[ROMAN] Meine Mutter, sein Exmann und ich von T. A. Wegberg

Autor: T. A. Wegberg
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-3499217593
Preis: 10,99 EUR (eBook) / 12,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Für Joschka bricht eine Welt zusammen, als sich seine Mutter für eine geschlechtsanpassende Operation entscheidet und fortan als Frederik leben will. Während seine Schwester Liska die Entscheidung ihres neuen Vaters akzeptiert, fühlt sich Joschka im Stich gelassen. Kurzerhand zieht er zu seinem Vater und dessen neuer Frau, doch auch dort ist das Leben nicht nur rosig. Erst als Joschka dem stillen Sebastian näherkommt und herausfindet, dass dieser an einer seltenen Krankheit leidet, wird Joschka offener und beginnt sich Stück um Stück zu ändern …

Eigene Meinung:
Der Jugendroman „Meine Mutter, sein Exmann und ich“ stammt aus der Feder T. A. Wegbergs, der sowohl für seine Jugendbücher, als auch für seine Gay Romane bekannt geworden ist. Mit dem vorliegenden Roman wendet er sich erstmals der Thematik Transgender zu, die im Jugendbuchberich bisher nur selten vertreten ist.

Die Geschichte handelt von Joschkas langsamer Wandlung vom leicht homophoben, intoleranten und engstirnigen Jugendlichen zu jemanden, der offener und toleranter durchs Leben geht und im Laufe der Zeit erwachsen wird. Dass gelingt T. A. Wegberg mit ruhigen Tönen und verschiedenen Figuren, die sehr realistisch und authentisch wirken – allen voran Joschka selbst. Er entspricht dem heutigen Jugendlichen in seiner leicht stumpfen Art sehr gut, ganz besonders was seine vorgefasste Meinung anbelangt und seine Angst vor Ablehnung. Joschka richtet sein ganzes Leben nach seinen Freunden, Schulkameraden und fremden Menschen. Ihm ist es enorm wichtig, nicht aus der Reihe zu tanzen und von allen akzeptiert zu werden. Da nimmt er auch in Kauf seinen neuen Vater zu verletzen und diesem die Schuld an seinem verkorksten Leben zu geben, anstatt sich einen Spiegel vorzuhalten. Erst als er Sebastian näher kennenlernt und in der engagierten, toleranten Emma seine große Liebe findet, ändert er sich Stück um Stück. Dies ist sehr glaubhaft beschrieben, denn natürlich sind es nur kleine Dinge, die er bewegt, die sich für ihn aber wie große Schritte anfühlen. Dass Joschka noch einen weiten Weg zu gehen hat, steht außer Frage, doch die ersten Schritte sind am Ende des Buches gemacht.
Nichtsdestotrotz hätte der Autor einige Dinge vertiefen können. Allein die Tatsache, dass zwischen den Kapiteln zeitlich gesprungen wird und mitunter mehrere Wochen ausgeblendet werden, sorgt dafür, dass man immer wieder neu in die Geschichte eintauchen muss und viele Punkte nicht geklärt werden. Zu Beginn sind es eher kleine, unbedeutende Sachen, zum Beispiel die Kommentare und Aktionen von Joschkas Stiefmutter. Im Fortlauf der Handlung häufen sich einige Dinge und man wartet gezielt auf die Auflösung einiger offener Fäden, die jedoch fallen gelassen wurden, weil Joschka sie scheinbar selbst nicht mehr für wichtig erachtet. Ganz besonders die Tatsache, dass die Schlüsselszene zwischen Frederic und Joschka am Ende des Buches relativ kurz abgehandelt wird und die Probleme zwischen den beiden nur oberflächlich behandelt werden, ist extrem schade. Hier hätte man sich einfach eine detailliertere Darstellung und eine bessere Aufarbeitung gewünscht, gerade bei einer solch wichtigen Thematik wie Transsexualität.

Stilistisch hat T. A. Wegberg einen sehr stimmigen, jugendnahen Schreibstil, der der Zielgruppe die Gefühle und Gedanken gut näherbringt und dafür sorgt, dass man sich mit Joschkas Problemen auseinandersetzt. Auch die Beschreibungen von Berlin, inklusive der Buslinien und des Nahverkehrs sein gut eingebaut, so dass man die Stadt auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernt. Der Autor weiß, wie man Dinge in Szene setzt und wie man einen Jugendlichen authentisch und realistisch darstellt, denn Joschka ist zu Beginn kein Sympathieträger und wirkt auch später noch stoffelig und wenig tolerant. Doch so sind viele der Jugendlichen heutzutage, so dass sich gerade diese mit T. A. Wegbergs Charakteren identifizieren dürften und mit Bedacht an die Thematik Transsexualität herangeführt werden, ohne mit Fachbegriffen und moralisch erhobenen Zeigefinger erschlagen zu werden.

Fazit:
„Meine Mutter, sein Exmann und ich“ ist ein gelungenes Jugendbuch von T. A. Wegberg, das die Thematik Transsexualität aufgreift und gut in Szene setzt ohne sich nur auf diese Thematik zu konzentrieren. An einigen Stellen wünscht man sich zwar mehr Tiefgang und eine detailliertere Ausarbeitung der Geschichte, doch die kurzen, sprunghaften Episoden passen gut zum Helden. Gerade Jugendliche, die im selben Alter wie Joschka sind, dürften sich gut mit ihm identifizieren können, da er (und seine Freunde) sehr authentisch wirken und die heutige Jugend widerspiegeln. Wer Jugendbücher aus dem Transgender-Bereich sucht, sollte sich „Meine Mutter, sein Exmann und ich“ auf jeden Fall näher ansehen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[LIKE A DREAM] Gewinnspiel Auswertung

Hallo ihr Lieben,

lange musstet ihr auf die Auswertung des Gewinnspiel warten, was an meinem Osterurlaub und QUEER gelesen 2017 lag. Jetzt kann ich aber endlich die Gewinnerin der komplett signierten Ausgabe verkünden, die ich mit meinem „Dice-of-Doom“ ausgewürfelt habe. Insgesamt haben (leider) nur 5 Teilnehmer mitgemacht, weswegen ich jedem ab Platz 2 ein eBook im Wunschformat zukommen lassen möchte. Bitte meldet euch via Mail bei mir (Koriko@gmx.de).

