[ROMAN] Letztendlich geht es nur um dich von David Levithan

Autor: David Levithan
Hardcover: 400 Seiten
ISBN: 978-3841422408
Preis: 16,99 EUR (HC) | 14,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Rhiannons Leben ist simpel und überschaubar – sie geht zur Schule, hat einen festen Freundeskreis und in dem Mitschüler Justin ihre große Liebe gefunden. Dass dieser sie mitunter ignoriert und nur selten wirklich auf sie eingeht, nimmt sie in Kauf, da sie sich sicher ist, dass Justin sie im Inneren wirklich liebt, auch wenn er dies nicht zeigen kann. Alles ändert sich, als Justin eines Tages vollkommen anders ist – er ist aufmerksam, hört ihr zu und nimmt sie mit ans Meer, wo die beiden über Gott und die Welt reden. Rhiannon glaubt endlich am Ziel zu sein, hofft auf eine glückliche Zukunft mit ihrem Freund – doch dieser kann sich an diesen besonderen Tag nicht erinnern. Als plötzlich ein Junge/Mädchen namens A auftaucht und ihr erzählt, dass er/sie jeden Tag im Körper eines anderen Jungen/Mädchen aufwacht, glaubt Rhiannon an einen Scherz. Schnell muss sie jedoch erkennen, dass A recht hat, da er/sie jeden Tag in einer anderen Form auftaucht und vor einiger Zeit in Justins Körper steckte. Und dass er/sie sich in Rhiannon verliebt hat – Gefühle die diese mit der Zeit erwidert, so schwer es ihr auch fällt, sich auf jemanden einzulassen, der keine feste Form haben kann …

Eigene Meinung:
David Levithan ist einer der bekanntesten amerikanischen Jugendbuchautoren der heutigen Zeit. Seine Romane wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet und finden sich immer wieder in den Bestsellerlisten. Da er selbst schwul ist, findet man häufig queere Elemente in seinen Romanen (z.B. „Will & Will“, „Noahs Kuss“ oder „Two Boys kissing“). Auch „Letztendlich geht es nur um dich“ greift das Thema Homosexualität (in einer ungewöhnlichen Form) auf und passt dich damit dem „ersten“ Band der Reihe „Every Day“ an, in dem die Geschichte aus A’s Sicht erzählt wird. Daher ist der vorliegende Roman keine Fortsetzung von „Letztendlich sind wir dem Universum egal“, sondern vielmehr eine Ergänzung – es ist dieselbe Geschichte aus einer anderen Perspektive.

Die Grundidee der Geschichte ist sehr interessant und bietet eine Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Allein Levithans Idee, dass eine Seele jeden Tag in einen anderen Körper schlüpft und einen Tag lang das Leben der jeweiligen Person führt ist wahnsinnig spannend und originell. Die Tatsache, dass A sowohl in weibliche als auch männliche Körper fährt, sorgt dafür, dass er mit den üblichen Vorurteilen nur wenig im Sinn hat – Gefühle sind für ihn/sie wesentlich elementarer und haben nichts mit der körperlichen Erscheinung zu tun. Dies sorgt auch dafür, dass sich Rhiannon über viele Dinge klarwerden muss und viele Sachen in Frage stellt. Die Vergleiche, die Levithan an diesen Stellen anbringt, sind sehr gut nachvollziehbar und regen zum Nachdenken an, so dass sich beide Bücher der Reihe hervorragend als Schullektüre eignen würden. Auch sind die Gedanken und Gefühle der jungen Heldin glaubwürdig dargestellt, so dass man sich gut mit Rhiannon identifizieren kann (auch wenn man ihr manchmal Vernunft eintrichtern möchte).
Dennoch muss man sagen, dass das Buch nur schwer gegen „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ankommen kann – für sich allein stehend funktioniert Rhiannons Geschichte durchaus, da sie interessante Aspekte liefert und durch eine gute Handlung überzeugen kann. Kennt man jedoch den Roman um A, so fällt es schwer die beiden Bücher miteinander in Einklang zu bringen. Das liegt natürlich daran, dass Fans des ersten Bandes keine wirkliche Fortsetzung in den Händen halten, sondern dieselbe Geschichte aus einer anderen Perspektive präsentiert bekommen. Das macht das Buch mitunter langweilig, da A’s Sicht wesentlich spannender ist und mehr Drama bietet – Rhiannon bleibt ein wenig blass (gerade im ersten Drittel) und da man die Geschichte schon kennt, erfährt man nur wenig Neues. So sind Leser von „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zu recht enttäuscht, da man keinerlei Auflösung präsentiert bekommt und die Geschichte um Rhiannon an derselben Stelle endet, wie zuvor. Das frustriert ein wenig, da man doch gehofft hat, dass David Levithan die Handlung weiterführt und ein paar Erklärungen liefert.

Nichtsdestotrotz sind die Charaktere und ihre Aktionen gut nachvollziehbar – man mag mit Rhiannon und ihrer unterwürfigen Art am Anfang seine Probleme haben, aber man kann sie gut nachvollziehen und versteht, warum sie tut, was sie tut. Ihre Gedanken sind auf jeden Fall interessant und ihre Sicht auf die Ereignisse sorgt dafür, dass man „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ auf eine ungewohnt dreidimensionale Art und Weise begreift.
Dennoch stellt A sie mühelos in den Schatten, da er/sie eine solch schillernde und außergewöhnliche Figur ist, dass Rhiannon in seiner Gegenwart fast immer untergeht. Er/sie ist etwas Besonderes und es ist toll, ihm/ihr in diesem Buch wieder zu begegnen und ihn/sie durch Rhiannons Augen zu betrachten.
Auch die übrigen Charaktere sind toll – seien es Justin, Rhiannons Freunde oder deren Familie. Man merkt, dass authentische, jugendliche Charaktere zu David Levithans Stärken gehören, die seine Bücher erst zu dem machen, was sie sind. Er kann sich hervorragend in die Gedanken junger Menschen hineinversetzen und bringt diese sehr überzeugend zu Papier.

Stilistisch legt der Autor ein wundervolles, gut geschriebenes Jugendbuch vor, das in vielfacher Hinsicht überzeugen kann. David Levithan trifft den Nerv der Zeit und die Sprache der Jugend. Es macht einfach Spaß seine Bücher zu lesen und mit den verschiedenen Figuren mitzufiebern, auch wenn „Letztendlich geht es nur um dich“ die ein oder andere Länge enthält und nicht ganz so mitreißend ist wie seine anderen Werke.

Fazit:
„Letztendlich geht es nur um dich“ ist ein schönes Jugendbuch, das durch eine tolle Thematik und eine gut nachvollziehbare Heldin besticht. Wer den Vorgänger „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ kennt, wird von der Geschichte aus Rhiannons Sicht enttäuscht sein, wartet David Levithan doch nicht mit einer Fortsetzung auf, sondern wärmt die Ereignisse aus Rhiannons Sicht noch einmal auf. Daher ist das vorliegende Buch bei weitem nicht so gut, wie „Letztendlich sind wir dem Universum egal“, für sich allein stehend kann es aber dennoch überzeugen. Wer A’s Geschichte schon kennt, sollte sich überlegen, ob er  die Geschichte wirklich noch einmal aus Rhiannons Perspektive lesen muss (denn es gibt leider keine neuen Antworten), wer David Levithans ungewöhnliche Liebesgeschichte noch nicht kennt, kann sich überlegen, welche erzählende Figur ihm mehr zusagt – ich persönlich rate eher zu „Letztendlich sind wir dem Universum egal“, da dieses Buch wesentlich spannender und fesselnder ist.

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[ROMAN] Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan

Autor: David Levithan
Hardcover: 400 Seiten
ISBN: 978-3841422194
Preis: 16,99 EUR (HC) | 9,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
So lange er denken kann, wacht A jeden Tag in einem anderen Körper und damit in einem anderen Leben auf. Feste Regeln und Gesetze gibt es kaum, so kann er männlich oder weiblich sein, allen Kulturen angehören und jeder Gesellschaftsschicht. Einzig das Alter der Körper entspricht ungefähr seinem eigenen. Zumeist versucht er das Leben, das er sich ausborgt, nicht durcheinander zu bringen und unbemerkt durch den Tag zu kommen.

