich als sein Man entpuppt. Unabsichtlich hat Shin Ginreis Hochzeit mit der Füchsin Meno unterbrochen und darf sich fortan mit dem griesgrämigen Ginrei herumschlagen, der alles daran setzt den Ehebund rückgängig zu machen. Dafür ist Shins Hilfe notwendig, da nur er das Bündnis mit der Macht seiner Worte brechen kann …

Eigene Meinung:
„Bride of the Fox Spirit“ ist ein Einzelband der bekannten Künstlerin Rihito Takarai („Seven Days“, „Only the Flowers know“), der in Zusammenarbeit mit der Autorin Miryu Masaya entstand. Wer nun davon ausgeht, dass es sich bei dem Band um einen romantischen Boys Love Manga handelt, der irrt sich – „Bride of  the Fox Spirit“ ist ein Fantasy-Shojo, der lediglich einige leichte BL-Ansätze enthält. Dementsprechend ist die Klassifizierung „Boys Love“ seitens Tokyopop ein wenig unglücklich gewählt, da „Bride of the Fox Spirit“ eher für Shojo- und Fantasyfans geeignet ist, und BL-Fans nur bedingt auf ihre Kosten kommen.

Nichtsdestotrotz ist „Bride of the Fox Spirit“ ein schöner Manga, der mit einer hübschen Story und liebenswerten Charakteren punkten kann. Natürlich ist die Grundidee nichts Neues; da die beiden männlichen Protagonisten aber nicht zusammen kommen, wie es bei einem Vertreter des BL Genres höchstwahrscheinlich passiert wäre, macht es dennoch Spaß den Manga zu lesen. Auch der Umstand, dass der Manga nicht mit dem Brechen des Ehebundes beendet ist, sondern weitergeht ist ein Pluspunkt. Miryu Masaya geht dabei nicht auf Meno und Ginrei ein, sondern treibt eher die Freundschaft zwischen dem Fuchsgott und Shin voran, so dass der Manga trotz des geringen BL-Anteils auch für Fans dieses Genres lesenswert ist.
Die Charaktere sind liebenswert und bleiben in Erinnerung. Das trifft sowohl auf Shin und Ginrei zu, die einander ergänzen und in deren Beziehung man durchaus mehr hineininterpretieren kann. Auch Meno ist nicht unsympathisch, ebenso die vielen Geister, die die Fuchsgötter begleiten und umgeben. Sie alle bilden einen schönen Rahmen für die Geschichte und sorgen dafür, dass man den Manga schnell und mit Freude liest.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln. Rihito Takarais Zeichnungen sind wundervoll leicht und in sich stimmig. Sie passen sehr gut zur Geschichte und den Charakteren. Sowohl die männlichen, als auch die weiblichen Charaktere sind sehr schön in Szene gesetzt und auch die Hintergründe, die Dynamik und die Perspektiven sind in sich stimmig. Rihito Takarai legt einen tollen Manga vor, der optisch keinerlei Wünsche offenlässt und der sich allein schon wegen den Zeichnungen lohnt.

Fazit:
„Bride of the Fox Spirit“ ist ein schöner Fantasy-Manga mit leichtem BL-Touch, der mit seinen liebenswerten Figuren und der wundervollen Zeichnungen punkten kann. Wer einen waschechten BL, womöglich mit Erotik, erwartet, ist hier definitiv falsch. Der Manga ist eher ein Shojo-Fantasy, und daher eher für Liebhaber romantischer Fantasymangas geeignet. Nichtsdestotrotz sollen auch BL-Fans einen Blick riskieren – „Bride of the Fox Spirit“ loht sich allein schon wegen dem Zusammenspiel zwischen Shin und Ginrei. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Narben von Paul Senftenberg

Autor: Paul Senftenberg
Taschenbuch: 140 Seiten
ISBN-13: 978-3863613648
Preis: 14,90 EUR

Story:
Seitdem der siebzehnjährige Thomas mit seiner Mutter vom Dorf in die Stadt gezogen ist, ist sein Leben die Hölle. Noch immer macht ihm der Unfalltod seines Vaters schwer zu schaffen, für den er insgeheim seine Mutter verantwortlich macht, und in der Schule ist er der Außenseiter schlechthin, der von seinen Mitschüler drangsaliert und fertiggemacht wird. Als er zufällig erfährt, dass ein wohlhabender Mann mit Ehefrau für mehrere Wochen wegen Erbschaftsangelegenheiten in den Staaten ist, bricht er in die leerstehende Villa ein und erschafft sich dort eine Art Refugium. Anstatt zur Schule zu gehen, hält sich Thomas in dem Haus auf, kümmert sich um den Garten und schaut Filme.