Nun aber zur Gewinnerin der begehrten, seltenen Anthologie:

Herzlichen Glückwunsch, Melanie. Bitte melde dich mit Angabe deiner Adresse bei mir 🙂

Alle anderen haben die Möglichkeit eine signierte Ausgabe inklusive verschiedener Gimmicks (u.a. von 20 Autoren signierter Stoffbeutel von Samenature) bei eBay für einen guten Zweck zu ersteigern. Sämtliche Einnahmen kommen der Spendenaktion „Tschetschenien“ zugute, um Homosexuellen bei ihrer Flucht vor Folter, Verfolgung und Ermordung zu unterstützen.

Liebe Grüße,
Juliane

[LIKE A DREAM] Auktion zugunsten Spendenaktion „Tschetschenien“

Hallo ihr Lieben,

um ebenfalls etwas zugunsten Homosexueller in Tschetschenien zu tun (ich denke, jedem ist zu Ohren gekommen, welche unmenschlichen Dinge sich dort ereignen), haben sich die Autoren der Anthologie und die Bar jeder Sicht entschlossen, eine komplett signierte Ausgabe der „Like a Dream“- Anthologie sowie einen von 20 Autoren signierten Stoffbeutel (danke an Sarah Natusch für die tolle Spende) inkl. Gimmicks zu versteigern. Sämtliche Einnahmen kommen der Spendenaktion „Tschetschenien“ von Enough is Enough zugute.

Wir sind gespannt und freuen uns auf eure Gebote, denn jeder Cent zählt, um die Menschen dabei zu unterstützen vor Verfolgung, Folter und Mord zu fliehen.

EBAY

Folgendes ist enthalten:

  • Anthologie „Like a Dream“, signiert von: Tanja Meurer, Florian Tietgen, Bianca Nias, Elisa Schwarz, Laurent Bach, Leann Porter, Sabrina Železný, Jobst Mahrenholz, Karo Stein, Thomas Pregel, Alexa Lor, Chris P. Rolls, Anna Maske, Savannah Lichtenwald, Jannis Plastargias, Juliane Seidel und der Cover-Designerin Casandra Krammer
  • Stoffbeutel signiert von Svea Lundberg, Bianca Nias, Anna Maske, Juliane Seidel, Carmilla DeWinter, Sara Pearson, Juan Santiago, Tanja Meurer, Julian Mars, Leann Porter, Jona Dreyer, Serena C. Evans, Henrike Lang, Conny Reinhard, Irina Theisen, Tanja Meurer, Serena C. Evans, Corinna Behrens
  • Gimmicks (Flyer, Kugelschreiber, Lesezeichen, Buttons), teils signiert

Bitte unterstützt uns, ob durch Gebot , oder indem ihr Freunde auf die Auktion aufmerksam macht.

PS: Die Gewinner der Geburtstagsgewinnspiels werden morgen bekanntgegeben – habt nur noch ein wenig Geduld 🙂

[AUSWERTUNG] Gewinnspiel Jutta Ahrens

Hallo ihr Lieben,

mit einigen Tagen Verspätung habe ich endlich das Leserinterview und die Gewinnspielauswertung für euch im Gepäck. Danke an Jutta Ahrens, die die Buchpakete für die Verlosung gespendet hat und allen Teilnehmern. Da Jutta gerne jedem Teilnehmer etwas Gutes tun möchte, gibt es für die Plätze 4+ ein eBook nach Wahl. Herzlichen Glückwunsch schon mal an alle – dieses Mal seid ihr alle Gewinner 🙂 Hier aber zunächst die Antworten auf eure Fragen:

Sarah: Jutta, hörst du Musik beim schreiben? Oder lässt dich davon inspirieren?
Nein, überhaupt nicht, das würde mich ablenken. Ich höre Musik nebenbei, wenn ich male, da lenkt es mich nicht ab.

Mana: Was ist es, das dich genau an den historischen, bzw Fantasyromanen fasziniert?
Eigentlich komme ich vom Historischen. Fantasy hat mich früher gar nicht interessiert.  Dann merkte ich, dass sich in Fantasybüchern doch viele interessante Konflikte ergeben, die im normalen Leben nicht vorkommen können. Aber ich bleibe auch in der Fantasy in einem sozusagen historischen Umfeld.

Gibt‘s von dir auch Geschichten die in der heutigen Zeit spielen?
Es gibt von mir zwei Krimis, die in der heutigen Zeit spielen, d.h. in den Neunzigern. Aber eigentlich schreibe ich keine modernen Sachen, weil ich bereits in der heutigen Zeit lebe und mich in meinen Geschichten in eine andere Zeit begeben möchte.

Schreibst du mit oder ohne Musik?
Ich schreibe ohne Musik.

Gibt es ein Autorenvorbild, bzw einen Lieblingsautor für dich?
Mein Lieblingsautor war Josef Nyary, der auch historische Bücher über Assyrien und Babylon schrieb. Das war in den Achtzigern und Neunzigern. Heute habe ich keinen Lieblingsautor.