Als er für einen Tag im Körper von Justin aufwacht und dessen Freundin Rhiannon kennenlernt, verliebt er sich unsterblich in sie. Plötzlich erwacht in A der Wunsch nach mehr und so beginnt er sein ursprüngliches Vorgehen zu verändern, um das Mädchen immer wieder zu treffen. Dabei wird erstmals ein Junge namens Nathan, den er ebenfalls für einen Tag „besetzt“ hatte, auf seine Existenz aufmerksam, was einen großen Medienrummel mit sich bringt und den seltsamen Pastor Poole auf den Plan ruft. Doch dieses Problem ist für A zweitrangig, denn es stellt sich mehr und mehr die Frage, ob Rhiannon jemanden lieben kann, der jeden Tag ein anderer ist?

Eigene Meinung:
David Leviathan ist neben John Green einer der bekanntesten und erfolgreichsten Jugendbuchautoren unserer Zeit. Aus seiner Feder stammen Bücher wie „Nick & Norah – Soundtrack einer Nacht“, „Noahs Kuss“ (beide gemeinsam mit Rahel Cohn geschrieben) und „Will und Will“, welches er mit John Green verfasste. In vielen Büchern ist Homosexualität ein zentrales Thema, da der Autor selbst schwul ist und einige seiner Geschichten auf realen Erlebnissen basieren.

Mit „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ erschien im März 2014 sein neuster und zugleich ungewöhnlichster Roman, der 2015 um der Fortsetzung „Rhiannon“ erweitert werden soll, die die Ereignisse aus Rhiannons Sicht erzählen wird. Zudem gibt es das eBook „Six Earlier Days“ (leider nicht in deutsch erhältlich), in dem der Leser kurze Einblicke in das Leben des Protagonisten erhält, bevor er ihr begegnete, und wie er zu der Persönlichkeit wurde, die er jetzt ist.

Die Grundidee des Buches ist ungewöhnlich und fantastisch zugleich. Doch David Leviathans Roman ist nicht im Fantasy-Bereich angesiedelt, sondern fest mit der Realität verwurzelt. Ein täglicher Körperwechsel, alle 24 Stunden ein neues Leben, in dem sich A zurechtfinden muss, bedeutet auch für den Leser jedes Mal eine neue Perspektive und neue Herausforderungen. Das macht „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ zu einem interessanten und spannenden Buch, da der Autor eine ganz andere Liebesgeschichte erzählt, die nur schwer realisierbar ist, selbst als Rhiannon die Wahrheit kennt und die Gefühle des Protagonisten erwidert. Was dem Leser von Anfang an wie eine unangenehme Vorahnung beschleicht, wird im Laufe der Geschichte auch A bewusst.

Die Liebesgeschichte zwischen A und Rhiannon ist zentrales Thema des Buches, wenngleich das bei der interessanten Hintergrundidee seltsam erscheint. So bekommt der Leser nie Antworten auf die Fragen, was dafür gesorgt hat, dass A täglich die Körper wechselt, oder ob es für ihn eine Möglichkeit gibt, den Fluch zu brechen. Hier arbeitet David Leviathan eher mit Andeutungen und durch Pastor Poole mit festen Hinweisen, die jedoch nicht gänzlich in die Geschichte eingebaut werden, so dass man durchaus mit einer Fortsetzung aus As Sicht rechnen könnte, da im Buch angesprochen wird, dass er nicht der Einzige ist. Dass der Autor diesen Punkt nicht vertieft mag seltsam erscheinen, doch es passt zum Gesamtaufbau und der Geschichte, die David Leviathan erzählen will – eine Liebesgeschichte, die über das körperliche hinaus geht und die ein oder andere philosophische Frage über das Leben, die Seele und die Persönlichkeit eines Menschen aufgreift. Auch stellt er offen die Frage, ob man in der Lage ist, einen Menschen um seiner Persönlichkeit Willen zu lieben, ganz egal welchen Körper man vor sich hat. So ist es A. vollkommen gleichgültig, ob er als Junge oder Mädchen einen Jungen oder ein Mädchen liebt, da für ihn nur die Person zählt, nicht der Körper, während sich viele damit schwer tun.

Die Charaktere sind, wie nicht anders zu erwarten, sehr realistisch und greifbar. Das trifft sowohl für A und Rhiannon zu, als auch für die vielen Jugendlichen, in deren Körper der Protagonist schlüpft. Als Leser lernt man einen bunten Querschnitt durch die amerikanische Jugend kennen: vom Footballstar zur hochnäsigen Cheerleaderin, vom Streber zum schwarzen Hausmädchen, das illegal für die Reichen putzt. Sie werden zwar nur gestreift, doch man erhält einen interessanten Einblick in die unterschiedlichen Schichten der amerikanischen Gesellschaft.

David Leviathans Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm. Wer seine Bücher kennt, weiß, wie nah der Autor an der heutigen Jugend schreibt und wie gut er sich in die Gefühlswelt eines Jugendlichen hineinversetzen kann. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist hierbei keine Ausnahme – der Roman ist komplett aus As Sicht erzählt und logischerweise in der Ich-Perspektive geschrieben. Man lernt den Hauptcharakter sehr intensiv kennen, erlebt die Geschichte durch seine Augen. Daher wird man Umgebungsbeschreibungen oder Details eher weniger finden, da sich der Autor auf seinen Protagonisten, dessen Gefühle und Sinneseindrücke konzentriert. Dennoch hat man nie das Gefühl, das etwas fehlt, im Gegenteil. „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist perfekt, so wie es ist und liest sich dank des schönen Schreibstils und der interessanten Figuren flüssig und schnell.

Fazit:
„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist ein tolles, sensibles und eingehendes Buch über das Leben und die Liebe, ohne jemals ins Kitschige oder Dramatische abzudriften. David Leviathan ist ein außergewöhnliches, fast schon philosophisches Buch gelungen, das mehr zu bieten hat, als eine einfache Liebesgeschichte zwischen Junge und Mädchen. Die Charakter sind fesselnd und glaubwürdig, die Geschichte gut nachvollziehbar und mitreißend und der Stil des Autors stimmig und wunderbar. Ein Jugendbuch, das auch Erwachsenen zu empfehlen ist. Unbedingt reinschauen.

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[ANKÜNDIGUNG] Änderungen Like a Dream

Hallo ihr Lieben,

wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, ist es in letzter Zeit auf Like a Dream ruhiger geworden. Zunächst will ich euch beruhigen – ich werde den Blog weder aufgeben, noch plane ich mich aus dem queeren Bereich zurückzuziehen. Bei mir haben sich lediglich einige private Dinge geändert, u.a. meine Jobsituation (zum Positiven!), was bedeutet, dass ich nun nicht mehr 3-4 Stunden am Tag lesend im Zug sitze, sondern endlich einen Job in der Nähe meiner Wohnung gefunden habe. Dadurch schaffe ich natürlich nicht mehr meine 3-4 Bücher/Woche, sondern brauche wesentlich länger für einen Roman. Das Ergebnis ist logisch – ich schaffe es nicht mehr alle 2-3 Tage einen neuen Roman vorzustellen, sondern nur noch in unregelmäßigen Abständen. Das wirkt sich auch auf die Specials aus – der Zitate-Freitag wird ab sofort nicht mehr wöchentlich stattfinden (ich möchte ungern mehrere Beiträge dieser Art hintereinander haben), ebenso wird auch die Special Week mit Jutta Ahrens noch ein wenig auf sich warten lassen, da ich mir noch das ein oder andere ihrer Bücher zu Gemüte führen muss. Angedacht ist sie aber noch dieses Jahr.