Eines Tages lernt er in der Nachbarschaft der Villa Jakob kennen, den eine üble Narbe im Gesicht zeichnet, die ihm ein Hund als Kind beigebracht hat. Fortan vergiftet er jeden Hund, der ihm über den Weg läuft, um mit seinem Kindheitstrauma fertig zu werden. In der Villa kommen sich die beiden ungleichen Jungen näher und lernen erstmals wieder Vertrauen zu fassen …

Eigene Meinung:
Mit seinem dritten Roman legt Paul Senftenberg ein sehr berührendes und tiefgehendes Buch vor, das von der Atmosphäre her nur wenig mit „Eine ganz andere Liebe“ gemein hat. Da der Roman in der Reihe „Junge Liebe“ des Himmelsstürmer Verlag erschienen ist, kann man sich denken, dass jugendliche Charaktere und deren Probleme im Zentrum der Geschichte stehen.

Inhaltlich ist „Narben“ dramatischere und damit auch intensive Kost, die tiefer geht und dem Leser keine sommerlich leichte Liebe präsentiert, wie es bei „Eine ganz andere Liebe“ der Fall war. Sicherlich gibt es Überschneidungen, so ist beispielsweise das Thema Mobbing in beiden Büchern wichtig für den Handlungsverlauf und sorgt dafür, dass jeweils einer der Protagonisten eine extreme Entscheidung trifft, doch der gesamte Handlungsaufbau und die Atmosphäre der Geschichte ist anders. Thomas und Jakob sind beide gezeichnet, kämpfen mit ihren eigenen Probleme und Sorgen, auch wenn diese vollkommen unterschiedlicher Natur sind, und bieten damit einen gänzlich anderen Rahmen. Sicherlich ist auch in „Narben“ die Liebesgeschichte unverkitscht und realistisch, doch eine leichte Sommerliebe wird man hier nicht finden. Stattdessen geht es in diesem ernster zur Sache und hin und wieder beschleicht den Leser fast schon ein beklemmendes Gefühl. Seien es die Hänseleien gegen Thomas oder Jakobs Ängste vor Hunden – Paul Senftenberg lässt seine Charaktere leiden und gibt ihnen lediglich einen Ort, wo sie zur Ruhe kommen können – die Villa.

Dennoch ist das Buch nicht vollkommen schlüssig – viele Fragen bleiben offen. Diese sind vielleicht für die Entwicklung der Jungen und das Überwinden der unterschiedlichen Traumata zweitrangig, doch es stört ein wenig, das diese Punkte am Ende übergangen werden. So wird man weder eine Auflösung hinsichtlich der Villa finden (in die Thomas immerhin eingebrochen ist), noch wird das Vergiften der Hunde zu einem Ende geführt, oder das Mobbing. Letztendlich hängt man als Leser in der Luft, da Jakob und Thomas viele Dinge tun, die nicht zu einer entsprechenden Reaktion der Umwelt führen. Das dämpft das Lesevergnügen durchaus, da man nicht das Gefühl hat, dass die Geschichte wirklich beendet ist. Es ist durchaus verständlich, warum der Autor diese Einschnitte vorgenommen hat, doch das Buch wirkt dadurch dennoch unfertig. Die beiden Protagonisten haben sich im Laufe der Zeit zwar weiterentwickelt, und einige persönliche Hürden überwunden, jedoch gleichzeitig neue Probleme heraufbeschworen, denen leider keine Beachtung geschenkt wird.