Die letzte Frage ist typisch Mana ;), ich bin ja die totale Koch-Tussi und steh auch auf Mittelalter und Fantasy. Gibt es ein reales Gericht das dich an deine Bücher erinnert oder das so auch in deinen Geschichten vorkommen könnte?
Was deine Kochvorlieben angeht, so muss ich dich leider enttäuschen. In meinen Romanen kommen zwar einige spezielle Gerichte vor, vor allem in »Midian« und »Die Söhne der Spartanerin«, aber ich habe sie nie nachgekocht. Ich habe mich schlau gemacht, was damals so gegessen wurde und einfach was Eigenes zusammengestellt, aber nur im Kopf.

Deniz: Ich wollte fragen ob du (einen ) Lieblingsautor/en hast und ob welche dich beeinflusst haben ? 😁
Mein Lieblingsautor war Josef Nyary, der auch historische Bücher über Assyrien und Babylon schrieb. Ja, ich fand seinen Stil toll, und er hatte mich damals sehr beeinflusst. Heute schreibe ich jedoch ganz anders.

Nadin: Was fasziniert sie am Genre historische Fantasy und warum schreibt sie ausgerechnet in dem Genre?
Ich schreibe historische Fantasy, weil ich eigentlich vom historischen Genre herkomme. Als ich mich zusätzlich der Fantasy zuwandte, war es naheliegend, auch hier atmosphärisch eher historisch zu bleiben.

Mischka: Wann können wir Leser*innen ungefähr damit rechnen, etwas über den Verbleib von Rastafan zu erfahren?
Den genauen Zeitpunkt kann ich noch nicht sagen. Ich schreibe momentan an einem Ägyptenroman, der, wenn alles gut läuft, im Juni fertig sein wird. Danach will ich mich dann sofort an Rastafan machen, versprochen.

Könnte Frau Ahrens sich vorstellen, auch einmal in einem ganz  anderen Genre (also außer Historie und Fantasy) zu schreiben?
Ich könnte mich allenfalls zu einem Krimi aufraffen, aber eigentlich ungern. Andere Genres: nein.

Jennifer: Wo ist ihr Lieblingsreiseziel??
Griechenland

Wenn sie ein Buch verfilmen lassen könnte welches würde sie wählen und würde sie selbst gerne ein Rolle darin einnehmen wollen??
Der blutige Thron. Ich möchte die Hauptperson sein, also Asarhaddon. Da ich eine Frau bin, geht das aber nicht. Eine Frauenrolle möchte ich nicht übernehmen.

Glaubt sie an magische Wesen und an andere Welten??
Nein

Annika: Was hat dich dazu bewogen mit dem Schreiben anzufangen?
Mit fünfzehn schrieb ich meinen ersten Roman, der natürlich nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. In der Schule schrieb ich mit Leidenschaft Aufsätze. Ja, woher kommt das? Ich weiß es nicht. Ich hatte wohl schon immer Lust, mir Geschichten auszudenken.

Was schreibst du am liebsten?
Am liebsten schreibe ich über historische Themen und etwas extreme Charaktere, aber man kann nicht immer nur das schreiben, was man am liebsten hätte, sonst läuft nichts. Da muss man einen Kompromiss finden.

Welcher ist dein Lieblingscharakter in deinen Büchern?
Mein Lieblingscharakter ist und bleibt Asarhaddon im Blutigen Thron. Ich finde ihn sehr aufregend.  Wohl verstanden, als Buchfigur, nicht im wahren Leben.

Vielen Dank an alle Teilnehmer – hier kommen nun endlich die Gewinner des Leserinterviews:


3. Platz: Deniz Cacan


2. Platz: Nadin Fichte


1. Platz: Annika Paul

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!
Bitte meldet euch bei mir unter Angabe eurer Adresse und der Formatangabe des eBooks bei mir – ich werde diese an Jutta weitergeben, da sie die Gewinne direkt an euch versendet. Alle anderen melden sich bitte wegen des eBooks nach Wahl bei mir – ich gebe eure Mailadressen und Buchwünsche (bitte Format angeben) an die Autorin weiter.

Alle anderen bekommen im Herbst 2017 eine neue Chance – dann haben wir Urgestein Chris P. Rolls zu Gast. Ihr könnt euch schon jetzt auf tolle Rezensionen und Interviews freuen 🙂

Vielen Dank an alle Teilnehmer und Jutta Ahrens für die tolle Unterstützung und Geduld.

Bis zum nächsten Mal,
Juliane

[KINDERBUCH] Kicker im Kleid von David Walliams

Autor: David Walliams
Illustrator: Quentin Blake
Taschenbuch: 240 Seiten
ISBN: 978-3499217845
Preis: 14,99 EUR (Hardcover) / 12,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Dennis unterscheidet sich kaum von normalen Jungen in seinem Alter – er geht zur Schule, hat viele Freunde und liebt Fußball. Er spielt sogar aktiv und ist einer der Besten der Schulmannschaft. Einzig sein anderes Hobby ist ein Geheimnis, denn weder sein Vater, noch seine Freunde haben dafür Verständnis: Dennis liebt Mode und Kleider. Jeden Monat kauft er sich die neue Vogue und ist von Kleidern, Stoffen und Schnitten fasziniert. In der älteren Lisa findet er unerwartet eine Vertraute, zumal diese selbst schneidert und Dennis irgendwann überredet, probeweise ein Kleid anzuziehen. Aus dem Versuch wird bald mehr, denn Dennis liebt es sich hübsch zu machen und Mädchenkleidung anzuziehen. Als die beiden auf die Idee kommen, Dennis im Kleid der Schule zu präsentieren, hat dies ungeahnte Folgen …

Eigene Meinung:
„Kicker im Kleid“ stammt von David Walliams, der in England kein Unbekannter ist und oft als Nachfolger von Roald Dahl gehandelt wird. Mehrere Kinderbücher stammen aus seiner Feder, u.a. „Gangsta Oma“, „Terror Tantchen“ und „Ratten Burger“. Die Illustrationen stammen von Quentin Blake, der die meisten Romane von Roald Dahl illustriert hat und dadurch bekannt geworden ist. Das vorliegende Kinderbuch erschien 2010 bereits beim Aufbau Verlag, Rowohlt hat „Kicker im Kleid“ 2017 neu aufgelegt.