Es tut mir Leid, wenn regelmäßige Leser meines Blogs enttäuscht sind. Ich hoffe ihr bleibt mir dennoch treu, auch wenn es ab sofort länger dauert, bis neue Berichte online gehen.

Liebe Grüße,

Juliane

[ZITATE-FREITAG] Nur drei Worte

Hallo ihr Lieben,

wie ihr vielleicht gemerkt habt, kam ich letzte Woche nicht dazu, ein paar Zitate auszuwählen und auch diesen Freitag bin ich arg spät dran. Damit nicht nochmal ein Zitate-Freitag ausfällt, habe ich mir das wundervolle Jugendbuch „Nur drei Worte“ geschnappt und für euch meine Lieblingsstellen rausgesucht. Wer das Buch um Simon und Blue nicht kennt, sollte es sich auf jeden Fall zulegen – es ist ein wundervolles Jugendbuch und es verdient einen Ehrenplatz in eurem Regal🙂

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meine Rezension

Es ist ein seltsam subtiles Gespräch – fast merke ich gar nicht, dass ich erpresst werde.

Wir sitzen auf Metallstühlen hinter der Bühne und Martin Addison sagt: „Ich habe deine Mail gelesen.“

„Was?“ Ich schaue hoch.

„Vorhin. In der Bibliothek. Natürlich nicht mit Absicht.“

Du hast meine Mail gelesen?“

„Na ja, ich habe mich direkt nach dir an den Computer gesetzt“, sagt er.“ „Und als ich Gmail eingegeben habe, hat sich dein Account geöffnet. Du hättest dich vielleicht ausloggen sollen.“

Ich starre ihn entgeistert an. Er tappt mit dem Fuß gegen sein Stuhlbein.

„Also, was soll das mit dem falschen Namen?“, fragt er.

Tja. Ich würde sagen, der Sinn eines falschen Namens ist es, meine geheime Identität vor Leuten wie Martin Addison geheim zu halten. Das hat also hervorragend funktioniert.

Er hat mich am Computer sitzen sehen.

Und ich bin wohl ein Riesentrottel.

Er lächelt tatsächlich. „Jedenfalls dachte ich, es interessiert dich vielleicht, dass mein Bruder schwul ist.“

„Nur drei Worte“, Seite 7 (c) Becky Albertalli / Carlsen

„Okay, ich werde jetzt euer Badezimmer belegen. Zeit für die Transformation.“

„Klingt gut“, sage ich. „Dann transformiere ich hier im Wohnzimmer.“

Nora hebt den Blick vom Buch. „Simon. Ihhh.“

„Ich werfe mir nur einen Dementoren-Umhang über. Ich schätze, das wirst du überleben.“

„Was ist denn ein Dementor?“

Also echt, ich fasse es nicht. „Nora, du bist nicht mehr meine Schwester.“

„Ist also irgendein Harry-Potter-Zeugs“, sagt sie.

„Nur drei Worte“, Seite 49 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Blue,

also, zuallererst mal kann man Oreos auf jeden Fall als eigene Lebensmittelgruppe bezeichnen. Zweitens sind sie die EINZIGE Lebensmittelgruppe, auf die es ankommt. Meine Schwestern und ich haben uns vor ein paar Jahren mal nachts, als wir bei meiner Tante übernachtet haben, ein Land namens Boreo ausgedacht. Das ist so ein Land, wo alles aus irgendeiner Art von Oreo besteht, und der Fluss ist ein Oreo-Milchshake, und dann sitzt man auf einem riesigen Oreo wie auf einem Floß und treibt den Fluss hinunter. Und man kann den Milchshake jederzeit mit Bechern aus dem Fluss schöpfen. Ist so ein bisschen wie diese eine Szene aus Charlie und die Schokoladenfabrik. Weiß der Teufel, wie wir darauf gekommen sind. Wahrscheinlich waren wir einfach bloß hungrig. Meine Tante kann nämlich kein bisschen kochen.

Aber ich verzeihe dir deine Unwissenheit. Du konntest ja nicht wissen, dass du es mit einem Experten zu tun hast.

– Jacques

„Nur drei Worte“, Seite 83 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Ich muss ihn kennenlernen.

Ich glaube, ich halte es nicht mehr aus. Ist mir egal, wenn das alles kaputtmacht. Ich bin ganz dicht davor, meinen Laptop abzuknutschen.

Blue Blue Blue Blue Blue Blue Blue.

Ehrlich, ich stehe kurz vor dem Explodieren.

Den ganzen Schultag ist mein Magen verknotet, und das eigentlich total grundlos, weil sich das Gefühl ja eigentlich auf niemanden richtet. Weil es bloß Worte auf einem Bildschirm sind. Ich kenne nicht mal seinen verdammten namen.

Ich glaube, ich bin ein bisschen verliebt in ihn.

„Nur drei Worte“, Seite 136 (c) Becky Albertalli / Carlsen

„Ich hab den Post schon gemeldet“, sagt Nora. „Er wird gelöscht.“

„Aber es haben ihn schon Leute gesehen.“

„Weiß ich nicht.“ Sie schweigt einen Augenblick. „Wer postet den sowas?“

„Jemand der nicht weiß, dass ‚analer Arsch-Sex‘ redundant ist.“

„Das ist so abgef… so kaputt“, sagt sie.

Ich weiß natürlich, wer es geschrieben hat. Und ich sollte wohl noch dankbar sein, dass er keinen seiner verdammten Screenshots gepostet hat. Aber verfluchte Scheiße: Diese heimliche Anspielung auf Blue macht ihn zum größten und dreckigsten Arschloch aller Zeiten.

Oh Gott, und wenn Blue das sieht?

Ich klappe den Laptop zu und schiebe ihn auf den Stuhl. Dann lehne ich mich zurück und Nora rutscht ans Kopfende. Die Minuten verticken.

„Also, es stimmt“, sage ich schließlich. Ich sehe sie nicht an. Wir starren beide an die Decke. „Ich bin schwul.“

„Nur drei Worte“, Seite 165 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Ich weiß echt nicht, wie Leute das hinkriegen. Wie Blue das hingekriegt hat. Drei Worte. Nur drei bescheuerte Worte, und ich bin nicht mehr der gleiche Simon. Ich habe die Hand vor dem Mund und starre vor mich hin.

Keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin, es würde leicht.

„Ich weiß, was jetzt kommt“, sagt mein Vater. „Lass mich raten. Du bist schwul. Du hast jemanden geschwängert. Du bist schwanger.“

„Dad, hör auf“, sagt Alice.

Ich schließe die Augen.

„Ich bin schwanger“, sage ich.

„Hab ich mir gedacht, Junge“, sagt mein Vater. „Du strahlst richtig.“

Ich schaue ihm in die Augen. „Nein, im Ernst jetzt, ich bin schwul.“

Drei Worte.

„Nur drei Worte“, Seite 170-171 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Also gut. Ich war achtlos. Ich habe jede Menge Hinweise hinterlassen und darf mich nicht wundern, dass Blue sie zusammengesetzt hat. Vielleicht wollte ich das sogar.

Jaques a die ist übrigens die französische Version des Kinderspiels „Simon says“. Und der Tarnname ist offensichtlich nicht so clever, wie ich dachte.

Aber so richtig verkackt habe ich bei der Nummer mit Cal. Oh mein Gott, mal ehrlich, was bin ich für ein bescheuerter Trottel. Ich weiß wirklich nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Blaugrüne Augen und so ein Bauchgefühl, dass Cal Blue ist? Klassischer Fall von Simon-Logik. Kein Wunder, dass ich so grandios ins Klo gegriffen habe. Furchtbar.

„Nur drei Worte“, Seite 209 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Mir ist aufgefallen, dass ich sehr viel über dich nachgedacht und immer wieder deine Mails gelesen und ab und zu versucht habe, dich zum Lachen zu bringen. Aber ich habe nur sehr wenig deutlich ausgesprochen oder mich vorgewagt oder dir mein Herz ausgeschüttet.