Wie bereits in dem Roman „Eine ganz andere Liebe“ ist Paul Senftenbergs Stil vollkommen eigen und in seiner Gesamtheit sehr belletristisch angehaucht. „Narben“ besticht durch einen sehr klaren, präzisen Schreibstil und kommt vollkommen ohne Kitsch und romantische Ausschmückungen klar. Allein dieser Punkt hebt das Buch angenehm aus der breiten Masse der aktuellen Veröffentlichungen heraus, da sich der Autor weder auf den romantischen, noch auf den erotischen Aspekt versteift, sondern eine neutrale, beobachtende Stellung bezieht und es dem Leser überlässt, zwischen den Zeilen zu lesen.
Am ehesten kann man das Buch mit Werken von Jana Walther vergleichen, die einen ähnlich nüchternen, dichten Stil hat. Wer also die Romane dieser Autorin kennt und mag, den können auch die Bücher von Paul Senftenberg überzeugen.

Fazit:
Alles in allem ist „Narben“ ein solider Roman, der mit seiner atmosphärischen, ernsten Geschichte, den realistischen Figuren und dem ungewohnten, aber präzisen Schreibstil punkten kann. Leider bleiben einige Punkte offen, die das Buch zum Ende hin ein wenig schwächen, doch wer sich nicht daran stört, dass nicht alle Fragen beantwortet werden, und keine Probleme damit hat, dass der Roman nur einen kleinen Teil von Jakobs und Thomas Welt beleuchtet, sollte einen Blick riskieren. Paul Senftenberg ist ein beeindruckendes Buch gelungen, und man darf gespannt sein, mit welchen Büchern der Autor als nächstes überrascht.

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[MANGA] Dein süßer Duft von Junko

Autor: Junko
Taschenbuch: 180 Seiten
ISBN-13: 978-3842010109
Preis: 6,95 EUR

Story:

Sawatari und Miyasaka sitzen im Klassenzimmer direkt hintereinander und sobald sich auch nur ein Windhauch hegt, hat Miyasaka den minzigen Duft des Parfums seines Mitschülers in der Nase. Als er eines Tages zufällig das Parfum in der Stadt entdeckt und am nächsten Tag in der Schule ausprobiert, muss er feststellen, dass seine Versuche bei seinen Klassenkameraden weniger gut ankommen. Dennoch kommt er Sawatari näher, der ihm unter anderem bei der Wahl eines passenderen Parfums hilft, und schon bald, gesteht Miyasaka seinem neuen Freund seine Liebe. Eine zarte Beziehung entwickelt sich, die noch das ein oder andere Problem mit sich bringt …

Neben der titelgebenden Geschichte „Dein süßer Duft“ enthält der Band weitere Kurzgeschichten, die sich um die Liebe zwischen zwei Männern drehen. In „Replay“ begegnen wir Nishigaki und Yaguchi, die einst ein Paar waren, sich jedoch aufgrund unausgesprochener Worte trennten und auf einer Hochzeit wieder begegnen. „Des Königs Geflüster“ handelt von Ashiya und Kugayama, die eine sexuelle Beziehung miteinander haben, sich jedoch nie wirklich über ihre Gefühle ausgesprochen haben, und in „Geh heim“ versucht der junge Student Nakano alles, um seinen Kommilitonen Katsuragi aus seiner Wohnung zu kehren. Letzterer hat sich bei ihm festgesetzt, nachdem er aus seiner eigenen Bleibe geworfen wurde und macht es Nakano nicht leicht, seine Gefühle zu verbergen.

Eigene Meinung:

Mit dem Kurzgeschichtenband „Dein süßer Duft“ legt Tokyopop einen weiteren Manga von Junko vor, die bereits mit ihrem Debüt „Geliebter Raufbold“ auch in Deutschland ihre Fans gefunden hat.

Die Kurzmangas bieten inhaltlich wenig Neues. Es geht um Liebe, Beziehungskisten und Missverständnisse, sprich versierten BL-Lesern wird der Manga keine neuen Erkenntnisse oder innovative, spannende Grundideen bieten. Dennoch macht es Spaß den Einzelband zu lesen und sich von den kurzen, gefühlvollen Geschichten begeistern zu lassen. Grund hierfür sind die unterschiedlichen Aspekte, die Junko in „ Dein süßer Duft“ einarbeitet. Seien es nun witzige, romantische, erotische oder dramatische Geschichten, der Manga deckt eine Vielzahl unterschiedlicher menschlicher Emotionen ab und zeigt wie vielseitig die Liebe sein kann. Hin und wieder hätte es gerne mehr sein können, doch bei Kurzgeschichten sollte man einfach keinen Tiefgang erwarten oder irgendwelche unvorhergesehen Wendungen.

