Archiv für den Monat März 2014

EMA Winterprogramm 2014/2015

Vollkommen überraschend hat EMA bereits jetzt die Titel ihre Winterprogramms 2014/2015 angekündigt. Dieses Mal gestaltet der Verlag sein Programm deutlich ausgewogener, was zur Folge hat, dass gerade im Boys Love Bereich nur wenige Ankündigungen erfolgt sind, bei Girls Love stehen leider keine neuen Mangas auf dem Programm.
Dafür dürfen sich die Fans endlich auf die Mangareihe „NO. 6“ von Atsuko Asano & Hinoki Kino freuen, die zwar unter Sci-Fi / Fantasy läuft, aber durchaus einige leichte Shonen – Ai Andeutungen hat. Auf Like a Dream wurde vor einiger Zeit der 11-teilige Anime vorgestellt, der 2011 in Japan ausgestrahlt wurde.

Hier die eine Übersicht aller angekündigten Mangas:

Boys Love
– NO. 6 von Atsuko Asano & Hinoki Kino – 9 Bände ab Oktober für je 6,50 €
– Wonderland Date (OT: Fushigi no Kuni de Aimashou) von Ryo Takagi – Einzelband im Dezember für 7,50 €
Wonderland Love (OT: Fushigi no Kuni de Koishiyou) von Ryo Takagi – Einzelband im März für 7,50 €
– Lass es uns tun (OT: Himananode Hajimetemimasu) von Aya Sakyou – Einzelband im Januar für 7,50 €

Man darf gespannt sein, was die anderen Verlage in petto haben, insbesondere da die Fans noch auf die 4-monatige Übersicht von Tokyopop warten.

Like a Dream wird 13 Jahre alt!

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Hallo in die Runde,

heute habe ich keine neue Rezension auf Lager, auch wenn es noch einige gibt, die geschrieben, aber noch nicht online gestellt sind. Stattdessen will ich den heutigen Eintrag nutzen, um den Geburtstag von Like a Dream zu feiern. 13 Jahre sind seit vergangen, seitdem ich die allererste Homepage online gestellt habe, 13 Jahre, in denen sich die ehemals reine Manga/Anime Seite zu dem entwickelt hat, was ihr jetzt kennt. Page und (seit neustem auch) Blog widmen sich nicht nur der japanischen Comickultur sprich Yaoi / Shonen-Ai und Yuri / Shojo-Ai, sondern auch Filmen, Büchern, der allgemeinen Szene und der queeren Kultur. Das wird auch in den kommenden Jahren so weitergehen, denn fest steht:

Ich werde nicht aufhören! Es wird auch weiterhin Rezensionen zu schwulen und lesbischen Büchern und Filmen von mir geben, zunächst auf meinem Blog, später auf der Portalseite Like a Dream (je nachdem, wann ich dazu komme die Seite zu aktualisieren). Ich hoffe, ihr bleibt mir treu – immerhin gibt es immer mehr Blogger, das Netz wird immer schnelllebiger und es fällt schwer up-to-date zu bleiben.

Egal wie – wir lesen uns auch in Zukunft.

Liebe Grüße,
Juliane

[MANGA] And we do Love von Kazumi Ohya

Autor: Kazumi Ohya
Taschenbuch: 178 Seiten
ISBN-13: 978-3551733627
Preis: 6,95 EUR

Story: 
Der Hausmeister und Vollwaise Tomoya kümmert sich neben seiner üblichen Arbeit auch privat um die alte Dame Kaname Tsukiyama und deren kleines Häuschen. Als die alte Frau in seinen Armen stirbt und ihm das kleine Häuschen vererbt, ist sich der junge Mann unsicher, ob er diese Worte ernst nehmen, oder sie vergessen soll. Als er in dem Haus, mit dem er viele glückliche Erinnerungen verbindet, plötzlich Kanames Enkel Hikaru Tatsui trifft, steht für Tomoya fest, dass sich die alte Dame wohl geirrt haben muss. Doch zu seiner eigenen Überraschung bittet ihn Hikaru bei ihm zu wohnen und er stimmt im Gedenken an Kaname zu.

Schnell muss Tomoya erkennen, dass sein neuer Mitbewohner einige Geheimnisse hat, die ein Zusammenleben erschweren. So scheint Hikaru krank zu sein, sich gegen den Willen seiner reichen Familie in Kanames Haus aufzuhalten und nicht zu arbeiten. Zudem macht er Tomoya heftige Avancen, und obwohl der junge Hausmeister sich nicht an jemanden binden will, verliebt er sich mehr und mehr in Hikaru. Doch meint dieser es überhaupt ernst?

Eigene Meinung:
„And we do Love“ stammt von der Mangaka Kazumi Ohya, die deutschen Fans besonders durch ihre „Takumi-kun“ Reihe bekannt sein dürfte, und von der bei Carlsen auch einige Einzelbände erschienen sind, in denen vorwiegend Romantik und Liebe im Mittelpunkt steht.

Auch „And we do Love“ bildet da keine Ausnahme. Es geht um Liebe und das Entdecken und Eingestehen von gemeinsamen Gefühlen. Dass es keine wirklich logische und ungewöhnliche Rahmenhandlung gibt, verwundert nicht. Die Story plätschert ein wenig antriebslos vor sich hin, es kommt zu den üblichen Problemen und Höhepunkten, und am Ende sind die beiden Figuren zusammen. Dies ist noch nicht mal ein Spoiler, da von Anfang an klar ist, wie die Geschichte endet.
Dennoch macht es Spaß den Manga zu lesen. Kazumi Ohya legt ein sehr gefühlvolles Werk vor, spart nicht an einer ordentliche Portion Kitsch und bedenkt Hikaru mit einer ungewöhnlichen, aber interessanten Fähigkeit, die die Geschichte durchaus aufwertet, auch wenn dieses Element nicht ganz zur realistischen Alltagsstory passt.

Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, handeln aber zumeist vorhersehbar. Gerade Tomoya bleibt recht blass, seine Vergangenheit kommt überhaupt nicht zum Tragen bzw. wird kaum angeschnitten, was dem Manga einen faden Nachgeschmack gibt. Seine Einsamkeit und sein privater Hintergrund wirken wie zwei Bauteile, die nicht richtig mit seinem Charakter verwoben werden, da man ihn nicht greifen und nachvollziehen kann. Auch Hikaru vermittelt diese Atmosphäre, so dass beide sehr konstruiert wirken. Dennoch sind sie dem Leser sympathisch und man schließt sie während der Geschichte schnell ins Herz.

Zeichnerisch kann Kazumi Ohya durchaus überzeugen. „And we do Love“ besticht durch sehr schöne, passende und stimmungsvolle Illustrationen, die gut zur romantischen Atmosphäre des Mangas passen. Die Charaktere wirken liebevoll und sympathisch, die Hintergründe sind in sich stimmig und der Verzicht auf allzu deutliche erotische Szenen wirkt sich positiv auf das Gesamtbild aus.

Fazit:
Alles in allem ist „And we do Love“ ein schöner, romantischer BL Manga, der mit Kazumi Ohyas Zeichnungen und der romantischen Grundhandlung punkten kann. Auch wenn die Charaktere ein wenig konstruiert und blass wirken, sind sie doch sympathisch und transportieren die Liebesgeschichte glaubhaft und nachvollziehbar. Wer romantische, leichte Unterhaltung mag, macht mit „And we do Love“ nichts falsch, wer auf härtere Kost steht oder auf der Suche nach ungewöhnlichen Stoffen ist, für den dürfte Kazumi Ohyas Manga weniger geeignet sein. Im Zweifelsfall reinlesen …

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[ROMAN] Nach der Hölle links von Raik Thorstadt

Autor: Raik Thorstad
Taschenbuch: 582 Seiten
ISBN-13: 978-3981594805
Preis: 11,95 EUR

Story:
Drei Jahre sind nach dem unglücklichen Ausgang von Saschas und Andreas Beziehung vergangen. Andreas hat sich unterdessen einen Weg aus dem goldenen Käfig erkämpft, in den ihn seine Krankheit gesperrt hat. Trotz der kleinen Erfolge und eines Lebens in seinen eigenen vier Wänden ist sein Tag straff organisiert – von der Arbeit im Tierheim, über die Einkäufe und kleinen Spaziergänge, bis hin zu seinen regelmäßigen Treffen mit seinem Therapeuten Dr. Köninger.
Während Andreas um jedes Stück Normalität kämpft, muss sich auch Sascha seinen inneren Dämonen stellen. Er fühlt sich immer noch schuldig, Andreas im Stich gelassen zu haben und versucht daher mit seiner neuen Beziehung alles richtig zu machen, auch wenn er seinen Freund Nils nicht wirklich liebt. Dass er Andreas noch immer nicht vergessen kann, ist der Hauptgrund, dass er sich nicht auf Nils einlassen kann …

Als die jungen Männer eines Abends in einer Kneipe aufeinandertreffen, stürzt die kurze Begegnung beide in ein wahres Gefühlschaos. Sascha will den Kontakt zu Andreas unbedingt wieder aufleben lassen, selbst wenn sie sich nur als Freunde näher kommen, während Andreas alles daran setzt, seinen Ex aus seinem mühsam aufgebauten Leben auszuschließen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn auch er hegt noch immer tiefe Gefühle für Sascha …

Eigene Meinung:
Mit „Nach der Hölle links“ führt Raik Thorstad die Geschichte von Andreas und Sascha endlich weiter und bringt sie zu einem überzeugenden und in sich schlüssigen Ende. Der zeitliche Sprung von drei Jahren tut dem Roman gut, da der Autor darauf verzichtet die Krankheitsgeschichte seines Protagonisten in all ihren schillernden Facetten auszuwalzen. Somit werden der Klinikaufenthalt, die vielen Therapiestunden und die Rückschläge nur angeschnitten und rückblickend erzählt, was sicherlich der richtige Schritt war. Es erspart dem Leser einen Krankenbericht, der eher in ein Sachbuch oder in eine Biografie gehört hätte.

Die Geschichte an sich ist trotz einiger längerer Passagen durchaus spannend und zeigt deutlich, dass es bis zur Heilung einer solchen Krankheit ein weiter Weg ist. Raik Thorstad beschönigt nicht und man merkt deutlich die autobiografischen Züge, die beide Romane aufweisen und dafür sorgen, dass der Autor eine sehr überzeugende und gut nachvollziehbare Geschichte erzählt. Er berichtet sehr plastisch und intensiv von Andreas’ Kampf und seinen Problemen, ein normales Leben zu führen. Dabei wird nicht nur auf die Krankheit Agoraphobie eingegangen, sondern auch den weiterführenden Schwierigkeiten in Andreas’ Leben einen Platz gegeben: die Probleme mit seinen Eltern, insbesondere als seine Mutter ins Krankenhaus kommt, seine Gefühle für Sascha, die ihm Angst machen und sein allmähliches Ausbrechen aus dem Käfig, teils aus eigener Kraft, teils mit Saschas Unterstützung.
Wie schon bei „Leben im Käfig“ kommt auch Sascha nicht zu kurz. Die Hälfte des Buches ist aus seiner Sicht geschrieben, was bedeutet, dass der Leser auch erfährt, wie es ihm ergangen ist, welche Probleme er mit seiner Familie hat und wie sehr er an Andreas hängt. Dadurch erhält der Leser einen dreidimensonalen Einblick auf die Ereignisse und kann vieles besser verstehen und nachvollziehen.

Gut gelungen ist auch die Charakterentwicklung von Andreas und Sascha. Beide haben sich im Vergleich zum ersten Band weiterentwickelt und gerade Andreas legt in „Nach der Hölle links“ noch mal einen ordentlichen Sprung hin. Als Leser ist es faszinierend mitzuerleben, wie er sich verändert und aus seinem Kokon ausbricht. Die vielen Rückschläge sind zwar manchmal etwas zu viel, aber sie passen dennoch zur Geschichte, da es logisch ist, dass eine Heilung nicht von heute auf morgen möglich, und Andreas’ Vertrauen ebenfalls nicht von jetzt auf gleich wiederhergestellt ist.
Auch die Nebenfiguren passen sehr gut zur Geschichte – sie sind realistisch und greifbar, wirken nicht wie Kunstgeschöpfe. Das betrifft alte Bekannte, wie Brain, Katja und Tanja, aber auch neue Figuren wie Dr. Köninger, der mir persönlich sehr gut gefallen hat.