Ich habe natürlich keinen blassen Schimmer, was zum Teufel ich hier eigentlich treibe, aber was ich sagen will: Ich mag dich. Oder auch ein bisschen mehr. Wenn ich mit dir flirte, dann nicht bloß aus Spaß, und wenn ich sage, dass ich dich kennenlernen will, dann nicht bloß aus Neugier. Ich weiß ganz sicher nicht, wo das hinführt, und ich habe auch nicht den leisesten Schimmer, ob man sich per Mail verlieben kann. Aber ich würde dich wirklich gern treffen, Blue. Ich möchte es versuchen. Und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich dir nicht sofort das ganze Gesicht abküssen will, wenn ich dich sehe.

Das wollte ich nur noch mal absolut klarstellen.

Was ich also sagen will: Heute Abend ist ein extrem krasser Jahrmarkt auf dem Parkplatz der Perimeter Mall, und der ist bis neun offen.

Ich jedenfalls werde um halb sieben da sein. Und ich hoffe, ich sehe dich dann.

Alles Liebe

Simon

„Nur drei Worte“, Seite 266 (c) Becky Albertalli / Carlsen

Damit sind wir wieder am Ende angekommen – ab sofort kann ich nicht mehr zusichern, dass ich jeden Freitag ein Buch vorstellen kann. Bei mir hat sich privat einiges geändert, was dazu führt, dass ich weniger Zeit habe. Ich versuche es trotzdem, wenn nicht wöchentlich, dann zumindest alle zwei Wochen. Natürlich dürft ihr Wünsche äußern – ich bin für alles offen.

Liebe Grüße,
Juliane

[COMIC] Die Favoritin von Matthias Lehmann

9783551728166
Autor: Matthias Lehmann
Hardcover: 160 Seiten
ISBN: 978-3551728166
Preis: 17,99 EUR
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Story:
Constances Leben wird durch ihre strenge Großmutter bestimmt, die jeden ihrer Schritte überwacht. Spielen mit Gleichaltrigen ist ebenso verboten, wie das alte Herrenhaus zu verlassen, das sich abseits einer französischen Kleinstadt befindet. Für Constanze bleibt lediglich ihre Fantasie um die öden Tage zu überstehen und ihre Umwelt auf ihre Art für sich zu entdecken. Als das alte Ehepaar eine neue Verwalterfamilie anstellt, die sich fortan um das Anwesen kümmern soll, lernt Constance erstmals Kinder in ihrem Alter kennen und beginnt sich mehr und mehr gegen die Regeln ihrer Großmutter zu stellen. Doch ihre stille Rebellion und ihre steigende Aggressivität gegen die herrische Frau haben ungeahnte Folgen und sorgen dafür, dass ein schreckliches Geheimnis ans Licht kommt …

Eigene Meinung:
Mit der Graphic Novel „Die Favoritin“ legt der Carlsen Verlag das Debüt des französischen Zeichners Matthias Lehmann vor, der mehrere Jahre an der Umsetzung der Geschichte arbeitete. Der Comic wurde u.a. 2016 für den Comicpreis Angoulême nominiert, einer der wichtigsten europäischen Comicpreise.

Matthias Lehmann erzählt die Geschichte der jungen Constance, die wahrlich kein leichtes Leben hat. Sie steht unter der herrischen Fuchtel ihrer Großmutter, die den Haushalt wie ein General führt und auch vor drakonischen Strafen nicht zurückschreckt. Das wahre Ausmaß wird erst nach und nach ersichtlich, denn der Autor versteht es zunächst dezent darauf hinzuweisen und erst im Laufe der Zeit zu zeigen, wie schwer Constances Leben eigentlich ist. Auch die Tatsache, dass es sich bei der jungen Heldin in Wahrheit um einen Jungen handelt, der von dem alten Ehepaar als Mädchen aufgezogen wird, kommt erst relativ spät ans Licht. Den Leser erwartet eine tieftraurige Geschichte, in der es um Geschlechtsidentität, Kindesmissbrauch und psychischen Krankheiten geht, um Angst und Trauer, aber auch um Fantasie und Hoffnung. Dabei spielt natürlich auch die Zeit, in der die Geschichte spielt, eine große Rolle, denn nicht nur Constances Leben ist davon geprägt (Frankreich der 70er Jahre), auch die Persönlichkeiten ihrer Großeltern sind durch die Vorkriegsjahre geprägt, in denen man alles getan hat, um „geistige“ Krankheiten zu verschweigen oder ganz zu ignorieren. Nahezu alle Figuren sind Opfer ihrer Zeit und nur wenige gehen am Ende des Buches als Gewinner hervor – selbst Constance nicht.

Die Figuren hinterlassen einen tiefen Eindruck beim Leser. Gerade der kleine Junge, der so lange als Mädchen leben musste und nicht einmal seinen richtigen Namen kannte, bleibt im Gedächtnis. Man fragt sich, wie es mit ihm weitergeht, denn Matthias Lehmann lässt sein Werk recht offen enden und regt zum Nachdenken an. Auch stellt man sich zwangsläufig die Frage, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn Constances Großvater eher den Mut gefunden hat, die Wahrheit ans Licht zu bringen oder die Familie der alten Frau auf ihre psychischen Probleme anders reagiert hätte, anstatt sie einfach zu verheiraten.

Die Zeichnungen sind gewöhnungsbedürftig, da Matthias Lehmann einen sehr groben Strich hat, der ein wenig an alte Holzschnitte erinnert. Man braucht ein wenig, um sich mit den manchmal etwas starren schwarz/weiß-Zeichnungen anzufreunden. Die dicken Linien und die groben Schraffuren strahlen eine gewisse Düsterheit aus, die sehr gut zum Inhalt des Buches passt und die gedrückte Atmosphäre passend widerspiegelt. Sie vermitteln die richtige Stimmung und sorgen dafür, dass man auch bei den fantasievolleren Szenen, in denen Constance einfach nur Kind sein kann, nicht vergisst, wie schrecklich und deprimierend die Hintergrundgeschichte ist und welch furchtbare Dinge in dem alten Herrenhaus passieren.

Fazit:
„Die Favoritin“ ist ein ungewöhnlicher Comic, der durch eine sehr traurige Geschichte und einen recht eigenwilligen Zeichenstil besticht. Matthias Lehmann legt ein sehr düsteres Debüt vor, das zum Nachdenken anregt und Kindesmissbrauch und Geschlechtsidentität thematisiert. Wer schwere Kost mag und kein Problem mit einigen verstörenden Szenen hat, sollte der Graphic Novel eine Chance geben und einen Blick in „Die Favoritin“ werfen. Allein aufgrund des Endes und der Aufdeckung der Geheimnisse lohnt sich die Geschichte um den kleinen Jungen, der fast sein gesamtes Leben als Mädchen gelebt hat.

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[ROMAN] Vancouver Hope von Corinna Bach

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Autor: Corinna Bach
eBook: 300 Seiten
ASIN: B01KZOP37U
Preis: 3,99 EUR (eBook)
Bestellen: Amazon

Story:
Nach dem gewaltsamen Tod seines Freundes verlässt Oliver Vancouver und versucht in einer kleinen Stadt an der Küste sein Leben wieder unter Kontrolle zu bringen. Unerwartet lernt er dort den jungen Ethan während einer Walewatching-Bootstour kennen, der zufälligerweise auch sein neuer Nachbar ist. Nach einigem Hin und Her kommen sich die beiden näher und werden ein Paar. Olivers Leben könnte nicht glücklicher sein, bis ihn seine Vergangenheit einholt und ihm sein Unterbewusstsein Erinnerungen zurückgibt, die mit dem Tod seines ehemaligen Partners zu tun haben, der während eines Banküberfalls erschossen wurde. Ausgerechnet Ethan trägt an seiner Hand ein Tattoo, das Oliver während des Überfalls ebenfalls gesehen hat – beim Mörder seines Freundes. Plötzlich ist nichts mehr wie es war und Oliver schwört sich, Ethan zur Strecke zu bringen, um den Mord an seinem Partner zu rächen, während Ethan ebenfalls alles daransetzt, den wahren Täter zur Strecke zu bringen …

Eigene Meinung:
Mit „Vancouver Hope“ veröffentlicht Corinna Bach ihren ersten Gay Romance bei Ullstein Forever. Weitere Romane von ihr liegen beim Sieben Verlag vor, u.a. „Vancouver Dreams“, der ebenfalls in der kanadischen Stadt spielt, jedoch nichts mit dem vorliegenden Buch zu tun hat. Ansonsten gibt es Dutzende Romane der Autorin, die unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hat. Zu ihren bekanntesten Reihen gehören die Romane um den französischen Privatdetektiv „Claude Bocquillon“, die im Gmünder Verlag erschienen sind.