Die Geschichte um den fußballverrückte und modeverliebten Dennis ist kindgerecht aufbereitet und behandelt bei weitem nicht das Thema Transgender. Dennis möchte kein Mädchen sein, er findet lediglich Spaß daran sich zu verkleiden und hübsch zu machen. Es macht ihm Spaß sich zu verkleiden und vertreibt die Langeweile, wenn er in Kleider schlüpft und sich von Lisa hübsch machen lässt. Für ihn ist es ein Hobby, ebenso wie das Fußballspielen. Daher ist „Kicker im Kleid“ kein wirklich queeres Buch, sondern widmet sich eher der Thematik Crossdressing, das in England eine lange Tradition hat. Themen wie Akzeptanz, Toleranz und Respekt werden in „Kicker im Kleid“ behandelt, ebenso der Mut für eine Sache einzustehen und auch mal aus gängigen Rollenklischees auszubrechen und zu sich selbst zu stehen.
Das macht das Kinderbuch zu einer lohnenswerten Anschaffung, ganz besonders, wenn man Kinder im passenden Alter hat. David Walliams legt ein gut gelungenes, gut lesbares Kinderbuch vor, das auf humorvolle, lockere Art und Weise mit dem Thema umgeht und eine positive Botschaft vermitteln will. Da kann man auch verschmerzen, dass die Lösung am Ende im Grunde zu einfach ist und sich nur schwer mit der Realität vereinbaren lässt.

Die Charaktere sind sehr sympathisch – gerade Dennis, der in vielen Punkten ein durchschnittlicher Junge ist und mit den typischen Problemen zu kämpfen hat: der Trennung seiner Eltern, der Trauer über den Weggang seiner Mutter und der Tatsache, dass er recht sensibel ist, dies aber selten gegenüber seinem Vater und seinem Bruder zeigen darf (getreu dem Motto: Jungs weinen nicht!). Dass er sich für Mode und Mädchenkleider interessiert macht ihn nur noch menschlicher und glaubwürdiger, denn David Walliams gelingt es diesen ungewöhnlichen Charakterzug nachvollziehbar und authentisch darzustellen und regt an einigen Stellen zum Nachdenken und Diskutieren an. Denn man versteht den Jungen, der sich fragt, warum Jungs keine Kleider tragen dürfen, auch wenn diese bequem und hübsch sind.
Auch die übrigen Charaktere sind sehr gut dargestellt, allen voran Lisa, die Dennis ermutigt und unterstützt, aber auch dessen Vater und Bruder, die ein wenig brauchen, um ihre Vorurteile beiseitezuschieben.

Stilistisch legt David Walliams ein gelungenes Kinderbuch vor, das durch einen prägnanten, sehr eindringlichen Stil besticht. Der Autor arbeitet mit kurzen, präzisen Sätzen und verzichtet komplett auf schmückendes Beiwerk. So findet man kaum Beschreibungen der Wohngegend, der Schule oder den einzelnen Figuren – stattdessen legt der Autor Wert auf Humor und kleine Hints, die Fans seiner Bücher sofort wiedererkennen. Auch kommt er immer wieder selbst zu Wort, wirft einen knappen Randkommentar ein oder erklärt in wenigen Worten eine Szene genauer. Dieses kurze Eingreifen seitens der Autors in die Handlung ist bei britischen Romanen keine Seltenheit – auch in Büchern wie „Lemony Snicket“ kommt der Autor immer wieder zu Wort.
Die Illustrationen mag man oder man mag sie nicht, denn Quentin Blake hat einen sehr eigenwilligen Stil: flüchtig, skizzenhaft und fast ein wenig schluderig. Dennoch bringt er die Szenen, die er mit Bildern unterlegt gut zur Geltung, denn der Leser erkennt auf einen Blick worum es geht.

Fazit:
„Kicker im Kleid“ ist ein gelungenes Kinderbuch, das eine wichtige Botschaft in unterhaltsamer Form verpackt und für Toleranz, Akzeptanz und Respekt wirbt, ohne mich erhobenem Zeigefinger daher zu kommen. Es ist kein wirklich queeres Buch, doch es streift die Transgender-Thematik und enthält durchaus einige Parallelen. David Walliams legt ein stilistisch stimmiges, lesenswertes Kinderbuch vor, das für Jungen und Mädchen gleichermaßen geeignet ist. Zu empfehlen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ANTHOLOGIE] Unicorns don’t swim von Antje Wagner

Herausgeberin: Antje Wagner
Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN: 978-3932338823
Preis: 14,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Inhalt:
Herausgeberin Antje Wagner hat 20 Geschichten von 16 unterschiedlichen Autorinnen gesammelt und in dem im Aviva Verlag erschienenen Erzählband „Unicorns don’t swim“ vereint. Egal ob realistisch oder fantastisch, lockerleicht oder dramatisch – es geht um Mädchen, die mit ihrer Art und ihren Gedanken aus den typischen Geschlechterrollen herausfallen. In der Anthologie geht es ums Anderssein, Que(e)rdenken und Sich-Selbst-Entdecken, das Brechen von Konventionen und dem Schubladendenken der Gesellschaft. Und so abwechslungsreich die Geschichten auch sind, sie haben eine Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Geschichte zieht – das Mädchen nicht immer den üblichen Klischees entsprechen müssen, sondern wesentlich vielseitiger und individueller sein können und dürfen.