Stilistisch hat sich Raik Thorstad weiterentwickelt und spürbar gesteigert. Er hat ein Händchen für Szenerien, Dialoge und sehr blumige, abwechslungsreiche Beschreibungen, so dass es nur selten langweilig wird. Sein Schreibstil ist wie gewohnt detailliert und seine Wortwahl ausgezeichnet. Das Buch liest sich flüssig und es gibt kaum Passagen, über die man stolpert. Lediglich beim Umfang des Romans hätte man ein wenig einschränken können, denn es gibt durchaus einige Szenen, die sich in die Länge ziehen.
Dennoch liest sich „Nach der Hölle links“ sehr schnell weg und Dank der guten Beschreibungen und den stimmigen Dialogen, fällt es schwer den Roman aus der Hand zu legen.

Fazit:
Mit „Nach der Hölle links“ legt Raik Thorstad eine überzeugende und in sich stimmige Fortsetzung seines Romans „Leben im Käfig“ vor. Die Geschichte ist trotz einiger Längen spannend und in sich logisch, die Charaktere sind ebenfalls gut nachvollziehbar und realistisch. Zusammen mit dem bildgewaltigen Schreibstil ist „Nach der Hölle links“ ein lesenswerter Roman, der sich angenehm aus der breiten Masse der Gay-Veröffentlichungen heraushebt. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Leben im Käfig von Raik Thorstadt

Autor: Raik Thorstad
Taschenbuch: 680 Seiten
ISBN-13: 978-3981594829
Preis: 12,95 EUR

Story:
Schon seit mehreren Jahren leidet der 19-jährige Andreas von Winterfeld an Agoraphobie und ist nicht in der Lage das Haus zu verlassen, ohne Panikattacken und Angstzustände zu erleiden. So vegetiert er in seinem Zimmer in der Villa seiner steinreichen Eltern dahin, und hat zwar alles, was man mit Geld kaufen kann, aber weder die Zuwendung noch die Akzeptanz seiner Familie.
Eines Tages zieht der Abiturient Sascha Suhrkamp in das Nachbarshaus nachdem er sein Elternhaus aufgrund seines unfreiwilligen Coming-Outs verlassen hat. Zwischen den beiden ungleichen jungen Männern entwickelt sich eine leichte Freundschaft, die bald schon bald tiefer geht und sie eng aneinander schweißt. Doch ist Sascha in der Lage neben dem Abiturstress und den Problemen mit seinen Eltern, einen schwerkranken Jungen zu akzeptieren? Und wird es Andreas gelingen irgendwann auszubrechen?

Eigene Meinung:
Der Roman „Leben im Käfig“ von Raik Thorstad ist der erste Band der Duologie um Andreas und Sascha und erschien erstmals 2011 im FWZ Verlag. Nach einigen rechtlichen Problemen mit dem Originalverlag, wurde der Roman 2013 schließlich im Incubus Verlag neu aufgelegt und um die Fortsetzung „Nach der Hölle links“ erweitert, die die Geschichte beendet.

Die Handlung ist für Fans der schwulen Literatur oder auch Gay Romance ungewöhnlich, da es kaum vergleichbare Bücher über die Krankheit Agoraphobie auf dem Markt gibt und „Leben im Käfig“ durchaus in die Sparte Entwicklungsroman und Jugend-Drama fällt, sprich trotz der erotischen Szenen auch Leser anspricht, die schwuler Literatur normalerweise wenig abgewinnen können.
Umso faszinierender ist der Grundplot rund um Andreas, der zu Beginn des Buches nicht einmal in den Garten gehen kann, um im Pool zu schwimmen, ohne von einer Panikattacke umgeworfen zu werden. „Leben im Käfig“ wartet nicht mit einer actiongeladenen, explosiven Handlung auf, sondern bleibt die meiste Zeit ruhig und fordert den Leser auf sich auf Andreas Krankheit einzulassen. Schonungslos ehrlich berichtet Raik Thorstad von den Auswirkungen der Krankheit, zeigt, was aus Andreas geworden ist und wie schwer ihm alltägliche Dinge erscheinen. Dabei geht der Autor wertungsfrei an die Sache heran, informiert und regt zum Nachdenken an. Er hat ein ungewöhnliches, persönliches Thema gewählt und beschreibt die Geschichte daher sehr sensibel und mit der notwendigen Sorgfalt.
Doch nicht nur Andreas steht im Zentrum der Geschichte, auch Sascha und seinem Leben wird viel Aufmerksamkeit entgegengebracht. Der lebensfrohe Abiturient, der aus einem kleinen hessischen Dorf in das pulsierende Hamburg zieht, hat etliche Baustellen in seinem Leben, denen er sich widmen muss. Als zweite Hauptfigur wirkt er greifbarer als Andreas, da seine Probleme für den Leser leichter verständlich und nachvollziehbar sind. Gerade homosexuelle Männer, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Sascha werden sich in dem jungen Mann wiederfinden.

Hin und wieder zieht sich die Handlung etwas in die Länge, gerade am Anfang dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis es vorangeht und die beiden ungleichen Männer aufeinander zugehen. Hier hätte man durchaus kürzen können, da „Leben im Käfig“ auch mit 400-500 Seiten noch ein beachtliches Buch gewesen wäre.