Die Geschichte beginnt zunächst ein wenig schleppend, da sich die Autorin darauf konzentriert Oliver und Ethan zusammen zu bringen, um die Basis für die kommenden Ereignisse zu schaffen. Erst danach entwickelt sich aus der recht seichten Gay Romance ein spannungsgeladener Krimi, was in gewisser Weise eine Spezialität der Autorin ist. Es geht auf und ab, da nicht nur Oliver nach und nach die Hintergründe zu dem Raubüberfall und dem Tod seines Partners herausfindet, sondern auch Ethan bei seinen Brüdern nach der Wahrheit suchen muss. Den Leser erwartet daher ein beständiges Auf und Ab – sowohl gefühlstechnisch, denn natürlich können Oliver und Ethan nicht voneinander lassen, als auch hinsichtlich des Überfalls, der zum Tod von Olivers Partner führte. Leider kommt es zum Ende hin zu einigen Logiklücken, ganz besonders da der ermittelnde Polizist die Tatverdächtigen ziehen lässt, obwohl er sie eigentlich dingfest machen müsste. Auch sonst scheint die Polizei ein paar Mal nicht wirklich realistisch zu agieren, was wohl daran liegt, dass die Handlung ansonsten nicht mehr aufgegangen wäre.

Sieht man von den Logiklücken ab, bietet Corinna Bach eine spannende, actiongeladene Lektüre, die den Leser schnell in den Bann zieht. Man ist immer hautnah bei den Charakteren, da sowohl aus Olivers, als auch aus Ethans Sicht erzählt wird. Im Vergleich zu den bisherigen Werken der Autorin ist „Vancouver Hope“ erotischer und expliziter geraten, was an einigen Stellen fast ein wenig störend auffällt. So sinnlich die Szenen sind, an einigen Stellen stören sie die Handlung ein wenig, da gerade Ethan den Eindruck vermittelt nur an Sex interessiert zu sein.

Die Charaktere sind durchaus liebenswert, haben jedoch ihre Ecken und Kanten. So fällt es schwer, sich auf Oliver einzulassen, da er am Anfang sehr abweisend und arrogant daherkommt, gerade wenn es um Ethan geht. Das gibt sich zwar mit der Zeit, doch seine Reaktionen stoßen mitunter sauer auf. Auch Ethan verhält sich manchmal wie ein Trampel, ist insgesamt jedoch ein lieber Kerl, der alles unternimmt, um seine Unschuld zu beweisen und gleichzeitig seine Brüder zu schützen.
Ganz besonders positiv fallen die Nebenfiguren auf, über die man gerne mehr erfahren hätte: Peter, der die Ermittlungen bei der Polizei leitet, Jeremiah, ein Indianer, der sowohl Ethan, als auch Oliver als Freund unterstützt, und Ethans Brüder, die man rasch ins Herz schließt. Sie wirken alle authentisch und realistisch, ihre Motive sind stets gut nachvollziehbar.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Corinna Bach legt einen spannenden, gut geschriebenen Thriller vor, der durch tolle Beschreibungen (man hat das Gefühl auf Vancouver Island zu sein), gut aufgebaute Dialoge und schöne, spannungsgeladene Actionszenen besticht. Man merkt, dass die Autorin ein „alter Hase“ ist, die ihr Handwerk versteht und weiß, wie sie eine Handlung aufzubauen hat. Es macht Spaß Ethan und Oliver zu begleiten und Stück für Stück die Wahrheit zu entdecken.

Fazit:
„Vancouver Hope“ ist ein spannender, gut geschriebener Krimi, der trotz einiger Unstimmigkeiten und Logiklücken überzeugen kann. Corinna Bach entführt den Leser nach Vancouver Island und baut eine Geschichte voller Doppelbödigkeiten, Wendungen und Spannung auf, die man nur schwer aus der Hand legen kann. Der Roman mag zwar nicht an die Krimireihe um „Claude Bocqiullon“ heranreichen, doch er unterhält und macht Lust auf mehr. Zu empfehlen.

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[ROMAN] Rauschgefühle von Jannis Plastargias

Autor: Jannis Plastargias
Taschenbuch: 180 Seiten
ISBN: 978-3-946196-07-5
Preis: 8,00 EUR (eBook)
Bestellen: Astikos

Story:
Jonas ist glücklich wie nie zuvor – die Probleme und Krisen der letzten Monate haben dafür gesorgt, dass seine Beziehung zu Paul noch fester und vertrauensvoller geworden ist. In der Schule läuft es, trotz nahendem Abitur, ebenfalls prima und innerhalb seines Freundeskreises läuft alles harmonisch und friedlich. Das ändert sich jedoch, als eines Tages die Freundin seines besten Freundes Fabian spurlos verschwindet und nicht mehr als eine kurze SMS zurücklässt. Fabian fällt in ein tiefes Loch, aus dem Jonas ihm kaum heraushelfen kann. Stattdessen sucht Fabian Unterstützung bei Antonio, einem windigen Dealer, der mehr zu verbergen hat und offen Interesse an Jonas zeigt. Die Situation spitzt sich zu, als Fabian nicht nur anfängt, Drogen zu nehmen, sondern eines Tages auch noch spurlos verschwindet …

Eigene Meinung:
Der dritte Teil der „Jonas“-Reihe von Jannis Plastargias erschien 2016 im astikos Verlag. „Rauschgefühle“ spielt zeitlich nach „Plattenbaugefühle“ und „Großstadtgefühle“ und erzählt die Geschichte von Jonas, seinem Partner Paul und den Freunden der beiden weiter. Da die Bücher aufeinander aufbauen, empfiehlt es sich sie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da man auf diesem Weg Jonas‘ Entwicklung richtig miterleben kann.

Die Geschichte setzt da an, wo „Großstadtgefühle“ endete und erzählt eine weitere Episode aus Jonas‘ Leben. Einmal mehr muss sich der junge Mann mit dem Auf und Ab innerhalb seiner Beziehung zu Paul auseinandersetzen, wenngleich die beiden nach den Ereignissen in Band 2 enger zusammengerückt sind. Dafür wird Jonas‘ Freundschaft zu Fabian auf eine harte Probe gestellt, denn dieser baut sichtlich ab, nachdem seine Freundin samt ihrer Familie untergetaucht ist. Auch tritt mit Antonio eine weitere Figur auf, die man zu Beginn nur schwer einschätzen kann.
Jannis Plastargias konzentriert sich dieses Mal auf die Themen Vertrauen, Freundschaft, Drogensucht und die damit einhergehenden Probleme. Auch Kriminalität kommt zur Sprache, wenngleich die große Aufklärung am Ende inkl. Polizei und einem Bandenkrieg in der Berliner Unterwelt ein wenig unglaubwürdig erscheint. Dennoch ist „Rauschgefühle“ spannend und lässt sich gut lesen. Einen wirklichen Krimi sollte man nicht erwarten, aber einige Elemente gibt es trotzdem, die beim dritten Teil für eine ganz eigene Atmosphäre sorgen und die Reihe in ein anderes Licht rücken. Man darf gespannt sein, was sich der Autor als nächstes einfallen lässt und wohin er den Leser mit Jonas, Paul und den anderen Figuren noch führt.