Junkos Charaktere sind liebenswert, sympathisch und gut nachvollziehbar. Eine tiefgehende Charakterwandlung sollte man nicht erwarten, doch auch auf wenigen Seiten ändern sich die jeweiligen Protagonisten der einzelnen Mangas ein wenig und entwickeln sich weiter. Insbesondere Sawatari und Miyasaka, deren Geschichte knapp die Hälfte des Mangas einnimmt, ändern sich mit der Zeit, werden reifer und erwachsener.
Dennoch sollte man auch hier nicht zu viel erwarten – man muss mit den, für das Genre üblichen, Stereotypen leben, sprich egal wie liebenswert die einzelnen Figuren sind, sie bleiben leider  unrealistisch und bieten wenig Neues.

Zeichnerisch bewegt sich „Dein süßer Duft“ auf hohem Niveau. Junko hat einen sehr schönen, angenehmen Stil, der zu den Kurzmangas und den Geschichten passt. Gravierende Fehler findet man nicht, auch die Hintergründe sind schön ausgearbeitet. Auch die erotischen Szenen sind gut umgesetzt und wirken nicht künstlich eingebaut oder in die Länge gezogen. Hin und wieder sind sich die Gesichter ein wenig zu ähnlich, doch man hat keine größeren Probleme, die Charaktere auseinander zu halten.

Fazit:

„Dein süßer Duft“ ist ein schöner Einzelband, der Fans von Junko und allen, die Kurzgeschichten mögen zu empfehlen ist. Inhaltlich bietet sich dem BL Fan wenig Neues, doch es macht Spaß den Manga zu lesen und sich von den sympathischen Charakteren und dem angenehmen Zeichenstil mitreißen zu lassen. Wer einen guten Boys Love Manga für zwischendurch sucht, ist hier an der richtigen Adresse – „Dein süßer Duft“ bietet abwechslungsreiche Unterhaltung, gepaart mit einer guten Portion Romantik und Erotik.

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[ROMAN] Kalte Ketten von T. C. Jayden

Autor: T. C. Jayden
eBook: 249 Seiten
ASIN: B00J9OI6GS
Preis: 6,99 EUR

Story:
Nachdem Rileys Beziehung mit Carlos in einem großen Streit endet, flieht er aus der gemeinsamen Wohnung. Ohne seine Papiere  und nur mit den Kleidern am Leib wird er von dem dominanten und gutaussehenden Kjell aufgegabelt und lernt durch diesen eine ganz andere Seite der Lust und Liebe kennen. An der Seite des unnahbaren Mannes taucht Riley in den SM-Bereich ein und freundet sich schnell mit seiner neuen Rolle als Sklave ab, während Kjell den Part des Meisters übernimmt. Schon bald ist Riley seinem Meister ganz und gar verfallen, und auch Kjell taut allmählich auf und beginnt sich seinem neuen Liebhaber anzuvertrauen. Just in dem Moment taucht jedoch der Mann in der Stadt auf, der einst Kjell gebrochen und fast getötet hat, und er wirft bereits beim ersten Aufeinandertreffen ein Auge auf Riley …

Eigene Meinung:
„Kalte Ketten“ ist der Debütroman von T. C. Jayden und erschien 2014 im Weltenschmiede Verlag, die Anfang des Jahres bereits „Der Sodomit“ herausgekommen ist. Im Gegensatz zu dem historischen Werk von S. B. Sasori geht dieses Buch am ehesten in die Thrillerrichtung, wenngleich dieses Genre nur leicht gestreift wird. Stattdessen stehen die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, sowie Rileys erste Schritte in der SM-Szene im Vordergrund.