Neben der Handlung wissen auch die Figuren zu gefallen, auch wenn es Situationen gibt, wo man Andreas und Sascha „gegen die Wand klatschen“ möchte. Nichtsdestotrotz sind beide sehr gut nachvollziehbar, handeln logisch und spiegeln ihr Alter und ihre Zeit wieder. Man kann ihre Reaktionen und ihr Verhalten sehr gut nachvollziehen, da Raik Thorstad viel Zeit aufwendet auf ihre Gefühle und Gedanken einzugehen.
Doch nicht nur die beiden Hauptcharaktere funktionieren, auch die Nebenfiguren sind sehr passend und lebendig. Sei es Saschas Tante Tanja und ihre Familie, Andreas Eltern und seine Haushälterin Ivana, oder die neuen Mitschüler und Freunde, die Sascha in Hamburg kennenlernt. Sie wirken wie reale Personen, was vermuten lässt, dass es für die meisten Figuren reale Vorbilder gibt.

Sprachlich gibt es kaum etwas auszusetzen, außer dass Raik Thorstad manchmal zu extrem ins Detail geht und die Beschreibungen mitunter etwas lang geraten sind. Auch gibt es einige ungünstig gewählte Fanfiction-Termini, die sich im Laufe der Zeit jedoch verlieren, was das Buch deutlich aufwertet.
Dank der abwechslungsreichen Sprache und der gelungenen Wortwahl fallen die kleinen Fehler nur minder ins Gewicht, da sich der Roman sehr schnell und flüssig liest. Es fällt schwer, „Leben im Käfig“ aus der Hand zu legen, insbesondere zum Ende hin, als die Geschichte spürbar an Fahrt gewinnt und den Höhepunkt erreicht.

Fazit:
„Leben im Käfig“ ist ein ungewöhnliches, tiefgründiges Werk, das einen sehr genauen und detaillierten Einblick in das Leben eines Menschen gibt, der unter Agoraphobie leidet. Trotz des ernsten und sensiblen Themas versteift sich Raik Thorstad nicht nur auf den kranken Andreas, sondern präsentiert mit Sascha auch ganz alltägliche Probleme und Sorgen. Dadurch gelingt ihm ein faszinierendes Zusammenspiel zweier junger Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem viele gemeinsame Probleme teilen. Dank seiner bildhaften und wortgewandten Sprache, sieht man auch über die Längen hinweg, die immer wieder das Voranschreiten der Handlung erschweren.

Wer die unzähligen Coming-Out Geschichten, Aids-Problem-Bücher und Gay Romance Werke satt hat und einen Blick über den Tellerrand wagen möchte, der sollte sich „Leben im Käfig“ zu Gemüte führen. Es empfiehlt sich jedoch auch die Fortsetzung „Nach der Hölle links“ griffbereit zu haben, damit man nahtlos weiterlesen kann. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Der Sodomit von S.B. Sasori

Autor: S.B. Sasori
Taschenbuch: 312 Seiten
ISBN-13: 978-3944504131
Preis: 12,99 EUR

Story:
Ungarn, 15. Jahrhundert
Nachdem Mihály Szábos Geliebter aufgrund ihrer Unachtsamkeit und Unvorsichtigkeit sein Leben lassen musste und er nur aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten als Wundarzt weiterleben darf, schließt er jegliche Gefühle, die er für andere Männer empfindet, tief in sich ein. Dafür geht er seiner zweiten, geheimen „Leidenschaft“ umso häufiger nach: der Erforschung des menschlichen Körpers, was bedeutet nachts heimlich Leichen aufzuschneiden und zu untersuchen.

Eines Tages bringt der Apotheker Barti den halbtoten Buckligen und als Hexenbalk denunzierten Josias zu ihm. Der junge Mann stellt für Mihály eine neue Herausforderung dar. Zum einen, weil er den versuch startet Josias zu heilen und ihm zu einem neuen aufrechten Leben zu verhelfen; zum anderen weil Josias ungewollte Gefühle in ihm weckt, die sie beide in tödliche Gefahr bringen könnten. Als Josias sich ebenfalls in ihn verliebt, nimmt das Unheil seinen Lauf …

Eigene Meinung:
Mit „Der Sodomit“ legt die Autorin S.B. Sasori ein beeindruckendes und ungewöhnliches Buch vor, das angenehm aus der breiten Masse heraussticht. Mit ihrer „Schlangenfluch“-Trilogie, die von 2012 bis 2014 beim Deadsoft Verlag erschien, machte sie erstmals auf sich aufmerksam, nun entführt sie den Leser ins tiefste Mittelalter und präsentiert die grausame, schmutzige Epoche überzeugend und realistisch.

Sowohl die Hintergründe, als auch die Handlung sind stimmig und sehr gut umgesetzt. Mit ihren ungewöhnlichen Protagonisten, insbesondere mit dem buckligen Josias geht S.B. Sasori neue Wege, die den Leser von den typischen stereotypen, perfekten Helden fortführen. Das macht „Der Sodomit“ zu einer ungewöhnlichen Perle im Gay Bereich, dem Versuch etwas Ungewöhnliches und Neues zu erschaffen.
Die Geschichte ist in sich schlüssig und hält sich eng an die damalige Realität. Das merkt man an den Beschreibungen, kleineren Szenen und Nebensträngen, die das Mittelalter vor dem geistigen Auge zu Leben erwecken. S.B. Sasoris Welt ist schmutzig und blutig, die Menschen, insbesondere die Inquisition grausam und fanatisch. Das findet man auch in den Beschreibungen der Gedanken und Gefühle der Ärzte Támas und Bence wieder, die ihrer engstirnigen Denkweise eine echte Herausforderung sind, aber umso realistischer agieren, wenn man sich die Zeit in Erinnerung ruft.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass sich die Autorin intensiv mit der damaligen Zeit beschäftigt hat. Das merkt man nicht nur an den Figuren, sondern auch den historischen Hintergründen, den Foltermethoden der Inquisition und den Ausläufern der Pest, die immer wieder am Rande erwähnt wird, jedoch nicht direkt mit in die Handlung eingewoben wird. Auch ein Leprakranker taucht als Nebencharakter auf, was dem Buch eine gewisse Dreidimensionalität gibt. S.B. Sasori webt die wichtigsten Ereignisse der Geschichte in ihren Roman ein und verknüpft sie mit dem Alltäglichen der damaligen Epoche. Dadurch entwirft sie ein sehr realistisches, teilweise abstoßendes Bild des 15. Jahrhunderts.