Eigene Meinung:
Der Erzählband „Unicorns don’t swim“ erschien 2016 im Aviva Verlag unter der Schirmherrschaft der mehrfach ausgezeichneten Jugendbuch-Autorin Antje Wagner, von der zwei Kurzgeschichten stammen. Auch andere bekanntere Jugendbuchautorinnen wie Vera Kissel lassen es sich nicht nehmen, sich mit einer Geschichte zu beteiligen, ebenso Autorinnen, die mit ihren lesbischen Romanen auf sich aufmerksam gemacht haben. Für viele ist die Veröffentlichung in „Unicorns don’t swim“ jedoch der erste Schritt in die Öffentlichkeit.

Die Geschichten sind so bunt, queer und unterschiedlich, wie die Autorinnen, was dem Leser eine breite Palette ungewöhnlicher Geschichten beschert, die zum teils Nachdenken anregen, teils „nur“ unterhalten sollen. Dabei werden alle möglichen Themen behandelt – Liebe in allen Formen und Facetten, das Ausbrechen aus Konventionen, der Umgang mit Transidentitäten und kleine und große Familienprobleme. Die Autorinnen entführen den Leser in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in fantastische Parallelwelten und realistische Settings. Auch aktuelle Themen wie Flüchtlinge werden aufgegriffen und eingebaut. Die meiste Zeit bewegen sie sich jedoch abseits des Mainstreams, denn die Heldinnen der Geschichte entsprechen nicht den üblichen Klischees. Sie sind stark, vertreten ihr eigene Meinung, verlieben sich mitunter in Mädchen und müssen lernen mit ungewöhnlichen Familienproblemen umzugehen. Besonders hervorzuheben sind „Metamorphose“ von Tania Witte, „Baby“ von Vera Kiesel und „Hellhelden“ von Antonie Partheil, die mich auf ganz besondere Art und Weise gefesselt und zum Nachdenken angeregt haben, doch im Grunde ist jede Geschichte ein kleiner Schatz, der wunderbar zur Anthologie passt. Auch „Halbes Bett“, Auftakt eines Jugendromans von Ingrid Annel kann überzeugen, wenngleich es schade ist, dass es sich um keine abgeschlossene Geschichte handelt.

Stilistisch weisen die Erzählungen eine hohe Qualität aus. Natürlich hat jeder Autor seinen Stil und setzt sich mit der Thematik auf ganz eigene Art auseinander, doch der Kurzgeschichtenband bietet Abwechslung und gibt dem Leser die Möglichkeit, neue Autorinnen kennenzulernen, die man zukünftig im Auge behalten kann. Dies ist bei einer Anthologie immer der schönste Punkt, neben verschiedenen Geschichten und einer bunten Mischung – das Kennenlernen neuer Autoren, die man bis dahin nicht kannte.

Fazit:
„Unicorns don’t swim“ ist eine gelungene Anthologie, die durch mutige, ungewöhnliche Geschichten besticht, die sich auf vollkommen unterschiedliche Art mit dem Thema Mädchen, Frauen in allen Facetten beschäftigen. Den Autorinnen gelingt ein breiter Querschnitt außergewöhnlicher Heldinnen, die sich fernab der Klischees und gängigen Ideale bewegen und für sich selbst sprechen, handeln und leben. Unter Herausgeberin Antje Wagner versammeln sich talentierte Autorinnen, die mit ihren Geschichten aufrütteln, berühren und nachdenklich stimmen wollen und die Themen aufgegriffen haben, die zu Diskussionen anregen dürften. Für junge Mädchen und Frauen unbedingt zu empfehlen, ebenso für Leser, die gerne einen Blick über den Tellerrand riskieren wollen. Es lohnt sich!

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ANKÜNDIGUNG] QUEER gelesen und Anthologie-Lesung

Hallo in die Runde,

in knapp zwei Wochen ist es wieder soweit – QUEER gelesen findet in der Bar jeder Sicht in Mainz statt. Wir haben für euch ein tolles Programm auf die Beine gestellt und hoffen sehr, dass ihr Zeit findet vom 21.04. – 23.04. mit dabei zu sein. Euch erwartet eine bunte Mischung aus humorvollen, dramatischen Alltagsgeschichten; fantastischen, märchenhaften Stoffen, sowie Krimis und Thrillern. Zu Gast sind Autoren aus ganz Deutschland, u.a. der Berliner Autor Julian Mars, der aus seinem Jugendbuch „Jetzt sind wir jung“ liest, Henrike Lang, die ihren Episodenroman „Bettenroulette“ vorstellen wird, und Carmilla DeWinter, die den Zuhörer mit ihrem Buch „Albenerbe“ in fantastische Welten entführt.

Zur Auftaktveranstaltung am Freitag, den 21. April, steht eine Lesung der Benefiz-Anthologie „Like a Dream“ auf dem Plan, zu der Autor*innen aus dem Rhein/Main-Gebiet erwartet werden. Dabei werden folgende Autoren zu Gast sein und auch ihre eigenen Bücher mit dabei haben:

  • Bianca Nias
  • Savannah Lichtenwald
  • Leann Porter
  • Tanja Meurer
  • Anna Maske
  • Juliane Seidel

Unterstützt wird das Festival von verschiedenen Verlagen, der Bar jeder Sicht und dem Novum Hotel Wiesbaden. Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei, Spenden sind jedoch gern gesehen.