Im Großen und Ganzen bietet die Geschichte nur teilweise etwas Neues – bricht man den Inhalt hinunter, so ist es eine typische Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, die sich zu einem großen Teil auf das erotische Spiel zwischen ihnen beschränkt. Das merkt man ganz besonders daran, dass T. C. Jayden eine Menge Sexszenen eingebaut hat, die gerade in der ersten Hälfte des Romans stark überwiegen. Einzig das SM-Setting und Rileys allmähliche Einführung in diese Szene bietet eine interessante, neue Perspektive und hebt „Kalte Ketten“ durchaus von den gängigen Vertretern des Gay Romance Genres ab. So ist T. C. Jaydens Werk wesentlich härter und definitiv nichts für zarte Gemüter, da die Autorin kein Blatt vor den Mund nimmt und genau beschreibt, was Riley alles erlebt und welche Auswirkungen die Spielereien auf ihn haben.
Inwieweit die Beschreibungen der SM-Szene zutreffen oder wie realistisch sie sind, lässt sich als Laie schwer sagen. Sie wirken gut recherchiert, sind weder klischeebehaftet noch übertrieben, so dass man durchaus  davon ausgehen kann, dass die Autorin nachgeforscht hat. Auf jeden Fall ist Rileys Einstieg in diese Welt nachvollziehbar und wirkt nicht aufgesetzt. Man kann ihn und seine Beweggründe verstehen, selbst wenn man der SM-Szene nichts abgewinnen kann. Einzig die Frage, ob ein ehemaliger, devoter“ Sklave“ wirklich die Position eines dominanten „Meisters“ einnehmen kann, bleibt bestehen, da Menschen normalerweise in eine der beiden Richtungen gehen und selten zwischen Sub und Dom wechseln.

Charakterlich liegen die Schwerpunkte deutlich auf Riley und Kjell, wobei letzterer erst im letzten Drittel einen größeren Spielraum zugewiesen bekommt. Bis dahin wird die Geschichte weitestgehend aus Rileys Sicht erzählt, erst zum Ende hin wechselt die Perspektive zwischen ihm und Kjell. Dadurch erhält man erst zum Ende hin die notwendigen Informationen zu Kjell, wenngleich man natürlich recht frühzeitig die Hintergründe erahnen und die Zusammenhänge verstehen kann.
Riley ist dabei ein sympathischer Charakter, mit dem man sich gut identifizieren und anfreunden kann, auch wenn er hin und wieder sehr devot ist und sich nur selten gegen ungerechte Behandlung auflehnt. Zwar scheut er sich am Ende nicht davor, seine Meinung kundzutun, doch als Leser wünscht man sich, dass er früher aktiv wird, teilweise auch hinsichtlich Kjells verstockter Art. Dieser vermittelt fast durchgängig eine Aura der Unnahbarkeit und ist schwer zu verstehen. Als Leser ist man zumeist ebenso ratlos wie Riley, auch wenn man im Nachhinein die ein oder andere Reaktion seitens Kjell verstehen kann. Nichtsdestotrotz hätte ich mir an dieser Stelle mehr Tiefgang erhofft, da man gerade aus Kjell wesentlich ehr hätte herausholen können.

Neben dem interessanten Setting, kann auch T. C. Jaydens Schreibstil überzeugen. „Kalte Ketten“ liest sich flüssig und sehr schnell – die Autorin bemüht sich um eine abwechslungsreiche Sprache, so dass es nie langweilig wird. Sowohl die erotischen Szenen, als auch die Beschreibungen der Szene und von Rileys Gefühlswelt sind gut umgesetzt, so dass man schnell in die Geschichte kommt. Lediglich Umgebungsbeschreibungen fehlen, so dass der Leser nicht genau weiß, wo die Handlung spielt und wie die Stadt aufgebaut ist. Das ist schade, da diese Dinge dem Buch meiner Meinung nach gut getan hätten.

Fazit:
Mit „Kalte Ketten“ von T. C. Jayden legt der Weltenschmiede Verlag einen weiteren, gut geschrieben und überzeugenden Gay Roman vor, der Fans schwuler Erotik und SM-Liebhaber durchaus gefallen dürfte, insofern man nicht zu sehr auf eine realistische Darstellung der SM-Szene pocht. Dank des soliden Schreibstils, der gut nachvollziehbaren Charaktere und der ungewöhnlichen Grundidee ist das Buch lesenswert und fesselnd, allerdings sollte man sich vor dem Kauf ins Gedächtnis rufen, dass „Kalte Ketten“ nichts für Zartbesaitete ist. Auch wenn die Romantik nicht zu kurz kommt, so ist T. C. Jaydens Werk doch eine Geschichte aus der SM-Szene und zeigt eine Form der Liebe, die man normalerweise nicht gewöhnt ist. Wer für diese „andere Liebe“ offen ist und nichts gegen die ein oder andere heftigere Szene hat, sollte einen Blick riskieren, alle anderen sollten im Vorfeld einen Blick in die Leseprobe werfen.

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