Die Charaktere sind, wie bereits erwähnt, sehr gut nachvollziehbar und handeln logisch. Mihály ist ein spannender Hauptcharakter, seine Denkweise und seine Taten sind wohl als revolutionär zu erachten. Das gilt auch für Barti, der den jungen Wundarzt mit Kräutern und Tinkturen versorgt, und dessen Bruder Leske, der ein Badehaus unterhält. Josias kann ebenfalls überzeugen, ändert er sich im Laufe der Geschichte doch und wächst zum Ende hin über sich hinaus.

Einzig der zeitliche Ablauf und einige Detailbeschreibungen stören das Bild. So hat man als Leser das Gefühl, dass sich Josias Buckel zu schnell zurückbildet, beziehungsweise er auf der „Streckbank“ zu schnell sichtbare Erzeugnisse erzielt. Für den Leser wird er drei oder vier Mal von Mihály behandelt und schon scheint er wesentlich gerade zu gehen, was mir ein wenig unrealistisch vorkommt.
Die Detailbeschreibungen sind ein weiteres Manko, da ich mir die Stadt nicht 100%ig vorstellen konnte. Mal hat man das Gefühl, dass Bartis Apotheke und das Wirtshaus von Sara liegen direkt nebeneinander, dann trennen sie mehrere Straßenzüge. Mal befindet sich das Wirtshaus gegenüber von Mihálys Praxis, plötzlich liegen beide am Fluss und haben einen Direktzugang zum Wasser.
So detailliert S.B. Sasori beschreibt, teilweise reicht es nicht, um sich die Stadt richtig vorstellen zu können. Hier hätten ausführlichere Beschreibungen und mehr Details der Umgebung dem Buch gut getan, ebenso eine nachvollziehbare Darstellung der Örtlichkeiten und Entfernungen.

Stilistisch ist „Der Sodomit“ trotz der kleinen Schwächen gelungen. S.B. Sasori hat einen sehr mitreißenden Stil, der sich nicht davor scheut die Dinge beim Namen zu nennen. Dementsprechend blutig, schmutzig und grausam geht es zu, auch wenn die Charaktere reden. Sie beschönigt nichts und obwohl natürlich auch Gefühle und die Liebe zwischen Mihály und Josias eine Rolle spielen, wird es nie zu kitschig oder romantisch. Als Leser merkt man zwar, dass es zwischen den beiden funkt und auch explizit zur Sache geht, doch unnötige Liebesschwüre und allzu romantische Szenen kommen nicht vor.
Das kommt dem Buch nur zugute, denn es hätte auch nicht gepasst, wenn sich die Autorin zu sehr auf die Liebesgeschichte konzentriert hätte. Stattdessen legt sie Wert auf eine detailgetreue Wiedergabe von Mihálys Verleumdung und seine Folter durch die Inquisition.

Fazit:
„Der Sodomit“ ist ein rundum gelungenes, sehr atmosphärisches Buch, das den Leser bereits nach wenigen Seiten fesselt und mit ins tiefste Mittelalter zieht. S.B. Sasori hat einen sehr detailreichen, lebendigen Stil, der ausgezeichnet zu den Figuren und der damaligen Zeit passt, wenngleich es einige kleinere Ungereimtheiten in der Handlung gibt. Dennoch können ihre Charaktere und die Geschichte überzeugen, und bieten Fans des Gay Genres eine gelungene, lesenswerte Alternative zu den üblichen Romance- und Erotikstoffen. Sehr zu empfehlen.

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[ROMAN] Bruder von Ted van Lieshout

Autor: Ted van Lieshout
Taschenbuch: 178 Seiten
ISBN-13: 978-3787696789
Preis: vergriffen, gebraucht ab 0,01 EUR

Story:
Seit einem halben Jahr ist Marius tot, gestorben an einer Krankheit, die kein Arzt feststellen konnte und die für einen beständigen Tremor und seltsame Verwirrtheit sorgte. Einen Tag bevor er fünfzehn geworden wäre, beschließt seine Mutter auf ihre Art endgültig Abschied zu nehmen – sie will Marius Habseligkeiten im Garten verbrennen. Seinem Bruder Lukas bleibt nur die Möglichkeit, das Tagebuch von Marius in Sicherheit zu bringen, das er ihm einst zum Geburtstag geschenkt hat.

Um die intimsten Gedanken seines Bruders vor dem Ritual seiner Mutter zu bewahren, beginnt Lukas zunächst auf die leeren Seiten zu schreiben, später kommentiert er die Einträge seines Bruders direkt. So entdeckt er nicht nur Marius’ größte Geheimnisse und Gedanken, er kommt seinem Bruder näher als jemals zuvor und nimmt auf seine eigene Art Abschied …

Eigene Meinung:
Der niederländische Autor Ted van Lieshout legt mit „Bruder“ einen sehr gefühlvollen, tiefgründigen und teilweise schwer verdaulichen Jugendroman vor, der 1999 zu Recht mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.

Die Grundidee zwei Brüder nach dem Tod des einen über ein Tagebuch einander näher zu bringen ist interessant und sehr gefühlvoll umgesetzt. Eine ähnliche Aufarbeitung des Themas fand später durch Håkan Lindquist mit „Paul, mein großer Bruder“ statt, wenngleich dieser Roman weniger in die Sparte Jugendbuch fällt.

Ted van Lieshout hat ein Händchen dafür sowohl Lukas, als auch Marius anhand von Tagebuchaufzeichnungen zum Leben zu erwecken und ihnen eine große emotionale Tiefe zu verleihen. Auf knapp 170 Seiten lernt man zwei Brüder kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die sich dennoch in einigen Punkten ähneln, insbesondere in ihrer Homosexualität. Sowohl Lukas als auch Marius zeigten an Jungen eher Interesse, als an Mädchen, doch während Marius nicht nur versucht offen damit umzugehen und mit seinem Bruder gemeinsam eine Lösung zu finden, schließt Lukas sich in sein Zimmer ein und verleugnet sich selbst, aus Angst verstoßen zu werden. Dass sich dadurch die Brüder zu Lebzeiten voneinander entfernen und Marius diese tiefe Kluft zwischen sich und Lukas nie schließen kann, ist zentrales Thema in seinen Aufzeichnungen.
Erst als Lukas beginnt, das Tagebuch zu lesen und die Einträge seiner Bruders zu kommentieren, kommen sich die beiden näher und Lukas muss erkennen, wie schwer die Lüge zwischen ihm und seinem Bruder auf ihm lastet.

Das ungewöhnliche, geheime Zwiegespräch zwischen den beiden sorgt jedoch nicht nur dafür, dass Lukas sich selbst akzeptiert und bereit ist zu dem zu stehen, wer er ist; es dient auch der Trauerbewältigung und des Abschiednehmens. Für Lukas steht hierbei die Frage im Zentrum, ob er nach Marius Tod überhaupt noch ein Bruder ist, oder ob er unterdessen nur noch als Einzelkind weiterlebt. Erst während des Lesens und Niederschreibens seiner Gedanken und Gefühle findet er für sich selbst heraus, was ihm geblieben ist und wo seine Gefühle liegen.

Trotz des geringen Umfangs und der ungewöhnlichen Erzählstruktur lernt der Leser die beiden Brüder sehr gut kennen und erfährt auch nach und nach von Marius heimtückischer Krankheit, die sich zunächst nur in winzigen Zuckungen zeigt und erst im Laufe einiger Jahre schlimmer wird. Ted van Lieshout erschafft lebendige, realistische Protagonisten, die man ins Herz schließt und die besser charakterisiert sind, als so manche Figur längerer Bücher oder Reihen.
Auch die Eltern oder Alex und Tibor, die nur am Rande und innerhalb der Erzählungen der Brüder vorkommen, sind sehr gut umgesetzt und handeln logisch und nachvollziehbar. Sie bilden einen guten Rahmen, in dem Marius und Lukas sich bewegen und weiterentwickeln können.

Stilistisch legt Ted van Lieshout ein beeindruckendes Werk vor, dessen einfache und doch ausdrucksstarke Sprache gut zu den jugendlichen Erzählern passt. Sowohl Marius’, als auch Lukas’ Schreibstil werden berücksichtigt, und gerade das Zwiegespräch zwischen den beiden, in denen Lukas die einzelnen Sätze und Passagen seines Bruders kommentiert, sind sehr gut in Szene gesetzt. Selbst Marius’ kurzer Eindruck über sein erstes Mal wirkt passend für sein Alter, aber auch ein wenig überraschend (sowohl für Lukas, als auch für den Leser).
Man spürt auf jeder Seite, wie sich eine tiefe Beziehung zwischen den Brüdern entwickelt, und wie sehr sich Lukas im Laufe der Zeit verändert. Seine anfängliche Abwehr gegen das Thema Homosexualität, das aggressive Leugnen seiner eigenen Gefühle, entwickelt sich nach und nach zur Akzeptanz und gibt Lukas eine innere Stärke und Festigkeit, die ihn zu einem anderen Menschen macht.

Fazit:
„Bruder“ von Ted van Lieshout ist ein beeindruckendes, stilistisch perfektes und ergreifendes Meisterwerk, das zu Recht mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Der Autor verknüpft zwei schwierige Themen (Tod und Homosexualität) durch das ungewöhnliche Zwiegespräch zweier Brüdern miteinander und schafft einen sensiblen, lesenswerten Jugendroman. Dank seiner gefühlvollen Sprache und der gut nachvollziehbaren Figuren entfaltet „Bruder“ eine unglaubliche Wucht und wirkt lange nach.

Ted van Lieshouts „Bruder“ ist ein wundervolles, intensives Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt und welches in keinem Bücherschrank fehlen sollte. Uneingeschränkt zu empfehlen …

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[MANGA] Diagnose: Liebe von Makoto Tateno

Autor: Makoto Tateno
Taschenbuch: 178 Seiten
ISBN-13: 978-3770481460
Preis: 7,00 EUR

Story: 
Seit ihrem gemeinsamen Praktikum ist der Internist Misawa in seinen Kollegen Kazami verliebt, der zu den besten Chirurgen des Krankenhauses gehört, in dem beide arbeiten. Da Kazami nur am weiblichen Geschlecht interessiert ist und vor keiner hübschen Krankenschwester Halt macht, hat Misawa seinem Freund nie seine wahren Gefühle offenbart. Er versteckt sie tief in sich, lediglich der junge Art Tono durchschaut Misawa und bietet ihm seine Hilfe an. Dabei ist Tonos Anliegen nicht ganz uneigennützlich, schließlich hat er selbst einen Blick auf Misawa geworfen. Da der junge Internist in seiner Liebe zu Kazami keine Hoffnung hegt, willigt er ein es mit Tono zu versuchen, und ahnt dabei nicht, dass Kazami durchaus auf die Liebelei aufmerksam wird – und anders reagiert, als erwartet.

Eigene Meinung:
Mit „Diagnose: Liebe“ erschien Anfang 2014 ein weiterer Einzelband von Makoto Tateno, zu dem er auch das Sequel „Therapie: Liebe“, das für das kommende EMA Sommerprogramm angekündigt ist du Tonos Geschichte weiterführt.

Die Geschichte bietet wenig Neues und ist bereits nach wegen Seiten offensichtlich. Man weiß im Grunde ganz genau, wie der Manga endet und welche Höhepunkte er bietet. Makoto Tateno wartet mit gewohnter, recht stereotyper Kost auf, die aufgrund der Figuren und der Zeichnungen wie ein Abziehbild ihrer bisherigen Einzelbände ist. Lediglich das Setting Krankenhaus und die Sidestory um die kleine Yuko bringt en bisschen Schwung in den Alltagsbrei und bietet dem Leser zumindest eine weitere Facette. Dennoch bleibt die Handlung des Mangas weitestgehend auf der Strecke, da es sich vorwiegend um die Dreiecksbeziehung zwischen Misawa, Kazami und Tono dreht.