Das komplette Programm findet ihr hier, einen Programmflyer im PDF-Format könnt ihr euch ebenfalls online anschauen: Programmheft (6,9 MB)

Wir freuen uns auf euch und hoffen euch zahlreich in Mainz anzutreffen. Lasst euch die Chance nicht entgehen, Autorn der Benefizanthologie zu treffen und in die Texte hineinzuschnuppern 🙂

Liebe Grüße,
Juliane

[MANGA] Sternensammler von Anna Backhausen und Sophie Schönhammer

Zeichner: Anna Backhausen und Sophie Schönhammer
Taschenbuch: 200 Seiten
ISBN: 978-3842020665
Preis: 3,99 EUR (eBook) / 6,95 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Fynns Leben besteht aus Schuleschwänzen, Rauchen und Faulsein – zu fast nichts hat er den passenden Antrieb. Als seine Freundin auch noch mit ihm Schluss macht, weil sie nicht das Gefühl hat, dass Fynn sie wirklich liebt, ist dieser nur mäßig geschockt. Schnell droht er in seinen gewohnten Trott zu verfallen, da trifft er auf einem Hügel, den er zum Rauchen und Nachdenken aufsucht, den nerdigen Niko, der mit einem Teleskop Sterne beobachtet und auf Sternschnuppen wartet. Zwischen den beiden ungleichen Teenagern entwickelt sich langsam mehr, denn Fynns Interesse ist geweckt und auch Niko scheint mit der Zeit mehr für seinen Mitschüler zu empfinden …

Eigene Meinung:
„Sternensammler“ stammt von Anna Backhausen und Sophie Schönhammer, die in der deutschen Mangaszene keine Unbekannten sind und schon mehrere Doujinshis veröffentlich haben. Der Manga erschien bei Tokyopop zunächst in großformatiger Heftform kapitelweise mit kleinen Extras und schließlich auch als Sammelband.

Die Geschichte dreht sich um die beiden ungleichen Teenager Fynn und Niko, die sich zufällig nachts auf einem Hügel treffen. Während Fynn einfach nur rauchen und abhängen will, ist es Nikos Ziel die Perseiden zu beobachten, da er von klein auf einen Faible für Sterne hat. Mit seiner Neugier steckt er schließlich auch Fynn an, der sich im häufiger mit seinem nerdigen Mitschüler trifft. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden mehr und damit beginnen auch die ersten Probleme – für Fynn ist es das erste Mal, dass er sich für einen Jungen interessiert, für Niko ist es ein Wagnis, denn Fynn ist nicht leicht zu nehmen, insbesondere wegen dessen Exfreundin.
Anna Backhausen und Sophie Schönhammer erzählen gefühlvoll eine zarte Liebesgeschichte, die sich langsam entwickelt und den beiden Teenagern genügend Zeit gibt sich kennen zu lernen und einander näher zu kommen. Es wirkt weder übereilt, noch hat man den Eindruck dass Fynn und Niko möglichst schnell miteinander im Bett landen müssen, wie es bei viele Boys Love Mangas leider der Fall ist. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte ein wenig stereotyp, denn im Grunde weiß man schon was passiert und welche Probleme für die beiden auftauchen. Vielleicht überraschen die Autorinnen ja im zweiten Band, denn der Manga ist noch nicht abgeschlossen und wird fortgesetzt.

Sehr angenehm und sympathisch gestalten sich auch die beiden Hauptfiguren des Mangas. Sowohl Niko als auch Fynn schließt man schnell ins Herz, da sie nicht ganz dem üblichen Klischee von Uke und Seme entsprechen, sondern weitestgehend authentisch sind. In Fynn findet man den typisch gelangweilten, antriebslosen Jugendlichen, der nicht weiß wohin er in seinem Leben will, in Niko den etwas nerdigen Jungen, der von den Sternen träumt und glücklicherweise nicht der stereotype Außenseiter ist. Auch Zoe, Fynns Ex, ist nicht uninteressant – sie könnte durchaus mehr Raum innerhalb der Geschichte einnehmen. Man mag sie und ihre offene, lockere Art.

Zeichnerisch legen die beiden Mangaka ein sehr schönes Werk vor. „Sternensammler“ besticht durch luftige, lockerleichte Zeichnungen und einen angenehmen Stil. Gerade die Aquarelleillustrationen sind sehr schön und passen gut zum verträumten Thema des Mangas, aber auch die einzelnen Panels und die Seitenaufteilung innerhalb des Mangas kann überzeugen – es wirkt weder zu vollgestopft noch zu leer. Man merkt, dass Anna Backhausen und Sophie Schönhammer bereits mehrere Mangas gezeichnet und eine gewisse Routine entwickelt haben. Wer ihr Doujinshis mochte und angenehm gestaltete, zuckersüße Boys Love Mangas mag, wird mit „Sternensammler“ garantiert nichts falsch machen.