Die Charaktere sind realistisch und gut nachvollziehbar – Jonas ist ein sympathischer Held, der einmal mehr kopfüber ins Chaos stürzt. Angenehm ist, dass seine Beziehung zu Paul herrlich selbstständig und authentisch ist, und die beiden sehr gut aufeinander eingespielt sind. Auch die Tatsache, dass in diesem Buch Fabian mehr Aufmerksamkeit bekommt, fällt positiv ins Gewicht, denn man erfährt mehr über ihn und dessen Familie. Ein wenig merkwürdig ist allerdings, dass sich fast jeder neue Kerl, der von Jannis Plastargias eingeführt wird, in Jonas zu verlieben scheint oder zumindest Interesse hat. In „Großstadtgefühle“ war das Carl, jetzt haben wir neben Antonio, noch einen jungen Kollegen innerhalb der Schauspieltruppe. Irgendwie ist das fast „too-much“, insbesondere wenn die Jungs eigentlich hetero sind.
Ansonsten zeichnet sich auch „Rauschgefühle“ durch eine Vielzahl liebenswerter und sympathischer Nebenfiguren aus – auch Afyon, der in Band 1 eine große Rolle spielt, bekommt endlich die Chance sein Glück zu finden.

Stilistisch hat sich Jannis Plastargias einmal mehr stark weiterentwickelt – lange, verworrene Schachtelsätze gehören endlich der Vergangenheit an. Stattdessen legt er ein solides, gut geschriebenes Jugendbuch vor, das durch tolle Beschreibungen und schöne Dialoge besticht. Auch hinsichtlich der Erotik wird der Autor mutiger – „Rauschgefühle“ enthält durchaus explizite Szenen, wirkt jedoch niemals plump oder platt. Man darf gespannt sein, wie die folgenden Bücher sein werden, denn laut Jannis Plastargias ist die Reihe um „Jonas“ noch nicht beendet.

Fazit:
„Rauschgefühle“ ist ein gelungener Coming-of-Age“ Roman, der durch tolle, authentische Charaktere und eine spannende Geschichte mit Krimi-Elementen besticht Wer die ersten beiden Teile der Reihe kennt und gern gelesen hat, dem wird auch der dritte Band gefallen, denn Jannis Plastargias‘ Stil hat sich noch einmal gesteigert und sorgt für gute Unterhaltung. Bis auf einige Schwächen zum Ende hin ist „Rauschgefühle“ sehr gut gelungen und zählt bisher zum besten Band der „Jonas“-Reihe.

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[ROMAN] Großstadtgefühle von Jannis Plastargias

Autor: Jannis Plastargias
Taschenbuch: 200 Seiten
ISBN: 978-3862860357
Preis: 12,90 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Zurück in Berlin beginnt für Jonas ein neuer Lebensabschnitt. Neue alte Freunde, das pulsierende Großstadtleben und die Fernbeziehung mit Paul, sorgen dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Auch die Freundschaft zu Carl, der zusammen mit Jonas einer Theatergruppe angehört, bringt ein im Laufe der Zeit immer mehr Chaos mit sich, denn Jonas kann sich dem charismatischen, jungen Mann nur schwer etwas entgegen setzen. Dennoch will er Paul treu bleiben, rechnet aber nicht mit Carls Gefühlen, die schnell in Besessenheit umschlagen und sowohl Jonas als auch Paul in ernsthafte Schwierigkeiten bringen …

Eigene Meinung:
Mit dem Jugendroman „Großstadtgefühle“ legt der Frankfurter Autor Jannis Plastargias die Fortsetzung seines Debüts „Plattenbaugefühle“ vor. Der Roman erschien 2014 bei Michason & May und umfasst 200 Seiten. Er führt die Geschichte von Jonas und seinen Freunden weiter, daher ist es ratsam vorab den im Größenwahn Verlag erschienen ersten Teil der „Jonas“-Reihe zu lesen. Eine Fortsetzung findet die Geschichte in „Rauschgefühle“, das 2016 herausgekommen ist.

Die Geschichte setzt grob da an, wo „Plattenbaugefühle“ endete – Jonas ist wieder in Berlin und mit Paul, den er während der Flucht seines Exfreundes Afyon kennengelernt hat, sehr glücklich. Lediglich die Tatsache, dass Paul noch in München lebt, trübt die Beziehung zwischen den beiden Jungen ein wenig, doch Jonas findet in seinem besten Freund Fabian und dessen Freundin, ebenso in seiner Familie Unterstützung.
Thematisch geht es in „Großstadtgefühle“ um Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Jannis Plastargias legt einen typischen Entwicklungsroman vor, in dem die Charaktere erwachsen werden müssen. Im Zentrum steht natürlich Jonas mit seinen Problemen, aber auch Paul, Carl und Afyon (der aber nur am Rande vorkommt) werden beleuchtet. Da das Thema Ausländer und Integration nicht so sehr vorkommen, wie im ersten Teil der Reihe, ist „Großstadtgefühle“ lockerer und nicht ganz so problembehaftet. Natürlich haben Jonas und Paul gegen einige Schwierigkeiten anzukämpfen, gerade Carl entpuppt sich als größeres Ärgernis, als es den Anschein hat. Dafür gibt der Autor einen sehr guten Einblick in die schwule Szene, die in Berlin entsprechend gut etabliert ist. So finden reale Orte Erwähnung und auch die Art und Weise, wie sich die Hauptcharaktere verhalten wirkt sehr authentisch und realistisch.

Jonas ist ein liebenswerter Charakter, den man auch im zweiten Teil schnell ins Herz schließt und gern begleitet. Die Tatsache, dass er sich recht schnell von anderen jungen Männern einwickeln lässt, passt zu einem Teenager in seinem Alter, immerhin ist jeder 16-jährige experimentierfreudig und neugierig. Dass Jannis Plastargias seine Helden nicht zu den typischen Gay Romance-Charaktere stilisiert ist angenehm, denn auf diesem Weg wirken sie nachvollziehbar und realistisch. So sind auch Paul und Afyon sehr gut dargestellt, selbst Carl kann man bis zu einem gewissen Grad gut verstehen.

Stilistisch hat sich Jannis Plastargias stark verbessert – die langen Schachtelsätze gibt es kaum noch, ebenso sind die Dialoge wesentlich stimmiger und in sich schlüssiger. Das Buch lässt sich wesentlich besser lesen als „Plattenbaugefühle“. Der Autor hat ein gutes Gespür für jugendliche Charaktere und eine passende Darstellung ihrer Probleme – es macht Spaß den Roman zu lesen und mit Jonas, Paul und den anderen Berlin zu entdecken. Auch Erotik scheut Jannis Plastargias nicht, jedoch kommen entsprechende Szenen eher am Rande vor und nehmen nur einen kleinen Teil der Handlung ein. Wenn dann sind die Szenen aber sehr ansprechend geschrieben und wirken vollkommen natürlich.

Fazit:
„Großstadtgefühle“ ist eine gelungene Fortsetzung von Jannis Plastargias‘ Debüt und kann durch eine in sich schlüssige Handlung und authentische Charaktere überzeugen. Stilistisch ist das vorliegende Jugendbuch wesentlich stimmiger, als der erste Teil der „Jonas“-Reihe, so dass man den Roman Lesern von „Plattenbaugefühle“ empfehlen kann. Wer mit diesem Roman in Jannis Plastargias „Jonas“-Reihe einsteigen möchte, kann dies problemfrei machen, dennoch empfehle ich zum besseren Verständnis vorher den ersten Teil zu lesen. Es lohnt sich.

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[ROMAN] Plattenbaugefühle von Jannis Plastargias

Autor: Jannis Plastargias
Taschenbuch: 170 Seiten
ISBN: 978-3942223072
Preis: 9,99 EUR (eBook) | 12,99 EUR (Taschenbuch)
Bestellen: Amazon

Story:
Der Umzug von Berlin nach Kranichstein bei Darmstadt bedeutet für den 15-jährigen Jonas einen massiven Einschnitt in seinem Leben. Nicht nur muss er seinen besten Freund Fabian zurücklassen, er kommt auch auf eine Gesamtschule, die eher von ausländischen Jungen und Mädchen besucht wird und an die er sich erst anpassen muss. Dies gelingt ihm wider Erwarten gut – er findet neue Freunde, kann sich gut anpassen und selbst als er erkennt, dass er auf Jungs steht (etwas, was jeder vor ihm zu wissen scheint), wird er freundlich aufgenommen. Seine erste große Liebe Afyon, ein türkischer Mitschüler hat nicht so viel Glück – während es für die meisten okay ist, dass Jonas schwul ist, so ist es doch undenkbar, dass ein wahrer Moslem ebenfalls auf Männer stehen könnte. Als sich die Beziehung zwischen den beiden vertieft, kommt Jonas‘ Mutter auf einen tollkühnen Plan um Afyon vor der Gewalt seiner Familie zu retten …

Eigene Meinung:
„Plattenbaugefühle“ ist der Debütroman des Frankfurter Autors Jannis Plastargias und erschien 2011 im Größenwahn Verlag. Es handelt sich um einen klassischen Entwicklungsroman, der Freundschaft, erste Liebe, Akzeptanz und Toleranz zum Thema hat. In den Büchern „Großstadtgefühle“ und „Rauschgefühle“ findet Jonas‘ Geschichte seine Fortsetzung.

Die Geschichte folgt Jonas, der gegen seinen Willen nach Kranichstein umziehen muss und sehr mit der neuen Situation zu kämpfen hat. So dauert es ein wenig, bis er sich mit seinen neuen Mitschülern abgefunden hat und Freunde findet. Dass er sich dabei immer mehr in Afyon verliebt, der ebenfalls Interesse an ihm zeigt, bedeutet für beide nach einer Weile größere Probleme, denn während Jonas‘ Eltern recht liberal sind, kann Afyons Vater es nicht akzeptieren einen schwulen Sohn zu haben. Die damit einhergehenden Probleme machen auch Jonas zu schaffen – zum einen findet er kaum die Möglichkeit mit Afyon zu reden (da dieser auch nur schwer in der Lage ist mit anderen zu kommunizieren), zum anderen will er seiner ersten großen Liebe helfen, was für einigen Trubel sorgt. Man kann Jannis Plastargias‘ Roman durchaus als Jugendbuch bezeichnen – es ist aus der Sicht eines 15-jährigen Jungen geschrieben und behandelt vorwiegend dessen Probleme. Auch die Themen Ausländer, Integration und Toleranz werden abgehandelt, wenngleich einige Stellen und Passagen ein wenig klischeehaft wirken, gerade was die Darstellung von Jonas‘ Mitschülern angeht. Dennoch bezweifelt man nicht, dass diese Hand und Fuß hat, denn die Figuren wirken durchweg realistisch.

So kann man sich recht schnell mit Jonas und den übrigen Figuren identifizieren und sich in sie hineinversetzen. Ein wenig mehr Tiefgang hätte man sich bei einigen der Mitschüler und Nebenfiguren durchaus wünschen können – auch Afyons Sicht auf die Dinge wäre nicht uninteressant gewesen, doch Jannis Plastargias beschränkt sich auf die Geschichte von Jonas, dessen Sorgen und Probleme. Die Entdeckung schwul zu sein, die damit einhergehenden Überlegungen und die ersten Erfahrungen, die Jonas im Laufe der Zeit sammelt. Das macht zumindest Jonas sehr plastisch und realistisch – Jannis Plastargias gelingt die Darstellung eines 15-Jährigen sehr überzeugend und authentisch.

Stilistisch kommt „Plattenbaugefühle“ ein wenig unfertig daher. Lange Sätze mit enorm vielen Kommas, die man durchaus hätte trennen können; falsche Zeichensetzung und ungewohnte Dialoge sorgen dafür, dass man lange braucht, um sich mit dem Stil des Autors anzufreunden. Auch wenn Jannis Plastargias den Slang der Darmstädter Jugend trifft und auch Jonas Ich-Perspektive gut zum Roman passt, so hat man doch Probleme mit dem Satzbau und der Grammatik. Da hätte das Lektorat des Größenwahnverlags definitiv eingreifen sollen, denn „Plattenbaugefühle“ ist nicht schlecht geschrieben – es liest sich nur recht holprig und unausgereift. Auch das eBook ist ein wenig seltsam formatiert – man kann die Schriftgrößen nicht ändern, so dass die Seiten ziemlich aufgebläht wirken. Das trübt das Leseerlebnis schon und man braucht länger um sich an den ungewöhnlichen Stil und das unangenehme Schriftbild zu gewöhnen.

Fazit:
„Plattenbaugefühle“ ist ein gelungener Auftakt zu Jannis Plastargias „Jonas“-Reihe, die durch authentische Charaktere und realistische Jugendprobleme bestischt. Stilistisch ist der Roman definitiv verbesserungswürdig, da man lange braucht, um sich an die langen Sätze zu gewöhnen. Nichtsdestotrotz gelingt dem Autor ein guter Entwicklungsroman, der einige wichtige Themen anschneidet und zum Nachdenken anregt. Wer Jugendbücher mit einer eigenen Sprache sucht, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

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[ZITATE-FREITAG] Tajo@Bruns_LLC

Hallo ihr Lieben,

heute wird es wild beim Zitate-Freitag, denn ich habe mir den ersten Band der Gestaltwandlerreihe von Bianca Nias rausgepickt. Wer kennt sie nicht, die Löwen und Großkatzen, die ihren Kampf gegen den schier übermächtigen Shirkou Soran führen und versuchen seine kriegerischen Machenschaften zu durchkreuzen. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz – sprich eine Reihe die mit der Zeit süchtig macht. Hier findet ihr also einige ausgewählte Szenen des ersten Teils „Tajo@Bruns_LLC“, insgesamt gibt es 4 Romane, einen Hetero-Spin-Off und einige Kurzromane, die in der Welt der Bruns spielen.

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meine Rezension

Auf dem Weg ins Haus hatte er Gelegenheit, den muskulösen Oberkörper und den knackigen Hintern seines Kunden ausgiebig zu begutachten, ohne dass dieser hiervon etwas bemerken konnte.

‚Ohne Anabolika bekommt man solche „Mr. Universum“- Ausmaße doch gar nicht hin‘, dachte er bei sich und bewunderte das Spiel der definierten Rückenmuskeln. Sein Blick wanderte weiter nach unten zu den muskelbepackten Schenkeln. Allein die Waden waren eine Augenweide und bestimmt dicker als seine eigenen Oberschenkel.

Als sich Tajo am Hauseingang zu ihm umdrehte, um ihm höflich die Tür aufzuhalten, musste Marc schlucken und sich beeilen, den sicher verträumten Gesichtsausdruck in eine unverbindlich lächelnde Miene zu verwandeln. Aber offenbar war er hierbei nicht schnell genug gewesen, denn Tajo zog amüsiert einen Mundwinkel hoch und musterte ihn aufmerksam.

Peinlich berührt wandte sich Marc ab und trat ein. Er hatte das Gefühl, beim ungehörigen Starren ertappt worden zu sein und seine Verlegenheit ließ ihm das Blut in den Kopf schießen. Bestimmt war er jetzt knallrot angelaufen.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 16-17 (c) Bianca Nias / deadsoft

„Jon, also wirklich!“, schalt Keyla ihren Bruder. „Ihm muss doch klar sein, dass wir sie letzte Nacht gehört haben, oder? Dann musst du ihn nicht auch noch in Verlegenheit bringen.“

„Ist dir klar, dass er Marc mit in sein Zimmer genommen hat?“, warf Jon ein. „Das war eine absolute Premiere. Er hat noch nie jemanden in seinen Privatbereich gelassen.“

Er warf Keyla ein verschwörerisches Grinsen zu.