Auch die Figuren bieten leider wenig tiefgründige Facetten. Sowohl Misawa, als auch Kazami und Tono sind stereotyp und handeln genau so, wie man es vorhersieht. Es ist schade, dass Makoto Tateno nie den Versuch macht auszubrechen und neue Figuren zu entwickeln, anstatt an ihren üblichen Rollenschemen festzuhalten, die man jedem ihrer Mangas findet. Dass sie auch optisch Charakteren aus anderen Einzelbänden und Serien ähneln, erschwert es dem Leser zusätzlich, sich auf die Charaktere einzulassen. Es ist schade, da man verstärkt das Gefühl hat, die Zeichnerin stagniert, sowohl in ihrer Art Geschichten zu erzählen, als auch bei ihren Hauptfiguren.

Wir bereits erwähnt, sind die Zeichnungen zwar sicher und solide, jedoch sehr blass und nichtssagend. Die Figuren ähneln den Hauptcharakteren älterer Mangas, es gibt optisch einfach nichts Neues zu entdecken. Sicherlich weiß Makoto Tateno um Anatomie, Perspektive und Hintergründen, ist sie doch seit Jahrzehnten aktiv im Geschäft, doch mit der Zeit langweilen ihre Zeichnungen ebenso sehr, wie die Inhalte ihrer Mangas. Es fehlt das Besondere, um „Diagnose: Liebe“ wirklich in Erinnerung zu behalten.

Fazit:
„Diagnose: Liebe“ ist ein netter BL Einzelband, der jedoch nur Hardcore Fans der Zeichnerin zu empfehlen ist, oder allen, die wirklich jeden deutschen Boys Love Manga besitzen müssen. In der breiten Masse geht er leider vollkommen unter, da sowohl die Charaktere, als auch die Handlung nichts Neues bereit hält. Makoto Tateno stagniert als Mangaka immer mehr und es fällt schwer, sich auf Einzelbände von ihr einzulassen. Ihre Stärken liegen in Action und längeren Reihen, weswegen „Diagnose: Liebe“ leider nicht überzeugen kann.

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[MANGA] Ipomoea von Hiromi Takashima

Autor: Hiromi Takashima
Taschenbuch: 162 Seiten
ISBN-13: 978-3770481477
Preis: 7,00 EUR

Story:
Die etwas einfältige, aber gutherzige Yamada kümmert sich mit Freuden um die Pflanzen der Schule. Als sie eines Tages beim Gießen ihrer Prunkwinden („Ipomoeas“) die jungenhafte Kase kennenlernt, wird ihre Gefühlswelt gewaltig auf den Kopf gestellt. Kase, die in ihre Parallelklasse geht und zur Leichtathletik-AG gehört, ist das genaue Gegenteil von ihr und als sich die beiden anfreunden, wird sich Yamada mehr und mehr ihrer Gefühle für Kase bewusst. Da sie jedoch beide Mädchen sind, setzt Yamada alles daran ihre Gedanken zu verheimlichen und eine normale Freundschaft aufzubauen.

Als der alljährliche Schulmarathon ansteht und Kase ihrer neuen Freundin beim Training helfen möchte, kommen sich die beiden unweigerlich näher. Als sie einander ein Versprechen geben, setzt Yamada alles daran ihren Teil zu erfüllen: den Marathon durchzustehen, um Kase anschließend einen Wunsch zu erfüllen …

Eigene Meinung:
„Ipomoea“ ist ein sehr niedlicher, leichter Girls Love Manga von Hiromi Takashima, der in Japan in der Yuri-Anthologie „Hirari“ fortgesetzt wird. Die Zeichnerin ist in verschiedenen Genres aktiv, darunter Shojo, Seinen und Shonen-Ai, wobei in ihren Mangas zumeist die Comedyelemente überwiegen.

Ursprünglich war das erste Kapitel von „Ipomoea“ als abgeschlossener Episodenmanga geplant, allerdings entwickelte sich die Geschichte zwischen Yamada und Kase im Laufe der Zeit weiter und wurde nach und nach zu einer kompletten Geschichte. Aus diesem Grund folgt die Handlung am Anfang keinem wirklich roten Faden. Sicherlich läuft alles darauf hinaus die beiden Mädchen einander näher und schließlich zusammen zu bringen, doch es mangelt an einer wirklichen kontinuierlichen Handlung. Als Leser bekommt man einfach nur Kurzgeschichten mit denselben Figuren und unterschiedlichen Thematiken präsentiert, was man allein schon an den Titeln der Kapitel bemerkt („Das Fahrrad und Kase-san“, „Die Sneakers und Kase-san“ etc.).
„Ipomoea“ ist einfach gestrickt, sprich Tiefgang, Dramatik und Ernsthaftigkeit darf man nicht erwarten. Hiromi Takashima will einfach nur unterhalten und setzt dabei auf die altbekannte Mischung aus Romantik, Comedy und Situationskomik. Dementsprechend sucht man erotische Szenen vergeblich. „Ipomoea“ ist ein romantischer Girls Love Manga, in dem es über ein zartes Küsschen am Ende nicht hinausgeht.

Die Charaktere entsprechen ebenfalls dem typischen Girls Love Schema – ein schüchternes, unsicheres Mauerblümchen und eine jungenhafte, etwas burschikose Sportlerin. Dahingehend bietet Hiromi Takashima wenig Neues – sie hält am bekannten Schema fest, schafft jedoch damit sehr sympathische und liebenswerte Figuren. Sowohl Yamada, als auch Kase wissen zu gefallen und es macht Spaß ihre Annäherungen mitzuerleben. Sie passen gut zur lockerleichten Handlung und der angenehmen Atmosphäre des Mangas.

Hiromi Takashimas Zeichnungen passen ebenfalls gut zum Inhalt und dem lustig-romantischen Inhalt. Die Mangaka hat einen sehr schönen, leichten Shojostil, der mit niedlichem Charakterdesign, süßen Zeichnungen und stimmigen, sehr hellen Panelen punkten kann. Auch ihre Farbillustrationen und die gelungenen Hintergründe werten den Manga auf und ergeben ein stimmiges Gesamtbild.

Fazit:
Alles in allem ist „Ipomoea“ ein schöner, romantischer Girls Love Manga, der durchaus lesenswert ist, insofern man einfache, seichte Handlungsstränge und ein wenig stereotype Figuren mag. Wirklich Tiefgang und ungewöhnliche Handlungsbögen darf man nicht erwarten, da Hiromi Takashima lediglich eine lockerleichte Liebesgeschichte erzählen will, die man so sicherlich nicht das erste Mal liest. Dennoch sollten Girls Love Fans einen Blick riskieren- „Ipomoea“ ist sehr niedlich umgesetzt und punktet mit schönen Shojo-Zeichnungen, die hervorragend zum Inhalt passen.
Wer seichte, romantische Girls Love Kost mag, sollte einen Blick riskieren.

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[MANGA] Küsse unterm Regenbogen von Kakine

Autor: Kakine
Taschenbuch: 192 Seiten
ISBN-13: 978-3770481484
Preis: 7,00 EUR

Story:
Der junge Momozu ist ein echter Sonnentyp. Wo er hingeht, scheint nicht nur die Sonne, er bringt sie auch mit sich. Dieses Talent nutzt dem introvertierten Mann herzlich wenig, verkriecht er sich doch lieber zuhause und geht nur selten nach draußen. Im Gegenzug dazu scheint Toyotama das schlechte Wetter anzuziehen. Der begeisterte Bergsteiger hat das Pech, dass er Regen anzieht, der jede Wanderung kaputtmacht. Als Toyotama vor einem Geschäft auf Momozu trifft, ist er sofort von dessen Fähigkeit begeistert. Er überredet ihn dem Bergsteigerclub beizutreten und während der gemeinsamen Planung kommen sich die beiden unweigerlich näher. Schon bald empfindet Momozu mehr für seinen ungewöhnlichen Freund, doch ausgerechnet jetzt lässt ihn seine Fähigkeit die Sonne zu sich zu rufen, im Stich …

Neben der Hauptgeschichte erhält der Manga noch den One-Shot „Die Magie der Liebe“, der von der Beziehung des Studenten Riku zu dem bekannten und herumreisenden Magiers Minato handelt, die nur selten sehen können und daher mit einigen Problemen zu kämpfen haben …

In „Sweet Gentle Kisses“ arbeitet der Friseur Sotome in einem Privathaushalt und ist einzig und allein für das Haare schneiden des jungen Hausherren Yuichi zuständig ist. Als die Beiden sich näher kommen und Sotome sich nicht länger zurückhalten kann, steht ihre Beziehung auf wackeligen Beinen, denn Yuichi wurde einst von seinem Friseur misshandelt …

Eigene Meinung:
Die Manga Kakine ist in Deutschland keine unbekannte Größe mehr, legte EMA doch bereits die Einzelbände „Touch me Teacher“ und „Spotlight Lover“ vor. Auch mit ihrem neusten Werk „Küsse unterm Regenbogen“ schlägt sie in die altbekannte Kerbe und präsentiert einen romantischen, leicht kitschigen Boys Love Manga, den sie dieses Mal um einige fantastische Elemente bereichert.

Die Hauptgeschichte ist recht fantasievoll geworden, wenngleich die Grundidee mit dem „Sonnen-Mann“ und „Regen-Mann“ nicht weiterführend erklärt wird, sondern lediglich als Mittel zum Zweck dient, um Momozu und Toyotama zusammen zu bringen. Im Vordergrund steht die Liebesgeschichte zwischen den beiden ungleichen Männern. Die vielen Comedyelemente, die Kakine in Form der stürmischen Renka und ihres Verehrers Hasegawa eingebaut hat, lockern die Handlung ein wenig auf und wissen durchaus zu unterhalten, wenngleich dadurch die Romantik zeitweise auf der Strecke bleibt.
Bei den beiden Extrageschichten steht die Liebe und die Romantik ganz klar im Vordergrund, allerdings sind beide Geschichten ein wenig nichtssagend und stereotyp geraten. War in „Küsse unter dem Regenbogen“ zumindest die fantasievoll Grundidee noch halbwegs interessant und ungewöhnlich, so bieten „Die Magie der Liebe“ und „Sweet Gentle Kisses“ keine Abwechslung und sind sehr vorhersehbar.

Leider wirken auch die Charaktere sehr stereotyp – sowohl Momozu, als auch Toyotama handeln vorhersehbar, auch die Figuren aus den anderen beiden Geschichten bieten wenig Neues. Kakine bleibt in ihrem üblichen Schema und verzichtet auf all zu starke Charakterentwicklung oder ungewöhnliche Figuren, obwohl Renka durchaus Potenzial geboten hätte. So dümpeln die Geschichten ein wenig dahin, auch wenn man dank der Comedy-Elemente gut unterhalten wird. Sicherlich bietet ein Einzelband wenig Platz für Charakterentwicklung, doch ein wenig mehr hätte es schon sein können.

Kakines Zeichnungen sind wie gewohnt sehr schön anzusehen, wenngleich an einigen Stellen ein wenig skizzenhaft. Den Leser erwartet ein solider, angenehmer Stil, der gut zum Inhalt und den Charakteren passt und nicht übermäßig viele Details und Spielereien aufweist.

Fazit:
Insgesamt ist „Küsse unterm Regenbogen“ ein schöner Boys Love Manga für zwischendurch, der mit einer niedlichen Haupthandlung und soliden Zeichnungen aufwarten kann. Allzu viel Charakterentwicklung und Tiefgang sollte man nicht erwarten – Kakine legt einen romantischen Comedy-Manga vor, der keinen Wert auf ungewöhnliche Handlungsbögen und tiefgründige Charaktere legt, sondern dem üblichen Boys Love Schema treu bleibt. Wer Kakines Zeichnungen mag und seichter, witziger Romantik nicht abgeneigt ist, kann einen Blick riskieren – ein wirkliches Muss für BL-Fans stellt „Küsse unterm Regenbogen“ allerdings nicht dar.

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