Fazit:
„Sternensammler“ ist ein gelungener deutscher Boys Love Manga, der durch tolle Zeichnungen, sympathische Charaktere und eine ruhige, leise Liebesgeschichte besticht. Anna Backhausen und Sophie Schönhammer haben ein wundervoll stimmiges Werk geschaffen, das zwar nicht tiefgründig ist und eine altbekannte Geschichte neu erzählt, jedoch zu unterhalten weiß und sich nicht hinter japanischen Mangas verstecken muss. Man darf gespannt sein, wie die beiden die Geschichte fortführen, denn „Sternensammler“ macht Lust auf mehr.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ROMAN] Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück von S.J. Goslee

Autor: S.J. Goslee
Hardcover: 320 Seiten
ISBN: 978-3791500300
Preis: 12,99 EUR (eBook) / 16,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Story:
Mikes Leben ist gechillt, einfach und überschaubar – er hat eine Freundin, eine grottenschlechte Band, mit deren Mitgliedern er eher kiffend abhängt, als wirklich zu proben und in Wallace einen selbsterklärten Erzfeind, der ihm bereits als Zwölfjähriger das Leben zur Hölle machte. All das ändert sich, als Lisa mit ihm schlussmacht, ihn aber dazu zwingt, sich als stellvertretender Schülersprecher zu bewerben. Anstatt mit seinen Freunden herumzugammeln, darf er sich im Planungskomitees des Abschlussballs herumdrücken und mit wildgewordenen Cheerleadern plagen. Zu allem Überfluss ist auch Wallace Teil des Planungsteams und in letzter Zeit komplett anders zu ihm – sein beständiges Grinsen bringt Mike vollkommen aus dem Konzept, zumal er nach und nach feststellt, dass Mädchen gar nicht sein Ding sind und er eher auf Kerle abfährt …

Eigene Meinung:
Das Jugendbuch „Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück“ erschien im Dressler Verlag und ist das Debüt von S.J. Goslee, die bisher vorwiegend Fanfiction geschrieben hat. In den USA kam es unter dem Titel „Whatever“ heraus und erzählt die chaotische Geschichte von Mike, der mit seiner eigenen Sexualität und den damit einhergehenden Problemen zu kämpfen hat.

Die Geschichte des jungen Mike wirkt sehr authentisch und ist nah an der heutigen Jugend mit ihrer Null-Bock-Einstellung, den Partys und dem Herumexperimentieren. So lernt man Mike zunächst als ziemlichen Macho kennen, der gerne auf den Putz haut, insgeheim jedoch nur selten seinen Mann steht. Er ist nicht der typische Held, denn zu Beginn fällt es schwer, zu ihm Sympathie aufzubauen und sich auf ihn einzulassen. Auch die Geschichte holpert an einigen Stellen, da sie nicht genug in die Tiefe geht. Wichtige Ereignisse aus Mikes Leben (wie z.B. der Abschlussball oder sein etappenhaftes Outing) werden viel zu kurz beleuchtet. Man fühlt sich fast um einige Kapitel betrogen, da etliche Reaktionen und Ereignisse einfach nur kurz zusammenfasst werden. Klar – Mike ist teilweise betrunken (oder bekifft), dennoch fehlt dem Leser an einigen Stellen eine tiefergehende Aufarbeitung der Geschehnisse. Zum Ende hin gibt sich das ein wenig, und gerade die Szenen mit Wallace sind sehr gut umgesetzt. Schön ist dabei, dass die Autorin kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Charaktere sind 16 und verhalten sich mit ihren verrücktspielenden Hormonen auch so. Es darf herumgemacht werden und etwas expliziter zur Sache gehen!

Die Charaktere sind spritzig und lebendig, wenngleich man lange braucht um die vielen Figuren auseinander zu halten – Mikes Freundeskreis ist recht groß und jeder hat einen besonderen Platz in der Geschichte. Mike wird dabei stellenweise von anderen Figuren in den Schatten gestellt, denn letztendlich ist er bei weitem nicht so stark und bedeutend, wie er sich gerne hinstellt. Seine machohafte Art sorgt dafür, dass man ein wenig braucht, bis man sich auf ihn einlässt. Er ist nur bedingt ein Sympathieträger, wenngleich seine eigene Unsicherheit und sein Ungeschicktsein dafür sorgt, dass man ihn nach und nach besser versteht.
Seine Freunde werden sehr ausführlich beschrieben und lebhaft in Szene gesetzt. Seien es sein Kindergartenfreund Cam oder die forsche Lisa – sie sind Teil einer ziemlich coolen Truppe, die man schnell ins Herz schließt. Wallace auf der anderen Seite bleibt leider ein wenig blass, was daran liegt, dass Mike ihn die ersten beiden Drittel des Buches nicht ausstehen kann. Man erfährt nur wenig über ihn, was schade ist. Ein bisschen mehr hätte es schon sein können.

Stilistisch ist „Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück“ Geschmackssache – entweder man mag den rotzig frechen Stil und die Sprache des Protagonisten oder nicht. Dabei bereits S.J. Goslees Wahl, die Geschichte in dritter Person Präsens zu erzählen, die meisten Probleme. Es fällt nämlich wahnsinnig schwer, die Geschichte in einem Rutsch zu lesen, da man immer wieder mit den Figuren durcheinanderkommt. Gerade am Anfang hat man Schwierigkeiten, in die Geschichte einzusteigen, da die Vielzahl an Figuren in Kombination mit dem ungewöhnlichen Schreibstil nur schwer in Einklang zu bringen ist. Da sind Verwechslungen und Irritationen vorprogrammiert.
Dennoch dürfte S.J. Goslee die Sprache der heutigen Jugend gut treffen, denn Mikes Slang und seine lockere Art ist erfrischend neu und mit der Zeit durchaus spannend zu lesen. So dürften sich Jugendliche im Alter von Mike durchaus mit ihm und seiner Art identifizieren können.