„Ja, stimmt. Vielleicht hat es ihm ja zur Abwechslung wirklich mal was bedeutet. Aber das werden wir zwei so schnell nicht erfahren. Tajo ist der Einzige, den ich kenne, der es schafft, sich aus seinem eigenen Privatleben raus zu halten.“

Die beiden Geschwister lachten.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 40 (c) Bianca Nias / deadsoft

Jon begann, sein Hemd aufzuknöpfen und auszuziehen, was Marc ein wenig in Panik versetzte. Hallo? Was wurde das denn jetzt? Wollte er etwa … Sex? Jetzt? Mit ihm? Unmöglich.

„Ich muss dir etwas zeigen, was du bitte erst einmal als einfach gegeben hinnimmst, okay? Hinterher kannst du mir alle Fragen der Welt stellen, aber bitte sitz jetzt einfach ruhig da und halte für 20 Sekunden die Luft an, ohne dich zu rühren, ja? Und bitte erschreck nicht, dass ich jetzt meine Hose ausziehen muss. Ich will sie nämlich nicht ruinieren. Und bitte, bitte nicht schreien, ich tue dir nichts.“

Marc war zu verblüfft, um nur einen Ton herauszubringen. Jon zog sich vor ihm splitterfasernackt aus. Marc beobachtete jede seiner Bewegungen und war komplett verwirrt. Was sollte das?

Jon holte kurz Luft, sah ihn an und plötzlich schienen seine Konturen zu verschwimmen. In nicht einmal einer Sekunde verformte sich sein Körper, wurde größer, zog sich in die Länge, sank auf alle viere und im nächsten Augenblick füllte ein großer, wunderschöner Löwe sein Wohnzimmer aus.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 89 (c) Bianca Nias / deadsoft

Tajo fluchte stumm. Himmel noch mal! Warum war er nur schon wieder so heftig explodiert? Sein Hirn musste im Irak doch einen größeren Schaden erlitten haben, als er gedacht hatte. Jedenfalls hatte es jetzt total ausgesetzt. Verdammt, er war eindeutig zu lange in seiner Löwengestalt gewesen, das hatte ihn schon immer ein wenig durcheinandergebracht. Er sah, dass Marc sich verstohlen eine Träne aus dem Auge wischte. Scheiße, er hatte ihm wehgetan! Das war nicht seine Absicht gewesen.

Vorsichtig zog er sich aus Marc zurück, rollte sich neben ihm auf die Seite und nahm ihn in seine Arme. „Es tut mir leid“, flüsterte er beschämt. „Das habe ich so nicht gewollt.“

„Aber vielleicht gebraucht?“, fragte Marc leise.

Marcs Atem ging noch immer schwer, seine Haut war schweißnass. Tajo schmiegte sich an seinen Rücken, sein Schwanz war noch immer steif und drückte sich sanft gegen ihn. Seine Hände wanderten über Marcs Körper, bis er abrupt innehielt.

„Ich weiß es nicht. Ich weiß so langsam gar nichts mehr. Wem ich vertrauen kann und wem nicht. Wer zu mir steht und wer nicht. Und wie es weitergehen soll. Mit mir, mit dem Rudel, mit den anderen …“, brach es unvermittelt aus ihm heraus.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 159-160 (c) Bianca Nias / deadsoft

Jon war ihm gefolgt und trat jetzt neben ihn, das spürte Marc, ohne hinzusehen.

„Tajo scheint gewusst zu haben, dass es kritisch wird“, murmelte Jon. „Er hat mich vor seiner Abfahrt nicht nur gebeten, auf dich aufzupassen und mit meinem Leben zu beschützen. Nein, er hat mich auch gleichzeitig zum Rudelführer gemacht und ist von seiner Position zurückgetreten.“

„Und das heißt?“, fragte Marc. So ganz blickte er bei den Löwen mit ihren Familien- und Rudelstrukturen noch nicht durch.

„Das heißt, dass du unter meinem Schutz stehst, und dass ich die Verantwortung für dich trage. Und dass er aufgegeben hat. Er glaubt, nicht mehr in der Lage zu sein, das Rudel zu schützen und zu verteidigen.“

Marc sah ihn nachdenklich an. „Wäre das denn so schlimm für ihn?“

Jon nickte betrübt. „Für Tajo ist es die Hölle. Ein geschlagenes Alpha-Tier kommt in der Regel nicht mehr auf die Beine. Und selbst wenn, müsste er mich über einen Kampf von meiner Position verdrängen oder aber weggehen und ein neues Rudel gründen. Die Geschäftsführung von Bruns LLC und das Firmenvermögen gehen allerdings jetzt schon auf mich über.“ Er schnaubte.

„Als ob ich das nötig gehabt hätte, du sturer Mistbock!“, brüllte er wütend in die Wüste hinaus und ballte die Hände zu Fäusten. „Als ob ich das gewollt hätte“, fügte er leise mit belegter Stimme hinzu und wandte sich ab.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 203-204(c) Bianca Nias / deadsoft

„Marc, ich wüsste nicht, was wir ohne dich gemacht hätten“, begann er und sah ihn ernst an. „Nicht nur, dass du Tajos Spur in Saudi-Arabien gefunden hast, war großartig, sondern auch deine bisher hier geleistete Arbeit. Du hast erstaunliche Dinge herausgefunden.“

Marc dankte ihm zurückhaltend. Er war zwar an Lob und Aufmerksamkeit durch seine bisherigen Auftraggeber gewohnt, aber die herzliche Wärme, die er im Kreise der Familie fühlte, ließ ein Glücksgefühl durch seine Magengegend fließen.

Tajo, der sich neben ihm ausgestreckt und sein Bein auf einem Hocker hochgelegt hatte, nahm seine Hand und drückte sie.

„Unser kleines Genie hier hat einen wirklich guten Job gemacht“, warf Jon ein. „Tajo, dafür kannst du mir ewig auf Knien danken und meine Pfoten küssen, dass ich ihn zurückgeholt habe.“

„Ich weiß“, erwiderte Tajo schlicht.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 280 (c) Bianca Nias / deadsoft

Plötzlich kam es ihm so vor, als wäre er nicht allein in der Dunkelheit. Er blieb sofort stehen und lauschte. Seine Nackenhaare stellten sich auf und ihn durchlief ein eiskalter Schauer. Unbewusst griff er mit der linken Hand in die Hosentasche und umschloss fest den Griff des Springmessers, das er immer bei sich trug, seit Anna es ihm geschenkt hatte. War ihm jemand gefolgt?

„Leroy? Jonah?“, flüsterte er leise in die Finsternis hinein. In nächsten Augenblick vernahm er lediglich einen kurzen Windhauch, bevor er zu Boden gerissen wurde. Abwehrend hob er seinen rechten Arm vor sein Gesicht.

Alles ging rasend schnell. Trotzdem nahm er jedes Detail jeder einzelnen Sekunde wahr.

Ein riesiger Schatten warf sich über ihn. Scharfe Zähne verbissen sich in seinen rechten Unterarm. Er spürte den Schmerz jedoch kaum. Dafür registrierte er entsetzt, dass sich ein mächtig starker Kiefer wie ein Schraubstock um seinen Arm schloss. Die Zähne durchfuhren seine Haut und sein Fleisch wie Butter und drangen bis auf die Knochen vor.

„Tajo@Bruns_LLC“, Seite 328 (c) Bianca Nias / deadsoft

Das waren sie – meine ausgewählten Textstellen von „Tajo@Bruns_LLC“ – ich hoffe sie gefallen euch und machen Lust auf mehr, immerhin gibt es viele Bände und Spin-Offs zu den Gestaltwandlern zu lesen. Für die kommende Woche bin ich noch unentschieden, sprich ihr könnt wieder Wünsche äußern. Ich freue mich auf eure Vorschläge.

Liebe Grüße,
Juliane