Fazit:
„Die Welt übt den Untergang und ich grinse zurück“ ist ein ungewöhnlich erzähltes, gleichzeitig aber auch rotzig-freches Jugendbuch, das gut die Stimme der heutigen Jugend trifft. Leider schöpft S.J. Goslee nicht das Potenzial aus und bleibt bei vielen Problemen und Ereignissen zu oberflächlich. Auch der ungewohnte Stil der Autorin in Kombination mit einem Hauptcharakter, der gerade zu Beginn nur wenig Sympathien gewinnen kann, erschwert den Einstieg in die Geschichte. Wer jedoch auf der Suche nach etwas Anderem ist, dem dürfte das Debüt der amerikanischen Autorin durchaus gefallen – es ist etwas Anderes, sowohl hinsichtlich des Protagonisten und seiner Freunde, als auch in Hinblick auf die sprachliche Umsetzung. Am besten reinlesen und selbst entscheiden.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar

[ROMAN] Helga: Als es noch keine Worte dafür gab – Mein Weg vom Mann zur Frau von Helga F. und Sabine Weigand

Autor: Helga F. / Sabine Weigand
Hardcover: 288 Seiten
ISBN: 978-3810525253
Preis: 16,99 EUR (eBook) / 18,99 EUR (Hardcover)
Bestellen: Amazon

Inhalt:
Bereits in jungen Jahren weiß der 1931 geborene Hermann, dass etwas mit ihm nicht stimmt – er fühlt sich fremd in seinem Körper und will lieber ein Mädchen sein. Da es so etwas in dieser Zeit nicht geben darf, versucht er ein „normales“ Leben als Ehemann und Vater zu führen. Doch der Drang nach Frauenkleidern und die Sehnsucht nach dem Leben einer Frau wird immer größer und mündet letztendlich in einem Selbstmordversuch, den er nur knapp überlebt. IN der Klinik erfährt er endlich, dass es für seinen Zustand einen Namen gibt – Transsexualität und dass in Casablanca geschlechtsanpassende Operationen durchgeführt werden können. Nachdem er sich gegenüber seiner Familie geoutet hat und Geld für die Teuer Operation gespart hat, wagt er den gefährlichen Schritt um endlich eine vollwertige Frau zu werden. Doch damit beginnen neue Probleme, denn das zweite Leben als Helga ist nicht unbedingt einfacher …

Eigene Meinung:
Der autobiografische Roman „Helga: Als es noch keine Worte dafür gab – Mein Weg vom Mann zur Frau“ erschien im Fischer Verlag. Die bemerkenswerte Geschichte von Helga F. wurde von Sabine Weigand niedergeschrieben, die vor allem durch ihre historischen Romane bekannt geworden ist.

Begleitet von mehreren Fotografien wird die bewegende Lebensgeschichte von Helga F. erzählt, die bereits Ende der 60er Jahre den Schritt einer geschlechtsanpassenden Operation wagte. Sie erzählt nicht nur von ihrer schweren und brutalen Kindheit und Jugend, die sie bei einer lieblosen Ziehmutter verbracht hat, sondern auch von ihrem Leben als Ehemann und ihren beiden Söhnen. Eine der wichtigsten Personen ihres Lebens war ihre Ehefrau Edith, die wie ein Fels in der Brandung wirkt und Hermann/Helga nie im Stich gelassen hat – für diese Frau kann man nur höchsten Respekt empfinden. Man erhält ein sehr authentisches Portrait einer Zeit, in der queere Identität und Selbstbestimmung keine große Rolle spielten und Menschen wie Helga mit vielen Vorurteilen konfrontiert waren. Es ist bewundernswert, wie sie ihr Leben gemeistert hat und trotz diverser Rückschläge an ihrem Teil festgehalten hat. Der Roman ist gerade für Menschen geeignet, die mit dem Thema bisher kaum in Berührung kamen oder die Hintergründe nicht nachvollziehen konnte (bzw. Transsexuelle als abartig oder seltsam empfunden haben), denn man kann die Beweggründe und Gedanken von Helga sehr gut nachvollziehen. Man spürt die Verzweiflung und den Schmerz, mit dem Helga tagtäglich zu kämpfen hatte, als sie noch ein Mann war, versteht erstmals wirklich, was es bedeutet im falschen Körper zu leben.
Aber auch für Transsexuelle ist dieses Buch lohnenswert, erzählt es doch das Leben einer Wegbereiterin und Kämpferin, die als eine der ersten den Schritt wagte sich operieren zu lassen. Zudem macht das Buch Mut und zeigt Wege auf, wie man mit dem Problem im falschen Körper geboren zu sein, umgehen kann.

Stilistisch passt sich die Autorin Sabine Weigand der Erzählung Helgas an. Der leicht fränkische Akzent und die vielen alten, vergessenen Wörter machen die Lebensgeschichte noch lebendiger und lassen den Leser tief in die Ereignisse eintauchen. Man ist Helga auf ungeahnte Art und Weise nahe, kann sich gut in sie hineinversetzen und versteht die Nachkriegszeit besser. Zu Beginn mag der akzentuierte Schreibstil ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, doch mit der Zeit kommt der Leser mit Helgas Erzählweise klar. Sehr schön ist auch die Begriffserklärung für einige alte, fränkische Wörter, die man nicht kennt.

Fazit:
Ein wundervolles, mutiges, berührendes und lebensbejahendes Buch, das man unbedingt lesen sollte, wenn man sich mit dem Thema Transsexualität auseinandersetzt. Die Geschichte von Helga F. geht ans Herz und lässt einen nicht mehr los. Sabine Weigand bringt ein faszinierendes Leben zu Papier und gewährt Einblicke in eine Zeit, in der es schwer war anders zu sein. Danke an Helga F. für den Einblick in ein Leben, das heute kaum noch vorstellbar ist und das sie auf eine Art und Weise gemeistert hat, die jeden erreichen und beflügeln sollte. Unbedingt zu empfehlen.

rainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstarrainbowstar